vergelten,
verb. compensare. 11)
goth. fragildan,
ags. forgildan,
alts. fargeldan, forgeldan,
altfries. urielda, forielda,
ahd. fargeltan, farkeltan,
mhd. vergelten.
in betreff der formen schlosz sich vergelten
wol streng an gelten
an, wir setzen daher voraus, dasz vergelten, vergilte, vergalt, vergulten, vergolten
ablautete. so noch mhd.; im nhd. finden zwei angleichungen statt, die 1.
pers. präs. sing. gleicht sich dem plurale an, der plural des prät. gleicht sich dem singular des prät. an. aus den nhd. belegen ist nicht nachweisbar, wie lang sich die einzelnen formen erhielten, doch wird sich, wie beim einfachen worte, auch in der zusammensetzung die alte conjugation bis ins nhd. erhalten haben. die erste person des sing. präs. hat wol schon seit anfang des 17.
jahrh. gelte, vergelte
gelautet. der imperativ vergilt
ist mehrfach bei md. schriftstellern (Göthe) vergelt
geworden (
s. unten),
was theils analogiebildung zu den andern präsensformen, theils mundartlicher einflusz des mitteld. ist. im prät. ist eine doppelangleichung beim einfachen zeitwort im 17.
jahrh. wahrzunehmen, der plural nimmt den vocal des singulars an, galten, galtet,
andererseits wird der singular dem plural vocalisch gleichgemacht und da letzterer sein u
zu o
geschwächt hat, lautet der singular golt, goltest, golte,
so bei Stieler 680
und bei Schottel 586,
der allerdings nur 2.
und 3.
person aufführt. vermutlich sind diese formen auch für die zusammensetzung anzunehmen, doch wie im einfachen zeitwort bald durch vergalt
verdrängt worden. als conjunctiv führt Schottel
vom einfachen zeitwort ich gülte
auf, ein vergülte
ist heute nicht mehr üblich. wie sich aber neben gülte gölte
entwickelt hat und neben gälte
von den besten schriftstellern (Göthe, H. Heine)
festgehalten wurde, so mögen auch für die zusammensetzung vergölte, vergälte
als brauchbar heute noch gelten. 22) vergelten
hat die bedeutung des einfachen gelten
behalten, jedoch sich einseitiger entwickelt. es hat dies vielleicht seinen grund darin, dasz ver
einen streng transitiven sinn beim zeitwort begünstigt, und wie die zeitworte mit ver
oft die geistige seite des begriffes mehr entwickelt haben, während das ältere simplex mehr an der sinnlichen bedeutung festhält, so gewinnt auch vergelten
besonders im nhd. nur abstracte bedeutung, die ältere sinnliche gewinnen wir nur aus den alten dialekten. wie bei einfachem gelten
ist die grundbedeutung von vergelten '
zurückerstatten, zurückzahlen',
diese bedeutung finden wir seit alter zeit bis in die neuzeit festgehalten, doch verschieden angewandt. 2@aa)
die nachweisbar sinnlichste bedeutung ist wol empfangenes geld zurückzahlen, so in den germanischen dialekten, ags. (
belege Bosworth 1882 1, 311
a),
altfries. (Richthofen 1112);
auch ahd. her thô ni uuolta, ouh gieng inti santa inan in karkeri, unz uorgulti thia sculd.
Tatian 99, 3,
donec redderet debitum. daneben steht frühe schon die allgemeinere bedeutung '
bezahlen'
überhaupt, besonders etwas, wozu man verpflichtet ist. so alts. zinse vergelten: thâr maht thu undar thêm kaflon niman guldine skattôs, that thu fargeldan maht themu manne te gimôdea mînan endi thînan tinseô sô hwilîkan sô he us tô sôkid.
