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nhd. bis sprichw. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trügen vb.

Bd. 22, Sp. 1260
trügen, vb. , betrügen, irreführen, täuschen. herkunft. das wort ist innerhalb des german. nur dem deutschen eigen: ahd. triugan, mhd. triegen; as. driogan, mnd. drēgen, mnl. driegen. in den andern germ. sprachen gibt es von der gleichen wurzel nur an. draugr, m., 'wiedergänger, gespenst'. weiter ab steht das gemeingerman. traum, m. (s. teil 11, 1, 1437, wo ags. drēag, gidrēag zu streichen sind). das nebeneinander von an. draugr 'gespenst' und dt. trügen 'betrügen, täuschen' begegnet im idg. auch an andrer stelle, im indoiran.: die gleiche wurzel *dreugh heiszt im iran. 'lügen, betrügen, böslich handeln', und im altind. heiszt druhyati 'zu schaden suchen', das subst. druh 'schädigung, beschädigender dämon, unholdin, gespenst'. vgl. ferner mittelirisch aurddrach 'gespenst' (Walde-Pokorny 1, 874). in der bedeutungsskala [] von dt. trügen selbst lassen sich hierzu höchstens solche fälle wie der alp trügt (unten 4 a ζ) als früh erstarrte reste vergleichen, wenn sie nicht viel harmloser als prägnante fälle des gewöhnlichen trügen gleich '(die sinne) täuschen' zu erklären sind. form. der infinitiv lautet in fortsetzung des mhd. triegen (< ahd. *triogan) im nhd. regelrecht triegen, die 2. und 3. präs. (entsprechend mhd. triugest, triuget) treugst und treugt. die reihe triegen, treugst, treugt gilt im 16. und bis zur mitte des 17. jhs. durchaus und auch noch in der zweiten hälfte des 17. jhs. weit überwiegend. eine ausnahme machen von jeher nur diejenigen obd. gebiete, die im inf. regelrecht ü aus altem bewahrtem iu (altalem. triugan) haben und, da sie die nhd. diphthongierung nicht mitmachen, hier und in der 2. und 3. präs. dies ü < iu monophthongisch bewahren: trügen so z. b. bei Zwingli dtsche schr. 1, 123; Fischart Jesuiterhütlein 241 Hauffen; drügt bei S. Brant narrenschiff 40, 26 Zarncke; trügt H. R. Manuel weinspiel 2791 ndr. in den gebieten, die regelrecht triegen, treugst, treugt haben, kommen in der zweiten hälfte des 17. jhs. zwei verschiedene tendenzen auf: entweder überall ie durchzuführen (triegen, triegst, triegt) oder nach dem vorbilde von lügen statt liegen (s. teil 6, 1273) trügen, trügst, trügt zu flektieren. nur dasz bei lügen die nachbarschaft des nomens lüge (diese wohl weit mehr als das bedürfnis, liegen 'mentiri' von liegen 'iacere' zu unterscheiden, vgl. H. Paul dt. gr. 1, 206) die ü-form etwas schneller einführte. so lehrt Stieler 1691 noch triegen, aber schongen. gesiegt hat auch bei trügen schlieszlich die ü-form, restlos jedoch erst im 19. jh. das 18. jh. bevorzugt weithin die ie-formen. präsensformen mit ie begegnen vereinzelt 1682 bei Morhof (dt. ged. 18 = unterr. 2, 18), dann 1729 bei Hagedorn (versuch einiger ged. 49 lit.-denkm.). Gottsched lehrt 1748 in der dt. sprachkunst 271: er treugt und er triegt, gebraucht aber selber er trügt (dt. schaubühne 3, 221; neueste ged. [1750] 40; crit. dichtkunst [1751] 13; ged. [1751] 1, 370 und 451). verhältnismäszig spät noch haben triegst und triegt Bürger (z. b. 155 und 187 Bohtz) und Göthe, der in der zweiten hälfte seines lebens die ie-formen überhaupt auffällig bevorzugt (9, 314 W.; 24, 351 W.; 42, 2, 259 W.); er läszt sie noch in den 20er jahren des vorigen jhs. drucken. nach ihm hat J. Grimm an der historisch richtigen, darum 'besseren' form festgehalten (kl. schr. 2, 337; 3, 46; vgl. betriegen teil 1, 1714). präsensformen mit ü haben zuerst 1663 B. Schupp schr. 561; 1704 Warnecke poet. versuch 391; 1721 Heräus ged. u. lat. inschr. 197; 1727 Henrici ernst- u. scherzh. ged. 3, 143; 1735 Stoppe Parnass 241; 1740 B. Schmolck 1, 912; Gottsched s. o. der infinitiv mit ü begegnet zuerst bei Harsdörffer gesprächsp. 4 (1644) 496; Neumark lustw. (1657) 1, 421; Butschky Pathmos (1677) 292; Canitz ged. (1727) 4; Besser 2 (1732) 817 König; B. Schmolck schr. (1740) 1, 4. treugst, treugt, im 17. jh. bis zuletzt häufig, verschwinden im 18. jh. schnell: Amthor bei Weichmann 1 (1721) 47; Besser 1 (1732) 21 König sind solche nachzügler. der letzte ist bezeichnenderweise der Gottschedgegner J. Chr. Rost gelernte liebe (1742) b 7b. dann leben die altertümlichen formen nur noch in bibel- und kirchensprache nach; Jean Paul nennt sie 1795 im Siebenkäs 'lutherische beugungen' (11/14, 100 Hempel). ein schwaches präteritum ist ganz selten: trügte Zachariä poet. schr. (1763) 3, 169; Fr. v. Gentz 2, 274 Schlesier. die mundarten sind charakteristisch geschieden: alle niederdeutschen maa., von Ostpreuszen bis Ostfriesland, haben drēgen, dreigen, die fortsetzer des mnd. drēgen. die md. und obd. maa. dagegen haben das unkomponierte trügen kaum, und wenn, wahrscheinlich aus der schriftsprache entlehnt. ausnahmen nur im südlichen randgebiet (Bühler Davos 1, 168). [] bedeutung und gebrauch. 11) trügen bedeutet soviel wie betrügen. dieser gebrauch ist in älterer zeit voll lebendig, späterhin, etwa vom 18. jh. ab, fast ausschlieszlich nur noch in der poesie möglich. hier wirkt trügen im sinne von betrügen zum teil recht trivial und wird gewisz oft nur aus gründen metrischer bequemlichkeit für betrügen gesetzt: des sie spulgent, daz begagenet in: menniscen îlent sie triegen, betrogen werdent sie Notker 2, 290, 17 Piper (ps. 72, 18); du zaltest mir ir güete vil als der den andern triegen wil Hartmann v. Aue büchlein 84 Haupt; sy triegent ain ander, wib und man, nieman sich an den andern gelaszen kan Christus u. d. minnende seele 636 Banz; das er uns nit trieg mit tzawberey altdtsche passionssp. aus Tirol 90 Wackernell; vertrager, der die lyt under ein ander trögt und verwürt mit lügnen Terenz deutsch (1499) 94a; die andern reckten ir verlust ... oder wie sie morn wolten liegen mit gschwätz, verkouffen, manchen triegen Seb. Brant narrenschiff 4 Zarncke; fur wor, es wer myr gleich so lieb, das myr meyn gelt doch stil eyn dieb, den das mich eyner offlich trugkt und so schedlich mir erlügt Murner schelmenzunft 41 ndr.; wer mich nu anders leret, der treugt mich Luther 15, 756 W.; dein rew und werck mugen dich triegen, und der teuffel wirt sie gar bald umbstossen ders. 2, 716 W.; darumb, gut gsell, so warn ich dich, dasz dich dein bul nit trieg wie mich Hans Sachs 21, 259 K.-G.; umb sein gut in (deinen nächsten) nit treuge, verforteyl noch ableuge ders. 22, 163; wann volgt kayn ander leben nach, zuo tugent lon und poszhayt rach, all menschen müszten trogen seyn, di offt ir tugent bringt inn pein Joh. