unstet,
unstät,
adj. adv. ,
gth. v. stet, stät.
ahd. unstâti,
mhd. unstæte;
mnd. unstêde, -steide;
mnl. nl. on(ge)stade.
vgl.urstet Schmeller 2, 797; unbestät, unbeständig, unstandhaft, unständig.
zu den formen s. zunächst stet;
die alte dreisilbige form erhält sich vereinzelt bis ins 17.
jh. (unstäte Arigo
decamerone 143, 22
K.; unstete Albr. v. Eyb
d. schr. 1, 37, 28; Luther 19, 601
W.; 23, 76
W.; 28, 76
W.; Petri k k 8
b; l 6
a; p p 5
a; unstedte W. Bütner
epitome hist. 308
b9; onstät, onstett J. v. Watt 3, 81; S. Münster
cosmogr. 108; unsted Er. Alberus
praecepta vitae et morum h 2
b;
die schreibungen unstät
und unstet
halten sich ungefähr die wage (
in ein und demselben drucke stehen oft beide neben einander, Göthe
schreibt: mein unstetes leben IV 1, 240, 6
W.; ein etwas unstätes leben IV 28, 307
W.; in der Weim. ausg. liest man: flüchtig und unstät 22, 12
W.; den unsteten blick 24, 318
W.), stets, stetig, stetigkeit,
unstetig, unstetigkeit
begünstigen die schreibung unstet.
auch die aussprache ist nicht ganz einheitlich (Paul
gramm. 1, 185).
normale länge der stammsilbe wird nicht selten durch ee
oder eh
angedeutet (unsteet
gemma 1508 m 4
a; J. Schenck
ein schone cronica [1522] 2
a; unsteht Keisersberg
baum d. seligkeit 13
c; H. Sachs 14, 101, 16
G.; Fronsperger
kriegsb. 2, f 2
a; Fischart
Dominici leben 126, 114
K.; Weckherlin 1, 372, 131; J. Fayser
hippokomike [1623] 71; Spee
tugendb. 720; Lehmann
florileg. 3, 50),
anderseits beweisen schreibungen wie unstette, unstett, unstätt (
erste d. bibel 2, 70, 31; 3, 404, 26;
N. v. Wyle
transl. 53, 35
K.; J. v. Watt
d. schr. 3, 400; S. Franck
sprichw. [1541] 2, 99
a; Lehmann
florileg. 2, 616;
mediz. maulaffe 158; Laroche
frl. v. Sternheim 1, 326)
nicht ohne weiteres kürzung, aber diese ist doch auch, z. b. in nwestd. aussprache gewisser verbindungen, nicht ungewöhnlich: ein unstätter blick, etwas unstättes (
vgl.unstätt: hett Hätzlerin 114 (II 1, 63); etwas unstättes Stifter 5, 1, 170);
steigerungsformen unbedenklich (S. Brant
narrenschiff 15, 24
Z.; E. Th. A. Hoffmann 7, 28
Gr.; Zwingli
d. schr. 1, 156). 11)
der sinnlichen grundbedeutung des stehens nahe; instabilis (
fast nur dessen activer bed. entsprechend; passiv: weil ... kessel hoher bergseen durch die ergieszung ihrer gewaltigen wasser alle niederungen ... in unstäten sumpf verwandelten J. v. Müller 1, 5,
ungewöhnlich); was aber nicht feste stehet, sondern wackelt oder gar ausfället, das hat seine bleibende stätte oder ruhe verlohren und ist unstät oder unruhig worden J. G. Schmidt
rockenphilosoph. (1706) 2, 386; 'faren wie eine schatten' ist so viel als unstete sein, hyn und her faren, wie der wind die wolcken treibt, das die schatte keinen gewissen, sichern, eygen ort hat Luther 19, 611
W.; vgl. 24, 33, 26; 29; 34, 14
W. a)
von fusz, tritt, hand; mnl. wb. 5, 694, 3: solche messigkeit ... macht die fuoesz nit unstete A. v. Eyb
d. schr. 1, 37, 28; unstette, unleidliche fiess Hedio
chron. Germ. (1530) 187
b; unstete sind ire (
der huren) tritt
sprüche Salom. 5, 6; in dem die pferd under den zuo geworffnen stein mit unstAeten fuoszdritten strauchten und fallen muosten Boner
Herodian (1532) 8
b; dann es nicht zu zweiflen, dieweil die handt also in die höhe unsteth und schranckent gehet Fayser
hippokomike (1623) 191.
