stürmen,
vb. herkunft und form. als j-ableitung von sturm
gebildet; schon in ahd. glossen und bei Notker
bezeugt; wie das grundwort auch in den anderen west- und nordgerman. sprachen seit alters vorhanden: ags. styrman,
anord. styrma.
neben der regelrecht umgelauteten form erscheint auch umlautloses sturmen;
dies scheint weniger erneute, jüngere ableitung vom grundwort sturm
zu sein als alte im umlaut gehinderte form; auch im mnl. wie mnd. gibt es schon früh stormen,
das dann auf die modernen nord. sprachen eingewirkt hat: dän. storme,
schwed. storma.
bedeutung und gebrauch. II.
bedeutungen im sinne von sturm I (
s. oben sp. 576). I@AA.
kriegerisch, '
anrennen',
gegen den (
meist verschanzten, befestigten)
feind, gegen eine festung u. s. f. I@A@11)
absolut: und hîz sturmen sîn here
Straszb. Alexander 1238; wellen aber lâzen sturmen wir
Ludw. kreuzf. 3787; wan sie sich teileten, zu stürmen oder zu streiten Wigand v. Gerstenberg
chron. 5
Diemar; und do puten sie im, das er dann chäm und stürmett, so wolten sie weychen ab der mauer und das er dann die stat gewünne Schiltberger
reisebuch 10
lit. ver.; und alles volck, das mit Joab war, stürmet und wolt die mauren niderwerffen
2. Sam. 20, 15; den bauern war zu stürmen gach v. Erlach
volkslieder 2, 219; wolt gern, das ir bey dem lermen selb personlich erschinen und stürmen het helffen Lindener
katzipori 62
lit. ver.; der den grossen ... Hannibalem wolte schlahen und stürmen leren Mathesius
Sarepta (1571) 3
a; vnd störmeten den gantzen tag
M. C. Schütz
hist. rer. pruss. (1592)
buch 5, g 2
a; wiewol der feind thet hefftig stürmen Spreng
Ilias (1610) 119; unser graf ... drohete zu stürmen Grimmelshausen
Simplic. 230
ndr.; Suleiman ... belägerte die stadt ... 23 tage lang, inner welcher zeit er siebenmal vergeblich gestürmet S. v. Birken
d. verm. Donaustrand (1684) 45; er stürmt und siegt, und Ryssel weicht! Gottsched
ged. (1751) 1, 21; verzweifelnd endlich will der könig stürmen, zur schlachtbank reiszt er seine völker hin Schiller 12, 115
G.; so lasz die feinde stürmen A. v. Arnim 22, 46; der Steuber hat mir von Luxemburg geschrieben ... nach neuern nachrichten haben sie gestürmt, auch drei thore gehabt, aber wieder zurück gemuszt (1814) Wilh. Grimm
an Jacob 261
Grimm-Hinrichs; am berge stürmen grenadier und sinken fechtend nieder Schneckenburger
deutsche lieder (1870) 37;
bildlich; vom teufel: wo der tüfel den glouben nit fälschen mag, da kummt er mit glychsnery harfür ziehen und stürmt stark H. Zwingli
dtsche schr. 1, 319; wie kan ein christ tantzen, so jnen teglich die welt von Christo abschreckt, der teufel wie ein pröllender löwe mit aller macht vnd boszheit, on vnderlasz anlauffet, stürmet vnd stürtzt?
M. Ambach
vom tantzen (1543) 63
a;
vom minnespiel: kämpfen, stürmen und strîten
fastn. 743, 11
Keller. uneigentlich: bald aber ... haben die gelehrten auch in dieser materi anfangen zu stürmen und bücher schreiben, dasz ein chronologia uber die ander auszgangen Röslin
prodromus (1612) 19; wenn der vers, der sätz auf sätze thürmt, die sinnen übertäubt und mit begriffen stürmt J. E. Schlegel
werke 4, 127. I@A@22)
formelhaft geworden ist die wendung mit stürmender hand, im 17.
jh. daneben auch der erstarrte genetiv stürmender hand.
seit dem 16.
jh. belegt (
vgl. teil 4, 2, 337): in welchen landen er ettliche stett mit stürmender hand gewonnen hat
röm. maj. glück und sieg wider den herzog von Cleven (1543) 2
a; ist derwegen damals die stadt Corinthus von den Römern mit gewalt und stürmender hand eingenommen
M. Dreszler
isagoge histor. (1600) 184; verordnet er ... die statt auff der andern seyten, vom landt her, mit stürmender handt anzugreiffen Kirchhof
militaris disciplina (1602) 14; hiedurch ... kamen die königl. schwedische und hessische ... stürmender hand so bald hinein v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 269; in denen städten, so mit stürmender hand erlanget Riemer
pol. maulaffe (1679) 278; bisz endlich ... könig Huhansien ... sich der stadt stürmender hand bemächtigte Lohenstein
Arminius 1, 624
a (
aber 1, 185
b: mit stürmender hand); diese stadt Malacca hat vor diesem den Portugiesen zugehöret, aber damahls vor 8 jahren von den Holländern mit stürmender hand (von 700 mann) auszgetrieben ... worden J. Andersen
orient. reisebeschr. (1696) 80
a Olearius; Astakus ... eroberten sie ebenfals mit stürmender hand Heilmann
gesch. d. peloponn. krieges (1760) 208; dasz die wälle in kurzem zu grund gerichtet und mit stürmender hand erstiegen wurden Schiller 9, 54
G.; der general Bouillé ... muszte in die festung mit stürmender hand eindringen Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (1845) 338; platz und schatz mit stürmender hand zu nehmen Scheffel
ges. w. 1, 140; die stadt ist erstiegen mit stürmenden handen Ditfurth
volkslieder d. bair. heeres 42; für jedes mit stürmender hand genommene geschütz v. Alten
hdb. 3, 207;
bildlich: es haben einige mit stürmender hand die miszbräuche der rechtschreibung reformiren wollen Frisch
Bödikers grunds. d. teutsch. spr. 80; dasz sie ... die überfarth über den Cozith gleichsam mit stürmender hand geschehen lassen Göthe IV 7, 168
W.; gelegentlich auch mit stürmender faust: du hast dir die vorzüge des dritten grades wie mit stürmender faust erobert
ders. I 17, 187. I@A@33)
mit accusativobject. kriegerisch: der so gewelteclichesturmet unser porten hie
erlösung 5038; die vyend unser muren ze sturmen understond Riederer
spiegel d. waren rhetorik (1493) f 1
b; sy ... stormeten dy stad an vier enden Stolle
thüring. chron. 25
lit. ver.; (
sie) sturmten den kirchoff zu Puchenbach bei Pruck
städtechroniken (
Nürnberg) 2, 157; stürmbt ... stett, schlösser und burgen
N. Manuel
totentanz, str. 47
Bächtold; (
sie) stürmpten unser näue Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 35
b; das römisch heer zu stürmen pflag Jerusalem, die groszen stat H. Sachs 1, 321
Keller; einmal, wie wir Pest haben gestürmet
V. Schumann
nachtbüchlein 321
lit. ver.; es schien, als ob man einen stählernen igel zu stürmen hätte Lohenstein
Arminius 2, 252
b; Hector stürmt das lager der Griechen Ramler
einl. in d. schönen wissensch. (1758) 2, 176; doch stürmeten wir Deutsche die schanzen voll muth Schubart
sämtl. ged. (1825) 3, 86; preuszische infanterie stürmte und erstürmte das dorf Scherr
Blücher 3, 264; er will andeuten, ... dasz ein gewisser Halberstädter ... auch St. Privat allerpersönlichst gestürmt hat Fontane I 5, 161; wir müssen den Kemmelberg stürmen Hindenburg
aus meinem leben 324;
mit einem persönlichen object: es wer dan, dasz man die, so darinnen weren, sturmen oder nöten wolt Knebel
chron. v. Kaisheim 288; (
weisung an den befehlshaber einer burg) auch wann man dich sturmpt an einem ende, so sich ie an andern enden zue uf das, das sie an eime andern ende nit anders wasz beginnent ... darnach besich, wie sie dich stürmen wöllent (15.
