stet,
adj. ,
beständig. herkunft. ahd. state,
mhd. stæte, stæt,
mnd. stede;
altfries. stede.
im ablaut zu altnord. -stœðr
feststehend (hagstœðr, hugstœðr);
dazu altnord. stœda
zum stehen bringen, got. anastodjan, dustodjan
anfangen. alle mit t-
suffix zu *sthā
stehen. das mit d. stet
weithin gleichbedeutende engl. steady
gehört mit mhd. stetec
störrisch (
s. stätig,
teil 10, 1, 935)
ebenfalls zu stehen,
doch stellen diese die kurze ablautstufe dar, s. Torp
bei Fick
vgl. wb. 478; Falk-Torp
et. wb. 1144; 1155; 1198.
zur verbreitung von stet
in den deutschen maa. s. u. C 2.
die schreibung stät
kommt auch in der neueren zeit noch vor, und zwar besonders dann, wenn in der bed. des wortes der positive charakter stark betont ist (
s. u.C);
auszerdem ist diese schreibung manchmal durch die mundartliche herkunft der autoren bedingt; zur offenen aussprache von stet
vgl. Paul
deutsche gramm. 1, 185
ff. bedeutung und anwendung. die bed. '
beständig',
entsprechend der herkunft des wortes eigentlich '
stehend, zum stehen geeignet',
erleidet seit der ahd. bis in die neueste zeit weder besondere einschränkungen, noch werden entscheidende bedeutungen neu hinzugewonnen. auch der unterschied des '
in sich fest stehend' (A)
von '
in der zeit andauernd' (B)
scheint weniger geschichtlich entwickelt zu sein, als vielmehr dem wort von vornherein innezuwohnen. AA. '
feststehend, unbewegt': stät, stet, stait
stabilis Diefenbach 550
a; stede
solidus 541
a. A@11)
ein bereich eigentlicher anwendung ist auch in ältester zeit nur in geringem umfang ausgebildet. —
in einigen adverbiellen anwendungen im älteren nhd.: und must in (
den arm) also mith bendern bewaren, das im der arm dister steter ligen möge unde dister weniger müde werde Pfolsprundt
bündthertznei 30
Häs.-Midd.; stet halten, stet bleiben: solches eisen soll man auch nit wacklend, sunder gantz stet und fast steif halten Ryff
spiegel der gesundheit (1544) 135
b; diser kolben wird dermassen mit dem breiten sturtzdeckel zusammen gefüget, das einer den anderen satt und stät halten muss Sebiz
feldbau (1579) 404;
von der konstruction einer kugel aus dem kreis: doch mus im umbwenden die axt in den punckten c. b. stett bleiben Dürer
underweisung (1525) a 3
a; dann leg man ein richtscheit ... an den puncten o. und lasz das steet daran beleiben Dürer
etl. underr. z. bef. d. stett. (1527) a 4
a;
ebenso: erstlich zeuch ein zwerch lini, der anfang sei a und endt b, mach dise lini fest und stett,
aber ausz dem puncten a streicht ein ander lini, der endt sei c Dürer
underweisung (1525) o 3
a;
hierher auch '
festen preis halten': de olie holt noch stede
bei Schiller-Lübben 4, 376. —
auch bei Notker
im eigentlichen sinn, obwohl schon von der menschlichen haltung (
u. 3):
aut quis stabit in loco sancto eius? alde wer ist dar state in sinero heiligun stete? Notker 2, 75
Piper. stete sterne
als bezeichnung der fixsterne: alle sternen an dise siben heizent die steten sternen oder die gesteten. wonde si gestetent sint in die witen, die da heizit daz firmamentum ... die steten sternen gant von dem oriente zuo dem occidente naturliche. den ganc hant si. aber die planete hant zwene genge Meinauer
naturlehre 2
Wackernagel; damit man könne und möge die leuff der stäten sternen auszreiten, so haben wir hie nachvolgendt ein tafel dern leuffe des achten himmels
M. Pegius
geburtsstundenbuch (1570) g 5
b; '
unbeweglich': aber sein augen waren wie horn stäet, wie eisen, kein auglid er gewändt hett (
ὀφθαλμὸι δ' ὡσὲι κέρα ἔσταμεν) Joh. Heroldt
von der zung (1544) 51
b;
anders, wohl in bloszer enallage für stet ansehen (B 2 e): der jüngling von ungeschicht an einem tisch sasz, da er die junckfrau ... mit steten augen ansehen mocht Wickram 1, 206
Bolte; vgl. auch: stete
o. stäte augen,
occhi fissi e fermi Kramer 2 (1702) 967
b. —
ebenso vielleicht noch im concreten sinn von '
fest': zeter! waffen! von herzengrunde sei geschriren uber das jar, uber den verworfen tag und uber die leidigen stunde, darin mein steter, herter diamant ist zerbrochen, darin mein rechte furender leitestab unbarmherziglich aus den henden mir wart gerucket
ackermann aus Böhmen 5, 13
Bernt. den eigentlichen sinn '
fest'
zeigen auch noch abstracte anwendungen: es sy dann, das stäte gegründte lere in das volck werd gebracht, mag im nümmer heil geschähen Eberlin v. Günzburg 1, 50
ndr.; sus swebeten sine sinne in einer ungewissen habe: trost truog in an und zwivel abe er vant niht stætes an in zwein Gottfried v. Straszburg
Tristan 893
Ranke. —
schon in ältester zeit verwischt sich die grenze zwischen '
in sich, an seinem ort fest'
und '
in der zeit unvergänglich' (B): min wort ist also state, also diu scrift des scriben, menniscon wort zegat Notker 2, 168
Piper; des gelouben gruntveste, diu stætest und diu beste Barlaam 81
Pfeiffer; der glaub sol stet und fest stehen Luther 10, 3, 7
W.; sô tuo daz dînem namen ze lobe, und hilf uns, daz wir mit dir obe geligen und daz dîn kraft uns gebe sô starke stæte widerstrebe Walther v.
d. Vogelweide 3, 20
L.; wie stæte ist ein dünnes îs, daz ougestheize sunnen hât, ir (
der frauen) lob vil balde alsus zergat Wolfram v. Eschenbach
Parzival 3, 8;
dem juristischen stet bleiben '
gültig bleiben' (
u. 2,
sp. 2547)
nahe: ach gott, soll warheit haben endt, dein heilig stiftung werden ztrenndt, die du doch gsätzt auf festen grundt, gelernet hast mit eignem mundt und woltest das die bliben stedt U. v. Hutten
opera 3, 455
Böcking. — '
fest'
im sinne von '
gleichbleibend, gleichmäszig',
hier weniger im sinne der zeitlichen unveränderlichkeit als der inneren stärke: es sei dan durch die waagmaister besicht und gewegen auf ihrer waag, doch dasz sie jeder zeit haben ein stette gerechte waag mit rechtem gewicht
österr. weist. 6, 115; mich wil duncken, daz die zyt engsticklich halten ein schad und verderben sye einer stäten und ewigen grechtikeit Zwingli
v. freiheit d. speisen 37
ndr. —
vgl. auch die entsprechungen von lat. continens (
u. B 1 b). A@22) '
rechtsgültig, verbürgt',
lat. ratus genau entsprechend: steyde
constans, stabilis, ratus voc. v. 1445
bei Schiller-Lübben 4, 372; sted und vest
ratus Alberus
dict. (1540) v 1
b; steif, stät, vest
ratus Calepinus
undec. ling (1598) 1250
a;
die häufigsten ausdrücke stet haben, stet halten, stet machen
entsprechen ratum habere, ratum ducere. in dieser anwendung findet die bed. '
fest'
in alter zeit ihre erste starke verbreitung. schon früh findet innerhalb dieser anwendung ein übergang von '
rechtsverbindlich in seinem charakter'
zu '
ewig geltend, in der zeit unveränderlich'
statt. in ihrem ursprünglichen terminologischen bereich lebt die anwendung bis ins 16.
jh.; im anschlusz an die jüngere bed. '
dauerhaft' (B)
kommen auch jüngere zeugnisse vor. A@2@aa)
im sicheren anschlusz an '
feststehend',
ohne anteil der bed. '
andauernd'
; etwa '
üblich, dem geltenden brauch entsprechend': item 4
m. dem felkener syn lon, das ist stete
Marienburger tresslerbuch 593
Joachim; meistens in civilrechtlicher terminologie '
rechtlich anerkannt': (
dasz der sohn seinen tod für den des vaters anbietet) dyt let de richter wesen stede, men henck den sone in groter lede meister Stephan
schachbuch 4312; iewelkes gevangenen gelobede ne sol durch recht nicht stete sin, daz her binnen venknisse lobet
Sachsenspiegel III 41
Eckhardt; die uber vierzehen jar sind, die sollen pfleger haben bis auf fünfundzwentzig jar. was die thun mit iren pflegern, das soll stät sein S. Meichszner
land- u. lehenrecht (1566) 68
a;
von verträgen und abmachungen aller art '
rechtskräftig': un daz dis war un steite si, so han wir der vorgenantin vrowen von Klingen disen brief besigilt gebin
Baseler urkd. 2, 386; und das sij ein gestabet eid, dasz es stede solle wesen, dasz mer sin nicht loszen genessen!
