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strick

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

strick m., n.

Bd. 19, Sp. 1562
strick, m., n. , 'laqueus', 'funis, restis'. herkunft und form. das wort gehört dem deutsch-niederländischen sprachgebiet an. ahd. mhd. stric, mnd. strick, anfrk. mnl. stric, nnl. strik; die afrs. komposita strikhalt und striklom Richthofen afrs. wb. 1054, dazu mnl. striclam Verwijs-Verdam 7, 2325, enthalten, wie aus griphalt, griplom 'greiflahm' hervorgeht, nicht eine entsprechung von hd. strick, sondern von hd. strich, s. van Helten z. lexicologie d. aofr. 316. n. strikke 'strang, leine', strik 'schelm' und schwed. streck in klädestreck 'wäscheleine' (dagegen ist streck 'strich' = dt. strich, s. Hellquist 31086 u. o. sp. 1514 sind aus dem mnd. entlehnt. — strick gehört mit intensivgemination zu vorgerm. streig- 'zusammendrehen, zusammenschnüren' in lat. stringere ds., s. Walde-Pokorny 2, 649. in seiner ahd. flexion zeigt sich das wort im übergang vom i-stamm zum a-stamm (vgl. neben a-formen den n. pl. strikhi, stricki ahd. gl. 1, 204, 31 St.-S. [8. jh.]; d. pl. stricchin, strichin in mehreren glossen des 11. jhs. [s. u. 1]). die lautverschiebungsstufe des gutturals und die erhaltung des kurzen -i- im nd. und nl. weisen auf alte geminate. als vorahd. grundform ist daher strikki- anzusetzen (s. Falk u. Torp bei Fick 3, 500). mundartlich ist strick über das gesamte deutsche sprachgebiet verbreitet. im bereich des niederdeutschen findet sich, wie im mnl., neben dem masc. auch neutrales geschlecht des wortes, s. Schiller-Lübben mnd. wb. 5, 433a und Richey Hamburg (1755) 294; Frischbier pr. 2, 381b; Bauer-Collitz Waldeck 281; Schambach Göttingen 214b; Woeste westfäl. 258a; Mensing schlesw.-holst. 4, 887. vereinzelt ist das neutrum in die schriftsprache eingedrungen, vgl. Rottmann d. lustige philosophus (1715) 447; Knigge roman m. lebens (1781) 1, 7; Fr. Arndt in: E. M. Arndt schr. (1845) 1, 145 (s. u. 4); Schopenhauer s. w. 5, 121 Grisebach (s. u. 3). im tirolischen erscheint ein femininum stricke (s. u. 3 a); ferner mit auffälligem t-antritt: Judas wildw dich hencken, so wil ich dir ain strickt schencken altd. passionsspiele aus Tirol 103 Wackernell. bedeutung und gebrauch. 11) 'schlinge'. im ahd. steht stric regelmäszig für lat. laqueus oder andere lateinische wörter, die ein schlingenförmiges oder mit schlingen ausgestattetes fanggerät bezeichnen (die angabe 'seil, funis' nebst dem nachfolgenden zitat N. 129, 5 bei Graff ahd. sprachschatz 6, 739 ist irreführend, stric und funis sind in der angegebenen psalmenstelle nicht enthalten; im übrigen wird funis an den drei stellen seines vorkommens im psalter [15, 6; 118, 61; 139, 6] von Notker in üblicher weise mit seil übersetzt). die anwendungen im sinne der bedeutung 'schlinge' bewegen sich oft in biblischen bildern aus dem jagdwesen, wobei auch für das deutsche wort jägersprachlicher gebrauch vorausgesetzt werden musz (zur sachlichen erläuterung der schlingenförmigen fanggeräte s. Lindner gesch. d. dt. weidwerks 2 [1940] 307ff. und 320ff.): muscipula falla, laqueos strik (gl. K.), laqueus stric (Ra.) ahd. gl. 1, 209, 1 St.-S. (vgl. 1, 204, 31); muscipula strhc (l. strihc), angul (muscipula laiqueus uel temptatio corp. glossar. lat. 4, 539, 29) ebda 4, 7, 22 (Ic., 9. jh.); laqueus stric (darauf: pedica idem) 3, 381, 26 (13. jh.); strik 3, 358, 8 (13. jh.); laqueus stric (pedica uotstric ebda) 3, 788, 49 (13. jh.); pedica qua pedes capiuntur i. druch vel stric 3, 341, 32 (summar. Heinrici, 12. jh.); strichin (callidus inlaqueat volucres aut) pedicis (dolus aut maculis Prudent. hymn. a. cib. 42) ebda 2, 391, 68 (11. jh.); dazu 387, 24; 501, 50; 531, 31; 575, 27; zu maculis derselben stelle: strichin vel snarchun 2, 414, 55; stricchin 552, 10 (11. jh.); decipula i. laqueus strich vel ualla 3, 348, 29 (summar. Heinrici, 12. jh.); decipula stric 3, 381, 29 (13. jh.); stricha vel netza (abscondamus) tendiculas (contra insontem proverb. 1, 11) ebda 1, 528, 41; dazu 4, 276, 3 (12.—14. jh.). auf eine bedeutung 'schnur' könnte die folgende glosse weisen, jedoch läszt der auf den vogelfang bezogene sinn der stelle die bed. 'schlinge' gleichfalls zu: cordae strichis (inliciunt alias [sc. columbas] fallentia grana gulamque innectunt avidam tortae retinacula) setae (Prudent. hamart. 810) ebda 2, 516, 56 (11. jh.). wohl auf verwechslung mit laqueus beruht die glossierung laqueari strikhi (gl. K.), stricki (Ra.) ebda 1, 204, 31. literarisch begegnet stric im ahd. nur für laqueus: danan enti kenc arhenc sih instriche (et abiens laqueo se suspendit Matth. 27, 5) Monseer fragm. 24, 3 Hench; gangenti erhieng sih mit stricu Tatian 193, 3 Sievers; mînen fuozzen rihton sie strigh (laqueum parauerunt pedibus meis ps. 56, 7) Notker 2, 216, 11 Piper; stric macedon fuoti mina altostndfränk. psalmenfragm. 56, 7 v. Helten; diabolus et angeli eius sint uenatores, die rihtent laqueos (gl. striccha) an manigen illecebris (zu ps. 90, 3) Notker 2, 383, 25 P.; ubermuote rihton mir striccha (absconderunt superbi laqueos mihi ps. 139, 6) ders. 2, 581, 18 P. dieser gebrauch setzt sich, meist in waidmannssprachlichen anwendungen auf den wild- und vogelfang, bis ins nhd. fort, schwindet aber, wohl mehr und mehr durch das wort schlinge (s. d. II 1 a, teil 9, sp. 725) abgelöst, in der jüngeren sprache bis auf bildliche wendungen (s. 4) und mundartliche reste wie strick 'schlinge zum vogelfange' Woeste westf. 258a; 'schlinge aus pferdehaar zum drosselfang, ein aus einem zweig gefertigtes dreieck, in dem 2 schlingen aus gedrehten pferdehaaren angebracht werden und an dessen basis ein strausz vogelbeeren aufgehängt wird', he well vun't jahr stricke stellen Mensing schlesw.-holst. 4, 887; strick fangschlinge, kästchen zum vogelfang (in diminutivischen zusammensetzungen: hasenstrickle, rehstrickle) Martin-Lienhart elsäss. 