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 152; (er) kleidet die in sammat und seiden, dasz die Schweitzer solten achten, es wern grosz frantzösisch fürsten und herrn, die namen sie zu bürgen an, damit trog er sie Seb. Franck Germ. chron. (1538) 280b; (gott) den niemat bschiszen, truigen kan Jak. Ruf in: schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 178 Bächtold; zuo dem erst, wenn in trügt der wyn H. R. Manuel weinspiel v. 2791 ndr.; du, satan, trogst mit deinem list Adam, der aller vatter ist Wickram w. 5, 47 Bolte; er kompt nit und treugt den bapst groeszlich H. Gholtz lebendige bilder (1557) B b 1b; der herre gott läst sich nicht triegn, noch auch gethaner eyd verbügn Gilhusius grammatica (1597) 40; also ist hie schalck uber schalck, und thut disz sprichwort gar nit liegen, wie btrug und trug einander triegen Eyering proverb. copia (1601f.) 2, 28; ein kind kan nicht triegen Petri d. Teutschen weiszheit (1604f.) 2, x 3a; der billich kein geselschafft hat, dem all sein sinn nach triegen staht ders. 2, n 5a; das ist gefehlt dasselb zu lieben, so dich thut triegen H. Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 324; um Deutschland stund es noch so wol, da Deutschland nur war gerne voll, als da es triegen, buhlen, beuten gelernet hat von fremden leuten Logau sinnged. 141 Eitner; wer treugt, der wird berückt (trompeur, il est trompe) Tobias Hübner d. feldobersten (1659) 161; zeuget, dasz mein gemüht an falschheit ferne, auch dasz mein lieben sey ohn alles triegen G. Neumark poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 80; wie laszt ihr euch so von der list des aufgeblähten herzens trügen? Triller poet. betracht. (1750) 1, 87; [] dasz Clelia den mann aus lieb zur tugend trügt B. Mayr päckchen satiren (1769) 16; ein falscher gott mag sie mit äuszern gütern trügen theater d. Deutschen (1768ff.) 2, 138; wisz! es trog um alle freuden ein verkappter bube mich J. M. Miller ged. (1783) 212; sollte der vater den sohn doch um Roms palläste nicht triegen Bürger 247b Bohtz; o mit nichten triege mich so dein sinn! ebda 187; gefärbte weisheit handelt und täuscht und trügt um schnöden vortheil Herder 27, 60 S.; auch du, mein Brutus! nun entronnen der trugeswelt! getrogen du an tugend, wie ich an ruhm! 29, 65 S.; verlasz mich, mädchen, verlasz mich, wenn du mich nicht liebst, spotte des trogenen nicht Kosegarten Ewalds rosenmonde (1791) 133; du suchtest sie zu trügen, nicht Prokris sich Wieland w. (1795) 10, 229; und läszt auf seiner hand, die stets zum trügen und stehlen fertig ist, die blicke ruhn Gries Ariostos ras. Roland 1, 86; allein sehr klug und sehr gewandt im trügen, birgt sie ihr innres unter falschen zügen ders. Bojardos verliebter Roland 2, 243; mich kann daher kein mensch trügen Tieck schr. (1828ff.) 20, 360; (Gunnar:) nein, lieber bote, nein, du willst mich trügen Fouqué held d. nordens (1810) 2, 122; dein herz ... hat die grosze welt uns geraubt; wenn sie gar dich noch mit falscher hoffnung tröge? Iffland theatral w. (1827) 1, 153; selbst die besten unter uns, die es nie beabsichtigen, zu trügen oder zu schaden, haben eine ganze maskengarderobe in bereitschaft, wenn sie berufen sind, im verkehre mit der groszen welt zu stehen S. Brunner erzähl. u. schr. (1864) 1, 43; die treue gattin trogest du stets Richard Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 6, 29. 22) trügen rückt in die nähe vongen. 2@aa) mit worten trügen ist fast gleich 'lügen': principium verborum tuorum veritas warheit ist anagenne dinero worto. siu choment fone warheite, unde sint wariu, netriegent niemannen Notker 2, 540, 11 P. (ps. 118, 160); man soll mit wort ouch keinen triegen, dann kunst der worheit darff kein liegen Seb. Brant narrenschiff 29 Zarncke; der schweige ... seine lippen, das sie nicht triegen 1. Petri 3, 10; die nicht trügen mit ihrem munde; nicht falsch reden mit ihren lippen Butschky Pathmos (1677) 292; mein mund der niemals treugt, sagt hiemit ohne scheu, dasz deine mutter leugt J. Chr. Rost gelernte liebe (1742) b 7b; und spotte des, der schmeichelnd trügt, sich falsch im staub ein herz erlügt J. M. Miller ged. (1783) 170; er lügt, verläumdet, trügt Göthe 9, 72 W.; der prophet hat es gesagt, er trieget nicht ders. 9, 314 W.; ihr habt was guts in euren zügen, drum kann mich euer wort nicht trügen Lenau s. w. 404 Barthel; lügen und trügen werden, anders als in der folgenden gruppe, bewuszt gegeneinander abgewogen: du vierde lugi ist, ob du ie geliuge alleine durch liegennes geliust? unn das dich geluste ieman ze triegenne, unn das doch nutze were? bichtebuoch 52 Oberlin; triegen ist mehr denn liegen. triegen ist, wen die lugen geraten und angehen Luther 8, 715 W.; darumb geht ihr mund auffs liegen und das hertz auff lauter triegen Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 437a. 2@bb) die formel lügen und trügen. sie ist seit mhd. zeit lebendig, Freidank reimt mehrere dutzend reimpaare, die alle mit liegen, triegen beginnen: [] liegen, triegen ist ein site, dem vil der werlde volget mite 165, 21-169, 5 W. Grimm; früh in geistlicher prosa: alle di hie nich durstet nach der warheite, di gerne legent und dregent ..., di muzent herna ewegen durst liden (um 1250) hl. regel 30, 9 Priebsch; nu red ich iez ... mit dir, gewaltiger herr, dem nieman liegen noh triegen kan Seuse dtsche schr. 88 Bihlm.; die warhait begündt schmeltzen, liegen und trügen ist nit seltzen liederb. d. Hätzlerin 218; mich hat, den ainfaltigen man, der verheit schalck mit liegen und triegen gedeüscht umb alles mein gelt Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) d d 5a; häufig bei Luther: die aber tag und nacht schinden, schaben, als die wücherer, triegen und liegen, böse war verkauffen, falsche mas geben 16, 515 W.; so thun sie dem frumen heiligen vater und lerer s. Augustin gewalt und unrecht und liegen und triegen auff ihn, wie ihr art ist 26, 576 W.; du (Eck) hast in der disputation auch allis mit liegen und triegen getrieben 6, 585 W.; er (Karlstadt) leugt und treugt dich 18, 198 W.; die schrifft leuget und treuget uns nicht 19, 163 W.; göttliche geschrift, die nit kann lügen noch trügen Zwingli dtsche schr. 1 (1828) 123; so sie ... auf der gassen ... und anderstwa ... trgen und liegen Wirtembergs newe landsordn. (1536) f 4b; das sy iren mund vor liegen und triegen verhten Schaidenreiszer Odyssea (1537) 61a; der mensch thuot nicht dann liegen und triegen von natur S. Franck Germ. chron. (1538) 168a; können nichts dann liegen und triegen Paracelsus opera 2, 331 Huser; und über das schweiffen sie noch im land umbhär, und erneren sich mit stelen, liegen, triegen und warsagen Seb. Münster cosmographey (1550) 301; o falschait, o lugen, liegen und triegen, was richstu an? Joh. Nas antipapist. eins und hundert (1567ff.) 3, 52b; ein lügengeist ... der gar kein warheit redet, sondern allezeit mit liegen und triegen umbgehet theatrum diabolorum (1569) 5a; er (der kriegsmann) sol auch meiden rauben, beuten, ... stelen, liegen, triegen Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, t 2b; liegen, triegen, stelen, morden, gehören all in einen orden Petri d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, M m 7b; unter den gebrechlichen, verstummelten, siechen und beschedigten werden dazumal auch viel angetroffen, die voppen und ferben, das ist, liegen und triegen können A. Pape bettel- u. garteteuffel (1586) k 8b; und leugt und treugt eins ins andere Mathesius Syrach (1586) 122; frombsein läst nicht finantzen, lügen, triegen, geitzen oder lästerlich leben Lehman floril. polit. (1662) 1, 245; der ist und bleibt arm, der nicht practiciren, liegen und triegen kan ebda 1, 52; das gerücht und gespreng kan triegen und liegen, aber dein gewiszen nimmermehr Reinicke fuchs (1650) 124; triegen, lgen, spott und schande herschen itzt auf unserm plan J. Rist d. friedejauchz. Teutschland (1653) 19; was sich reimt, das schickt sich auch, spricht der frische landesbrauch. drum so schickt sich liegen, triegen auch so fein zu unserm kriegen Logau sinnged. 