jh.)
mittelalterl. hausbuch (1866) 37; einen sturm stürmen: in dem zoch der von Chordis ... fur Neubert, schosz die stat auf den grund hinweg, stürmet zwen stürmb auf einander
Wilwolt v. Schaumburg 89
lit. ver. dann auch über den bereich des kriegerischen hinausgreifend, von aufrührerischen acten, streichen u. s. w.: dann ers soweit bracht het, das man alle klöster und kirchen gestürmbt J. Nas
antipap. eins u. hundert (1567) 1, 128
a; zu Breszlaw erhub sich auch eine blutige aufruhr, dann der gemeine mann ... stürmete ... das rathausz H. Rätel
Joachimi Curäi chron. d. herzogthums Schlesien (1607) 124; also wird der knecht nur böser und toller, und stürmet dem herrn das haus Jak. Böhme
schr. (1620) 4, 157; ist es auch denn ein so groszer sieg, eure eigene herberg zu stürmen? Stranitzky
ollapatrida 271
Wiener ndr.; die Passauer studenten stürmten das mauthhaus Fr. Nicolai
reise 2, 470; doch die muthigen studenten springen jubelnd zum theater, stürmen die papiernen felsen, niederreiszend rings die lumpen Cl. Brentano 3, 186; (
das volk) fing in seinem übermuth an, mehrere bäckerläden zu stürmen und zu plündern Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 8, 10; und das sag ich: stirmen se Dittrichens gebäude — ick bin de erschte G. Hauptmann
die weber (1892) 105;
von tieren: wölff stürmen die pferrich Sebiz
feldbau (1579) 618; man hat beispiele, dasz störche ... die nester anderer stürmen J. A. Neumann
naturgesch. d. vögel 9, 254.
oft bildlich: alda sint verwyser, gelychsner, liebkoser, goughler, sprecher und spillüte, die sich flyssent das schloss und die burg der jugend zestürmen und zegewinnen
N. v. Wyle
translationen 212
lit. ver.; oft, um ihn zu ergötzen, wird die natur bekriegt, der bange wald gestürmt, das wild in angst gesetzet Dusch
verm. w. (1704) 226; ohneracht der gewaltige gott mit seinen donner und wetter gleichsam den erdboden beschiesset und stürmet J. G. Schmidt
d. gestriegelte rockenphilos. (1706) 1, 95; es stürmte deine wuth der landesväter thronen Gleim
briefw. 1, 51
Körte; als die freiheitsjugend der 70er jahre den ganzen bau untergrub und stürmte Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtg. (1853) 4, 83; die immerfort bekehrenden, die burgen des katholizismus stürmenden schüler Farels L. Ranke
s. w. 8, 122;
mit immer blasserem bildgehalt: wir hond das stark wort gottes an unser syten ston, das sy nit stürmen mögend mit allem irem züg Zwingli
dtsche schr. 1, 278; man kan nicht lugen mit lugen stürmen S. Franck
chronica zeytbuch (1531) 365
a; viel besser ist vor mich nur gar davon geblieben als dasz ich stürmen soll die hochbeschworne pflicht J. Riemer
polit. stockfisch 42;
mit unpersönlichem subject: wenn die rechten groszen stösze kumen, die das hertz treffen und sturmen Luther 32, 313
W.; wer unschützig mit jhme (
dem wein) umgehet, so kehrt er das letzt herfür, und stürmt den kopff, leib, händ und füsz Lehman
floril. polit. (1662) 2, 896; die liebe stürmte mich und stöhrte mir mein leben, da die philosophie mich wie ein wall umgeben H. G. Koch
sammlg. v. schausp. (1764) 1, 102;
elementarisch: wenn man den starcken nord die dächer stürmen hört J. Chr. Günther
ged. (1735) 597; die brandung stürmt die burg des felsenstrandes W. Müller
ged. (1906) 273. I@A@44)
hier sind einige wendungen fest geworden. I@A@4@aa)
bilder stürmen, seit der reformation vom ansturm gegen das katholische heiligenbilderwesen: der teufel ... richt so vil rottengeister an, der schwermet also, ain ander styrmbt die bild, der drit den tauf Luther 18, 153
W.; (
gegen Karlstadts '
kunst',
griechische worte zugunsten seiner thesen falsch zu deuten) solche kunst hat nie keyn Krieche ersehen, die doch ynn der sprache geporn sind von Christus zeyt her. aber itzt ist sie zu Orlamünde funden, villeicht ynn eym allten bilde, da sie bilder stürmeten
ebda 18, 153; sie hett seinen cörper zuo pulver brent, darumb das er bilder gestürmpt vnd abgerissen hett Seb. Franck
chronic. Germaniae (1538) 69
a; der wirdigern götzenbilder, daran si mehr glauben hetten, hab ich von jren örtern gestürmet, unnd hab si die stiegen hinein geworffen Betuleius
Hispanien (1550) 21
b; ein hitziger neuling ... der hette die altar einreiszen vnnd bilder stürmen heiszen Mathesius
Sarepta (1571) 133
a; haben auch mit der that alle bilder brechen, stürmen vnd abwerffen lassen Fischart
binenkorb (1588) 36; diser keyser trat in die fuoszstapffen seines vatters, stürmet die bilder vnnd warff sie ausz den tempeln Stumpf
Schweizerchron. (1606) 223
b; ist es (
das bild in der kirche) deszwegen zu stürmen, dieweil es in der höhe auffgericht da stehet Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, 193.
weiter greift die bedeutung in den zusammensetzungen bilderstürmer,
bilderstürmerei,
im sinne eines unvernünftigen und planlosen eiferns gegen gegnerische symbole. I@A@4@bb)
durch den humanismus des 16.
jhs. wurde die von dem Titanenkampf der antiken mythologie stammende wendung den himmel stürmen auch in christlich-theologischen und geistlichen schriften heimisch, besonders im umkreis der reformation: darnach faren sie daher mitt dem freyen willen und naturlichen wercken unnd wollen sich damit tzur gnade bereytten unnd geschickt machen, schlechts den hymell sturmenn Luther 10, 1, 1, 469
W.; vgl. auch 8, 5; der won, als sey die regel (
der Franziskaner) euangelisch unnd gottes himel werde dardurch verdient und gestürmbt Eberlin v. Günzburg 3, 68
ndr.; wy mosten unsz an wercke pryszenn und stormen szo den hemmell hoech B. Waldis
verlor. sohn 8
ndr.; er eins woll mit ganzer macht den himel stürmen und nemen ein Dedekind
christl. ritter (1580) g 5
a; durchs gebet stürmt man gott seinen himmel Petri
d. Teutschen weisheit 1, b 6
b;
doch taucht auch das antike bild immer wieder bei den dichtern auf: der ein die stiegen auff mit gewalt thut lauffen, von gott den himmel will verdien und kauffen, felt ubern hauffen, gott thut in also fiermen wie d risen, so den himmel wolten stürmen Th. Höck
blumenfeld 27
ndr.; die geschicht von der engel fall ist nit ungleich der fabel von den risen, welche den himmel stürmen wollen Harsdörffer
teutsch. secretarius 2, 221; o diese männer! jeder einzelne ist ein Prometheus, der den himmel stürmen möchte! Spielhagen 1, 493;
in ähnlicher anwendung: die götterlein der liebe haben den himmel gestürmt G. Voigtländer
oden und lieder (1642) 46; und mochten die Gothen und Franken den himmel stürmen
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtsch. (1778) 1, 120; du, du willst den himmel stürmen? Hölderlin 2, 102
Litzmann; uneigentlich: heist diese kühnheit nicht den himmel stürmen wollen? B. Neukirch
in Hoffmannswaldau u. and. Deutschen auserl. ged. 1, 271; die vernunfft, so sie den himmel stürmt Chr. Warnecke
poet. versuch (1704) 408; es menge der karthaunen knall in berstender racketen schall, als wollt er gar den himmel stürmen Gottsched
ged. (1751) 1, 79; so ward verhöhnt mein loderndes verlangen, gestürmt mein himmel, der da hing voll geigen Strachwitz
ged. (1850) 154.
