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stürmen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stürmen vb.

Bd. 20, Sp. 610
stürmen, vb. herkunft und form. als j-ableitung von sturm gebildet; schon in ahd. glossen und bei Notker bezeugt; wie das grundwort auch in den anderen west- und nordgerman. sprachen seit alters vorhanden: ags. styrman, anord. styrma. neben der regelrecht umgelauteten form erscheint auch umlautloses sturmen; dies scheint weniger erneute, jüngere ableitung vom grundwort sturm zu sein als alte im umlaut gehinderte form; auch im mnl. wie mnd. gibt es schon früh stormen, das dann auf die modernen nord. sprachen eingewirkt hat:n. storme, schwed. storma. bedeutung und gebrauch. II. bedeutungen im sinne von sturm I (s. oben sp. 576). I@AA. kriegerisch, 'anrennen', gegen den (meist verschanzten, befestigten) feind, gegen eine festung u. s. f. I@A@11) absolut: und hîz sturmen sîn here Straszb. Alexander 1238; wellen aber lâzen sturmen wir Ludw. kreuzf. 3787; wan sie sich teileten, zu stürmen oder zu streiten Wigand v. Gerstenberg chron. 5 Diemar; und do puten sie im, das er dann chäm und stürmett, so wolten sie weychen ab der mauer und das er dann die stat gewünne Schiltberger reisebuch 10 lit. ver.; und alles volck, das mit Joab war, stürmet und wolt die mauren niderwerffen 2. Sam. 20, 15; den bauern war zu stürmen gach v. Erlach volkslieder 2, 219; wolt gern, das ir bey dem lermen selb personlich erschinen und stürmen het helffen Lindener katzipori 62 lit. ver.; der den grossen ... Hannibalem wolte schlahen und stürmen leren Mathesius Sarepta (1571) 3a; vnd störmeten den gantzen tag M. C. Schütz hist. rer. pruss. (1592) buch 5, g 2a; wiewol der feind thet hefftig stürmen Spreng Ilias (1610) 119; unser graf ... drohete zu stürmen Grimmelshausen Simplic. 230 ndr.; Suleiman ... belägerte die stadt ... 23 tage lang, inner welcher zeit er siebenmal vergeblich gestürmet S. v. Birken d. verm. Donaustrand (1684) 45; er stürmt und siegt, und Ryssel weicht! Gottsched ged. (1751) 1, 21; verzweifelnd endlich will der könig stürmen, zur schlachtbank reiszt er seine völker hin Schiller 12, 115 G.; so lasz die feinde stürmen A. v. Arnim 22, 46; der Steuber hat mir von Luxemburg geschrieben ... nach neuern nachrichten haben sie gestürmt, auch drei thore gehabt, aber wieder zurück gemuszt (1814) Wilh. Grimm an Jacob 261 Grimm-Hinrichs; am berge stürmen grenadier und sinken fechtend nieder Schneckenburger deutsche lieder (1870) 37; bildlich; vom teufel: wo der tüfel den glouben nit fälschen mag, da kummt er mit glychsnery harfür ziehen und stürmt stark H. Zwingli dtsche schr. 1, 319; wie kan ein christ tantzen, so jnen teglich die welt von Christo abschreckt, der teufel wie ein pröllender löwe mit aller macht vnd boszheit, on vnderlasz anlauffet, stürmet vnd stürtzt? M. Ambach vom tantzen (1543) 63a; vom minnespiel: kämpfen, stürmen und strîten fastn. 743, 11 Keller. uneigentlich: bald aber ... haben die gelehrten auch in dieser materi anfangen zu stürmen und bücher schreiben, dasz ein chronologia uber die ander auszgangen Röslin prodromus (1612) 19; wenn der vers, der sätz auf sätze thürmt, die sinnen übertäubt und mit begriffen stürmt J. E. Schlegel werke 4, 127. I@A@22) formelhaft geworden ist die wendung mit stürmender hand, im 17. jh. daneben auch der erstarrte genetiv stürmender hand. seit dem 16. jh. belegt (vgl. teil 4, 2, 337): in welchen landen er ettliche stett mit stürmender hand gewonnen hat m. maj. glück und sieg wider den herzog von Cleven (1543) 2a; ist derwegen damals die stadt Corinthus von den Römern mit gewalt und stürmender hand eingenommen M. Dreszler isagoge histor. (1600) 184; verordnet er ... die statt auff der andern seyten, vom landt her, mit stürmender handt anzugreiffen Kirchhof militaris disciplina (1602) 14; hiedurch ... kamen die königl. schwedische und hessische ... stürmender hand so bald hinein v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 269; in denen städten, so mit stürmender hand erlanget Riemer pol. maulaffe (1679) 278; bisz endlich ... könig Huhansien ... sich der stadt stürmender hand bemächtigte Lohenstein Arminius 1, 624a (aber 1, 185b: mit stürmender hand); diese stadt Malacca hat vor diesem den Portugiesen zugehöret, aber damahls vor 8 jahren von den Holländern mit stürmender hand (von 700 mann) auszgetrieben ... worden J. Andersen orient. reisebeschr. (1696) 80a Olearius; Astakus ... eroberten sie ebenfals mit stürmender hand Heilmann gesch. d. peloponn. krieges (1760) 208; dasz die wälle in kurzem zu grund gerichtet und mit stürmender hand erstiegen wurden Schiller 9, 54 G.; der general Bouillé ... muszte in die festung mit stürmender hand eindringen Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 338; platz und schatz mit stürmender hand zu nehmen Scheffel ges. w. 1, 140; die stadt ist erstiegen mit stürmenden handen Ditfurth volkslieder d. bair. heeres 42; für jedes mit stürmender hand genommene geschütz v. Alten hdb. 3, 207; bildlich: es haben einige mit stürmender hand die miszbräuche der rechtschreibung reformiren wollen Frisch Bödikers grunds. d. teutsch. spr. 80; dasz sie ... die überfarth über den Cozith gleichsam mit stürmender hand geschehen lassen Göthe IV 7, 168 W.; gelegentlich auch mit stürmender faust: du hast dir die vorzüge des dritten grades wie mit stürmender faust erobert ders. I 17, 187. I@A@33) mit accusativobject. kriegerisch: der so gewelteclichesturmet unser porten hie erlösung 5038; die vyend unser muren ze sturmen understond Riederer spiegel d. waren rhetorik (1493) f 1b; sy ... stormeten dy stad an vier enden Stolle thüring. chron. 25 lit. ver.; (sie) sturmten den kirchoff zu Puchenbach bei Pruck städtechroniken (Nürnberg) 2, 157; stürmbt ... stett, schlösser und burgen N. Manuel totentanz, str. 47 Bächtold; (sie) stürmpten unser näue Schaidenreiszer Odyssea (1537) 35b; das römisch heer zu stürmen pflag Jerusalem, die groszen stat H. Sachs 1, 321 Keller; einmal, wie wir Pest haben gestürmet V. Schumann nachtbüchlein 321 lit. ver.; es schien, als ob man einen stählernen igel zu stürmen hätte Lohenstein Arminius 2, 252b; Hector stürmt das lager der Griechen Ramler einl. in d. schönen wissensch. (1758) 2, 176; doch stürmeten wir Deutsche die schanzen voll muth Schubart sämtl. ged. (1825) 3, 86; preuszische infanterie stürmte und erstürmte das dorf Scherr Blücher 3, 264; er will andeuten, ... dasz ein gewisser Halberstädter ... auch St. Privat allerpersönlichst gestürmt hat Fontane I 5, 161; wir müssen den Kemmelberg stürmen Hindenburg aus meinem leben 324; mit einem persönlichen object: es wer dan, dasz man die, so darinnen weren, sturmen oder nöten wolt Knebel chron. v. Kaisheim 288; (weisung an den befehlshaber einer burg) auch wann man dich sturmpt an einem ende, so sich ie an andern enden zue uf das, das sie an eime andern ende nit anders wasz beginnent ... darnach besich, wie sie dich stürmen wöllent (15. jh.) mittelalterl. hausbuch (1866) 37; einen sturm stürmen: in dem zoch der von Chordis ... fur Neubert, schosz die stat auf den grund hinweg, stürmet zwen stürmb auf einander Wilwolt v. Schaumburg 89 lit. ver. dann auch über den bereich des kriegerischen hinausgreifend, von aufrührerischen acten, streichen u. s. w.: dann ers soweit bracht het, das man alle klöster und kirchen gestürmbt J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 128a; zu Breszlaw erhub sich auch eine blutige aufruhr, dann der gemeine mann ... stürmete ... das rathausz H. Rätel Joachimi Curäi chron. d. herzogthums