strick,
m., n. , '
laqueus', '
funis, restis'.
herkunft und form. das wort gehört dem deutsch-niederländischen sprachgebiet an. ahd. mhd. stric,
mnd. strick,
anfrk. mnl. stric,
nnl. strik;
die afrs. komposita strikhalt
und striklom Richthofen
afrs. wb. 1054,
dazu mnl. striclam Verwijs-Verdam 7, 2325,
enthalten, wie aus griphalt, griplom '
greiflahm'
hervorgeht, nicht eine entsprechung von hd. strick,
sondern von hd. strich,
s. van Helten
z. lexicologie d. aofr. 316.
dän. strikke '
strang, leine', strik '
schelm'
und schwed. streck
in klädestreck '
wäscheleine' (
dagegen ist streck '
strich' =
dt. strich,
s. Hellquist
31086
u. o. sp. 1514
sind aus dem mnd. entlehnt. — strick
gehört mit intensivgemination zu vorgerm. streig- '
zusammendrehen, zusammenschnüren'
in lat. stringere
ds., s. Walde-Pokorny 2, 649.
in seiner ahd. flexion zeigt sich das wort im übergang vom i-
stamm zum a-
stamm (
vgl. neben a-
formen den n. pl. strikhi, stricki
ahd. gl. 1, 204, 31
St.-S. [8.
jh.];
d. pl. stricchin, strichin
in mehreren glossen des 11.
jhs. [
s. u. 1]).
die lautverschiebungsstufe des gutturals und die erhaltung des kurzen -i-
im nd. und nl. weisen auf alte geminate. als vorahd. grundform ist daher strikki-
anzusetzen (
s. Falk u. Torp
bei Fick 3, 500).
mundartlich ist strick
über das gesamte deutsche sprachgebiet verbreitet. im bereich des niederdeutschen findet sich, wie im mnl., neben dem masc. auch neutrales geschlecht des wortes, s. Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 433
a und Richey
Hamburg (1755) 294; Frischbier
pr. 2, 381
b; Bauer-Collitz
Waldeck 281; Schambach
Göttingen 214
b; Woeste
westfäl. 258
a; Mensing
schlesw.-holst. 4, 887.
vereinzelt ist das neutrum in die schriftsprache eingedrungen, vgl. Rottmann d. lustige philosophus (1715) 447; Knigge
roman m. lebens (1781) 1, 7; Fr. Arndt
in: E.
M. Arndt
schr. (1845) 1, 145 (
s. u. 4); Schopenhauer
s. w. 5, 121
Grisebach (
s. u. 3).
im tirolischen erscheint ein femininum stricke (
s. u. 3 a);
ferner mit auffälligem t-
antritt: Judas wildw dich hencken, so wil ich dir ain strickt schencken
altd. passionsspiele aus Tirol 103
Wackernell. bedeutung und gebrauch. 11) '
schlinge'.
im ahd. steht stric
regelmäszig für lat. laqueus oder andere lateinische wörter, die ein schlingenförmiges oder mit schlingen ausgestattetes fanggerät bezeichnen (
die angabe '
seil, funis'
nebst dem nachfolgenden zitat N. 129, 5
bei Graff
ahd. sprachschatz 6, 739
ist irreführend, stric
und funis
sind in der angegebenen psalmenstelle nicht enthalten; im übrigen wird funis
an den drei stellen seines vorkommens im psalter [15, 6; 118, 61; 139, 6]
von Notker
in üblicher weise mit seil
übersetzt).
die anwendungen im sinne der bedeutung '
schlinge'
bewegen sich oft in biblischen bildern aus dem jagdwesen, wobei auch für das deutsche wort jägersprachlicher gebrauch vorausgesetzt werden musz (
zur sachlichen erläuterung der schlingenförmigen fanggeräte s. Lindner
gesch. d. dt. weidwerks 2 [1940] 307
ff. und 320
ff.):
muscipula falla,
laqueos strik (
gl. K.),
laqueus stric (
Ra.)
ahd. gl. 1, 209, 1
St.-S. (
vgl. 1, 204, 31);
muscipula strhc (
l. strihc), angul (
muscipula laiqueus uel temptatio corp. glossar. lat. 4, 539, 29)
ebda 4, 7, 22 (
Ic., 9.
jh.);
laqueus stric (
darauf: pedica idem) 3, 381, 26 (13.
jh.); strik 3, 358, 8 (13.
jh.);
laqueus stric (
pedica uotstric
ebda) 3, 788, 49 (13.
jh.);
pedica qua pedes capiuntur i. druch
vel stric 3, 341, 32 (
summar. Heinrici, 12.
jh.); strichin (
callidus inlaqueat volucres aut)
pedicis (
dolus aut maculis Prudent. hymn. a. cib. 42)
ebda 2, 391, 68 (11.
jh.);
dazu 387, 24; 501, 50; 531, 31; 575, 27;
zu maculis derselben stelle: strichin
vel snarchun 2, 414, 55; stricchin 552, 10 (11.
jh.);
decipula i. laqueus strich
vel ualla 3, 348, 29 (
summar. Heinrici, 12.
jh.);
decipula stric 3, 381, 29 (13.
jh.); stricha
vel netza (
abscondamus)
tendiculas (
contra insontem proverb. 1, 11)
ebda 1, 528, 41;
dazu 4, 276, 3 (12.—14.
jh.).
auf eine bedeutung '
schnur'
könnte die folgende glosse weisen, jedoch läszt der auf den vogelfang bezogene sinn der stelle die bed. '
schlinge'
gleichfalls zu: cordae strichis (
inliciunt alias [
sc. columbas]
fallentia grana gulamque innectunt avidam tortae retinacula)
setae (
Prudent. hamart. 810)
ebda 2, 516, 56 (11.