daneben auch die hölle stürmen. das bild stammt aus dem altchristlichen dogma, nach dem Christus die hölle eroberte und die seelen der patriarchen befreite; doch ist die anwendung zumeist allgemeinerer art: inn der osternacht stürmet man die helle Mathesius
w. 4, 20
Lösche; (
dasz man) die hell wil stürmen zäuberisch Fischart 2, 453
Hauffen; ein bösz weib liesse sich gebrauchen, wenn man die helle wolt stürmen Petri
d. Teutschen weisheit 2, t 1
a; kinder, welche die welt bezwingen, die hölle stürmen A. Gryphius (1698) 1, 789; weistu nicht, das Jacob ... den herrn zweymal erzeugt, der stürmen soll die höll, der nach seim tod soll leben Treuer
dtsch. Dädalus (1675) 1, 283; so hoch sitzt der (
Herkules), der löwen zwingt, der riesen dämpft, die hölle stürmet Lohenstein
Sophonisbe (1689) 76.
analoge wendungen: jener wollt die sonne und mond stürmen Lehman
floril. polit. (1662) 1, 34; sein schelten stürmt der sterne haus Lichtwer
äsop. fabeln 43; den sitz der gottheit zu stürmen E. v. Kleist
frühl. v. 417; wenn man in manchmal hört, so glaubt man, sie wollten die ganze welt stürmen Gottl. Stephanie
d. j.
sämtl. lustsp. (1771) 123; da wird einem tüchtigen kerl beherzt zu muthe, und er möchte die welt stürmen! Holtei
erz. schr. 5, 214; als gälts, den kern der erde zu stürmen O. Ludwig
ges. schr. 2, 24. I@A@55)
mit einem präpositionalen object; vielfach schon im übergang zur bedeutung '
eilen, vorwärtsstürzen' (
s. u. I C): an eine stat stürmen
bei K. R. Roth
dichtungen d. dtsch. mittelalt. 106, 47; ze stürmen an die vest Konrad v. Megenberg
buch der natur 467; wenn die figent kummen, und noch kum eyn und an das schloss gestürmt haben, stracks gibt er das schlosz den vigenden uff Keisersberg
bilgerschaft (1512) 30
a; da keret sich das schiff umb ... und stirmt von im selber an das andere schiff
sumerteil der heyligen leben (1472) 18
a; wer wider die berg stürmet, der gewinnt nichts Lehman
floril. polit. 2, 910; nun laszt uns auf das lager der feinde stürmen Klinger 1, 293; als Attila die stadt belegt hatte und auf ihre mauern stürmte E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 64; sie ... stürmten gegen des königs burg Simrock
dtsche volksbücher 1, 39;
mit persönlichem object: so feiert der teufel auch nicht, wider Christum und seine angehörigen zu streitten, stürmen
M. Ambach
vom tantzen (1543) a 2
a; so wird ein ieder stein, womit man nach uns stürmet, ein klapff am himmel seyn Logau
sämtl. sinnged. 189
Eitner; Hektor, mit einem steine, stürmt auf Teukros Göthe I 41, 1, 283
W.; und auf den feind gerad an stürmen wir Schiller 13, 213
G.; ob vielleicht nicht erst ein anderer haufen der Griechen vorwärts rückt', auf die Troer stürmt' Bürger 217
Bohtz; lange schilde, unter deren schutz seine krieger gegen ihre feinde stürmten O. Peschel
völkerkunde (1874) 201; wenn alle Italiener zusammen gegen uns stürmen, diesen hafen dürfen sie niemals in die hände bekommen Lagarde
dtsche schr. 36;
bildlich: gar bald zu stürmen wir begunden den weibern under d peltz daher Fischart
flöhhatz 11
ndr.; zu einem münch ..., der etwas scharfer dann ander wider in mit stürmen tett, sprach er Ä. Tschudi
chronicon Helveticum 2, 60;
verblaszt: solcher christen find man noch vil, die recht glauben, schwygen doch still und lassen die gelehrten schwürmen, wider das rein wort gottes stürmen H. Sachs 17, 386
lit. ver.; die bischof und prelaten all wollen iez mit reichem schall das wort gottes helfen beschirmen und wider den unglauben stürmen R. v. Liliencron
hist. volksl. 4, 4; er sang lebendig, und stürmte also in den kurzen augenblicken lebendiger stimme auf herz und ohr Herder 5, 324
S.; (
die pfaffen) stürmen wider den geiz und haben Peru um goldner spangen willen entvölkert Schiller 2, 104
G.; der starke unterwirft sich auch ergeben (
dem schicksal), der schwache stürmt mit klagen darwider A. Stifter
s. w. 3, 6;
mit unpersönlichem subject: gottes wort donnert und blitzet und sturmet widder grosse mechtige berge Luther 32, 399
W. (
unter einflusz von u. II); wenn die wiederwertigkeit auf ihn wil stürmen G. Neumark
poet. lustwäldchen (1652) 92; es stürmt das ungemach auf mich von allen seiten J. v. Besser
schr. (1732) 1, 305; ihr seyd die mauern, die uns schützen, wenn nacht und frevel auf uns stürmt Drollinger
ged. 8; es haben seit einem halben jahre dringende schulden auf mich gestürmt, dasz ich alle mühe gehabt habe, meinen guten namen zu erhalten Lessing 18, 28
L.-M.; wenn ich mein mädchen vor einem üblen ruf zittern mache, so stürmen eine menge von begriffen und folgen auf ihre seele J. Möser 2, 305;
eine kräftige anschauung geben naturbilder: wie hertelich daz ungemach stormete an den grôzen kiel
passional 48, 65
Köpke; hier stürmt gegen den fusz der überhangenden klippen hochaufbrausend die woge der bläulichen Amfitrite J. H. Voss
Odyssee 218
Bernays; am 21. oktober des jahres 1845 stürmte das meer noch einmal mit wilder gewalt gegen die küsten, aber seine macht war vergeblich H. Allmers
marschenb. 51. I@BB. stürmen
kann auch die perfectivische bedeutung '
erstürmen, erobern'
annehmen; bis zum 19.
jh.: zum ersten will ich das hausz stürmen Boltz
Terenz (1539) 50
b (
im original: expugnabo); da man die statt Thebas gestürmet hat Eppendorf
Plinius (1543) 75; Cyrus hat all sein volck erschlagn, Sardis gestürmbt vnd durchgangen Schmeltzl
Samuel u. Saul 12
ndr.; man möcht uns stürmen vnser schloss, so stünden wir mit schanden bloss B. Krüger
action v. d. anfang u. ende d. welt (1580) b 7
a; auf welche klage denn hierüber ein grosses aufstehen der bauren worden, welche das kloster gestürmet, und darnach hin und wieder greulich geraset haben J. Prätorius
winterflucht (1678) 251; schützen und schwer geschosz stürmen es (
England) nicht Schenkendorf
gedichte (1815) 29; schwerer kann man begreifen, wie die Dorier jene ... mauerwerke stürmten K. O. Müller
die Dorier (1824) 1, 77; mit höchster tapferkeit haben sie die heilige stadt gestürmt Hegel
w. 15, 202; ich habe mir heut erzählen lassen, wie dieses schlosz vor 3 jahren von den insurgenten gestürmt wurde Bismarck
briefe an seine braut u. gattin 346; nun soll es 'barbarisch' sein, Paris zu nehmen, während es ohne zweifel eine ausbreitung der civilisation gewesen wäre, wenn die Turkos Berlin gestürmt hätten! A. Ruge
briefw. u. tagebücher (1870) 2, 356; man stürmte die miszliebigen gärten, die paläste, plünderte und steckte sie an H. Grimm
Michelangelo (1900) 1, 25. '
stürmisch wegnehmen': (
se) söpen den pastoren und anderen lüden öhr beer uth, stormeden dat speck van den wihmen, thohuwen idt, und wurpent den hunden vor (1554) Renner
brem. chron. (
nach brem.-ns. wb. 4, 1050). I@CC.