Schlesien (1607) 124; also wird der knecht nur böser und toller, und stürmet dem herrn das haus Jak. Böhme schr. (1620) 4, 157; ist es auch denn ein so groszer sieg, eure eigene herberg zu stürmen? Stranitzky ollapatrida 271 Wiener ndr.; die Passauer studenten stürmten das mauthhaus Fr. Nicolai reise 2, 470; doch die muthigen studenten springen jubelnd zum theater, stürmen die papiernen felsen, niederreiszend rings die lumpen Cl. Brentano 3, 186; (das volk) fing in seinem übermuth an, mehrere bäckerläden zu stürmen und zu plündern Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 8, 10; und das sag ich: stirmen se Dittrichens gebäude — ick bin de erschte G. Hauptmann die weber (1892) 105; von tieren: wölff stürmen die pferrich Sebiz feldbau (1579) 618; man hat beispiele, dasz störche ... die nester anderer stürmen J. A. Neumann naturgesch. d. vögel 9, 254. oft bildlich: alda sint verwyser, gelychsner, liebkoser, goughler, sprecher und spillüte, die sich flyssent das schloss und die burg der jugend zestürmen und zegewinnen N. v. Wyle translationen 212 lit. ver.; oft, um ihn zu ergötzen, wird die natur bekriegt, der bange wald gestürmt, das wild in angst gesetzet Dusch verm. w. (1704) 226; ohneracht der gewaltige gott mit seinen donner und wetter gleichsam den erdboden beschiesset und stürmet J. G. Schmidt d. gestriegelte rockenphilos. (1706) 1, 95; es stürmte deine wuth der landesväter thronen Gleim briefw. 1, 51 Körte; als die freiheitsjugend der 70er jahre den ganzen bau untergrub und stürmte Gervinus gesch. d. dtsch. dichtg. (1853) 4, 83; die immerfort bekehrenden, die burgen des katholizismus stürmenden schüler Farels L. Ranke s. w. 8, 122; mit immer blasserem bildgehalt: wir hond das stark wort gottes an unser syten ston, das sy nit stürmen mögend mit allem irem züg Zwingli dtsche schr. 1, 278; man kan nicht lugen mit lugen stürmen S. Franck chronica zeytbuch (1531) 365a; viel besser ist vor mich nur gar davon geblieben als dasz ich stürmen soll die hochbeschworne pflicht J. Riemer polit. stockfisch 42; mit unpersönlichem subject: wenn die rechten groszen stösze kumen, die das hertz treffen und sturmen Luther 32, 313 W.; wer unschützig mit jhme (dem wein) umgehet, so kehrt er das letzt herfür, und stürmt den kopff, leib, händ und füsz Lehman floril. polit. (1662) 2, 896; die liebe stürmte mich und stöhrte mir mein leben, da die philosophie mich wie ein wall umgeben H. G. Koch sammlg. v. schausp. (1764) 1, 102; elementarisch: wenn man den starcken nord die dächer stürmen hört J. Chr. Günther ged. (1735) 597; die brandung stürmt die burg des felsenstrandes W. Müller ged. (1906) 273. I@A@44) hier sind einige wendungen fest geworden. I@A@4@aa) bilder stürmen, seit der reformation vom ansturm gegen das katholische heiligenbilderwesen: der teufel ... richt so vil rottengeister an, der schwermet also, ain ander styrmbt die bild, der drit den tauf Luther 18, 153 W.; (gegen Karlstadts 'kunst', griechische worte zugunsten seiner thesen falsch zu deuten) solche kunst hat nie keyn Krieche ersehen, die doch ynn der sprache geporn sind von Christus zeyt her. aber itzt ist sie zu Orlamünde funden, villeicht ynn eym allten bilde, da sie bilder stürmeten ebda 18, 153; sie hett seinen cörper zuo pulver brent, darumb das er bilder gestürmpt vnd abgerissen hett Seb. Franck chronic. Germaniae (1538) 69a; der wirdigern götzenbilder, daran si mehr glauben hetten, hab ich von jren örtern gestürmet, unnd hab si die stiegen hinein geworffen Betuleius Hispanien (1550) 21b; ein hitziger neuling ... der hette die altar einreiszen vnnd bilder stürmen heiszen Mathesius Sarepta (1571) 133a; haben auch mit der that alle bilder brechen, stürmen vnd abwerffen lassen Fischart binenkorb (1588) 36; diser keyser trat in die fuoszstapffen seines vatters, stürmet die bilder vnnd warff sie ausz den tempeln Stumpf Schweizerchron. (1606) 223b; ist es (das bild in der kirche) deszwegen zu stürmen, dieweil es in der höhe auffgericht da stehet Dannhawer catechismusmilch (1657) 1, 193. weiter greift die bedeutung in den zusammensetzungen bilderstürmer, bilderstürmerei, im sinne eines unvernünftigen und planlosen eiferns gegen gegnerische symbole. I@A@4@bb) durch den humanismus des 16. jhs. wurde die von dem Titanenkampf der antiken mythologie stammende wendung den himmel stürmen auch in christlich-theologischen und geistlichen schriften heimisch, besonders im umkreis der reformation: darnach faren sie daher mitt dem freyen willen und naturlichen wercken unnd wollen sich damit tzur gnade bereytten unnd geschickt machen, schlechts den hymell sturmenn Luther 10, 1, 1, 469 W.; vgl. auch 8, 5; der won, als sey die regel (der Franziskaner) euangelisch unnd gottes himel werde dardurch verdient und gestürmbt Eberlin v. Günzburg 3, 68 ndr.; wy mosten unsz an wercke pryszenn und stormen szo den hemmell hoech B. Waldis verlor. sohn 8 ndr.; er eins woll mit ganzer macht den himel stürmen und nemen ein Dedekind christl. ritter (1580) g 5a; durchs gebet stürmt man gott seinen himmel Petri d. Teutschen weisheit 1, b 6b; doch taucht auch das antike bild immer wieder bei den dichtern auf: der ein die stiegen auff mit gewalt thut lauffen, von gott den himmel will verdien und kauffen, felt ubern hauffen, gott thut in also fiermen wie d risen, so den himmel wolten stürmen Th. Höck blumenfeld 27 ndr.; die geschicht von der engel fall ist nit ungleich der fabel von den risen, welche den himmel stürmen wollen Harsdörffer teutsch. secretarius 2, 221; o diese männer! jeder einzelne ist ein Prometheus, der den himmel stürmen möchte! Spielhagen 1, 493; in ähnlicher anwendung: die götterlein der liebe haben den himmel gestürmt G. Voigtländer oden und lieder (1642) 46; und mochten die Gothen und Franken den himmel stürmen M. I. Schmidt gesch. d. Dtsch. (1778) 1, 120; du, du willst den himmel stürmen? Hölderlin 2, 102 Litzmann; uneigentlich: heist diese kühnheit nicht den himmel stürmen wollen? B. Neukirch in Hoffmannswaldau u. and. Deutschen auserl. ged. 1, 271; die vernunfft, so sie den himmel stürmt Chr. Warnecke poet. versuch (1704) 408; es menge der karthaunen knall in berstender racketen schall, als wollt er gar den himmel stürmen Gottsched ged. (1751) 1, 79; so ward verhöhnt mein loderndes verlangen, gestürmt mein himmel, der da hing voll geigen Strachwitz ged. (1850) 154. daneben auch die hölle stürmen. das bild stammt aus dem altchristlichen dogma, nach dem Christus die hölle eroberte und die seelen der patriarchen befreite; doch ist die anwendung zumeist allgemeinerer art: inn der osternacht stürmet man die helle Mathesius w. 4, 20 Lösche; (dasz man) die hell wil stürmen zäuberisch Fischart 2, 453 Hauffen; ein bösz weib liesse sich gebrauchen, wenn man die helle wolt stürmen Petri d. Teutschen weisheit 2, t 1a; kinder, welche die welt bezwingen, die hölle stürmen A. Gryphius (1698) 1, 789; weistu nicht, das Jacob ... den herrn zweymal erzeugt, der stürmen soll die höll, der nach seim tod soll leben Treuer dtsch. Dädalus (1675) 1, 283; so hoch sitzt der (Herkules), der löwen zwingt, der riesen dämpft, die hölle stürmet Lohenstein Sophonisbe (1689) 76. analoge wendungen: jener wollt die sonne und mond stürmen Lehman floril. polit. (1662) 1, 34; sein schelten stürmt der sterne haus Lichtwer äsop. fabeln 43; den sitz der gottheit zu stürmen E. v. Kleist frühl. v. 417; wenn man in manchmal hört, so glaubt man, sie wollten die ganze welt stürmen Gottl. Stephanie d. j. sämtl. lustsp. (1771) 123; da wird einem tüchtigen kerl beherzt zu muthe, und er möchte die welt stürmen! Holtei erz. schr. 5, 214; als gälts, den kern der erde zu stürmen O. Ludwig ges. schr. 2, 24. I@A@55) mit einem präpositionalen object; vielfach schon im übergang zur bedeutung 'eilen, vorwärtsstürzen' (s. u. I C): an eine stat stürmen bei K. R. Roth dichtungen d. dtsch. mittelalt. 