Alsfelder passionssp. 2480; und wenne daz pfant dreistunt berueft ist und daz man ez dar hat geslagen, so sol der chauf stäte sein
österr. weist. 5, 384; tho eneme steden, vasten, eweghen unwaderrupeleken koften kope (1397)
Mecklenburg. urk.-buch 23, 182;
heute noch im schwäb.: stäter kauf '
definitiver, ohne reufrist' Fischer 5, 1649; wir gern stäter suone. der ist uns reken not: wir han von iwren degnen manegen lieben friunt tot
Nibelungennot 310, 3; thugen unde bekennen in desseme breve, dat wy belovet hebben unde loven an desseme breve ene stede, ganze, vaste sone mid den erbaren vorsten (1346)
Mecklenburg. urk.-buch 10, 7; durch daz diu richtung und der spruch unverzôgenlîch ain friuntlichen ûztrag gewunne ûf ainen getriuwen frid oder ûf ain ganze richtung und ain êwige stæte süene
jahrb. d. stadt Zürich 80
Ettmüller. in seltenerer anwendung: zu behülf der gedächtnus wöllen wir nun in gestalt einer stäten gesatzlichen verordenung unseres feldbawes euch fürstellen ein feldgut Sebiz
feldbau (1579) 2; '
im wert beständig, gültig': was de gemeyne rat ... mit gildemestern und hovetluden overein gekomen, dat me den brunszwigkeschen penning wedder vor einen steden penning ... geven und nemen scholde
städtechron. 35, 1, 17.
reichste anwendung finden die ausdrücke stet machen, lassen, haben, bleiben, halten. — stet machen '
bekräftigen': in Masphat, das er alda die glübede machte stete sa, das si got ze gote heten und sinin willin tetin und ir abgot abe liezen Rud. v. Ems
weltchron. 22466; '
garantieren': dô er im diu lant verlêch, der gnâden er in niht verzêch, er macht im stæte unde sleht mit hantvesten sîniu reht Ottokar v. Steiermark 19902
Seem. — stet lassen '
rechtsansprüche und versprechen anerkennen, ausführen': gût mach die herre setzen sunder manschaph eyneme manne. daz steit upphe des herren trûwe, daz her iz deme manne stêde lâze
Sachsenspiegel 205, 21
Eckhardt; als si gebot unde bat, und enphie des rehte sicherheit daz er ir dehein leit für die zit getæte, daz liez er harte stæte Hartmann v. Aue
Gregor 2012
Paul; '
gelübde halten': wie es stat geschriben da, das man gelúpte stæte la Wernher
Marienleben 1462
Päpke. — stet haben '
rechtlich anerkennen',
in obd. zeugnissen: und haben wir ... gesworn, ... dis alles ganz und stete ze habende ane geverde, unde haben den selben ait gesetzet uf alle unser nahkomen, stete ze habende alles, das davor von uns und unserm convente beschehen ist (1317)
thurgauisches urk.-buch 4, 351; das als, das da vor geschrieben stat, min wille ist und ich es han getan und stete wil han, und bitte disen brief besigellen mit den vorgenanten ingesigeln
Baseler urk. 2, 394; die obgenannten sache und artikel bestäten wir alle nach unser lieben fürsten und veteren pet und willen, ... also das wir di stät habn und volfüren Veit Arnpeck
chron. 564. — stet bleiben '
rechtskräftig anerkannt bleiben': das in das alles stet und unzerprochen beleib, geben wir den oft genanten unserm markt zu Liechtenwald und den burgern darinne disen offen brief fur uns und fur unser nachkamen
österr. weist. 10, 267; und darumbe das dis stiete von mir und von minen eirben belibe, so gib ich den vorgenanten heirren disen brief besigelt und bestietet mit mime ingesigele
Baseler urk. 3, 214; dat desse ding stede unde vast bliven, so hebbe ik, Gereke Warenborch, ein hovetman desses kopes, ... tu tughe unse ingesegele an dessen brief gehenget (1375)
Mecklenburg. urkundenbuch 18, 561; und damit dise unser majestät schencke allweg stät und von menigklichen unverletzt und unzerbrüchlich in ewigkeit belibe, habend wir diesen brief ... geschriben Tschudi
chron. Helvet. 1, 53. —
ebenso: dat lovede bestunt under in stade menege tit
sächs. weltchron. (
anh.) 259.
am häufigsten stet halten '
verträge, abmachungen u. ä. anerkennen, einhalten, ausführen': daz wolt der bischof nüt stete halten, und do er wider heim kam, do krieget er also vor
städtechron. 8, 140; globendt sie (
die dinge) einander stette zu halten, und niemer darwider ze thunde
weisth. 4, 191; also ist der bund zwischen den Römern und den Juden aufgerichtet. so aber hernach dieser oder jener teil bedächten, mehr stücke dazu zu setzen oder etwas davon zu tun, so sollen beide teile darüber sich vertragen. und was sie dazu setzen oder davon tun werden, soll alles stät und fest gehalten werden 1.
Macc. 8, 30; alle desse vorscreven stucke love wi Hans unde Mathias vorbenomet, ... in guden truwen stede unde vast to holdende sunder yengherleye hulperede unde sunder alle arich (1400)
Mecklenburg. urk.-buch 24, 28; daruff globend wir beidersidt für uns, ... dise ... meynung dis briefs stät ze halten Riederer
spiegel d. waren rhetoric (1493) z 2
a; und daz solicher vertrag stedt und onverrucklich gehalten würd, soll er sein zwen ältere sün zu bürgen setzen Seb. Münster
cosm. 206; verkoft ein gemedet knecht sines heren gut, unde wil de here de kopinge nicht stede holden, de knecht mut sveren uppe den hiligen, dat he den kopere nicht waren mœge, also ungeit he des
cod. Lubec. 1, 707; damit aber dise ordnung und aufgerichte albenbrief unzerprechlich vöst und stadt gehalten werden, und jeder sich vor straff und schaden zu hieten wisse, welcher darwider handlet oder tuet, also seind zu been aufgesözt worden unnachlaszlich zu bezallen der obrikeit drei dukaten
österr. weist. 6, 471.
so noch vereinzelt im 17.
jh., nun wahrscheinlich anders verstanden (
s. u.b): wo die gesatz und ordnungen nicht stät und unverbrüchlich gehalten werden, da ist kein beständig regiment Lehman
flor. polit. 2 (1662) 603; jedoch musten wir ihm zuvor folgende fünf puncten wahr, stät, vest und unzerbrüchlichen zu halten, bey christlicher treue und altteutschen bidermanns glauben versprechen Grimmelshausen
Simplic. 580
Kögel. A@2@bb)
in gleicher anwendung wie a,
jedoch individuell mehr oder weniger stark an '
ewig bestehend' (B),
die verbalen wendungen auch an '
treu' (3 d),
angelehnt; meist, im unterschied zu a,
bei poetischen autoren; im 16.
jh. reicher bezeugt als a: als ir mich e hortent sagen, iuwer stete gewaltes übertragen, iuwer hantveste suln stæte sin, da mite ir in ir ordenunge bewæret Ulrich v. Eschenbach
Alexander 1623
Toischer; und bat in das er stete die gnade gein im hete Rud. v. Ems
weltchron. 24595
dtm; bischop Giseler toch om entgegen und kreich gnade, wol dat se nicht stede bleif
städtechron. 7, 72; also das die búnd, so wir zuo inen und si zuo uns gesworn hatten, ewenklich stät beliben söllent
qu. z. Schweiz. gesch. 18, 67; denn saltz vor alters thet bedeuthen ein stätten bund unter den leuten W. Spangenberg
ausgew. dicht. 50
Martin; nun geb euch der got Abraham Isaac und Jacob zusam ... nun last uns die heyrat beschreibn, auf das sie ewig stet sol bleyben! H. Sachs 1, 149
K.; es (
das verabredete) soll und musz auch also steiff und stet bleiben, das semlichs nyemandts dann der todt wenden soll Wickram 1, 261
Bolte; ohn gottes wort er mich nicht kan gewinnen, er mus bleiben lan, denn dis bleibt ewig stet und fest, wie es vom anfang ist gewest Thym
Thedel v. Wallmoden 1133
ndr.; die lantscheide wart beschriben, die ummer sider stête ist bliben
Livländ. reimchron. 2062
Meyer. stet halten
verändert seinen charakter dadurch, dasz es weniger prädikativ als adverbiell aufgefaszt wird, also gegenüber '
etwas als stet
anerkennen' (a)
mehr den sinn '
etwas in steter
haltung (3 c)
anerkennen, halten'
bekommt: daz (
eine verhaltungsvorschrift) halt stete, so bistu wirdich. tustu anders, du vazzest in dich die ewige vortuomnusse Schönbach
predigten 1, 5; du waist wol, wie du mich und ich dich lie, mein höchster hort, zwar ich halt stät die wort, wurd mir der kranz von rosental Osw. v. Wolkenstein 84
Schatz; das wir ... der propheten und apostel wort stet und fest halten lerneten Mathesius
Sarepta (1571) 68
b; die warheit ... solt du also lieben, dasz du alle deine wort stet haltest, als hettestu sie geschworen Lehman
flor. polit. 3 (1662) 185;
vgl., deutlicher im juristischen sinn (a): die baten den herren von Saphoy, das er stät haben welt sine fürstliche wort, die er gesprochen het Justinger
Berner chron. 322;
dagegen nahe an '
treu' (3 d)
angeschlossen: Reymand ... schwur ir, dasz er sein gelübd und auch eyd an ir stett halten wolt
buch der liebe (1587) 266, 3; sin herze hate versworn valsch und alle dörperheit und behielt ouch vaste den eit stæte unz an sîn ende Hartmann v. Aue
armer Heinrich 53
Paul. besonders charakteristisch ist die verschiedene auffassung als '
rechtsgültig'
oder '
ewig'
in steter friede
und den zugehörigen verbalen wendungen, noch im juristischen bereich verharrend: so si unz an den vierden tac stæter vride zwischen uns beiden Ottokar
reimchron. 7096
Seem.; do quemen syner amptlude ... und segeden, se wolden all de heren hyr umme lanck to vasten steden vrede brengen und wolden em grote schattynge geven
Münster. chron. d. ma. 134
Ficker; keiser Heinrich und künig Heinrich von Franckrich ... beschlussend mit einandren ein stäten friden Tschudi
chron. Helvet. 1, 18; hêr keiser, swenne ir Tiuschen fride gemachet stæte bî der wide, sô bietent iu die fremeden zungen êre Walther v.
