trügen,
vb. ,
betrügen, irreführen, täuschen. herkunft. das wort ist innerhalb des german. nur dem deutschen eigen: ahd. triugan,
mhd. triegen;
as. driogan,
mnd. drēgen,
mnl. driegen.
in den andern germ. sprachen gibt es von der gleichen wurzel nur an. draugr,
m., '
wiedergänger, gespenst'.
weiter ab steht das gemeingerman. traum,
m. (
s. teil 11, 1, 1437,
wo ags. drēag, gidrēag
zu streichen sind).
das nebeneinander von an. draugr '
gespenst'
und dt. trügen '
betrügen, täuschen'
begegnet im idg. auch an andrer stelle, im indoiran.: die gleiche wurzel *dreugh
heiszt im iran. '
lügen, betrügen, böslich handeln',
und im altind. heiszt druhyati '
zu schaden suchen',
das subst. druh '
schädigung, beschädigender dämon, unholdin, gespenst'.
vgl. ferner mittelirisch aurddrach '
gespenst' (Walde-Pokorny 1, 874).
in der bedeutungsskala [] von dt. trügen
selbst lassen sich hierzu höchstens solche fälle wie der alp trügt (
unten 4 a
ζ)
als früh erstarrte reste vergleichen, wenn sie nicht viel harmloser als prägnante fälle des gewöhnlichen trügen
gleich '(
die sinne)
täuschen'
zu erklären sind. form. der infinitiv lautet in fortsetzung des mhd. triegen (<
ahd. *triogan)
im nhd. regelrecht triegen,
die 2.
und 3.
präs. (
entsprechend mhd. triugest, triuget) treugst
und treugt.
die reihe triegen, treugst, treugt
gilt im 16.
und bis zur mitte des 17.
jhs. durchaus und auch noch in der zweiten hälfte des 17.
jhs. weit überwiegend. eine ausnahme machen von jeher nur diejenigen obd. gebiete, die im inf. regelrecht ü
aus altem bewahrtem iu (
altalem. triugan)
haben und, da sie die nhd. diphthongierung nicht mitmachen, hier und in der 2.
und 3.
präs. dies ü < iu
monophthongisch bewahren: trügen
so z. b. bei Zwingli
dtsche schr. 1, 123; Fischart
Jesuiterhütlein 241
Hauffen; drügt
bei S. Brant
narrenschiff 40, 26
Zarncke; trügt H. R. Manuel
weinspiel 2791
ndr. in den gebieten, die regelrecht triegen, treugst, treugt
haben, kommen in der zweiten hälfte des 17.
jhs. zwei verschiedene tendenzen auf: entweder überall ie
durchzuführen (triegen, triegst, triegt)
oder nach dem vorbilde von lügen
statt liegen (
s. teil 6, 1273) trügen, trügst, trügt
zu flektieren. nur dasz bei lügen
die nachbarschaft des nomens lüge (
diese wohl weit mehr als das bedürfnis, liegen '
mentiri'
von liegen '
iacere'
zu unterscheiden, vgl. H. Paul
dt. gr. 1, 206)
die ü-
form etwas schneller einführte. so lehrt Stieler 1691
noch triegen,
aber schon lü
gen. gesiegt hat auch bei trügen
schlieszlich die ü-
form, restlos jedoch erst im 19.
jh. das 18.
jh. bevorzugt weithin die ie-
formen. präsensformen mit ie
begegnen vereinzelt 1682
bei Morhof (
dt. ged. 18 =
unterr. 2, 18),
dann 1729
bei Hagedorn (
versuch einiger ged. 49
lit.-denkm.). Gottsched
lehrt 1748
in der dt. sprachkunst 271: er treugt
und er triegt,
gebraucht aber selber er trügt (
dt. schaubühne 3, 221;
neueste ged. [1750] 40;
crit. dichtkunst [1751] 13;
ged. [1751] 1, 370
und 451).
verhältnismäszig spät noch haben triegst
und triegt Bürger (
z. b. 155 und 187
Bohtz)
und Göthe,
der in der zweiten hälfte seines lebens die ie-
formen überhaupt auffällig bevorzugt (9, 314
W.; 24, 351
W.; 42, 2, 259
W.);
er läszt sie noch in den 20
er jahren des vorigen jhs. drucken. nach ihm hat J. Grimm
an der historisch richtigen, darum '
besseren'
form festgehalten (
kl. schr. 2, 337; 3, 46;
vgl. betriegen
teil 1, 1714).
präsensformen mit ü
haben zuerst 1663 B. Schupp
schr. 561; 1704 Warnecke
poet. versuch 391; 1721 Heräus
ged. u. lat. inschr. 197; 1727 Henrici
ernst- u. scherzh. ged. 3, 143; 1735 Stoppe
Parnass 241; 1740 B. Schmolck 1, 912; Gottsched
s. o. der infinitiv mit ü
begegnet zuerst bei Harsdörffer
gesprächsp. 4 (1644) 496; Neumark
lustw. (1657) 1, 421; Butschky
Pathmos (1677) 292; Canitz
ged. (1727) 4; Besser 2 (1732) 817
König; B. Schmolck
schr. (1740) 1, 4. treugst, treugt,
im 17.
jh. bis zuletzt häufig, verschwinden im 18.
jh. schnell: Amthor
bei Weichmann 1 (1721) 47; Besser 1 (1732) 21
König sind solche nachzügler. der letzte ist bezeichnenderweise der Gottschedgegner J. Chr. Rost
gelernte liebe (1742) b 7
b.
dann leben die altertümlichen formen nur noch in bibel- und kirchensprache nach; Jean Paul
nennt sie 1795
im Siebenkäs '
lutherische beugungen' (11/14, 100
Hempel).
ein schwaches präteritum ist ganz selten: trügte Zachariä
poet. schr. (1763) 3, 169; Fr. v. Gentz 2, 274
Schlesier. die mundarten sind charakteristisch geschieden: alle niederdeutschen maa., von Ostpreuszen bis Ostfriesland, haben drēgen, dreigen,
die fortsetzer des mnd. drē
gen. die md. und obd. maa. dagegen haben das unkomponierte trügen
kaum, und wenn, wahrscheinlich aus der schriftsprache entlehnt. ausnahmen nur im südlichen randgebiet (Bühler
Davos 1, 168).