106, 47; ze stürmen an die vest Konrad v. Megenberg buch der natur 467; wenn die figent kummen, und noch kum eyn und an das schloss gestürmt haben, stracks gibt er das schlosz den vigenden uff Keisersberg bilgerschaft (1512) 30a; da keret sich das schiff umb ... und stirmt von im selber an das andere schiff sumerteil der heyligen leben (1472) 18a; wer wider die berg stürmet, der gewinnt nichts Lehman floril. polit. 2, 910; nun laszt uns auf das lager der feinde stürmen Klinger 1, 293; als Attila die stadt belegt hatte und auf ihre mauern stürmte E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 64; sie ... stürmten gegen des königs burg Simrock dtsche volksbücher 1, 39; mit persönlichem object: so feiert der teufel auch nicht, wider Christum und seine angehörigen zu streitten, stürmen M. Ambach vom tantzen (1543) a 2a; so wird ein ieder stein, womit man nach uns stürmet, ein klapff am himmel seyn Logau sämtl. sinnged. 189 Eitner; Hektor, mit einem steine, stürmt auf Teukros Göthe I 41, 1, 283 W.; und auf den feind gerad an stürmen wir Schiller 13, 213 G.; ob vielleicht nicht erst ein anderer haufen der Griechen vorwärts rückt', auf die Troer stürmt' Bürger 217 Bohtz; lange schilde, unter deren schutz seine krieger gegen ihre feinde stürmten O. Peschel völkerkunde (1874) 201; wenn alle Italiener zusammen gegen uns stürmen, diesen hafen dürfen sie niemals in die hände bekommen Lagarde dtsche schr. 36; bildlich: gar bald zu stürmen wir begunden den weibern under d peltz daher Fischart flöhhatz 11 ndr.; zu einem münch ..., der etwas scharfer dann ander wider in mit stürmen tett, sprach er Ä. Tschudi chronicon Helveticum 2, 60; verblaszt: solcher christen find man noch vil, die recht glauben, schwygen doch still und lassen die gelehrten schwürmen, wider das rein wort gottes stürmen H. Sachs 17, 386 lit. ver.; die bischof und prelaten all wollen iez mit reichem schall das wort gottes helfen beschirmen und wider den unglauben stürmen R. v. Liliencron hist. volksl. 4, 4; er sang lebendig, und stürmte also in den kurzen augenblicken lebendiger stimme auf herz und ohr Herder 5, 324 S.; (die pfaffen) stürmen wider den geiz und haben Peru um goldner spangen willen entvölkert Schiller 2, 104 G.; der starke unterwirft sich auch ergeben (dem schicksal), der schwache stürmt mit klagen darwider A. Stifter s. w. 3, 6; mit unpersönlichem subject: gottes wort donnert und blitzet und sturmet widder grosse mechtige berge Luther 32, 399 W. (unter einflusz von u. II); wenn die wiederwertigkeit auf ihn wil stürmen G. Neumark poet. lustwäldchen (1652) 92; es stürmt das ungemach auf mich von allen seiten J. v. Besser schr. (1732) 1, 305; ihr seyd die mauern, die uns schützen, wenn nacht und frevel auf uns stürmt Drollinger ged. 8; es haben seit einem halben jahre dringende schulden auf mich gestürmt, dasz ich alle mühe gehabt habe, meinen guten namen zu erhalten Lessing 18, 28 L.-M.; wenn ich mein mädchen vor einem üblen ruf zittern mache, so stürmen eine menge von begriffen und folgen auf ihre seele J. Möser 2, 305; eine kräftige anschauung geben naturbilder: wie hertelich daz ungemach stormete an den grôzen kiel passional 48, 65 Köpke; hier stürmt gegen den fusz der überhangenden klippen hochaufbrausend die woge der bläulichen Amfitrite J. H. Voss Odyssee 218 Bernays; am 21. oktober des jahres 1845 stürmte das meer noch einmal mit wilder gewalt gegen die küsten, aber seine macht war vergeblich H. Allmers marschenb. 51. I@BB. stürmen kann auch die perfectivische bedeutung 'erstürmen, erobern' annehmen; bis zum 19. jh.: zum ersten will ich das hausz stürmen Boltz Terenz (1539) 50b (im original: expugnabo); da man die statt Thebas gestürmet hat Eppendorf Plinius (1543) 75; Cyrus hat all sein volck erschlagn, Sardis gestürmbt vnd durchgangen Schmeltzl Samuel u. Saul 12 ndr.; man möcht uns stürmen vnser schloss, so stünden wir mit schanden bloss B. Krüger action v. d. anfang u. ende d. welt (1580) b 7a; auf welche klage denn hierüber ein grosses aufstehen der bauren worden, welche das kloster gestürmet, und darnach hin und wieder greulich geraset haben J. Prätorius winterflucht (1678) 251; schützen und schwer geschosz stürmen es (England) nicht Schenkendorf gedichte (1815) 29; schwerer kann man begreifen, wie die Dorier jene ... mauerwerke stürmten K. O. Müller die Dorier (1824) 1, 77; mit höchster tapferkeit haben sie die heilige stadt gestürmt Hegel w. 15, 202; ich habe mir heut erzählen lassen, wie dieses schlosz vor 3 jahren von den insurgenten gestürmt wurde Bismarck briefe an seine braut u. gattin 346; nun soll es 'barbarisch' sein, Paris zu nehmen, während es ohne zweifel eine ausbreitung der civilisation gewesen wäre, wenn die Turkos Berlin gestürmt hätten! A. Ruge briefw. u. tagebücher (1870) 2, 356; man stürmte die miszliebigen gärten, die paläste, plünderte und steckte sie an H. Grimm Michelangelo (1900) 1, 25. 'stürmisch wegnehmen': (se) söpen den pastoren und anderen lüden öhr beer uth, stormeden dat speck van den wihmen, thohuwen idt, und wurpent den hunden vor (1554) Renner brem. chron. (nach brem.-ns. wb. 4, 1050). I@CC. aus dem element des raschen laufes beim militärischen stürmen entwickelte sich schlieszlich ganz allgemein die bedeutung 'eilen, vorwärtsstürzen'; beim sprachträger trat vielfach der gedanke hinzu, dasz man rasch vorwärts eile wie der sturmwind (vgl. II), und so verschwand die militärische anknüpfung ganz aus dem sinn; oft mit erweiterungen, die das richtungsziel andeuten. I@C@11) sy ... aber ... sturmptend eynmütigelich zuo jm eyn die gantze bibel verteutscht (Zürich 1531) 253a; und disz haben sie die frommen landsknecht gelehret, die nur gleich auff der gart unten inn die keller nach dem wein stürmen Fischart Gargantua 205 ndr.; andere ... stürmeten mit steinen, brüglen und knüttlen nach den fenstern Moscherosch gesichte (1650) 1, 427; es kommen mehr pursche darzu, stürmen auff die wache, und machen die gefangenen mit gewalt losz Schoch com. v. stud.-leben (1657) k 1b; Nero ... als ein unsinniger ... zu ihr in dieses begräbnis hinein stürmte Anton Ulrich v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 780; zugleich aber stürmete printz Uherandi ... mit drey tausend mann auff den platz Ziegler asiat. Banise (1689) 637; einmal stürmte er auf den sultan ... zu Haller Usong (1771) 62; so stürmt aus der düstersten gewitterwolke ein geharnischter ritter auf einem abenteuerlichen feuerspeienden löwen hervor Göthe IV 35, 302 W.; sie brachen ein, und alle stürmten sie auf den einen, in welchem sie ihres verlustes ersetzung sahen Lessing 2, 360 L.