2, 629. zur lexikalischen buchung vgl. Diefenbach gl. 319a s. v. laqueus; 577b s. v. tendicula; nov. gl. 127a s. v. decipula; 228b s. v. laqueus; 361a s. v. tendicula; eyn stric des weyde mannes nov. gl. 378a s. v. venator: Esau fr ze holzzemit pogen unde mit polzze, mit netzzin unde mit hundenuie er hirz unde hinden. er chund wol uahendei reher mit der gahe, mit drohen und mit strichenuie er hasen diche, er uie mit dem spiezzeden ebir also raezzen genesis 46, 22 D.; ... daz er umbe sînes halses ric bunde eines seiles stric unde in zuge als einen diep durh die stat Lamprecht v. Regensburg sanct Franzisken leben 2186 Weinhold; sult ir nemen ein seil unde machet einen stric dran unde leget im den stric an den fuoz mit einem hâken und ziehet in zer tür ûz Berthold v. Regensburg 394, 39 Pf.; wand ûz dem werke wirdet garn, dâ macht man netze und stricken vil, dâ mit man uns (vögel) denn vâhen wil Boner edelstein 23, 15 Pf.; im wart gespannen vür daz hol ein netze, daz was stricken vol. dô wart der vuchs gevangen ebda 55, 52; do ist gebirge, do man veet di tier di do heysin hermel und cucullini ... in den weldin mit strickin d. md. Marco Polo 74, 18 Tscharner; alze Hyntze quam in dat gath, dar dat stryck was ghesath, vnde he des stryckes wart gheware, do was he in groter vare vnde was do rede ghevangen vast. he vorschreckede syck sere myt der hast vnde spranck vort, — dat stryck leep to Reinke de vos 43 Leitzmann; vogelgarn, ... wachteln geschir vnd stryck, lym ruten Straszburger hausrat (um 1514) C 4b in: Hampe ged. vom hausrat (1899); da er doch wird gar hart beschnürt, zur schlachtbank, als ein ochs gefürt vnd wie ein vogel hingericht, der nicht den strick des stellers sicht Ringwaldt lauter warheit (1588) 163; dem wild mit vorthail nach zu stöllen, und einen hirsch, reh, wolf, wildschwein durch die hund oder strick zu föllen Weckherlin ged. (1894) 2, 266; im winter fiengen wir vögel mit sprincken und stricken Grimmelshausen Simpl. 32 ndr.; wie oft hat sich ein wildes thier ... in einem unbekannten strick, zu seinem eignen ungelück und zu des jägers lust, gefangen Triller poet. betrachtungen (1750) 1, 558; die schwalben sehen ... zu, wie ein ackersmann den leinsamen säet, aus welchem auch die stricke für den vogelfang gedreht werden Hegel w. (1832) 10, 1, 496; gleich als wär' ein feistes wildpret dir gegangen in die stricke Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 141. in gleicher auffassung vom netz der spinne: (die spinne) ... verbürgt die strick, damit die mucken gefangen werden Eppendorff Plinius (1543) 11, 194. 22) sehr spärlich ist die im nl. verbreitete bedeutung 'knoten', 'geknüpfte schleife' bezeugt (dazu strickchen [s. d.] bei Lindenborn Diogenes [1742] 2, 108). sie begegnet mundartlich heute nur im westlichen nd. und im schweizerischen: strick 'geknüpfte schleife' Böning Oldenburg 109; strick 'schleife', in'n strick gern 'sich verknoten' (von bandschleifen) Woeste westfäl. 258a; strik schlinge, schleife oder geschlungener knoten Doornkaat Koolman ostfries. 3, 336; strick, von zierschleifen, bei Staub-Tobler 11, 2185. in älterer zeit hatte strick für 'knoten' jedoch weitere verbreitung: wâ hât diu helmsnuor ir stric? des turkoyten tjost in traf aldâ Wolfram v. Eschenbach Parzival 597, 28; von golde und von gesteinewas ez überhangen mit einem netze rîche.dâ mite kom der helt ze hove gegangen. in iegelîchem strickelac ein edelstein Kudrun 1684 Martin-Schröder; sust prach er ir der keusche strigk Heinrich v. Neustadt Apollonius 243 Singer; ... daz man in sagt einen der besten ritter sîn, der under helme ie stric gebant Ludwigs kreuzfahrt 6499 Naumann; entlost ist des troumes stric buch Daniel 868 Hübner; vnnd strick dann die vier end (der fäden in der wunde) zu samen, vnnd also geschehent ausz ij puncten oder stich ain knopff oder strick H. Braunschweig chirurgia (1539) 78a. weniger gesichert ist der gebrauch für 'schleife'; besonders im zweiten beleg wird eher an gedrehte litzen (im sinne der bed. 3) zu denken sein: ha, ha, wie ain schone wat! siech, wie manig seltsam nat, wie manig strikch wæhe, durich das man sy an sæhe! Heinrich v. Burgus d. seele rat 5491 Rosenfeld; noch sindt ander geuch vnd gecken, die zwyfall strick am hembden tragen Murner narrenbeschwörung 115 ndr.; hertzallerliebe Louisse, ich dancke eüch von hertzen vor dasz strick von ewer arbeydt, werde es ahn einem stock tragen (1707—15) Elisabeth Charlotte v. Orleans br. 293 Holland. ganz vereinzelt begegnet mhd. stric für 'einhegung aus verschlungenem strauchwerk' (?): kriuze unde stûden stric dar zu der wagenleisen bic sîne waltstrâzen meit: vil ungevertes er dô reit, dâ wênic wegerîches stuont Wolfram v. Eschenbach Parzival 180, 3. 33) seit dem mhd. und im frühnhd. erheblich zunehmend ist der gebrauch des wortes für ein (in der stärke zwischen schnur und seil liegendes) seilereierzeugnis von einfacher herstellungsweise zu belegen. zu strick als seilerterminus vgl.: stricke sind dicker (als bindfäden, schnüre und korden) und verjüngen sich von einem ende gegen das andere ... die stricke bestehen aus 3 oder 4 sehr groben fäden, welche mit rechter drehung und zwar sehr drall gesponnen, dann durch linke, ebenfalls starke, drehung vereinigt sind. am dicken ende bildet man zuletzt eine schlinge Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 8, 193. diese fertigungsart mit angearbeiteter schlaufe wird den zusammenhang zwischen den bedeutungen 1 und 3 vermittelt haben (vgl. bei Diefenbach die berufsbezeichnung laqueator strickmacher, stricker gl. 319a; sailer n. gl. 228b); das wort bezeichnet also einerseits die fertige (z. b. ausgelegte) schlinge, andererseits aber den zur bildung von schlingen vorgesehenen gegenstand, auch auszerhalb dieser bestimmung. es wird daher der gebräuchliche ausdruck für ein beliebiges stück derber schnur oder geringwertigen tauwerks aus flachs, hanf, werg oder sonst zum zwecke geeignetem material; vgl. funis strick Tortellius gemma (1495) J 6d; strick, seyl laccio, fune, lacciuolo, capestro Hulsius teutsch-ital. (1618) 1, 242; Adelung vers. e. wb. 4 (1780) 828. (unter den nachfolgenden belegen können die beiden frühesten auch im sinne von 'laqueus' gedeutet werden): einen starken henfîn stric vuort sie an der linken hant, dâ mite sie einen môr bant Heinrich v. d. Türlin diu crône 14 179; darzu hiez er den kinden vuze und hende binden mit starken stricken grozen Daniel 1307 Hübner; durch die geprennten löcher sol man ziehen strick von pferdhaur oder von hannff oder von flachs gemacht Mynsinger v. d. falken 65 lit. ver.; vnd er machte eine geissel aus stricken, vnd treib sie alle zum tempel hin aus (von sailen erste dt. bibel) Joh. 2, 15; da hieben die kriegsknechte die stricke ab von dem kahn vnd liessen jn fallen apostelgesch. 