in n. spr. meist zugleich ausdruck seelischer zustände; s. unten 5 c. b)
von auge und blick: unde unstede sint sie (
augen)
Breslauer arzneibuch 33;
oculi lubrici unstete augen Alberus; welch stechend unstet (
vgl. 2) auge! O. Ludwig 3, 161; die augen (
der hyäne) funkeln u. Brehm
tierleben (1890
ff.) 2, 3; den unsteten blick Göthe 24, 318
W.; seine blauen augen hatten etwas unstättes, als blickten sie immer hin und her Stifter 5, 1, 170; O. Jahn
Mozart 3, 465; unstäter blick
regard perdu dans l'espace (?),
papillotage, regard inquiet Sachs-Villatte. c)
von menschen; vgl. urstet
flüchtig Schmeller 2, 797;
circumcellio, discolus (
discors a schola, diversas scholas visitans),
fluctivagus, fluctuosus, vagus Diefenbach
gloss. 122
a; 184
c; 240
b; 605
b;
vagabundus; syn. umbschweyffend, verloffen, strichling, vagant Frisius 1343
a, wyld Diefenbach
gloss. 605
b: unstet und flüchtig soltu (
Kain) sein auff erden
1. Mos. 4, 12; 14 (vluchtig ende ongestade
mnl. wb. 5, 694, 3); Liscow (1739)
vorr. 31; Göthe 22, 12, 7
W.; wie sie (
die juden) sint der zeit yhrer verstörung unstete sind, hie und da ausgetrieben werden und nirgent gewis sitzen Luther 19, 601
W.; ein zigeunerartiges volk, das ... unstät umherzieht, ohne grundeigenthum ist Ritter
erdkunde 1, 479;
M. ist unstät (
wollte nicht bleiben), ich hätte ihn so gern hier behalten Gleim
briefwechsel 2, 211
Körte; C. Herder im
Göthejahrb. 8, 29
G. übertragen: da derselbe sogar in der rechtswissenschaftlichen welt noch so unstät ist, wie der schatten der dinge vor einer wandelnden nachtwächterlaterne Müllner 8, 111. unstede kuhirt Diefenbach
gl. 77
b, landstreicher Schiller 2, 133, sänger Scherer
literaturgesch. 59, gesellschaft (
wandernde theatergesellschaft) Zschokke 1, 13, horden J. v. Müller 1, 390; der unstätschweifende K. O. Müller
Dorier 1, 84;
M. Hartmann
erzählungen eines unstäten (1858); seit ich zu dem unstät ward
ges. werke (1874) 2, 480; der unstäte und umher irrende geist (
ein gespenst) Ayrenhoff 4, 194;
vereinzelt: der unstete (
nicht standhaltende) feind J. v. Besser
schr. (1732) 1, 36
K.; veraltet: nicht mach dich unstet in eim yegklichen wind (
non ventiles te in omnem ventum)
Nürnb. bibel (1483) 320
b,
Sirach 5, 11.
mundartlich: unstet '
das den leib im wasser und sonst sich nicht halten kan, auch sich unrein macht' J. G. Estor
d. teutschen rechtsgelahrheit 3.