Heliand 3206
u. öfters; ahd. ih gihu gode daʒ ih mînan decemon sô ne vergalt noh mînes hêren sacha sô ne hialt sôse got habêt gibodan. Müllenhoff-Scherer
denkm. 184, 26.
als strafzahlung vor gericht dürfen wir auffassen altfränk. thia ik ne nam, thuo fargalt,
quae non rapui, tunc exsolvebam. psalm 68, 5 (Heyne
kl. altnd. denkm. 29);
weiter entfernt sich die bedeutung, geld geben und dadurch kaufen: thôh wi her te meti habdin garu im te geBanne, sô wi mahtin fargeldan mêst.
Heliand 2834;
auch mhd. etwas entliehenes zurückzahlen: si entlihen kreftiger slege mê dan ich gesagen mege, âne bürgen unde pfant, und wart vergolten dâ zehant. Hartmann
Iwein 7143; sî hetens dâ engolten, dane wurde borc vergolten. 7157;
als bezahlung für gekaufte, genossene gegenstände: Parzivâl in gelten bat, ir habe zwispilde die koufliute des bevilde, sus was vergolten in ir kouf.
Parzival 201, 3;
der wirt sagt zu den gästen: hêre, mit iuwern hulden, iuwer zerung ist vergulden; der künig hât mir genuog getâ
n. gesamtabent. 3, 250, 2010; sagt herzog Steffan, er het den grösten schatz, der mit kainem guet, weder silber noch gelt oder edeln gestainen vergolten möcht werden. Aventin. 2, 523, 7
Lexer; dar zuo ist ze wissent, wirt kein phant geben oder genomen umb der kilchen zins, ist das nit gnuo guot für den zins, der nit vergolten ist, so sol me phender suochen. Grimm
weisth. 1, 8 (
Höngg bei Zürich, von 1338);
oft im Schwabenspiegel: unde ist, daʒ dâ ein man gelten sol und stirbet der und lât nit hinder im dâ mit sîn wîp oder ander sîn erben vergelten mugen, die sulen des geltes ledic sî
n. c. 8 (9
Laszberg); git si (
die frau) im (
dem manne) ander guot danne varnde guot, da mac er von niht vergelten, wan mit ir willen.
c. 9 (9
Laszberg)
u. öfters; ins nhd. ragt diese bedeutung nur selten noch herüber: item zom vierten malt angestalt, wer sich wasser und weide gebrucht, wem die vorgulden sulle werden? wist der scheffen, dem wolgebornen herren hern Henriche .. im jar eins zu vergelden. Grimm
weisth. 1, 649 (
Westerwald, von 1495); item so hat das groszstainein venster und das grosz glas darein vergolten (
bezahlt) Gabriel und Jacob die Ridler. Schm. 1, 905
Fromm. 33)
bei weitem häufiger und auch schon in früher zeit nachweisbar ist die allgemeinere bedeutung '
ersatz leisten, gegenleistung thun für etwas empfangenes'.
je nachdem das empfangene gutes oder böses war, bedeutet vergelten
vergüten oder rächen. die construction ist eine doppelte. 3@aa)
mit dem accusativ desjenigen, wodurch man vergilt, während das die vergeltung erregende mit präpositionen beigefügt ist (
ersatz, entgelt geben durch ...),
selten: was sol ich dir widerumb vergelten für alle gaben, die du mir gegeben hast? Schuppius 458; ob er zur heimat kehr und rache vergelt in der wohnung.
Odyssee 1, 269. 3@bb)
das gewöhnlichere aber ist die zu ersetzende sache als accusativ, die person im dativ, das, wodurch man etwas vergilt, durch präposition beigefügt. so schon ags. Bosworth (1882) 311
a,
altfries. Richthofen 1112,
hierher gothisch (
mit zu ergänzendem accusativ): aiþþau was imma fruma gaf jah fragildaidau imma?
Röm. 11, 35 (
ἢ τίς προέδωκεν αὐτῷ καὶ ἀνταποδοθήσεται αὐτῷ);
ahd. mit lon er iu iz firgelte. Graff 4, 189; firgelte ubel mit ubele.
ebenda; mhd. herre, daʒ vergelte iu got! der weiʒ wol daʒ ich disen spot und dise schande dulde ân' alle mîne schulde.