[] bedeutung und gebrauch. 11) trügen
bedeutet soviel wie betrü
gen. dieser gebrauch ist in älterer zeit voll lebendig, späterhin, etwa vom 18.
jh. ab, fast ausschlieszlich nur noch in der poesie möglich. hier wirkt trügen
im sinne von betrügen
zum teil recht trivial und wird gewisz oft nur aus gründen metrischer bequemlichkeit für betrügen
gesetzt: des sie spulgent, daz begagenet in: menniscen îlent sie triegen, betrogen werdent sie Notker 2, 290, 17
Piper (
ps. 72, 18); du zaltest mir ir güete vil als der den andern triegen wil Hartmann v. Aue
büchlein 84
Haupt; sy triegent ain ander, wib und man, nieman sich an den andern gelaszen kan
Christus u. d. minnende seele 636
Banz; das er uns nit trieg mit tzawberey
altdtsche passionssp. aus Tirol 90
Wackernell; vertrager, der die lyt under ein ander trögt und verwürt mit lügnen
Terenz deutsch (1499) 94
a; die andern reckten ir verlust ... oder wie sie morn wolten liegen mit gschwätz, verkouffen, manchen triegen Seb. Brant
narrenschiff 4
Zarncke; fur wor, es wer myr gleich so lieb, das myr meyn gelt doch stil eyn dieb, den das mich eyner offlich trugkt und so schedlich mir erlügt Murner
schelmenzunft 41
ndr.; wer mich nu anders leret, der treugt mich Luther 15, 756
W.; dein rew und werck mugen dich triegen, und der teuffel wirt sie gar bald umbstossen
ders. 2, 716
W.; darumb, gut gsell, so warn ich dich, dasz dich dein bul nit trieg wie mich Hans Sachs 21, 259
K.-G.; umb sein gut in (
deinen nächsten) nit treuge, verforteyl noch ableuge
ders. 22, 163; wann volgt kayn ander leben nach, zuo tugent lon und poszhayt rach, all menschen müszten trogen seyn, di offt ir tugent bringt inn pein Joh. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 152; (
er) kleidet die in sammat und seiden, dasz die Schweitzer solten achten, es wern grosz frantzösisch fürsten und herrn, die namen sie zu bürgen an, damit trog er sie Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 280
b; (
gott) den niemat bschiszen, truigen kan Jak. Ruf
in: schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 178
Bächtold; zuo dem erst, wenn in trügt der wyn H. R. Manuel
weinspiel v. 2791
ndr.; du, satan, trogst mit deinem list Adam, der aller vatter ist Wickram
w. 5, 47
Bolte; er kompt nit und treugt den bapst groeszlich H. Gholtz
lebendige bilder (1557) B b 1
b; der herre gott läst sich nicht triegn, noch auch gethaner eyd verbügn Gilhusius
grammatica (1597) 40; also ist hie schalck uber schalck, und thut disz sprichwort gar nit liegen, wie btrug und trug einander triegen Eyering
proverb. copia (1601
f.) 2, 28; ein kind kan nicht triegen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604
f.) 2, x 3
a; der billich kein geselschafft hat, dem all sein sinn nach triegen staht
ders. 2, n 5
a; das ist gefehlt dasselb zu lieben, so dich thut triegen H. Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 324; um Deutschland stund es noch so wol, da Deutschland nur war gerne voll, als da es triegen, buhlen, beuten gelernet hat von fremden leuten Logau
sinnged. 141
Eitner; wer treugt, der wird berückt (
trompeur, il est trompe) Tobias Hübner
d. feldobersten (1659) 161; zeuget, dasz mein gemüht an falschheit ferne, auch dasz mein lieben sey ohn alles triegen G. Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 80; wie laszt ihr euch so von der list des aufgeblähten herzens trügen? Triller
poet. betracht. (1750) 1, 87;
[] dasz Clelia den mann aus lieb zur tugend trügt B. Mayr
päckchen satiren (1769) 16; ein falscher gott mag sie mit äuszern gütern trügen
theater d. Deutschen (1768
ff.) 2, 138; wisz! es trog um alle freuden ein verkappter bube mich J.
M. Miller
ged. (1783) 212; sollte der vater den sohn doch um Roms palläste nicht triegen Bürger 247
b Bohtz; o mit nichten triege mich so dein sinn!
ebda 187; gefärbte weisheit handelt und täuscht und trügt um schnöden vortheil Herder 27, 60
S.; auch du, mein Brutus! nun entronnen der trugeswelt! getrogen du an tugend, wie ich an ruhm! 29, 65
S.; verlasz mich, mädchen, verlasz mich, wenn du mich nicht liebst, spotte des trogenen nicht Kosegarten
Ewalds rosenmonde (1791) 133; du suchtest sie zu trügen, nicht Prokris sich Wieland
w. (1795) 10, 229; und läszt auf seiner hand, die stets zum trügen und stehlen fertig ist, die blicke ruhn Gries
Ariostos ras. Roland 1, 86; allein sehr klug und sehr gewandt im trügen, birgt sie ihr innres unter falschen zügen
ders. Bojardos verliebter Roland 2, 243; mich kann daher kein mensch trügen Tieck
schr. (1828ff.) 20, 360; (
Gunnar:) nein, lieber bote, nein, du willst mich trügen Fouqué
held d. nordens (1810) 2, 122; dein herz ... hat die grosze welt uns geraubt; wenn sie gar dich noch mit falscher hoffnung tröge? Iffland
theatral w. (1827) 1, 153; selbst die besten unter uns, die es nie beabsichtigen, zu trügen oder zu schaden, haben eine ganze maskengarderobe in bereitschaft, wenn sie berufen sind, im verkehre mit der groszen welt zu stehen S. Brunner
erzähl. u. schr. (1864) 1, 43; die treue gattin trogest du stets Richard Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 6, 29. 22) trügen
rückt in die nähe von lü
gen. 2@aa)
mit worten trügen
ist fast gleich '
lügen'
: principium verborum tuorum veritas warheit ist anagenne dinero worto. siu choment fone warheite, unde sint wariu, netriegent niemannen Notker 2, 540, 11
P. (
ps. 118, 160); man soll mit wort ouch keinen triegen, dann kunst der worheit darff kein liegen Seb. Brant
narrenschiff 29
Zarncke; der schweige ... seine lippen, das sie nicht triegen
1. Petri 3, 10; die nicht trügen mit ihrem munde; nicht falsch reden mit ihren lippen Butschky
Pathmos (1677) 292; mein mund der niemals treugt, sagt hiemit ohne scheu, dasz deine mutter leugt J. Chr. Rost
gelernte liebe (1742) b 7
b; und spotte des, der schmeichelnd trügt, sich falsch im staub ein herz erlügt J.
M. Miller
ged. (1783) 170; er lügt, verläumdet, trügt Göthe 9, 72
W.; der prophet hat es gesagt, er trieget nicht
ders. 9, 314
W.; ihr habt was guts in euren zügen, drum kann mich euer wort nicht trügen Lenau
s. w. 404
Barthel; lügen
und trügen
werden, anders als in der folgenden gruppe, bewuszt gegeneinander abgewogen: du vierde lugi ist, ob du ie geliuge alleine durch liegennes geliust? unn das dich geluste ieman ze triegenne, unn das doch nutze were?
