stets,
adv. , '
beständig, immer',
spätmhd. stætes;
gen. von stet.
norw. stedse,
schwed. städs,
älter dän. steds,
nl. steeds
aus mnd. stedes,
nhd. stets,
s. Falk-Torp 1155; Frank
et. nl. wb. 660;
so wohl auch afries. stedes Richthofen
[] 1045. —
seit ausgang der höfischen periode bezeugt, erst im 16.
jh. in ganzer fülle; bis heute gleichbleibend erhalten. in den mundarten selten bezeugt, und dann wohl aus der schriftsprache, s. Albrecht
Leipziger ma. 217
b;
luxemburg. ma. 425; Martin-Lienhart 2, 620; Fischer
schwäb. 5, 1649; Überfelder
kärnt. 123; Schröer
ungr. bergl. 253;
fehlt im bair. ganz, vgl. Bayerns ma. 1, 227;
in einigen nd. und md. maa. in der wendung stets und ständig,
s. teil 10, 2, 774;
auch Schön
Saarbrück. 201; stetsständig '
fortwährend' Frischbier
preusz. 2, 370. 11)
anhaltend, andauernd, ununterbrochen: iz was ein frouwe zu Erferte gesezzin, di brach di gicht also unmezlichen sere, daz si stetes zu bette muste legin
leben des heil. Ludwig 87
Rückert; des paums holz ist gnuog hert, aber ez ist gar wurmæzig, ez sei dan stætes mit rauch umbvangen Konrad v. Megenberg
buch der natur 323
Pfeiffer; der bach sol von dem obern Tum bis an den undern sauber belaiben stätes, und soll darin kainerlai unseubrung niemant thun in kainem weg
österr. weist. 3, 25; der new spital sol auch gebunden sein, stettes zwen karren und darauf zwey vasz zu haben, und wenn fewr aufgeet, so söllen die von stat an emssiclich wasser damit zu füren Tucher
baumeisterbuch 329; könig Marbod, ... der achzigtausend mann stets auf den beinen hielte, habe ... bedencken gehabt Lohenstein
Arminius 1 (1689) 23
a; der kruok ward in ein warme stuben beschlossen, die stetes hitzig was Th. Murner
bei U. v. Hutten
op. 5, 408
Böcking; gesundheit nicht stets wehren kan, sie ist wandelbar wie der mond Lehman
flor. polit. (1662) 1, 328; dass, was ist, beständig sey, macht diess stets vereinte drey Brockes
ird. vergn. 2, 213; warum muss des glückes hafen mir denn stets verschlossen seyn? B. Neukirch
ged. (1744) 15; doch blieb ihm stets die hohe achtung für einige grosze stücke seines lehrers Herder 17, 29
S.; zum küssen stets bereiter mund ... zum trinken stets bereiter schlund Göthe 6, 39
W.; er hat euch die gestirne gesetzt als leiter zu land und see, damit ihr euch daran ergetzt stets blickend in die höh
ebda 6, 8; dasz er das wohl und wehe seines landes ... stets im auge behielt E. Th. A. Hoffmann
s. w. 10, 37
Grisebach; ich habe als minister stets ein landsmannschaftliches wohlwollen für eingeborne preuszische diplomaten gehabt Bismarck
ged. u. erinn. 1, 21
volksausg.; um so lange wie möglich durch die stets geöffneten fenster ins innere des stübchens starren zu können Holtei
erz. schr. 2, 94; Britannien ist eine stets verschleierte schönheit Moltke
ges. schr. u. denkw. 6, 323; '
ununterbrochen': dann wir muszten von stund an den nächsten gantzen tag stätz streitten X. Betuleius
Ferd. Cortes (1550) 30
a; und weret derselb krieg vil jar, ... dasz die Römer statz in groszer zwitracht, angst und gfarlikait stundend J. von Watt
deutsche schr. 1, 518.