22 Eitner; alldieweil Justitia nicht liegen und triegen kan Moscherosch gesichte 1 (1650) 31; liegen, triegen, neid und list wird mit macht hervorgesuchet, schnell zu würgen Jesum Christ Treuer dtscher Dädalus (1675) 1, 298; er hätte sich lang genug mit lügen und triegen beholffen Olearius verm. persian. reisebeschr. (1696) 125; sich mit triegen und lügen behelffen Kramer teutsch-ital. (1702) 1141b; wann nemlich erst die gelder feien, ... alsdann wird lügen, trügen, stelen für keine schande mehr geacht't Brockes bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 123; liegen und triegen mendacio fallere; wer leugt, der treugt mendax fallit Steinbach dtsch. wb. (1734) 2, 866; man lügt und trügt, so sehr man immer kan Stoppe Parnass (1735) 241; [] lasse ferne von mir seyn fluchen, schwören, lügen, trügen B. Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 4; der dritte endlich war ein erzspitzbube, ..., zum lügen und trügen gewohnt d. neueste a. d. anmuthigen gelehrsamk. (1751ff.) 3, 114 Gottsched; lügen und trügen herrscht so in allen straszen, dasz der entschlossenste mann in die versuchung gerathen möchte, auf ehrlichkeit verzicht zu thun Hamann schr. 5, 230 R.-W.; der unter wälschem geiszelhieb log und trog E. M. Arndt w. 5, 347 R.-M.; in neuerer zeit oft in nachwirkung von Luthers katechismussprache: wir sollen gott fürchten und lieben, das wir bei seinem namen nicht fluchen, schweren, zaubern, liegen odder triegen Luther 30, 1, 356 W.; danach wir sollen gott fürchten und lieben, auf dasz wir bei seinem namen nicht zaubern, lügen oder trügen Storm w. (1899) 4, 311; wer lügt und trügt oder verleumdet und falsch zeugnis redet, der ist von grund aus verdorben Fontane ges. w. I 5, 274; aus liegn und triegn besteht die welt G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 148. im 17. jh. vereinzelt auch list und trügen, entsprechend dem zu dieser zeit häufig statt lug und trug stehenden trug und list, s. oben sp. 1249: trewlich hält er und steht fest ohne list und triegen Sibylla Schwartz bei Fischer-Tümpel 2, 132; die pfeile ... sind alle gifftig zugespitzt, gefiedert nur mit list und triegen Simon Dach 100 Österley. 2@cc) trügen, auf unpersönliche subjekte übertragen, kann soviel heiszen wie 'unzuverlässig sein', 'zu viel versprechen', 'enttäuschen': die früsaat treugt offt, die spat selten Seb. Franck sprüchw. (1541) 5b; die früsaat treugt offt, die spat alweg ebda 23b; die blüht treugt ... offt, mancher baum blüht schön, und trägt doch keine frucht Lehman floril. polit. (1662) 1, 445; und treuget das alte sprichwort nicht ... M. Haganäus von unterweisung z. weltl. regiment (1599) 75; stille wasser trügén Bauernfeld ges. schr. 3, 186; morgenröt kann nicht liegen, der magd bauch kan nicht triegen, ists kein regen, so ists wind ists nit feyst, so ists ein kind Lehman floril. polit. (1662) 2, 932; wie vielmahl treugt ein aufgehellter morgen Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 37; du setzest auf dein haup des Friedrich Wilhelms crone, die noch nach ehr und ruhm und frischen lorbern reucht. sein beyspiel leitet dich, so (welches, acc.) keine ferne treugt. (1688) J. v. Besser schr. 1 (1732) 21; o we gegenwurtigkeit wie blendest du, wie treugest du das wir disz in unsern blüenden jugent ... nit versachent der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 26b; gewiss treuget niemandt, ungewiss aber treuget wol alle welt J. Agricola 750 teutsche sprichw. (1534) f 8b; sie mügen deuten, wie sie wollen, so sehen wir das werck für augen, das treugt uns nicht Luther 53, 418 W.; wie es denn auch der circkel, der nicht triegen kan, gibt C. Henneberger preusz. landtaffel (1595) 5; dann treugt uns der compas, dann treuget uns die lufft M. Opitz teutsche poemata 93 ndr.; vermöge dieser lande recessen, die nicht leichtlich triegen können M. C. Schütz historia rer. Prussic. (1592) 4, C c 4b; ohne dieses könnten sie um alles kommen, und selbst ein schriftlicher contract kann unter umständen trügen Annette v. Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking (1893) 126; wie sollte sie, eh alle mittel trügen, hinuntereilen in des grabes nacht? (Dido) Schiller 6, 406 G.; hundert werden aufgethan, neun und neunzig trügen, aber nur in einem kann die juwele liegen 4, 9 G. 2@dd) ebenso, aber mit stärkerem beiklang von 1, 'irreführen': in meinung endlich auch ihr zimmer zu gewinnen. allein wie trog die list! Gottsched neueste ged. (1750) 121; [] diese regel hat gar keine ausnahme; weil sie sich auf das wesen der dinge gründet, und gar nicht auf die zufälligen endungen der wörter sieht; als welche zuweilen triegen können Gottsched dtsche sprachkunst (1748) 161; denn wie viele, viele nebenursachen konnten in dieser abstammung, und in der känntlichkeit dieser abstammung veränderungen machen, auf die der etymologisirende philosoph nicht rechnen kann und die seinen stammbaum trügen Herder 5, 139 S.; die probe fällt mir leicht, und die soll nimmer trügen Hagedorn poet. w. (1757) 2, 22; denn der vorredner sagt ausdrücklich, man wird dieselbe (2. auflage) ehestens zu erhoffen haben, wenn anders die geneigten versicherungen gelehrter kenner und gönner nicht trügen Bodmer sammlung crit. poet. schr. (1741ff.) 2, 10. 