vergleichen,
verb. gleich machen, stellen, mhd. verglîchen, vergelîchen,
mnd. vorgelîken,
letztere formen, wie auch das einfache gelîchen,
auf lîch (
ähnlich)
zurückweisend. vergleichen
ist erst häufiger seit dem 15.
jahrh. nachgewiesen, eine stelle aus meister Eckhard (
myst. 2, 326, 30)
neben verglîchunge
belegt es aus der geistlichen prosa des 14.
jahrh. (
s. unten);
die mnd. quellen erbringen es bis jetzt nur aus dem 16.
jahrh., im mhd. tritt gelîchen,
das neben intransitiver bedeutung auch transitive hat, oft ein, wo heute vergleichen
stünde, so z. b.: wem mag
ich si gelîchen, die schœnen, sælde rîchen, wan den Syrênen eine, die mit dem agesteine die kiele ziehent ze sich? Gottfrid
Trist. 8089. vergleichen
zeigt mhd. und im ältern nhd. oft die schwache form, die wenigen mhd. belege sind ebenfalls schwach flectiert (
s. unten).
einfaches gelîchen
zeigt sich stark und schwach, ersteres ist in intransitiver bedeutung belegt, das transitiv ist schwach, doch hat auch das intransitiv mitunter schwache formen. daraus dürfen wir folgern, dasz einst das intransitiv stark flectierte, das transitivum schwach, dasz aber die formen früh durcheinander geworfen wurden, im nhd. mag vergleichen
eigentlich schwach flectieren. gleicher unterschied in der flexion mag im ausgehenden mittelalter zwischen gleichen,
das immer mehr auf das intransitiv beschränkt wurde, und vergleichen,
das transitiv war, bestanden haben, ersteres mag zeitweilig nur stark, letzteres nur schwach flectiert haben. aber in folge der angleichung schlosz das schwache zeitwort sich in der flexion dem starken an und wurde auch stark, die schwachen praeterita (
meist wol participia)
sind wahrscheinlich reste einer alten wolberechtigten conjugation. auch das mnd. vorgelîken (
nur transitiv nachgewiesen)
bietet schwache flexion. sie haben sich einer meinung vergleicht.
ernest. ges.-archiv 1523; darumb ist des gottlosen empfahen vergleicht dem borgen und nicht bezahlen. Luther 3, 292
b; so der müncherei werck, Christus leiden und blut vergleicht werden. 6, 22
b; Christus und Adam werden in zwaierlei weisz gegen einander vergleicht. Melanchthon
annot. Römer verdeutscht 25; er wirt eim gloschenden brand vergleicht. Agricola
sprichw. 155
b; euer gedechtnis wird vergleicht werden der asschen und euer rücke wird wie ein leimen hauffen sein.
Hiob 13, 12; mit eim vergleicht werden oder in gleichem teil ston,
aequari cum aliquo Maaler 419
d; diese schüsz mögen wol den streitbuchsen vergleicht werden. Paracelsus (1616) 1, 385
c; Malphas einem hirschen vergleichter teufflischer landpfleger. Ayrer
proc. 3, 6.
während Stieler (
lehrschrift von d. hd. sprachk. 157)
von gleichen
nur geglichen,
aequatus aufführt, also wol auch zu vergleichen
nur vergleichen
bildete, Frisch 1, 353
c nur starke formen verzeichnet, mag sich mundartlich die schwache conjugation erhalten haben und tritt gelegentlich in der schriftsprache hervor, z. b.: dasz das gethöne der waffen ... sich offtmals den schlägen auff amboszen vergleichte. Lohenstein
Armin. 1, 46 (
der Breslauer Steinbach
führt nur die starke form auf).