aus dem element des raschen laufes beim militärischen stürmen
entwickelte sich schlieszlich ganz allgemein die bedeutung '
eilen, vorwärtsstürzen'
; beim sprachträger trat vielfach der gedanke hinzu, dasz man rasch vorwärts eile wie der sturmwind (
vgl. II),
und so verschwand die militärische anknüpfung ganz aus dem sinn; oft mit erweiterungen, die das richtungsziel andeuten. I@C@11) sy ... aber ... sturmptend eynmütigelich zuo jm eyn
die gantze bibel verteutscht (
Zürich 1531) 253
a; und disz haben sie die frommen landsknecht gelehret, die nur gleich auff der gart unten inn die keller nach dem wein stürmen Fischart
Gargantua 205
ndr.; andere ... stürmeten mit steinen, brüglen und knüttlen nach den fenstern Moscherosch
gesichte (1650) 1, 427; es kommen mehr pursche darzu, stürmen auff die wache, und machen die gefangenen mit gewalt losz Schoch
com. v. stud.-leben (1657) k 1
b; Nero ... als ein unsinniger ... zu ihr in dieses begräbnis hinein stürmte Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 780; zugleich aber stürmete printz Uherandi ... mit drey tausend mann auff den platz Ziegler
asiat. Banise (1689) 637; einmal stürmte er auf den sultan ... zu Haller
Usong (1771) 62; so stürmt aus der düstersten gewitterwolke ein geharnischter ritter auf einem abenteuerlichen feuerspeienden löwen hervor Göthe IV 35, 302
W.; sie brachen ein, und alle stürmten sie auf den einen, in welchem sie ihres verlustes ersetzung sahen Lessing 2, 360
L.-M.; und stürmend drängt sich zum prytanen das volk Schiller 11, 242
G. bleib! bleib! wohin stürmst du? Schiller 3, 457
G.; daher stürmten Aristodymos und Kleonnys
F. M. Klinger
n. theater (1790) 1, 95; also wüthig stürmen mit stäben und steinen bewaffnet die knaben maler Müller
werke (1811) 1, 137; dann stürmt er ... hinter Paris her Bürger 155
Bohtz; Frundsberg wurde hier durch drei männer unterbrochen, die in das zelt stürmten W. Hauff
sämtl. w. 1, 346; es war ihm, als müszte Angiolina gestürmt kommen und selbst ihren hut holen K. Gutzkow
zauberer von Rom 7, 189; gerührt sprach er zum kämpen, der itzt gestürmet kam Scheffel 2, 186; arm in arm stürmte ich mit den gesunden bauerssöhnen über die strasze G. Keller 1, 403; plötzlich aber reiszt er das rosz mit sich herum und stürmt landeinwärts H. Brunn
kl. schr. 3, 53; jetzt sah man unter diesen ruhigen bürgern ... söldner in kriegstracht stürmen Ranke
sämtl. w. 42, 203; alle stürmen in der absicht zu demoliren auf die salonthüre zu G. Hauptmann
die weber (1892) 90;
im bild: vom mädchen reiszt sich stolz der knabe, er stürmt ins leben wild hinaus Schiller 11, 307
G.; alle diese jünglinge stürmen schon in sie (
die zukunft) hinein, als könnten sie dieselbe gar nicht erwarten A. Stifter 3, 261;
mit vertauschtem subject: stürmenden schwungs entflog sie den felsenhöhn des Olympos J. H. Voss
Odyssee 1.
ges., v. 102; stürmenden sprungs Droysen
Äschylus 3136.
von tieren: ein grOessú schar michels geflúgels kemi fúr sin celle stúrmend Seuse 370
Bihlmeyer; wie dunkler raben schaar an hochgerichten, stürmt her der rüden menge, wüthig wild A. v. Droste-Hülshoff
werke (1879) 2, 214; und wie es (
das pferd) stürmte hinab, hinauf, gehetzt vom stachel der ferse v. Strachwitz
ged. (1850) 13;
besonders von fluginsekten, '
herumschwärmen'
; seit dem mhd.: ûf der planîe grüene wart von in ein gestürme als ob die binenwürme sturmten umbe ein honicvaz Konrad v. Würzburg
turnier v. Nantes 843; vor anderm aber hatten sie (
die bienen) allen zugang der menschen, und zuvor deren, die nach wein und salben riechen, und diese stürmen sie am allermeysten
M. Herr
feldbau (1551) 180
a;
vgl.stürme '
schwärmen',
von fluginsekten Martin-Lienhart 2, 614. I@C@22)
beliebt ist übertragung auf naturvorgänge: zu zeiten pflegt sie (
die see) sich mit wellen zu erheben, zu stürmen in die lufft
M. Opitz
opera (1690) 3, 284; und wie ein strom, geschwellt von regengüssen, aus seines ufers bette heulend stürmt H. v. Kleist 4, 38
Schm.; die Mosel hört beschämt des Rheins gerechtes wort, und stürmet ungezähmt Cl. Brentano 1, 411; so wild das wasser stürmt und rauschet A. v. Droste-Hülshoff
werke (1878) 2, 92; I@C@33)
uneigentlich, mit unpersönlichem subject: den glänzenden schild durchfuhr die stürmende lanze Bürger 211
Bohtz; tief in die leber ihm bohrte der stürmende pfeil J. H. Voss
Odyssee 22.
ges., v. 83;
abstract: ein grosz gepolter und geräusch, so mir aus einem hause ... in die ohren stürmete Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 38; mit einem jubelgeschrei, worein die musik stürmete
Holston und Augusta (1780) 298; die menge der regungen, die in sein herze styrmten sezt ihn ganz auszer sich Wieland
werke 1, 371
akad.-ausg.; abgesetzt oder ununterbrochen flieszen oder stürmen ihre reden wie ein strom daher Herder 22, 145
S.; drum stürmt sein ruhm in die himmel, und überhüpft das grab Kretschmann
s. w. 1, 117; wenn hier Mollys guter geist zu siegen schien, so stürmte Sophiens liebe zu ihm J. J. Bode
Tom Jones 2, 228; ein solch gebild stürmt oft in seine träume Göthe 11, 353
W.; dieselbe kraft des geistes, dort in sich gekehrt, brach hier unaufhaltsam hervor und stürmte zum ziele J. G. Forster
sämtl. schr. 6, 212; so zwischen ungastlichen ufern stürmt von ihren lippen dein heilig wort Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 285. I@C@44)
besondere wendungen. I@C@4@aα)
auf (
in)
jemanden stürmen in ihn dringen, auf ihn einstürmen, um ihn zu etwas zu veranlassen; erst seit dem 18.
