Vergleichen, v. unregelm. (
s. Gleichen). I) trs. 1) Gleich, eben machen, wie auch, einem andern Dinge gleich machen. Die Eisenstangen vergleichen, auf den Eisenhämmern, sie gerade richten; auch ausgleichen. Alle Unebenheiten auf einer Fläche vergleichen, sie völlig gleich, eben machen. Den Boden vergleichen. Den Baumwollsammt vergleichen, den Flor desselben so gleich als möglich machen. Der Schneider vergleicht unten den Rand eines Rockes, wenn er ihn rund herum gerade schneidet, so daß die Theile, wenn er zusammen gelegt wird, gut über einander passen, und keiner vor dem andern hier oder da vorstehet; auch abrunden. Die Weißgerber vergleichen die geäscherten Felle, indem sie die Spitzen da, wo die Felle die Füße, den Kopf, die Brust bedeckten, wie auch die Ohren und den Schwanz abschneiden und dadurch die Felle gleich machen. I weiterer und uneigentlicher Bedeutung, dem Werthe oder andern Eigenschaften nach gleich machen. So sagt man eben nicht zum besten im gemeinen Leben zuweilen, wenn man von Andern eine Gefälligkeit erhalten hat, man wolle es wieder zu vergleichen suchen, besser, auszugleichen, wett zu machen suchen. Einen Verlust vergleichen, besser, ersetzen, gut machen. Häufiger und besser wird es gebraucht, für, streitige Personen und ihre Meinungen und Ansprüche, gleich zu machen oder in Übereinstimmung zu bringen suchen. Zwei streitende Parteien vergleichen, sie bewegen, gegenseitig ihre Ansprüche ganz oder zum Theil aufzugeben, so daß ihre Foderungen sich heben, oder daß die eine nur so viel fodert, als die andere zu leisten sich willig findet. So auch, sich vergleichen mit jemand, die gegenseitigen Ansprüche aufheben oder sich darüber friedlich vereinigen, so daß es zu keinem Rechtsstreite kömmt, oder ist es schon dazu gekommen, derselbe dadurch geendiget wird; zum Unterschiede von sich abfinden, welches nur bei einseitigen Ansprüchen Statt findet und durch Erstattung einer Sache von gleichem Werthe geschieht. Beide Parteien haben sich schon verglichen. Die Gläubiger haben sich mit dem Schuldner verglichen. Sich wegen des Preises nicht vergleichen können, darüber nicht einig werden können. Auch sagt man, Streitigkeiten vergleichen, sie vermitteln, beilegen. I
N. D. verliken oder verlikenen. Uneigentlich sagt man auch, Einnahme und Ausgabe vergleichen, sie ins Gleichgewicht bringen, die Ausgabe nicht größer werden lassen als die Einnahme beträgt. Х Die Rechnung vergleicht sich, sie stimmt überein. Х Ausgabe und Einnahme vergleichen sich, halten einander das Gleichgewicht. Hieher ist noch die Bedeutung zu rechnen, in welcher es die Töpfer gebrauchen, welche den Ton vergleichen, wenn sie ihn zu einer bestimmten Arbeit dadurch zubereiten, daß sie ihn auf der Wellbank mit den Händen durchwirken, damit er in allen Theilen gleiche Eigenschaften bekomme. 2) Die Gleichheit, Ähnlichkeit oder Ungleichheit, Unähnlichkeit, Verschiedenheit zwischen zwei oder mehrern Dingen aufzufinden und zu erkennen suchen, sowol überhaupt, als auch in einzelnen besondern Umständen, und es geschehe, indem man beides wirklich gegen einander hält, oder sich nur in Gedanken vorstellt. Ein von einer Person gemachtes Bild mit der Person selbst vergleichen. Das Nachbild mit dem Urbilde vergleichen. Wenn
ich Vater und Sohn vergleiche, so finde ich große Unähnlichkeit zwischen beiden. Die Übersetzung mit der Urschrift vergleichen, abwechselnd die eine und die andere lesen und untersuchen, ob jene den Sinn dieser ausdruckt und wie sie ihn ausdruckt, ob sie ihr überhaupt gleich kömmt, und, wie gleich. Zwei Übersetzungen mit einander vergleichen, sie beide neben einander oder nach einander lesen, um zu erfahren, welche von beiden die bessere,
d. h. die der Urschrift am meisten gleich kommende ist. Eine Handschrift vergleichen, mit dem Gedruckten Zwei Dinge in Ansehung des Mehr oder Wo= niger vergleichen. Vergleiche ich sie in Ansehung der Größe, so finde ich, daß der Eine größer ist als der Andere. Alle Umstände aufmerksam vergleichen, um der Sache auf den Grund zu kommen. Die Handelweise eines Menschen mit seinen Grundsätzen vergleichen, sie zusammenhalten und untersuchen, ob sie mit einander übereinstimmen oder in Widerspruche stehen. Mit Gott, dem Vollkommenen, können wir schwachen gebrechlichen Menschen uns nicht vergleichen. Wie kann ich mich mit ihm vergleichen, da er an Stand, Vorzügen so weit über mich erhaben ist. I dieser Kunst ist ihm niemand zu vergleichen, darin hält niemand eine Vergleichung mit ihm aus, darin übertrifft er sie alle, kömmt ihm niemand gleich. »Hierin ist ihr niemand zu vergleichen« Lessing. (R.) »Wem soll ich dich vergleichen?« Klagel. 2, 13. Zuweilen auch, eine bildliche Ähnlichkeit zwischen zwei dem Anschein nach verschiedenen Dingen aufsuchen und aufstellen, ein Gleichniß zwischen zwei Dingen machen. »Er sprach aber: wem ist das Reich Gottes gleich, und wem soll ich es vergleichen? Es ist einem Senfkorn gleich « Luc. 13, 18. 19. I einer engern Bedeutung vergleicht man verschiedene Dinge, um diejenigen, welche sich gleich sind, von den übrigen ungleichen abzusondern. So vergleicht der Goldschläger die Goldblätter, wenn er sie in der zweiten Quetsche geschlagen hat, indem er sie vermittelst der Form nach der Schwere sortet, damit zu einer Form lauter Blätter von gleicher Schwere kommen. Eigentlich sollte man vergleichen als trs. regelmäßig umwandeln,
s. Gleichen, allein ob man es gleich zuweilen so umgewandelt findet,
z. B. Hiob 13, 12: »Euer Gedächtniß wird vergleicht werden der Asche,« so wird es doch, diese Ausnahmen abgerechnet, allgemein unregelmäßig umgewandelt, so daß man sich danach bequemen muß. II) rec. Sich vergleichen, sich vergleichen lassen, sich ähnlich sein, gleich sein. Wahrlich unsere Zeit vergleicht sich den seltensten Zeiten. Göthe. D. Vergleichen. D. — ung.