vgl. Schmeller 1, 1424
Frommann. 11)
sehr selten zeigt sich vergleichen
in intransitiver bedeutung, mhd. nichts derartiges nachgewiesen, aber nhd.: am Rheinstrom wirt es übel gan, wann ein küng on runtzeln wirt uf stan .. Holofernes mag jm nit verglichen, dem doch gantz Israel muost wichen. Gengenbach
Nollhart 751; welcher mensch hie in seinem leben gantz allem wollust ist ergeben .. der vergleicht wol dem feisten schwein. H. Sachs 2, 4, 46 (9, 194, 31
Keller). 22)
sonst wird vergleichen
durchweg transitiv gebraucht, die ursprüngliche bedeutung '
gleich machen'
finden wir 2@aa)
auf äuszeres ansehen angewandt (
vom ebnen, ausgleichen der bodenerhebungen und senkungen): mit möglichster schonung der alten denkmäler hatte sie alles so zu vergleichen und zu ordnen gewuszt, dasz es ein angenehmer raum erschien, auf dem das auge und die einbildungskraft gerne verweilten. Göthe 17, 22; nach einer gewissen ordnung sollten vom ende heran die neuen gräber bestellt, doch der platz jederzeit wieder verglichen und ebenfalls besät werden. 17, 200; und wenn die erde uns einmal aufnehmen soll, so finde ich nichts natürlicher und reinlicher, als dasz man die zufällig entstandenen nach und nach zusammensinkenden hügel ungesäumt vergleiche und so die decke, indem alle sie tragen, einem jeden leichter gemacht werde. 17, 204; der tempel von Segest ist nie fertig geworden und man hat den platz um denselben nie verglichen, man ebnete nur den umkreis, worauf die säulen gegründet werden sollten. 28, 155; hab euch nun gesagt des pfaffen geschicht; wie er alles nach seinem gehirn einricht, wie er will berg und thal vergleichen, alles rauhe mit gyps und kalk verstreichen. 13, 65;
mehrfach hat sich dieses sinnliche vergleichen
in der kunstsprache erhalten, von der bedeutung eben machen, dem boden gleich machen ausgehend, in der töpferei, wenn der töpfer einen thonklosz von seinem thonhaufen herabnimmt, ihn zu seiner arbeit zuzubereiten. Jacobsson 4, 510
a;
von gleichgroszmachen ausgehend: vergleichen
sagt der schneider, wenn er den untern umfang eines kleides gleich grosz macht, gerade schneidet. ebenda; auf den eisenhämmern werden die geschmiedeten eisenstangen verglichen,
wenn sie gerade gerichtet werden. Adelung
versuch 4, 1, 1432;
bei steinernen treppen werden die staffeln gerundet und verglichen. 4, 1, 1433;
bei der goldschlägerei werden die goldblätter verglichen,
d. h. nach ihrer grösze und ihrem werthe zusammen gelegt. ebenda; von der bedeutung gleichaussehend machen ausgehend, das gleichstreichen der haare des manchesters nennt man die haare vergleichen Jacobsson 4, 510
b;
die weiszgerber nennen die blöszen vergleichen,
wenn, sobald die blöszen oder geäscherten felle aus dem äscher kommen, sie die spitzen der füsze, des kopfes, den schwanz u. s. w. abschneiden. ebenda. mitunter findet sich auch das reflexivum in ähnlicher bedeutung: wann sich der hueff am ort nit vergleichen wolte, so feihle es bisz (
er) gleich wird. Seuter
rossarznei 278,
vgl. hiermit: in der frühlingszeit, so tag und nacht sich vergleicht. Forer
fischbuch 24
b. 2@bb)
auf geistiges bildlich übertragen: wiltu an narung bleiben reich, dein maul dem peutel recht vergleich. Schwarzenberg 144, 1; tritt,
was dir will widerstehen, erheb, was niedrig ist, vergleiche was nicht recht, räum ab was hindern kann. A. Gryphius 2, 393. 33)
abstract, geistig gleichmachen, d. i. zur übereinstimmung bringen. 3@aa)
mit persönlichem objecte: dasz ein unversöhnlicher hasz, eine unversöhnliche feindschafft zwischen vater und sohn gestifftet würde, dasz jederman dencken könne, es sei unmüglich, dasz diese beide wider könten zusammen verglichen und vereiniget werden. Schuppius 302; sind also freundlich mit einander verglichen gewest.
Faustbuch 46, 22
neudruck; man könte die Selinuntier mit ihnen vergleichen (
vermögen frieden zu schlieszen). Heilmann
Thucyd. 821; Gellius nämlich spricht, .. dasz ihn seine eigne noth so weit gebracht habe; Hieronymus aber sagt, dasz er wegen damaliger theurung hierzu hätte greifen müssen. allein sie sind leicht zu vergleichen. es kann beides wahr sein. Lessing 3, 5; wenn sie mit ihm fertig waren, zerfielen sie über der theilung unter sich selbst und dann pflegte der fünfte zu kommen und sie auf einmahl zu vergleichen. Wieland 6, 39; die gerichte sollen bedacht sein, die partheien gütlich zu vergleichen.
