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Vormund

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Vormund

Bd. 4, Sp. 1281
Der Vormund, des -es, plur. die -münder, Fämin. die Vormünderinn. 1. Überhaupt, eine Person, welche für einer andern Bestes und Sicherheit sorget, es sey nun durch Vertheidigung mit Worten, durch Fürsprache, oder durch Verwaltung ihrer Angelegenheiten, oder endlich auch durch Gewährung thätigen Schutzes; in welcher sehr weiten Bedeutung es ehedem besonders in solchen Fällen gebraucht wurde, wo die andere Person, oder als eine Person betrachtete Sache, solches selbst zu leisten, fähig war. Es ist in dieser weitern Bedeutung, im Ganzen genommen, im Hochdeutschen veraltet, kommt aber noch hin und wieder in manchen einzelnen Gegenden und Orten vor. Die Vorsteher der Kirchen und milden Stiftungen werden noch an vielen Orten, sowohl[] Ober- als Niedersachsens, Vormünder genannt, weil sie nicht nur die Güter derselben verwalten, sondern auch für ihr Bestes sprechen, sie vertreten. Die Vögte oder Advocati der Stifter kommen ehedem gleichfalls unter dem Nahmen der Vormünder vor. Ein Advocat oder gerichtlicher Beystand hieß im Niedersächsischen ehedem Voremunt, Vormund, wovon in dem Brem. Nieders. Wörterb. v. Mund, mehrere Beyspiele angeführet werden. Eben diesen Nahmen bekamen ehedem die Syndici der Städte, und an vielen Orten werden noch die Heimbürgen auf den Dörfern, welche die Güter und das Beste der Gemeine handhaben, Vormünder genannt. Selbst in der Deutschen Bibel hat Luther es noch in einer dieser weitern Bedeutungen gebraucht. Jehu schrieb Briefe und sandte sie gen Samaria, zu den Obersten der Stadt Jesreel, zu den Ältesten und Vormünden (Vormündern) Ahabs, 2 Kön. 10, 1. 5. Und 2 Macc. 11, 1. Kap. 13, 2 heißt Lysias, des Königs Antiochus Vormund, Vetter und oberster Rath. 2. In engerer Bedeutung, welche jetzt im Hochdeutschen die gewöhnlichste ist, ist der Vormund, Fämin. Vormünderinn, eine Person, welche nach dem Tode der Ältern das Beste unmündiger Kinder besorgt, sowohl durch ihre Erziehung, als durch ihre Vertretung und Beschützung, als endlich auch durch die Verwaltung ihres Vermögens. Die unmündige Person heißt in Rücksicht ihres Vormundes, dessen Mündel. Der Vormund besorgt das Beßte unmündiger, der Pfleger und Curator aber auch mündiger Personen. Jemandes Vormund seyn. Jemanden zum Vormunde haben. Anm. Das Wort lautet schon in den Monseeischen Glossen Foramund, im Schwabenspiegel Vormunt, und im Nieders. gleichfalls Vormund. Da Fürsprache und Schutz die beyden wesentlichen Obliegenheiten eines Vormundes in dem ganzen Umfange der Bedeutung dieses Wortes ist, so lässet sich die letzte Hälfte desselben mit fast gleichem Grunde auf eine gedoppelte Art ableiten; entweder von dem veralteten munden, sprechen, wovon im Tatian noch das Intensivum mumigan, aussprechen, und die Zusammensetzung balmund, verleumden, vorkommt; oder auch von dem alten Mund, Schutz, und munden, schützen. Mund, Schutz, kommt sowohl in der Alemannischen Mundart, als auch im Angelsächsischen, Schwedischen u. s. f. häufig vor. Daher war im mittlern Lateine Mundium, der Schutz, Mundius, Mundualdus, ein Beschützer, Vormund, im Alemannischen Balmund, ein schlechter Beschützer oder Vormund, und eine Menge anderer mehr. Man hatte davon auch das Zeitwort vormunden, welches beschützen überhaupt bedeutete, und wovon Frisch eine Stelle aus den Script. Brunsv. anführet. Mündel ist von eben diesem, oder dem vorigen Stamme, vermittelst des Endlautes -el, eine Person, welche den Schutz oder die Fürsprache anderer genießt, und mündig, fähig, sich selbst zu schützen, oder für sich selbst zu sprechen. Im Italienischen heißt ein Vormund noch jetzt Mondualdo, im mittlern Lateine Mundualdus, eigentlich Mund -walt, der den Schutz handhabet. Da Mund, im mittlern Lateine Mundius, schon für sich allein einen Beschützer, tutor, bedeutet, so scheinet das Vorwort vor hier eben so um des Nachdruckes willen vorgesetzet zu seyn, als pro in protegere, um dadurch näher zu bezeichnen, daß sich der Schutz auf einen andern beziehe. Unserm heutigen Gebrauche nach sollte das Wort billig Fürmund heißen, weil der Begriff des für hier sehr merklich ist; allein Vormund hat die Verjährung vor sich, läßt sich aber allenfalls auch eben so erklären, wie in Vorsteher, vorstehen, und andern.[] Von dem alten munden, schützen, vormunden, beschützen, war dieses Wort ehedem in einer doppelten Form üblich. Man sagt ohne Suffixum Vormund, plur. die Vormünde, (welcher noch in der oben angeführten Stelle 2 Kön. 10, 1. vorkommt,) und im Fämin. die Vormündinn, und mit der Endsylbe er, der Vormunder oder Vormünder, (im Deutschen Livius von 1514, Fürminder, Schwedisch Förmyndare, Dänisch Formynder,) da denn der Plural die Vormünder, und das Fämin. die Vormünderinn lautete. Die heutige Hochdeutsche Mundart hat beyde Formen zusammen genommen, und macht von der ersten, den männlichen Singular, von der zweyten aber den männlichen Plural und das Fämininum Vormünderinn. Übrigens wird Vormund häufig von Personen beyderley Geschlechtes gebraucht. Gebraucht man aber das Fämin. Vormünderinn, so bezeichnet selbiges zwar eine weibliche Person, so fern sie wirklich die Vormundschaft eines Mündels verwaltet, aber nicht die Ehegattinn eines Vormundes, die man doch in einigen Gegenden noch Vormündinn nennet. Ein Vormund in der zweyten engern Bedeutung hieß ehedem auch Vogt. Im Oberdeutschen wird er noch Gerhab und Treusträger genannt.
5330 Zeichen · 58 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vormund

