schranke,
f. vorrichtung zum schränken, einschränkendes gitterwerk; mhd. schranke
als masc. und fem., letzteres im nhd. die herrschende form geworden, so weit nicht überhaupt im plur. die hervorhebung der geschlechtsunterschiede entfällt (
vgl. dazu unten 3
und das masc. schranken).
das wort steht 11)
im sing., zusammenfassend das gesammte schrankenwerk bezeichnend. 1@aa)
im eigentlichen sinne, als absperrung des kampfplatzes: ich Erhart Wahraus stuond an der schranken gewaupnet dar
an. d. städtechron. 4, 231, 14;
des rennplatzes oder eines abschnitts desselben: sie (
die pferde in ungeduld vor beginn des wettrennens) hauen oft in die benachbarte schranke hinüber. Göthe 29, 262;
des gerichts: du sollst sogleich vor jene schranke treten und rede stehn, auf was man fragen wird. H. v. Kleist
Käthchen von Heilbr. 1, 2; wenn hier gesündigt ward, ist er der richter, und ihr sollt zitternd vor der schranke stehn.
ebenda. 1@bb)
frei und bildlich in mancherlei wendungen der neueren sprache: wir waren uneins und sind eins geworden. des Maines schranke fiel, die hände reichen sich nord und süden jauchzend über ihm. Geibel 8, 20;
leben und tod durch schranke
geschieden: ruhe, die mit majestät durch die grosze schranke geht. Seume
ged. 54; schranke
die einer person, einem beginnen gezogen, gesetzt ist: mit dem besitze von Regensburg erweitern sich herzog Bernhards entwürfe, und seinem kühnen muth ist Bayern selbst eine zu enge schranke geworden. Schiller 8, 321; er selbst ist der höchste richter, dessen jurisdiction keine schranke gesetzt ist. Giesebrecht
gesch. der d. kaiserzeit 1
5, 130; wie Heinrich in Baiern fast ohne schranke regierte, so waltete der treffliche Konrad mit freier hand in einem schwäbischen herzogthume. 669; mich hält kein band, mich fesselt keine schranke, frei schwing ich mich durch alle räume fort. Schiller 15
1, 11 (
huldigung der künste 187); lasz dich vom verstande leiten, aber verletze nicht die heilige schranke des gefühls. Ludwig 1, 384; jetzt fiel der thierheit dumpfe schranke. Schiller 6, 270 (
künstler 183); die kluge schranke der majestät, die glücklichste erfindung, von königen die menschheit abzuwehren, versteht er nicht. 5
1, 139 (
dom Karlos 2, 13); da brach von beiden seiten die schranke der verstellung. Göthe 9, 330; Pietro wollte weiter reden, doch Melior' und Rosablanke, welche zum gemach eintreten, werden seiner rede schranke. Brentano
ges. schriften 3, 439.
in die vorstellung des so umschränkten raumes übertretend: ein blitz, ein lichtgedanke entbunden dunkler schranke. Rückert 406.
daher in die schranke, aus der schranke treten: schon manche, die mit schande in diese schranke trat, hat nachher die welt durch edle handlungen mit sich ausgesöhnt (
Ferdinand zur lady). Schiller 3, 400 (
kab. u. liebe 2, 3); ein mann darf alles wagen, überstehn, doch wie gefährlich ist es, wenn ein weib aus seiner schmalen schranke tritt! Platen 213
b. 22) schranke
im sinne von schrank 6,
als behälter, in der älteren sprache (
vgl. auch dazu das masc. schranken 1
unten);
bildlich, von der jungfrau Maria: o auserwellte schrancke, keusch jungfraunlîche macht, mein lob dir immer dancke. O. v. Wolkenstein 119, 3, 17;
in der nebenform schanke (
vgl. dazu schrank 6):
capsella kist ader schanke Dief. 98
c. 33) schranken,
als vereinzelnder plural, der vom plural des masc. (
vgl. unten)
nicht unterschieden werden kann. 3@aa)
auch hier im eigentlichen sinne, absperrung eines raumes für kampf, turnier, spiel, rennen, um schau- und andere plätze: auf dem fronhoff, da waren schranken gemacht.
