spüren,
spuren,
verb. spur suchen und finden. 11)
wort des gesamten germanischen sprachgebietes, altn. spyrja,
schwed. spra,
dän. spore;
ags. spyrian,
im englischen untergegangen, aber schottisch als speer, speir
to ask noch lebend; ahd. spurien, spurigen, spurren,
investigare, sciscitare Graff 6, 356;
mhd. spüren, spürn;
mnd. sporen, spören;
mnl. sporen
i. speuren
investigare Kilian;
das ältere nhd. kennt verschiedene nebenformen, die von der neueren sprache wieder abgestoszen sind; speuren,
vgl. oben theil 10, 1, 2197;
unumgelautetes spuren:
vestigiare spuren, sporen Dief. 616
b (
vgl. auch unten unter spürsam); das ist die natur und art des geystes, das er sich spuren und mercken lest. Luther 20, 224, 26
Weim. ausg.; sic vive, ut quisque spure dein iuventutem. 27, 161, 14;
und noch nach Adelung '
in einigen mundarten' spuren,
wenn das wort in der bedeutung 2
unten steht; ferner spören: man hat auch an im nichts können spören, das ehr etwas sonderliches were. Luther 9, 405, 30
Weim. ausg. (
predigten gesammelt von Poliander); denn gott vorlest die seinen nicht, ... leichtlich wil er uns auch hörn, trewlich wir sein hülffe spörn. Ackerman-Voith 205, 1560
Holstein; und spiren,
was aber nur wiedergabe einer landschaftlichen aussprache von spüren
ist: welchs gleichwol wenig leut an im haben gespirt.
Zimm. chron. 4
2, 175, 31; ausspieren Lessing 4, 269,
vgl. die stelle unter spürhund; darum wer doppeltes gut will anschauen, riechen, schmäcken, spiren. Weckherlin 531 (
Od. III, 15, 4);
vgl. auch unter spürlich. 22) spüren,
im eigentlichen engen sinne, eine spur aufnehmen, einer fährte folgen, als jägerausdruck, ahd. indagantes spurienta Steinmeyer-Sievers
ahd. gloss. 2, 258, 56;
nhd. spüren,
vestigia videre, die fuszspur haben Frisch 2, 312
a. 2@aa)
vom jäger selbst; absolut, allgemein von seiner beschäftigung oder seinem berufe gesagt: swer einen friunt wil suochen da er sîn niht enhât, und vert ze walde spüren sô der snê zergât (
als beispiel vergebener arbeit).
minnes. frühl. 21, 14; der jäger summt es (
das lied) vor sich her, spürt er im bugenhage. Geibel 1, 28;
mit präposition, den bestimmten fall meinend, nach einem wilde spüren,
vgl.nachspüren theil 7, 132; dem vosse wart do na gesporet. Gerhard v. Minden 47, 94
Seelmann; mit acc., ein wild spüren; so vermag der jäger das thier nicht zu spühren und gewahr zu werden, wohin oder woher es wechselt. Göchhausen
notabilia venatoris (1741)
s. 2;
in passiver wendung: dort (
im forste von Kunersdorf) war ein wildes schwein gespürt, und es dauerte auch nicht lange, so hatten die treiber es im dichten unterholz aufgefunden. jetzt wurde eine meute von fünfzig hunden auf dasselbe losgelassen. Moltke
schriften 6 (1892), 48. 2@bb)
vom jagdhunde: spüren, als ein hund,
investigare, indagare, odorari. Frisch 2, 312
b; die hunde spüren im walde, spüren nach dem wilde. Adelung; die hunde spüren ein wild.