bichtebuoch 52
Oberlin; triegen ist mehr denn liegen. triegen ist, wen die lugen geraten und angehen Luther 8, 715
W.; darumb geht ihr mund auffs liegen und das hertz auff lauter triegen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 437
a. 2@bb)
die formel lügen und trü
gen. sie ist seit mhd. zeit lebendig, Freidank
reimt mehrere dutzend reimpaare, die alle mit liegen, triegen
beginnen: [] liegen, triegen ist ein site, dem vil der werlde volget mite 165, 21-169, 5
W. Grimm; früh in geistlicher prosa: alle di hie nich durstet nach der warheite, di gerne legent und dregent ..., di muzent herna ewegen durst liden (
um 1250)
hl. regel 30, 9
Priebsch; nu red ich iez ... mit dir, gewaltiger herr, dem nieman liegen noh triegen kan Seuse
dtsche schr. 88
Bihlm.; die warhait begündt schmeltzen, liegen und trügen ist nit seltzen
liederb. d. Hätzlerin 218; mich hat, den ainfaltigen man, der verheit schalck mit liegen und triegen gedeüscht umb alles mein gelt Albrecht v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) d d 5
a;
häufig bei Luther: die aber tag und nacht schinden, schaben, als die wücherer, triegen und liegen, böse war verkauffen, falsche mas geben 16, 515
W.; so thun sie dem frumen heiligen vater und lerer
s. Augustin gewalt und unrecht und liegen und triegen auff ihn, wie ihr art ist 26, 576
W.; du (
Eck) hast in der disputation auch allis mit liegen und triegen getrieben 6, 585
W.; er (
Karlstadt) leugt und treugt dich 18, 198
W.; die schrifft leuget und treuget uns nicht 19, 163
W.; göttliche geschrift, die nit kann lügen noch trügen Zwingli
dtsche schr. 1 (1828) 123; so sie ... auf der gassen ... und anderstwa ... trgen und liegen
Wirtembergs newe landsordn. (1536) f 4
b; das sy iren mund vor liegen und triegen verhten Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 61
a; der mensch thuot nicht dann liegen und triegen von natur S. Franck
Germ. chron. (1538) 168
a; können nichts dann liegen und triegen Paracelsus
opera 2, 331
Huser; und über das schweiffen sie noch im land umbhär, und erneren sich mit stelen, liegen, triegen und warsagen Seb. Münster
cosmographey (1550) 301; o falschait, o lugen, liegen und triegen, was richstu an? Joh. Nas
antipapist. eins und hundert (1567ff.) 3, 52
b; ein lügengeist ... der gar kein warheit redet, sondern allezeit mit liegen und triegen umbgehet
theatrum diabolorum (1569) 5
a; er (
der kriegsmann) sol auch meiden rauben, beuten, ... stelen, liegen, triegen Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, t 2
b; liegen, triegen, stelen, morden, gehören all in einen orden Petri
d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, M m 7
b; unter den gebrechlichen, verstummelten, siechen und beschedigten werden dazumal auch viel angetroffen, die voppen und ferben, das ist, liegen und triegen können A. Pape
bettel- u. garteteuffel (1586) k 8
b; und leugt und treugt eins ins andere Mathesius
Syrach (1586) 122; frombsein läst nicht finantzen, lügen, triegen, geitzen oder lästerlich leben Lehman
floril. polit. (1662) 1, 245; der ist und bleibt arm, der nicht practiciren, liegen und triegen kan
ebda 1, 52; das gerücht und gespreng kan triegen und liegen, aber dein gewiszen nimmermehr
Reinicke fuchs (1650) 124; triegen, lgen, spott und schande herschen itzt auf unserm plan J. Rist
d. friedejauchz. Teutschland (1653) 19; was sich reimt, das schickt sich auch, spricht der frische landesbrauch. drum so schickt sich liegen, triegen auch so fein zu unserm kriegen Logau
sinnged. 22
Eitner; alldieweil Justitia nicht liegen und triegen kan Moscherosch
gesichte 1 (1650) 31; liegen, triegen, neid und list wird mit macht hervorgesuchet, schnell zu würgen Jesum Christ Treuer
dtscher Dädalus (1675) 1, 298; er hätte sich lang genug mit lügen und triegen beholffen Olearius
verm. persian. reisebeschr. (1696) 125; sich mit triegen und lügen behelffen Kramer
teutsch-ital. (1702) 1141
b; wann nemlich erst die gelder feien, ... alsdann wird lügen, trügen, stelen für keine schande mehr geacht't Brockes
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 123; liegen und triegen
mendacio fallere; wer leugt, der treugt
mendax fallit Steinbach
dtsch. wb. (1734) 2, 866; man lügt und trügt, so sehr man immer kan Stoppe
Parnass (1735) 241;
[] lasse ferne von mir seyn fluchen, schwören, lügen, trügen B. Schmolck
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 4; der dritte endlich war ein erzspitzbube, ..., zum lügen und trügen gewohnt
d. neueste a. d. anmuthigen gelehrsamk. (1751
ff.) 3, 114
Gottsched; lügen und trügen herrscht so in allen straszen, dasz der entschlossenste mann in die versuchung gerathen möchte, auf ehrlichkeit verzicht zu thun Hamann
schr. 5, 230
R.-W.; der unter wälschem geiszelhieb log und trog E.
M. Arndt
w. 5, 347
R.-M.; in neuerer zeit oft in nachwirkung von Luthers
katechismussprache: wir sollen gott fürchten und lieben, das wir bei seinem namen nicht fluchen, schweren, zaubern, liegen odder triegen Luther 30, 1, 356
W.; danach wir sollen gott fürchten und lieben, auf dasz wir bei seinem namen nicht zaubern, lügen oder trügen Storm
w. (1899) 4, 311; wer lügt und trügt oder verleumdet und falsch zeugnis redet, der ist von grund aus verdorben Fontane
ges. w. I 5, 274; aus liegn und triegn besteht die welt G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 148.
im 17.
jh. vereinzelt auch list und trügen, entsprechend dem zu dieser zeit häufig statt lug und trug
stehenden trug und list,
s. oben sp. 1249: trewlich hält er und steht fest ohne list und triegen Sibylla Schwartz
bei Fischer-Tümpel 2, 132; die pfeile ... sind alle gifftig zugespitzt, gefiedert nur mit list und triegen Simon Dach 100
Österley. 2@cc) trügen,
auf unpersönliche subjekte übertragen, kann soviel heiszen wie '
unzuverlässig sein', '
zu viel versprechen', '
enttäuschen': die früsaat treugt offt, die spat selten Seb. Franck
sprüchw. (1541) 5
b; die früsaat treugt offt, die spat alweg
ebda 23
b; die blüht treugt ... offt, mancher baum blüht schön, und trägt doch keine frucht Lehman
floril. polit. (1662) 1, 445; und treuget das alte sprichwort nicht ...