27, 32; (im juni ist) das werck zu sailen und stricken verarbeiten zu lassen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 121; andere ... machten aus denen abgeschnittenen haaren stricke Lohenstein Arminius (1689) 1, 61a; er flicht einen strick aus schilf Göthe I 48, 96 W.; währenddess hatte sich sein alter hofhund gewaltsam vom stricke losgerissen Eichendorff s. w. (1864) 3, 320; ein etwan 200 ellen langes, gespanntes strick, welches ... seiner ganzen länge nach, aus dem wasser gezogen wird, wie dies beim schiffeziehn vorkommt Schopenhauer s. w. 5, 121 Gr.; wir lieszen die weiber mit stricken herab und stiegen selbst nach W. Raabe s. w. I 2, 382; ein alter mann ... hatte zwei eimer an einem strick über der schulter A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 31. auf den herstellungsvorgang beziehen sich verbale verbindungen wie einen strick drehen, flechten, wirken: Stephanus ein heiliger hat ... zu gewissen stunden auch strick gewircket Abr. a s. Clara Judas (1686) 542; ergreifet einen selbst geflochtenen strick, den sie längst dazu gedrehet Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 69; einen strik wollt ich drehen aus meinen eignen gedärmen und mich erdrosseln Schiller 3, 159 G. 3@aa) gelegentlich tritt strick für gebräuchlichere spezia ausdrücke ein. für band oder riemen an helm und schild (vgl. jedoch Wolfram v. Eschenbach und Ludwigs kreuzfahrt unter 2): er traf in do der helme haft hat, ob des schiltes stricken Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 10259 Regel; damit jhme die stricke seiner sturmhauben gantz vnnd vnzerschnitten verblieben Bastel v. d. Sohle juncker Harnisch (1648) 34. — bogensehne: (sie) hielten sich ... also getrüwlich, daz sie ausz mangel der geäder, ausz der weiber harlöck strick oder sennen zum geschosz machten S. Franck chronica (1531) 145b. — saite eines musikinstrumentes: der strick zerreist Stoppe Parnasz (1735) 37. — seil (des seiltänzers): wenn sie einmal so einen Pajazzo sehen, wenn er auf dem strick springt Alexis ruhe (1852) 1, 156. — strick für den glockenstrang begegnet bei Aventin in redensartlicher verwendung: die march Brandenburg, die sein (Sigmunds) vater kaiser Karl dem haus Baiern entfremdt, die strick an den glocken nit bezalt hab s. w. 5, 565 bayer. akad.; vgl. bei Adelung: die glockenstricke, welche doch lieber stränge heissen 4 (1780) 828. — im tirolischen bezeichnet stricke, f., einen aus lederriemen geflochtenen strang: sex grosz lange sail und ain ledreine stricken (um 1450) tirol. inventar in: Germania 16, 77; 2 lidrein strickhen (1462) inventare aus Tirol u. Vorarlb. 370 Zingerle. in heutiger mundart: stricka ein strick oder doppelstrick ... aus ungegerbter rindshaut geflochten, um heu auf dem rücken zu tragen oder lasten auf schlitten oder wagen festzubinden Bühler Davos 1, 126. 3@bb) in einigen anwendungsbereichen nähert sich strick terminologischer verwendung im sinne von 'leitseil'. 3@b@aα) der strang, an dem man tiere führt (entsprechend von gefangenen usw.), vgl. camus ein band, ein strick, ein halfter Calepinus XI ling. (1579) 198b: die Unger fuorten an den stricken als das vihe liute veil Ottokar österr. reimchron. 17168 Seem.; wann sie solchenn ochsenn gekaufft undt geholett habenn, nemenn sie denselbigen ann einenn strick undt fuerenn ihnenn durch die gassenn (1491) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 241; wollen jr lieber ein gans reuten oder ein sau am strick zum äcker führen? Fischart Garg. 208 ndr.; kann ich dich denn aller orten an einem stricke mitführen theater d. Deutschen (1768) 12, 469; ein pudel, den er an einem strick führte Fontane ges. w. (1905) I 1, 419; vorsichtig liesz die eine hand den magen los, den nun die andere ganz allein festhalten muszte wie ein ungebärdiges tier, das am strick reiszt Werfel geschw. v. Neapel (1931) 320. 3@b@bβ) so auch in bildlichen wendungen wie jemanden im strick führen, am strick haben 'ihn am leitseil halten, in seiner gewalt haben': eo tempore incepit satan leutt auff strick (am narrenseil) furen Luther 17, 1, 51 W.; Sabina Poppea mich in ihren stricken führe A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 133; er hätte besser gethan zu sterben, denn ich werde ihm niemals verzeihen, und nun hab' ich ihn am stricke Göthe I 43, 252 W.; und wenn ich nicht wenigstens meinen August an einem tüchtigen stricke hielte, so wär's schlimm W. Raabe s. w. I 6, 163. — jemendem den strick über die hörner werfen 'ihn in seine gewalt bringen': die schelcke wollten dem herrn Christo das seil unnd stricke uber die horner werffen Luther 33, 496 W.; manchmal gönne ich es ihm, dass ihm in dem hause, wo er so lange zeit schmarutzt hat, der strick über die hörner geworfen wird Lessing 18, 65 L.-M. 3@b@gγ) waidmannssprachlich das seil, mit dem jagdhunde zusammengekoppelt und gehalten werden (s. u. strickhund), vgl.: vom strick aus hetzen dörfen jus canibus venandi Frisch t.-lat. (1741) 2, 347c: lieb unde lust die hânt gesworn beide ze stricke, swar si wîbes bilde hetzet Heinrich v. Meiszen minneleich 21, 3 in: leiche u. sprüche, Ettmüller; item 2 scot vor 2 stricke zu den leythunden (1409) Marienb. treszlerb. 526 Joachim; der fuchsz wird von dem strick mit den hunden gehetzt Meichszner handbüchlin (1567) 24b; ... kaum da sie ihn (den hasen) erblicken, so schäumen sie vor wuth und reissen aus den stricken Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 98. dann auch eine 'koppel' (wind-)hunde; strick bedeutet insonderheit in der jägersprache so viel, als eine kuppel jagd-hunde, welche bey der deutschen jägerey aus dreyen, bey der französischen aber nur aus zweyen hunden bestehet; mit einem stricke oder mit zwey stricken wind-hunden auf das hasen-hetzen reiten Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1723; strick windhunde drei hunde, die gewohnt sind, miteinander zu jagen Riesenthals jagdlex. (1916) 524a: ein grosser herr ... hatte zween leythunde, zween strick winde, so der knecht neben seinem klepper angefahen führete, einen vorstehenden hund und einen falcken bey sich Moscherosch gesichte (1650) 2, 164; zehn hasen können nicht, was ein strick hunde kann Hagedorn poet. w. (1769) 1, 2, 233. 