triller,
m. ,
in der mitte des 17.
jh. (
erster beleg a. d. j. 1676,
jedoch 1trillung
a. d. j. 1654)
entlehnt aus it. trillo
mit der endung der nomina agentis. die italienische sippe trillo, trillare
stammt, wie Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 2, 1282,
u. a. annehmen, entweder ihrerseits wie der aus dem germanischen (<
einem langob. *trillôn '
schütteln, schlagen' Gamillscheg
frz. etym. wb. 865,
welches 3trillen
entsprechen würde)
oder aus einem heimischen schallwort trill,
s. Meyer-Lübke
rom. et. wb.3 740,
nr. 8904.
doch auch im deutschen ist trill
selbständig zu einem schallwort entwickelt, vgl. oben trill
und den froschnamen triller: (
die frösche) rieffen: das hat gethan gar Gecksch, Loachs, Wreke, Uky, Kebechs, Ryller, Tryller, Kulo, Tulunck Rollenhagen
froschmeuseler (1595) c 6
b; Bauszbakk sein fröscheheer rund um mich stehen hab; es komme Quadroqwor, Koax, Tulunk, Marx, Riller, Roax, Uky, Rekex, Rokere, Mark, Quark, Triller W. Scherffer
geist- und weltliche ged. (1652) 83.
it. trillo
ist unter mehreren formen in das deutsche aufgenommen, auszer triller,
vgl. noch 2trill (1716),
2trille (1691), trillo (1696);
eine absolute chronologie dieser formen läszt die lückenhafte bezeugung nicht zu. —
vereinzelt mit gerundetem vokal: trüller Happel
relationes curiosae (1685) 2, 723
b; Pomey
indiculus (1720) 323.
mit verändertem auslaut: trilles Schmitz
Eifler volk 232,
s. unten trilles.
mit unorganischem t: trillert Follmann
lothr. 104. 11)
der triller
in der musik, eine rasche wiederholung nebeneinander liegender töne: trillo, tremblement, ein triller
ist in der music ein angenehmes wancken oder zittern des klangs bey einer groszen note, mit einem etwas scharfen, doch zierlichen anschlagen, es sey mit der stimme oder auf einem instrument Sperander
a la modesprach (1727) 757
b;
seit 1676
als kunstausdruck der italienischen musik im deutschen bezeugt: trillo, trillerino ein triller in der musik
M. Kramer
il nuovo dizzionario it.-ted. (1676) 1779;
daher: italiänische triller Hippel
über die ehe (1774) 148. 1@aa)
im gesang: triller
trillo, trillerino, gorgheggiatura, coloratura, tirata di gorga nel canto Kramer 2 (1702) 1143
b;
vox crispata Steinbach
dtsch. wb. (1734) 2, 859; das heldengeschlecht, so die bühne beherrschet, welches in g-moll raset, in trillern spottet, in fugen geist und seele verhaucht Bodmer
krit. ged. 98
lit. denkm.; sie cramete ihre krausiste triller aus ihrem halse hervor und indem die gurgel hieran zu schaffen hatte, gingen ihre augen ... herum Lindenborn
Diogenes (1742) 2, 64; wenn in den opern die helden erst nach halbstündigen trillern das herz fassen, sich mit kaltem blute etwas leides zu thun Gottsched
anmuth. gelehrsamkeit 8, 789; und regnet es noch wo an höfen ja ducaten, so trifft der regen nur die triller der castraten J. Fr. Löwen
schr. (1765) 3, 37; (
das lächerliche und unnatürliche) eines auf dem schlachtfeld singenden generals und einer sterbenden liebhaberin, die ihr leben mit einem triller schlieszt S. v. Laroche
fräulein v. Sternheim (1771) 1, 159; Amor sang mit zarten trillern eins von deinen lieblingsliedern Gleim
sämtl. schr. (1798) 2, 73; natürlich weggesungen, Dragones, nicht so kraus ..., ohne die schneckenstiegen von unnöthigen trillern hinauf und hinunter zu setzen, dasz dem zuhörer darüber schwindelt maler Müller (1811) 3, 110; hier kam sie vor groszem eifer ins singen und machte plötzlich einen langen feinen triller wie eine verdorbene spieluhr Eichendorff
sämtl. werke (1864) 3, 444; ich blickte jetzt unverwandt nach ihr hin, bis sie ... unversehens sich erhob und in einem seltsam wohllautenden triller singend davon ging, ohne sich wieder nach mir umzusehen G. Keller
ges. w. 4, 43;
bildlich: zwei junge bürschchen, die auch zur oper gehörten und deren ganze existenz ... ein unauflöslicher triller war Bürde
erzähl. v. einer gesellsch. reise (1785) 238.