jh.).
wohl auf verwechslung mit laqueus beruht die glossierung laqueari strikhi (
gl. K.), stricki (
Ra.)
ebda 1, 204, 31.
literarisch begegnet stric
im ahd. nur für laqueus: danan enti kenc arhenc sih instriche (
et abiens laqueo se suspendit Matth. 27, 5)
Monseer fragm. 24, 3
Hench; gangenti erhieng sih mit stricu
Tatian 193, 3
Sievers; mînen fuozzen rihton sie strigh (
laqueum parauerunt pedibus meis ps. 56, 7) Notker 2, 216, 11
Piper; stric macedon fuoti mina
altostndfränk. psalmenfragm. 56, 7
v. Helten; diabolus et angeli eius sint uenatores, die rihtent laqueos (
gl. striccha) an manigen illecebris (
zu ps. 90, 3) Notker 2, 383, 25
P.; ubermuote rihton mir striccha (
absconderunt superbi laqueos mihi ps. 139, 6
) ders. 2, 581, 18 P. dieser gebrauch setzt sich, meist in waidmannssprachlichen anwendungen auf den wild- und vogelfang, bis ins nhd. fort, schwindet aber, wohl mehr und mehr durch das wort schlinge (s. d. II 1 a, teil 9, sp. 725) abgelöst, in der jüngeren sprache bis auf bildliche wendungen (s. 4) und mundartliche reste wie strick 'schlinge zum vogelfange' Woeste
westf. 258
a; 'schlinge aus pferdehaar zum drosselfang, ein aus einem zweig gefertigtes dreieck, in dem 2 schlingen aus gedrehten pferdehaaren angebracht werden und an dessen basis ein strausz vogelbeeren aufgehängt wird', he well vun't jahr stricke stellen Mensing
schlesw.-holst. 4, 887
; strick fangschlinge, kästchen zum vogelfang (in diminutivischen zusammensetzungen: hasenstrickle, rehstrickle) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 629
. zur lexikalischen buchung vgl. Diefenbach
gl. 319
a s. v. laqueus; 577b s. v. tendicula; nov. gl. 127a s. v. decipula; 228b s. v. laqueus; 361a s. v. tendicula; eyn stric des weyde mannes nov. gl. 378a s. v. venator: Esau fr ze holzzemit pogen unde mit polzze,
mit netzzin unde mit hundenuie er hirz unde hinden.
er chund wol uahendei reher mit der gahe,
mit drohen und mit strichenuie er hasen diche,
er uie mit dem spiezzeden ebir also raezzen
genesis 46, 22
D.; ... daz er
umbe sînes halses ric
bunde eines seiles stric
unde in zuge als einen diep
durh die stat
Lamprecht v. Regensburg
sanct Franzisken leben 2186
Weinhold; dâ sult ir nemen ein seil unde machet einen stric dran unde leget im den stric an den fuoz mit einem hâken und ziehet in zer tür ûz Berthold v. Regensburg 394, 39
Pf.; wand ûz dem werke wirdet garn,
dâ macht man netze und stricken vil,
dâ mit man uns (
vögel) denn vâhen wil
Boner
edelstein 23, 15
Pf.; im wart gespannen vür daz hol
ein netze, daz was stricken vol.
dô wart der vuchs gevangen
ebda 55, 52;
do ist gebirge, do man veet di tier di do heysin hermel und cucullini ... in den weldin mit strickin d. md. Marco Polo 74, 18 Tscharner; alze Hyntze quam in dat gath,
dar dat stryck was ghesath,
vnde he des stryckes wart gheware,
do was he in groter vare
vnde was do rede ghevangen vast.
he vorschreckede syck sere myt der hast
vnde spranck vort, — dat stryck leep to
Reinke de vos 43
Leitzmann; vogelgarn, ... wachteln geschir vnd stryck, lym ruten Straszburger hausrat (um 1514) C 4b in: Hampe
ged. vom hausrat (1899)
; da er doch wird gar hart beschnürt,
zur schlachtbank, als ein ochs gefürt
vnd wie ein vogel hingericht,
der nicht den strick des stellers sicht
Ringwaldt
lauter warheit (1588) 163;
dem wild mit vorthail nach zu stöllen,
und einen hirsch, reh, wolf, wildschwein
durch die hund oder strick zu föllen
Weckherlin
ged. (1894) 2, 266;
im winter fiengen wir vögel mit sprincken und stricken Grimmelshausen
Simpl. 32
ndr.; wie oft hat sich ein wildes thier
...
in einem unbekannten strick,
zu seinem eignen ungelück
und zu des jägers lust, gefangen
Triller
poet. betrachtungen (1750) 1, 558;
die schwalben sehen ... zu, wie ein ackersmann den leinsamen säet, aus welchem auch die stricke für den vogelfang gedreht werden Hegel
w. (1832) 10, 1, 496
; gleich als wär' ein feistes wildpret
dir gegangen in die stricke
Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 141.
in gleicher auffassung vom netz der spinne: (die spinne) ... verbürgt die strick, damit die mucken gefangen werden Eppendorff
Plinius (1543) 11, 194
. 22)
sehr spärlich ist die im nl. verbreitete bedeutung '
knoten', '
geknüpfte schleife'
bezeugt (
dazu strickchen [
s. d.]
bei Lindenborn
Diogenes [1742] 2, 108).