M. Haganäus
von unterweisung z. weltl. regiment (1599) 75; stille wasser trügén Bauernfeld
ges. schr. 3, 186; morgenröt kann nicht liegen, der magd bauch kan nicht triegen, ists kein regen, so ists wind ists nit feyst, so ists ein kind Lehman
floril. polit. (1662) 2, 932; wie vielmahl treugt ein aufgehellter morgen Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 37; du setzest auf dein haup des Friedrich Wilhelms crone, die noch nach ehr und ruhm und frischen lorbern reucht. sein beyspiel leitet dich, so (
welches, acc.) keine ferne treugt. (1688) J. v. Besser
schr. 1 (1732) 21; o we gegenwurtigkeit wie blendest du, wie treugest du das wir disz in unsern blüenden jugent ... nit versachent
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 26
b; gewiss treuget niemandt, ungewiss aber treuget wol alle welt J. Agricola 750
teutsche sprichw. (1534) f 8
b; sie mügen deuten, wie sie wollen, so sehen wir das werck für augen, das treugt uns nicht Luther 53, 418
W.; wie es denn auch der circkel, der nicht triegen kan, gibt C. Henneberger
preusz. landtaffel (1595) 5; dann treugt uns der compas, dann treuget uns die lufft
M. Opitz
teutsche poemata 93
ndr.; vermöge dieser lande recessen, die nicht leichtlich triegen können
M. C. Schütz
historia rer. Prussic. (1592) 4, C c 4
b; ohne dieses könnten sie um alles kommen, und selbst ein schriftlicher contract kann unter umständen trügen Annette v. Droste-Hülshoff
briefe an L. Schücking (1893) 126; wie sollte sie, eh alle mittel trügen, hinuntereilen in des grabes nacht? (
Dido) Schiller 6, 406
G.; hundert werden aufgethan, neun und neunzig trügen, aber nur in einem kann die juwele liegen 4, 9
G. 2@dd)
ebenso, aber mit stärkerem beiklang von 1, '
irreführen': in meinung endlich auch ihr zimmer zu gewinnen. allein wie trog die list! Gottsched
neueste ged. (1750) 121;
[] diese regel hat gar keine ausnahme; weil sie sich auf das wesen der dinge gründet, und gar nicht auf die zufälligen endungen der wörter sieht; als welche zuweilen triegen können Gottsched
dtsche sprachkunst (1748) 161; denn wie viele, viele nebenursachen konnten in dieser abstammung, und in der känntlichkeit dieser abstammung veränderungen machen, auf die der etymologisirende philosoph nicht rechnen kann und die seinen stammbaum trügen Herder 5, 139
S.; die probe fällt mir leicht, und die soll nimmer trügen Hagedorn
poet. w. (1757) 2, 22; denn der vorredner sagt ausdrücklich, man wird dieselbe (2.
auflage) ehestens zu erhoffen haben, wenn anders die geneigten versicherungen gelehrter kenner und gönner nicht trügen Bodmer
sammlung crit. poet. schr. (1741ff.) 2, 10. 33)
reflexiver gebrauch: sich trügen
reicht vom eigentlichen selbstbetrug bis zum leichten '
sich irren': waz töhte ob ich mich selben trüge
Iwein 7573; si trigin sich di da wenin daz si sich selbir nicht lip habin
paradisus animae 130, 17
Strauch; si trigin sich selbir und sint des tufilis spot
ebda 78, 25; der doch die warhait mainet nut und truget sich und ander lut schweizer Wernher
Marienleben 7948
Päpke; triegent si die lúte, sie triegent aller meist sich selber Tauler
pred. 197, 16
Vetter; ähnl. 237, 2; als sich manig mensche selber trúget
ebda 237, 9; er trúget sich selber berlich der den kúnig aller kúnge wenet setzen in ein gemeines gasthus oder stossen in ein gesundertes knechthus Seuse
dtsche schr. 219, 8
Bihlm.; wirst du die frommen wahrheitswege gehen, dich selbst und andere triegst du nie Göthe 3, 311
W.; bei Herder
gern für '
sich irren': er kann sich indesz doch auch trügen und musz sodann rectificirt werden Herder 15, 151
S.; ich glaube mich nicht zu trügen, wenn ich dieses lob unserm gymnasium ... geben dörfe
ders. 30, 249; wer sich in den linien der schönheit ... noch so oft tröge; er musz sie besser erkennen ... lernen 22, 116; der sinnige weisz was es ist, und trügt sich selten 23, 312; ich will mich gerne getrogen haben 6, 102;
vgl. 10, 191; trieg ich mich, oder hör ich den zärtesten gesang? Sal. Geszner
schr. (1777) 1, 110; sollt ich mich trügen, wenn ich behaupte, dass viele diesen wunsch ... gethan? Hippel
lebensl. (1778ff.) 3, 2, 38; du trügst dich nicht in meiner sinnesart Fouqué
held d. nordens (1810) 2, 23; sie trügt sich gern in ihren schlüssen Lenz
ged. 185
Weinhold; wie sehr sich derjenige trügt, welcher ... das biedere gute volk anrufend, ein allzu wohlwollendes und naives pathos voraussetzt Gottfried Keller
ges. w. 1, 407; ich hab mich getrogen! Peter Dörfler
Apollonias sommer (1932) 256. 44) trügen
mit nicht persönlichem subjekt steht in der bedeutung '
täuschen'
ohne beiklang eines absichtlichen betrügens. objekt der täuschung ist der mensch infolge der unzulänglichkeit seiner organe (a),
seiner geistig-seelischen fähigkeiten (b)
oder der unsicherheit des irdischen lebens überhaupt (c). 4@aa)
die sinne trü
gen. 4@a@aα)
allgemein: und glaube fest, dasz deine sinne trügen Gellert
w. (1839) 1, 181; unsre sinnen können uns trügen Fr. Nicolai
bei Gökingk
Nicolai (1820) 143; er schwur, dasz ers gesehn; sie sprach: die sinne triegen Ramler
fabellese (1783) 2, 353; die sinne triegen nicht, das urtheil triegt Göthe 42, 2, 259
W.; aber die revolutionsmänner haben einen sinn, der anderen menschen fehlt, und dieser sinn trügt sie nie G. Büchner
nachgelassene schr. (1850) 134.
[] 4@a@bβ)
einzelne sinne, besonders der gesichtssinn: aber was teufel, ich spüre hier frisches fleisch, ... meine nase trügt mich nicht Tieck
schr. (1828) 5, 549; der appetit ist ein schalck, er treugt offt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, n 4
a; wie? treuget mich der sinn? ach weh mir! eine maus liegt warlich tod darinn Rachel
satyr. ged. 17
ndr.; was die augen sehen, das treügt nit, aber das gericht (gerüchte Fr. Wilhelm
sprichw. m m 1
a nr. 392) ist sehr truglich G. Mayr
sprüchwörter (1567) E 5
a; leichtlich treuget das gesicht, wenn der nachsinn uns gebricht Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 161. ach zürne, Fillis, zürne nicht: im dunkeln treugt uns das gesicht K. Stieler
geharn. Venus 148
ndr.; dann eure augen können euch triegen A. H. Bucholtz
Herkuliskus und Herkuladisla (1665) 1070; wiewohl es dünkt mich nicht, daz mir die augen trügen J. J. Schwabe
belustigungen (1741) 2, 144; trügen mich meine augen? — ich sehe klar
neue schauspiele (1771) 10, 80; trügt mich mein auge? Grabbe
w. 2, 353
Blumenthal; so konnten ihre alten augen sie nicht trügen, das war denn doch ihr sohn Storm
w. (1899) 4, 242; dasz auch mein urtheil fehlt, und diesen oder den zur zahl der weisen zählt, der solches nicht verdient: weil oft der anblick trüget Gottsched
ged. (1751) 1, 451; wie trügt der augenschein von ferne!