ebenda; häufig in bildern und vergleichen: tugende spürt er sam daʒ wilt ein nasewîser bracke. K. v. Würzburg 396, 250
Bartsch; da schauet sie (
die Nemesis) empor zum blick des Zeus, dem blutbegiergen jagdgefährten gleich, der allzusichres wild im busche spürt, und wedelnd auf den pfeil des jägers harrt. Stolberg 4, 51; laszt mir so lange ruh, ihr unterirdschen, die nach dem blut ihr, das von meinen tritten hernieder treufelnd meinen pfad bezeichnet, wie losgelassne hunde spürend hetzt. Göthe 9, 28 (
Iphig. 2, 1); wie mans herz fleiszig soll abrichten, dasz es wie'n jagdhund schnüffelnd spürt. Tieck
kaiser Octavian s. 373. 2@cc)
dann auch vom wilde, in reflexiver fügung, spur machen, hinterlassen: der bär spürt sich fast gleich einem menschen, welcher ohne schuh und strümpfe, also barfusz, gegangen; nur dasz er die nägelklauen vorne heraus zeiget. Heppe
jagdlust (1783) 1, 343;
und in freierem sinne, ohne genauen bezug auf die fuszspur, witterung haben: sie (
die wilden schweine) spühren den menschen von ferne, wann sie den wind von ihm haben können. Hohberg 2, 620
b. 33) spüren,
bildlich, in engem anschlusz an die bedeutung 2,
a, in dem sinne eines feindlichen nachstellens und suchens: ein polizeidiener spürt umher, spürt nach einem verbrecher; ich habe nämlich den alten Jochem allein weiter spüren lassen, denn vor allen dingen ist incognito nöthig, wenn wir ihn (
den verfolgten) entdecken wollen. Immermann
Münchh. 1, 170;
Viren. Lysander wird gewisz den grimmsten feind verlieren.
Olymp. mehr ich, die dadurch frey von seinem steten spüren.
Viren. der keuschheit wird umsonst gespüret und gestellt. A. Gryphius 1, 219; was hat der kerle hier herum zu spüren, und heilge reden zu verführen? Tieck
kaiser Octavian s. 107;
auch milder, wie bloszes suchen, zu finden verlangen: (
das arme mütterchen) muszte den schlotternden körper zusammendrücken in einer ecke, in den eigenen gliedern noch irgendwo nach einem restchen wärme spürend. J. Gotthelf 4, 7; ich spürte nach des mädchens kammer: umsonst, noch rührte sich kein laut im ganzen hause. Mörike
erzähl. 68; nicht geld, noch hoher rang, darnach der eitle spüret, hat Philalethens arm die gattin zugeführet, die seine zeit versüszt. Lichtwer 166; den Nala suchend, sie fuhren durch dörfer, städte und fluren, spürend auf allen spuren, um thäler und bergesspitzen. Rückert 12, 90;
wie forschen: si begunden alumme spurn, mit wîsheit, beide her und dar, wie si wurden gewar eines, der dem selben hove vûgete zû einem bischove.
pass. 9, 50
Köpke; dies hindert nicht, nach einem princip zu spüren. Kant 7, 262; sie sind hinweg und spüren durch die insel; denn wiszt, herr Adam ist, was man so nennt, ein tiefgelehrter mann, der seine wallfahrt zugleich benutzt, was ihm an steinen, pflanzen ... merkwürdiges und eignes nur begegnet, zu sehn und im gedächtnis zu bewahren. Tieck
kaiser Octavian s. 150;
auch von der nase, witterung haben, an den jagdhund angeknüpft (
oben 2,
b): eine spürnase, wie die ihrige, wird schon spüren, was an ihm. Merck
briefs. 2, 220; der weise Ferasis fand den angenehmen geruch der ihm entgegen weht, von guter vorbedeutung; ... sie folgen also der leitung der spürenden nase. Wieland 5, 56 (
n. Amad. 13, 28). 44) spüren,
in den allgemeineren sinn des empfindens, merkens, wahrnehmens verlaufend; die vorstellung des folgens auf der fährte ist ganz in den hintergrund getreten. 4@aa)
absolut: auch war er fleiszig, wie ich an allerlei spüre. Göthe 16, 13; hie mit er wart geswîget sô, daʒ er niht mê getorste dô sprechen, ob ich rehte spür. K. v. Würzburg
Silvester 3987; sie sind vom Rheine, wie ich spüre. Göthe 12, 112. 4@bb)
mit einem acc. der person: aber gehe ich nu stracks fur mich, so ist er (
der allmächtige) nicht da, gehe ich zurück, so spür ich ihn nicht.