d. Vogelweide 12, 19
L.; wo sich ain rumor erhebt, wer daselbs frit peit, es sei frau oder man, jung oder alt, so soll demselben frit iederman stätt und vest halten, als het in der phleger oder der ambtman selbs geboten
österr. weist. 2, 73;
der juristischen terminologie ferner: wann ich jetz bin darzu bereit wol in der gantzen christenheit zu machen einen stäten friden P. Gengenbach 15
Gödeke; sie ... küsset in lieblich an seinen mund, vergass aller feindschaft und hass und saget ihm zu steten frieden und freundschaft
buch d. liebe (1587) 83
c. —
vgl. auch: staten frido
firmum Notker
bei Graff 6, 645. A@33) '
standhaft, treu',
von charakter und haltung. dieser andere anwendungsbereich der bed. '
fest stehend'
ist ebenfalls seit alters bezeugt und kaum über das 16.
jh. hinaus lebendig geblieben; doch unterscheidet er sich weit geringer von den modernen anwendungen des wortes als 2
und ist daher auch der verquickung mit B
immer ausgesetzt gewesen. A@3@aa)
direkt auf den menschen bezogen. mit ergänzenden bestimmungen, besonders in alter zeit: darumb bis stät in deinem gueten fürnemen, so wil got allzeit mit seiner hilf mit dir sein Ulr. Füetrer
bayr. chron. 109
Spiller; doch bin ich stæte in dem willen Ottokar v. Steiermark 35240
Seem.; gott ist einich und stete in seinem göttlichen willen C. Bockshirn
erweisung des freyen willens (1524) c 3
b; sün, bis stet in dinen liden, wann ich wil alzit by dir bliben und stercken dich in diner not
schauspiele d. mittelalt. 2, 265
Mone; daz er wârhaft, stæt und menlich mit sînen worten und mit tæte was
jahrb. d. stadt Zürich 56
Ettmüller; diner wort wær du stæte, erwünschten muot du hæte, als künic von rehte haben sol Ulrich v. Eschenbach
Alexander 27423
Toischer; dû solt mich schiere sehen, ob dû mir sîst mit truwen stæte sunder wanc Walther v.
d. Vogelweide 89, 16
L. an etwas, jemandem stet sein,
wie stet bleiben (
u. d): der künec ist an mir stæte ân valsches herzen ræte Wolfram v. Eschenbach
Parzival 712, 30; sy ... zerten in ir fleisch mit krapfen ab irem leib, dennocht waren sy stät an got
summerteil 46
a; Uli, du gast dem Trinli nach und bist nit frumm und stät an mir, ich bin ein arbeitseligs tier, dass ich an dir bin frumm und stät, dann ichs sunst mit keim andern tät
N. Manuel 274
Bächtold; verbum tuum permanet in celo. in himele weret iemer, truhten, din wort. angeli sancti sint dar state an iro dieniste Notker 2, 523
Piper; aber da er sach, wie stete und veste sü worent an irme glouben, do wart er in holt und det in vil zuht und ere
städtechron. 8, 349.
ohne einschränkung vom menschen in seiner gesamthaltung: an dem (
stein) man vint zwo perinne und zwischen in ain slangen, der macht den menschen kündich und macht in stark und stæt und genæm allen läuten Konrad v. Megenberg
buch der natur 469
Pfeiffer; de richter de schal wesen stede, dorch de leve noch dorch lede noch dorch ienich erdesche ghut schal de wandelen sinen mut van deme weghe der rechticheyt meister Stephan
schachbuch 1143; er (
gott) ist state, ih pin unstate Notker 2, 155
Piper; dorumb mein lieben brúder seint stet und unbeweglich: begnúget ze allen zeyten in dem werck des herrn
erste deutsche bibel 2, 106
lit. ver.; ir gotshuslüt, sind stät und fest, betrachtent was üch sig das best, land üch vom land nit triben!
schweizer. volksl. 75
Tobler nachdem er sie geweret wol und eines hirten tochter nimbt ... find er sie trew, stet und demütig, mit wort und wercken still und gütig H. Sachs 2, 40
K.; ick wer wall truwe und stede, ... der my desgeliken dede Husemann
spruchsamml. (1575) 133
Weinkauff, und so noch Lehman
flor. polit. (1662) 3, 158; kein freund so gewisz und stet nicht ist, den nicht natur, zeit, glück und list verwent, wens gleich der beste ist Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, Ll 3
b.
als attribut der person: diu guote, diu stæte, diu reine Floræte Gottfried v. Straszburg
Tristan 1903; unvolsagenlich herzenleit ist mir geschehen, do mein zuchtige, trewe und stete hausere mir so snelle ist enzucket
ackermann aus Böhmen 21, 8
Bernt; desshalb er die grosse barschaft ... mererenteils anwendet, nach helfern und stäten dienern ze stellen Tschudi
chron. Helvet. 1, 6; seyt mir zu tausendmal willkomm, vil steter ritter starck und fromm Ayrer
dramen 1165
lit. ver. A@3@bb)
von den geistigen und seelischen organen des menschen; gegenüber c
herrscht hier die bedeutung '
standhaft'
noch ausschlieszlich: neigit si (
die seele) sich uffe zitliche dinc, so wirdit si unstede; heldit si sich an di ewikeit, so wirdit si stede und starc. und mit der sterke und stedikeit uberwindit si wandilhaftige dinc
paradisus animae 104
Strauch; do her der vrouwen herte vant stede meister Stephan
schachbuch 890; ein standtmüttig steet hertz und unwanckelbar gemüt, das sich nit gibt Seb. Franck
weltbuch (1542) 98
b; do Noemi gesach, das Ruth hett geschickt mit stetem gemüte zegeen mit ir
erste deutsche bibel 4, 428
lit. ver.; ein stetes gemüt
animo fermo, costante Kramer 2 (1702) 967
b; wie veste und wie stete ist eines muet, unchewsches rueren ym schaden tuet H. v. Burgus
d. seele rat 397
Ros.; un wa zway lieb tragen stätten muot, ir baider er ist wol behuot
liederbuch der Hätzlerin 92; wieo unsemfte doh daz si, daz iemannes kedanch in gebete state si Notker 2, 354
Piper; das Maria, als wir lesen, ain tempel ist der dryvaltikait, schon wiss, luter in kunschait mit gantzen stätten sinnen Konr. v. Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 191. A@3@cc) '
standhaft und unablässig',
von sittlichen kräften und äuszerungen des charakters; stet
bezeichnet auszer der standhaftigkeit des charakters an sich nun auch das anhalten des sittlichen verhaltens in der zeit; durch das auftreten anderer beziehungswörter, die im unterschied zu a
und b
nicht den ganzen menschen bezeichnen, gesellt sich stet
der charakter der zeitbestimmung hinzu; doch handelt es sich bei dieser bindung an andere beziehungswörter meist um enallage des adjectivs. diese anwendung weist zu B
hinüber und reicht dementsprechend weiter in die neuzeit hinein als die früheren gruppen von A: al disiu welt in stæter phliht mit willen dienet siner maht Konrad v. Würzburg
Partonopier 4476; ich götin ehr, deren ihr tag und nacht ewere sehl und hertzen übergebet und, wie ich selbs, in stehter keuschheit lebet Weckherlin
ged. 1, 32
lit. ver.; und sol aber ein ganzer wille sin, nit ein gehalbierter wille: 'ich enweiz ob ich ez aber morne tuon'. den willen meine ich nit; ez muoz ein stêter wille sîn
mystiker 1, 273
Pfeiffer; steth und still ist mein will Lehman
flor. polit. (1662) 3, 325; er was ein bluome der jugent, der werlte fröude ein spiegelglas, stæter triuwe ein adamas Hartmann v. Aue
der arme Heinrich 62
Gierach; meine liebste will mit steter treue mein sein ewiglich Rückert 1, 491
Sauerl.; er (
der eid) ist noch steter, als die treu der frauen Immermann 16, 394
Boxb.; er enbiut iu minneclîche liep âne leit: stæter friuntschefte der sî er iu bereit
Nibelungen not 1172
Lachm.; in steter freundschaft lebt mit gott Treuer
Dädalus 1, 42.
in besonders fester tradition stete liebe: der creaturen leve ys droghenhafftich unde unstede, de leve Jhesu ys stede unde ghetruwe
imitatio Christi 8, 18
dtm; amor non dubitatus. ein gewüsse und stäte liebe Frisius
dict. (1556) 86
a; flehen und bitten ynn festem glauben, starcker hoffnung und stetter liebe Luther 18, 484
W.; Dido ausz steter liebe rein, sich seines willens hielt allein Spreng
Äneis (1610) 10
a.