3@cc) redensartliche wendungen lassen auf älteren gebrauch des wortes strick für 'strang' in der fuhrmannssprache schlieszen. wenn alle stricke reiszen 'wenn alles fehlschlägt, im höchsten notfall', vgl. Adelung 4 (1780) 828: mein bester trost ist das, wenn alle stricke reissen: wer mehr thut, als er kann, wie pflegt man den zu heissen? Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 132; erst wenn alle stricke hier reiszen gehe ich nach Mainz zu den Preuszen (1843) L. v. Gall s. br. 286 Muschler; reiszen aber alle stricke, ... nu da sag' ich halt, ich hätt' ein gelübde gethan Holtei erz. schr. (1861) 16, 50. — selten über die stricke (aus-)schlagen 'aus dem normalen verhalten ausbrechen': und wenn ich einmal das äuszerste gewagt habe, so setze ich wohl alles auf die spitze und schlage über die stricke aus Petrasch sämtl. lustsp. (1765) 2, 205. — vgl. auch: Junkmann und Schlüter spannen alle stricke an, mich zu bereden, Höfern auch diese zweite auflage zu geben (1843) A. v. Droste-Hülshoff briefe (1893) 180 Th. Schücking. 3@dd) bei Luther begegnet strick für 'gürtel des mönchs' (s. u. strickträger 1); dieser gebrauch kann an die entsprechende mlat. anwendung von laqueus anknüpfen, vgl. laqueus 'zona, cingulum' du Cange 5, 30: das ich ... ein heeryn strick und hembd getragen, auff der banck, auff der erden geschlaffen (1525) 16, 427 W.; ferner 41, 247; tischreden 6, 156 u. ö.in der jüngeren soldatensprache von der schärpe der offiziere: Horn soldatenspr. (1899) 70; strick surnom de l'écharpe des officiers René Delcourt expressions d'argot (1917) 165a. 3@ee) im älteren nhd. finden sich vereinzelte (wohl kaum seemannssprachliche) anwendungen auf die gesamtheit des tauwerks von schiffen: der wind aus mitternacht erhebet sein gebrüll, und brauset fürchterlich am mastkorb, strick und segel Pyra u. Lange freundschaftl. lieder (1885) 165; es saust der kugeln flug, der strick und masten schmettert, der schiffe wand durchschlägt, das kriegesvolck zerschmeiszt Pietsch geb. schr. (1740) 13. 44) die bildlichen anwendungen des wortes strick knüpfen in älterer zeit an die vorstellung der waidmännischen fangschlinge an; diese auffassung hält sich, besonders im sinnbereich des betrugs und der verführung, auch in der jüngeren sprache, jedoch rückt daneben, in dem masze, in dem seit dem frühnhd. die bed. 1 durch die bed. 3 abgelöst wird, die vorstellung des fesselnden bandes in den vordergrund. seit ahd. zeit begegnet die verbindung des teufels strick: der mîne fuôze getân habet snelle samoso hirzes, zeuberscricchenne des tiêueles striccha (ps. 17, 34) Notker 2, 53, 25 P.; huoten solt du dich, daz du in des tieuels strich iht wellest gahen, daz er dich iht geuahe physiologus in: dt. sprachdenkm. d. 12. jhs. 86, 21 Karajan; also wenn er (der teufel) einen in huorerey oder ehebruch, in geytz, zorn, hasz, neid oder andere laster würfft, ich meine, er halt vhest, hilfft ein strick, ein ketten nicht, er nimbt jr hundert, das man sich nit herausz kan wicklen Luther 52, 188 W.; wenn man auf die wahrheit wie ein stier los rennt, fällt man in des teufels stricke Alexis Isegrim (1854) 3, 176. — ebenso des todes strick (vgl.des teufels, des todes netz teil 7, sp. 637): preuenerunt me laquei mortis diê striccha des tôdes furefiêngen mih (ps. 17, 6) Notker 2, 48, 2 P.; sie wâren im sô willic, daz si alle in des tôdes stric mit im geriten wæren Heinrich v. d. Türlin diu crône 9121; die, so sich wissentlich ... in des todes strick werffen Amadis 1, 124 lit. ver.; sieh, wie mich des todes strick', und der höllen band' umfassen Ramler lyr. ged. (1772) 342. in gleicher auffassung: wer kan vor seinem vngefell sich hüten, vnd entgehn dem strick, der vber vns all augenblick ist auffgespannt? Spreng Ilias (1610) 202b. auch prägnant von einer bedrohlichen situation: alsus quam er gestrichen bi eine vlut harte groz, die alsam wallende isen vloz an stete burnender glut. do er gesach die selben vlut, im gruwete vor dem stricke, so scharf gab er die blicke passional 239, 17 Köpke; da sach er einen trachen ligen tiefe under im in dem tal, der dringet uf des mannes val; ez was ein angestlicher strik, er trc vil leiden anblik Barlaam u. Josaphat 117, 23 Köpke. vorwiegend im mhd. kennzeichnet das wort die befangenheit in einer bedrückenden gemütslage: wâ von und wie ich komen bin in des jâmers stricke, von dem mîn herze dicke ersiufzet bitterlîche Reinfried v. Braunschweig 4641 B.; die wile an dirre vrowen waz der iamerunge stric do quam ein sunnen liehter blic hin in die kemenate d. alte passional 121, 25 Hahn; mache auch diesen unschätzbaren helden von den stricken aller furcht losz Lohenstein Arminius (1689) 1, 79b. in wechselnden auffassungen wird seit dem mhd. der minnen, der liebe strick als fangschlinge, fessel oder umschlingung vorgestellt: ir dienest was vil gereit ir liebeme gaste, der ir herze vaste hâte gebunden zû zim allen stunden mit der minnen stricke Heinrich v. Veldeke Eneide 58, 15 Ettm.; dô slôz sich in ir (der Repanse de Schoye) minnen stric Feirefîz der werde gast Wolfram v. Eschenbach Parzival 811, 4; der minnen wildenære leiten ein ander dicke ir netze unde ir stricke Gottfried v. Straszburg Tristan 11932 R.; gar wunnikleich hat sie mein herz besessen, in lieb ich ir gevangen pin mit stätikait, verslossen gar in der vil zarten ermlin strick Oswald v. Wolkenstein 33, 3 Schatz; ich will in irem mynne strick bis an mein end wesen liederbuch d. Hätzlerin 2, 47, 176 Haltaus; gisippe, dieser meiner peyn ein ursach ist die gsponse dein, die mir mein hertz im augenblick fing und bund mit der liebe strick Hans Sachs 12, 20 lit. ver.; darumb so lasset uns geniessen der süssen lieb fruchtreiches glick, dasz wir uns beed in der lieb strick mit unsern armen selbs beschliessen die gantze nacht Weckherlin ged. 2, 442 lit. ver.; und wenn ich ja einmal einen guten menschen zur aufwartung habe, so vergeht kein monat, dasz ihn nicht das verdammte mädel, die Lisette, in ihren stricken hat Lessing 2, 24 L.