d. städtechron. 4, 237, 2; der tag des kampfs und streitz ward gesetzt, schrancken und was darzuo gehört, warden gemacht. Pauli 117
Österley; auff ein bestimpte zeit wurden die schrancken zwischen beyden stetten auf einem grünen platz aufgeschlagen und die sechsz kämpffer darein geführet. Kirchhof
wendunm. 14
b; man könte diesen streit wol kürzer abschlichten, der könig solte seinen sohn Ufo mit jhres fürsten son inner den schrancken darumb kämpfen lassen. Zinkgref
apophth. 1, 439; dritter trompetenstosz, die schranken auf. Fr. Müller 3, 271; der richt dem keyser an zu danck ein gar visirlich guten schwanck, und lisz im auch zu disen sachen am weinmarck starck schrancken auffmachen. H. Sachs 4, 3, 81
a; ein muthig pferdt das sich an keinen zaum und keine schrancken kehrt. Opitz 2, 172; wetten .. für einen göttlich schönen rappen, der sich an den schranken gar nicht wollte halten lassen. Heinse
Ardingh. 1, 182; Werners Maccabäer und Houwalds bild traten mir, jedes in seiner art, unerfreulich entgegen; sie kamen mir vor wie ritter, welche um ihre vorgänger zu überbieten den dank auszerhalb der schranken suchen. Göthe 32, 176; als gälts ein feuerwerk, das vor bezahlten schranken vîelfarbig auf ins dunkel zischt. Geibel 1, 172; offne schrancken,
soluti carceres Maaler 361
b; schranken vor dem hause,
diathyrum, hölzerne schranken,
clathrum, clathrus, fensterschranken,
transennae Stieler 1733; schranken um etwas machen oder setzen Adelung; einen platz mit schranken einschlieszen Campe; die schranken um ein denkmahl, grabmahl
ebenda; an den beyden seitenwänden zogen sich die vergitterten schranken der nonnen herum. Thümmel 8, 206;
geländer einer brücke: dar nâch ist erfunden, daʒ nieman sol kein lînlach noch ander gewant an die schranken ûf der brukken henken bî pêne zweir pfunde und fünf schillinge.
Meraner stadtrecht 14
in Haupts zeitschr. 6, 425;
besonders auch die schranken eines gehegten gerichts: gerichtsschranken,
cancelli Stieler 1733: häscher bewaffneten sich mit spieszen und stangen, umringten das schenkhaus, griffen den unschuldigen verbrecher und führten ihn vor die schranken der rathsstube. Musäus 1, 23; beschwören will ichs vor gerichtes schranken. Schiller
M. Stuart 5, 2; als der tag nun war erschienen, wo sie vor den schranken standen .. that er so den richterspruch. Rückert (1882) 4, 81; einen auf die schranken setzen,
als angeklagten: ich wil dem kunig nit ser danken, man hat uns all gesetzt auf die schranken, und musten all geben das ros.
fastn. sp. 648, 26; schranken errichten,
ein gericht einsetzen: ein peinlich langer monat ist vorüber, seitdem die vierzig commissarien in diesem schlosz mich überfallen, schranken errichtet, schnell mit unanständger eile mich unbereitet, ohne anwalts hülfe, vor ein noch nie erhört gericht gestellt. Schiller
M. Stuart 1, 2;
die vorstellung der umschränkten stätte hervorhebend (
vgl. dazu oben 1,
b): man sieht die leeren schranken mit dem vorgespannten seile voller erwartung. Göthe 29, 262;
besonders in der verbindung in den schranken: wisset jr nicht, das die, so in den schrancken lauffen, die lauffen alle, aber einer erlanget das kleinod.