vereinzelt mit dem nebensinn '
unbewegt',
vgl.stet A: gebeut den dienern, das sie stetz und fest halten und sich vor zitteren hüten H. Braunschweig
chirurgia (1539) 94
a;
ähnlich: darnach lasz den zirckel mit dem ein fusz stetz in den centrum ... steen Dürer
underweysung der messung (1525) b 4
a. —
in noch geringerem unterschied von '
immer': wer werden wil der toren gesel, der rede stetes was er wel
Basler Alexander 108
Kinzel; war das weib ganz unrüebig und lag dem gueten doctor stetts in oren
Zimmer. chron. 2, 366;
si eciam dives fueris, non alienum esse a labore, sunder du solst stetis arbeytten Luther 29, 442
W.; lungensüchtige, die stäts husten Bock
kreutterbuch (1587) 15
a; darumb ... got ... alweg gehilflich gewesen, und meine sach sich stäcz gemeret und gepessert haben Arigo
decam. 24
Keller; diese (
dreistigkeit) steiget stets auf einen höhern grad Bodmer
v. d. wunderbaren 116;
[] dann, während in des engels mienen das abendroth stets matter glüht Rückert 1, 115
Sauerl.; es ist dem gang der natur gemäsz, stets von den einfachern (
zurüstungen) zu den zusammengesetztern fortzuschreiten Schiller 9, 132
G.; die einzelnen motive wie unter einer stets wechselnden beleuchtung zu einem reichen und glänzenden gemälde gruppirt O. Jahn
Mozart 4, 58; wenn ich vergangnen ganzen winter ... stets an dich dachte Göthe IV 36, 110
W.; für die söhne, deren er stets gedachte v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 10; aber als grundlage überall das gemeine recht, welche alle deutschen volksstämme stets an ihre unauflösliche einheit erinnerte v. Savigny
beruf unserer zeit (1814) 43. —
vereinzelte wendungen: wir sind für stets dem guten geist zu theile Göthe 16, 336
W.; hat sie, nachdem sie sich mit dir auf stets entzweyet, was sie nicht ändern kann, nicht wenigstens gereuet? J. E. Schlegel
werke (1761) 1, 232; sehr stets hat die natur beherzet und lieben in einen hohen sinn zusammen eingeschrieben Opitz
opera (1690) 3, 71. 22)
in älterer sprache zuweilen mit stärkerer beziehung auf das subject der handlung, dann mit dem nebensinn '
beharrlich',
vgl.stet A 3: er spricht: fur war daz wizzet, swer sich stætes flizzet, daz er hab ælleich edelen smack, dem chumt noch ein solich tack, daz er mit stanck wirt uberladen
leben Christi in: zs. f. d. a. 5, 17; daz se durch neheyne sculde nimber solten sin abghen, und solten bi im stetes sten
Braunschweig. reimchron. 4951; eyn gud wyff schal syn van guden tuchten unde holden stedes godesvruchten Hans v. Ghetelen
narrenschyp 32; Isot also gesitet was, und was ir ouch gezæme genuok, daz sie states gerne truok ein frisches bluomen krenzelin uf dem gebende sidin Heinr. v. Freiberg
Tristan 3764; die zehen gebott tatents tragen und stetis in ir herz haben, der tætend si kaine brechen
teufels netz 13611
Barack; man macht viel ordnung und gesetz, niemand helt drüber fest und stets, alls im pappier bleibt stecken Fischer-Tümpel
kirchenlied 1, 77; want ick stedes trachte in dinem gesette B. Rotmann
restitution 21
ndr.; das wir von allen sünden rein, leben stetz nach dem willen dein Kehrein
kirchenl. 1, 286; wenn der tüffel sicht, das eyn sölicher christenlicher bilger gottes stettes sinen weg gat der tugenden Keisersberg
bilgersch. (1512) 26
b. 33) '
immer wieder, jedesmal'
; zwischen dieser iterativen bedeutung und der der lückenlosen erstreckung (1)
ist die grenze nicht scharf; die iterative bed. tritt seit dem 16.
jh. heraus: der teufel leszt stets eyn gestanck hinder im Tappius
adag. cent. septem (1545) h 5; herr faulbelz klagt, er sei verdrossen und erschlagen, und disz verspür er stäts vor trüben regentagen J. Grob
dichter. versuchg. (1678) 13; die haiden sint versuncken stez int grueb, die sie gmacht hetten, ir fues ist gfangen in dem netz H. Sachs 22, 110
G.; in diese stadt kum ich nicht gern, dann mir stets drin zu heisz wil wern Eyering
prov. copia (1601) 1, 550; ampt und person musz man stets underscheiden Lehman
flor. polit. (1662) 1, 19; setzet sich die nachtigall, ... musz man recht vergnüget stehen, denn diesz vögleins helles singen kan uns stets ergötzung bringen Ettner v. Eiteritz
med. maulaffe 20;
[] erst seit dem 18.
jh. regelmäszig: so sage doch, dasz ich mein geld bekommen kann. nun ja; ihr sollts bekommen, wie ihrs stets bekommen Lessing 3, 45
L.-M.; ein tiefes, ein an biegung reiches werk ist die musik; sie findet stets ein neues dem aus, der sie versteht Herder 22, 180
S.; stets ist die sprache kecker als die that Schiller 12, 80
G.; was ist verwünscht und stets willkommen? was ist ersehnt und stets verjagt? was immerfort in schutz genommen? Göthe 15, 9
W.; wer immerdar nach schatten greift, kann stets nur leere luft erlangen
ebda 5, 44; vereinigen wollte sie (
die reflexion) vielmehr, was die mythologie stets unter ihren händen in zwei getrennte welten wieder zerfallen sah Lotze
mikrokosmus 1, 11; der beifall, ... der ihm so wohl that, wurde ihm stets zu theil, so oft er sich in Wien hören liesz O. Jahn
Mozart 3, 199; dessen absichten sich stets mit dem wahren interesse Deutschlands übereinstimmend gezeigt haben Treitschke
deutsche gesch. im 19.
jh. 1, 234; dabei lieben sie die abwechselung der meinungen und grundsätze und sind stets den tag darauf, nachdem eine regierung gewählt ist, in der opposition gegen dieselbe G. Keller 4, 10; stets wich die nacht dem morgenrot, wir wuchsen im ertragen Kolbenheyer
in: kameraden der zeit (1936) 8.