oft in verbindung mit ähnlichen bezeichnungen für musikalische figuren: versprechend, dasz er ihr alle vortheil in der music offenbahren wollte. solches thate er und die amme lernete dazumal hauptsächliche triller und manieren Zendorius a Zendoriis (
d. i. Joh. Beer)
teutsche winternächte (1682) 259; ja, er (
der hund) habe sogar die coloraturen, trüller und läuffe nachgemacht E. G. Happel
relationes curiosae (1685) 2, 723
b; das ist uns schon genug, wenn durch eine italienische kehle eine menge läufer, triller, schwebungen ... und andere ... künstliche ausdehnungen der sylben vorgesungen werden J. A. Scheibe
d. crit. musicus (1745) 4; in triolen und trillern Herder 12, 253
S.; rouladen und triller Meisl
theatral. quodlibet 1, 26; passagen, triller und cadenzen O. Jahn
Mozart (1856) 1, 495. (einen) triller schlagen,
der ausdruck ist wohl von den instrumenten hergenommen: einen triller schlagen
far' un trillo Kramer 2 (1702) 1143
b; denn ich habe stümper unter ihnen angetroffen, die eine so steife kähle gehabt, dasz sie keinen reinen triller schlagen können, sondern alsdenn wie eine ziege gemeckert
M. H. Fuhrmann
die an d. kirchen gottes gebauete satanskapelle (1729) 36; sie thun ganz hell und lieblich singen, schlagen driller nach der kunst
anmuth. gelehrsamkeit 4, 595
Gottsched; nun bebt der stolze held; die hände sinken nieder, er merkt sein end und fällt, schlägt einen triller an und singt Dusch
verm. werke (1754) 207; der Derfflinger steht denn doch höher, als ein hoher tenor; dieser schlägt nur triller ...; aber unser Derfflinger schlug schlachten Holtei
erzähl. schriften 19, 168; die sängerin war berühmt in der kunst, bockgerechte triller zu schlagen Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 4, 189;
tirol. einen triller schlagen
jodeln Schöpf 757;
bildlich: (
weil das mädchen) freundlich blickende augen, hüpfende glieder, leib und leben hat wie ihr und seine nerven mit den euren triller schlagen Fr. H. Jacobi
w. (1812) 1, 23.