-M.; und stürmend drängt sich zum prytanen das volk Schiller 11, 242 G. bleib! bleib! wohin stürmst du? Schiller 3, 457 G.; daher stürmten Aristodymos und Kleonnys F. M. Klinger n. theater (1790) 1, 95; also wüthig stürmen mit stäben und steinen bewaffnet die knaben maler Müller werke (1811) 1, 137; dann stürmt er ... hinter Paris her Bürger 155 Bohtz; Frundsberg wurde hier durch drei männer unterbrochen, die in das zelt stürmten W. Hauff sämtl. w. 1, 346; es war ihm, als müszte Angiolina gestürmt kommen und selbst ihren hut holen K. Gutzkow zauberer von Rom 7, 189; gerührt sprach er zum kämpen, der itzt gestürmet kam Scheffel 2, 186; arm in arm stürmte ich mit den gesunden bauerssöhnen über die strasze G. Keller 1, 403; plötzlich aber reiszt er das rosz mit sich herum und stürmt landeinwärts H. Brunn kl. schr. 3, 53; jetzt sah man unter diesen ruhigen bürgern ... söldner in kriegstracht stürmen Ranke sämtl. w. 42, 203; alle stürmen in der absicht zu demoliren auf die salonthüre zu G. Hauptmann die weber (1892) 90; im bild: vom mädchen reiszt sich stolz der knabe, er stürmt ins leben wild hinaus Schiller 11, 307 G.; alle diese jünglinge stürmen schon in sie (die zukunft) hinein, als könnten sie dieselbe gar nicht erwarten A. Stifter 3, 261; mit vertauschtem subject: stürmenden schwungs entflog sie den felsenhöhn des Olympos J. H. Voss Odyssee 1. ges., v. 102; stürmenden sprungs Droysen Äschylus 3136. von tieren: ein grOessú schar michels geflúgels kemi fúr sin celle stúrmend Seuse 370 Bihlmeyer; wie dunkler raben schaar an hochgerichten, stürmt her der rüden menge, wüthig wild A. v. Droste-Hülshoff werke (1879) 2, 214; und wie es (das pferd) stürmte hinab, hinauf, gehetzt vom stachel der ferse v. Strachwitz ged. (1850) 13; besonders von fluginsekten, 'herumschwärmen'; seit dem mhd.: ûf der planîe grüene wart von in ein gestürme als ob die binenwürme sturmten umbe ein honicvaz Konrad v. Würzburg turnier v. Nantes 843; vor anderm aber hatten sie (die bienen) allen zugang der menschen, und zuvor deren, die nach wein und salben riechen, und diese stürmen sie am allermeysten M. Herr feldbau (1551) 180a; vgl.stürme 'schwärmen', von fluginsekten Martin-Lienhart 2, 614. I@C@22) beliebt ist übertragung auf naturvorgänge: zu zeiten pflegt sie (die see) sich mit wellen zu erheben, zu stürmen in die lufft M. Opitz opera (1690) 3, 284; und wie ein strom, geschwellt von regengüssen, aus seines ufers bette heulend stürmt H. v. Kleist 4, 38 Schm.; die Mosel hört beschämt des Rheins gerechtes wort, und stürmet ungezähmt Cl. Brentano 1, 411; so wild das wasser stürmt und rauschet A. v. Droste-Hülshoff werke (1878) 2, 92; I@C@33) uneigentlich, mit unpersönlichem subject: den glänzenden schild durchfuhr die stürmende lanze Bürger 211 Bohtz; tief in die leber ihm bohrte der stürmende pfeil J. H. Voss Odyssee 22. ges., v. 83; abstract: ein grosz gepolter und geräusch, so mir aus einem hause ... in die ohren stürmete Lindenborn Diogenes (1742) 1, 38; mit einem jubelgeschrei, worein die musik stürmete Holston und Augusta (1780) 298; die menge der regungen, die in sein herze styrmten sezt ihn ganz auszer sich Wieland werke 1, 371 akad.-ausg.; abgesetzt oder ununterbrochen flieszen oder stürmen ihre reden wie ein strom daher Herder 22, 145 S.; drum stürmt sein ruhm in die himmel, und überhüpft das grab Kretschmann s. w. 1, 117; wenn hier Mollys guter geist zu siegen schien, so stürmte Sophiens liebe zu ihm J. J. Bode Tom Jones 2, 228; ein solch gebild stürmt oft in seine träume Göthe 11, 353 W.; dieselbe kraft des geistes, dort in sich gekehrt, brach hier unaufhaltsam hervor und stürmte zum ziele J. G. Forster sämtl. schr. 6, 212; so zwischen ungastlichen ufern stürmt von ihren lippen dein heilig wort Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 285. I@C@44) besondere wendungen. I@C@4@aα) auf (in) jemanden stürmen in ihn dringen, auf ihn einstürmen, um ihn zu etwas zu veranlassen; erst seit dem 18. jh. zu verzeichnen; seinen ausgang nimmt die redensart offenbar von stürmen I E 1: und alle stürmten fast mit liebkosungen auf mich, dasz ich die bitte der Aspasia erfüllen sollte Heinse 3, 115; eltern und bräutigam stürmeten auf sie, dasz sie die liebe ihres herzens, mit der sie Christum allein liebte, nicht zeigen konnte Herder 16, 254 S.; was hilfts in mich zu stürmen? zum verbrechen mich anzulocken, mich zu drängen? Göthe 10, 284 W.; damals erschienen sie und Werdenberg vor unserm herrn, mit bitten in ihn stürmend Schiller 12, 69 G.; verblendet und übermannt von wahnsinniger leidenschaft stürmte sie ... in den gebeugten vater Holtei erz. schr. 4, 64; wie stürmte aber auch alles auf könig Franz, um ihn aus solchem französischen gleichgewichte der lebensregel zu werfen H. Laube ges. schr. 4, 164; vgl. auch: halt ein! du stürmst in meinen willen Schwabe belustigungen des verstandes und witzes (1741) 1, 331. I@C@4@bβ) die aufklärung bezeichnenderweise bildete, ebenfalls im anschlusz an I E 1, die phrase aus: auf oder in sich, seine natur, seine gesundheit stürmen sie ruinieren; doch hat sie sich nicht gehalten: die auf ihre gesundheit hinein stürmen Chr. Weise erznarren 225 ndr.; weil sich die menschen damahls mehr mäszigkeit beflissen, und nicht so in sich hinein stürmeten v. Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 3; und dannenhero kan es geschehen, dasz einer wohl nicht mit übermäsziger speise und überflüszigem tranke in seine gesundheit stürmet Chr. Wolff gedanken v. d. menschen thun u. lassen (1720) 307; was hilft das trinken und das baden? wenn wir uns, nach gebrauchter cur, gleich wieder üppig überladen, und stürmen frech in die natur? D. W. Triller poet. betrachtungen 5, 116; man weisz, wie oft er in seine gesundheit stürmte, wie manchen morgen er mit Schikaneder verchampagnerte, wie manche nacht er verpunschte O. Jahn Mozart (1859) 3, 233. I@C@55) nicht selten steht dieses stürmen transitiv: und wer, verwegen, stürmt aus dem bezirk dich her? Göthe 50, 317 W.; lasz ein gericht nach dem andern auftragen, so wie unten auf unserm groszen eisernen ofen zu sehen ist, wo bey der kananäischen hochzeit pfauenpasteten den gästen über die köpfe gestürmt werden Iffland theatr. w. 4, 188; Bastian war inzwischen zur thüre hinausgewischt und stürmte wie der diener eines zahnarztes das volk zu der boutique seines patrons Thümmel reise 4, 193; reflexiv: im kampf und ringen stürmt der mensch sich bewusztlos auf die schmale zinne eines thurms hinauf Immermann 18, 47 Boxberger. uneigentlich schon seit dem 16. jh.: stürm die abgötterei ausz dem hertzen, so fallen die götzen allzuomal auff ein hauffen S. Franck chron. zeytbuch (1531) 504a; also hilfft den geitz gelt für kein armuot, bisz mann die geltsucht ausz dem gemüt stürmt derselbe sprüchw. (1541) 1, 119b; (ich) stürmte unsinn aufs papier Schubart leben u. ges. 1, 252; dann wirbelt heller siegesgesang ihm nach, gestürmt in deutsche saiten Denis bei Campe s. v. siegesgesang; in hohes saitenspiel begeisterung stürmen Gotter 1, 137; ein orkan so wild, als müszt er eine welt aus ihren angeln stürmen Alxinger Doolin 22; des vaters schicksal stürmet auf dich diesen tod! J. G. Droysen Äschylus (1841) 151; also stürmt ich mein herz zur ruh A. Meiszner ged. (1845) 12. I@DD. an sturm I B 'tumult, aufruhr' schlieszen auch bedeutungen des verbs an. I@D@11) unpersönlich construiert, es stürmt in dem sinne von 'es ist aufruhr, erregung': ein weib, das mit vernunfft sich in die zeit kan schikken, und das, im fall es sturmt, kan weichen oder bükken Rachel satyr. ged. 38 ndr.; o himmel, musz es denn von allen seiten stürmen Lenz 1, 47 Tieck; so oft es auch an den grenzen dieses weitläuftigen staatskörpers gestürmt hatte Schiller 8, 198 G.; denn in diesem jahre stürmte es heftig in der studentenschaft G. Freytag verl. handschr. 2, 234; und wenn es stürmt, wie in unsern tagen Geibel 1, 233 Cotta. vgl. hierzu ahd. sturmit tumultuabitur gl. 1, 595, 13 St.