Mainzer landr. (1755) 31, 53; heute sind wir verglichen worden, die weiber haben nicht eher geruht .. dort drüben fehlt die richtige courage zum streit. die sache wurde langweilig, da gab ich mich drein. Freytag
handschr. 2, 8; drauff zwischen Ginevra und ihrem liebsten ritter meint er zu richten an ein seltzam ungewitter, und solchen zwietracht, zank und feindschafft stifften wollt', dasz man sie nimmermehr vergleichen wieder solt. D. v.
d. Werder
Ariost 5, 22, 4; auch muste der stärkern natur, die selten ihr recht verliert, die kunst zuweilen weichen, kein andrer wuszte den schlauen Epikur so gut, wie er, mit Plato zu vergleichen. Wieland 4, 160;
mit angabe desjenigen, worin man sich verglichen: da wir dann solches kriegs und vehd endlich vertragen und verglichen wurden. Götz v. Berlichingen 99. 3@bb)
mit sächlichem objecte, ohne nähere bestimmung, ausgleichen, gleichmäszig machen, zur übereinstimmung bringen: hie, hie solt man antworten und diese uneinigkeit vergleichen. Luther 3, 439
b; vleis anzukeren, alle .. meinung zwisschen uns selbst in lieb und gütigkeit zu erwegen und dieselbigen zu einer einigen christlichen warheit zu bringen und zu vergleichen. 6, 362; und versechen sich .. e.
m. werde die verschaffung .. thon, das .. die sachen der religion durch ein nationalversammlung in der güt nach göttlichem wort verglichen werde(n). Druffel
briefe u. acten 3, 2; nach keiser Ludwigs absterben entstunden grosze kriege under seinen söhnen. alsz die nuhn verglichen (
waren), kam Hessen an sein sohn Ludwigen. Dillich
hess. chron. 2, 106; Florindo .. spendirte dem mahler ein paar dukaten, damit war die sache verglichen. Weise
erzn. 31
neudruck; kaum waren zwei jahre verflossen, als er alle streitigkeiten .. verglichen hatte. Rabener 3, 147; da pflegt alles sehr bald verglichen zu werden. Knigge
umgang 2, 149; wenn erst der boden rein ist von dem feind, dann wollen wirs in frieden schon vergleichen. Schiller 543;
ausgleichend zu stande bringen, durch vergleich ins werk setzen, festsetzen: es (
das ministerium) verglich jenen unerwarteten frieden. Schiller 903; es ward verglichen, dasz sie zeit lebens nichts feindliches gegen einander unternehmen wolten. Mascou 2, 179; sie haben auch die verglichnen artikul wider zuruckzihen wellen und weren wider dise religion so giftig. Druffel
briefe u. acten 3, 10; hier sind die punkte des verglichnen friedens. Schlegel
Shakespeare könig Heinrich VI, 2.
th. 1, 1;
mit näherer bestimmung des zu vergleichenden, übereinkommend machen, das, womit man es übereinkommend macht, durch mit
beigefügt: derhalben mügen der Behmen zwitracht und glauben mit den secten im bapsttum durch solche .. mittel nicht vergleicht, noch vereinigt werden. Luther 2, 144; so sich der bapst hie in dissen artikeln weissen liese, sagen sie, das sie in den ubrigen leichtlich mit jme vergleicht mögen werden. 6, 328
b; der mensch sol seinen willen mit got vergleichen, conformieren und vereinigen. Frank
chron. 131;
das, womit man vergleicht, im dativ: es ist eine unfehlbare anzeigung einer wohlgeschickten natur, die follkommene weisheit zu erlangen als .. die heftigkeiten des willens dem vermögen zu vergleichen. Butschky
Patmos 49. 3@cc)
reflexivum, im anschlusse an a, von menschen gesagt, zur übereinstimmenden handlung, ansicht kommen: ich hab mich bisher gevliessen von christlicher lere nach gewönlicher weis zu reden .. damit man mit der zeit desto leichter zusamenrücken und sich vergleichen könde.