übertragung auf laute, die kein gesang mehr sind; häufig beim jungen Schiller,
z. b.: gräszlich lacht der wahnsinn in das angstgestöhne, in heulende triller ergeuszt sich der schmerz 1, 299
G.; Franz: in die hölle (
fördern) wolltest du sagen? — wirklich! ich wittere so etwas — (
wahnsinnig:) sind das ihre hellen triller? hör ich euch zischen, ihr nattern des abgrunds? 2, 189 (
räuber V, 1). magentriller
rülpser: (
der säufer) gröpetzt und singt solche magendriller, dasz man ausz disem tischglöckel leicht kan abnemmen, man werde bald für die säu anrichten Abr. a
s. Clara
Judas, der ertzschelm (1686) 224; wollen etwan dir die kopper, grölzer und dergleichen magentriller aufstoszen, so vergönne ihnen freyen pasz
Tölpels baurenmoral (1752) 15. lippentriller: wenn man die Karline (
schnapsflasche) an den mund setzt, so kluckert es. dies ist der lippentriller Meyer
d. richt. Berliner (1925) 114. 1@bb)
der triller
bei instrumenten: langsames anschlagen der beeden zum triller gehörigen umwechselnden klänge J. Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 115; er setzte dieselbe (
pfeife) an den mund und hub an, mit so vielen bebungen, läufern und trillern zu spielen, dasz die schäfer ... seinem liede nicht folgen konnten Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 601; man hat bey einer guten art, das clavier zu spielen, vielerley triller, den ordentlichen, den von unten, den von oben und den halben oder pralltriller Ph. E. Bach
art, das clavier zu spielen (1759) 1, 63; beym gottesdienst in Rom versuchte die musik von zeit zu zeit naseweisz ... zu werden, dasz auch verschiedene päbste sich gemüszigt fanden, ihrem muthwillen in triolen und trillern usw. schranken zu setzen
M. Claudius
Asmus omn. sua sec. portans 1-2, 95; (
man wird) mit einem jeden finger der linken hand triller schlagen können Quantz
anweisung d. flöte zu spielen (1789) 30; die hornmusik, wo jeder sein ganzes leben durch nur einen einzigen ton bläset und dennoch die schwersten passagen, triller usw. ... ausgeführt werden
F. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 2, 253; ich musz die lustgen triller greifen und fieber bebt durch mark und bein, euch musz ich frohe weisen pfeifen und möchte gern begraben sein Brentano (1852) 2, 335; wenn sie ein g'schickter harfenist sein, so lassen sie ein paar tüchtige triller heraus
F. Raimund (1881) 2, 157; ihr (
geigen-)bogen schwebte in der leichtigkeit des traumes. alles beherrschte sie, auch den glänzenden rausch der triller P. Wiegler
d. haus an d. Moldau (1934) 198.
vom pfeifen mit dem mund: (
wo) ein dorfvirtuose ... zum spiel der mandoline ein lied sang und am ende jedes verses künstlich seinen triller pfiff grafen Stolberg (1820) 6, 29. 22)
vom trillern der vögel: welche (
waldvögel) gar oft pleno choro mit ihren natürlichen trillern ... den wald zu einer singstuben verwandlen Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 141; wenn Philomela selbst die reinsten triller schlägt
anmuth. gelehrsamkeit 2, 610
Gottsched; ist unter allen vögeln keiner, so ihn (
die nachtigall) übertrifft, besonders einen rechten und langen triller in einem athem auszuhalten Döbel
jägerpractica (1754) 1, 63; durch triller sagt sie (
die nachtigall) dir: der herr von welt und zeit erschuf so dich, als mich, zur lust und dankbarkeit v. Cronegk
schr. (1766) 2, 89; indes der lerche triller empor sich hebt J. G. Jacobi
sämmtl. werke (1807) 6, 87; die frische morgenluft und die triller der lerche, ach ich sog sie so wollustig ein H. Laube
ges. schr. (1875) 8, 178; dann flogen die tauben heran und gurrten die triller G. Freytag
ges. w. (1886) 6, 92; dadurch angeregt, liesz unser neuer kanarienvogel ... seinen ungeheuren triller los H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 113;
speciell: triller
ein teil des balzsatzes oder der balzarie des auerhahns Riesenthal
jagdlex. (1920) 544; man nennt mit recht und sehr passend das immer schneller aufeinanderfolgende knappen des auerhahns vor dem hauptschlag den triller
zs. f. dtsche wortforsch. 9, 61; töd öd öd öd öd, welche beschleunigte tonreihe in Österreich
u. s. f. treffend der triller genannt wird Brehm
tierleben 5, 480
P.-L. triller
bei tierstimmen, vgl. triller
als froschname im kopf dieses artikels: (
die frösche) machen solche driller in ihrem gesang, dasz gegen ihnen ein kropffeter Pintzger (
bewohner des Pinzgaues) ein lieblicher Amphion im singen scheint zu seyn Abr. a
s. Clara
Judas, d. erzschelm (1686) 230; (
die stimme der pinche, einer affenart, welche) bald in reinen, langgezogenen flötentönen, bald in trillern sich bewegte Brehm
tierl. 1, 264
P.-L. 33) triller
im übertragenen gebrauch. vereinzelt: ich kann dir die scene nicht besser beschreiben, Aristipp, als wenn ich dir sage, dasz seine in entzücken schwimmende seele mit den augenwimpern auf den sehpunkten der augen lauter — triller zitterte Heinse 3, 73
Schüddekopf. seit dem 18.