Hiob 23, 8; ir (
fürsten) habt dem rîch getzogen abedie ganze habe, des rechten hortist ganz ermort, dar an ich uch wol spure! Muskatblüt 81, 60; verzeu(ch) dich nicht zu lang das dich mein man nicht spüre.
bergreihen s. 17, 1
neudr.; hinter meins vaters hof steht eine thür ... da geh hinein, dasz man dich nicht seh noch spür!
wunderhorn 1, 115; wenn ich und duihn (
gott) nicht mehr spüren, da schickt er zu,uns wol zu führen. P. Gerhard 276, 61
Gödeke; den teufel spürt das völkchen nie, und wenn er sie bei'm kragen hätte. Göthe 12, 108; wo ist der kerl? wenn ich ihn spüre, er soll mir nicht lebendig gehn! 118; lasz von den dingen dich gern umwinden, du wirst dir dadurch nicht selbst entschwinden; von je mehr seiten sie dich berühren, je mehr wirst du dich selber spüren. Rückert 323;
in erweiterter fügung: ich dich zu aller zeit als einen waren rechten liebhaber gespüret und erkennet hab.
Galmy 94; Bagoas ward gefangen: Theagenes und Chariclia wurden auch gefangen, vermeineten es were unbillich von jhm zu weichen, dieweil sie jhn als einen freundt gespüret.
buch d. liebe 218
b; man spürt euch blosz auf das, was ewig heist, bedacht. Rist
Parn. 827; da thät er einen narren spüren mit bocks- und affensprüng hofiren. Göthe 13, 129; ach da sind wir an der thüre! bebend hält er in der hand schon den schlüssel. — wart', ich spüre jemand gehen, Amarant! Göckingk
lieder zweier lieb. (1779) 22. 4@cc)
mit acc. der sache. 4@c@aα)
die alte sprache hebt an spüren,
als vielgebrauchtem worte, mehr die schärfere bedeutung des vollkommenen erkennens, wahrnehmens hervor: merken, gewahr werden, spüren etwas,
sentire aliquid. Hederich 1602; den sumer ich spür an den vogellînen und an manigem tiere.
minnes. 2, 261
b Hagen; des spurte er wol die strâʒe, die in daʒ himelrîche treit, mit der barmherzikeit.
pass. 63, 10
Köpke; sihe nicht drauff, wie vernunfftige leute es seyn, die da etwas anders leren, ... wo du nicht gottes wort spurest, so zweyffel nicht daran, das es eytel finsternis sey. Luther 14, 30, 8
Weim. ausg.; das am hofe ... schöne kleidung, hoffart, pracht gespüret, auch geld und gut alda erlanget wird. 16, 25, 20; also kanstu leichtlich an den früchten den bawm spüren. 28, 168, 11; dein ausgang und eingang mit mir im heer gefelt mir wol, und hab nichts arges an dir gespürt.
2 Sam. 29, 6,
vgl. v. 8; dein weg war im meer, und dein pfad in groszen wassern, und man spüret doch deinen fus nicht.
ps. 77, 20; und sie zogen Daniel aus dem graben, und man spüret keinen schaden an jm, denn er hatte seinem gott vertrawet.
Dan. 6, 23; als wenn ein pfeil abgeschossen wird zum ziel, da die zuteilete luft bald wider zusamen felt, das man seinen flug dadurch nicht spüren kan.
weish. Sal. 5, 12; an der silbermünz und dreissigern oder schillingen merkten und spürten sie die gerechtigkait der Römer, das dieselbig all gleich an der wag. Aventin
bayr. chron. 1, 682, 20
Lexer; sie (
die Türken) tragen eyn erber kleydung, an jren sätlen, zemen (
zäumen) wirt keyn fürwitz und überflussz gespürt. S. Franck 98
b; ist doch solcher fehl nicht allein bey uns ... zu spüren. Kirchhof
wendunm. 400
b; da man jre trew ... gnugsam gespüret.
discipl. milit. 8; daraus ich gottes sonderliche führung und erhaltung zu spüren ... hätte. Schweinichen 1, 11; dabei haben ifg. mein treu gehorsam gemüte zu spüren gehabt. 2, 123; die vertrag, gehrhabschaft, kauf, übergaben ... sollen unverzogentlich bei gericht angezaigt werden und nit unterschlagen, wie man genugsamblich spüren musz.