ders. neueste ged. (1750) 40; man siehet, wie sehr der augenschein trügt Chr. Fr. Nicolai
reise durch Deutschland u. d. Schweiz (1783) 3, 179; mein augenmaasz trügt nicht, ich kann mich darauf verlassen Lessing
w. 2, 39
Muncker; 'ich nehme euch wie ihr euch gebt'. — 'das ansehn trügt' Göthe 8, 65
W. (
Götz). 4@a@gγ)
das von den einzelnen sinnen wahrgenommene ist formales subjekt. akustisch: seine stimme stark und kläglich, sie trieget mich nicht Steinbryckel
Philoctet (1760) 18; da klang in unsern ohren ein ton, der schwerlich trügt Schenkendorf
ged. (1815) 104.
optisch: tiu scozonten fiur, diu dero liuto ougen so triegent, daz sie wanent sternen fallen fone himele Notker 1, 229, 30
P.; was die augen sehen treugt nit
schöne weise klugreden (1548) 101
b; wie könnte diese fromme miene ... trügen? Gotter
ged. (1787) 3, 103; die miene trügt, werden sie sagen? ja — man kann sie nachäffen Lavater
physiognom. fragmente (1775) 1, 30; ihr gesicht musz ziemlich trü
gen. es verspricht so viel empfindung Miller
Siegwart (1777) 1, 252; die stirn leugt und treugt Petri
d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, R 3
b; die person treugt offt
ebda 2, R 1
b; sie trügt nicht diese rührende gestalt! bin ich durch zaubers macht geblendet, so ists durch eine himmlische gewalt Schiller 13, 249
G. (
jungfrau 2, 10); darf ich denn wirklich meinen alten augen trauen? trügen die züge dieses briefes nicht? W. Hauff
s. w. 1 (1890) 185; ich weisz, ... dasz träume dieser welt wie leichte schatten trügen Canitz
ged. (1727) 4; die nacht treugt Petri
d. Teutsch. weiszheit (1604/5) 2, r 1
a; wie sehr trügt der schimmer, der uns grosze umgiebt
theater der Deutschen (1768
ff.) 18, 418; nur wenn sein blick sie (
die flamme) verlor, eigener schimmer ihn trügt: fehlt ihm der mitte gesetz, treibt er zerstiebend ins all Stefan George
d. stern d. bundes (1928) 84.
[] 4@a@dδ)
so besonders der schein trügt, die zeichen trügen: darumb last unsz nur huten fur allem, das da scheynet, es treuget gewiszlich Luther 8, 383
W.; es geht hie auch die vorkerung, das die keuschen sind die unkeuschen, und treugt alles, was da gleysset
ders. 10, 1, 1, 708; was scheint das treugt Lehman
floril. polit. (1662) 1, 358; der spiegel leugt, der schein treugt Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 130
a; dann der spiegel gar nichten leugt deszgleichen auch der schein nicht treugt Eyering
proverb. copia (1601) 1, 9; unter andern dingen, deren schein bisweilen trügt
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. (1751
ff.) 7, 962
Gottsched; doch, Piso, trügt uns oft des guten falscher schein Gottsched
vers. e. crit. dichtkunst (1751) 13; der anschein triegt, man schläft nicht allemahl, wenn man im schatten liegt Dusch
verm. w. (1754) 505; der schein trügt. das, was böse aussieht, die grundtriebe, womit der mensch auf die welt kommt, wie wickeln sie sich vortreflich aus Hippel
lebensläufe (1778ff.) 3, 2, 221; es trügt die leute hier nicht leicht der falsche schein Göthe 37, 52
W. (
der lügner); wo der äuszerliche schein völlig trügt E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen (1845ff.) 4, 371; ob rechts die vögel fliegen oder links, die sterne so sich oder anders fügen, nicht sinn ist in dem buche der natur, die traumkunst träumt, und alle zeichen trügen Schiller 14, 109
G. (
braut v. M. 4, 4); wir herrschen in reichen, wo ... ewig kein zeichen im sternenbuch trügt Matthisson
schr. (1825) 1, 56. 4@a@eε)
weiter in seelische bezirke hineinreichend: entferne dich, du eitles wesen, dein schnödes blendwerk treugt mich nicht B. Neukirch
in: Hoffmannswaldau
u. andr. Deutscher ged. (1697) 1, 221; und zeige, wie der raum ... die form, die schönheit schafft, die unsre sinne trügt Wieland I 1, 75
akad.; hier sahe man mit missvergnügen dasz putz und schönheit öfters trügen Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 153; so äfft die eitelkeit den, der sich trügen läst Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 608; die blicke der koketterie trügen, und blosz die eitelkeit wird betrogen Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 95; mit denen ... alefantzen blenden und triegen sy fürsten und hern Judas Nazarei
v. alten u. neuen gott 35
Kück; es ist nichts mit der eitelkeit, sie trieget und verblendet Ringwaldt
evangelia (1581) e 7
a; wo laszt du dich die blinden lieb hinfüren, also blenden und triegen! Montanus
schwankbücher 108
Bolte; 4@a@zζ)
zu leibhaftigen erscheinungen verdichtet: do Saule der guote geist benomen was und us sinin sinnin komen, ein valschir geist troug in die naht Rudolf v. Ems
weltchron. 23865; der alp trügt (
vgl. dtsche mythol.4 1, 384): swen der alp triuget, rouchet er sich mit der verbena, ime enwirret als pald niht
zwei altdtsche arzneibücher 2, 14
a Pfeiffer; die mag triegen wol der alp! Suchenwirt 31, 12
Primisser; ich gebiete uch ubeln geisten die ir diesen unseligen menschen vuoret zu trigene die werlt, ich gebiete uch bi dem vatere und bi dem sune und bi deme heiligen geiste daz irn lazit und niht mer vuoret
bei Schönbach
predigten 1, 205; Judas, wo bist du? erwache, sey stark! was quälst du deine gesichte trügen dich nicht dich, ärmster? Klopstock
Messias (1780) 90;
leichter vom irrlicht (
vgl. truglicht): Abdallah stürzte oft gegen die bäume und fuhr durch rasselnde gesträuche, flimmernde lichter führten ihn oft trügend tiefer in den wald hinein, wo ihm die nacht noch dumpfer entgegenkam Tieck
schr. (1828ff.) 8, 122.