jh. wird das schnelle trippeln, die zitternde bewegung der füsze beim tanz mit triller
bezeichnet: nun schwebt die Grazie vor mir schlägt mit den silberfüschen triller und tanzet hin an das klavier J. G. Bürger
ged. (1778) 117; er begann darauf auszerordentlich künstlich zu tanzen, ... schlug ordentliche triller mit den füszen Eichendorff (1864) 3, 74; ich möchte den tänzern und tänzerinnen arm und beine entzwei schlagen; wenn sie sich wie gepeitschte kreisel drehen und mit ihren füszen lächerliche triller schlagen — dann verliert man alle geduld Börne
ges. schr. (1829) 10, 161;
vgl. fusztriller: die rührende selbstaufopferung der modernen oper, womit diese in wahrhaft convulsivischen klängen das trippeln auf den zehenspitzen, die fusztriller und das emancipirte beinausrecken ihrer lächerlichen halbschwester (
des balletts) ... nachzuahmen bemüht ist Eichendorff
z. gesch. d. dramas (1854) 210. schottischer triller
ein bestimmter tanz: eure meisten juristen, sagt ein grämlicher mann, haben keine einsicht in die staatsverwaltung, keine philosophie, keine kenntnisz der welt ... — und ich vollende das bild — sie verstehen auch weder zu singen noch zu flöten — sie tanzen vielleicht schlecht und malen erbärmlich — aber verlangt ihr von Mansfield einen schottischen triller? fodert ihr, dasz Crebillon regenten erziehe? H. P. Sturz
schriften (1779) 1, 209; nichts schien ihn (
den verschluckten fisch) aber mehr zu beunruhigen, als die schnelle bewegung meiner füsze, da ichs versuchte, einen schottischen triller zu tanzen Bürger
Münchhausen (1786) 72; nun muszte er auf bitten des fürsten einen schottischen triller (so beliebte der heitere fürst ihn zu nennen, denn er ist auch dem deutschen landvolke unter diesem namen bekannt, was sonst wohl auch ein riel genannt wird) mit seiner tochter tanzen A. v. Arnim 15, 109. 44)
redensartliches. 4@aa) Bismarck
braucht die sonst nicht belegte, nach seinen worten aber geläufige redensart mit einem triller über etwas hinwegzugehen
oberflächlich, leichtfertig: das eigentliche ingrediens im gesetze fehlt gänzlich. sie sind darüber wie man sagt, mit einem triller hinweggegangen, mit der hinweisung auf den bundesrat
reden 14, 431. triller
als '
drehung, wendung',
mit anknüpfung an 1trillen,
wie Heyne
dtsch. wb. 3, 1044
meint, ist unwahrscheinlich. eher läszt sich an das bild des sängers denken, der über schwierigkeiten trillernd hinweggeht. 4@bb)
vermutlich im zusammenhang mit gleichbedeutenden Berlinischen wendungen wie du hast 'nen vogel
und bei dir trillerts wohl
ist zu verstehen: triller
verrücktheit Meyer
d. richt. Berliner 179; hast wohl n triller (trill)?
bist wohl verrückt, ebda; und weil ich sie nicht liebe, hätte ich sie retten dürfen und sonst ...? jetzt wirds verrückt, jetzt mache ich nicht mehr mit. und wenn ich sie liebte, hätte ich sie nicht retten dürfen? entschuldigen sie, aber sie haben in dieser beziehung einfach einen kleinen, süszen triller Maner. Hausmann
Abel mit d. mundharmonika (1932) 204.