österr. weisth. 1, 107, 6; damit du meine mütterliche liebe gegen dich im wercke spüren mögest. Schuppius 470;
bis zu Lessing: in dem dritten (
musik)satze vermischen sich die beweglichen tonwendungen mit stolzen; denn die bühne eröfnet sich mit mehr als gewöhnlicher pracht; Semiramis nahet sich dem ende ihrer herrlichkeit; wie diese herrlichkeit das auge spüren musz, soll sie auch das ohr vernehmen. 7, 120 (
dram. 27); kein lieb ich an dir spür.
fastn. sp. 123, 4; der leg es hie dem richter für, das er die warhait da pei spür. 314, 10; freunt laszt eur zeugen auch herfür, das man die rechten warheit hie spür. 544, 30; allererst man weisheit an im spürt. 316, 2; falsch, untruw, bschyssz würt gätz gspürt. Brant
narrensch. 102, 90; da selbs do spurt man erst ir duck, si wurfend ab die Aren brugg. Liliencron
hist. volksl. 4, 66, 27 (
v. 1533); den freund spürt man in nöthen, auch wer sein bruoder sei. 82, 27 (
v. 1534); dem leyb, den man mit fingern zaygt, die weszlich menschlich art nit aygt. viel mer der seel dasselb gebürt, der herschung würt im leyb gespürt. Schwarzenberg 152
a; min sprach spürt man an inen wol (
spricht der teufel), die ist fluochens und scheltens vol.
N. Manuel 272, 400; sag was dein gscheft und handel sey, das ich dein ellent spüer darpey. H. Sachs
fastn. sp. 2, 2, 34; ob ich den guten fuhrt wohl eigentlich kan spüren, pflegstu mich doch zu grund und in den sumpf zu führen. D. v.
d. Werder
Ariost 2, 1, 5; schaw, jetzt daʒ weite feld, von so viel tausend mann bedecket, dasz man kaum das erdreich spüren kan. Rist
poet. lustgarlen E 2; ja die stund ist schon fürhanden, herr, ich spühre die gefahr, lasz mich vor der frommen schaar werden nimmermehr zu schanden.
himml. lieder 4 262; in wohrten und geberden wird (
im ewigen leben) nichts gespüret werden, als lauter frömmigkeit. 5, 326; im feuer wird das gold, obs reine sey, probirt, und deine lieb im kreutz, wie lauter sie, gespürt. Angelus Silesius
cherub. wandersmann 139, 304
Ellinger; ein königlich gepräng wird um und um gespüret, so Fridrichs frömmigkeit dem groszen vater weiht. v. Besser
schriften (1720)
s. 142;
noch mit nahem bezug auf verfolgendes spüren (
oben 2,
a): (
geraubtem) rindviche und pferden wuste ich stiffeln oder schuhe anzulegen, bisz ich sie auf eine gänge strasze brachte, damit man sie nicht spüren konte.
Simpl. 1, 248
Kurz; in der verbindung spüren lassen,
wahrnehmen, merken lassen, zeigen: mein collega ... konte mir hernach nicht genugsam rühmen die sonderbare devotion, welche dieser cavallier in der beicht, und bei empfahung desz heil. abendmahls hab spüren lassen. Schuppius 255; (
sie hat) dieselben als ihre andere eltern geehret und geliebet, und sonderbahre wohlgewogenheit gegen sie bisz in den tod spüren lassen. J. B. Carpzov
leichpredigten (1698) 131; (
da ich) aber mein billiges miszvergnügen zur zeit nicht spühren liesz.
ehe eines mannes 75; dasz keiserl. maj. selbst ein allergnädigstes wohlgefallen darüber spüren lieszen. 228; ob einer liebe zur erkäntnisz der wahrheit hat und insonderheit auch nach einer wissenschafft begierig ist, kan man aus dem vergnügen abnehmen, so er von sich spüren lässet, indem davon geredet wird. Chr. Wolff
vernünft. gedanken von der menschen thun und lassen (1733)
s. 227;
und noch bei Göthe: die zurückgesetzten lieszen auf allerlei weise ihren verdrusz spüren. 19, 293 (
W. Meisters lehrj. 3, 9). 4@c@bβ)
seit dem 17.
jahrh. in den anfängen, entschieden seit dem 18.
jahrh. schwächt sich (
wol nicht ohne einwirkung des subst. spur 7,
a, und besonders b, oben sp. 240
f.)