[] 4@bb)
alle geistigen und seelischen fähigkeiten und eigenschaften des menschen können trü
gen. 4@b@aα)
geistige: nio unsih netriege lukkez pilde unseres kedanches
ne nos decipiat cassa imago cogitationis Notker 1, 180, 10
P.; hier dient euch mein vermächtnis: denn ich gab euch für das hirn, das trügt, das wahre auge Stefan George
d. stern d. bundes (1928) 99; erfahrung treugt nicht Lehman
floril. polit. (1662) 1, 207; mein zweifel trügt mich nicht Gottsched
dtsche schaubühne (1741
ff.) 3, 221; ich gebe sie (
die beispiele) aus dem gedächtnisse. triegen wirds mich nicht Herder 3, 459
S.; meine vorsicht konnte mich nicht trügen
ders. 17, 112; es freut mich überaus, dasz meine vermutung mich nicht getrogen hat Wilamowitz
an Mommsen, briefw. (1937) 309; ihr urtheil trüget nicht Denis
lieder Sineds d. barden (1772) 222; dein urtheil trüget nicht J. A. Cramer
ged. (1781) 1, 60; sein urtheil trieget nie Hagedorn
vers. einiger ged. 49
lit.-denkm.; syllogismi, die netriegent neheinest, ube sie legitime geworht sint Notker 1, 167, 4
Piper; ter folleclichor exempla haben uuelle dero triegenton syllogismorum, der neme siu fone Cicerone in rhetoricis
ebda 1, 257, 28; so wird alsdann die welt, wo nicht die schlüsse trügen, viel kräftiger Gottsched
neueste ged. (1750) 62; und wahrhaftig, dieser scharfsinnige schlusz trog nicht H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 156; ich sage vielleicht, denn so viel anschein dergleichen folgerungen auch für sich haben, so können sie dennoch wohl trügen J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 125; einzelne analogien können trügen Mommsen
röm. gesch. (1856) 1, 87. 4@b@bβ)
seelische: sô troug menniscen der wân, êr Christus châme, daz er got wânda wesen ligna unde lapides Notker 2, 136, 25
P. (
ps. 37, 8); sô triuget in der wân (
fallitur)
ebda 1, 319, 25; Ulrich antwortete: ... mir hat es ... geschienen, als ob es die ganze zeit heller tag gewesen wäre. sie sagte: der wahn trügt euch br. Grimm
dtsche sagen 2, 143; wie treugt der wahn! Amthor
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 47; die ahndung trügt mich nicht
theater d. Deutschen (1768
ff.) 6, 23; wäre es möglich, heiliger gott! lasz meine ahnung mich trügen Pfeffel
pros. vers. (1810) 9, 120; die ahnung trog nicht Otto Ludwig
ges. schr. 3, 245
E. Schm.; meine ahndung trügte Gentz
schr. 2, 274
Schlesier; ihre ahnung, dasz sie die durchlaucht treffen würde, hatte sie nicht getrogen Wilh. Weigand
die gärten gottes (1930) 398; da diese erwartung trog, begann man endlich einzusehen, dasz Baden keine wahl mehr habe Treitschke
dtsche gesch. im 19.
jh. (1897) 4, 394; zutrauen, weil es zum theil im herzen des zutrauenden wurzelt, kann trügen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 1, 12; oft trügt die erhitzte einbildungskraft die wünsche Sal. Geszner
d. erste schiffer, in: idyllen 218
DNL; sollte auch mein wunsch mich trügen
Holston u. Augusta (1780) 179; dir scheint es möglich, weil der wunsch dich trügt Göthe 10, 63
W. (
Iphigenie 4, 2); vermeinte hoffnung treugt gar offt Kirchhof
wendunmuth 2, 13
Österley; mein wunsch und hoffen kann nicht trügen, so leb und sterb ich mit vergnügen Gottsched
ged. (1751) 1, 72; doch, weil ihr auch noch zeugen seyd der ersten lust, die mich zuvor vergnüget, und umgekehrt mein eitles hoffen trüget Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 197; und schnell erscheint da jeder stral von hofnung trügte der sieger Friedrich Fr. W. Zachariä
poet. schr. (1763
ff.) 3, 169; seine hoffnung trog ihn nicht A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 3, 16; ihr hoffen trog sie nicht J. G. Jacobi
s. w. [] (1807
ff.) 6, 84; gebe der himmel, dasz meine hoffnungen nicht trügen Göthe 17, 124
W.; nun sehn ich mich nach jenem lande, dahin, wo keine hoffnung trügt Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 1, 222; dasz auch diese hoffnung trog, war die schuld des preuszischen unterhändlers Treitschke
dtsche gesch. im 19.
jh. (1897) 1, 225; o ritter, ruft sie, wenn mein glaube trügt, wenn euch umsonst mein glühendes verlangen ein kummervolles jahr entgegensah Annette v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 237; man sieht es ohne mühe ein, dasz dieser glaube trog Mommsen
röm. gesch.4 3, 198; sie sind verändert gegen mich ... sagen sie nichts dagegen — mich trügt die innere stimme nicht Pückler
briefw. u. tageb. (1873ff.) 7, 120; eine stimme, die nicht trügt, sagt mir, sie sind zu groszem bestimmt Marie v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 237. 4@cc)
leben, glück und jede art der lebenserwartung kann trügen: fürchte nicht zu sterben, guter, denn das leben trügt Platen
w. 1, 122
Redlich; kannst du zu der welt nur neigung tragen, die so oft dich trog und bei deinem weh, bei deinem glücke blieb in eigenwillger starrer ruh Göthe 1, 77
W. (
an Lottchen); wann sich leichtes glück eräugt, nicht gläubt seiner gunst, es träugt Simon Dach 299
Österley; noch immer hatte das glück mir getrogen, ich habs von den purpurnen lippen gesogen Arent, Conradi, Henckell
mod. dichterchar. (1885) 115; ob frewde sich noch eins so grosz läszt schawen, — dasz sie vollkommen sey, ... sie treuget gar zu sehr Simon Dach
in: Königsberger dichterkreis 190
ndr. 4@dd)
niemals trügt
demgegenüber das, was fest geglaubt wird, wie gottes wort u. s. w. besonders reich bezeugt im zeitalter der reformation: siniu gebot netriegent, siu sint iemer feste
fidelia omnia mandata eius Notker 2, 480, 9
P. (
ps. 110, 8); gottes gepot kan nicht triegen Luther 26, 164
W.; die todten mugen uns triegen, das kan die schrifft nicht thun
ders. 32, 56; denn es stehet fest diss wortt und treuget nicht
ders. 10, 2, 74; gottes wort treugt nicht Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 2
a; denn disz verheist sein liebes wort, das mich treugt weder hie noch dort Andr. Kesler
bei Fischer-Tümpel 2, 70; Christus unser herr ist warhafft und treuget nicht Justus Jonas
das sibende capitel Danielis (1530) e 4
a; denn gott, der nicht kan triegen, der liebt mich gar zu sehr Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 349
b; gott trüget nicht mit seinem bunde Chr. Fr. Henrici
ernst-, scherzh. u. satir. ged. (1727
ff.) 3, 143; in allem unglück halte dich an den Messiam festiglich. was er gesagt, das helt er wol, treugt nimmer, er ist warheit vol Joh. Steurlein
bei Fischer-Tümpel 1, 4; er, die wahrheit, trüget nicht B. Schmolck
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 912; dem waren liecht gehört zu und muss sein, das es nit triegen wil Frankfurter
theologia deutsch 71
Mandel; wane die warheit schonet nimannes, si truoget ouch niemanne
bei Schönbach
pred. 1, 351, 4; das würcken seiner hände ... bringt reichen trost und freud und warheit, die nicht treugt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 35
b; ich weis ein fürstenherz, das nimmt euch willig an: ich wahrheit sag es euch, die niemals trügen kann Gottschedin
briefe 2, 336; der glaub ... treugt nit Luther 6, 372
W.; mein glaub kan mich nicht triegen Joh. Olearius
bei Fischer-Tümpel 4, 320;
andere zeiten haben andere leitbegriffe: gewehne deine zuhörer in wahrscheinlichen dingen, dasz sie daselbst
[] keine unstreitigen wahrheiten suchen, sondern zufrieden sind, wenn die lehrsätze sehr selten triegen Chr. Thomasius
ausübung d. vernunftlehre (1699) 138; ich kann mich darüber nicht täuschen, denn die natur trügt nie Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 1, 25. 4@ee)
der sinn von trügen '
täuschen' (4)
wird in älterer zeit (16.