Iwein 195; mir ist vergolten tûsentvalt swaʒ ich ie durch iuch getete. 291; Helpfrich der vil starke Dancwarten sluoc. Gunther unde Gîselher, den was eʒ leit genuoc, dô si in sâhen vallen in der starken nôt; er hete wol vergolten mit sînen handen sînen tôt.
Nib. 2228
Lachmann; nhd. wie in der ältern sprache bald in gutem, bald in bösem sinne: vergeltet nicht böses mit bösem, nicht scheltwort mit scheltwort. Luther 2, 357
b; das du vergeltest eim iglichen, wie ers verdienet. 3, 300
b; also weret der fromen gedult und dagegen der bösen schalckheit lange, aber gott kompt zu rechter zeit und vergilts auff beiden seiten reichlich. 4, 170
b; ich glaube dem ersten lehrer der christlichen religion aus einsicht und erfahrung ... dasz das kleinste und gröszeste gute und böse seiner art und natur nach vergolten werde in dieser und jener welt. Herder
werke (1821) 7, 6.
als ersatz für wolthaten, belohnen: refero gratiam, ich vergilte Dasyp. 89
b,
compenso 176
c;
mit fehlendem dativ der person: gotte soltu es heimstellen, der ein gerechter richter ist, der wird es reichlich vergelten. Luther 2, 354
b; und Tobias antwortet seinem vater: wie können wir die grosze wolthat, die er mir gethan hat, vergelten?
Tob. 12, 2; diese ewer trewe wollen wir vergelten, und euch viel bürden erlassen. 1
Macc. 10, 28; erlangst du ritterlichen sieg, es soll wol vergolten wern. H. Sachs 2, 3, 10 (8, 37
Keller); nun, ich bedanck mich fleisziglich, ewr trewen warnung auff den tag, ich wils vergelten, wo ich mag. 2, 4, 10 (9, 41, 11
Keller); schon zweimahl hab ich deiner reu' getraut, dich aus mitleidigem gemüthe an meinem busen aufgethaut, und so vergiltst du meine güte? Wieland 18, 104; in die erd' ists aufgenommen, glücklich ist die form gefüllt. wirds auch schön zu tage kommen, dasz es fleisz und kunst vergilt? Schiller
lied von der glocke; mit dem dativ der person: so dachte denn keine seele daran, euch nur einen der lustigen abende zu vergelten, deren ihr im schweisze eures angesichtes so viele unter eure leichtsinnigen mitbürger vertheiltet. Thümmel ...; darfst dich der that halb nit beschwern, es sol dir wol vergolten wern. H. Sachs 2, 7, 82 (8, 310
Keller); vergelt es deinem vater, dasz er mir geneigt mir deiner ersten jahre schönen anblick, der holden jugend süszen mitgenusz gegönnt. Göthe 10, 16;
mit näherer bezeichnung desjenigen, wodurch man vergeltung übt: es were ja dem new auffgesetzten keiser verweiszlich, nicht allein ichts wider denjenen zuo tuon, daher jm solche ehr und dignitet entstanden, sonder auch sich nicht danckbar zu erzeigen und solchs zuo allen zeiten mit gehorsamen diensten zu vergelten. Sleidan
reden (1544) 47
Böhmer; da man ains mit dem andern vergiltet. Dasypod. 80
b; vergilt mir doch durch deinen gehorsam den verdrusz, den mir deine mutter gemacht hat. Lessing 1, 347; womit kann ich dir den gedanken vergelten, dasz du auch den schönen augenblick unsers ersten zusammentreffens der gewalt der zeit entreiszen wolltest? Wieland 35, 43; ich bin unruhig, so lange sie um mich sind: denn ich weisz nichts, womit ich ihnen die mühe vergelten kann. Göthe 19, 56; bei der fürstin nem man zu hertzen und zu sinn, wem trew wirdt than im hertzenleidt, das er dasselb mit danckbarkeit vergelt ... H. Sachs 2, 3, 80 (8, 299
Keller);
von göttlicher vergeltung: künig Peter in Ungern vergalt auch got der herr sein untrew. Aventin. 2, 288, 13
Lexer; (
die bettler) die allesampt ein liedlin predigen: gebt zum neuen baw, das euch gott vergelt und der heilig herr S. Niclas. Luther 1, 191
b; wir sehen, wie grewlich er die mörder strafft und uns so reichlich unser leiden vergilt. 4, 37
b; got geb, das es ein selig exempel sei und werde .. welchs auch Christus am letzten reichlich vergelten wird. 7, 2
b; und wenn er mir gleich vergilt, was ich verdienet habe, so ist sein noch mehr da hinden.