die bedeutung α ab zu gunsten der eines bloszen mehr oder weniger deutlichen empfindens, gesagt von sinneswahrnehmungen, gemütsbewegungen, körperlichen und geistigen zuständen: ich spüre es,
mihi subolet Steinbach 2, 650; einen unangenehmen geruch spüren Adelung; gelobet sey gott! noch spür ich den gift nicht. Schiller 3, 503 (
kab. u. liebe 5, 7); mein alter (
herr) spürt auch wohl den vorzug, den mir der graf vor ihm gibt. Göthe 16, 94; der selbstbetrug, wozu er eine fast unüberwindliche neigung spürte. 19, 5; der nun auch als gevatter zu dem hause eine doppelte neigung spürte. 24, 134; die sonne war indesz hinter dem Ettersberge hinabgegangen; wir spürten in dem gehölz einige abendkühle. Eckermann
gespräche 1, 154; da sie anwandlungen von trübsinn an mir spürte. Gotter 3, 36; je näher man Rom kommt, desto deutlicher spürt man die folgen des päpstlichen segens, die durchaus wie fluch aussehen. Seume
spazierg. 1, 113; obgleich sonst, wie die frommen klagten, von christlicher gesinnung wenig in ihm (
dem Frankenvolke) zu spüren war. Freytag
bilder 1, 231; man spürt das alter, wenn ringsumher die alten bekannten und freunde verschwinden. Moltke
schriften 5, 257; in dem linken arme trug er, als spürte er die last nicht, seine todte. C.
F. Meyer
Jürg Jenatsch 80; lust, schmerzen, verlangen, hunger, durst, müdigkeit spüren;
auch allgemein es in allen gliedern spüren, es im kopfe spüren; bey hoff ist alles, wers nur spürt, mit falschheit zierlich tapeziert. Logau 3, 27, 25; ich sprach, kein leben man mehr spürt, es ist mit ihm verloren.
Rein. fuchs (
Rostock 1652) 228; die reue, die sie spürt. Hagedorn 2, 159; das ist der nerve, wo ich gichter spüre. Schiller 5, 1, 119 (
dom Karlos 2, 9); ich spüre was in mir von seinem geist. 12, 245 (
Wallensteins tod 2, 2); kein athem hebt den busen mehr, doch leben ist noch zu spüren in der warmen hand. 13, 334 (
jungfr. v. Orl. 5, 14); über allen gipfeln ist ruh, in allen wipfeln spürest du kaum einen hauch. Göthe 1, 109; du klagest junger freund, unfreundlich sei dein haus, und denkst dir mancherlei, dem abzuhelfen aus. ich rate dir, hinein ein freundlich weib zu führen, so wirst du freundlichkeit in allen ecken spüren. Rückert
werke 2, 265
Böhme; es ist kein vöglein so gemein, es spürt geheime schauer, wenn drauszen streift der sonnenschein vergoldend seinen bauer. Eichendorff 1, 460; erst, wenn du kühn von jedem wein getrunken, wirst du die kraft im tiefsten innern spüren, die jedem sturm zu stehn vermag im tanze. Hebbel 6, 318
Werner; verhüllender ausdruck für leichte trunkenheit: er spürt den wein. Lichtenberg 1 (1801), 34. 4@dd)
mit abhängigem satze; auch hier, wie bei dem vorigen (
c)
ein unterschied des älteren und neueren sprachgebrauchs, dort im sinne des erkennens und wahrnehmens, hier mehr des empfindens. 4@d@aα)
in älterer sprache: ich möhte ân allen zwîvel gar an dîner tugent wol hân gespurt daʒ du wære von geburt edel gar und ûʒ erkorn.
Engelhard 1481; dô sus sîn trûren was verkart zû vreuden, als man spurte, er tet, als im geburte.
pass. 24, 34
Köpke; las mich gnade fur deinen augen finden, ich spüre, das mich der herr segnet umb deinen willen.
1 Mos. 30, 27; unser keiner las im feilen mit brangen, das man allenthalben spüren möge, wo wir frölich gewesen sind.
weish. Sal. 2, 9; denn er war so gar erschrocken, das er aller zitterte, daraus man leichtlich spüren kundte wie ubel jm zu sinn war. 2
Macc. 3, 17; auch haben wir mit jm gesand unsern bruder, den wir offt gespüret haben in vielen stücken, das er vleissig sey.