J. Jonas bei Luther 6, 379; sehen auch nichts lieber, dan das sie sich in der guete verglichen. Druffel
br. u. acten 3, 125 (
von 1553); so sollen sich die partei obmans vergleichen und wo sie sich des nicht vergleichen kündten, als denn ein jeder teil einen, zween oder drei benennen und darumb lossen. 3, 106
b; wir lassen alles auf deinen ausspruch ankommen und vergleichen uns darnach. Klinger 5, 101; ich bitt euch, haltet jetzt frieden, wir werden uns als brüder vergleichen. Auerbach
dorfg. 4, 62; darum wir uns alsbalt verglichen und in ain ander gemach schlichen. Fischart
dicht. 2, 46, 1689
Kurz; ich lieb euch, sprach sie oft, und einer sei mein mann, allein ich wähle nicht, um keinen zu betrüben: vergleicht euch, und alsdann will ich nur einen lieben. Gellert 1, 236; seitdem sich beide so verglichen, war ungefähr ein jahr verstrichen. Wieland 18, 285; so dan allain in diesen zweien furstenthumen die religion genzlich restituiert, so haben e. kai.
m. das Schwabenland und den Rein und werden sich die marggrafschaft Baden, die herzogen von Pairn, zu Sponheim und Zwaiprucken denselben vergleichen und nachvolgen müssen. Druffel
briefe u. acten 3, 73; herr Leander will sich mit ihnen vergleichen. Lessing 1, 366; die gläubiger haben sich mit dem schuldner verglichen. Adelung 1, 1, 1433; aber sie (
die musen) mögen bei jn leiden die weisen götten und gescheiden, Appollinem und Palladem, die sind den musis angenem, weil sie fein still sich jn vergleichen und leut zur klugheit auch erweichen. Fischart
dicht. 3, 13, 167
Kurz; da recht du fromme nachtigal, du jenem schall nit weiche, da recht du treuer widerschall (
echo), du stets dich ihr vergleiche. Spee 15, 5, 44
Balke; mit personification abstracter begriffe: verdienst und gnad die können sich zusammen nicht vergleichen. Wackernagel
kirchenl. 3, 198; ein mann, um den die muse sich mit der gesellschaft schlau verglich. Gotter 1, 237;
mit angabe des gegenstandes, worum man sich vergleicht: haben sich einer meinung vergleicht.
ernest. ges.-archiv 1523; wo sie sich des nicht vergleichen kündten. Luther 6, 379; hat er sich einer reisen, zum heiligen land zu ziehen, verglichen. Melanchthon
or. von herz. Friedrich, deutsch von Lauterbeck (1563) 12; eine hauszhaltung ist eine vorfreundte vorsamlung, die sich miteinander auszupringen vergleichet. Fischart
ehz. 531; allhie vergleicht man sich auch der kennbinden oder feldzeichens. Kirchhof
milit. disc. 85; die herbariae rei scriptores können sich seines lateinischen namens nicht recht vergleichen (
beim erdbeerspinat). Hohberg 1, 507
a; so du jn gäbest starcken wein .. möchten sie sich des weins vergleichen: und würd das gschwätz vil lenger weren, so jren keiner wölt heim begeren. Scheidt
Dedekinds Grobian. H 2
b (63
neudruck); derhalben sich ein ehrlich gsellschaft .. verglichen haben eines stücks, welches bedorft wol groszes glücks, nemlich in eim tag thun ein fart, die man kaum in vier tagen fahrt. Fischart
dicht. 2, 183, 147
Kurz; sobald ich ihm aber eine handvol ducaten wiese .. war der handel ohn einziges ferneres bitten bei ihn schon richtig, ohne dasz wir sich um den schifflohn miteinander verglichen.
Simpl. 2, 213, 26
Kurz (wir sich verglichen
mundartlich statt wir uns,
wie z. b. im hessischen heute allgemein); woher das cornu copiae kommen sei, darüber können sich die scribenten nicht vergleichen, sondern sein unterschiedener meinungen davon. Butschky
Patm. 677; sie (
die übersetzung) hat verschiedne urheber, die aber über die beste art zu übersetzen sich sehr wohl verglichen zu haben scheinen. Lessing 5, 72; wenn sie sich über die beste art der rechtschreibung eben so wohl verglichen gehabt hätten, so würde ich den leser ... nicht ersuchen dürfen, den kleinen übelstand zu entschuldigen. 5, 73; wie können wir uns dann so sehr bei einer zufriedenheit gefallen, welche sich gegen ihre gegenwärtige ruhe um alle ansprüche auf mehrere vollkommenheiten vergleichet? Möser
verm. schr. 1, 25; des Turken halben wer nit weniger, i.
m. hett nach aim anstand gehandelt der teutschen nation zum besten, dieweil die Teutschen alweg auf den reichstagen irer leut armuet geclagt und het i.