in den jüngeren zeugnissen mit stärkerem anteil des sinnes '
ewig dauernd': davon krafft, kühlung, trost ein hertz im ander hat, und wird von steter lieb doch nimmer müth noch matt Zinkgref
auserl. ged. 32
ndr.; drum liebe mäszig; solche lieb ist stät: zu hastig und zu träge kommt gleich spät
Shakespeare 1, 79. steter fleisz, arbeit, übung '
unentwegt',
mit stärkerem einflusz der zeitlichen bedeutung (B),
besonders im älter nhd. bezeugt: der lof, uf den sin leben dur na vil zites gerihtet was mit inrlicher übunge, was ein steter flizz emziger gegenwürtikeit in minneklicher vereinung mit der ewigen wisheit Heinr. Seuse
deutsche schr. 11
Bihlmeyer; des grimmen geistes weise, wessen lust und steter fleisz nichts von helfen noch erbarmen, sondern nur von kwelen weisz J. Grob
dichter. versuchsg. (1678) 42;
labore continenti omnia superare mit stäter, steyffer und unablässiger arbeit Frisius
dict. (1556) 322
a; von ihrer steten, trewen und emsigen arbeit Mathesius
Sarepta (1571) 23
b; stete arbeit, steter fleisz
lavoro assiduo, diligenza indefessa, assidua Kramer 2 (1702) 967
b;
assiduitas stetigkeit
vel stete ubung
bei Diefenbach 55
c; wenn gott einen menschen aufgerichtet hat, lesset er yhn nicht müssig, sondern ynn steter ubung gehen, das er mer zu erbeyten hat Luther 24, 110
W.; Irene macht die völker grosz, ... indessen dasz ein rüstig heer, bereit zu tapfrer gegenwehr, zu voller sicherheit in steter übung bleibet Gottsched
ged. (1751) 43; in steter übung eines edlen betragens Göthe 21, 87
W. noch mit deutlichem einschlusz der bed. '
treu, standhaft',
aber schon völlig an '
dauernd' (B)
teilnehmend: mit eime geswinden dappferen ernste und mit hertzelichem innigem steten gebette Tauler
pred. 82, 26
Vetter; stetes, stetiges gebet
orationi assidue, instanti, continone preghiere Kramer 2 (1702) 967
b; auf dein innerlich und stetes bitten bin ich bewogen worden
engl. comed. u. traged. (1624) t 5
b; gib nur ein gnügsam hertz und sinn, denn das ist ja ein grosser gwinn, in steter andacht ligen P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 358
a; und wil dir stete hulffe tun
herzog Ernst d 451
v. d. Hagen; entbydin wir ... unsern steydin willigen dinst und waz wir gutes vormogen (1347)
hess. urk.-buch 2, 555; weil sie das leben verwircket, hat man ihnen solches aus gnaden gegen der steten dienstbarkeit geschencket Harsdörffer
d. teutsche secret. (1656) A a 7
a; (
hatte) ihren man durch steten und geflissenen gehorsam ... eingenommen J. Barth
weiberspiegel (1565) c 1
b.
dagegen mehrdeutig, auch als '
stets' (B 2 e)
zu verstehen: allein ein weib bleibt stät auf einem sinn den sie gefaszt Göthe 10, 35
W. — an, bei, in etwas, jemandem stet bleiben '
treu bleiben': dâ von die geste dâ beliben an dem gelouben stæte Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 28257
lit. ver., hierum so ermanen und bitten wir euch, also stät an uns ze bleyben
Züricher bib. (1531) r 5; aber diese stat Nurenberg beleib stet in vil widerwertigkeit an dem kaiser
städtechron. 3, 52;
manchmal der juristischen anwendung (
o. 2)
nahe: (
ist) hernach beschribne bestendige ordnung, bei deme firterhin stäät und unverändert zu verbleiben und daraus wenigist nit zu schreiten, fürgenomen worden
österr. weist. 3, 68; der mensch ... in disem ellenden gedreng und leiden und verschmächnuss von allen creaturen stät und vest beleibet in ainer gantzen hoffnung Tauler
pred. (1508) 32
b; auf dasz der glaubing hertz und gmüt bleib im gelauben vest und stet H. Sachs 18, 93
K.-G. A@3@dd)
in verbalen wendungen, oft adverbiellem gebrauch, heiszt stet '
standhaft',
wenn es auf den charakter der handelnden person bezogen ist, dagegen neigt stet
der zeitlichen bed. (B)
zu, wenn es auf das andauern der handlung zielt. in stet bleiben, stet halten,
meist an, bei jemandem, in etwas
auf die charakterliche haltung gerichtet: sie ... begehrten nicht von gott, das ihnen das leiden ... minder würde, sondern allein, das sie stete und beständig blieben Joh. Arndt
nachfolgung Christi (1631) 67; so ist das flaisch schlipferig, bleibt nit stet und vest Luther 17, 1, 138
W.; ich (
Fortuna) mac niht stæte bliben, ich muoʒ der werlde schiben triben her unde dar Ulrich v. Eschenbach
Alexander 6461
Toischer. —
so noch modern: aber das glück blieb ihm nicht stät Schiller 12, 26
G. —
der anwendung von 2 b (
sp. 2549)
nahe, aber auszerhalb des juristischen bereiches: die redlichen kriegsleut werden mit unverzagtem herzen bei euch stet und fest halten Reutter v. Speir
kriegsordn. 27; sie wöll die lieb zwischen ihnen, ob gott wil, stätt halten
buch d. liebe (1587) 288.
in mannigfachen verbalverbindungen. auf den alten juristischen bereich (
o. 2 a)
weisend: der künec sich bedâhte und schuof daz man in brâhte, unde gelobet im des stæte, ze leistenne swes er bæte Hartmann v. Aue
Iwein 4581; alsdenn wil ich mit sampt euch aufstehen, ... und mit schweren, daz wir demselbigen (
eid) also stät und recht nachkommen Fronsperger
kriegsbuch 1, 95; nur das er stett und feste sich vorpflicht, zu halten ewiglich freundschaft Hayneccius
Hans Pfriem 22
ndr. ähnlich wie steter friede
u. s. w. (2 b,
s. sp. 2549): suche den friden und tue in stete
ackermann aus Böhmen 32, 50
Bernt. —
im sinne von '
treu, standhaft',
doch schon mit neigung zu B: nu son wir stete vestenclich den drin dingen wider stan
sœlden hort 170
dtm; herr Adelberg Steintuoter, tuond das best und stand bi mir, herr, stät und vest. helfend mir us disen truren
N. Manuel 266
Bächtold; ich bitt, wöllest dein trew also stet wie biszher gegen mir erscheinen lassen Wickram 1, 82
Bolte; mein gmüt vor im schier gar vergeht, ihn allein will ich lieben stett Kehrein
kath. kirchenl. 112
a; die sonne liebt den tag nicht treuer, steter, als wie er mich
Shakespeare 1, 231
A. W. Schlegel; liebe, liebe, o du theure seele! wenn du stät und immerdar mich liebest, wird jedwedes gute glück mich treffen, auf der reise also wie im handel Jakob
volksl. d. Serben übers. (1835) 2, 45. —
schon alt in stark zeitlicher bedeutung, doch von dem stet,
das in jüngerer zeit durch stets
ersetzt wird (B 2 e),
verschieden: Ernst hertze und sin gedang stete tzu Christus grabe rang
herzog Ernst d 4338
v. d. Hagen; und her alzcu mal dy werk mit siner gotlichen sterk hat volbracht gar mildiclichen und (
Christus) ist zcu hymmel erlichen gevarn uz desem enellende: dez wil ich myn gemute wende, daz ich stet erbeyt sere
altd. schausp. 1, 903
Mone; es fraget nit der arge dieb, nach beeder ehgenossen lieb, die sie zusamen trugen stet Spreng
Äneis (1610) 10
a; die ynnerliche gerechtigkeit ynn dissem leben nimer vol erlangt wird und doch stette zu suchen ist Luther 18, 504
W.; gedächtestu steter und offter an dein sterben Joh. Arndt
nachfolgung Christi (1631) 29. BB. '
andauernd, ohne ende',
dem modernen gebrauch von ständig
entsprechend. diese bedeutung ist in der neuzeit weit stärker ausgebildet als A. B@11)
auf die älteste zeit beschränkte concrete anwendungsbereiche. B@1@aa) '
ständig, immer vorhanden',
im gegensatz zu '
zeitweilig': durch das tall Josaphat fleust ein bach der auch Cedron oder Torrens heyst, und ist nit ein stett wasser, sonder allein von regen oder schnee
geystlich strasz (1521) c 4
b; und wer ambtman sei, der sol haben ain stëten stier
österr. weist. 7, 786. —
terminologisch von abgaben u. ä. '
regelmäszig',
im unterschied zu '
einmalig, gelegentlich': das wir ... unserm capellan ... gegeben haben ... stætz iærgeliches geltz in unser ægger ..., ain halp fuoder wines, stætz geltz in unser wingarten
qu. v. 1335
in monumenta Hohenbergica 317
Schmid; ich ... vergih und tuon kunt offentlich menchlichen mit urkund dis briefs ... das ich ... gemacht und gegeben han hundert guoter genämer alter rinischer guldin järlichs stätz geltz (1407)
monumenta Zollerana 1, 406; er (
manceps) nimbt alle tag geld ein, hat seinen steten pfenning Corvinus
fons lat. (1646) 517; inventirt und aufschreiben alle des gotzhaus rent, zinsz, gülten, nutzungen, gefällen, landtgarben, stet und unstett, auch aignen guetern (1534) Reyscher
altwürttemberg. statutarrechte 54. —
ebenso von zu ständiger tätigkeit eingesetzten personen, im unterschied von nur zeitweilig tätigen: dasz ... allweegen neun geschworn richter in dem ampt Böblingen geweesen. ... zu Böblingen ... sollen allweegen zween steet neuner pleiben und sein (1527) Reyscher
altwürttemberg. statutarrechte 393; sie schullen auch ainen stäten amptmann haben
österr. weist. 7, 789. stete wirte
ordentliche, im unterschied von den heckenwirten
urk. von 1600
bei Fischer
schwäb. 5, 1649;
s. auch Schmeller-Frommann 2, 797; swer der burger amptlute und diener sleht ald stozet ald si also übel handelot, so si an der burger dienst sint, es sige der schriber, der gebüttel ald die torbesleizzer ald die scharwahter, si sigen stäte scharwahter ald in von der burger wegen suz geboten ..., der muoz den burgern gen ain pfunt
württemb. gesch.-qu. 21, 93; demnach das die güter ferr von festungen oder von orten, die stäte besatzungen haben, gelegen Sebiz
feldbau (1579) 10; und liess ... ze Altorff ... ein stangen uffrichten ... und hat dabi ein stäten wächter und hüter bi tag sitzende Tschudi
chron. Helvet. 1, 235.