teil (1767) 1421 (
gth. fest
hartleibig, verstopft Höfler 885
b;
vgl.stät,
stätig, stätisch). d)
von thieren: der pirol ist ein scheuer ... unstäter (
den ort oft wechselnder) vogel J. A. Naumann
naturgesch. der vögel (1822) 2, 176; Vischer
ästhetik 2, 140; schmetterling;
meist nicht ohne beziehung auf wesenseigenschaften: Mynsinger
v. falken 9; J. T. Hermes
für töchter edler herkunft 3, 96. e)
von pflanzen: ein unstetes (
hin und her schwankendes) rohr;
im bilde: die zeit ist unsted wie ein rhor, wer ihr vertrawt, der ist ein thor E. Alberus
praecepta vitae et morum (1536) h 2
b; du kannst dich auf dieses unstet schwanke rohr (
des volksurtheils) nicht lehnen Schiller 12, 455. f)
von den planeten, dem monde (
gs. stête sterne
fixsterne Lexer 2, 1145): die planeten ... werden unstAet sein Fischart
practic 7
ndr.; so man sonst dem unstAeten mon kein kleid anmachen kann
Garg. 208
ndr. g)
von naturgegenständen aller art, luft, wind, wetter u. s. w.: was ist aber das gegenwürtig leben: nur als das wasser beweglich und unstet
offenb. d. h. Brigitte (1502) 129; welle Fichte 8, 286; J. H. Voss
antisymbolik 1, 302;
adv. Schiller 14, 29; Mörike 1, 92; das quecksilber, welches allezeit unstet Abr. a St. Clara
etwas f. alle 2, 408; unstetter dann der wetterhan S. Franck
sprichw. (1541) 2, 99
a; die südwind ... sind unstAet Sebiz
feldbau (1579) 7; wenns trüb hergett, die luft unstet Thierbach
diarium herrenhuthianum (1751) 2, 373; wind und wetter sind unstät Göthe IV 37, 114
W.; Schmeller 2, 797; Parac. 2, 650
H.; Lohenstein
Arm. 1, 146
a; mitten im october fähet es an winterich und unstät zu werden Kepler
opera omnia 1, 405; der tag darauff unstett .. ist
mediz. maulaffe (1719) 158;
von d. morgenröte,
schlechtes wetter verkündend, in dem wortspiel kurfürst Friedrichs zu Sachsen th. 6, 2577, 1
ende. h)
vom menschlichen thun und dessen ergebnis: dieser unstäte aufenthalt der einwohner J. D. Heilmann
gesch. des peloponn. krieges (1760) 3, tapferkeit (
auf unsteten ritterfahrten bald hier, bald dort geübt) Adelung
magazin 2, 4, 23, herumziehen Br. Grimm
sagen (1891) 2, 11, treiben G. Freytag 18, 73, wanderfahrten Treitschke
hist. und polit. aufsätze 1, 80, soldatenleben Mommsen
röm. gesch. 1, 300, wandergewerbe Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 78, feuerstelle Mommsen
röm. gesch. 1, 20, haushalt G. Freytag 11, 294
u. dgl. 22)
die zeitliche vorstellung mangelnder dauer, ruhe, beständigkeit, beharrlichkeit kann hervortreten, ohne dasz die bed. sich immer ganz von 3
scheiden läszt: Notker
ps. 41, 7; 101, 13; 88, 30; der selbe geist (
der thiere) ist unstete, da von stirbet er mit dem fleische
Lucidarius 30, 13
H.; vom menschlichen leben Lexer 2, 1940; etwas, was, wenn gleich auch noch an dem unstäten und unruhigen theilnehmend, doch auf das wahre sein bezogen werden kann Schleiermacher
Platon 6, 40; alles ist unstet, nur im tod ewige eherne ruhe Scheffel 2, 22.
als eigenschaft von naturvölkern und kindern '
der beharrlichkeit und längeren ausdauer ermangelnd': sie (
die eingeborenen) waren so unstät (
vgl. 1), dasz sie von unserm tische nach dem steuerraum hinabliefen G. Forster 1, 178; einige (
von den indianern) ermüdeten zu rasch, andere waren zu unstät v.