1 Cor. 9, 24; nun werden die pferde nach gelooseter ordnung in die schranken hinter das seil geführt. Göthe 29, 262; ritter Golo von Sandthal und Carl bei Rhein stehn gegen einander in den schranken mit speer und schwert. Fr. Müller 3, 271; wenn man denn in die schrancken reyt, so gilt es: wer do leyt der leyt!
bergreihen 78, 19
neudruck; von der gerichtsstätte: herr der richter, wir wollen euch immer danken, und auch den schöpfen in den schranken.
fastn. sp. 707, 30. 3@bb) schranken,
von besonderen verhauen, palissadenwerken um burgen und städte (
vgl. Schultz
höf. leben 1
2, 21
und schrankbaum): durch ir viende gejagt .. bis an unser stat schranken und hinein yn unser stat zwinger.
d. städtechr. 5, 131,
anmerk. 4; eilten den feinten nach bisz gen Kadolczburg an die schrancken. 2, 223, 15; volget mein herr von Plawen und ich ... untz bisz an die schranck und tor zu Swobach, da dann ettlich der feynt an denselben schrancken erstochen wurden. 492, 5, 6; die schrancken bei der lantwer. 217, 2; ich hân des jehen hœren,daʒ er an iuwer schranken kam alsô mit helden.
Gudr. 637, 3; si bedorften schranken noch graben dâ sî wîchen solden in.
Bit. u. Dietl. 9186;
daher für weichbild einer stadt: der hirte Kardon, als er unsres Hamburgs schranken nun wiedrüm hatt' erreicht. Rist
Parn. 538. 3@cc)
vielfach frei und bildlich, besonders in die vorstellung des umschränkten raumes fallend: kaum entschlüpft der wunsch des herzens schranken. Bürger 97
a; lasz mich ruhn in deiner arme schranken, meine welt in deinen augen sehn! Rückert 230;
im bilde für innigste vereinigung: zwei freunde ruhen hier, der eine in gedancken, der ander aber schon warhafftig in der that. zur lehre sterblichen: dasz ihrer liebe schrancken auch noch der blasse tod nicht unterbrochen hat. Hoffmannswaldau
auserles. ged. 2, 183;
andrerseits deutlich an die schranken
des kampf- und wettspielplatzes angelehnt: es (
das stück) ist aber nach dieser ersten vorstellung zum zweiten male verboten worden. da trat denn der pensionirte hofschauspieler Lange, der den grafen Borotin gab und die dritte vorstellung zu seiner einnahme geben wollte, in die schranken, und mit seiner rührung als tragischer vater brachte er die erlaubnis auch für diese vorstellung zuwege. Grillparzer 15, 68; arm in arm mit dir, so fordr' ich mein jahrhundert in die schranken. Schiller 5
2, 194 (
don Carlos 1, 9) nun ist die zeit gekommen, mir des ruhmes glorreiche schranken aufzuthun. 203 (2, 2); wie könnt ichs wagen prinz, mein schwach verdienst mit eures nahmens heldenruhm zu messen! wo sich graf Dünois in die schranken stellt, musz jeder andre mitbewerber weichen. 13, 251 (
jungfrau von Orl. 3, 1);
sonst aber nur grenze, ziel, masz hervorhebend: ich übersehe die angeführten ursachen, warum der meister des Laokoon in dem ausdrucke des körperlichen schmerzes maasz halten müssen, und finde, dasz sie allesamt von der eigenen beschaffenheit der kunst, und von derselben nothwendigen schranken und bedürfnissen hergenommen sind. Lessing 6, 391; der charakter ist individual, aber nur den schranken und nicht dem gehalt nach. Schiller
an Göthe 1, 224; dieser schöne begriff von macht und schranken, von willkür und gesetz, von freiheit und masz, von beweglicher ordnung, vorzug und mangel, erfreue dich hoch. Göthe 3, 99; in seinen schranken bleiben,
modeste se et abstinentes gerere, modum terminare Stieler 1733;
extra cancellos vagari, auszer den schrancken schweiffen Dentzler 1, 109
a; einen in schranken halten,
in officio retinere, sich in schranken halten,
intra terminos manere, intra carceres stare, über die schranken schreiten, die schranken übertreten,
fines transire Frisch 2, 222