und 17.
jh.)
gern stärker hervorgehoben durch die verbindung fehlen und trügen (
vgl.fehlen
teil 3, 1423): warzaichen die nicht triegen noch fälen mögen Schaidenraiszer
Odyssea (1537)
vorr. 4; der heyligen leben treugt und feylet gar manch mal Luther 10, 3, 208
W.; heimliche und sonderliche offenbarunge ..., als die nicht allem feilen und triegen sondern auch inn abgrund füren und stürtzen
ders. 28, 87; auff gottes wort kan ein hertz stehen, leben und sterben, menschen glossen fehlen und triegen Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 1, a 3
a; unser denken fehlt und triegt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 435
a; die warheit kan nicht liegen, nicht irren, fehlen, triegen Joh. Graff
ebda 3, 1. 55)
charakteristisch für trügen '
täuschen'
im sinne der gruppen 4 a
und b
ist seit alters die verwendung im ausschlieszenden, verneinten bedingungssatz. als subjekt stehen: 5@aa) sinne,
in älterer, umfassenderer bedeutung: komen und sehen disen man, mich trügent denn die sinne min, so mag es Jhesus Cristus sin
schausp. d. mittelalters 2, 213
Mone; ir mügt wol reden, was ir wölt, sy ist nit hie, die eüch geuelt, daz waisz ich wol, mich trügen dann all mein synne
liederb. d. Hätzlerin 79; es triegen mich dann myn syn, so ist das fürwar daz fingerlin (
nisi me animus fallit, hie profectost anulus)
Terenz deutsch (1499) 77
b;
ebenso Boltz
Terenz (1539) 75
a; es triegen mich denn all mein sinn, so ist es unser nachbäwrin Hans Sachs 17, 47
K.-G.; du hast in recht Felicem genempt, dan, oder all min sin triegend mich, er wirt felix werden Thomas Platter 91
Boos; es triegend mich dann alle meine sinn
nisi me omnia fallunt Frisius
dict. (1556) 870
a; wo mich der sinn nicht treugt, so bist du auss dem haupt des Jupiters gezeugt Rachel
satyr. ged. 60
ndr. 5@bb) auge, schein, zeichen: also reiffen deine gaben, und treügt mich das auge nicht, wollen einen freyer haben Simon Dach
in: Königsberger dichterkreis 167
ndr.; wenn meine augen nicht ganz wunderlich trügen Göthe 49, 284
W.; trügt mich mein auge nicht, gebieterin, so ists derselbe, der dort eilend naht Schiller 14, 97
G. (
braut v. M. 4, 1); mich däucht, ich säh dich, da du unten bist, als lägst du todt in eines grabes tiefe, mein auge trügt mich, oder du bist bleich
Shakespeare 1 (1797) 115; trügen mich die augen nicht, seh ich durch des felsens splittern schon die blauen flämmchen zittern Körner 2, 205
Hempel; wenn mich mein perspecktiv nicht trügt Göthe III 1, 259
W.; trügt nicht der schein, so seid ihr meine tochter
Shakespeare (1797
ff.) 4, 305; doch wenn der schein nicht trüget, hat argwohn der fürst aus alter that J. H. Voss
s. ged. (1802) 6, 237; ein wunder wird geschehen durch dies buch, noch heute, wenn nicht jedes zeichen trügt Mörike
w. (1905) 3, 118
Göschen: so nicht alle zeichen trügen Fontane
ges. w. I 1, 374; trügen nicht alle zeichen, so käme gewiss heute noch ein gewitter A. Stifter
s. w. 1 (1901) 232; doch, wenn
[] nicht alle zeichen trügen, ist ein lebendiger geist in unsre wissenschaft gekommen Savigny
v. beruf uns. zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 49. 5@cc)
geistige fähigkeiten: ube in der wân netriuget
si sit vera opinio Notker 1, 317, 1
P.; mih netriege der wân
nisi fallor ders. 1, 174, 29; so mich mein gedancken nit triegen Schaidenraiszer
Odyssea (1537) 43
b; mich daucht, ich seh an deiner stirn ein groszes ungemeines wesen, und triegt mich nicht mein schlechtes hirn, kan ich den groszen vater lesen D. G. Morhof
unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 18 trügt meine vermutung nicht Jac. Grimm
kleine schr. (1864
ff.) 3, 228; und trügt mich nicht, was ich an ihm bemerkt, so weisz er mehr, als andre menschen wissen Göthe 11, 300
W.; wenn meine rechnung nicht trügt, kannst du ende september ein röllgen zeichnungen von mir haben
ders. IV 8, 10; der spasz ist, wenn mit seinem eignen pulver der feuerwerker auffliegt; und mich trügt die rechnung, wenn ich nicht ein klafter tiefer als ihre minen grab, und sprenge sie bis an den mond
Shakespeare (1797
ff.) 3, 280; wenn mein gedächtnisz mich nicht trügt Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 100; sehr selten, möchte ich sagen (wenn mich nicht mein gedächtnisz aus Homer trügt) Herder 3, 18
S.; wenn mich mein gedächtnisz nicht ganz trügt Fr. Schleiermacher
s. w. (1834
ff.) I 5, 197; trügt mich mein gedächtnisz nicht, so ist dieser saal nicht mehr wie er war H. Steffens
was ich erlebte (1843) 8, 346; ihr reizender brief vom 8. dez. v. j., wenn mein halbverlorenes gedächtnisz mich nicht trügt Pückler
briefw. u. tageb. (1873
ff.) 4, 166. 5@dd)
seelische fähigkeiten: trügt mich ahnende klugheit nicht, so kommt sie schon Herder 15, 411
S.; trüget mich die ahndung nicht Chamisso
w. (1836) 3, 177; wo anders meine wahrsagungen mich nicht trügen Schoch
studentenleben (1668) 5; wenn nicht mein herz mich trügt Rückert
ges. poet. w. (1867
ff.) 3, 182; wenn mich meine hoffnungen nicht trügen Göthe IV 14, 191
W. 5@ee)
besonders häufig die wendung wenn nicht alles trügt: und wenn mich nicht alles trügt, so suchten auch ihre augen oft die meinen auf J.