Hiob 23, 14; das evangelion uns lert, wie Christus selber disputert, und sagt, das man das gut mit gut vergelten und bezalen thut. Waldis
Es. 1, 7, 32 (1, 24
Kurz);
daher der segenswunsch vergelte es gott, gott vergelte es tausendmal: nun vergelts gott und die heilig kirchweih: unser Gurgelgrotza machts vil gugelfüriger als es der baurenfeind Neidhart Fuchs beschriben hat.
Garg. (1590) 92; gott vergelt euch die lieb und treu an meinem herrn. Göthe 8, 163; helft mir furpas, das got vergelt.
fastn. sp. 540, 20;
substantivisch: ich meine doch, einem das leben retten, ist ein ritterdienst, der wenigstens ein vergelts gott werth ist. Wieland 11, 359; der ritter reicht aus seinem scharlachpeltz den ring ihm dar und gibt dann seinem gaul die sporen, und Lutz sagt kaum sein gott vergelts! so hat er schon den herrn aus dem gesicht verloren. 18, 76;
zum fluche umgestaltet: ei das vergelt dir der jar ritt! warumb stelst du dich da herein? H. Sachs 1, 478 (5, 52, 29
Keller);
als ersatz für übelthaten, strafen, rächen: sprich nicht ich wil böses vergelten, harre des herrn, der wird dir helffen.
spr. Sal. 20, 22; die rache ist mein, ich will vergelten, spricht der herr.
Römer 12, 19; also bezalet gott Abi Melech das ubel, das er an seinem vater gethan hatte ... desselben gleichen alles ubel der menner Sichem vergalt jnen gott auff jrem kopff.
richter 9, 56; gott behelt desselben unglück auff seine kinder, wenn ers jm vergelten wird, so wird mans jnnen werden.
Hiob 21, 19; vergeltet niemand böses mit bösem.
Römer 12, 17; ein jeder wird hie unterricht. wenn eim leid oder schad geschicht von einem groben und unwissen, das er denn allzeit sei geflissen in ungedult nicht wider schelten, dasselb mit rach jm zu vergelten. B. Waldis
Esop 1, 8, 15 (1, 25
Kurz); künheit sprach: kanst nicht mehr, denn deines feindtes schelten mit worten sonst vergeldten? H. Sachs 1, 247 (3, 134, 24
Keller); wo das ghricht ist zu schwach, so ist gottes die rach, der alles bösz vergilt. 1, 248 (3, 136, 16); vergilt es ihnen, herr, und gib was sie erwerben, lasz sie in furcht und angst durch deinen fluch verderben. Opitz 3, 40; den heiden wir vergalten die tücke, die sie an den pilgern übten. dasz sie so manchen heilgen mann betrübten. Tieck 1, 231; dein hohn der christenheit verdrieszt mich sehr und ich vergelte dir ihn wahrlich wieder. 1, 319;
selten steht das object im genitiv: ich mag dir deiner trew nimmermehr vergelten, denn ich wol spür, mir das in aller trew beschehen thut.
buch der liebe 246, 2.