-M. sehr häufig sind verbale wendungen, die sich an den vorgang des fangens oder gefangenwerdens anschlieszen, wie jem. stricke legen (terminologisch seit alters auch stricke richten, vgl. oben Notker und im folgenden Hippel), in stricke fallen u. ä.; ferner auch koppelungen wie netz und strick, strick und garn sowie sprichwörtlicher gebrauch des sinnes 'wer andern eine schlinge stellt, gerät selbst hinein': ez was geschehen dicke, daz ez sich also stellet, swer dem andern stricke leit, daz er sich selbe drin ervellet jüng. Titurel 3934 Hahn; werpestu (beim würfeln) der oghen mer den ik des mot ik vallen in dat strick meister Stephan schachbuch (14. jh.) 4959; item der tuffel brucht sy (die weiber) als ein strick vnnd garn J. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 184a; die da reych werden wöllen, die fallen in versuochung und stricke Luther 10, 1, 2, 370 W.; mancher in den strick selbst fällt, den er andern hat gestellt Lehmann floril. polit. (1662) 3, 231; mir hat die welt trüglich gericht't ... viel netz und heimlich stricke Hippel lebensläufe (1778) 1, 284; ... wie ihr selbst den stricken des verraths entgangen seid Schiller 14, 317 G.; sie (die junker) hätten wohl appetit sich die entlassenen leibeigenen wieder ins alte strick zu fangen Fr. Arndt in: E. M. Arndt schr. (1845) 1, 145; ich musz dich warnen, kind meiner seele, vielleicht ist es noch nicht zu spät, vielleicht bist du noch nicht ganz in den stricken des verführers G. Freytag ges. w. 2 (1886) 278; cave, cave, Michel Haas, stricke sind dir geleget und schlingen sind dir gestellet W. Raabe s. w. I 4, 449. die allgemeine geltung des wortes für betrügliche machenschaften zeigt sich in seiner koppelung mit ausdrücken der list und falschheit, vgl. laqueus allerley dardurch man einen facht vnnd betriegt, strick Frisius dict. (1556) 755b: dü welt ist vol striken, falschheit und untrüwen Seuse dt. schr. 380 Bihlm.; unde hefft im ... bett anher gefeilet, wo wol he alle sine macht, kunst, rencke, anschlege, listige practiken unde stricke ... versöcht hefft script. rer. Livonicarum 2, 121. terminologisch wird strick oder strick der rede für fallacium, sophisma gebraucht (vgl. strickfrage verfängliche frage Doornkaat Koolman ostfries. 3, 338): strick oder fall captencula etiam capitur pro subtili et capciosa verborum deceptione vt est sophisma voc. theut. (Nürnberg 1482) ff 4a; sophisma listig, gschwind, fürwitzig, aber vnkrefftig strick der red, erdichte red, ein betrug Frisius dict. (1556) 1226a; hat aber jemand gar der plauderkunst geschworen und ist wie von natur zum streiten nur geboren, ein steiffer haberecht, in allen strikken schnel, der nichts im munde führt als seinen zabarel und meister wandersmann, der sich nie lest bedeuten ... ein solcher macht sich selbst bey jedermann verhaszt Rachel satyr. ged. 72 ndr. vgl. auch: gott gebe, das sie (die anhänger Müntzers) sich bekeren zur warheit, wo nicht, das sie eitel stricke müssen schreiben, da mit sie sich fahen und mir ynn die hende komen Luther 23, 283 W. in unterschiedlichen auffassungen symbolisiert das wort die situation des gebunden-, gefangenseins: us welen vreisinen, von welen banden, von welen striken du mich geledget hast Seuse dt. schr. 310 Bihlm.; wanne sü wellent die stricke des gevengnisses dis vinsternisses nüt liden von Egipten Tauler pred. 14, 18 Vetter; das wir aus so grewlichem gefengnis der seelen vnd aus des bapsts stricken so gnediglich erloset sind Luther 30, 2, 625 W.; zu selig, schnitte das geschicke von seiner (d. kaisers) hand die güldnen stricke, womit es ihn zum sklaven macht Haller ged. (1882) 14; ich selbst zerreiss hiemit des eides band und stricke Gottsched dt. schaubühne (1741) 2, 59; (Wilhelm) hielt es (das gewerbe des vaters) für eine drückende seelenlast, für pech, das die flügel seines geistes verleimte, für stricke, die den hohen schwung der seele fesselten Göthe I 51, 42 W. vereinzelt in abgelegener und dunkler verwendung ('die verknüpfung, der bund'? vgl. sich stricken 'sich verbünden' unter stricken 1 d): das testamente der gabe des frieden und das kleynot da mit syeder der milde Jhesus hait gemacht sinen strick pilgerf. d. träum. mönchs 2480 Bömer. 55) in ausgedehntem gebrauch behauptet sich strick für den strang des henkers neben dem mehr der gehobenen sprache angehörigen worte strang. auch hier geht mit dem wandel der allgemeinen wortbedeutung die ursprünglich zugrundeliegende vorstellung der schlinge in die des seiles oder stranges über. die ahd. bezeugung in anlehnung an biblischen text (Matth. 27, 5) s. unter 1; vgl. dazu: und her warf di silberîne in den tempil und gînc inwec und hînc sich an einen strik (laqueo se suspendit) des Matthias von Behaim evangelienbuch 65 Bechstein; vnd hinge sich an einen strick erste dt. bibel 1, 108 Kurr. 5@aa) der strang des henkers, des selbstmörders: id gheschud ok denne so ghar dyck, dat mannich syk henget an eyn stryck Hans v. Ghetelen narrenschyp 93, 56; sol ichs (das rosz) stehln, so gehört mir ein strick ant kehln Hans Sachs 17, 85 lit. ver.; bald schickt er (der bürgermeister) nach den zweien pfaffen, unnd liess sie mit stricken erhencken S. Münster cosmogr. (1550) 615; um der gefahr der sünde zu entgehen, nahmen sich einige mönche ... mit einem stricke ... das leben Zimmermann einsamkeit (1784) 1, 214 anm.; auch blieb ihm das letzte wort buchstäblich im halse stecken, als dieser mit dem stricke zugezogen wurde Pückler briefw. u. tageb. (1873) 2, 227; ein stück des strickes, an dem Judas sich erhängte Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 268. 5@a@aα) metonymisch für 'galgenstrafe' oder 'freitod', vgl.den strick verdient haben haver meritato il capestro Kramer t.-ital. 2 (1702) 1013a: dahero die, welche ... ihren schild verlohren haben, ihrer unehre mit dem leben durch den strick abhelffen Lohenstein Arminius (1690) 2, 1203b; ich hörte eine gewisse dienst-magd diebstahls wegen zum strick verdammen Gottsched vernünftige tadlerinnen (1725) 1, 50; auf mordbrennerei steht der strik Schiller 3, 146 G.; uns bleibt nur noch der strick oder der gashahn O. M. Graf unruhe (1948) 304. so auch in der koppelung glück und strick: es belangt jhnen nicht zum glück, sondern zum strick Fischart Garg. 36 ndr.; weisz auch alle natur und eigenschafften deren wurtzen, steiner und kräuter, ... aus diesen kan ich weissagen die zukünfftige ding, glück und strick, freud und plag Stranitzky reyszbeschr. 