sie begegnet mundartlich heute nur im westlichen nd. und im schweizerischen: strick '
geknüpfte schleife' Böning
Oldenburg 109; strick '
schleife', in'n strick g
er
n '
sich verknoten' (
von bandschleifen) Woeste
westfäl. 258
a; strik
schlinge, schleife oder geschlungener knoten Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 336; strick,
von zierschleifen, bei Staub-Tobler 11, 2185.
in älterer zeit hatte strick
für '
knoten'
jedoch weitere verbreitung: wâ hât diu helmsnuor ir stric? des turkoyten tjost in traf aldâ Wolfram v. Eschenbach
Parzival 597, 28; von golde und von gesteinewas ez überhangen mit einem netze rîche.dâ mite kom der helt ze hove gegangen. in iegelîchem strickelac ein edelstein
Kudrun 1684
Martin-Schröder; sust prach er ir der keusche strigk Heinrich v. Neustadt
Apollonius 243
Singer; ... daz man in sagt einen der besten ritter sîn, der under helme ie stric gebant
Ludwigs kreuzfahrt 6499
Naumann; entlost ist des troumes stric
buch Daniel 868
Hübner; vnnd strick dann die vier end (
der fäden in der wunde) zu samen, vnnd also geschehent ausz ij puncten oder stich ain knopff oder strick H. Braunschweig
chirurgia (1539) 78
a.
weniger gesichert ist der gebrauch für '
schleife'
; besonders im zweiten beleg wird eher an gedrehte litzen (
im sinne der bed. 3)
zu denken sein: ha, ha, wie ain schone wat! siech, wie manig seltsam nat, wie manig strikch wæhe, durich das man sy an sæhe! Heinrich v. Burgus
d. seele rat 5491
Rosenfeld; noch sindt ander geuch vnd gecken, die zwyfall strick am hembden tragen Murner
narrenbeschwörung 115
ndr.; hertzallerliebe Louisse, ich dancke eüch von hertzen vor dasz strick von ewer arbeydt, werde es ahn einem stock tragen (1707—15) Elisabeth Charlotte v. Orleans
br. 293
Holland. ganz vereinzelt begegnet mhd. stric
für '
einhegung aus verschlungenem strauchwerk' (?): kriuze unde stûden stric dar zu der wagenleisen bic sîne waltstrâzen meit: vil ungevertes er dô reit, dâ wênic wegerîches stuont Wolfram v. Eschenbach
Parzival 180, 3. 33)
seit dem mhd. und im frühnhd. erheblich zunehmend ist der gebrauch des wortes für ein (
in der stärke zwischen schnur und seil liegendes)
seilereierzeugnis von einfacher herstellungsweise zu belegen. zu strick
als seilerterminus vgl.: stricke
sind dicker (
als bindfäden, schnüre und korden)
und verjüngen sich von einem ende gegen das andere ... die stricke bestehen aus 3
oder 4
sehr groben fäden, welche mit rechter drehung und zwar sehr drall gesponnen, dann durch linke, ebenfalls starke, drehung vereinigt sind. am dicken ende bildet man zuletzt eine schlinge Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 8, 193.
diese fertigungsart mit angearbeiteter schlaufe wird den zusammenhang zwischen den bedeutungen 1
und 3
vermittelt haben (
vgl. bei Diefenbach
die berufsbezeichnung laqueator strickmacher, stricker
gl. 319
a; sailer
n. gl. 228
b);
das wort bezeichnet also einerseits die fertige (
z. b. ausgelegte)
schlinge, andererseits aber den zur bildung von schlingen vorgesehenen gegenstand, auch auszerhalb dieser bestimmung. es wird daher der gebräuchliche ausdruck für ein beliebiges stück derber schnur oder geringwertigen tauwerks aus flachs, hanf, werg oder sonst zum zwecke geeignetem material; vgl. funis strick Tortellius
gemma (1495) J 6
d; strick, seyl
laccio, fune, lacciuolo, capestro Hulsius
teutsch-ital. (1618) 1, 242;
Adelung vers. e. wb. 4 (1780) 828. (
unter den nachfolgenden belegen können die beiden frühesten auch im sinne von '
laqueus'
gedeutet werden): einen starken henfîn stric vuort sie an der linken hant, dâ mite sie einen môr bant Heinrich v.
d. Türlin
diu crône 14 179; darzu hiez er den kinden vuze und hende binden mit starken stricken grozen
Daniel 1307
Hübner; durch die geprennten löcher sol man ziehen strick von pferdhaur oder von hannff oder von flachs gemacht Mynsinger
v. d. falken 65
lit. ver.; vnd er machte eine geissel aus stricken, vnd treib sie alle zum tempel hin aus (von sailen
erste dt. bibel)
Joh. 2, 15; da hieben die kriegsknechte die stricke ab von dem kahn vnd liessen jn fallen
apostelgesch. 27, 32; (
im juni ist) das werck zu sailen und stricken verarbeiten zu lassen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 121; andere ... machten aus denen abgeschnittenen haaren stricke Lohenstein
Arminius (1689) 1, 61
a; er flicht einen strick aus schilf Göthe I 48, 96
W.; währenddess hatte sich sein alter hofhund gewaltsam vom stricke losgerissen Eichendorff
s. w. (1864) 3, 320; ein etwan 200 ellen langes, gespanntes strick, welches ... seiner ganzen länge nach, aus dem wasser gezogen wird, wie dies beim schiffeziehn vorkommt Schopenhauer
s. w. 5, 121
Gr.; wir lieszen die weiber mit stricken herab und stiegen selbst nach W. Raabe
s. w. I 2, 382; ein alter mann ... hatte zwei eimer an einem strick über der schulter A. Seghers
d. siebte kreuz (1950) 31.