-S.; menigi sturmenta (turbam tumultuantem) Tatian cap. 60, 12. besonders die polemik der reformationszeit verwendete in diesem sinn gern das wort, oft in der verbindung stürmen und schwärmen: also mit dem bildstürmen möcht ich seyn (Karlstadts) toben leichtlich tragen, weyl auch ich mit meym schreyben mehr abbrochen habe den bilden, denn er mit seym stürmen und schwermen ymmer thun wird Luther 15, 395 W. (vgl. ebenso 18, 75); alle falschen lehrer vnd rottengeister ..., so nichts dann stürmen vnd schwermen, vnd alles in hauffen werffen können G. Nigrinus von zäuberern (1592) vorr. 5a; der lutherisch glaub stürmet; wenigist hat er gestürmet an etlichen orthen E. Eisenhut cath. ex. (1697) 10. I@D@22) mit stärkerer ausprägung des akustischen moments schon ahd., s. sturmantaz perstrepens ahd. gl. 2, 285, 1; (der geist) wenn ed began to beschemeren, wente an de midnacht und warp und stormede sere grofliken Magdeburger schöppenchron. 262 Strehlke; der teuffel ... fieng an zu boltern vnd zu störmen mit der hand vnd faust B. Raida widder das lester vnd lügen büchlin (1533) c 4b; ich hab vor wol gewiszt, das balgen vnd stürmen würde nit zergohn Frey gartenges. 117 B.; dieweil man vnden im schiff arbeit, sturmt vnd lermt Reutter v. Speir kriegsordnung 104; liebe Jane, mach nur auff das hausz, so sihstu, wer so stormet drausz Berliner Pyramus-Thisbe-spiel 50 Schaer; wie nun solches der geist vername, da war er kein winslendes kind mehr, sondern ein polterer, stürmte, warff und schluge allenthalben Widman Faust 199 Keller; wenn wir keine maasz wissen zu halten im zorn, sondern bey uns selbst ergrimmen, unsere geberden verstellen, fluchen, schweren, rumoren, poltern, zähne zerbeissen, stampfen, stürmen, als ob wir halb von sinnen wären P. F. Sperling Nicodemus (1719) 2, 286; übertragen: das mein hertz nicht mehr trappelt, sondern sich widder die argument der papisten, als eyn steynen uffer widder die wellen, aufflenth, unnd yhr trawen und sturmen verlachet Luther 8, 483 W.; der güldne friede kommt, wenn er (der krieg) gleich stürmt und wütet Lohenstein Arminius 1, 358b. I@D@33) daraus verengt sich die bedeutung zu 'zanken, schelten', die besonders während der frühnhd. zeit vorherrschte, seit etwa 1800 aber allmählich verschwand (vgl.sturm II C 4); schon die bauernweisheit lehrte, wenn der ausgeschickte knecht zu lange fortblieb: so stürmet der herr, die frau schilt Ludwig Tölpels baurenmoral 62; in rechtlichen bestimmungen kehrt es seit dem ausgehenden mittelalter ofter wieder: wer ainen geverlich anlauft auf der strasz oder in seinem haus und in heraus fodert oder in stüermiet (anf. 15. jhs.) österr. weistümer 2, 372; auch das nimant, er sei geistlich oder weltlich, wie dann iczt an ziten zu den durch böse bueben geschiet, gesturnet ader beschwert werden sall (1525) akten z. kirchengesch. Georgs v. Sachsen 2, 27; literar. belege sind zahlreich und aus allen landschaften: se begunden to stormen twar, yfft se weren verjaghet dar städtechron. 16, 167; die kaufleüt sprachen: her wirt ir dörffen mit vnsz nit so stürmen Eulenspiegel 122 ndr. (vgl. Fischart Eulenspiegel v. 10367 Hauffen); am end bit ich, alle prelaten und beichtvetter wolten ... nach dem heyligen euangelio das volck nit mit gewalt sturmen, sondernn freuntlich und senfft regieren und underweisenn Luther 7, 297 W.; das du aber ym ersten anfang also stürmst und pochest, schetze ich, daz es dyse ursach habe Hutten 2, 190 Böcking; allein verdrieszlich ists, das er in denselben reinen conclusionibus also stürmet, poltert und tobet, als hette er einen gewissen widersacher neben sich Cyr. Spangenberg wider die böse sieben (1562) r 4b; wenn er ... zu hause kömpt, sol das weib nicht mit jhm poltern und stürmen Decimator hochzeitspredigten (1601) q 1a; hier fieng die frau an, auff den mann zu störmen Mich. Kautzsch d. polit. tobacksbruder (1684) 15b; wer andre, wenn er sie beschirmt, mit härt und vorwurf quälet, und ohne nachsicht straft und stürmt Gellert 2, 128; weil er (der jäger) mit poltern und stürmen den hund leicht blöd machen kann v. Heppe aufr. lehrprinz (1751) 459; und wenn mein vater stürmt, musz ich auch den versöhnen Göthe 9, 71 W.; der doktor bat, warnte, — stürmte auch wohl zuweilen Bahrdt pastor Rindvigius 1, 188; Heyne ... gab zu bedenken, in wie brausendem krafttone wohl ein anderer an dem grabe gestürmt hätte J. H. Voss antisymb. 2, 51; Beda Hunnius ... hätte immerhin nach seiner meinung stürmen und lärmen mögen, soviel er wollte; aber er dichtete auch! Gutzkow zauberer 2, 178. I@D@44) entsprechend sturm I B 4; C bedeutet stürmen 'sturm läuten' oder 'schlagen'; in vielen mundarten ist diese bedeutung die vornehmliche. I@D@4@aa) intransitiv: dasz man nit hat können sturmen dtsche städtechron. 29, 35 (Augsburg); ob zuo solchem rechten geleut und gestirmbt seie (1574) weistümer 6, 327; die burger von Straszburg ... woltend den bischoff schädigen; do liesz bischoff Walther stürmen Tschudi chron. Helvet. 1, 162; Dietrich Schmidt ... deponirt ..., dasz man vor ohngefehr 11 jahren in der Schlieperin hausz ein helles feuer gesehen, und vermeinet, es brenne darinnen, auch gestürmet, aber gleichwohl kein brand darin gewesen sey Chr. Thomasius ernsth. gedanken u. erinnerungen (1720) 2; denn der dumme stürmt beim nordlicht portraits (1779) 205; allein bald brach die flamme aus, man lärmt, man stürmt und rannte nach wasser R. Z. Becker mildh. ldb. (1799) 75; horch! schon stürmten wächter, hallten glocken J. D. Falk satiren (1800) 2, 184; uneigentlich: helffet nur im geiste Christi tapfer stürmen, so wird alsdan auch Christi glöcklein geläutet werden J. Böhme schr. (1620) 6, 259. mit den glocken stürmen: da stormete unde lutte man mit allin glocken en entgegn Wigand Gerstenberg chron. 232 Diemar; es were dann das ein für uszginge und der man mit den glocken uf dem münster stürmen wurde (15. jh.) Brucker Straszburger zunft- u. polizeiverordnungen 26; sobald ihr mit der glocke stürmt, werden sie alle da sein Göthe 18, 50 W. die glocke ist subject: hör nicht auf, uns zu beschirmen, dasz die glocken nicht mehr stürmen B. Schmolcke sämtl. trost- u. geistr. schr. 1, 760; rastlos nun erklang das getön der stürmenden glocke Göthe 50, 234 W.; auf einmal stürmten die glocken drauszen Kotzebue sämtl. dramat. w. 2, 297; die glocken stürmen wild Eichendorff s. w. (1864) 4, 402; wie denn in jedweder stadt dazumal nur die lärmtrommel zu tönen und die glocken zu stürmen brauchten, und es war eine festung Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 265; die glocken stürmten vom Bernwardsturm, der regen durchrauschte die straszen, und durch die glocken und durch den sturm gellte des urhorns blasen B. v. Münchhausen balladen u. ritterl. lieder 33. nicht nur glocken stürmen: und glocken, orgeln fingen an zu stürmen als wie von selbst in kirchen und auf thürmen J. Frey ges. dichtungen (1899) 179; sie hat nicht der eigenen sicherheit acht, wenn nachts die trommel stürmet Grillparzer (1892) 2, 136 Cotta; bildlich: des aufruhrs ehrne zungen stürmen Gaudy s. w. (1844) 4, 43; zum folgenden überleitend, 'laut verkünden'; vereinzelt: und noch diesen abend sollen laute zimbeln und drommeten hoch von dieser feste türmen es in alle lüfte stürmen, dasz du erbe mir und sohn Grillparzer (1892) 7, 161 Cotta. I@D@4@bb) mit transitiver bedeutung: do sturmde man die glocken uber alle stat städtechron. 8, 81; man stürmte alle glocken gegen in Dannhawer catechismusmilch (1657) 5, 952. anders: ein glöckner, der aus ihrer ruh die völker stürmt Geibel (1883) 1, 219. IIII. stürmen 'stürmisch blasen', vom sturmwind, s. sturm II. II@AA. eigentlich; meist in intransitivem gebrauch (transitiv s. u. 5, sp. 623). II@A@11) mit unpersönlicher construction es stürmt: brachten aber fast drei gantze wochen zu, ehe wir von Boëro konnten wegkommen, weil es entweder alzustille war oder alzu starck stürmte W. Schultz ostind. reise (16767) 27b; ein tugendhaffter mensch ist wie ein felsenstein: es stürme, wie es wil, er fellet doch nicht ein Angelus Silesius cherub. wandersm. 