jh. zu verzeichnen; seinen ausgang nimmt die redensart offenbar von stürmen I E 1: und alle stürmten fast mit liebkosungen auf mich, dasz ich die bitte der Aspasia erfüllen sollte Heinse 3, 115; eltern und bräutigam stürmeten auf sie, dasz sie die liebe ihres herzens, mit der sie Christum allein liebte, nicht zeigen konnte Herder 16, 254
S.; was hilfts in mich zu stürmen? zum verbrechen mich anzulocken, mich zu drängen? Göthe 10, 284
W.; damals erschienen sie und Werdenberg vor unserm herrn, mit bitten in ihn stürmend Schiller 12, 69
G.; verblendet und übermannt von wahnsinniger leidenschaft stürmte sie ... in den gebeugten vater Holtei
erz. schr. 4, 64; wie stürmte aber auch alles auf könig Franz, um ihn aus solchem französischen gleichgewichte der lebensregel zu werfen H. Laube
ges. schr. 4, 164;
vgl. auch: halt ein! du stürmst in meinen willen Schwabe
belustigungen des verstandes und witzes (1741) 1, 331. I@C@4@bβ)
die aufklärung bezeichnenderweise bildete, ebenfalls im anschlusz an I E 1,
die phrase aus: auf oder in sich, seine natur, seine gesundheit stürmen sie ruinieren; doch hat sie sich nicht gehalten: die auf ihre gesundheit hinein stürmen Chr. Weise
erznarren 225
ndr.; weil sich die menschen damahls mehr mäszigkeit beflissen, und nicht so in sich hinein stürmeten v. Fleming
der vollk. teutsche soldat (1726) 3; und dannenhero kan es geschehen, dasz einer wohl nicht mit übermäsziger speise und überflüszigem tranke in seine gesundheit stürmet Chr. Wolff
gedanken v. d. menschen thun u. lassen (1720) 307; was hilft das trinken und das baden? wenn wir uns, nach gebrauchter cur, gleich wieder üppig überladen, und stürmen frech in die natur? D. W. Triller
poet. betrachtungen 5, 116; man weisz, wie oft er in seine gesundheit stürmte, wie manchen morgen er mit Schikaneder verchampagnerte, wie manche nacht er verpunschte O. Jahn
Mozart (1859) 3, 233. I@C@55)
nicht selten steht dieses stürmen
transitiv: und wer, verwegen, stürmt aus dem bezirk dich her? Göthe 50, 317
W.; lasz ein gericht nach dem andern auftragen, so wie unten auf unserm groszen eisernen ofen zu sehen ist, wo bey der kananäischen hochzeit pfauenpasteten den gästen über die köpfe gestürmt werden Iffland
theatr. w. 4, 188; Bastian war inzwischen zur thüre hinausgewischt und stürmte wie der diener eines zahnarztes das volk zu der boutique seines patrons Thümmel
reise 4, 193;
reflexiv: im kampf und ringen stürmt der mensch sich bewusztlos auf die schmale zinne eines thurms hinauf Immermann 18, 47
Boxberger. uneigentlich schon seit dem 16.
jh.: stürm die abgötterei ausz dem hertzen, so fallen die götzen allzuomal auff ein hauffen S. Franck
chron. zeytbuch (1531) 504
a; also hilfft den geitz gelt für kein armuot, bisz mann die geltsucht ausz dem gemüt stürmt
derselbe sprüchw. (1541) 1, 119
b; (
ich) stürmte unsinn aufs papier Schubart
leben u. ges. 1, 252; dann wirbelt heller siegesgesang ihm nach, gestürmt in deutsche saiten Denis
bei Campe
s. v. siegesgesang; in hohes saitenspiel begeisterung stürmen Gotter 1, 137; ein orkan so wild, als müszt er eine welt aus ihren angeln stürmen Alxinger
Doolin 22; des vaters schicksal stürmet auf dich diesen tod! J. G. Droysen
Äschylus (1841) 151; also stürmt ich mein herz zur ruh A. Meiszner
ged. (1845) 12. I@DD.
an sturm I B '
tumult, aufruhr'
schlieszen auch bedeutungen des verbs an. I@D@11)
unpersönlich construiert, es stürmt
in dem sinne von '
es ist aufruhr, erregung': ein weib, das mit vernunfft sich in die zeit kan schikken, und das, im fall es sturmt, kan weichen oder bükken Rachel
satyr. ged. 38
ndr.; o himmel, musz es denn von allen seiten stürmen Lenz 1, 47
Tieck; so oft es auch an den grenzen dieses weitläuftigen staatskörpers gestürmt hatte Schiller 8, 198
G.; denn in diesem jahre stürmte es heftig in der studentenschaft G. Freytag
verl. handschr. 2, 234; und wenn es stürmt, wie in unsern tagen Geibel 1, 233
Cotta. vgl. hierzu ahd. sturmit
tumultuabitur gl. 1, 595, 13
St.-S.; menigi sturmenta (
turbam tumultuantem)
Tatian cap. 60, 12.
besonders die polemik der reformationszeit verwendete in diesem sinn gern das wort, oft in der verbindung stürmen und schwärmen: also mit dem bildstürmen möcht ich seyn (
Karlstadts) toben leichtlich tragen, weyl auch ich mit meym schreyben mehr abbrochen habe den bilden, denn er mit seym stürmen und schwermen ymmer thun wird Luther 15, 395
W. (
vgl. ebenso 18, 75); alle falschen lehrer vnd rottengeister ..., so nichts dann stürmen vnd schwermen, vnd alles in hauffen werffen können G. Nigrinus
von zäuberern (1592)
vorr. 5
a; der lutherisch glaub stürmet; wenigist hat er gestürmet an etlichen orthen E. Eisenhut
cath. ex. (1697) 10. I@D@22)
mit stärkerer ausprägung des akustischen moments schon ahd., s. sturmantaz
perstrepens ahd. gl. 2, 285, 1; (
der geist) wenn ed began to beschemeren, wente an de midnacht und warp und stormede sere grofliken
Magdeburger schöppenchron. 262
Strehlke; der teuffel ... fieng an zu boltern vnd zu störmen mit der hand vnd faust B. Raida
widder das lester vnd lügen büchlin (1533) c 4
b; ich hab vor wol gewiszt, das balgen vnd stürmen würde nit zergohn Frey
gartenges. 117
B.; dieweil man vnden im schiff arbeit, sturmt vnd lermt Reutter v. Speir
kriegsordnung 104; liebe Jane, mach nur auff das hausz, so sihstu, wer so stormet drausz
Berliner Pyramus-Thisbe-spiel 50
Schaer; wie nun solches der geist vername, da war er kein winslendes kind mehr, sondern ein polterer, stürmte, warff und schluge allenthalben Widman
Faust 199
Keller; wenn wir keine maasz wissen zu halten im zorn, sondern bey uns selbst ergrimmen, unsere geberden verstellen, fluchen, schweren, rumoren, poltern, zähne zerbeissen, stampfen, stürmen, als ob wir halb von sinnen wären P.
F. Sperling
Nicodemus (1719) 2, 286;
übertragen: das mein hertz nicht mehr trappelt, sondern sich widder die argument der papisten, als eyn steynen uffer widder die wellen, aufflenth, unnd yhr trawen und sturmen verlachet Luther 8, 483
W.; der güldne friede kommt, wenn er (
der krieg) gleich stürmt und wütet Lohenstein
Arminius 1, 358
b. I@D@33)
daraus verengt sich die bedeutung zu '
zanken, schelten',
die besonders während der frühnhd. zeit vorherrschte, seit etwa 1800
aber allmählich verschwand (
vgl.sturm II C 4);
schon die bauernweisheit lehrte, wenn der ausgeschickte knecht zu lange fortblieb: so stürmet der herr, die frau schilt
Ludwig Tölpels baurenmoral 62;
in rechtlichen bestimmungen kehrt es seit dem ausgehenden mittelalter ofter wieder: wer ainen geverlich anlauft auf der strasz oder in seinem haus und in heraus fodert oder in stüermiet (
anf. 15.
jhs.)