m. bedacht, das man unter dem anstand dester pesser sich vergleichen mocht, wie man ein hilf wider den Türken thon kindt. Druffel
briefe u. acten 3, 3; so haben wir uns sambtlich dahin verglichen, dasz wir, herzogk Ernst, die bemühung auf uns nehmen.
weim. staatsarchiv 1635; es verglichen sich die sykofanten in güte dieses hügelchen der groszen Themis zu heiligen. Wieland 20, 64; allein er hätte zur schmach, auf einem räuberschiff an ketten zu rudern, sich eher verglichen als länger gemartert zu sein mit solchen wespenstichen. 5, 18;
mit personification abstracter begriffe: dasz der kinder gehorsam gegen die eltern in erwehlung eines ehegatten sich mit der freiheit erst vergleichen muste.
polit. stockf. 338; was noch so wüthend ringt, sich zu zerstören, verträgt, vergleicht sich, den gemeinen feind der menschlichkeit, das wilde thier zu jagen. Schiller
hist.-krit. ausg. 12, 226 (
Wallenst. tod 1, 6);
selten von dingen gesagt: disz alles ist iczunt seinen gn. geschriben, welches .. sich nicht alles mit den neuen gezceiten (
nachrichten), die e. gn. .. zugeschickt, vorgleicht oder übereinkomet.
ernest. ges.-archiv 1523. 44)
eine andere seite des geistigen gleichmachens, ausgleichens ist vergelten,
in welcher bedeutung man vergleichen,
besonders in älterer zeit, oft gebrauchte: ich will die gefälligkeit schon wieder zu vergleichen suchen. Adelung
versuch 4, 1, 1433; vergleichen mit: wo du aber nicht nachlassen würdest, so ist zu besorgen, er werde die harr mit schweerheit der pein vergleichen. Luther 3, 192
b; denn wer mit genieszen wil, der mus auch mit gelten und lieb mit lieb vergleichen. 3, 202
b; dasz wir nit arges mit argem vergleichen und umb unsere gütter nit hadern. Melanchthon
hauptart. 32; ewer schenck thu ich mich erfrewen, warmit sol ich die schenck vergleichen? H. Sachs 2, 1, 8 (6, 53, 14
Keller); bedanck mich ewer gutwilligkeit, wills auch vergleichen zu seiner zeit. Chryseus
hoffteufel d 6; doch kompt die zeit, die es vergleicht, und ist jr ruht scharpff eingeweicht. Kirchhof
wendunm. 384
b. 55)
eine sache oder person einer andern gleich stellen, gewöhnlich ist dasjenige, dem man einen oder etwas gleichstellt, im dativ beigefügt, seit dem 17.
jahrh. auch durch die präposition mit,
doch selten: der mensch, do er in eren was, hat er solichs nit war genommen, darumb ist den unvernünftigen thieren glich worden und inen verglichet. Schade
sat. u. pasqu. 3, 2, 19; aber die nieslinge und eigensüchtige sehen krum und scheel, wenn sie gewar werden, das sie nicht die höhesten und besten sind in den gütern, murren für das loben, das sie andern gleich oder geringer sind, wie die im evangelio, die wider den hausvater murreten .. das er sie den andern vergleichet mit dem teglichen pfennige. Luther 1, 485
b; dagegen sagt obgemelter, so habt jr uns aber mit unwarheit getroffen, das jr uns den schwermenden geistern vergleicht. 2, 468; ah, du tochter Jerusalem, wem sol ich dich vergleichen, damit ich dich trösten möcht?
klagel. Jer. 2, 13; das ist unser gott und keiner ist jm zu vergleichen.
Baruch 3, 36; es ist kein reichthum zu vergleichen einem gesunden leibe und keine freude des hertzen freude gleich.
Syrach 30, 16; ewer gedechtnisz wird vergleicht werden der asschen, und ewer rücke wird wie ein leinen hauffen sein.
Hiob 13, 11; und er sprach, wem wöllen wir das reich gottes vergleichen?
Marc. 4, 30; darumb, wer diese meine rede höret und thut sie, den vergleiche ich einem klugen mann, der sein haus auff einen felsen bawet.