c; wir menschen haben den versprechungen heilsame schranken gesetzt. Gotter 3, 64; die liebreichen befehle des sterbenden .. setzten ihrem kindlichen schmerze wohlthätige schranken. Thümmel 8, 77; doch konnt ich meiner neugier keine schranken setzen. Arnim
schaub. 1, 293; bin ich aber erst soweit, dasz mir kunstmäszigkeit zur natur wird, .. so erhält auch die phantasie ihre vorige freiheit zurück, und setzt sich keine andere als freiwillige schranken. Schiller 6, 425; hat man doch ... die natur durch experimente gezwungen, ihre schranken anzugeben. 2, 58 (
räuber 2, 1); fast alle seine deutschen erbländer hatten sich unterdessen in einer allgemeinen furchtbaren konföderation mit den Böhmen vereinigt, deren trotz jetzt alle schranken durchbrach. 8, 82; den keine strafe schreckt und kein gewissen zügelt, halten jetzt die gesetze des anstands und der ehre in schranken. 9, 88; die heilgen, deren thun sich hielt in deinen schranken. P. Gerhardt 300, 67; der uns erschuf, und dessen ruf den ocean in schranken halten (
kann). Göckingk 1, 277; aus den schranken schwellen alle sennen. Schiller 1, 210; wer einmal aus den schranken trat, der kann zuletzt das heiligste verletzen. 15
1, 62 (
Phädra 4, 2); man wird das würklich zu kühne urtheil in den schranken nehmen, in denen es der verfasser sagt. Herder 1, 531
Suphan; o gott, wie schränkt sich welt und himmel ein, wenn unser herz in seinen schranken banget. Göthe 9, 339; die wirklichkeit mit ihren schranken umlagert den gebundnen geist. Schiller 11, 23; warm wie das leben ist deine liebe, und ohne schranken, wie's unermeszliche. 3, 437 (
kab. u. liebe 3, 4); unsre neigungen, gedanken, scheinen gleich sie ohne schranken, gehn doch, wie die rinderheerde, eines in des andern tritt. Grillparzer 6, 138;
mit bestimmendem genitiv: ich verbleibe inzwischen in den schrancken meiner demuth. Chr. Weise
erzn. 55
neudruck; ich bitte, prinz, dasz sie die schranken unserer kunst erwägen wollen. Lessing 2, 117 (
Em. Galotti 1, 4); meine liebe zu ihm war immer in den schranken der kindlichen pflicht. Schiller 2, 17 (
räuber 1, 1); das recht wohnet beim überwältiger, und die schranken unserer kraft sind unsere gesetze. 25; sich .. in die schranken eines theaterstücks einzuzäunen. 8; hier .. stellen wir das absolute willensvermögen und die unendliche geistergewalt dem zwange der natur und den schranken der sinnlichkeit gegenüber. 10, 171; (
wir) schlieszen die gattung in die schranken des individuums ein. 172; so geht es dem, der hoffart treibet, und nicht in seins thuns schranken bleibet. Opel
u. Cohn 281, 9; in deines worts und willens schranken. Weckherlin 55; die zunge musz es thun und durch die waffen dringen, ein martialisch hertz hin in die schrancken zwingen idalischer gesetz. Logau 2, 14; ein weinig musz ich gehn ausz meiner klage schranken. Rist
Parn. 449; dasz wir in glükkes schranken leben. 855; bestimmst und ordnest du nach der bewegung schranken die sich verklagenden und richtenden gedanken? Hagedorn 1, 17; der endlichkeit despotsche schranken. Schiller 1, 283; ich sah ihn gerne, doppelt, weil er stets sich in den schranken feinster sitte hielt. Geibel 6, 179;
in zeitliche bedeutung streifend: schranken der zeit, zeitlichkeit,
vor dem tode (
vgl. dazu auch das masc. schranken 2,
b): der mutter hab ich viel, doch dir noch mehr zu dancken: sie führte mich zur welt; du führst mich aus den schrancken, worinn der tod bereits viel neben mir gerafft. Günther 751; mein alter feind, Theodo von Valence, trat aus den schranken der lebendigen (
starb). Platen 227
a. 44) schranke
in anderem sinne, wie das masc. schrank 1,
als handlung des schränkens, ausdruck der älteren fechterkunst: leg dein messer in die schrank. Schmeller 2
2, 608; in der schrank ligen.
ebenda.