auf den herstellungsvorgang beziehen sich verbale verbindungen wie einen strick drehen, flechten, wirken: Stephanus ein heiliger hat ... zu gewissen stunden auch strick gewircket Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 542; ergreifet einen selbst geflochtenen strick, den sie längst
dazu gedrehet Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 69; einen strik wollt ich drehen aus meinen eignen gedärmen und mich erdrosseln Schiller 3, 159
G. 3@aa)
gelegentlich tritt strick
für gebräuchlichere spezia ausdrücke ein. für band oder riemen an helm und schild (
vgl. jedoch Wolfram v. Eschenbach
und Ludwigs kreuzfahrt unter 2): er traf in do der helme haft hat, ob des schiltes stricken Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 10259
Regel; damit jhme die stricke seiner sturmhauben gantz vnnd vnzerschnitten verblieben Bastel v.
d. Sohle
juncker Harnisch (1648) 34. —
bogensehne: (
sie) hielten sich ... also getrüwlich, daz sie ausz mangel der geäder, ausz der weiber harlöck strick oder sennen zum geschosz machten S. Franck
chronica (1531) 145
b. —
saite eines musikinstrumentes: der strick zerreist Stoppe
Parnasz (1735) 37. —
seil (
des seiltänzers): wenn sie einmal so einen Pajazzo sehen, wenn er auf dem strick springt Alexis
ruhe (1852) 1, 156. — strick
für den glockenstrang begegnet bei Aventin
in redensartlicher verwendung: die march Brandenburg, die sein (
Sigmunds) vater kaiser Karl dem haus Baiern entfremdt, die strick an den glocken nit bezalt hab
s. w. 5, 565
bayer. akad.; vgl. bei Adelung: die glockenstricke,
welche doch lieber stränge
heissen 4 (1780) 828. —
im tirolischen bezeichnet stricke,
f., einen aus lederriemen geflochtenen strang: sex grosz lange sail und ain ledreine stricken (
um 1450)
tirol. inventar in: Germania 16, 77; 2 lidrein strickhen (1462)
inventare aus Tirol u. Vorarlb. 370
Zingerle. in heutiger mundart: stricka
ein strick oder doppelstrick ... aus ungegerbter rindshaut geflochten, um heu auf dem rücken zu tragen oder lasten auf schlitten oder wagen festzubinden Bühler
Davos 1, 126. 3@bb)
in einigen anwendungsbereichen nähert sich strick
terminologischer verwendung im sinne von '
leitseil'. 3@b@aα)
der strang, an dem man tiere führt (
entsprechend von gefangenen usw.),
vgl. camus ein band, ein strick, ein halfter Calepinus
XI ling. (1579) 198
b: die Unger fuorten an den stricken als das vihe liute veil Ottokar
österr. reimchron. 17168
Seem.; wann sie solchenn ochsenn gekaufft undt geholett habenn, nemenn sie denselbigen ann einenn strick undt fuerenn ihnenn durch die gassenn (1491)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 241; wollen jr lieber ein gans reuten oder ein sau am strick zum äcker führen? Fischart
Garg. 208
ndr.; kann ich dich denn aller orten an einem stricke mitführen
theater d. Deutschen (1768) 12, 469; ein pudel, den er an einem strick führte Fontane
ges. w. (1905) I 1, 419; vorsichtig liesz die eine hand den magen los, den nun die andere ganz allein festhalten muszte wie ein ungebärdiges tier, das am strick reiszt Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 320. 3@b@bβ)
so auch in bildlichen wendungen wie jemanden im strick führen, am strick haben '
ihn am leitseil halten, in seiner gewalt haben': eo tempore incepit satan leutt auff strick (
am narrenseil) furen Luther 17, 1, 51
W.; Sabina Poppea mich in ihren stricken führe A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 133; er hätte besser gethan zu sterben, denn ich werde ihm niemals verzeihen, und nun hab' ich ihn am stricke Göthe I 43, 252
W.; und wenn ich nicht wenigstens meinen August an einem tüchtigen stricke hielte, so wär's schlimm W. Raabe
s. w. I 6, 163. — jemendem den strick über die hörner werfen '
ihn in seine gewalt bringen': die schelcke wollten dem herrn Christo das seil unnd stricke uber die horner werffen Luther 33, 496
W.; manchmal gönne ich es ihm, dass ihm in dem hause, wo er so lange zeit schmarutzt hat, der strick über die hörner geworfen wird Lessing 18, 65
L.-M. 3@b@gγ)
waidmannssprachlich das seil, mit dem jagdhunde zusammengekoppelt und gehalten werden (
s. u. strickhund),
vgl.: vom strick aus hetzen dörfen
jus canibus venandi Frisch
t.-lat. (1741) 2, 347
c: lieb unde lust die hânt gesworn beide ze stricke, swar si wîbes bilde hetzet Heinrich v. Meiszen
minneleich 21, 3
in: leiche u. sprüche, Ettmüller; item 2 scot vor 2 stricke zu den leythunden (1409)
Marienb. treszlerb. 526
Joachim; der fuchsz wird von dem strick mit den hunden gehetzt Meichszner
handbüchlin (1567) 24
b; ... kaum da sie ihn (
den hasen) erblicken, so schäumen sie vor wuth und reissen aus den stricken Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 98.