33) reflexiver gebrauch: sich trügen reicht vom eigentlichen selbstbetrug bis zum leichten 'sich irren': waz töhte ob ich mich selben trüge Iwein 7573; si trigin sich di da wenin daz si sich selbir nicht lip habin paradisus animae 130, 17 Strauch; si trigin sich selbir und sint des tufilis spot ebda 78, 25; der doch die warhait mainet nut und truget sich und ander lut schweizer Wernher Marienleben 7948 Päpke; triegent si die lúte, sie triegent aller meist sich selber Tauler pred. 197, 16 Vetter; ähnl. 237, 2; als sich manig mensche selber trúget ebda 237, 9; er trúget sich selber berlich der den kúnig aller kúnge wenet setzen in ein gemeines gasthus oder stossen in ein gesundertes knechthus Seuse dtsche schr. 219, 8 Bihlm.; wirst du die frommen wahrheitswege gehen, dich selbst und andere triegst du nie Göthe 3, 311 W.; bei Herder gern für 'sich irren': er kann sich indesz doch auch trügen und musz sodann rectificirt werden Herder 15, 151 S.; ich glaube mich nicht zu trügen, wenn ich dieses lob unserm gymnasium ... geben dörfe ders. 30, 249; wer sich in den linien der schönheit ... noch so oft tröge; er musz sie besser erkennen ... lernen 22, 116; der sinnige weisz was es ist, und trügt sich selten 23, 312; ich will mich gerne getrogen haben 6, 102; vgl. 10, 191; trieg ich mich, oder hör ich den zärtesten gesang? Sal. Geszner schr. (1777) 1, 110; sollt ich mich trügen, wenn ich behaupte, dass viele diesen wunsch ... gethan? Hippel lebensl. (1778ff.) 3, 2, 38; du trügst dich nicht in meiner sinnesart Fouqué held d. nordens (1810) 2, 23; sie trügt sich gern in ihren schlüssen Lenz ged. 185 Weinhold; wie sehr sich derjenige trügt, welcher ... das biedere gute volk anrufend, ein allzu wohlwollendes und naives pathos voraussetzt Gottfried Keller ges. w. 1, 407; ich hab mich getrogen! Peter Dörfler Apollonias sommer (1932) 256. 44) trügen mit nicht persönlichem subjekt steht in der bedeutung 'täuschen' ohne beiklang eines absichtlichen betrügens. objekt der täuschung ist der mensch infolge der unzulänglichkeit seiner organe (a), seiner geistig-seelischen fähigkeiten (b) oder der unsicherheit des irdischen lebens überhaupt (c). 4@aa) die sinne trügen. 4@a@aα) allgemein: und glaube fest, dasz deine sinne trügen Gellert w. (1839) 1, 181; unsre sinnen können uns trügen Fr. Nicolai bei Gökingk Nicolai (1820) 143; er schwur, dasz ers gesehn; sie sprach: die sinne triegen Ramler fabellese (1783) 2, 353; die sinne triegen nicht, das urtheil triegt Göthe 42, 2, 259 W.; aber die revolutionsmänner haben einen sinn, der anderen menschen fehlt, und dieser sinn trügt sie nie G. Büchner nachgelassene schr. (1850) 134. [] 4@a@bβ) einzelne sinne, besonders der gesichtssinn: aber was teufel, ich spüre hier frisches fleisch, ... meine nase trügt mich nicht Tieck schr. (1828) 5, 549; der appetit ist ein schalck, er treugt offt Petri d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, n 4a; wie? treuget mich der sinn? ach weh mir! eine maus liegt warlich tod darinn Rachel satyr. ged. 17 ndr.; was die augen sehen, das treügt nit, aber das gericht (gerüchte Fr. Wilhelm sprichw. m m 1a nr. 392) ist sehr truglich G. Mayr sprüchwörter (1567) E 5a; leichtlich treuget das gesicht, wenn der nachsinn uns gebricht Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 161. ach zürne, Fillis, zürne nicht: im dunkeln treugt uns das gesicht K. Stieler geharn. Venus 148 ndr.; dann eure augen können euch triegen A. H. Bucholtz Herkuliskus und Herkuladisla (1665) 1070; wiewohl es dünkt mich nicht, daz mir die augen trügen J. J. Schwabe belustigungen (1741) 2, 144; trügen mich meine augen? — ich sehe klar neue schauspiele (1771) 10, 80; trügt mich mein auge? Grabbe w. 2, 353 Blumenthal; so konnten ihre alten augen sie nicht trügen, das war denn doch ihr sohn Storm w. (1899) 4, 242; dasz auch mein urtheil fehlt, und diesen oder den zur zahl der weisen zählt, der solches nicht verdient: weil oft der anblick trüget Gottsched ged. (1751) 1, 451; wie trügt der augenschein von ferne! ders. neueste ged. (1750) 40; man siehet, wie sehr der augenschein trügt Chr. Fr. Nicolai reise durch Deutschland u. d. Schweiz (1783) 3, 179; mein augenmaasz trügt nicht, ich kann mich darauf verlassen Lessing w. 2, 39 Muncker; 'ich nehme euch wie ihr euch gebt'. — 'das ansehn trügt' Göthe 8, 65 W. (Götz). 4@a@gγ) das von den einzelnen sinnen wahrgenommene ist formales subjekt. akustisch: seine stimme stark und kläglich, sie trieget mich nicht Steinbryckel Philoctet (1760) 18; da klang in unsern ohren ein ton, der schwerlich trügt Schenkendorf ged. (1815) 104. optisch: tiu scozonten fiur, diu dero liuto ougen so triegent, daz sie wanent sternen fallen fone himele Notker 1, 229, 30 P.; was die augen sehen treugt nit schöne weise klugreden (1548) 101b; wie könnte diese fromme miene ... trügen? Gotter ged. (1787) 3, 103; die miene trügt, werden sie sagen? ja — man kann sie nachäffen Lavater physiognom. fragmente (1775) 1, 30; ihr gesicht musz ziemlich trügen. es verspricht so viel empfindung Miller Siegwart (1777) 1, 252; die stirn leugt und treugt Petri d. Teutschen weiszheit (1604/5) 2, R 3b; die person treugt offt ebda 2, R 1b; sie trügt nicht diese rührende gestalt! bin ich durch zaubers macht geblendet, so ists durch eine himmlische gewalt Schiller 13, 249 G. (jungfrau 2, 10); darf ich denn wirklich meinen alten augen trauen? trügen die züge dieses briefes nicht? W. Hauff s. w. 1 (1890) 185; ich weisz, ... dasz träume dieser welt wie leichte schatten trügen Canitz ged. (1727) 4; die nacht treugt Petri d. Teutsch. weiszheit (1604/5) 2, r 1a; wie sehr trügt der schimmer, der uns grosze umgiebt theater der Deutschen (1768ff.) 18, 418; nur wenn sein blick sie (die flamme) verlor, eigener schimmer ihn trügt: fehlt ihm der mitte gesetz, treibt er zerstiebend ins all Stefan George d. stern d. bundes (1928) 84. [] 4@a@dδ) so besonders der schein trügt, die zeichen trügen: darumb last unsz nur huten fur allem, das da scheynet, es treuget gewiszlich Luther 8, 383 W.; es geht hie auch die vorkerung, das die keuschen sind die unkeuschen, und treugt alles, was da gleysset ders. 10, 1, 1, 708; was scheint das treugt Lehman floril. polit. (1662) 1, 358; der spiegel leugt, der schein treugt Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 130a; dann der spiegel gar nichten leugt deszgleichen auch der schein nicht treugt Eyering proverb. copia (1601) 1, 9; unter andern dingen, deren schein bisweilen trügt d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. (1751ff.) 7, 962 Gottsched; doch, Piso, trügt uns oft des guten falscher schein Gottsched vers. e. crit. dichtkunst (1751) 13; der anschein triegt, man schläft nicht allemahl, wenn man im schatten liegt Dusch verm. w. (1754) 505; der schein trügt. das, was böse aussieht, die grundtriebe, womit der mensch auf die welt kommt, wie wickeln sie sich vortreflich aus Hippel lebensläufe (1778ff.) 3, 2, 221; es trügt die leute hier nicht leicht der falsche schein Göthe 37, 52 W. (der lügner); wo der äuszerliche schein völlig trügt E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen (1845ff.) 4, 371; ob rechts die vögel fliegen oder links, die sterne so sich oder anders fügen, nicht sinn ist in dem buche der natur, die traumkunst träumt, und alle zeichen trügen Schiller 14, 109 G. (braut v. M. 4, 4); wir herrschen in reichen, wo ... ewig kein zeichen im sternenbuch trügt Matthisson schr. (1825) 1, 56. 