Matth. 7, 24; es künnen auch keine ketzer den Parisern und papisten vergleicht werden. Luther 2, 41
b; hieraus mügen wir .. verstehen, warumb er (
St. Peter) den papst und die bischove vergleicht dem propheten Balaam. 2, 127; nu ist ja ewer unschuld für der welt gewis und werdet mit diesem spruch des heiligen geistes allen christen und Christo selbs vergleichet und zu gleich getröstet. 6, 12; das aus obgenantem grunde nemlich, so der müncherei werck, Christus leiden und blut vergleicht werden, solche grewel folgen, das mus ein jglicher bekennen .. denn Christus leiden und blut kan nichts gleiches neben sich haben. 6, 22
b; wer die müncherei der heiligen tauffe Christi vergleicht, der vergleicht sie gewislich dem leiden und blut Christi ... das aber die münche die tauffe Christi jrer müncherei vergleicht haben, das können sie nicht leugnen.
ebenda; sie sagen ... man müsse die sünde durch unser werckbusse .. tilgen, wie sie denn unverschampt ... jre möncherei und closterleben der tauffe vergleicht haben. 6, 299; es ist nit on sundere ursach geschehen, das ... der adler allermeist darzuo taugenlich gesehen worden ist, dem nicht allein die vögel, sunder auch die weiszen das primat und fürstenthumb haben heimgesetzt und den kaisern vergleicht. Frank
chron. 119; derwegen seind die, so den keiser dem papst vergleichen, die argesten ketzer. Fischart
bienenk. 121
a; so kont er auch nicht, wie der mönch zu Trier, das himmelreich eim berg mit butter vergleichen. 195
b; verzicht mir, dasz ich euch den säuen vergleich, sie geben dannoch guten speck.
Garg. (1590) 72; diese schüss mögen wol den streitbuchsen vergleicht werden. Paracelsus
opp. (1616) 1, 385
c; dann er hat mich einer hummel oder mcken verglichen. Ayrer
proc. 3, 1; ihre lange brüste weisz ich nichts anders zu vergleichen, als zweien lummerichten kühblasen, denen zwei drittel vom blast entgangen.
Simplic. 1, 131, 14
Kurz; ich ... machte ein lied, in welchem ich den geitzigen einer sau vergliche, von welcher man nichts gutes zu hoffen, bisz sie der metzger tod auf dem schragen liegen hätte. 1, 355, 12
Kurz; würde ein solcher, der damit aufgezogen käme, nicht mit dem Cujano zu vergleichen sein, der durch die lufft zur sonn ... gesegelt? 3, 337, 17
Kurz; du mückenseiger, wem sol ich dich doch vergleichen? Schuppius 591; wem sol ich dich vergleichen, du unzüchtiges gottloses hurenvolck? 520; David vergleichet die lügenhafftige zunge dem schlangen- und otterngifft. 310; erkennen sie, misz, in mir die Marwood, mit der sie nicht verglichen zu werden, die Marwood selbst fuszfällig bitten. Lessing 2, 73; Shakespeare .. hatte ihm einen prinzen bekannt gemacht, der sich .. an der rohheit .. solcher ganz sinnlichen bursche ergötzt. höchst willkommen war ihm das ideal, womit er seinen gegenwärtigen zustand vergleichen konnte. Göthe 19, 13; (
der knabe) mochte, wie Philine schon angegeben, ungefähr 3 jahre alt sein und Wilhelm verstand nun erst, warum das leichtfertige .. mädchen den knaben der sonne verglichen. 19, 85; nach dir ein ander königreich wirt auff kommen, doch ringer vil, das ich dem silber vergleichen wil. H. Sachs 3, 1, 145 (11, 36, 14
Keller); o kind Jerusalems, wem soll ich dich vergleichen? Opitz 3, 35; weil in deinen (
des Mars) kriegen so mancher mutter kind pflegt täglich aufzufliegen, soll je der erdenkreisz nicht wüst und öde sein, als bringet Venus dann den schaden wieder ein und giebet wann du nimpst. disz zeigen auch die zeichen, so an dem himmel stehn, darmit wir euch vergleichen und ordnen sie euch zu, den wider und den stier. 1, 91; wem darff ich am glücke weichen, weil mich der so sehnlich liebt, dem kein wein ist zu vergleichen, den die beste traube gibt. Opitz 3, 8; wen vergleicht man füglich rosen, jungfern oder junggesellen? Logau 3, 126, 38 (551
Eitner); eine (
freude) meiner seligkeit zu vergleichen. Klopstock
Mess. 4, 965; dasz sie (
die liebe) für mir (
der ehrfurcht) wird ihre segel streichen, ihr abendlicht mir sonne nicht vergleichen. Lohenstein
Agripp. 406; doch freilich wars ein blick, nur jenem zu vergleichen, den Koypel seinem Amor gab, der euer herz gewisser zu beschleichen, euch schalkhaft warnt ... Wieland 9, 30; die wochenblätter .. verglichen seinen silberton der ersten sängerinn in vater Zeus orchester. Gotter 1, 198;
mit angabe desjenigen, wodurch man etwas dem andern gleichstellt: die überraschende umgestaltung des grafen don Manuel in eine junge dame, welche zwar an schönheit und anmuth mit donna Rosa nicht zu vergleichen, aber was ihr von dieser seite fehlte, durch leidenschaft ersetzte. Wieland 38, 202; es ist kein vogel auff der erden, der euch an schöne vergleicht mög werden. Waldis 1, 32, 32; ein arm an kraft mit Rolands zu vergleichen.