d. Steinen
naturvölker Zentral-Brasiliens 77; ein unstetes kind;
mit einschlag von bed. 5: Göthe 24, 130, 21
W.; bed. 4
und 5
mischen sich ein: unstet wie der aprill bin ich in liebes sachen G. Voigtländer
oden (1642) 26, 9. '
nur zeitweilig auftretend, unregelmäszig, errativus, recurrens, intermittens',
bisweilen terminologisch: ehr ist unsteet bey den seinen (
Johannis 16, 16)
Erasmus von walfart (1524) l l 1
a; unsteter regen, sturm
u. dgl. die miselsucht die ist fliegent (
s. fliegend 9) und unstett
erste d. bibel 3, 404, 26; einer unstäten gichtmaterie (
vgl. fliegende gicht Höfler 158
b) Jean Paul 7/10, 38; hitze (
vgl. 5) Schiller 6, 65; athem (
der trinker) Ambach
vom zusaufen 102
a; puls Herr
schachtafeln der gesundheit (1533) c i 4
a.
von lichterscheinungen '
zeitweilig aufzuckend': ein unstetes irrlicht Scheffel 2, 47; 1, 160; schein Arent-Conradi-Henckell
dichtercharakt. (1885) 197. 33)
unfest von richtung, bewegung, erscheinung, wechsel, regelmäszigkeit, ordnung, wiederkehr, zahl: eine unstäte richtung Göthe 21, 257
W.; unstätes bewegen G. A. Agricola-Bech (1621) 303; eine unstete bewegung
kann ohne feste richtung oder dauer (
bed. 2),
unregelmäszig einsetzend oder verlaufend, wechselnd, unbestimmt, unberechenbar sein; dieses unstete schwanken (
in der bildung der nagethiere) Göthe II 8, 248
W.; die ursach dieser unsteten (
vgl. unbeständig 4) farb
Amadis 258
Keller; Mörike 1, 31; gebärden Bode
Tristram Schandi 6, 16; gehn und kommen Platen 1, 33; gewölk Scheffel 2, 160;
mit bezug auf steuerung: unstetes fahrzeug
embarcation volage Mozin; wenn wir nun das gewöhnliche unstäte betrachten, wie der traum erscheint, und die verflüchtigung von allem fixen, so fehlt dem traum gerade der begriff der welt, zusammenhang, ordnung und maasz Schleiermacher III 7, 83.
in anerkennendem sinne von Lessings untersuchungsart Herder 3, 12,
von der polonaise Böhme
gesch. d. tanzes 211.
von beweglichen festen, feiertagen, terminen: conceptivae feriae unstAet feyrtag, so nit auff gewüsse tag wiederumb kommend, sunder nach guotduncken der oberkeit hin und wider verruckt oder verenderet wurdend oder hindersich oder fürsich gelegt Frisius 551
b; Golius 30; Kramer (1702) 2, 967
c;
veraltet. von einkommen, gefällen, zinsen, erträgen, wobei wir heute unständig
vorziehen: alle des gotzhaus rent, zinss ... landtgarben, stet und unstet
quelle (1534)
bei Fischer
schwäb. wb. 6, 222; nutzung
ebda; einkommen J. v. Müller 2, 199; vermögen Göthe 25, 9
W. von wechselnder menge, zahl: unstät zugvieh habern Fischer
a. a. o.; die unstete zahl der consulartribunen Mommsen
staatsrecht 1, 173;
vgl. unstetig 3. 44)
ohne bestand, trügerisch, falsch, unzuverlässig, unsicher, ungültig u. dgl. von nichtpersönlichem; vgl. unbeständig 1—3, unständig 2 c: unstâtemo guote Graff 6, 645; buolschafft ist licht zuo aller frist, nüt unstAetters uff erden ist S. Brant
narrenschiff 13, 24
Z.; die ungewissen, unstete rychtum Keisersberg
bilgerschaft (1512) 20
a; das unstete und flüchtige gut der weiblichen schönheit stet und fest zu machen Musäus
volksm. (1826
ff.) 3, 67; desz rych ist allerbest und festest, der allein mit gott herrschet, und desz allerbösest und unstätest, der us sinem gemüt Zwingli
d. schr. 1, 156; das regiment ward unstet und unsicher Mommsen
röm. gesch. 2, 57; wenn aber ein gelehrter donner aus dem teutschen munde loszbricht ... musz ein gedichtetes und unstetes geläut verzischen und taub werden Schottel
haubtspr. 64; die liebe der creatur ist lügenhafft und unstet J. Arnd
nachfolge Christi (1631) 49;
irritus Graff 6, 645;
rechtlich ungültig: mnd. wb. 5, 79
a; Frisch 2, 333
a; wie darf ich so unstetem eide trauen? Immermann 16, 394; ein unstätt leeren J. v. Watt
d. schr. 3, 400; abendrethe
in dem wortspiel kurfürst Friedrichs th. 6, 2577, 1; meinungen Butschky
Pathmos 356; das auskünsteln flüchtiger, zarter und unsteter begriffe Gottsched
das neueste 4, 536;
im epigramm gelten keine unstäten züge einer verwirrten prose Herder 15, 390;
gern vom glück: das glück ist unstAet A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) e 2
a; ach du waltzent unstetes glück H. Sachs 17, 9, 33
G.; di mit inen zweiflichs und unsteets fals (
instabili fortuna) gestritten J. Schenck
ein schone cronica (1522) i i
a; die unstäte gunst Mastalier
ged. (1774) 151; die freud ist unstet auf der erde Gökingk
gedichte (1780) 1, 148. 55)
im geistig-sittlichen sinne ist u.