österr. weistümer 2, 372; auch das nimant, er sei geistlich oder weltlich, wie dann iczt an ziten zu den durch böse bueben geschiet, gesturnet ader beschwert werden sall (1525)
akten z. kirchengesch. Georgs v. Sachsen 2, 27;
literar. belege sind zahlreich und aus allen landschaften: se begunden to stormen twar, yfft se weren verjaghet dar
städtechron. 16, 167; die kaufleüt sprachen: her wirt ir dörffen mit vnsz nit so stürmen
Eulenspiegel 122
ndr. (
vgl. Fischart
Eulenspiegel v. 10367
Hauffen); am end bit ich, alle prelaten und beichtvetter wolten ... nach dem heyligen euangelio das volck nit mit gewalt sturmen, sondernn freuntlich und senfft regieren und underweisenn Luther 7, 297
W.; das du aber ym ersten anfang also stürmst und pochest, schetze ich, daz es dyse ursach habe Hutten 2, 190
Böcking; allein verdrieszlich ists, das er in denselben reinen conclusionibus also stürmet, poltert und tobet, als hette er einen gewissen widersacher neben sich Cyr. Spangenberg
wider die böse sieben (1562) r 4
b; wenn er ... zu hause kömpt, sol das weib nicht mit jhm poltern und stürmen Decimator
hochzeitspredigten (1601) q 1
a; hier fieng die frau an, auff den mann zu störmen Mich. Kautzsch
d. polit. tobacksbruder (1684) 15
b; wer andre, wenn er sie beschirmt, mit härt und vorwurf quälet, und ohne nachsicht straft und stürmt Gellert 2, 128; weil er (
der jäger) mit poltern und stürmen den hund leicht blöd machen kann v. Heppe
aufr. lehrprinz (1751) 459; und wenn mein vater stürmt, musz ich auch den versöhnen Göthe 9, 71
W.; der doktor bat, warnte, — stürmte auch wohl zuweilen Bahrdt
pastor Rindvigius 1, 188; Heyne ... gab zu bedenken, in wie brausendem krafttone wohl ein anderer an dem grabe gestürmt hätte J. H. Voss
antisymb. 2, 51; Beda Hunnius ... hätte immerhin nach seiner meinung stürmen und lärmen mögen, soviel er wollte; aber er dichtete auch! Gutzkow
zauberer 2, 178. I@D@44)
entsprechend sturm I B 4; C
bedeutet stürmen '
sturm läuten'
oder '
schlagen'
; in vielen mundarten ist diese bedeutung die vornehmliche. I@D@4@aa)
intransitiv: dasz man nit hat können sturmen
dtsche städtechron. 29, 35 (
Augsburg); ob zuo solchem rechten geleut und gestirmbt seie (1574)
weistümer 6, 327; die burger von Straszburg ... woltend den bischoff schädigen; do liesz bischoff Walther stürmen Tschudi
chron. Helvet. 1, 162; Dietrich Schmidt ... deponirt ..., dasz man vor ohngefehr 11 jahren in der Schlieperin hausz ein helles feuer gesehen, und vermeinet, es brenne darinnen, auch gestürmet, aber gleichwohl kein brand darin gewesen sey Chr. Thomasius
ernsth. gedanken u. erinnerungen (1720) 2; denn der dumme stürmt beim nordlicht
portraits (1779) 205; allein bald brach die flamme aus, man lärmt, man stürmt und rannte nach wasser R.
Z. Becker
mildh. ldb. (1799) 75; horch! schon stürmten wächter, hallten glocken J. D. Falk
satiren (1800) 2, 184;
uneigentlich: helffet nur im geiste Christi tapfer stürmen, so wird alsdan auch Christi glöcklein geläutet werden J. Böhme
schr. (1620) 6, 259.
mit den glocken stürmen: da stormete unde lutte man mit allin glocken en entgegn Wigand Gerstenberg
chron. 232
Diemar; es were dann das ein für uszginge und der man mit den glocken uf dem münster stürmen wurde (15.
jh.) Brucker
Straszburger zunft- u. polizeiverordnungen 26; sobald ihr mit der glocke stürmt, werden sie alle da sein Göthe 18, 50
W. die glocke ist subject: hör nicht auf, uns zu beschirmen, dasz die glocken nicht mehr stürmen B. Schmolcke
sämtl. trost- u. geistr. schr. 1, 760; rastlos nun erklang das getön der stürmenden glocke Göthe 50, 234
W.; auf einmal stürmten die glocken drauszen Kotzebue
sämtl. dramat. w. 2, 297; die glocken stürmen wild Eichendorff
s. w. (1864) 4, 402; wie denn in jedweder stadt dazumal nur die lärmtrommel zu tönen und die glocken zu stürmen brauchten, und es war eine festung Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 265; die glocken stürmten vom Bernwardsturm, der regen durchrauschte die straszen, und durch die glocken und durch den sturm gellte des urhorns blasen B. v. Münchhausen
balladen u. ritterl. lieder 33.
nicht nur glocken stürmen: und glocken, orgeln fingen an zu stürmen als wie von selbst in kirchen und auf thürmen J. Frey
ges. dichtungen (1899) 179; sie hat nicht der eigenen sicherheit acht, wenn nachts die trommel stürmet Grillparzer (1892) 2, 136
Cotta; bildlich: des aufruhrs ehrne zungen stürmen Gaudy
s. w. (1844) 4, 43;
zum folgenden überleitend, '
laut verkünden'
; vereinzelt: und noch diesen abend sollen laute zimbeln und drommeten hoch von dieser feste türmen es in alle lüfte stürmen, dasz du erbe mir und sohn Grillparzer (1892) 7, 161
Cotta. I@D@4@bb)
mit transitiver bedeutung: do sturmde man die glocken uber alle stat
städtechron. 8, 81; man stürmte alle glocken gegen in Dannhawer
catechismusmilch (1657) 5, 952.
anders: ein glöckner, der aus ihrer ruh die völker stürmt Geibel (1883) 1, 219. IIII. stürmen '
stürmisch blasen',
vom sturmwind, s. sturm II. II@AA.
eigentlich; meist in intransitivem gebrauch (
transitiv s. u. 5,
sp. 623). II@A@11)
mit unpersönlicher construction es stürmt: brachten aber fast drei gantze wochen zu, ehe wir von Boëro konnten wegkommen, weil es entweder alzustille war oder alzu starck stürmte W. Schultz
ostind. reise (16767) 27
b; ein tugendhaffter mensch ist wie ein felsenstein: es stürme, wie es wil, er fellet doch nicht ein Angelus Silesius
cherub. wandersm. 113
ndr.; scheinet heute gleich die sonne, stürmt es morgen desto mehr Stranitzky
ollapatrida 244
Wiener ndr. es stürmt die ganze nacht Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 686; hörst du, wie angenehm es drauszen stürmt? maler Müller
w. (1811) 1, 189; ah, das war eine schreckliche nacht, seitdem ich lebe, habe ich nicht so stürmen gehört Klinger 1, 74; den 16. stürmte es den ganzen tag J. G. Forster
sämtl. schr. 1, 167; es stürmt furchtbar, der see wirft haushohe spritzwellen A. v. Droste-Hülshoff
briefe an L. Schücking 308; es hatte gestürmt wie im april Gutzkow
ritter v. geiste 5, 3; tag über hatte es stark aus südwesten gestürmt Storm 7, 267.