ebenso '
stehendes heer',
doch so spät ganz vereinzelt: sobald der achte Carl mit einem steten heere Neapels thron erficht L. H. Nicolai
verm. ged. (1778) 1, 165. stete wohnung
u. ä. '
fest, unveränderlich',
von A
durch die bed. '
im ablaufe der zeit unveränderlich'
geschieden: swem ain zeug mit dem rechten wirt ertailt, der nicht anhaim ist, und stætz wesen hat, und auzzer landes ist, und purger ist ze Münichen, und der durch got oder durch chaufmanschaft auzgevaren ist, dem sol man warten mit der zeugnüss auf sein chunft, und darnach acht tag und auch iar und tag; und swem ain zeug wirt ertailt, der auf dem land sitzet mit stætem wesen, und der doch nicht anhaim ist, dem sol man drey vierzehen tag warten, und swer nicht stætez wesen hat, er sey in der stat oder auf dem land, der nicht anhaim ist, dem sol man auch warten drey vierzehen tag
Münchner stadtrecht § 253
Auer; stete wonen
persolere md. voc. d. 15.
jh. bei Diefenbach 429
c;
mansionarius ein stedewonhafftig man
ebda 347
b; darumb wurden sie rhates, in selbigen landen zu verbleiben, gewisse und stete wohnunge zu machen
lalebuch 10
Bahder; eine stete wohnung irgend haben
haver il fisso, stabile, fermo suo domicilio Kramer 2 (1702) 967
b;
ähnlich schon älter: die sechzen künigreich hab ich umbvaren und versuecht, pis das ich vant mit treuen neur ain stäten hort Osw. v. Wolkenstein 164
Schatz. B@1@bb) '
in seinem eigenen verlauf ununterbrochen',
von der gewöhnlichen bed. '
ewig' (2)
dadurch verschieden, dasz dieser eigene verlauf selbst begrenzt ist: dasz kain man so alt nicht was, der all sein tag kain als langen stette keltin nie gedacht
städtechron. 25, 11; die Teutschen haben einen steten winter, einen traurigen himmel, ein böses erdreich J. H. Schill
ehrenkranz 158; wenn ein lüstiger warmer früling ist, küler mey, nasser brachmon, warmer sommer, truckner herbst und steter winter, so folgen gute fruchtbare jahr Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, C c c 1
b; item anno dm. 1473 was ain haysser stetter sumer, als nye kain man gedacht in 40 jarn
städtechron. 4, 19. —
besonders in der entsprechung des lat. continens tritt die bed. '
ununterbrochen'
hervor. in stetes land
festland, vgl. continent, liegt zwar keine zeitliche, sondern eine räumliche bed. vor, doch handelt es sich im gegensatz zu A
auch hier um eine erstreckung: continens ein stät erdtrich, das nit ein insel ist, oder das stracks an einanderen ist Frisius
dict. (1556) 322
a; deszhalb sie (
die Friesen) der Frantzosz mit krieg zuo landt ab dem stähten erdtrich getrieben Chr. Wurstisen
Pauli Ämilii historien (1572) 1, 71; in dem theil der insel, das sich gegen dem stätten landt kehret, wachsen an etlichen nidrigen ortern bäum A. Cassiodorus
regnum Congo (1597) 1, 9.
ebenfalls '
zusammenhängend': diss (Apenninum) ist ein steter berg, welcher alle flüss in Italien abtheilt Xylander
Polybius (1574) 188.
verschiedentlich: oratio continens ein stäte oder unzertrente red, die gestracks auf einanderen gadt Frisius
dict. (1556) 322
a; ich will dir nit einreden, sunder ... dein stäte onundterbrochne rede hören J. v. Schwarzenberg
Cicero (1535) 44;
imber continens ein stäter und langwärender rägen Frisius
dict. (1556) 322
a; und im prachmonat ain so stätter regen kham, das gemaingkhlich alle wasser uberloffen Jak. Andr. v. Brandis
geschichte d. landeshauptleute v. Tirol (1850) 15; ein steter, stätiger regen
pioggia continona, incessante Kramer 2 (1702) 967
b; (
febris)
continua steter ritt Diefenbach
nov. gl. 111
b;
cursu continenti sequi fugientem mit stätem oder strengem lauff Frisius
dict. (1556) 322
a. B@22)
als rein zeitliche bestimmung, ähnlich wie immer, ständig, dauernd, ewig, fortwährend.
der reichste anwendungsbereich des wortes in der modernen sprache überhaupt, in der mhd. periode dagegen neben A
nur schwach bezeugt. B@2@aa)
von tätigkeiten, besonders bewegungen '
endlos, dauernd',
mit beziehungswörtern verbalen charakters: und enpfohet es (
das glied) nut einen steten influs von dem hovbete, es verfulte und verdurbe Tauler
pred. 85
Vetter; aber die wunden der nyeren werden nit geheylt, ... auch dorumb, das sye in stäter bewegnusz seint und an sich zychen und von in geben Gersdorff
wundarzney (1517) 32.
sprichwörtlich: steter tropfen hölt den stein;
älter: stets tröpfflen holert den stein ausz Petri
d. Teutschen weish. (1604) T t 2
a; dem hymmel got geseczet had ein wares tzyl, die speren er in stetem louffen haben wil Heinrich v. Mügeln
Göttinger hs. phil. 21, 147
a; der himmel ruhet nie, er bleibt in stetem lauffen Neumark
neuspr. teutsch palmb. (1668) 27; unter dem menschengeschlechte den steten kreislauf geistiger und natürlicher güter weltbürgerlich zu unterhalten Görres
ges. schr. 2, 24; die menschen sind doch immer vor unsern augen — auch in der kleinsten reichsstadt ein steter ab- und zuflusz von unzähligen Lavater
physiogn. fragm. 1, 153; wie nun der churfürst also von ihm zu Osteritz geschieden, blieb
gen.-lieutenant Arnheim in stetter marche v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 406; diese gestalten ... darf man sich fast nicht anders denken, als auf magern, raschen pferden und in steter bewegung Raumer
gesch. d. Hohenst. 4, 67. —
in weitestem anwendungsbereich: als er (
Alexander) aber zu Babylonia mit baden und allerley leibslüsten seiner pflegen liesz, mit bancketieren, stetem eszen und trincken tag und nacht Kirchhof
wendunmuth 2, 18
lit. ver.; ein stetes unterdrücken des individuellen Thibaut
üb. d. notwendigkeit eines allg. bürgerl. rechts f. Deutschland 408; in steter nothwehr gegen arge list bleibt auch das redliche gemüth nicht wahr Schiller 12, 188
G.; gleichniss von mutterschafen, die, indem sie gemelkt werden, die stimme der lämmer hören und ein stetes geblök erheben Göthe 41, 1, 273
W.; in stetem umgang mit dem feinern und aufgeklärtern theil der welt, bildete ihn sein genie schnell zum staats- und weltmann H. P. Sturz
schr. (1779) 2, 8; durch ununterbrochenes anschauen der natur und kunst, durch lebendiges wirksames gespräch mit mehr oder weniger einseitigen kennern, durch stetes leben mit mehr oder weniger praktischen oder denkenden künstlern Göthe II 4, 288
W.; wo viele menschen in stetem verkehr sind, haben sie sich gegenseitige rücksichten ... zu gönnen Holtei
erz. schr. 7, 99.