schon in ä. spr., im ahd., mhd., mnd., mnl. am stärksten entwickelt. a)
von menschen. im mittelpunct des begriffes steht der mangel an beharren; Bezzenberger
zu Freidank 68, 24;
der schwere sittliche tadel der ä. spr. hat sich später ganz abgeschwächt. mit genitiv: macho sie (
die feinde) unstâte iro râtes also rad Notker
ps. 82, 14;
veraltet. mit präpositionsbestimmungen: unstæte an Lexer 2, 1940,
veraltet; der unstAet ist in seinem leben Keisersberg
granatapfel (1510) g 2
d; Heyden
Plinius 249; solche scribenten, die keine gemessene und deutliche begriffe von den dingen haben, sind in ihren ausdrücken gantz unstet (
vgl. 4) und ungewisz Bodmer
crit. poet. schr. (1741) 1, 103; ich habe mich oft gewundert, wie ein so scharfsinniger geist in seinen meinungen so unstät, so unzusammenhangend seyn konnte Herder 16, 413; u. in liebe und hasz; unstät in meinen schritten, herr, hab ich oft gefehlt Brentano 1, 97; die unsteten (
wankelmüthigen, untreuen, abtrünnig gewordenen) Sachsen
städtechron. 3, 62; weil sie (
die schwärmer) schlipfferig und unstete sind Luther 23, 76, 2
W.; do hin sind wir gebracht ..., das wir untrewer, lugenhafftiger, unstAeter ... sind dann hayden und Türcken Eberlin v. Günzburg 1, 147
ndr.; wer kan des leichtgläubigen, unstätten gemeinen mannes abergläubliche thorheit sattsam beschreiben?