besonders beliebt ist die versiärkende verbindung mit einem oder mehreren anderen verben ähnlicher bedeutung: in dem es drauszen stürmt und schneyt Simon Dach 718
Österley; es hatte die tage arg geschneit und gestürmt Rosegger I 9, 279; es mochte stürmen, regnen oder schneyen J. J. Bode
Montaigne 2, 150; das ist ein schlechtes wetter, es regnet und stürmt und schneit H. Heine 1, 109
E.; es regnet, stürmt und blättert entsezlich Lichtenberg
briefe 1, 95; weil es regnete und stürmte Göthe IV 12, 316
W.; während es drauszen stürmte und regnete L. Aurbacher
volksbüchlein (1835) 109; je mehr es stürmet und donnert Lohenstein
Arminius 2, 1048
b; wenn es einmal stürmt und donnert Kotzebue
sämtl. dramat. w. 1, 50; es blitzt und donnert, stürmt und kracht Göthe 1, 165
W.; wenns auch drauszen stürmet und blitzet Bäuerle
kom. theater 2, 97; mocht es blitzen, stürmen und krachen Holtei
erzähl. schr. 5, 213; es hat die nacht gewettert und gestürmt
M. Beer
sämtl. w. (1835) 634; während es drauszen stob und stürmte Eichendorff
sämtl. w. (1864) 2, 194; und wie s am grab so stehent drauszt, hats gsturmt und gschnieben, dasz an graust Stieler
ged. 4, 19
Reclam. im sprichwort: dat mer is nicht stille, als it stormet van winde Tunnicius
sprichw. nr. 1091
Hoffmann v. Fallersleben; bauernregeln: wenns an lichtmesz stürmt und schneit, ist der frühling nicht mehr weit Binder 123; es ist nicht gut, wenns im februar nicht stürmt, dasz dem stier die hörner am kopfe wackeln Körte
sprichw. 550. II@A@22)
subject ist der wind u. s. w.: eyn grosser wind gegen im stürmet
das summerteil der heyligen leben (1472) 69
c; wann so der wint stürmet, vnd die venster vnd die thür klöppern, so mage man nit wol gehören Joh. Tauler
sermones (1508) 42
c; die vier winde unter dem himel stürmeten widernander auf dem groszen meer
Dan. 7, 2; denn auch folgenden tag solcher grosser wind noch nicht ablies, sondern stürmete den gantzen tag C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 482
b; mit der lincken hielte sie das ... gewand an sich wider das stürmend anwähen der wind Fischart 3, 237
Hauffen; als ... gott der allmechtig ... einen wind in der springflut erweckt, der von nortwesten zu stürmen anfieng Stumpf
Schweizerchron. (1606) 277
b; dann ist er still worden geschwind gleich dem nicht stürmenden südwind
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 77; auf welchen (
berg) wind und ungewitter nicht weniger stürmen als auff diesen J. Prätorius
Blockesberg. verr. (1668) 73; da der herr das wütende meer und den stürmenden wind bedräuete J. G. Schmidt
gestr. rockenphilos. (1706) 2, 249; es stürmt kein rauher nord J. G. Neukirch
anfangsgründe (1724) 845; des mächtgen windes wehn, der von den Alpen stürmt J. G. Jacobi
s. w. 5, 11; wenn die sonne schien — oder auch der wind an die fenster stürmte (1792) Caroline 1, 101
Waitz; auf ihr winde des herbsts, auf; stürmt über die finstere haide! Göthe 37, 73
W.; an das fenster stürmt der nord Cl. Brentano
ges. schr. 1, 240;
vom windgott Äolus: die welt ist grosz genung. stürmt Äol dieser seiten, so lasz dein kluges schiff ihm nicht entgegenstreiten P. Fleming 1, 128
Lappenberg; bald aber fängt Äol von süden an zu stürmen Wieland 1, 104
akad. ausg. in gewählterem ausdruck oder in der verssprache an stelle des eigentlichen handlungsträgers der himmel, jahreszeiten u. s. f.: der himmel mag stürmen, mag hitzen und blitzen Zesen
verm. Helikon (1656) 1, 266; reisz fort, der himmel mag gleich stürmen oder regnen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 34; der himmel stürmte J. Grimm
in briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 280; itzt schlieszt uns der stürmende winter ins zimmer Sal. Geszner
schr. 1, 62; wie ein klarer abendhimmel nach stürmendem tage maler Müller 1, 352; die kalten, stürmenden tage des winters Cl. Brentano
ges. schr. 4, 12; in stürmender nacht Göthe 2, 137
W.; bildlich: dreihundert jahre konnten thürmen auf dieses volk der knechtschaft schmach; drum war es nur des märzes stürmen, als es der Franken kette brach G. Kinkel
ged. (1868) 2, 6. II@A@33)
sinnliche übertragungen. vornehmlich von dem heftigen ablauf, von der wirbelnden, dahinstürmenden bewegung einer elementarerscheinung: ein stürmender donner schleuderte mich ... in den ... abgrund
theater d. Dtsch. 1 (1768) 182; blitz und donner stürmt Adelung
umst. lehrgebäude 2, 372; in einem augenblick, da eben der regen heftig stürmte H. v. Kleist 2, 142
E. Schm.; gestern stürmte ein dichtes groszflockiges schneegestöber gegen mittag wohl eine stunde lang Göthe IV 33, 15
W.; schauet drausz die weiszen flocken, wie sie streichen hin und her, wie sie sich zusammen stocken, wie sie stürmen überquer! Harsdörffer
frauenzimmergesprächsp. 2, 248; wenn der wind am laden rasselt und die flocken drauszen stürmen Fr. Rückert 2, 90;
bildlich: aus meiner feder sol kein stürmendes gewitter auf dich zugebraust kommen Zesen
rosenmând (1651) a 9
a; als hier wild die waffendonner stürmten Tiedge
w. (1823) 2, 64.
vom sturmwind wird die tätigkeit auf das durch ihn aufgewühlte wasser übertragen; das meer, die see u. s. w.: der wahnsinnige zu Athen opferte aus eingebildetem eigenthum ... sein abgeschnidtenes haar dem stürmenden meer und winde Lohenstein
Arminius 1, 93
a; die wuth des stürmenden meeres Lessing 4, 348
L.-M.; in einem elenden kahn auf der stürmenden see S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 233; weil die stürmende see einen höhern poetischen reiz hat, als der ruhige hafen Gutzkow
ges. w. 11, 2; weit umher erzittert der himmel, der blaue Neptunus stürmt, die ... tiefen brausen J. J. Dusch
verm. krit. schr. (1758) 12; als oceane grimmig stürmten J. A. Schlegel
verm. ged. 1, 47;
welle und woge, flut, brandung: aber gegen das Capo Comorien (
ist) von den stürmenden wellen viel darvon abgespühlet worden Mandelslo
morgenl. reisebeschr. 103
Olearius; schäumet, ihr fluthen, stürmt, ihr wellen! Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 105; drauf wollt ich gehn an des flusses rand und sehn die stürmende welle Fr. Rückert 1, 443; mit stürmender woge gebar sie, ohne befruchtende liebe, den Pontos K. W. Solger
nachgel. schr. 2, 737; darum wünsche ich eine fluth, ... die stürmend seine (
des pfuhles) stelle ausfege
F. H. Jacobi
w. 5, 93; ruhig schlummerst du nun beim stilleren rauschen der urne, bis dich stürmende fluth wieder zu thaten erweckt Göthe 2, 123
W.; hört ihr jene brandung stürmen, die sich an den felsen bricht? Schiller 11, 337
G.; besonders ausgebildete übertragung: dasz der ... wettersee ... oft bei dem stillsten wetter, plötzlich stürmt Laistner
nebelsagen (1879) 258;
bildlich: auf das stürmende meer des unglaubens Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 48.
von feuer und blut: die tief entschlieszt sich und es thürmen sich ihre gluthen auf und stürmen J. A. Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 135; stürmendes feuer! lösche; wogensturz! weiche aus Adelung
mag. d. dt. spr. 2, 4, 103; höret ihn (
den zorn) schnauben! höret ihn brennenden rauch und stürmende funken sprühen! Herder 5, 70
S.; (
er) asz ein gut theil zuvor, ehe das fieber stürmte Paullini
zeitkürtzende erbaul. lust (1695) 134; als ich die bedeutung erfuhr, fing mein blut, das kurz vorher noch so friedlich durch die adern flosz, heftig zu stürmen an Börne
ges. schr. 9, 48.
auch von akustischen vorgängen: du warest, jüngling, in ihrem (
der musik) dunkeln hörsaale; sie klagte, sie seufzete, sie stürmte, sie jauchzte Herder 4, 162
S.; in dem ... schauspielhause stürmte vielleicht eben ein vielhundertstimmiges da capo Gutzkow
ges. w. 11, 208; laute seufzer stürmen, thränen stürzen heisz Kretschmann
s. w. 5, 3 II@A@44)
gelegentlich mit causativer bedeutung wie '
sturm im wasser erregen': den fisch, der ströme bläst und mit dem schwanze stürmet Haller 4
Bächtold; diese allerdings ungewöhnliche verwendung forderte sofort die kritik v. Schönaichs
heraus, der voll unverstandes gereizt fragte: mit dem schwanze stürmen: ein artig gewehr! was bestürmet er denn?