113 ndr.; scheinet heute gleich die sonne, stürmt es morgen desto mehr Stranitzky ollapatrida 244 Wiener ndr. es stürmt die ganze nacht Gottsched crit. dichtkunst (1751) 686; hörst du, wie angenehm es drauszen stürmt? maler Müller w. (1811) 1, 189; ah, das war eine schreckliche nacht, seitdem ich lebe, habe ich nicht so stürmen gehört Klinger 1, 74; den 16. stürmte es den ganzen tag J. G. Forster sämtl. schr. 1, 167; es stürmt furchtbar, der see wirft haushohe spritzwellen A. v. Droste-Hülshoff briefe an L. Schücking 308; es hatte gestürmt wie im april Gutzkow ritter v. geiste 5, 3; tag über hatte es stark aus südwesten gestürmt Storm 7, 267. besonders beliebt ist die versiärkende verbindung mit einem oder mehreren anderen verben ähnlicher bedeutung: in dem es drauszen stürmt und schneyt Simon Dach 718 Österley; es hatte die tage arg geschneit und gestürmt Rosegger I 9, 279; es mochte stürmen, regnen oder schneyen J. J. Bode Montaigne 2, 150; das ist ein schlechtes wetter, es regnet und stürmt und schneit H. Heine 1, 109 E.; es regnet, stürmt und blättert entsezlich Lichtenberg briefe 1, 95; weil es regnete und stürmte Göthe IV 12, 316 W.; während es drauszen stürmte und regnete L. Aurbacher volksbüchlein (1835) 109; je mehr es stürmet und donnert Lohenstein Arminius 2, 1048b; wenn es einmal stürmt und donnert Kotzebue sämtl. dramat. w. 1, 50; es blitzt und donnert, stürmt und kracht Göthe 1, 165 W.; wenns auch drauszen stürmet und blitzet Bäuerle kom. theater 2, 97; mocht es blitzen, stürmen und krachen Holtei erzähl. schr. 5, 213; es hat die nacht gewettert und gestürmt M. Beer sämtl. w. (1835) 634; während es drauszen stob und stürmte Eichendorff sämtl. w. (1864) 2, 194; und wie s am grab so stehent drauszt, hats gsturmt und gschnieben, dasz an graust Stieler ged. 4, 19 Reclam. im sprichwort: dat mer is nicht stille, als it stormet van winde Tunnicius sprichw. nr. 1091 Hoffmann v. Fallersleben; bauernregeln: wenns an lichtmesz stürmt und schneit, ist der frühling nicht mehr weit Binder 123; es ist nicht gut, wenns im februar nicht stürmt, dasz dem stier die hörner am kopfe wackeln Körte sprichw. 550. II@A@22) subject ist der wind u. s. w.: eyn grosser wind gegen im stürmet das summerteil der heyligen leben (1472) 69c; wann so der wint stürmet, vnd die venster vnd die thür klöppern, so mage man nit wol gehören Joh. Tauler sermones (1508) 42c; die vier winde unter dem himel stürmeten widernander auf dem groszen meer Dan. 7, 2; denn auch folgenden tag solcher grosser wind noch nicht ablies, sondern stürmete den gantzen tag C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 482b; mit der lincken hielte sie das ... gewand an sich wider das stürmend anwähen der wind Fischart 3, 237 Hauffen; als ... gott der allmechtig ... einen wind in der springflut erweckt, der von nortwesten zu stürmen anfieng Stumpf Schweizerchron. (1606) 277b; dann ist er still worden geschwind gleich dem nicht stürmenden südwind bei Dähnhardt griech. dramen 2, 77; auf welchen (berg) wind und ungewitter nicht weniger stürmen als auff diesen J. Prätorius Blockesberg. verr. (1668) 73; da der herr das wütende meer und den stürmenden wind bedräuete J. G. Schmidt gestr. rockenphilos. (1706) 2, 249; es stürmt kein rauher nord J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 845; des mächtgen windes wehn, der von den Alpen stürmt J. G. Jacobi s. w. 5, 11; wenn die sonne schien — oder auch der wind an die fenster stürmte (1792) Caroline 1, 101 Waitz; auf ihr winde des herbsts, auf; stürmt über die finstere haide! Göthe 37, 73 W.; an das fenster stürmt der nord Cl. Brentano ges. schr. 1, 240; vom windgott Äolus: die welt ist grosz genung. stürmt Äol dieser seiten, so lasz dein kluges schiff ihm nicht entgegenstreiten P. Fleming 1, 128 Lappenberg; bald aber fängt Äol von süden an zu stürmen Wieland 1, 104 akad. ausg. in gewählterem ausdruck oder in der verssprache an stelle des eigentlichen handlungsträgers der himmel, jahreszeiten u. s. f.: der himmel mag stürmen, mag hitzen und blitzen Zesen verm. Helikon (1656) 1, 266; reisz fort, der himmel mag gleich stürmen oder regnen Lindenborn Diogenes (1742) 1, 34; der himmel stürmte J. Grimm in briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 280; itzt schlieszt uns der stürmende winter ins zimmer Sal. Geszner schr. 1, 62; wie ein klarer abendhimmel nach stürmendem tage maler Müller 1, 352; die kalten, stürmenden tage des winters Cl. Brentano ges. schr. 4, 12; in stürmender nacht Göthe 2, 137 W.; bildlich: dreihundert jahre konnten thürmen auf dieses volk der knechtschaft schmach; drum war es nur des märzes stürmen, als es der Franken kette brach G. Kinkel ged. (1868) 2, 6. II@A@33) sinnliche übertragungen. vornehmlich von dem heftigen ablauf, von der wirbelnden, dahinstürmenden bewegung einer elementarerscheinung: ein stürmender donner schleuderte mich ... in den ... abgrund theater d. Dtsch. 1 (1768) 182; blitz und donner stürmt Adelung umst. lehrgebäude 2, 372; in einem augenblick, da eben der regen heftig stürmte H. v. Kleist 2, 142 E. Schm.; gestern stürmte ein dichtes groszflockiges schneegestöber gegen mittag wohl eine stunde lang Göthe IV 33, 15 W.; schauet drausz die weiszen flocken, wie sie streichen hin und her, wie sie sich zusammen stocken, wie sie stürmen überquer! Harsdörffer frauenzimmergesprächsp. 2, 248; wenn der wind am laden rasselt und die flocken drauszen stürmen Fr. Rückert 2, 90; bildlich: aus meiner feder sol kein stürmendes gewitter auf dich zugebraust kommen Zesen rosenmând (1651) a 9a; als hier wild die waffendonner stürmten Tiedge w. (1823) 2, 64. vom sturmwind wird die tätigkeit auf das durch ihn aufgewühlte wasser übertragen; das meer, die see u. s. w.: der wahnsinnige zu Athen opferte aus eingebildetem eigenthum ... sein abgeschnidtenes haar dem stürmenden meer und winde Lohenstein Arminius 1, 93a; die wuth des stürmenden meeres Lessing 4, 348 L.-M.; in einem elenden kahn auf der stürmenden see S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 2, 233; weil die stürmende see einen höhern poetischen reiz hat, als der ruhige hafen Gutzkow ges. w. 11, 2; weit umher erzittert der himmel, der blaue Neptunus stürmt, die ... tiefen brausen J. J. Dusch verm. krit. schr. (1758) 12; als oceane grimmig stürmten J. A. Schlegel verm. ged. 1, 47; welle und woge, flut, brandung: aber gegen das Capo Comorien (ist) von den stürmenden wellen viel darvon abgespühlet worden Mandelslo morgenl. reisebeschr. 103 Olearius; schäumet, ihr fluthen, stürmt, ihr wellen! Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 105; drauf wollt ich gehn an des flusses rand und sehn die stürmende welle Fr. Rückert 1, 443; mit stürmender woge gebar sie, ohne befruchtende liebe, den Pontos K. W. Solger nachgel. schr. 2, 737; darum wünsche ich eine fluth, ... die stürmend seine (des pfuhles) stelle ausfege F. H. Jacobi w. 5, 93; ruhig schlummerst du nun beim stilleren rauschen der urne, bis dich stürmende fluth wieder zu thaten erweckt Göthe 2, 123 W.; hört ihr jene brandung stürmen, die sich an den felsen bricht? Schiller 11, 337 G.; besonders ausgebildete übertragung: dasz der ... wettersee ... oft bei dem stillsten wetter, plötzlich stürmt Laistner nebelsagen (1879) 258; bildlich: auf das stürmende meer des unglaubens Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 48. von feuer und blut: die tief entschlieszt sich und es thürmen sich ihre gluthen auf und stürmen J. A. Cramer nord. aufseher (1758) 1, 135; stürmendes feuer! lösche; wogensturz! weiche aus Adelung mag. d. dt. spr. 2, 4, 103; höret ihn (den zorn) schnauben! höret ihn brennenden rauch und stürmende funken sprühen! Herder 5, 70 S.; (er) asz ein gut theil zuvor, ehe das fieber stürmte Paullini zeitkürtzende erbaul. lust (1695) 134; als ich die bedeutung erfuhr, fing mein blut, das kurz vorher noch so friedlich durch die adern flosz, heftig zu stürmen an Börne ges. schr. 9, 48. auch von akustischen vorgängen: du warest, jüngling, in ihrem (der musik) dunkeln hörsaale; sie klagte, sie seufzete, sie stürmte, sie jauchzte Herder 4, 162 S.; in dem ... schauspielhause stürmte vielleicht eben ein vielhundertstimmiges da capo Gutzkow ges. w. 11, 208; laute seufzer stürmen, thränen stürzen heisz Kretschmann s. w. 5, 3 II@A@44) gelegentlich mit causativer bedeutung wie 'sturm im wasser erregen': den fisch, der ströme bläst und mit dem schwanze stürmet Haller 4 Bächtold; diese allerdings ungewöhnliche verwendung forderte sofort die kritik v. Schönaichs heraus, der voll unverstandes gereizt fragte: mit dem schwanze stürmen: ein artig gewehr! was bestürmet er denn? ästhetik (1754) 57. II@A@55) selten ist transitiver gebrauch, meist in gehobener und dichterischer sprache; bildlich: dasz oft der christen schaar, wie gar nicht nütze spreue wird vom verfolgungsnord gestürmet aus dem land? A. Gryphius ged. 96 Palm; ein erzörneter himmel, der mit gefärlichen haus- und hofanzündenden wetterstrahlen um sich schläget, berge, wälder, äkker und die schiffe im mer über einen hauffen stürmet Butschky Pathmos (1677) 731; so stürmet der wind die blätter des hayns im herbste mit sich Denis lieder Sineds (1772) 110; (Menelaos) ward nach Kypros vorher, nach Fönike gestürmt (verschlagen) und Aigyptos J. H. Voss Odyssee 56 Bernays; im dunkel wogenden meere thürmt sich ein glatter fels den drängenden fluten entgegen, die der gewaltige süd an das linke gebirge vor Faistos stürmt ebda 44; der revisor fürchtet, dasz ihm ... der wind den hut vom kopfe stürme Holtei erz. schr. 26, 169; weiterführend: das weiszschäumigte meer stürmt umsonst die warnung: bleib zurück! Gerstenberg schleswig. litbr. 172 lit. denkm.; ihr tannen, neiget euch vor gott! ihr winde, stürmet sein geboth! Löwen schr. (1765) 2, 15; die seele des weisen lächelt, und der körper des narren stürmt im gelächter Möser 1, 86; durch was für wege er den allgemeinen ruhm erwarb, die heldenpoesie bis zur höchsten stärke des schlachtgesanges hinauf gestürmt zu haben Herder 2, 82 S.; in hohes saitenspiel (hat der tote sänger) begeisterung gestürmet Eschenburg beispielsammlg. 4, 74; (ich) stürm aus meiner harfe jubelnd leben Hölderlin 1, 39 Litzmann. II@BB. ähnlich sturm II C ist auch das verb im uneigentlichen sinne sehr entwickelt, vereinzelt schon im ahd., vgl. wanda doh nu in dinemo herzen sturment manege ungedulte (sed quoniam incubuit tibi plurimus tumultus affectuum) Notker 1, 43 Piper. in der hauptsache datiert der gebrauch seit dem 18. jh., meist von seelischen vorgängen. II@B@11) unpersönlich gebraucht, es stürmt in ihm, in seiner brust u. dgl.: als es noch stürmt in ihm Bürger 188 Bohtz: alles stürmte in ihm A. v. Arnim 10, 132; in mir stürmt es und braust es Bauernfeld ges. schr. 4, 114; denn sie müssen nicht glauben, dasz es nur bei ihm auf der oberfläche stürmt H. P. Sturz schr. 1, 15; man soll ... ein äuszeres gleichgewicht halten, innerlich mag es stürmen wie es will Göthe 22, 250 W.; o consul, könntest du mein innres sehen! wie es da wogt und stürmt und brausend gärt Collin Regulus (1802) 129; der kleine kaiser ist von auszen still, doch ihm im herzen wühlt es, tobts und stürmets Z. Werner Luther (1807) 52; mahnen aber zuletzt die geister zu gewaltig, stürmt es doch in der brust, so haben die lehrer der kirche ... dafür gesorgt, den sinn zu heiligen Gutzkow zauberer 3, 163; mags in der brust stürmen und wogen G. Keller ges. w. 2, 131; wenns hier im busen stürmt maler Müller w. (1811) 1, 219; ich soll erzählen! murmelte er und fuhr mit der rechten über die stirn, sie war heisz; es stürmte drin Scheffel ges. w. 2, 124. II@B@22) mit abstractem subject. von leidenschaften u. s. f.: auch ihre leidenschaften stürmen nicht immer Th. Abbt verm. w. 6, 1, 148; er ist aufbrausend, heftig, ein beständiger wetterhahn seiner stürmenden leidenschaften Knigge roman m. lebens (1781) 4, 129; (nachdem er) seine stürmende leidenschaft ausgetobt hatte Musäus volksmärchen 1, 19 Hempel; oft haben stürmende affekte den weichen zwirn herumgezerrt Schiller 1, 235 G.; dich, mit dem stürmenden drange, hohes zu denken und zu thun Gutzkow ges. w. 2, 393; hier warst in stillem frieden du von gottes arm beschirmet; nun ziehest du dem meere zu, wo wild das laster stürmet J. M. Miller ged. (1783) 299; man denke nicht, dasz die kunst des menschen mit stürmender willkühr einen fremden erdtheil sogleich zu einem Europa umschaffen könne Herder 13, 286 S.; den ruhigen naturtrieb in stürmende begierde verwandeln Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 129. von gedanken: (Satan) senkte zuerst empfundene gedanken, voll feuer und in die seele (des Judas) stürmend, Klopstock Messias 3. ges., v. 567; alsdann stürmt der gedanke in mir empor, dasz es edel sei, fechtend fürs vaterland zu sterben Th. Abbt verm. w. 6, 2, 99; wild stürmten ihm die gedanken durch die seele G. Freytag ges. w. 9, 75; Hagedorn fragte, ob wir nicht des in uns stürmenden witzes, der nur zu oft das herz leer lasse, ... überdrüssig werden sollten K. Justi Winckelmann (1866) 1, 402. vom gefühl: wenigstens in den park wollte sie gehen und mit einer wanderung durch die baumgänge die stürmenden gefühle ihrer brust beschwichtigen Gutzkow zauberer 2, 228; trotz jedem ausland stürmet begeisterung in deutschen seelen Hölty 85 Halm; eine stürmende sehnsucht drängte mich zu ihr hin L. Tieck schr. 14, 116; sehnsucht, wut der trennung, glühend verlangen und daraufgegossener hohn stürmten in ihm Scheffel ges. w. 2, 131; voll stürmenden entzückens Fouqué altsächs. bildersaal 4, 430; stürmend und ungestüm zittert die freude durch mein gebein dahin! Klopstock oden (1889) 1, 26; in stürmender freude Bettine Göthes briefw. mit einem kinde (1835) 2, 220; durch deine adern stürmte lieb und hasz in toller flucht, wie ein gespensterheer! F. Bach ged. (1900) 81; sein gesicht zeigte heiterkeit, während dasz schmerz und wuth in seinem busen stürmten Schiller 8, 142 G. der geist stürmt: wer über die zwey perioden des lebens, den der jugend, der der noch reine und kühne geist durch das herz stürmt, ... ganz ruhig nachsinnt F. M. Klinger w. 11, 337; vor freude stürmt mein geist Mörike w. 3, 122 Göschen; in eine andere strömung des stürmenden weltgeistes Gutzkow ges. w. 4, 353; der stürmende geist der geschichte 12, 112. schicksal, unglück: doch stürme nur, geschick, weil du so grausam bist v. Cronegk schr. (1766) 2, 8; wenn sonst eitel unglück stürmt v. Canitz ged. (1727) 31; höre dein unglück von ferne schon stürmen Schwabe belustigungen des witzes u. verst. (1741) 1, 537. IIIIII. eine nicht anknüpfbare sonderentwicklung stellt, falls sie überhaupt zu diesem wort gehört, die bedeutung 'aufkrempeln' dar; schwäbisch: sturmbt er seine ermel hunder sich zimm. chron. 2, 525; auch modern, z. b.: der ist gestürmt hat die hemdärmel aufgestülpt Fischer 5, 1932.
52816 Zeichen · 1017 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stürmenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +6 Parallelbelege