dann auch eine '
koppel' (
wind-)
hunde; strick
bedeutet insonderheit in der jägersprache so viel, als eine kuppel jagd-hunde, welche bey der deutschen jägerey aus dreyen, bey der französischen aber nur aus zweyen hunden bestehet; mit einem stricke oder mit zwey stricken wind-hunden auf das hasen-hetzen reiten
Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1723; strick windhunde
drei hunde, die gewohnt sind, miteinander zu jagen Riesenthal
s jagdlex. (1916) 524
a: ein grosser herr ... hatte zween leythunde, zween strick winde, so der knecht neben seinem klepper angefahen führete, einen vorstehenden hund und einen falcken bey sich Moscherosch
gesichte (1650) 2, 164; zehn hasen können nicht, was ein strick hunde kann Hagedorn
poet. w. (1769) 1, 2, 233. 3@cc)
redensartliche wendungen lassen auf älteren gebrauch des wortes strick
für '
strang'
in der fuhrmannssprache schlieszen. wenn alle stricke reiszen '
wenn alles fehlschlägt, im höchsten notfall',
vgl. Adelung 4 (1780) 828: mein bester trost ist das, wenn alle stricke reissen: wer mehr thut, als er kann, wie pflegt man den zu heissen? Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 132; erst wenn alle stricke hier reiszen gehe ich nach Mainz zu den Preuszen (1843) L. v. Gall
s. br. 286
Muschler; reiszen aber alle stricke, ... nu da sag' ich halt, ich hätt' ein gelübde gethan Holtei
erz. schr. (1861) 16, 50. —
selten über die stricke (aus-)schlagen '
aus dem normalen verhalten ausbrechen': und wenn ich einmal das äuszerste gewagt habe, so setze ich wohl alles auf die spitze und schlage über die stricke aus Petrasch
sämtl. lustsp. (1765) 2, 205. —
vgl. auch: Junkmann und Schlüter spannen alle stricke an, mich zu bereden, Höfern auch diese zweite auflage zu geben (1843) A. v. Droste-Hülshoff
briefe (1893) 180
Th. Schücking. 3@dd)
bei Luther
begegnet strick
für '
gürtel des mönchs' (
s. u. strickträger 1);
dieser gebrauch kann an die entsprechende mlat. anwendung von laqueus anknüpfen, vgl. laqueus '
zona, cingulum' du Cange 5, 30: das ich ... ein heeryn strick und hembd getragen, auff der banck, auff der erden geschlaffen (1525) 16, 427
W.; ferner 41, 247;
tischreden 6, 156
u. ö. —
in der jüngeren soldatensprache von der schärpe der offiziere: Horn
soldatenspr. (1899) 70; strick
surnom de l'écharpe des officiers René Delcourt
expressions d'argot (1917) 165
a. 3@ee)
im älteren nhd. finden sich vereinzelte (
wohl kaum seemannssprachliche)
anwendungen auf die gesamtheit des tauwerks von schiffen: der wind aus mitternacht erhebet sein gebrüll, und brauset fürchterlich am mastkorb, strick und segel Pyra u. Lange
freundschaftl. lieder (1885) 165; es saust der kugeln flug, der strick und masten schmettert, der schiffe wand durchschlägt, das kriegesvolck zerschmeiszt Pietsch
geb. schr. (1740) 13. 44)
die bildlichen anwendungen des wortes strick
knüpfen in älterer zeit an die vorstellung der waidmännischen fangschlinge an; diese auffassung hält sich, besonders im sinnbereich des betrugs und der verführung, auch in der jüngeren sprache, jedoch rückt daneben, in dem masze, in dem seit dem frühnhd. die bed. 1
durch die bed. 3
abgelöst wird, die vorstellung des fesselnden bandes in den vordergrund. seit ahd. zeit begegnet die verbindung des teufels strick: der mîne fuôze getân habet snelle samoso hirzes, zeuberscricchenne des tiêueles striccha (
ps. 17, 34) Notker 2, 53, 25
P.; huoten solt du dich, daz du in des tieuels strich iht wellest gahen, daz er dich iht geuahe
physiologus in: dt. sprachdenkm. d. 12. jhs. 86, 21
Karajan; also wenn er (
der teufel) einen in huorerey oder ehebruch, in geytz, zorn, hasz, neid oder andere laster würfft, ich meine, er halt vhest, hilfft ein strick, ein ketten nicht, er nimbt jr hundert, das man sich nit herausz kan wicklen Luther 52, 188
W.; wenn man auf die wahrheit wie ein stier los rennt, fällt man in des teufels stricke Alexis
Isegrim (1854) 3, 176. —
ebenso des todes strick (
vgl.des teufels, des todes netz
teil 7,
sp. 637):
preuenerunt me laquei mortis diê striccha des tôdes furefiêngen mih (
ps. 17, 6) Notker 2, 48, 2
P.; sie wâren im sô willic, daz si alle in des tôdes stric mit im geriten wæren Heinrich v.
d. Türlin
diu crône 9121; die, so sich wissentlich ... in des todes strick werffen
Amadis 1, 124
lit. ver.; sieh, wie mich des todes strick', und der höllen band' umfassen Ramler
lyr. ged. (1772) 342.
in gleicher auffassung: wer kan vor seinem vngefell sich hüten, vnd entgehn dem strick, der vber vns all augenblick ist auffgespannt? Spreng
Ilias (1610) 202
b.
auch prägnant von einer bedrohlichen situation: alsus quam er gestrichen bi eine vlut harte groz, die alsam wallende isen vloz an stete burnender glut. do er gesach die selben vlut, im gruwete vor dem stricke, so scharf gab er die blicke
passional 239, 17
Köpke; da sach er einen trachen ligen tiefe under im in dem tal, der dringet uf des mannes val; ez was ein angestlicher strik, er trc vil leiden anblik
Barlaam u. Josaphat 117, 23
Köpke. vorwiegend im mhd. kennzeichnet das wort die befangenheit in einer bedrückenden gemütslage: wâ von und wie ich komen bin in des jâmers stricke, von dem mîn herze dicke ersiufzet bitterlîche
Reinfried v. Braunschweig 4641
B.; die wile an dirre vrowen waz der iamerunge stric do quam ein sunnen liehter blic hin in die kemenate
d. alte passional 121, 25
Hahn; mache auch diesen unschätzbaren helden von den stricken aller furcht losz Lohenstein
Arminius (1689) 1, 79
b.