4@a@eε) weiter in seelische bezirke hineinreichend: entferne dich, du eitles wesen, dein schnödes blendwerk treugt mich nicht B. Neukirch in: Hoffmannswaldau u. andr. Deutscher ged. (1697) 1, 221; und zeige, wie der raum ... die form, die schönheit schafft, die unsre sinne trügt Wieland I 1, 75 akad.; hier sahe man mit missvergnügen dasz putz und schönheit öfters trügen Lichtwer äsop. fabeln (1748) 153; so äfft die eitelkeit den, der sich trügen läst Joh. Chr. Günther ged. (1735) 608; die blicke der koketterie trügen, und blosz die eitelkeit wird betrogen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 95; mit denen ... alefantzen blenden und triegen sy fürsten und hern Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 35 Kück; es ist nichts mit der eitelkeit, sie trieget und verblendet Ringwaldt evangelia (1581) e 7a; wo laszt du dich die blinden lieb hinfüren, also blenden und triegen! Montanus schwankbücher 108 Bolte; 4@a@zζ) zu leibhaftigen erscheinungen verdichtet: do Saule der guote geist benomen was und us sinin sinnin komen, ein valschir geist troug in die naht Rudolf v. Ems weltchron. 23865; der alp trügt (vgl. dtsche mythol.4 1, 384): swen der alp triuget, rouchet er sich mit der verbena, ime enwirret als pald niht zwei altdtsche arzneibücher 2, 14a Pfeiffer; die mag triegen wol der alp! Suchenwirt 31, 12 Primisser; ich gebiete uch ubeln geisten die ir diesen unseligen menschen vuoret zu trigene die werlt, ich gebiete uch bi dem vatere und bi dem sune und bi deme heiligen geiste daz irn lazit und niht mer vuoret bei Schönbach predigten 1, 205; Judas, wo bist du? erwache, sey stark! was quälst du deine gesichte trügen dich nicht dich, ärmster? Klopstock Messias (1780) 90; leichter vom irrlicht (vgl. truglicht): Abdallah stürzte oft gegen die bäume und fuhr durch rasselnde gesträuche, flimmernde lichter führten ihn oft trügend tiefer in den wald hinein, wo ihm die nacht noch dumpfer entgegenkam Tieck schr. (1828ff.) 8, 122. [] 4@bb) alle geistigen und seelischen fähigkeiten und eigenschaften des menschen können trügen. 4@b@aα) geistige: nio unsih netriege lukkez pilde unseres kedanches ne nos decipiat cassa imago cogitationis Notker 1, 180, 10 P.; hier dient euch mein vermächtnis: denn ich gab euch für das hirn, das trügt, das wahre auge Stefan George d. stern d. bundes (1928) 99; erfahrung treugt nicht Lehman floril. polit. (1662) 1, 207; mein zweifel trügt mich nicht Gottsched dtsche schaubühne (1741ff.) 3, 221; ich gebe sie (die beispiele) aus dem gedächtnisse. triegen wirds mich nicht Herder 3, 459 S.; meine vorsicht konnte mich nicht trügen ders. 17, 112; es freut mich überaus, dasz meine vermutung mich nicht getrogen hat Wilamowitz an Mommsen, briefw. (1937) 309; ihr urtheil trüget nicht Denis lieder Sineds d. barden (1772) 222; dein urtheil trüget nicht J. A. Cramer ged. (1781) 1, 60; sein urtheil trieget nie Hagedorn vers. einiger ged. 49 lit.-denkm.; syllogismi, die netriegent neheinest, ube sie legitime geworht sint Notker 1, 167, 4 Piper; ter folleclichor exempla haben uuelle dero triegenton syllogismorum, der neme siu fone Cicerone in rhetoricis ebda 1, 257, 28; so wird alsdann die welt, wo nicht die schlüsse trügen, viel kräftiger Gottsched neueste ged. (1750) 62; und wahrhaftig, dieser scharfsinnige schlusz trog nicht H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 156; ich sage vielleicht, denn so viel anschein dergleichen folgerungen auch für sich haben, so können sie dennoch wohl trügen J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 125; einzelne analogien können trügen Mommsen m. gesch. (1856) 1, 87. 4@b@bβ) seelische: sô troug menniscen der wân, êr Christus châme, daz er got wânda wesen ligna unde lapides Notker 2, 136, 25 P. (ps. 37, 8); sô triuget in der wân (fallitur) ebda 1, 319, 25; Ulrich antwortete: ... mir hat es ... geschienen, als ob es die ganze zeit heller tag gewesen wäre. sie sagte: der wahn trügt euch br. Grimm dtsche sagen 2, 143; wie treugt der wahn! Amthor bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 47; die ahndung trügt mich nicht theater d. Deutschen (1768ff.) 6, 23; wäre es möglich, heiliger gott! lasz meine ahnung mich trügen Pfeffel pros. vers. (1810) 9, 120; die ahnung trog nicht Otto Ludwig ges. schr. 3, 245 E. Schm.; meine ahndung trügte Gentz schr. 2, 274 Schlesier; ihre ahnung, dasz sie die durchlaucht treffen würde, hatte sie nicht getrogen Wilh. Weigand die gärten gottes (1930) 398; da diese erwartung trog, begann man endlich einzusehen, dasz Baden keine wahl mehr habe Treitschke dtsche gesch. im 19. jh. (1897) 4, 394; zutrauen, weil es zum theil im herzen des zutrauenden wurzelt, kann trügen Lichtenberg verm. schr. (1800) 1, 12; oft trügt die erhitzte einbildungskraft die wünsche Sal. Geszner d. erste schiffer, in: idyllen 218 DNL; sollte auch mein wunsch mich trügen Holston u. Augusta (1780) 179; dir scheint es möglich, weil der wunsch dich trügt Göthe 10, 63 W. (Iphigenie 4, 2); vermeinte hoffnung treugt gar offt Kirchhof wendunmuth 2, 13 Österley; mein wunsch und hoffen kann nicht trügen, so leb und sterb ich mit vergnügen Gottsched ged. (1751) 1, 72; doch, weil ihr auch noch zeugen seyd der ersten lust, die mich zuvor vergnüget, und umgekehrt mein eitles hoffen trüget Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 197; und schnell erscheint da jeder stral von hofnung trügte der sieger Friedrich Fr. W. Zachariä poet. schr. (1763ff.) 3, 169; seine hoffnung trog ihn nicht A. G. Meiszner Alcibiades (1781) 3, 16; ihr hoffen trog sie nicht J. G. Jacobi s. w. [] (1807ff.) 6, 84; gebe der himmel, dasz meine hoffnungen nicht trügen Göthe 17, 124 W.; nun sehn ich mich nach jenem lande, dahin, wo keine hoffnung trügt Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 1, 222; dasz auch diese hoffnung trog, war die schuld des preuszischen unterhändlers Treitschke dtsche gesch. im 19. jh. (1897) 1, 225; o ritter, ruft sie, wenn mein glaube trügt, wenn euch umsonst mein glühendes verlangen ein kummervolles jahr entgegensah Annette v. Droste-Hülshoff 2 (1878) 237; man sieht es ohne mühe ein, dasz dieser glaube trog Mommsen m. gesch.4 3, 198; sie sind verändert gegen mich ... sagen sie nichts dagegen — mich trügt die innere stimme nicht Pückler briefw. u. tageb. (1873ff.) 7, 120; eine stimme, die nicht trügt, sagt mir, sie sind zu groszem bestimmt Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 237. 