2 Cor. 8, 22; ja er (
der satan) spüret und fület, das (wie gottes wort art ist) yhe mehr mans druckt, yhe weytter es leufft und zunympt. Luther 15, 211, 6
Weim. ausg.; daraus e.
f. g. und alle welt spüren und greyffen soll, das diser geyst gewisz ein lügenhafftiger teuffel ist. 215, 13; daran man spüren und mercken kunde, wie diese meyne oben geschrieben grunde und sprüche auffgericht werden und gehen mussen. 304, 26; ich sehe und spüre, dasz das ende meines lebens nahe sei. Schuppius 490; warüm wolte ich nicht die fehler meines nächsten dulden, zuvoraus, wenn ich klärlich spühre, das das hertze nicht böse ist. Butschky
Pathmos 148; überdis sol einer, den man in legationen gebrauchen wil, vorhin eine und andere charge bedient haben, daraus man spüren möge, was ferner von ihm zu hoffen oder förchten. 399; ein ieder bei den worten spür, dasz es (
das göttliche wort) auch zuo disen zeiten fürsten und herrn möcht bedeuten. Liliencron
hist. volksl. 4, 2, 68 (
v. 1530); noch mynder wisz wir gottes macht. dann was zuo wissen uns gepürt, würt durch sein haylge ler gespürt. Schwarzenberg 156
a; spüren lassen: da sie denn zur genüge von sich spüren lassen, dasz sie mit dem nahmen (
Luther) auch die gemüthsgaben empfangen habe. J. B. Carpzov
leichpredigten (1698) 131;
statt des abhängigen satzes erweiterte accusativfügung: damit mans nicht spüret etwas guts zu seyn (
dasz es etwas gutes sei), wicklet sie das in liederlich lumpen.
buch d. liebe 199
c; es wer das best, wenn du zeitlich auszsetzen thetst, eh dein herr der griff innen würd und dich ein falben gaul da spürt.
narrenbuch (
histori von Peter Leurn) 112, 703
Bobertag; durch finsternis deckst du des landes pracht, und giebst ihm um das braune kleid der nacht; da spüret man alsdann die thiere kriechen, da kömpt das wild erst recht hervor geschlichen. Opitz
psalmen s. 196 (
ps. 104, 10). 4@d@bβ)
in neuerer sprache, seit dem 18.
jahrh.: der zuschauer spüret handgreiflich, dasz ihn der dichter betrügt. Lessing 3, 92; wenn er spürt, dasz es ernst ist. Göthe 10, 108 (
Clavigo 4); ich hoffe, die frau pfarrerin soll es an butter und eyern und übrigem zutrauen spüren, was für eine wunde sie ihrem orte gegeben hat. 16, 124; doch hab ich bei ganz fremdem anlasz aus hingeworfnen worten gespürt, dasz es in seiner seele gährt. 57, 34; leib, seele und geist setzte ich an mir aus so vielen fingerspitzen und fühlfäden zusammen, dasz ich es schon spürte (die quinterne spürte es gar noch eher) wenn unsre zwei schatten zusammenstieszen. J. Paul
Hesp. 1, 53; wie in der sprache überhaupt viele wörter erkalten, ihrer wurzel vergessen oder gar sie verleugnen, eigennamen sinnlos werden und bei manchen benennungen nicht mehr zu spüren ist aus welchen lebendigen appellativen sie einst hervorgiengen. J. Grimm
kl. schriften 7, 207; hat er denn da (
bei der abfassung des buches) nicht spüren können, dasz auch arbeit froh macht? Vischer
auch einer 1, 44; der einfache mann spürte wol, dasz man mit den nützlichen erfindungen ... nicht schlecht fahre. 190; das ists ja, was den menschen zieret, und dazu ward ihm der verstand, dasz er im innern herzen spüret, was er erschafft mit seiner hand. Schiller 11, 305; kennst du auch die grosze lehre von der butter und dem schmalz? spürst du in den fingerspitzen, wie viel pfeffer, wie viel salz? Uhland
ged. 309; im sturme spannt der adler seine schwingen — blas zu! da spür ich, dasz ich mann! Eichendorff 1, 342. 4@ee)
reflexiv, sich spüren, sich spüren lassen: sich spüren lassen
elucere Steinbach 2, 650;
intelligi Frisch 2, 312
b; sogar der güter-geiz spürt sich durch langes bereichern endlich auf einem geldhaufen, wie auf einen berg gestellt, von wo aus er in ein Kanaan langer goldflüsse blicken kann. J. Paul
nachdämmerungen s. 78; läszt sich ein gefreyter mit sieben mann in einem dorfe von weitem spüren, er ist die obrigkeit und kann nach lust drinn walten und kommandiren. Schiller 12, 45 (
Wallensteins lager 11).