Oberon 1, 58; vergleichen gegen
etwas: Schweden ist nicht zu vergleichen gegen meinem vaterlande: mein vaterland ist ein solch herrliches land, dasz .. Schuppius 634; an
etwas: ja du bist wohl an lsis zu vergleichen, ein liebenswürdig, schmiegsam wunderzeichen. Göthe 3, 32;
reflexiv, sich gleichstellen, sich gleich machen, mit dem dativ des zu vergleichenden, äuszerlich gleich sein: subtile tuoch, welche gferbt sich der seiden vergleichen. Frank
weltb. 201
b; der baum vergleichet sich fast dem lorberbaum. 204
a; so seindt die wälde dermaszen ... mit jungen ästen und dornhecken verflochten, dasz sichs einer mauren vergleichet. Fronsperger
kriegsb. 3, 142
a; der ritter den brieff beschlieszen thet, sein pitschier darauff drucket, welchs sich dem pitschier seins vatters ganz vergleichet, dann sie einen namen und wappen hatten.
Galmy 186; es (
das obst) hat ein fleischlein wie ein krebs, das hat eine farbe wie ein rubin oder rother pfersig und einen geruch, der sich beides, den melonen und pomerantzen vergleichet.
Simpl. 2, 174, 8
Kurz; bildlich: sie (
die liebkosenden hoffreunde) vergleichen sich dem wachse und wie sich dasselbige schmeltzen und auff vielerlei arten bilden lässet, also können sie sich in allerlei gestalten .. verändern. Butschky
Patm. 6; herrliche flecken und dörffer, welche sich leichtlich städtlin vergleichen können. Dillich 51; dasz das gethöne der waffen ... sich offtmals den schlägen auff amboszen vergleichte. Lohenstein
Arm. 1, 46; diese familie vergleicht sich jener sehr gut und der verkappte herr da mag sich die ehre anthun, für herrn Burchel zu gelten. Göthe 25, 348; so sich nohen die letsten zeit, werden gar vil vom glouben wichen, den tüfelschen leren sich verglichen. Gengenbach
alter 30; ob sich die werk verglichen nicht mit unser ler. Murner
narr. 7, 90
Gödeke; drumb wiltu werden tugent reich, der meisten meng dich nit vergleich (
mache dich nicht gleich der menge der meisten). Schwarzenberg 158, 2
a; dann es sindt unbekante zeichen, die sich der zauberei vergleichen. Thurneisser
erklär. der archid. (1575) 145; beredent sich, dasz in der welt nichts dem hofleben sich vergleicht. Weckherlin 207, 26
Gödeke; das zu vergleichende durch präposition beigefügt: disz alles ist iczunt seinen gn. geschriben, welches ... sich nicht alles mit den neuen geczeiten, die e. curf. gn. am nechsten von A. Tucher zugeschigkt, vergleicht oder ubereinkomet.
ernest. ges.-archiv 1521; mein herkommen und aufferziehung läst sich noch wol mit eines fürsten vergleichen.