4@cc) leben, glück und jede art der lebenserwartung kann trügen: fürchte nicht zu sterben, guter, denn das leben trügt Platen w. 1, 122 Redlich; kannst du zu der welt nur neigung tragen, die so oft dich trog und bei deinem weh, bei deinem glücke blieb in eigenwillger starrer ruh Göthe 1, 77 W. (an Lottchen); wann sich leichtes glück eräugt, nicht gläubt seiner gunst, es träugt Simon Dach 299 Österley; noch immer hatte das glück mir getrogen, ich habs von den purpurnen lippen gesogen Arent, Conradi, Henckell mod. dichterchar. (1885) 115; ob frewde sich noch eins so grosz läszt schawen, — dasz sie vollkommen sey, ... sie treuget gar zu sehr Simon Dach in: Königsberger dichterkreis 190 ndr. 4@dd) niemals trügt demgegenüber das, was fest geglaubt wird, wie gottes wort u. s. w. besonders reich bezeugt im zeitalter der reformation: siniu gebot netriegent, siu sint iemer feste fidelia omnia mandata eius Notker 2, 480, 9 P. (ps. 110, 8); gottes gepot kan nicht triegen Luther 26, 164 W.; die todten mugen uns triegen, das kan die schrifft nicht thun ders. 32, 56; denn es stehet fest diss wortt und treuget nicht ders. 10, 2, 74; gottes wort treugt nicht Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, d 2a; denn disz verheist sein liebes wort, das mich treugt weder hie noch dort Andr. Kesler bei Fischer-Tümpel 2, 70; Christus unser herr ist warhafft und treuget nicht Justus Jonas das sibende capitel Danielis (1530) e 4a; denn gott, der nicht kan triegen, der liebt mich gar zu sehr Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 349b; gott trüget nicht mit seinem bunde Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. satir. ged. (1727ff.) 3, 143; in allem unglück halte dich an den Messiam festiglich. was er gesagt, das helt er wol, treugt nimmer, er ist warheit vol Joh. Steurlein bei Fischer-Tümpel 1, 4; er, die wahrheit, trüget nicht B. Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 912; dem waren liecht gehört zu und muss sein, das es nit triegen wil Frankfurter theologia deutsch 71 Mandel; wane die warheit schonet nimannes, si truoget ouch niemanne bei Schönbach pred. 1, 351, 4; das würcken seiner hände ... bringt reichen trost und freud und warheit, die nicht treugt Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 35b; ich weis ein fürstenherz, das nimmt euch willig an: ich wahrheit sag es euch, die niemals trügen kann Gottschedin briefe 2, 336; der glaub ... treugt nit Luther 6, 372 W.; mein glaub kan mich nicht triegen Joh. Olearius bei Fischer-Tümpel 4, 320; andere zeiten haben andere leitbegriffe: gewehne deine zuhörer in wahrscheinlichen dingen, dasz sie daselbst [] keine unstreitigen wahrheiten suchen, sondern zufrieden sind, wenn die lehrsätze sehr selten triegen Chr. Thomasius ausübung d. vernunftlehre (1699) 138; ich kann mich darüber nicht täuschen, denn die natur trügt nie Deinhardstein ges. dram. w. (1848) 1, 25. 4@ee) der sinn von trügen 'täuschen' (4) wird in älterer zeit (16. und 17. jh.) gern stärker hervorgehoben durch die verbindung fehlen und trügen (vgl.fehlen teil 3, 1423): warzaichen die nicht triegen noch fälen mögen Schaidenraiszer Odyssea (1537) vorr. 4; der heyligen leben treugt und feylet gar manch mal Luther 10, 3, 208 W.; heimliche und sonderliche offenbarunge ..., als die nicht allem feilen und triegen sondern auch inn abgrund füren und stürtzen ders. 28, 87; auff gottes wort kan ein hertz stehen, leben und sterben, menschen glossen fehlen und triegen Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, a 3a; unser denken fehlt und triegt Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 435a; die warheit kan nicht liegen, nicht irren, fehlen, triegen Joh. Graff ebda 3, 1. 55) charakteristisch für trügen 'täuschen' im sinne der gruppen 4 a und b ist seit alters die verwendung im ausschlieszenden, verneinten bedingungssatz. als subjekt stehen: 5@aa) sinne, in älterer, umfassenderer bedeutung: komen und sehen disen man, mich trügent denn die sinne min, so mag es Jhesus Cristus sin schausp. d. mittelalters 2, 213 Mone; ir mügt wol reden, was ir wölt, sy ist nit hie, die eüch geuelt, daz waisz ich wol, mich trügen dann all mein synne liederb. d. Hätzlerin 79; es triegen mich dann myn syn, so ist das fürwar daz fingerlin (nisi me animus fallit, hie profectost anulus) Terenz deutsch (1499) 77b; ebenso Boltz Terenz (1539) 75a; es triegen mich denn all mein sinn, so ist es unser nachbäwrin Hans Sachs 17, 47 K.-G.; du hast in recht Felicem genempt, dan, oder all min sin triegend mich, er wirt felix werden Thomas Platter 91 Boos; es triegend mich dann alle meine sinn nisi me omnia fallunt Frisius dict. (1556) 870a; wo mich der sinn nicht treugt, so bist du auss dem haupt des Jupiters gezeugt Rachel satyr. ged. 60 ndr. 5@bb) auge, schein, zeichen: also reiffen deine gaben, und treügt mich das auge nicht, wollen einen freyer haben Simon Dach in: Königsberger dichterkreis 167 ndr.; wenn meine augen nicht ganz wunderlich trügen Göthe 49, 284 W.; trügt mich mein auge nicht, gebieterin, so ists derselbe, der dort eilend naht Schiller 14, 97 G. (braut v. M. 4, 1); mich däucht, ich säh dich, da du unten bist, als lägst du todt in eines grabes tiefe, mein auge trügt mich, oder du bist bleich Shakespeare 1 (1797) 115; trügen mich die augen nicht, seh ich durch des felsens splittern schon die blauen flämmchen zittern Körner 2, 205 Hempel; wenn mich mein perspecktiv nicht trügt Göthe III 1, 259 W.; trügt nicht der schein, so seid ihr meine tochter Shakespeare (1797ff.) 4, 305; doch wenn der schein nicht trüget, hat argwohn der fürst aus alter that J. H. Voss s. ged. (1802) 6, 237; ein wunder wird geschehen durch dies buch, noch heute, wenn nicht jedes zeichen trügt Mörike w. (1905) 3, 118 Göschen: so nicht alle zeichen trügen Fontane ges. w. I 1, 374; trügen nicht alle zeichen, so käme gewiss heute noch ein gewitter A. Stifter s. w. 1 (1901) 232; doch, wenn [] nicht alle zeichen trügen, ist ein lebendiger geist in unsre wissenschaft gekommen Savigny v. beruf uns. zeit f. gesetzgeb. u. recht (1814) 49. 5@cc) geistige fähigkeiten: ube in der wân netriuget si sit vera opinio Notker 1, 317, 1 P.; mih netriege der wân nisi fallor ders. 1, 174, 29; so mich mein gedancken nit triegen Schaidenraiszer Odyssea (1537) 43b; mich daucht, ich seh an deiner stirn ein groszes ungemeines wesen, und triegt mich nicht mein schlechtes hirn, kan ich den groszen vater lesen D. G. Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 2, 18 trügt meine vermutung nicht Jac. Grimm kleine schr. (1864ff.) 3, 228; und trügt mich nicht, was ich an ihm bemerkt, so weisz er mehr, als andre menschen wissen Göthe 11, 300 W.; wenn meine rechnung nicht trügt, kannst du ende september ein röllgen zeichnungen von mir haben ders. IV 8, 10; der spasz ist, wenn mit seinem eignen pulver der feuerwerker auffliegt; und mich trügt die rechnung, wenn ich nicht ein klafter tiefer als ihre minen grab, und sprenge sie bis an den mond Shakespeare (1797ff.) 3, 280; wenn mein gedächtnisz mich nicht trügt Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 100; sehr selten, möchte ich sagen (wenn mich nicht mein gedächtnisz aus Homer trügt) Herder 3, 18 S.; wenn mich mein gedächtnisz nicht ganz trügt Fr. Schleiermacher s. w. (1834ff.) I 5, 197; trügt mich mein gedächtnisz nicht, so ist dieser saal nicht mehr wie er war H. Steffens was ich erlebte (1843) 8, 346; ihr reizender brief vom 8. dez. v. j., wenn mein halbverlorenes gedächtnisz mich nicht trügt Pückler briefw. u. tageb. (1873ff.) 4, 166. 