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Vormund , des -es, plur. die -münder, Fämin. die Vormünderinn. 1. Überhaupt, eine Person, welche für einer andern Be…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vormund

    Goethe-Wörterbuch

    Vormund [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Vormund

    Rheinisches Wb.

    Vor-mund lautend wie Mund (s. d.) meist Sg. t. m.: nach dem Nhd. Verbr. in Ottw , an der Nahe, Simm (weniger), Bernk (Hu…

  4. Sprichwörter
    Vormund

    Wander (Sprichwörter)

    Vormund 1. Als bösslich solcher Vormund thut, der stilt von seines Pflegkinds gut; nicht minder du Regierer strauchst, s…

  5. Spezial
    Vormund

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Vor|mund m. (-[e]s,-e) ghirau (-ai) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vormund

84 Bildungen · 71 Erstglied · 9 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von vormund 2 Komponenten

vor+mund

vormund setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vormund‑ als Erstglied (30 von 71)

vormunde-, munderschop

LW

vor-munde-, -munderschop, Schutz, Vertretung, Vormundschaft; des dôtslages, Recht und Pflicht, die Klage wegen eines Todschlages zu führen.

vormunden

DWB

vor·munden

vormunden , verb. , vormund sein, als solcher sich betätigen Campe ( als veraltet ) ; vgl. fürmunden th. 4, 1, 1, sp. 773; mhd. mnd. vormund…

vormunder

DWB

vor·munder

vormunder , vormünder , m. , s. fürmünder th. 4, 1, 1, sp. 773, vormund, veraltet; mhd. wb. 2, 237 a ; Lexer 3, 476 ; procurator vormunder D…

vormundhaft

DWB

vormund·haft

vormundhaft , adj. , in der weise eines vormundes: er geberdete sich ... so väterlich autokratisch, so v. berechtigt I. v. Düringsfeld die l…

vormundic

Lexer

vor-mundic adj. nimt ein man ein vitib zu der ê, die vormundig ist gewesen Prag. r. 66,105 ;

vormundin

DWB

vormundin , f. , in älterer sprache neben dem häufigeren vormünderin: daz sy ( Maria ) als vormundinn von got erlang rainigung unserr vermai…

vormundjoch

DWB

vormund·joch

vormundjoch , n. : die lassen knaben sich entmannen von knabenwütrichen, die noch ... selbst tragen vormundjoch Herder 29, 332 S. —

vormundlich

DWB

vormund·lich

vormundlich , adj. , Campe, auch der sprache der neuzeit nicht fremd, den vormund, seine rechte und pflichten angehend: vormundlicher pflich…

vormundner

DWB

vormund·ner

vormundner , m. , vereinzelt in älterer sprache: tutor vormundner quelle bei Schmeller-Frommann 1, 1623 .