10 ndr. 5@a@bβ) mit der verbindung strick und schwert wird in älterer zeit die gerichtliche strafgewalt gekennzeichnet (oftmals tretenwohl miszverständlich der ächtungsformel entnommen und mit rücksicht auf den feuertod umgedeutetdie bezeichnungen feuer und wasser hinzu): sie (die armen) sterben an erbarmen. swie sie doch sin unschuldic, so tœtet sie gar der stric, vuer, swert guzet ir blut Daniel 2734 Hübner; seither ... habt ir (die päpste) mit feur, mit wasser, mit dem strik und schwert dawider gefochten und gewütet Sleidanus reden 235 lit. ver.; mit feuer, wasser, strick und eisn wollten wir unsern ernst beweisn bei Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 17; doch wisset, schwert, und stricke, und galgen, glut und rad sind unvermeidentlich slg. v. schauspielen (1764) 8, 78 (der spieler); es bleibt mir nichts übrig gegen solche dum mheit als schwert und strick H. Laube ges. schr. (1875) 2, 81. als symbol des gerichtsherrn: ja noch darzu sagt Rappus frey, dasz ein bischoff kein diener sey, sonder ein herr mit schwert und strick Fischart s. dicht. 1, 32 Kurz. vgl. dazu: man legte eisenhandschuh, schwert, strick, scheere, schlegel und beil auf die bank, wo sie bis zur aufhebung des gerichts liegen blieben. offenbar ... wahrzeichen peinlicher gerichtsbarkeit J. Grimm rechtsaltert. 42, 485. hieran schlieszt sich die übung, zum zeichen der busze oder der unterwerfung unter die richterliche macht des herrn oder des siegers einen strick um den hals zu tragen (vgl. Grimm rechtsaltert. 41, 469f.; 2, 306f): die andern warden begnadt und gefrist des lebens, muesten aber zu aim zaichen ain ganz jar ain strick am hals tragn Aventin s. w. 5, 533 akad.; mit einem stricke um den hals öffentliche abbitte thun Schwan nouv. dict. (1783) 2, 735b. 5@a@gγ) verbreitet ist die wendung jem. (sich) einen strick drehen 'auf sein verderben hinarbeiten': bruch die zeitlichen güter zu deiner notturfft, nit zu boszheit, das du dir nit selber ein strick machest, daran du gehenckt werdest Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 205b; wer mehr nimmt, als er soll, der spinnt sich selbst einen strick Binder sprichw. 142; willst du daraus einen strick für die Hradschecks drehn? Fontane ges. w. (1905) I 6, 360; den strick, den die Engländer uns drehen, zur see, nicht wahr, den drehen wir Moskau zu lande A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 131. im 16. jh. begegnet die wendung strick zu als burschikose abwandlung des gruszes glück zu: (soldat:) glück zu, ich reit ein andre strassen ... (priester:) strick zu, du loser galgendieb J. Frey gartenges. 187 lit. ver.; (Käthe:) wir kommen schon weiter zusammen. glück zu. (Pickelhering:) ja ja, strick zu Schoch com. v. stud. leben (1657) D 7a; strick zu, junker könig, saget, kennet ihr mich wohl schauspiele engl. comöd. 78, 8 Creizenach. 5@bb) in metonymischer, besonders umgangssprachlich und mundartlich verbreiteter anwendung wird strick auch auf eine person übertragen. zunächst im sinne von 'galgenstrick', gleichsam für einen des strickes würdigen: so ists doch viel besser, wenn die kinder, so von einem geboren werden, sollen böse ungeratene stricke werden, dasz gott einem keine kinder gebe Rhot Jesus Sirach (1587) 1, 206b; Reinike der fuchs, der arge strik und bösewicht Reinicke fuchs (1650) 225; geh, strick, verdammter galgenstrang! Spindler unschuldige jugendfrüchte (1745) 229; der kerl hält so nebenbänkchen, ... bey mir hat der strick so ein zehn tausend thaler gemacht Iffland theatr. w. (1827) 2, 210; wenn er auch ein zu abgedrehter strick war Holtei erz. schr. (1861) 28, 29. sprichwörtlich: je löser strick, je besser glück Kramer t.-ital. 2 (1702) 1013b; so ein haselant und zweihundert reichsthaler ... je gröszer strick, je gröszer glück Gaudy s. w. (1844) 18, 107. doch auch weniger abschätzig 'tunichtgut, racker, schlingel', meist von kindern: du junger lecker, kleiner strick, was gelts, wir wöllens deim vatter sagen Fischart w. 2, 36 Hauffen; ja, er strick er? auf die weibsbilder geht er los? slg. v. schauspielen (1764) 6, 140 (haushaltung n. d. mode); hättest ... arm und bein brechen können, du verwegner strick maler Müller w. (1811) 1, 291; mit noch einigen anderen stricken ähnlicher art pflegten wir ... abends streifpartieen zu unternehmen erinn. e. alten Estländers (o. j.) 71; se is manchmal a strick, se thut manchmal nich gut Gerhart Hauptmann biberpelz (1893) 71. bedauernd: er müst bleiben unten hangen, kont nicht fort der arme strik Reinicke fuchs (1650) 118. 66) strick in vereinzelten abweichenden bedeutungen. 6@aa) ein feldmasz: stricke oder stricken nennet man an theils orten eine art von feldmaassen Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1724. 6@bb) im thüring.-obersächs. ein landstück von bestimmten abmessungen: eyn ackyr, der stozit uf Henczin hern Arnoldis; eyn strik (var. stuck) by Henriche Beckin, des sint dru virteyl (1345) urkundenb. d. klosters Pforte 1, 519; die einzelnen grundstücken, aus welchen diese gröszern flächen (der dreifelderwirtschaft) bestehen, haben ebenfalls besondere namen; man heiszt in mehreren gegenden striegel, streil oder strick ein grundstück von unbestimmter länge und von der breite einer ruthe zu 14 oder 16 schuh, schnelle ein stück, welches halb so lang und halb so breit als jenes ist Schilling hdb. d. landwirthsch. rechts d. sächs. länder (1828) 115. 6@cc) im schweiz. 'pfad, weg': daruf wir mit dem Hacken ... sin übereinkomen, dasz er noch hinacht mit denen von Wimmis verschaffet, das si noch hinacht zu den stricken und wegen, so bi der Kander ab gant, warten söllen qu. v. j. 1445 bei Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2186. 6@dd) von bed. c aus tritt strick im alem. als simplex oder in komposition häufig als flurname auf; vgl. Staub-Tobler schweiz. id. 11, 2186; Fischer schwäb. 5, 1864; Buck obd. flurnamenb. 272. 6@ee) im schweiz. von einer bestimmten holzkonstruktion, insbes. im blockbau 'haus- oder stallwand aus liegenden balken', s. schweiz. id. 11, 2185, wo weitere angaben: sechs tagen vor sym tod erlasch sunn und mon ... alle strick oder zemenfüegung der hölczern in dem sale, da er in was, erkrachotend und liessen sich etwas usz einandren dt. volksbücher (15. jh.) 110, 5 Bachmann-Singer. 6@ff) als bezeichnung eines fossils: strick ein astroit, der gewundene strick Krünitz öcon. encycl. 175 (1840) 682.
37625 Zeichen · 757 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    strick