ebenso: ir stette gewonhait was, offenbar züchtiglich gebaren und verborgen der unküschait pflegen Stainhöwel
de claris mulier. 286
lit. ver.; vom durst und uberwindung der natur durch steedten gebrauch Heyden
Plinius (1565) 30; ward damals die statt
s. Gallen von bemeltem keyser Friderichen ... zu stäter und bestendiger verwandnusz desz h. reichs teutscher nation auf die ... järliche reychsteur endtlich empfangen Stumpf
Schwytzer chron. (1606) 384
b. B@2@bb)
von dingen, besonders zuständen, '
dauernd vorhanden, dauernd wirksam': wann so er (
der mist) mehr alt ist wan eins iares und besunder wo er feucht gelegen hat, so ist er zu alt. auch wo er alzit heisz an stetem sonnenglantz gelegen ist
Petr. de Crescentiis zu teutsch mit figuren 16
b; dürre bringt die stete sonne, stetes glück macht stumpf die brust O. Ludwig
winterlieder (1891) 1, 3; vor mir erschrickt die welt, die ewig steter frost in eysz gefangen hält Gryphius
trauersp. 37
Palm; auch hätten die ... bey denen daselbst steten winden gar leicht in Kokisem ... überschiffen ... können Lohenstein
Arminius (1689) 1, 124
a; sah ich mein schiff in stetem sturm verwehen, nie, wo es soll, und stets auf andrer gnad A. v. Haller
versuch schweiz. ged. (1753) 5;
meist im bereiche des menschen: die menschen, die sich auf trincken geben, einen steten dorst haben S. Grunau
preusz. chron. 1, 32; wie die narren thun, die stete vigilien halten und stete jartzeyt Luther 10, 3, 409
W.; mit dem beding, dasz ich so wie sie in stetten ceremonien leben solte, wolte ichs nicht ahnnehmen, den ich würde in 8 tagen vor langer weile sterben Elis. Charl. v. Orleans
br. 2, 125
Holland. — stet
drückt meist nicht eine direkte eigenschaft seines beziehungswortes aus, sondern besagt nur, dasz eine darauf gerichtete tätigkeit u. ä. andauert: und vestent rechte die steten tegelichen sünden mit iren sinnelichen gelüsten fur sich und in sich Tauler
pred. 127
Vetter; de wedder god ghesuntheyt socht unde ane de waren wyszheyt begherd, dat he wyl wys syn unde ghelerd; in steder kranckheyt de vorhart, in unsynnicheyt, blyntheyt gantz ernart Hans v. Ghetelen
narrenschyp 38, 41; etlich leben in stetter armuot Seb. Franck
chron. u. beschr. d. Turkey (1530) g 1
b; ach dass ich doch mit dir in die erden solte verscharret seyn, weil mir nunmehro das leben doch nur ein steter tod seyn wird Ziegler
asiat. Banise (1689) 277;
vgl.: in statero einluzzigheite
singulariter Notker
bei Graff
ahd. sprachsch. 5, 645.
mit besonders deutlicher enallage: dasz er (
der mensch) also einen stäten spiegel vor sich habe, dasz er also auch gott schuldige Jac. Böhme
schr. (1620) 4, 23; hast du denn nicht gesehn, mit was für angst ... die wollustaffen sich nach stetem gelde sehnen? B. Neukirch
ged. (1744) 126; unglück und verzweiflung sind mein steter lohn Klinger 4, 258; dieser ofen war für ihn ein steter gegenstand des entzückens Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 6.
modern mannigfaltig: die aristokratischen bestrebungen waren seit dem tode Heinrichs IV in steter aufnahme geblieben Ranke 9, 180; und in diesem misztrauen liegt eine stete und grosze gefahr Moltke
ges. schr. u. denkw. 7, 121; ein stetes vorgefühl des irrtums erzeugt ihm bangigkeit Schleiermacher
monologen (1822) 38; der Christus, der ihren weltlichen neigungen ... ein steter vorwurf ist fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 264.
in bezug auf personen meint stet
hier lediglich ihr dauerndes dasein, doch ist gelegentlich auch der sinn '
beharrlich' (A 3)
eingeschlossen: nun bedarf ich nicht seiner hülfe — sprach herr Dieterich — ich bin sein stäter feinde, das wisse sicherlich
heldenbuch 1, 279
v. d. Hagen; sonderlich die ewige stete feinde sind und sich nicht vertragen lassen, als Christus und der römische antichrist, des satans statthalter Luther 18, 268
W.; dieses letste nun hat die neidische miszgunst als eine stete anfeinderin aller tugend über die masze sehr verdrossen J. Rist
friedew. Teutschland (1648) 16; er blieb ein steter feind der sunnitischen Abbassiden Raumer
gesch. d. Hohenst. 1, 41; und bin hernach bei ihnen in groszen gnaden gestanden, ... dasz sie ... hernach meine stete gäste geworden Schweinichen
denkw. 373
Österley; die handschuhe erscheinen in diesem jahrhundert durchaus als stete begleiter der herren und damen
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 88. B@2@cc)
der rein zeitliche charakter der bed. tritt besonders in der richtung auf unerfreuliches hervor; von schmerzlichen gefühlen u. ä.: sît hânt ir mir getragen ie stæten haz ân alle schult Konrad v. Würzburg
Engelhard 3847
Haupt; wer seinem weibe nicht gelauben und getrawen wil, der muss stecken in steten sorgen
ackermann aus Böhmen 27, 23
Bernt; der herrscher trägt die last der steten sorge für aller wohl, für aller sicherheit Raupach
dram. w. ernster gatt. 5 (1837) 9; das guotwillig christen in stäte unruow der gewissen setzte Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 17
ndr.; dieser kleine kerl ... ist in steter rastloser unruhe E. Th. A. Hoffmann 14, 167
Grisebach; in schmertzen, qual und traurigkeit mein leben soll passieren, in weh und ach und stetem leid will meine zeit verlieren Spee
trutznachtigall 64
Balke; ich bin zu steter angst und leiden nur geboren P. Fleming
deutsche ged. 1, 7
Lappenberg; nichts ist schmertzlicher als in stäter furcht leben Lehman
flor. polit. (1662) 1, 251; wo er in steter furcht sein muszte O. Ludwig
ges. schr. 2, 323; hier musz ich mich mit stätem kummer schlagen, die ruh ist mir ein unbekanntes gut A. v. Haller
vers. schweiz. ged. (1753) 5; der lasterhafte, der in einem steten chronischen zorn dem hasz lebt Schiller 1, 163
G.; grafen ... und edelleute waren über die rechtlichen austräge gegen fürsten und churfürsten ... in steter aufregung Ranke 1, 321.
von krieg u. ä.: do gab im der künig ledig die marck Oesterreich zu aigen, darumb dann vor ir stäter und strenger krieg gewesen Ulr. Füetrer
bayr. chron. 38
Spiller; unser leben allhie ist ein stettes und immerwerendes kriegswesen Albertinus
hirnschleiffer (1664) 205; also ist ditz leben, wie Job sagt, nith anders dan ein streyt und steter hadder widder die sund Luther 2, 123
W.; sein ganzes leben ist ein steter kampf auf leben und tod Friedr. Schlegel 5, 33; wie wohl unter einander in stetem kampfe begriffen Ranke 14 (1875) 14. B@2@dd)
modern in gewollter gegensätzlichkeit steter wechsel
u. ä.: und hier, wo sonder ruh in stetem unbestand, diesz aufwächst, jenes fällt, hält er mit reiner hand die grosze kette fest, die alles so verbindet Giseke
poet. w. (1767) 5; aber die natur eilt fort in ihrer stäten verwandlung Fichte 2, 173; wo landlust, pracht und kunst in stetem wechsel streiten v. König
ged. (1745) 79; eure leiber haben unterdessen in ihrer innern bildung und zusammenfügung unendliche veränderungen gelitten; alle theile derselben haben aufgehört, die vorigen zu sein, sie sind im stätten wechsel und flusse von veränderungen
M. Mendelssohn
Phädon 313
Minor; du wirst ... von dem verlauf und dem ende der schrecklichen krankheit unterrichtet gewesen sein, welche während 16 tagen in stetem wechsel von furcht und hoffnung alle unsere kräfte erschöpft hat Moltke
ges. schr. u. denkw. 4, 303; sie ist lehr- und lernanstalt zugleich in einem steten wechselgetriebe Fr. L. Jahn 2, 111
Euler; dies jahre durch, in einem muntern leben, in steten abwechslungen, in beständigem kampf mit schwürigkeiten und nothdurft Herder 5, 102
S.; ähnlich: aber mit sich selbst in stetem widerspruch Musäus
volksmärchen 1, 5
Hempel; wir entbrechen aus den schrancken und sind steif in stetem wancken P. Fleming
geistl. u. weltl. poem. (1651) 307. B@2@ee)
adverbiell nimmt stet
bis zum ausgang der älter nhd. periode die stelle des heutigen stets
ein: die pharisei, die schriber wan stæte Jesu vil gever
sœlden hort 8706
dtm; o die totliche menscheit ist stete in engsten, in trubsal, in leide, in sorge
ackermann aus Böhmen 32, 36
Bernt; item 4 scot der armen frauwen, dy do stete in der capellen sitzet
Marienb. treszlerbuch 533
Joachim; er merckt an ir, das ire liechte augen stät voll träher waren Ulr. Füetrer
bayr. chron. 94
Spiller; er wirt nicht stette tzancken Luther 10, 2, 415
W.; o vil noter wer dir den mir das dich die gotter thettn warn, wan du stest in grosen gefarn und must stet leben im unfrid H. Sachs
fastnachtsp. 4, 16
Götze; nit unruhigen zfolgen stät, zu glauben, zthun, was jeder räth. sondern treue consilia und heilsam reif judicia in acht zu nehmen jederzeit Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 364; o ihr bawern seyt arge leut, wenn ihr voll für mein hause geht, thut ihr zu trutz mir singen stet Sandrub
hist. u. poet. kurzweil 47
ndr.; in präpositionaler wendung: verainigen, vergleichen und vertragen uns noch auf stet, ewig und immerwerendt hiemit in craft disz brifs
städtechron. 32, 275;
im sinne von '
ununterbrochen',
wie o. 1 b: derselbe wynther was stete so warm, das is nye vier tage an eynander kalt wart Rothe
thür. chron. 668
Liliencron. —
modern vereinzelt, in gewollter rückwendung, vgl. auch stet bleiben (A 3 d): wir sprechen dort ein hohes wort, ein brünstiges gebet, dasz gott der Deutschen starker hort verbleibe stæt und stæt Max v. Schenkendorf
ged. (1837) 243. B@33)
mit bezug auf angenehmes, wertvolles gesellt sich zu dem sinn der reinen zeitbestimmung noch der nebensinn einer steigerung des positiven gehaltes. das erfreuliche des andauerns von annehmlichkeiten beeinfluszt die bedeutung von stet.