Simpl. 1, 10, 10
Kurz; ein hauszwesen ausz verwickelter schuld zu erledigen, kan einer ihm selbst ebenso viel schaden mit zu vieler eilung und aufschub. dann die gar zu eilfertigen verkauffungen vergleichen sich offt mit den schäden, so man ausz dem gewinnen hat. Schuppius 739; nicht dasz sie just mit jemand ihn verglich, der zwischen ihm und ihrem herzen stünde: ganz arglos überliesz sie ihren augen sich. Wieland 22, 117 (
Oberon 3, 41);
an innerm werthe gleichen: eine obrigkeit, die säumig ist in entscheidung der rechtsachen, vergleicht sich einem langsamen artzt, bei dessen cur einer lieber möchte sterben als gesund werden. Schuppius 739.
durch präposition mit
das zu vergleichende beigefügt: ich bin nicht halb so brav, nicht halb so entschlossen als der arme unglückliche, mit dem ich mich zu vergleichen mich fast nicht getraue. Göthe 16, 120; allein der himmel war dein reich und was sich wohl mit dem vergleich, das hast du dir geeiget zu. Hutten 5, 60
Münch; durch präposition zu
beigefügt: also dasz die fabel vom Scylla zum stand des studirens .. sich lobhafftig vergleichen thut. Schuppius 767. 66)
in neuerer zeit hat vergleichen
vielfach eine etwas andere färbung in der bedeutung angenommen. während früher die nebeneinanderstellung und gleichstellung das zumeist betonte war, nimmt das wort später den sinn des kritischen betrachtens, abschätzens an; früher ist es mehr die gleichheit, welche bei vergleichen
hervorgehoben wird, heute mehr das unterscheidende neben dem gleichen. auch die construction ändert sich; während wir in früherer zeit das zu vergleichende meist im dativ angefügt haben, tritt heute die präposition mit
ein. ein erstes beispiel dafür ist die oben aus Opitz 1, 91
angeführte stelle. ohne weitere zufügung: hier hatte ihm niemand vorgearbeitet, hier muszte er selbst sammeln, berichtigen, vergleichen. Lessing 6, 282; ich denk und vergleiche, sehe mit fühlendem aug', fühle mit sehender hand. Göthe 1, 265;
mit accusativ: er (
Horaz) war zwar, wenn ich die zeiten vergleiche, damals nicht in Rom. Lessing 4, 43; Althing hatte akten zu vergleichen. Gutzkow
Serapionsbr. 1, 56; handschriften vergleichen
u. s. w.; mit
etwas: (
das geräusch der tobenden stadt) das ... den könig selbst ... so ängstigen müszte, als mich, wenn er die gewalt dieses tobenden stroms mit der geringen kraft vergleicht, durch die sie in schranken gehalten wird. Thümmel 1, 274; wenn man in einzelnen fällen den mahler und dichter mit einander vergleichen will, so ... Lessing 6, 435; ferner ist dem inländer die sache so viel leichter, weil er sich um mittag und mitternacht eigentlich nicht bekümmert und nicht ... zwei zeiger mit einander vergleicht. Göthe 27, 73; der Venetianer muszte eine neue art von geschöpf werden, wie man denn auch Venedig nur mit sich selbst vergleichen kann. 27, 103; so vergleiche ich zum beispiel jetzt das hiesige theater mit dem weimarischen. 43, 22; tausendmal verglich man Friedrichen mit Caesarn. 49, 195; auch wenn man seinen schmerz mit andern möglichen an seiner person vergleicht, wird er dadurch doch erträglicher. Kant 10, 260; ich musz das bild doch mit dem jungen tempelherrn vergleichen. Lessing 2, 306;
particip: da diese, mit den vergleichenden augen auf dem gerippe und dem schattenbilde leise zu Victor sagte .. J. Paul 8, 186;
mit personification abstracter begriffe sprechen wir von vergleichender anatomie, sprachwissenschaft
u. s. w.; diese mannichfaltigkeit, verglichen mit meiner beschränkten fähigkeit des gewahrwerdens, auffassens, ordnens und verbindens schien mir die nothwendigkeit einer gesellschaft herbeizuführen. Göthe 31, 23; des übels ganze summ, wie grosz sie Baylen dünkt, ist kaum ein regentropf, der in das wasser sinkt, verglichen mit dem glück, das noch entfernte zeiten, von Titan nicht erlebt, den geistern zubereiten. Wieland 37, 87; gegen
etwas: und ist doch solch ablas warhafftig die aller geringste gnade, wenn mans gegen der gnaden gottes und des creutzes gottseligkeit helt oder vergleichet. Luther 1, 10
b; die morgenröt erbleichet und scheinet gleich dem kot, so nur man sie vergleichet, gen seinen wänglein rot. Spee
trutzn. 36, 72
Balke. hiezu das reflexivum: er (
der mensch) hat ein original in seiner idee, mit dem er sich vergleicht. Kant 10, 439; nicht bis sich unsre schwerter erst vergleichen. Schiller 504.