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    strick s. stric;

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    strick

    Mittelniederdeutsches Wb.

    ° strîkhâr (strick-) Streichwolle, Wollabfall der in den Kämmen geblieben ist nachdem die gute lange Wolle herausgezogen…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Strick

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Strick , des -es, plur. die -e, Diminut. das Strickchen, Oberd. Stricklein, ein kurzes starkes einfach zusammen gedr…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Strick

    Goethe-Wörterbuch

    Strick [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Strick

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Strick , in der Jägersprache 2–3 zusammengekoppelte Wind- oder Hatzhunde.

  6. modern
    Dialekt
    Strick

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    Strick I [ʿStrek M. K. Z. ; Demin. –lə S. Su. Ruf. Obhergh. Hlkr. Logelnh. ] f. 1. Fangschlinge. s is t e Has in d e r S…

  7. Sprichwörter
    Strick

    Wander (Sprichwörter)

    Strick 1. A lichter der Schträk, dieste biéster dat Gläk. ( Siebenbürg.-sächs. ) – Schuster, 694. 2. Am Strick müssen st…

  8. Spezial
    Strick

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Strick m. (-[e]s,-e) 1 (Seil) corda (-des) f. 2 (aus Lederriemen geflochten) föm (föms) f. 3 (langes Bindseil beim Heusc…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit strick

342 Bildungen · 260 Erstglied · 68 Zweitglied · 14 Ableitungen

strick‑ als Erstglied (30 von 260)