ästhetik (1754) 57. II@A@55)
selten ist transitiver gebrauch, meist in gehobener und dichterischer sprache; bildlich: dasz oft der christen schaar, wie gar nicht nütze spreue wird vom verfolgungsnord gestürmet aus dem land? A. Gryphius
ged. 96
Palm; ein erzörneter himmel, der mit gefärlichen haus- und hofanzündenden wetterstrahlen um sich schläget, berge, wälder, äkker und die schiffe im mer über einen hauffen stürmet Butschky
Pathmos (1677) 731; so stürmet der wind die blätter des hayns im herbste mit sich Denis
lieder Sineds (1772) 110; (
Menelaos) ward nach Kypros vorher, nach Fönike gestürmt (
verschlagen) und Aigyptos J. H. Voss
Odyssee 56
Bernays; im dunkel wogenden meere thürmt sich ein glatter fels den drängenden fluten entgegen, die der gewaltige süd an das linke gebirge vor Faistos stürmt
ebda 44; der revisor fürchtet, dasz ihm ... der wind den hut vom kopfe stürme Holtei
erz. schr. 26, 169;
weiterführend: das weiszschäumigte meer stürmt umsonst die warnung: bleib zurück! Gerstenberg
schleswig. litbr. 172
lit. denkm.; ihr tannen, neiget euch vor gott! ihr winde, stürmet sein geboth! Löwen
schr. (1765) 2, 15; die seele des weisen lächelt, und der körper des narren stürmt im gelächter Möser 1, 86; durch was für wege er den allgemeinen ruhm erwarb, die heldenpoesie bis zur höchsten stärke des schlachtgesanges hinauf gestürmt zu haben Herder 2, 82
S.; in hohes saitenspiel (
hat der tote sänger) begeisterung gestürmet Eschenburg
beispielsammlg. 4, 74; (
ich) stürm aus meiner harfe jubelnd leben Hölderlin 1, 39
Litzmann. II@BB.
ähnlich sturm II C
ist auch das verb im uneigentlichen sinne sehr entwickelt, vereinzelt schon im ahd., vgl. wanda doh nu in dinemo herzen sturment manege ungedulte (
sed quoniam incubuit tibi plurimus tumultus affectuum) Notker 1, 43
Piper. in der hauptsache datiert der gebrauch seit dem 18.
jh., meist von seelischen vorgängen. II@B@11)
unpersönlich gebraucht, es stürmt in ihm, in seiner brust
u. dgl.: als es noch stürmt in ihm Bürger 188
Bohtz: alles stürmte in ihm A. v. Arnim 10, 132; in mir stürmt es und braust es Bauernfeld
ges. schr. 4, 114; denn sie müssen nicht glauben, dasz es nur bei ihm auf der oberfläche stürmt H. P. Sturz
schr. 1, 15; man soll ... ein äuszeres gleichgewicht halten, innerlich mag es stürmen wie es will Göthe 22, 250
W.; o consul, könntest du mein innres sehen! wie es da wogt und stürmt und brausend gärt Collin
Regulus (1802) 129; der kleine kaiser ist von auszen still, doch ihm im herzen wühlt es, tobts und stürmets
Z. Werner
Luther (1807) 52; mahnen aber zuletzt die geister zu gewaltig, stürmt es doch in der brust, so haben die lehrer der kirche ... dafür gesorgt, den sinn zu heiligen Gutzkow
zauberer 3, 163; mags in der brust stürmen und wogen G. Keller
ges. w. 2, 131; wenns hier im busen stürmt maler Müller
w. (1811) 1, 219; ich soll erzählen! murmelte er und fuhr mit der rechten über die stirn, sie war heisz; es stürmte drin Scheffel
ges. w. 2, 124. II@B@22)
mit abstractem subject. von leidenschaften u. s. f.: auch ihre leidenschaften stürmen nicht immer Th. Abbt
verm. w. 6, 1, 148; er ist aufbrausend, heftig, ein beständiger wetterhahn seiner stürmenden leidenschaften Knigge
roman m. lebens (1781) 4, 129; (
nachdem er) seine stürmende leidenschaft ausgetobt hatte Musäus
volksmärchen 1, 19
Hempel; oft haben stürmende affekte den weichen zwirn herumgezerrt Schiller 1, 235
G.; dich, mit dem stürmenden drange, hohes zu denken und zu thun Gutzkow
ges. w. 2, 393; hier warst in stillem frieden du von gottes arm beschirmet; nun ziehest du dem meere zu, wo wild das laster stürmet J.
M. Miller
ged. (1783) 299; man denke nicht, dasz die kunst des menschen mit stürmender willkühr einen fremden erdtheil sogleich zu einem Europa umschaffen könne Herder 13, 286
S.; den ruhigen naturtrieb in stürmende begierde verwandeln Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 129.
von gedanken: (
Satan) senkte zuerst empfundene gedanken, voll feuer und in die seele (
des Judas) stürmend, Klopstock
Messias 3.
ges., v. 567; alsdann stürmt der gedanke in mir empor, dasz es edel sei, fechtend fürs vaterland zu sterben Th. Abbt
verm. w. 6, 2, 99; wild stürmten ihm die gedanken durch die seele G. Freytag
ges. w. 9, 75; Hagedorn fragte, ob wir nicht des in uns stürmenden witzes, der nur zu oft das herz leer lasse, ... überdrüssig werden sollten K. Justi
Winckelmann (1866) 1, 402.
vom gefühl: wenigstens in den park wollte sie gehen und mit einer wanderung durch die baumgänge die stürmenden gefühle ihrer brust beschwichtigen Gutzkow
zauberer 2, 228; trotz jedem ausland stürmet begeisterung in deutschen seelen Hölty 85
Halm; eine stürmende sehnsucht drängte mich zu ihr hin L. Tieck
schr. 14, 116; sehnsucht, wut der trennung, glühend verlangen und daraufgegossener hohn stürmten in ihm Scheffel
ges. w. 2, 131; voll stürmenden entzückens Fouqué
altsächs. bildersaal 4, 430; stürmend und ungestüm zittert die freude durch mein gebein dahin! Klopstock
oden (1889) 1, 26; in stürmender freude Bettine
Göthes briefw. mit einem kinde (1835) 2, 220; durch deine adern stürmte lieb und hasz in toller flucht, wie ein gespensterheer!
F. Bach
ged. (1900) 81; sein gesicht zeigte heiterkeit, während dasz schmerz und wuth in seinem busen stürmten Schiller 8, 142
G. der geist stürmt: wer über die zwey perioden des lebens, den der jugend, der der noch reine und kühne geist durch das herz stürmt, ... ganz ruhig nachsinnt
F. M. Klinger
w. 11, 337; vor freude stürmt mein geist Mörike
w. 3, 122
Göschen; in eine andere strömung des stürmenden weltgeistes Gutzkow
ges. w. 4, 353; der stürmende geist der geschichte 12, 112.
schicksal, unglück: doch stürme nur, geschick, weil du so grausam bist v. Cronegk
schr. (1766) 2, 8; wenn sonst eitel unglück stürmt v. Canitz
ged. (1727) 31; höre dein unglück von ferne schon stürmen Schwabe
belustigungen des witzes u. verst. (1741) 1, 537. IIIIII.
eine nicht anknüpfbare sonderentwicklung stellt, falls sie überhaupt zu diesem wort gehört, die bedeutung '
aufkrempeln'
dar; schwäbisch: sturmbt er seine ermel hunder sich
zimm. chron. 2, 525;
auch modern, z. b.: der ist gestürmt
hat die hemdärmel aufgestülpt Fischer 5, 1932.