vormundsamt

DWB

vormund·samt

vormundsamt , n. Campe ; das amt eines vormundes und das gericht oder kollegium, das die vormundschaftsangelegenheiten ordnet; vormundamt, u…

vormundschaft

DWB

vormund·schaft

vormundschaft , f. , amt, recht und pflicht eines vormundes, gesetzliche fürsorge für eine nicht rechtsfähige person, vgl. fürmundschaft th.…

Vormundschaftamt

Campe

vormundschaft·amt

Das Vormundschaftamt , — es, Mz. — ämter , ein obrigkeitliches Amt, eine solche Landesstelle, welche die Aufsicht über die Vormünder, über i…

vormundschaftlich

DWB

vormundschaft·lich

vormundschaftlich , adj. , tutelaris, tutorius Steinbach 2, 83 ; Frisch 2, 408 b ; ' zur vormundschaft gehörig, in derselben gegründet ' Ade…

vormundschaftsamt

DWB

vormundschaft·samt

vormundschaftsamt , n. , amt, das die aufsicht über die vormünder führt Adelung ; vormundschaftamt Campe ; vgl. vormundsamt. —

vormundschaftsbrief

DWB

vormundschaft·s·brief

-brief , m. : charta de mundeburde regis et principis (ein vormundschafts- oder schutzbrief des königs) M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1…

vormundschaftsbuch

DWB

vormundschaft·s·buch

-buch , n. , im vormundschaftsamt geführt, s. vormundbuch ( ältere sprache ): vormuntschafftsbuch d. raths zu Leipzig vornewerte ordnung u. …

vormund als Zweitglied (9 von 9)

Mitvormund

DRW

mit·vormund

Mitvormund, Mitvormunder, m. wer eine Vormundschaft gemeinschaftlich mit anderen ausübt, uU. aufgeteilt nach Aufgabenbereichen und dann mit …

Oberstvormund

DRW

oberst·vormund

Oberstvormund, m. wie Obervormund (I) daß jeder ... vormund ... ein genaues inventar alles ... eigenthums seiner pflegebefohlenen glaubwuͤrd…

obervormund

DWB

ober·vormund

obervormund , m. obrigkeitliche person, die den vormund einsetzt und die vormundschaftsführung beaufsichtigt: obervormund ist der ordentlich…

Samtvormund

DRW

samt·vormund

Samtvormund, m. Person, die gemeinsam mit anderen eine Vormundschaft ausübt vgl. Mitvormund nachdeme dat hues ... ahne grote gevar und schad…

Sippvormund

DRW

sipp·vormund

Sippvormund, m. der ¹Sippe (I) entstammender Vormund das die jungen kind, die ... mit testamentarien oder sipvormünden nicht versehen seind …

Standesvormund

DRW

stande·s·vormund

Standesvormund, m. I (Ober-)Vormund aus dem Kreis der Standesanverwandten soll hinwiederum, darin bestätigter vormund ... verstürbe, ... von…

Testamentsvormund

DRW

testament·s·vormund

Testamentsvormund, m. in einem Testament (I) (für die eigenen Kinder) bestimmter Vormund des alle tor tuchnisse ... hebbe ick an myn ... lat…

Ableitungen von vormund (4 von 4)

bevormunden

DWB

bevormunden , tutorem dare, einen unmündigen bevormunden; die weiber bevormunden. Hippel 6, 166 . auch einen bevormunden wollen, sich der ge…

BEVORMUNDUNG

DWB2

BEVORMUNDUNG f . abl. von bevormunden vb. plur. ungebräuchlich. 1 ausübung der tätigkeit eines rechtsvertreters, vormunds. rechtlich; selten…

vervormunden

DWB

vervormunden , v. , mnd. Schiller-Lübben 5, 493 ; ' mit einem vormund versehen ' (1593) Fischer schwäb. wb.; die vormundschaft über jemand a…

vormunde

Lexer

vor-munde , vor-münde swm. BMZ s. v. a. vormunt. proheres, tutor Dfg. 463 c . 603 c . Kreuzf. Ludw. Mühlh. r. Ssp. 1,41 ff. Ksr. 73. Prag. r…

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Cotta, M. (2026). „vormund". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vormund/adelung?formid=V01708
MLA
Cotta, Marcel. „vormund". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vormund/adelung?formid=V01708. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vormund". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vormund/adelung?formid=V01708.
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