in wechselnden auffassungen wird seit dem mhd. der minnen, der liebe strick
als fangschlinge, fessel oder umschlingung vorgestellt: ir dienest was vil gereit ir liebeme gaste, der ir herze vaste hâte gebunden zû zim allen stunden mit der minnen stricke Heinrich v. Veldeke
Eneide 58, 15
Ettm.; dô slôz sich in ir (
der Repanse de Schoye) minnen stric Feirefîz der werde gast Wolfram v. Eschenbach
Parzival 811, 4; der minnen wildenære leiten ein ander dicke ir netze unde ir stricke Gottfried v. Straszburg
Tristan 11932
R.; gar wunnikleich hat sie mein herz besessen, in lieb ich ir gevangen pin mit stätikait, verslossen gar in der vil zarten ermlin strick Oswald v. Wolkenstein 33, 3
Schatz; ich will in irem mynne strick bis an mein end wesen
liederbuch d. Hätzlerin 2, 47, 176
Haltaus; gisippe, dieser meiner peyn ein ursach ist die gsponse dein, die mir mein hertz im augenblick fing und bund mit der liebe strick Hans Sachs 12, 20
lit. ver.; darumb so lasset uns geniessen der süssen lieb fruchtreiches glick, dasz wir uns beed in der lieb strick mit unsern armen selbs beschliessen die gantze nacht Weckherlin
ged. 2, 442
lit. ver.; und wenn ich ja einmal einen guten menschen zur aufwartung habe, so vergeht kein monat, dasz ihn nicht das verdammte mädel, die Lisette, in ihren stricken hat Lessing 2, 24
L.-M. sehr häufig sind verbale wendungen, die sich an den vorgang des fangens oder gefangenwerdens anschlieszen, wie jem. stricke legen (
terminologisch seit alters auch stricke richten,
vgl. oben Notker
und im folgenden Hippel), in stricke fallen
u. ä.; ferner auch koppelungen wie netz und strick, strick und garn
sowie sprichwörtlicher gebrauch des sinnes '
wer andern eine schlinge stellt, gerät selbst hinein': ez was geschehen dicke, daz ez sich also stellet, swer dem andern stricke leit, daz er sich selbe drin ervellet
jüng. Titurel 3934
Hahn; werpestu (
beim würfeln) der oghen mer den ik des mot ik vallen in dat strick meister Stephan
schachbuch (14.
jh.) 4959; item der tuffel brucht sy (
die weiber) als ein strick vnnd garn J. Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 184
a; die da reych werden wöllen, die fallen in versuochung und stricke Luther 10, 1, 2, 370
W.; mancher in den strick selbst fällt, den er andern hat gestellt Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 231; mir hat die welt trüglich gericht't ... viel netz und heimlich stricke Hippel
lebensläufe (1778) 1, 284; ... wie ihr selbst den stricken des verraths entgangen seid Schiller 14, 317
G.; sie (
die junker) hätten wohl appetit sich die entlassenen leibeigenen wieder ins alte strick zu fangen Fr. Arndt
in: E.
M. Arndt
schr. (1845) 1, 145; ich musz dich warnen, kind meiner seele, vielleicht ist es noch nicht zu spät, vielleicht bist du noch nicht ganz in den stricken des verführers G. Freytag
ges. w. 2 (1886) 278; cave, cave, Michel Haas, stricke sind dir geleget und schlingen sind dir gestellet W. Raabe
s. w. I 4, 449.
die allgemeine geltung des wortes für betrügliche machenschaften zeigt sich in seiner koppelung mit ausdrücken der list und falschheit, vgl. laqueus allerley dardurch man einen facht vnnd betriegt, strick Frisius
dict. (1556) 755
b: dü welt ist vol striken, falschheit und untrüwen Seuse
dt. schr. 380
Bihlm.; unde hefft im ... bett anher gefeilet, wo wol he alle sine macht, kunst, rencke, anschlege, listige practiken unde stricke ... versöcht hefft
script. rer. Livonicarum 2, 121.