Reinicke Fuchs (1650) 77; wer unzuverlässig und unstät ist, .. der ist des todes Fontane I 2, 201; unstäte und flatterhafte köpfe Schopenhauer 2, 152
Gr.; syn.: zerfahren
M. Greif
nachgel. schr. 385; Pansner
schimpfwb. 74
a;
stehender tadel der frauen: die frawen sein unstet und wanckel A. v. Eyb
d. schr. 1, 9, 35; Petri V v 5
a;
viel enger ist der begriff effeminatus: wann sy waren auch unstet in dem lande
erste d. bibel 5, 308, 18 (
3. könige 14, 24);
besonders: unstæteʒ wîp
meretrix Lexer 2, 1940; Fischer 6, 222; Schmeller 2, 797;
ambubaya Diefenbach
gl. 29
b;
ehebrecherisch: da sy (
die juden) prachten das fräwlin zart und sprachen, sy wär unstätt
Hätzlerin liederbuch 114 (II 1, 63); der hett ein unstAet weib, die bate einen graven, das er sie leiblich erkennet und beschlieff S. Franck
chron. Germ. (1538) 91
b; Br. Grimm
sagen (1891) 2, 97; unstete lieb H. Sachs 21, 198, 22
G.; beilag J. Behm
artzneibuch 333;
veraltet. b)
von herz, sinn, gemüth, geist, seele, gedanken, stimmung, leidenschaften, wesen, charakter: dyn unstetes gemt
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 13
a; Suso
d. schr. 215, 17
B.; Scheffel 1, 128; etliche menschen hond so unstethe hertzen, das sie so leichtlich umb ein clein ding bewegt werden zuo lieb und zuo leid Keisersberg
baum d. seligkeit (1518) 13
c; wie oft lull ich mein empörtes blut zur ruhe, denn so ungleich (
vgl. sp. 971), so unstät hast du nichts gesehn als dieses herz Göthe 19, 10, 9
W. (
in der jubil. ausg. 16, xix
zu weit gefaszt); das unsere sinn und gedancken so ungewis, schlipfferig und unstete sind Luther 28, 76, 23
W.; ein feuriger mann von groszen geistesgaben, aber sehr unstetem sinne
F. H. Jacobi 1, 3; mit unstetem gewissen Luther 10, 3, 24, 18
W.; seele Ranke 38, 56; wenn mich mein wildes, unstätes wesen in der gegend umhertrieb Göthe 27, 19
W.; der französische karakter ist leichtsinnig, unstät, unruhig E.
M. Arndt (1845
ff.) 2, 34; unstäte schwermuht Dusch
verm. werke (1754) 396, begier Platen 2, 217, stimmung Laube 3, 189, leidenschaft C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch (1901) 102
u. s. w. c)
von menschlichen lebensäuszerungen, bethätigungen, eigenschaften, zuständen; an bedd. 1—4
ist oft sichtlich angeknüpft, indem der ausdruck eines geistig - sittlichen, seelischen hinzutritt; z. b.: seit gestern bin ich unstätt (
meine leidenschaft läszt mir keine ruhe mehr)
d. erzähler d. 18.
jhs. 22
Fürst; zum unstäten leben eines derwisch bestimmt Göthe 7, 61
W.; ein etwas unstätes und planloses leben G. Keller 6, 198; Göthe 9, 383
W.; Schiller 12, 262; wie unstät macht die eigenliebe den gang unserer tugend! Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 213;
der mensch kann nichts anders von ihr (
der menschheit) verlangen, als dasz sich die kraft ihres wesens weder durch widerspruch mit sich selbst zerstöre, noch durch unstätes übergehn von einer äuszerung zur andern zerstreue W. v. Humboldt (1903
ff.) 2, 37:
fides clauda, ein hinckender glaub, das ist unstAet, halb ausz, halb inn, wie man spricht Frisius 235
a; unstete verliebung Kramer (1702) 2, 967
c; liebe J.
M. Miller
briefwechsel (1778) 1, 178; Gotter 1, 112; Müllner 4, 71; die hervorbringende kraft ist rastlos und unstät
F. Schlegel 5, 24; aus dem unstäten geschwäz über Homers flügelgötter (
vgl. 4) J. H. Voss
antisymbolik 2, 40; unstetes und einseitiges verfolgen verschiedenartiger richtungen O. Jahn
Mozart 2, 5; Czartoryskis unstäte politik Treitschke
d. gesch. 1, 243;
substantiviert: das unstäte seiner politik v. Roon
denkwürdigkeiten 2, 197; so manches zweideutige, unstäte ihrer reden Bettine
d. buch gehört d. könig 1, 235; er hat etwas unstetes Auerbach (1892
ff.) 7, 89;
adverbial: unstAet oder erschrockenlich geredt Riederer
rhetoric (1493) d 3
a; das unstet hin und wieder springende gespräch Mörike 3, 76; dasz wir unstät und ohne mittelpunkt des urtheils hin und her schwanken Nitzsch
d. studien 306; Schiller
würde der frauen 9; unstätbang Matthison 1, 163. d)
auf sinnesart von thieren übertragen: einem schweren pferdt eines unstethen, wiederwertigen kopffs Fayser
hippokomike (1623) 71;
vgl. 1
d. —