5@dd) seelische fähigkeiten: trügt mich ahnende klugheit nicht, so kommt sie schon Herder 15, 411 S.; trüget mich die ahndung nicht Chamisso w. (1836) 3, 177; wo anders meine wahrsagungen mich nicht trügen Schoch studentenleben (1668) 5; wenn nicht mein herz mich trügt Rückert ges. poet. w. (1867ff.) 3, 182; wenn mich meine hoffnungen nicht trügen Göthe IV 14, 191 W. 5@ee) besonders häufig die wendung wenn nicht alles trügt: und wenn mich nicht alles trügt, so suchten auch ihre augen oft die meinen auf J. M. Miller briefw. dr. akadem. freunde (1778) 1, 242; es trügt mich alles, oder der schneiderssohn ruft sich ... zu Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 274; mich müszte alles trügen, oder es war mein vater selbst Sal. Geszner w. (1778) 2, 98; denn alles müszt mich trügen, oder ein gesicht wie dies ..., ist keines heuchlers larve Schiller 12, 379 G. (Wallensteins tod 5, 4); wenn mich nicht alles trügt, so ist Lenardo ... gegenwärtig in eurer mitte Göthe 24, 351 W.; an einigen stellen bin ich, wenn mich nicht alles trügt, schon so glücklich gewesen, eine verbesserung zu finden Voss im Goethejahrbuch 5, 48; die herzogin werde, wenn nicht alles trüge, die begnadigung des vaters verschaffen H. Laube ges. schr. (1875ff.) 2, 202; trügt mich nicht alles, so ists mit dem gesandten richtig Bauernfeld ges. schr. 2, 141. 66) das part. präs. trügend zeigt in adjektivischer und adverbialer verwendung dieselben bedeutungen wie die adjektiva trügerisch und trüglich (s. d.), aber natürlich bleibt trügend dem verbum näher. 6@aa) 'betrügerisch': ob er gleich ... die vernunft als einen trügenden derwisch verschrie Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 276; ach, wie trügend ist die welt! nein, ich kann ihr nicht vertrauen Tieck schr. (1828) 4, 311; substantivisch, wie trüger, m., im sinne von 'betrüger': [] trügende fälschen schon lang umsonst den gedanken, der obsiegt Klopstock oden 2, 141 M.-P.; hierher auch: (da) wir ... die ganze nacht fortfuhren, unsere augen vor den schlusz eines trügenden schlummers zu verwahren Leipziger avanturieur (1756) 1, 218. leichter, nach b hin reichend; alte belege im sinne von 'vorspiegelnd', 'gleisznerisch' gehören hierher: malesuada (luxuries) trieginda ahd. gl. 2, 593, 31 (11. jh.); diu werlt mich lachet triegende an und winket mir: nu han ich als ein tumber man gevolget ir Hartmann v. Aue in: minnes. frühl. 210, 11; unselger wahn, der von glorreich betretner bahn ihn trügend lockte! Gaudy s. w. (1844) 4, 31; willst du nicht trügend mich mit hoffnung wiegen? Europa (1803) 2, 125 Schlegel; das langerwünschte, oft erflehte glück, nach jammerjahren zeigt es trügend sich J. v. Collin Regulus (1802) 52. 6@bb) von der äuszeren erscheinung, 'täuschend', 'vorspiegelnd': fallaces herbae die hüpsche bletter habend, und aber kein frucht, triegende kreüter Frisius dict. (1556) 541b; Maaler (1561) 408a; die wollust ... läszt vor der schönheit nun ihr trügend antlitz blicken Joh. Elias Schlegel werke 4 (1766) 95; gesagt habt ihrs, o mit den trügenden zügen, mit der ernstesten miene Schiller 1, 57 G.; jetzt erst erwach ich und gewahr, wie sie zu meinem besten jenen wünschen wehrte, da sie der glut, die jugend noch vermehrte, ihr antlitz süsz zugleich und trügend lieh R. M. Rilke ges. w. (1927) 6, 349; (genius:) ihr, die wir hier in trügenden gestalten, für Nurradin, für sultan Wampum halten, tauscht eure seelen wieder um A. v. Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 199; ihr habt wohl geträumt, mein vater, ... oder dieser halle dunkel, matt vom kerzenlicht erhellt, täuscht in trügender gestaltung euer schlummertrunknes aug! Grillparzer s. w. 4, 28 Sauer; jahre lang mag, jahrhunderte lang die mumie dauern, mag das trügende bild lebender fülle bestehn Schiller 11, 89 G.; in des schlummers trügenden gebilden sah ich mich in elysischen gefilden Körner w. 2, 11 Hempel; wenigstens soll kein trügendes prachtkleid einer angemaasten allwissenheit die mängel verhüllen Herder 13, 207 S.; aber diese grosze person auf dem theater der welt, wer ist sie, ... entkleidet von dem trügenden schmucke Gellert s. schr. (1839) 6, 139; (Theobald:) mir ist sonderbar zu muthe — eine unsichtbare hand zerreiszt den trügenden schleyer A. v. Kotzebue s. dram. w. (1827) 3, 10; leyer des heiligen bardenhains, verwünsche des ehreverschwenders lied, so zuerst trügenden glanz, den besang Klopstock oden 1, 199 M.-P. von naturerscheinungen: hier versank ein liebliches kind. dem schoosse der mutter spielend entronnen, o meer, zog es der trügende glanz deines schoosses hinunter Herder 26, 21 S.; allen sterblichen menschen, die je die erde bewohnen, denen Helios nur zu trüglichen hoffnungen leuchtet, trügend selbst durch himmlischen glanz und erquickende strahlen Göthe 50, 292 W.; so schwand trügender dunst Denis lieder Sineds d. barden (1772) 127; strömte nicht zwischen den parteien der lügenflusz der presse, aus dem die trügendsten dunstmassen fortwährend aufsteigen, vielleicht wäre eine verständigung verhältnismäszig absehbar R. M. Rilke briefe 1914 -21 (1937) 237; diese (groszen dinge) erschienen dann vorgebildet in der trügendsten fata morgana Immermann 18, 56 Boxb.; [] vom trügenden schein will der dinge seyn sein geist betrachtend hier trennen Karoline v. Günderode bei Bettina v. Arnim d. Günderode (1840) 2, vorr. 5. 6@cc) in den bezirken des verstandes und des gefühls, 'sich irrend', 'irreführend', 'falsch': weil der wohlselige, nach gottes nimmer triegendem urtheile seinen lauf vollendet hatte d. neueste a. d. anmuthig. gelehrs. (1751ff.) 4, 348 Gottsched; ein ... nicht leicht sich triegendes gesicht Lavater physiognom. fragm. (1775ff.) 3, 242; die kenntniss menschlicher fehler und tugenden, geschöpft aus geschichte und büchern — o weh! wie trügend ist sie A. G. Meiszner skizzen (1778) 1, 103; dasz es ... besser wäre, man hätte ... die anwendung davon in einzelnen fällen blos dem hierinn selten trügenden menschengefühl überlassen K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 292; trügender wahn, wenn du deiner thaten eine dem auge der gottheit hofst zu verhüllen! allgem. dtsche bibl., anh. z. bd. 25/36 (1771ff.) 3367; diesen ... trügenden wahn der innigsten vereinigung Herder 15, 316 S.; ein freilich oft grundloses und trügendes vertrauen auf uns selbst Bürger 394b Bohtz; dasz alles auf der welt so eitel, trügend, unvollkommem ... sey J. M. Miller pred. f. landvolk (1776) 2, 89.
47178 Zeichen · 940 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trügen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Trügen ,