M. Miller
briefw. dr. akadem. freunde (1778) 1, 242; es trügt mich alles, oder der schneiderssohn ruft sich ... zu Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 274; mich müszte alles trügen, oder es war mein vater selbst Sal. Geszner
w. (1778) 2, 98; denn alles müszt mich trügen, oder ein gesicht wie dies ..., ist keines heuchlers larve Schiller 12, 379
G. (
Wallensteins tod 5, 4); wenn mich nicht alles trügt, so ist Lenardo ... gegenwärtig in eurer mitte Göthe 24, 351
W.; an einigen stellen bin ich, wenn mich nicht alles trügt, schon so glücklich gewesen, eine verbesserung zu finden Voss im
Goethejahrbuch 5, 48; die herzogin werde, wenn nicht alles trüge, die begnadigung des vaters verschaffen H. Laube
ges. schr. (1875
ff.) 2, 202; trügt mich nicht alles, so ists mit dem gesandten richtig Bauernfeld
ges. schr. 2, 141. 66)
das part. präs. trügend zeigt in adjektivischer und adverbialer verwendung dieselben bedeutungen wie die adjektiva trügerisch
und trüglich (
s. d.),
aber natürlich bleibt trügend
dem verbum näher. 6@aa) '
betrügerisch': ob er gleich ... die vernunft als einen trügenden derwisch verschrie Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 276; ach, wie trügend ist die welt! nein, ich kann ihr nicht vertrauen Tieck
schr. (1828) 4, 311;
substantivisch, wie trüger,
m., im sinne von '
betrüger':
[] trügende fälschen schon lang umsonst den gedanken, der obsiegt Klopstock
oden 2, 141
M.-P.; hierher auch: (
da) wir ... die ganze nacht fortfuhren, unsere augen vor den schlusz eines trügenden schlummers zu verwahren
Leipziger avanturieur (1756) 1, 218.
leichter, nach b
hin reichend; alte belege im sinne von '
vorspiegelnd', '
gleisznerisch'
gehören hierher: malesuada (
luxuries) trieginda
ahd. gl. 2, 593, 31 (11.
jh.); diu werlt mich lachet triegende an und winket mir: nu han ich als ein tumber man gevolget ir Hartmann v. Aue in:
minnes. frühl. 210, 11; unselger wahn, der von glorreich betretner bahn ihn trügend lockte! Gaudy
s. w. (1844) 4, 31; willst du nicht trügend mich mit hoffnung wiegen?
Europa (1803) 2, 125
Schlegel; das langerwünschte, oft erflehte glück, nach jammerjahren zeigt es trügend sich J. v. Collin
Regulus (1802) 52. 6@bb)
von der äuszeren erscheinung, '
täuschend', '
vorspiegelnd'
: fallaces herbae die hüpsche bletter habend, und aber kein frucht, triegende kreüter Frisius
dict. (1556) 541
b; Maaler (1561) 408
a; die wollust ... läszt vor der schönheit nun ihr trügend antlitz blicken Joh. Elias Schlegel
werke 4 (1766) 95; gesagt habt ihrs, o mit den trügenden zügen, mit der ernstesten miene Schiller 1, 57
G.; jetzt erst erwach ich und gewahr, wie sie zu meinem besten jenen wünschen wehrte, da sie der glut, die jugend noch vermehrte, ihr antlitz süsz zugleich und trügend lieh R.
M. Rilke
ges. w. (1927) 6, 349; (
genius:) ihr, die wir hier in trügenden gestalten, für Nurradin, für sultan Wampum halten, tauscht eure seelen wieder um A. v. Kotzebue
s. dram. w. (1827) 1, 199; ihr habt wohl geträumt, mein vater, ... oder dieser halle dunkel, matt vom kerzenlicht erhellt, täuscht in trügender gestaltung euer schlummertrunknes aug! Grillparzer
s. w. 4, 28
Sauer; jahre lang mag, jahrhunderte lang die mumie dauern, mag das trügende bild lebender fülle bestehn Schiller 11, 89
G.; in des schlummers trügenden gebilden sah ich mich in elysischen gefilden Körner
w. 2, 11
Hempel; wenigstens soll kein trügendes prachtkleid einer angemaasten allwissenheit die mängel verhüllen Herder 13, 207
S.; aber diese grosze person auf dem theater der welt, wer ist sie, ... entkleidet von dem trügenden schmucke Gellert
s. schr. (1839) 6, 139; (
Theobald:) mir ist sonderbar zu muthe — eine unsichtbare hand zerreiszt den trügenden schleyer A. v. Kotzebue
s. dram. w. (1827) 3, 10; leyer des heiligen bardenhains, verwünsche des ehreverschwenders lied, so zuerst trügenden glanz, den besang Klopstock
oden 1, 199
M.-P. von naturerscheinungen: hier versank ein liebliches kind. dem schoosse der mutter spielend entronnen, o meer, zog es der trügende glanz deines schoosses hinunter Herder 26, 21
S.; allen sterblichen menschen, die je die erde bewohnen, denen Helios nur zu trüglichen hoffnungen leuchtet, trügend selbst durch himmlischen glanz und erquickende strahlen Göthe 50, 292
W.; so schwand trügender dunst Denis
lieder Sineds d. barden (1772) 127; strömte nicht zwischen den parteien der lügenflusz der presse, aus dem die trügendsten dunstmassen fortwährend aufsteigen, vielleicht wäre eine verständigung verhältnismäszig absehbar R.
M. Rilke
briefe 1914 -21 (1937) 237; diese (
groszen dinge) erschienen dann vorgebildet in der trügendsten fata morgana Immermann 18, 56
Boxb.; [] vom trügenden schein will der dinge seyn sein geist betrachtend hier trennen Karoline v. Günderode
bei Bettina v. Arnim
d. Günderode (1840) 2,
vorr. 5. 6@cc)
in den bezirken des verstandes und des gefühls, '
sich irrend', '
irreführend', '
falsch': weil der wohlselige, nach gottes nimmer triegendem urtheile seinen lauf vollendet hatte
d. neueste a. d. anmuthig. gelehrs. (1751
ff.) 4, 348
Gottsched; ein ... nicht leicht sich triegendes gesicht Lavater
physiognom. fragm. (1775ff.) 3, 242; die kenntniss menschlicher fehler und tugenden, geschöpft aus geschichte und büchern — o weh! wie trügend ist sie A. G. Meiszner
skizzen (1778) 1, 103; dasz es ... besser wäre, man hätte ... die anwendung davon in einzelnen fällen blos dem hierinn selten trügenden menschengefühl überlassen K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 292; trügender wahn, wenn du deiner thaten eine dem auge der gottheit hofst zu verhüllen!
allgem. dtsche bibl., anh. z. bd. 25/36 (1771
ff.) 3367; diesen ... trügenden wahn der innigsten vereinigung Herder 15, 316
S.; ein freilich oft grundloses und trügendes vertrauen auf uns selbst Bürger 394
b Bohtz; dasz alles auf der welt so eitel, trügend, unvollkommem ... sey J.
M. Miller
pred. f. landvolk (1776) 2, 89.