    stürmen stn. gewaltsamer angriff, kampf. Parz. 207,7. Ludw. kreuzf. 2877. 3067. livl. chron. 7747. ein sturmin unde ein …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    stürmenswv.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    störmen , ° stürmen (Köln. Bibel Deut. 20, 10; Judic. 1, 8), swv. , I. intrans. 1. gegen einen befestigten Ort zum krieg…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stürmen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Stürmen , verb. regul. welches in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum mit dem Hülfsworte haben. 1. Ein heft…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stürmen

    Goethe-Wörterbuch

    stürmen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. modern
    Dialekt
    stürmen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    stürme n [tîrmə Fisl. Liebsd. ; tìrmə Olti. ; tìrmə u. termə fast allg. ] 1. Sturm läuten. Wo brennt s? me n hört s.…

  6. Sprichwörter
    Stürmen

    Wander (Sprichwörter)

    Stürmen 1. Es stürmt, dass man keinen Hund zur Thür hinausjagen mag. ( Oberösterreich. ) – Baumgarten, 80. 2. Stürmen, w…

  7. Spezial
    stürmen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    stür|men I vb.tr. ‹mil› 1 (angreifen) ataché (-ca), assalté (-ta), assalí (-lësc), salté ados 2 (erobern) concuisté (-të…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stuermen

13 Bildungen · 2 Erstglied · 6 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von stuermen 2 Komponenten

stuer+men

stuermen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stuermen‑ als Erstglied (2 von 2)

stürmendig

DWB

sturm·endig

stürmendig , adv. : stormdich impetuose voc. ex quo 15. jh. bei Diefenbach-Wülcker 870 .

stuermen als Zweitglied (6 von 6)

anstürmen

DWB

ans·tuermen

anstürmen , impetu aggredi, adoriri, nnl. aanstormen: sie stürmten gegen die thür an; anstürmen gegen alles bestehende; laszt sie anstürmen!…

aufstürmen

DWB

auf·stuermen

aufstürmen , cum impetu incedere, 1 1) intransitiv, grassari, furere: das meer stürmt auf, der feind stürmte dreimal auf; trotz den göttern …

ausstürmen

DWB

aus·stuermen

ausstürmen , in mehrfachem sinn, 1 1) violenta manu auferre: er stellet die ausgestürmpten bilder wider in tempel. Frank chronik 165 b . 2 2…

bestürmen

DWB

bes·tuermen

bestürmen , impetere, impugnare, aggredi, nnl. bestormen: wind und wellen bestürmen das mastlose schif; der feind bestürmte schon dreimal di…

einstürmen

DWB

eins·tuermen

einstürmen , irruere, nnl. instormen, schw. instorma, dän. indstorme: auf ihn stürmt alles ein; sie schrien aber laut und hielten ire ohren …

erstürmen

DWB

ers·tuermen

erstürmen , vi expugnare: eine stadt, das feindliche lager, die schanze erstürmen; mhd. daʒ wart von in gewunnen unde erstürmet schiere. tr.…

Ableitungen von stuermen (5 von 5)

bestürmen

DWB

bestürmen , impetere, impugnare, aggredi, nnl. bestormen: wind und wellen bestürmen das mastlose schif; der feind bestürmte schon dreimal di…

entstürmen

DWB

entstürmen , citato cursu elabi, nnl. ontstormen: und sie entstürmte dem hause. Voss; wie hochanschwellende wogen, wenn sie plötzlich entstü…

erstürmen

DWB

erstürmen , vi expugnare: eine stadt, das feindliche lager, die schanze erstürmen; mhd. daʒ wart von in gewunnen unde erstürmet schiere. tr.…

verstürmen

DWB

verstürmen , verb. , intrans. und trans., im mittelalter an der seeküste üblich, im mengl. mnl. mnd. nachweisbar: forstormed, tossed about w…

zerstürmen

DWB

zerstürmen , verb. , zerstören, zerstreuen, so den leib: Heinr. v. Neustadt gott. zuk. 3040 Si.; wie etzliche burger ... das mein ... beraub…