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    trügen

    Goethe-Wörterbuch

    trügen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    trügen

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    trügen in PfWB betrügen .

  4. Sprichwörter
    Trügen

    Wander (Sprichwörter)

    Trügen 1. Wann dich einer treugt, treug drumb keinn andern. – Franck, I, 157 b . 2. Wer sich triegens allzeit befleisst,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit truegen

37 Bildungen · 26 Erstglied · 9 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von truegen 2 Komponenten

true+gen

truegen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

truegen‑ als Erstglied (26 von 26)

trügenære

Lexer

truegen·aere

trügenære , trugenære , -er , trügner , trugner stm. BMZ md. trugenêre, -er: betrüger, impostor (trugener, trogener) Dfg. 289 c . Diem. Greg…

trügenhaft

DWB

truegen·haft

trügenhaft , trogenhaft , adj. , betrügerisch, falsch. mhd. trügenhaft neben trügehaft, s. DWB trughaft . das wort lebt im nhd. über das 16.…

trügenhaftic

Lexer

trügen-haftic adj. fallax, fraudulentus Dfg. 224 a . 246 b . Hb. M. 777. trugenhaftiger Machmet PuS. 20 b .

trügenhaftig

DWB

truegen·haftig

trügenhaftig , trogenhaftig , adj. , dasselbe wie trügenhaft. mhd. trügenhaftic, mnd. drogenhaftich, mnl. drogenachtich. nhd. nur bis in den…

trügenheit

DWB

truegen·heit

trügenheit , trogenheit , f. , betrügerei, falsches wesen, betrug. mhd. trügenheit, trugenheit, trogenheit, triegenheit. im nhd. bis in die …

trügenisse

Lexer

truege·nisse

trügenisse , trugenisse stfn. ib. betrug, einbildung, spuk, blendwerk des teufels: fantasia, fantasma, sophisma, suggestio Dfg. 225 a . 542 …

trügenlich

DWB

truegen·lich

trügenlich , trogenlich , adj. , betrügerisch, irreführend, täuschend. im mhd. seit frühester zeit vereinzelt bezeugt, nhd. nur bis zum ausg…

trügenlist

Lexer

truegen·list

trügen-list stm. s. v. a. trügelist. md. trugenlist Schb. 246,20. trogen list Geo. 1123. 5867.

trügenschaft

DWB

truegen·schaft

trügenschaft , f. , vereinzelt im 15. jh. als treugenschaft: ( ich will ) mich hüetten von den Payren gar wol, wann sy list und treugenschaf…

trügenwîse

Lexer

truegen·wise

trügen-wîse stf. blendwerk des teufels. eʒ mac mit zouberlisten ein trügenwîse ( var. getrugnisse, drugnisse, trücknüsse) sîn Otn. A. 240. 4…

truegen als Zweitglied (9 von 9)

ABBETRÜGEN

DWB2

abbet·ruegen

DWB2 ABBETRÜGEN vb. DWB2 betrügerisch abgewinnen, abgaunern: DWB2 1521 wider nemen, das ihm ( kaiser ) die baͤpst schendtlich abbetrogen vnn…

ABTRÜGEN

DWB2

abt·ruegen

DWB2 ABTRÜGEN , abtriegen vb. DWB2 durch betrügerische machenschaften abnehmen, vgl. abbetrügen : DWB2 hs.M14.jh. daz du nymande sullist ste…

Herausbetrügen

Campe

heraus·betruegen

○ Herausbetrügen , v. trs . auf eine betrügliche Weise herauslocken. Tückisch ruhten deine Wogen, Bis du ihn herausbetrogen I dein falsches …

hereinbetrügen

GWB

herein·betruegen

hereinbetrügen ‘jdn h.’ iSv jdn durch Liebe(szauber) in diesen (umgrenzten) Bezirk locken (und gefügig machen); in bildhafter Selbstaussage …

hineinbetrügen

GWB

hinein·betruegen

hineinbetrügen Du weißt, daß der Leib ein Kerker ist; | Die Seele hat man hinein betrogen GWB 6,206 Vs 3 DivSchenk Rüdiger Nutt-Kofoth R.N.-…

Selbstbetrügen

GWB

selbst·betruegen

Selbstbetrügen wie ‘Selbstbetrug’ GWB B13,61,6 Schiller 10.2.98 Syn GWB Selbstbetrug GWB Selbsttäuschung GWB Selbstverkennung Katherina Mitt…

vortrügen

DWB

vort·ruegen

vortrügen , verb. , jemandem einen trug vormachen, ihn täuschen: denn sie gewahrt, was ihr gefühl nicht vorgetrogen, im schwerte scharf den …

Ableitungen von truegen (2 von 2)

betrügen

DWB

betrügen , u. s. w. siehe betriegen u. s. w.

trügene

DWB

trügene , trogene , f. , fraus, impostura. ahd. drugina impostura ( Trierer glossen ) ahd. gl. 3, 203, 34; altniederfränk. drugina dolus ( p…