besonders in jüngerer zeit ausgebildet. doch schon alt: ane die ferrinnenten mendi dirro werlte, in die sich die newellen soufen, die in Syon gedingent stata mendi ze gewunnenne Notker 2, 572
Piper; groz jamer nach der werden diet mich sit von stæten fröuden schiet Wolfram v. Eschenbach
Parzival 646, 22;
ebenso: also ist die seeligkeit mit einer steten freude verknüpffet Chr. Wolff
gedancken v. d. menschen thun u. l. (1720) 34; was er vor hat, wird durch eine stete lust begleitet Chr. Weise
polit. redner (1677) 44; sie (
die lerche) bleibt des ackermanns stete lust auf dem felde maler Müller 1, 7; der himmel segne euch, und die götter verleihen, dass durch beyderseitige erkäntlikeit ein stetes wohlergehen blühe Ziegler
asiat. Banise (1689) 198; dann kehren wieder nach Athen zurück die liebenden, vereint zu stetem glück
Shakespeare 1, 247; mit begeisterung erzählte mir die mutter, ... wie ihr das liebe mädchen freude mache mit ... ihrer steten zufriedenheit Hölderlin 2, 50
Litzmann. —
von schönen bildern der natur: so bleibe, theures zwey, der garten eurer liebe, wie ein Elysien, voll steter blüthe stehn! Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 48; von steten rosen blühn des helden wangen Fouqué
held des nordens 2, 5; ihrer tugend werther ruhm steht in steter, voller blüht P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 435
a; wol dehm, der sich der lieb ergiebt! der wird bekrönt mit myrtenkränzen genieszen dieses steten lenzen C. Stieler
geharnschte Venus 93
ndr.; vom joch des ehestandes frey umflattert uns ein steter mai, und golden ist die welt J.
M. Miller
gedichte (1783) 4. —
mit bezug auf wertvolle geistige haltung und tätigkeit gesellt sich zum rein zeitlichen wieder die bed. '
beharrlich, standhaft',
indem stet
nicht mehr nur auf das andauern der tätigkeit, sondern auch auf den dahinter stehenden menschlichen charakter gerichtet ist, vgl. auch A 3 c: dasz ... unser träges dahinschlummern in stete wachsamkeit ... sich verwandeln möchte Lavater
verm. schr. 2, 286; die kraft ... ihrer ... bildung, vermöge welcher sie ... den ... reichthum contrapunktischer combinationen ... als unerschöpfliche fundgrube wahrhaft genialer productionskraft in steter bereitschaft hielten O. Jahn
Mozart 3, 381; das grosze geheimnisz, die menschliche seele durch übung vollkommen zu machen, ... bestehet einzig darin, dasz man sie in steter bemühung erhalte Lessing 8, 24
L.-M.; wüsztest du die anhaltende, dauernde kämpfe meines herzens, das stäte ringen nach gnade Chr. Fr. D. Schubart
briefe 2, 13
Strausz; zum steten lernen bleibet auch das alter jung Droysen
Äschylus 62; im steten hinblick auf die erscheinungen des deutschen und auch des auszerdeutschen lebens A. Gombert in:
zs. f. wortf. 2, 58.
wenn das beziehungswort von stet
ein verhältnis von menschen zueinander einschlieszt, so nimmt stet
an der bed. '
treu' (A 3)
teil: mein hertze sol dir grünen in stetem lob und preis P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 324; man soll in stiller ruh sich ihrer (
der vorsicht) steten huld versichern Gottsched
gedichte (1751) 1, 214; sondern es ist mit grosser freudt bey ihnen stete einigkeit B. Ringwaldt
christl. warnung (1588) d 2
a; vor diesem ... hat man ihnen zu stetem angedencken einen ring aus der ketten ... mitgegeben Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 1, f 6; gaben ihrem hirten die verdiente ehre und bewahrten seine grosze treue in steter erinnerung W. Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 194. B@44) '
immer von neuem sich wiederholend'
; gegenüber der hauptbedeutung von B '
in endloser zeiterstreckung'
nur gelegentlich bezeugt: smercz, elend, kumer, traurn an ent und ewig sterben on den tot dort nümer werden abgewent, sunder mit stetem anefanck Hans Folz
meisterlieder 15, 54
Mayer; (
Walachia) hat zwar gute bergwerck, aber von wegen des stäten türckischen einfahls werden sie nicht gehawen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 5
b; nun het er stäte botschaft auf dem weg tzu dem künig, und wievil botten kamen, so brachte doch kainer gutte mär
Fortunatus (1509) 145
ndr.; wir haben die stete zurückkonfft der ausländischen wörter aus unserer sprache weggeschafft
chron. d. ges. d. mahler 17
Vetter; mit stetem abgleiten von den harzigen stöcken H. v. Barth
Kalkalpen 321; das stete anprallen der feindlichen schwärme hinderte den vormarsch Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 148; sie schlief mit steter unterbrechung Holtei
erz. schr. 10, 154.
oft im plural: seine nachfolger wurden durch stete kriege daran gehindert v. Fleming
soldat (1726) 319; die Helvetier, die in den steten kämpfen mit ihren ... nachbarn viel zu leiden hatten Mommsen
röm. gesch. (1874) 2, 175; reizte der bund ... die bewegung auf, so hatte er auch die unterthanen in steten kriegen wehrhaft gemacht Ranke 2, 133; weil sie ... fühlen mochten, dasz das bei steten persönlichen begegnungen sehr schwer sein würde, so faszten sie den entschlusz, sich nach möglichkeit aus dem wege zu gehen Fontane I 6, 42; als nun Kineas die curie verlassen hatte, ... vergingen tage in steten versammlungen Niebuhr
röm. gesch. 3, 570; dasz er durch seine einbildungskraft sich zu versuchen, stetten abänderungen, ja, zu vernachlässigungen seines anwesens hinreiszen lasse Stifter 5, 1, 351
Sauer; auch adverbiell: und sach, dasz der künig ... sinen sünen stät vil herrschaften übergab selbs ze regieren ... und aber im ... noch nie Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 234. CC.
ruhig. C@11)
in sich unbewegt, gleichmäszig, ausgeglichen, wie stetig 4.
die neue bedeutung erwächst aus B:
das ledigliche gleichbleiben in der zeit erhält den verinnerlichten sinn. daneben findet jedoch auch starke anlehnung an A
statt, s. u. —
die reichste ausbildung erfährt die neue bedeutung an stetig (
s. d.);
vielleicht wurde stet
von da aus gelegentlich beeinfluszt. —
vielleicht schon im 16.
u. 15.
jh. als '
fortwährend und gleichmäszig': den hafen füllen, auf einem kleinen stäten glütlein erwallen lassen Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 18
b; ein klein liechtlin ... wiewol nun das gar klein war, brandte es doch immer und immer, auch also steht: das wann Cupido nit zuweilen aus kurtzweil darein geblasen hatte, möchten wir es nicht für ein feur gehalten haben Andreä
christ. rosencreutz 61
facs.-ausg. Maack. doch noch im 17.
jh. nur vereinzelt und erst seit dem 18.
jh. voll ausgebildet. C@1@aa)
von bewegungen '
im ablauf gleichmäszig, von gleichbleibender geschwindigkeit, geregeltem rythmus': sie (
vernahmen) eine nachtigal ..., welche bald den grund langsam mit stetem zuge, bald die höhe mit geschwind- und gedrehetem gelispel ... berührte Zesen
rosenmand (1651) 4; nun glaub ich ferner, dasz dieser kern des ganzen menschen weder ab- noch zunehme, obgleich sein kleid, noch decke in stetem flusz begriffen und bald wegraucht, bald wiederum aus der luft oder speise sich vermehrt Leibniz
deutsche schr. 1 (1838) 271
Guhrauer; man kann in jedem alter, glaube ich, witzig seyn, nur geht es damit nicht immer in einem so steten strom, wie in der jugend Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 451; den ... schönen gesang ihrer melodien, an deren reinem und stetem flusz man namentlich die auf diesem gebiete so schwere kunst nicht blosz gut anzufangen, sondern fortzufahren und abzuschlieszen bewundern und studieren kann O. Jahn
Mozart 2, 40; (
wo ist) die flut, die im stetesten takt sich bewegt? das blut, das im herzen des menschen schlägt Rückert 3, 44
Sauerl.; besonders von voranschreitenden bewegungen: es sind wenige biographien, welche einen reinen, ruhigen, stäten fortschritt des individuums darstellen können Göthe 28, 50
W.; dieses zickzack wird im allgemeinen doch nur ein steter weg, ob er zur aufnahme oder zum verfall führt, läszt sich so geschwind nicht beurtheilen Lichtenberg
aphorismen 2, 132
Leitzmann; das räderwerk ... werde ich mit wasserblei bestreichen, dieses macht den gang sehr stäte und sanft Lichtenberg
verm. schr. (1844
ff.) 8, 164; auch ist ein immerfort steter, affirmativer gang durchaus vortheilhaft; die resultate davon überleben die zeit Göthe IV 36, 225
W. '
auf allmählichem übergang beruhend': ja unendlich inniger, stäter und fortgehender musz dieser unsichtbare zusammenhang (
der naturkräfte) seyn, als in unserm stumpfen sinne die reihe äuszerer formen zeiget Herder 13, 169
Suphan; '
gleichbleibend': es gehöret eine ungemein gesunde brust dazu, weil es anhaltenden, stäten und immer fluthenden athem erfordert Schubart
ästhetik d. tonk. 325; blieb stätt sein puls, sein herz ihm kalt für busen, aug und locken grafen zu Stolberg
ges. w. 5, 231; '
ausgeglichen': der vorsicht macht erhält, vom groszen bis zum kleinen, glück, unglück, lust und schmerz in stetem gleichgewicht v. Cronegk
schr. 2, 322
Uz; kennst ein stetres gleichmasz du von blühn und sterben? Immermann 15, 99
Boxb.; ähnlich: da sitzt er, und nichts wildes könnt in seinem antlitz ihr erspähn; nie war ein sturmlos firmament so stet und auch so schön Freiligrath
s. w. (1858) 3, 124; '
gleichmäszig': den meisten reiz hat diese stete ruhe für einen gelehrten, der spekulation und studiren liebt Nicolai
reise 3, 114; '
ruhig, fest': so wandle du — der lohn ist nicht gering — nicht schwankend hin, wie jener sämann ging, dasz bald ein korn, des zufalls leichtes spiel, hier auf den weg, dort zwischen dornen fiel; nein! streue klug wie reich, mit männlich stäter hand, den segen aus auf ein geackert land; Göthe 2, 147
W.; mit diesen (
oktaven) bitte ich meine schwester sich nicht gar zu viel abzugeben, damit sie sich dadurch ihre ruhige und stette hand nicht verdirbt Mozart
bei O. Jahn 3, 54; die geschicktesten generale, zahlreiche sieggewohnte armeen, eine gefürchtete marine und der reiche goldene tribut, der nun erst anfing, regelmäszig und sicher aus Westindien einzulaufen — welche furchtbare werkzeuge in der festen und steten hand eines geistreichen fürsten! Schiller 7, 64
G.; bey diesen schieszen musz die flinte allezeit gespannt fertig seyn, und mit steter faust und scharffen gesicht parat gehalten werden v. Fleming
soldat (1726) 29; sein antlitz war wie erden; sein auge matt, doch stet Freiligrath
ges. dicht. (1877) 2, 193.