terminologisch wird strick
oder strick der rede
für fallacium, sophisma gebraucht (
vgl. strickfrage
verfängliche frage Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 338): strick oder fall
captencula etiam capitur pro subtili et capciosa verborum deceptione vt est sophisma voc. theut. (
Nürnberg 1482) ff 4
a;
sophisma listig, gschwind, fürwitzig, aber vnkrefftig strick der red, erdichte red, ein betrug Frisius
dict. (1556) 1226
a; hat aber jemand gar der plauderkunst geschworen und ist wie von natur zum streiten nur geboren, ein steiffer haberecht, in allen strikken schnel, der nichts im munde führt als seinen zabarel und meister wandersmann, der sich nie lest bedeuten ... ein solcher macht sich selbst bey jedermann verhaszt Rachel
satyr. ged. 72
ndr. vgl. auch: gott gebe, das sie (
die anhänger Müntzers) sich bekeren zur warheit, wo nicht, das sie eitel stricke müssen schreiben, da mit sie sich fahen und mir ynn die hende komen Luther 23, 283
W. in unterschiedlichen auffassungen symbolisiert das wort die situation des gebunden-, gefangenseins: us welen vreisinen, von welen banden, von welen striken du mich geledget hast Seuse
dt. schr. 310
Bihlm.; wanne sü wellent die stricke des gevengnisses dis vinsternisses nüt liden von Egipten Tauler
pred. 14, 18
Vetter; das wir aus so grewlichem gefengnis der seelen vnd aus des bapsts stricken so gnediglich erloset sind Luther 30, 2, 625
W.; zu selig, schnitte das geschicke von seiner (
d. kaisers) hand die güldnen stricke, womit es ihn zum sklaven macht Haller
ged. (1882) 14; ich selbst zerreiss hiemit des eides band und stricke Gottsched
dt. schaubühne (1741) 2, 59; (
Wilhelm) hielt es (
das gewerbe des vaters) für eine drückende seelenlast, für pech, das die flügel seines geistes verleimte, für stricke, die den hohen schwung der seele fesselten Göthe I 51, 42
W. vereinzelt in abgelegener und dunkler verwendung ('
die verknüpfung, der bund'
? vgl. sich stricken '
sich verbünden'
unter stricken 1 d): das testamente der gabe des frieden und das kleynot da mit syeder der milde Jhesus hait gemacht sinen strick
pilgerf. d. träum. mönchs 2480
Bömer. 55)
in ausgedehntem gebrauch behauptet sich strick
für den strang des henkers neben dem mehr der gehobenen sprache angehörigen worte strang.
auch hier geht mit dem wandel der allgemeinen wortbedeutung die ursprünglich zugrundeliegende vorstellung der schlinge in die des seiles oder stranges über. die ahd. bezeugung in anlehnung an biblischen text (
Matth. 27, 5)
s. unter 1;
vgl. dazu: und her warf di silberîne in den tempil und gînc inwec und hînc sich an einen strik (
laqueo se suspendit)
des Matthias von Behaim evangelienbuch 65
Bechstein; vnd hinge sich an einen strick
erste dt. bibel 1, 108
Kurr. 5@aa)
der strang des henkers, des selbstmörders: id gheschud ok denne so ghar dyck, dat mannich syk henget an eyn stryck Hans v. Ghetelen
narrenschyp 93, 56; sol ichs (
das rosz) stehln, so gehört mir ein strick ant kehln Hans Sachs 17, 85
lit. ver.; bald schickt er (
der bürgermeister) nach den zweien pfaffen, unnd liess sie mit stricken erhencken S. Münster
cosmogr. (1550) 615; um der gefahr der sünde zu entgehen, nahmen sich einige mönche ... mit einem stricke ... das leben Zimmermann
einsamkeit (1784) 1, 214
anm.; auch blieb ihm das letzte wort buchstäblich im halse stecken, als dieser mit dem stricke zugezogen wurde Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 2, 227; ein stück des strickes, an dem Judas sich erhängte Dehio
gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 268. 5@a@aα)
metonymisch für '
galgenstrafe'
oder '
freitod',
vgl.den strick verdient haben
haver meritato il capestro Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1013
a: dahero die, welche ... ihren schild verlohren haben, ihrer unehre mit dem leben durch den strick abhelffen Lohenstein
Arminius (1690) 2, 1203
b; ich hörte eine gewisse dienst-magd diebstahls wegen zum strick verdammen Gottsched
vernünftige tadlerinnen (1725) 1, 50; auf mordbrennerei steht der strik Schiller 3, 146
G.; uns bleibt nur noch der strick oder der gashahn O.
M. Graf
unruhe (1948) 304.
so auch in der koppelung glück und strick: es belangt jhnen nicht zum glück, sondern zum strick Fischart
Garg. 36
ndr.; weisz auch alle natur und eigenschafften deren wurtzen, steiner und kräuter, ... aus diesen kan ich weissagen die zukünfftige ding, glück und strick, freud und plag Stranitzky
reyszbeschr. 10
ndr. 5@a@bβ)
mit der verbindung strick und schwert
wird in älterer zeit die gerichtliche strafgewalt gekennzeichnet (
oftmals treten —
wohl miszverständlich der ächtungsformel entnommen und mit rücksicht auf den feuertod umgedeutet —
die bezeichnungen feuer
und wasser
hinzu): sie (
die armen) sterben an erbarmen. swie sie doch sin unschuldic, so tœtet sie gar der stric, vuer, swert guzet ir blut
Daniel 2734
Hübner; seither ... habt ir (
die päpste) mit feur, mit wasser, mit dem strik und schwert dawider gefochten und gewütet Sleidanus
reden 235
lit. ver.; mit feuer, wasser, strick und eisn wollten wir unsern ernst beweisn
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg (1862) 17; doch wisset, schwert, und stricke, und galgen, glut und rad sind unvermeidentlich
slg. v. schauspielen (1764) 8, 78 (
der spieler); es bleibt mir nichts übrig gegen solche dum mheit als schwert und strick H. Laube
ges. schr. (1875) 2, 81.
als symbol des gerichtsherrn: ja noch darzu sagt Rappus frey, dasz ein bischoff kein diener sey, sonder ein herr mit schwert und strick Fischart
s. dicht. 1, 32
Kurz. vgl. dazu: man legte eisenhandschuh, schwert, strick, scheere, schlegel
und beil
auf die bank, wo sie bis zur aufhebung des gerichts liegen blieben. offenbar ... wahrzeichen peinlicher gerichtsbarkeit J.