Strickabend

SHW

Strick-abend Band 5, Spalte 1541-1542

Strickbase

SHW

Strick-base Band 5, Spalte 1541-1542

Strickdraht

SHW

Strick-draht Band 5, Spalte 1541-1542

Strickeisen

SHW

Strick-eisen Band 5, Spalte 1541-1542

Strickfrau

SHW

Strick-frau Band 5, Spalte 1543-1544

Strickhopps

SHW

Strick-hopps Band 5, Spalte 1543-1544

Strickjacke

SHW

Strick-jacke Band 5, Spalte 1543-1544

Strickkappe

SHW

Strick-kappe Band 5, Spalte 1543-1544

Strickkorb

SHW

Strick-korb Band 5, Spalte 1543-1544

Strickliese

SHW

Strick-liese Band 5, Spalte 1543-1544

Stricknadel

SHW

Strick-nadel Band 5, Spalte 1543-1544

Stricksache

SHW

Strick-sache Band 5, Spalte 1543-1544

Strickstock

SHW

Strick-stock Band 5, Spalte 1545-1546

strick als Zweitglied (30 von 68)

afstrick

KöblerMnd

afstrick , N. Vw.: s. afstrik

Bundesstrick

Wander

bunde·s·strick

Bundesstrick Wenn die (faule) bundsstrick reissen, so muss man (auf den knien) bekennen, es sey einer ein armer sünder (Schaf oder Narr) gew…

Chalberstrick

Idiotikon

Chalberstrick Band 11, Spalte 2188 Chalberstrick 11,2188

Cham(b)strick

Idiotikon

Cham(b)strick Band 11, Spalte 2189 Cham(b)strick 11,2189

Chappe(n)spannstrick

Idiotikon

Chappe(n)spannstrick Band 11, Spalte 2190 Chappe(n)spannstrick 11,2190

Chopfstrick

Idiotikon

Chopfstrick Band 11, Spalte 2189 Chopfstrick 11,2189

Deiwsstrick

MeckWBN

Wossidia Deiwsstrick m. a. Spr. Strick, mit dem ein Dieb gehenkt worden ist, s. Vagelfedder.

fallstrick

DWB

falls·trick

fallstrick , m. n. laqueus: noch fehet man in mit seinen eigen augen und durch fallstrick durchboret man im seine nasen. Hiob 40, 19 ; denn …

Fangestrick

Adelung

fange·strick

Der Fangestrick , des -es, plur. die -e. 1) Eine Schlinge, ingleichen ein aus Stricken bestehendes Werkzeug, Thiere darin zu fangen; eine im…

Fußstrick

Adelung

fuss·strick

Der Fußstrick , des -es, plur. die -e, in der edlern Schreibart, Schlingen, welche geleget werden, damit sich Menschen oder Thiere mit den F…

Fāhstrick

Idiotikon

Fāhstrick Band 11, Spalte 2187 Fāhstrick 11,2187

Fǖrstrick

Idiotikon

Fǖrstrick Band 11, Spalte 2187 Fǖrstrick 11,2187

G(e)wëttistrick

Idiotikon

G(e)wëttistrick Band 11, Spalte 2190 G(e)wëttistrick 11,2190

Galge(n)strick

Idiotikon

Galge(n)strick Band 11, Spalte 2188 Galge(n)strick 11,2188

galgenstrick

DWB

galgen·strick

galgenstrick , m. 1 1) restis infamis, suspendium, henkerstrick. Stieler 2196 . 2 2) vom menschen selber, der den galgenstrick verdient, can…

Garbeⁿstrick

Idiotikon

Garbeⁿstrick Band 11, Spalte 2188 Garbeⁿstrick 11,2188

gelstrick

KöblerMnd

gel·strick

gelstrick , M. Vw.: s. geltstrik L.: Lü 115a (gelstrick)

gestrick

DWB

gest·rick

gestrick , n. , unverkürzt gestricke. 1 1) coll. zu strick, seil: o thet jm einer das trifach gesail und gestrick umb sein ruszigen halsz. G…

Gunte(n)strick

Idiotikon

Gunte(n)strick Band 11, Spalte 2188 Gunte(n)strick 11,2188

Guntelstrick

Idiotikon

Guntelstrick Band 11, Spalte 2188 Guntelstrick 11,2188

Gëltstrick

Idiotikon

Gëltstrick Band 11, Spalte 2188 Gëltstrick 11,2188

Halfterstrick

Campe

halfter·strick

Der Halfterstrick , des — es, Mz. die — e , ein Strick an der Halfter, das Pferd vermittelst desselben an die Krippe anzubinden. Auch wol ei…

Ableitungen von strick (14 von 14)

bestricke

BMZ

bestricke swv. 1. stricke, binde fest, zusammen. dîn hôhiu kunst, dîn wîser rât besloʒʒen und bestricket hât daʒ angenge und daʒ ende Barl. …

bestricken

DWB

bestricken , illaqueare, stringere, nectere, umstricken, fesseln, ahd. pistricchan ( Graff 6, 740 ), mhd. bestricken, nnl. bestrikken. 1 1) …

bestrickung

DWB

bestrickung , f. dasselbe: nimpt er die hand von im zur bestrickung aufs schlosz. Luthers br. 5, 94 ; und ist fast nicht erhört, dasz ein un…

entstricke

BMZ

entstricke swv. knüpfe auf, los. a. mit accus. der sache. si enstricte der fintâlen bant Parz. 44,4. die riemen entstricken Wigal. 5336. kl.…

entstricken

DWB

entstricken , solvere, vom strick befreien, nnl. ontstrikken, 1 1) transitiv: mhd. si entstricte der fintâlen bant. Parz. 44, 4 ; den hëlm e…

erstricken

DWB

erstricken , strangulare. Alberus, entweder mit dem strick würgen oder ersticken mit eingeschaltetem r.

gestrick

DWB

gestrick , n. , unverkürzt gestricke. 1 1) coll. zu strick, seil: o thet jm einer das trifach gesail und gestrick umb sein ruszigen halsz. G…

gestricke

BMZ

gestricke swv. das verstärkte stricke. mit sînen handen kund ers niht ûf gestricken Parz. 155,25. ob er im halt die binden niemer umbe gestr…

gestricken

Lexer

ge-stricken swv. BMZ mit ûf, umbe.

stricke

Lexer

stricke swf. s. v. a. stric. sehs lange sail und ain ledreine stricken ( acc. ) Germ. 16,77 ( 15. jh. );

verstrick

DWB

verstrick , n. , seltenes wort. 1 1) zu verstricken I 4, ' verschränkung, verflechtung ': dich grüszen mit dem silberblick die schlängelnden…

verstricke

BMZ

verstricke swv. stricke fest, zusammen, verflechte. 1. in engerer bedeutung. a. waʒ sich tribe dar under daʒ sus verstricte ir aller knoten …

verstricken

DWB

verstricken , verb. , nach einem muster wie verbinden zu stricken gebildet. seit mhd. zeit mhd. wb. 2, 2, 683 a ; Lexer 3, 254 ; astringere,…

verstrickung

DWB

verstrickung , f. , die allein gebräuchliche abstractbildung zu verstricken. daneben vereinzelt verstricktheit, ' zustand der verwirrung ': …