adverbiell '
ruhig': gemach und stet schritt er wegab Ernst Zahn
Lukas Hochstraszers haus (1907) 178; '
gleichmäszig': auf die ... wirkung der stet und ruhig auf alles zeitliche werk einwirkenden natur Cl. Brentano
ges. schr. 4, 405; es (
mein ich) fibrirt noch viel zu sehr, als dasz meine feder stet zeichnen könnte Göthe IV 1, 264
W.; von der inneren haltung: wohl dem, der immergleiches mutes sein loos empfängt, gefaszt und stät J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 5, 199; der baum, mit allen zweigen zum himmel blickt er stät Strachwitz
ged. (1891) 211. C@1@bb)
der moderne gebrauch ist häufig kaum von dem alten '
fest, unbewegt' (A)
unterschieden; doch besteht im allgemeinen keine historische continuität (
vgl. aber A 3 c
und d);
gelegentlich wird der alte gebrauch den neuen beeinfluszt und befruchtet haben; dasz den autoren oft das besondere ihrer anwendung bewuszt ist, zeigt wohl die sonst (
s.B)
seltene schreibung stät.
in concreten anwendungen: fest und stät zu stehen, gerade und aufrecht zu marschiren, sich rechts oder links zu schwenken
J. Moore abrisz d. gesellschaftl. lebens (1779) 325; (
wagen der) steter als ein kahn, auf leichten wolken schwebt Wieland
s. w. 22 (1796) 233; wenn sie mir mit sorgfalt das kästchen, das auf dem sitze steht, herausheben und hinauftragen wollen; aber ich bitte gar sehr, es recht stät zu tragen und im mindesten nicht zu bewegen oder zu rütteln Göthe 25, 132
W.; sie nahm den faden in die hand: und da es ihr ernst war, hielt sie ihn stät und ohne gemüthsbewegung
ebda 20, 339
W.; oftmals hab ich gesorgt, es möchte der krug dir entstürzen, doch er hielt sich stet auf dem geringelten tuch
ebda 1, 267
W.; etwas stet halten, tragen
tenere, portare una cosa fermo, immoto Kramer 2 (1702) 967
b. —
abstracter, vgl. A 1: wer nie dem rather folgt, der, was miszräth, räth, und nie, was er gebaut, zerstört, der steht stät auf dieser irdschen welt, die selbst nicht stät steht Rückert 11, 327
Sauerländer; das unstete und flüchtige gut der weiblichen schönheit stet und fest zu machen Musäus
volksm. (1826
ff.) 3, 67; das endliche wird gleichsam unendlich, das hinfällige bleibend, das wandelbare stät W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 150; weil jedoch seine erfahrung sehr sicher und stät, seine kunstbehandlung meisterhaft ist Göthe II 4, 249
W.; über die Messapier war es eine sehr stete meinung, die freilich höchst befremdlich lautet, dasz sie Kreter seien Niebuhr
röm. gesch. (1833) 1, 156; rauch ist alles irdsche wesen, wie des dampfes säule weht, schwinden alle erdengröszen, nur die götter bleiben stät Schiller 11, 395
G. auf die haltung des charakters gerichtet, auch B 3 (
sp. 2558)
nahe: nicht ohne einflusz blieb das unstäte leben der kinderzeit auf die seele des mannes: wie tüchtig er war, die stäte ausdauer und frohe kraft fehlte seinen unternehmungen Gust. Freytag
bilder a. d. deutschen verg. (1897) 2, 2, 33; '
fest, ruhig, in sich ausgeglichen',
vgl.A 3 b: und auf des lebens leicht bewegter woge bleibt dir ein stätes herz, so seh ich dich Göthe 10, 155
W.; doch ich bin standhaft wie des nordens stern, desz unverrückte, ewig stäte art nicht ihres gleichen hat am firmament
Shakespeare (1797) 2, 71; der stete, gerade und gesetzte charakter dieser nation Pfeffel
pros. vers. 3, 126; doch ihm gebrichts an stetem sinn, für jetzt und immerdar! Bürger 1, 173
Bohtz; die inneren bewegungen zu fühlen vermögen, die sein fester, steter und einfacher freundschafts- und religionssinn ... zu leiden hatten Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 5 (1853) 63.
wie A 3 a: empfange von meinen händen den regentenstab in meiner abwesenheit! — du bist ein steter mann; du wirst auch ein treuer verwalter, ein treuer unterthan seyn A. G. Meiszner
skizzen (1778) 2, 55; er dacht an seinen vater, wie er stät zur arbeit war und trüb und ernst Fr. Wilh. Weber
Goliath 27; in werk und wandel stät und weis in zucht und fleisz erstarkt sie ihren arm und gürtet fest die lenden Cl. Brentano
ges. schr. 2, 569; hör mein gebet, urewger geist! ... in dir nur bin ich stät und stark Arent-Conradi-Henckell
mod. dichtercharakt. 285;
aus kenntnis des alten gebrauchs: von solcher treue in jeder noth heiszen die recken manchmal auch nothgestalden, helden zu rechter noth, dann die stäten, die nothfesten, die sturmfesten Uhland
schr. z. gesch. d. dicht. u. sage (1865) 1, 256. C@22) '
langsam, still',
mundartlich, ohne besondere anknüpfung an eine der historisch bezeugten anwendungen; der zusammenhang mit 1
ist nicht genetisch. —
im bair. in der form stat,
entsprechend dem meist adverbiellen gebrauch, s. teil 10, 934.
alem. stet: '
gemächlich, langsam' Fischer
schwäb. 5, 1649;
s. auch Frommann
deutsche ma. 1, 291; '
langsam, vorsichtig' Lenz
Handschuhsh. dial. 68
b; '
langsam im gehen' Bühler
Davos 1, 134.
auch im ostmd.: stat '
langsam, still, ruhig' Knothe
schles. ma. in Nordböhmen 515;
s. auch Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 553; sded '
langsam, sachte' Gerbet
ma. d. Vogtl. 141; 282. —
auf mundartlichem gebrauch beruhen: 'nur stet', er machte dann eine ziemliche pause, wie jedes mal, wenn er dieses wort sagte, das als mahnung galt, dasz keiner mucksen dürfe, bis er weiter redete Auerbach
Schwarzwälder dorfgesch. (1884) 3, 21; sie ist ganz stat ihres wegs fortgegangen K. Spindler
bei Sanders 3, 1181
b. —
die heute in den mundarten lebendige bedeutung scheint in einigen alten zeugnissen vorzuliegen, '
ruhig, still': wenn hocher wint in luften wæt, so mach das weter stæt
hs. von 1468
bei Schmeller-Frommann 2, 797; der artzet greyffet nein und spricht: so halt nur stät und sey auch keck! schaw zu! wol weret sich der geck H. Sachs
fastnachtspiele 1, 141
Götze; vgl.: habe am schenckel, sonderlich wenn das wetter unstät gewesen, groszen schmerzen gehabt
qu. v. 1697
bei Schmeller-Frommann 2, 797.
dagegen wird stet
mundartlich in den historisch bezeugten und schriftsprachlichen bedeutungen weit seltener verzeichnet. ähnlich wie A 3: a stater bue Schöpf
tirol. 701;
s. auch Lexer
kärnt. 239; stäte '
langsam, aber ausdauernd' Albrecht
Leipz. ma. 216;
s. auch Weinhold
schles. 93;
wie B: steide '
immer, oft' Anton
Oberlaus. 13, 7;
ähnlich: stete hin
langsam vorwärts Hertel
thür. 235; dat geid stade weg; dat geid all sin staden gang Doornkaat-Koolman 3, 293.