Grimm rechtsaltert. 42, 485.
hieran schlieszt sich die übung, zum zeichen der busze oder der unterwerfung unter die richterliche macht des herrn oder des siegers einen strick
um den hals zu tragen (
vgl. Grimm
rechtsaltert. 41, 469
f.; 2, 306
f): die andern warden begnadt und gefrist des lebens, muesten aber zu aim zaichen ain ganz jar ain strick am hals tragn Aventin
s. w. 5, 533
akad.; mit einem stricke um den hals öffentliche abbitte thun Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
b. 5@a@gγ)
verbreitet ist die wendung jem. (sich) einen strick drehen '
auf sein verderben hinarbeiten': bruch die zeitlichen güter zu deiner notturfft, nit zu boszheit, das du dir nit selber ein strick machest, daran du gehenckt werdest Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 205
b; wer mehr nimmt, als er soll, der spinnt sich selbst einen strick Binder
sprichw. 142; willst du daraus einen strick für die Hradschecks drehn? Fontane
ges. w. (1905) I 6, 360; den strick, den die Engländer uns drehen, zur see, nicht wahr, den drehen wir Moskau zu lande A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 131.
im 16.
jh. begegnet die wendung strick zu
als burschikose abwandlung des gruszes glück zu: (
soldat:) glück zu, ich reit ein andre strassen ... (
priester:) strick zu, du loser galgendieb J. Frey
gartenges. 187
lit. ver.; (
Käthe:) wir kommen schon weiter zusammen. glück zu. (
Pickelhering:) ja ja, strick zu Schoch
com. v. stud. leben (1657) D 7
a; strick zu, junker könig, saget, kennet ihr mich wohl
schauspiele engl. comöd. 78, 8
Creizenach. 5@bb)
in metonymischer, besonders umgangssprachlich und mundartlich verbreiteter anwendung wird strick
auch auf eine person übertragen. zunächst im sinne von '
galgenstrick',
gleichsam für einen des strickes würdigen: so ists doch viel besser, wenn die kinder, so von einem geboren werden, sollen böse ungeratene stricke werden, dasz gott einem keine kinder gebe Rhot
Jesus Sirach (1587) 1, 206
b; Reinike der fuchs, der arge strik und bösewicht
Reinicke fuchs (1650) 225; geh, strick, verdammter galgenstrang! Spindler
unschuldige jugendfrüchte (1745) 229; der kerl hält so nebenbänkchen, ... bey mir hat der strick so ein zehn tausend thaler gemacht Iffland
theatr. w. (1827) 2, 210; wenn er auch ein zu abgedrehter strick war Holtei
erz. schr. (1861) 28, 29.
sprichwörtlich: je löser strick, je besser glück Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1013
b; so ein haselant und zweihundert reichsthaler ... je gröszer strick, je gröszer glück Gaudy
s. w. (1844) 18, 107.
doch auch weniger abschätzig '
tunichtgut, racker, schlingel',
meist von kindern: du junger lecker, kleiner strick, was gelts, wir wöllens deim vatter sagen Fischart
w. 2, 36
Hauffen; ja, er strick er? auf die weibsbilder geht er los?
slg. v. schauspielen (1764) 6, 140 (
haushaltung n. d. mode); hättest ... arm und bein brechen können, du verwegner strick maler Müller
w. (1811) 1, 291; mit noch einigen anderen stricken ähnlicher art pflegten wir ... abends streifpartieen zu unternehmen
erinn. e. alten Estländers (
o. j.) 71; se is manchmal a strick, se thut manchmal nich gut Gerhart Hauptmann
biberpelz (1893) 71.
bedauernd: er müst bleiben unten hangen, kont nicht fort der arme strik
Reinicke fuchs (1650) 118. 66) strick
in vereinzelten abweichenden bedeutungen. 6@aa)
ein feldmasz: stricke
oder stricken
nennet man an theils orten eine art von feldmaassen Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1724. 6@bb)
im thüring.-obersächs. ein landstück von bestimmten abmessungen: eyn ackyr, der stozit uf Henczin hern Arnoldis; eyn strik (
var. stuck) by Henriche Beckin, des sint dru virteyl (1345)
urkundenb. d. klosters Pforte 1, 519;
die einzelnen grundstücken, aus welchen diese gröszern flächen (
der dreifelderwirtschaft)
bestehen, haben ebenfalls besondere namen; man heiszt in mehreren gegenden striegel, streil
oder strick
ein grundstück von unbestimmter länge und von der breite einer ruthe zu 14
oder 16
schuh, schnelle
ein stück, welches halb so lang und halb so breit als jenes ist Schilling
hdb. d. landwirthsch. rechts d. sächs. länder (1828) 115. 6@cc)
im schweiz. '
pfad, weg': daruf wir mit dem Hacken ... sin übereinkomen, dasz er noch hinacht mit denen von Wimmis verschaffet, das si noch hinacht zu den stricken und wegen, so bi der Kander ab gant, warten söllen
qu. v. j. 1445
bei Staub-Tobler
schweiz. id. 11, 2186. 6@dd)
von bed. c
aus tritt strick
im alem. als simplex oder in komposition häufig als flurname auf; vgl. Staub-Tobler
schweiz. id. 11, 2186; Fischer
schwäb. 5, 1864; Buck
obd. flurnamenb. 272. 6@ee)
im schweiz. von einer bestimmten holzkonstruktion, insbes. im blockbau '
haus- oder stallwand aus liegenden balken',
s. schweiz. id. 11, 2185,
wo weitere angaben: sechs tagen vor sym tod erlasch sunn und mon ... alle strick oder zemenfüegung der hölczern in dem sale, da er in was, erkrachotend und liessen sich etwas usz einandren
dt. volksbücher (15.
jh.) 110, 5
Bachmann-Singer. 6@ff)
als bezeichnung eines fossils: strick
ein astroit, der gewundene strick Krünitz
öcon. encycl. 175 (1840) 682.