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schlecken

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
14 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlecken verb.

Bd. 15, Sp. 549
schlecken, verb. lecken, naschen. ein schwaches verbum slicken (das mundartlich, besonders nd. erhalten ist. brem. wb. 4, 829. Schütze 4, 121. ten Doornkaat Koolman 3, 199a), verslicken ist früher als schlecken bezeugt, das auch durch seine bedeutung 'schlingen, verschlingen, verschlucken' unserem schlecken sich an die seite stellt. mhd. wb. 2, 2, 397a. Lexer mhd. handwb. 2, 974. Graff 6, 786, nd. slicken Schiller - Lübben 4, 238b. dieses schlicken verhält sich zu schlecken wie alts. likkôn, ags. liccian zu lecken, vgl. oben unter schleck. nhd. schlucken, der schluck (s. diese) gehören nicht unmittelbar in diesen zusammenhang. während im älteren nhd. schlecken viel gebraucht wird, tritt es in neuerer sprache allmählich wieder zurück; schon Steinbach 2, 441 bezeichnet es als landschaftlich, Adelung als nur im 'gemeinen leben' üblich, Campe als ein 'niedriges, aber deswegen noch nicht verwerfliches wort'. die mundarten, besonders die oberdeutschen, haben schlecken mit den dazugehörigen bildungen lebendig erhalten, und die ausgebildete neuere schriftsprache bedient sich dieses sprachgutes zu derb-charakteristischem ausdrucke. 11) lecken, leckend schlürfen und essen: lambere, schlecken Dief. 316b, ligurire 329b: lingo is ere, lecken, lambo is ere, schlecken, auflecken Aventinus werke 1, 428, 37; an denen (den jungen) schleckt die beerin so lang und viel bis sie es mehlich formiert und zu einer rechten gestalt bringet. J. Heyden von Dhaun Plinius (1584) 159; (die bären) saugen an jren fördern datzen und halten jr leben mit solchem schlecken auf. 160; (die katzen) schleckten jm den trüssel, so bliesz er jnen ins loch. Fischart Garg. 201 neudruck; dasz man scheinbarlich sahe, zwey kleine schwartze hündlin auff ihrem (der frau) bette umbgehen, die jhr jren mund und jre lefftzen an jrem hinziehen schlecketen. buch d. liebe 289a; ein hund, der gehauen wirt, mag er sich selbs schlecken, so heilt die wunden. Paracelsus opus chir. (1565) 52; doch kamen die hund zuo den stunden, schleckten des armen gschwer und wunden. Wickram irr. reit. bilger 87b. leckend schlürfen: katzen schlecken milch. Frommanns zeitschr. 4, 117, 2. Seiler 254a; der hund schleckt seinen napf aus; bringt die hunde her, dasz sie es (das blut) schlecken. Grabbe 1, 38. so auch von der lecksucht der rinder Hunziker 222: alta chüe schleckid au gern salz. Tobler 388a; vom pferde: gibs jhm under dem fuotter zu essen, oder sonst zu schlecken. Seuter roszarzn. 50. vom menschen, leckend schlürfen, genieszen, mit der zunge schlürfen wie saufende hunde Albrecht 202a: wan es (das gebratene) rott ist, so schlecket es (das kind) daran und iszt etwas davon. Keisersberg narrensch. 99b; an beiden zipfeln (der wurst) zu schlecken. Keller Seldw. 1, 268; gesellen die im hafen schlecken. Fischart Garg. 17 neudr.; aus dem pot schlecken, catillare Frisch 2, 194c. es ist unfein, nach dem essen sich die lippen abzulecken: höfliche leute schlecken oder belecken die lefzen nicht mit ausgestreckter zunge. Comenius sprachenth., übers. von Docemius (1648) § 559. die finger nach etwas schlecken, begehrlich, lüstern sein nach etwas (eigentlich eine geberde des in gedanken, im voraus genieszenden): von dem gedencken kummen sie zuom lust, und schlecken die finger, und wesseret inen das maul darnach. Keisersberg narrenschiff 99b; also dasz sie die finger darnach schlecken. Fischart bienenk. 104a. in gleichem sinne: das ir die feust darnach wurdt lecken und die pfann nach der podenschar (dem satz in der pfanne) schlecken. fastn. sp. 212, 35. teller schlecken so viel als schmarotzen: teller schlecken, parasitare Steinbach 2, 441; der liebkoszt, der runt jnn die oren, das er uff kum jn kurtzen joren und sich mit deller schlecken ner. Brant narrensch. 100, 11 (vgl. 100, 3, wo dem einfachen schlecken diese bedeutung untergelegt werden musz); die warheit schwygen, deller schlecken. Murner narrenbeschw. 3, 77; mitschlecken, parasitari Stieler 1830; nach eim ding schläcken, etwas begären, und begirlich darnach stellen, ligurire rem aliquam Maaler 354d; er schleckts maul darnach. Wander sprichwörterlex. 4, 231. besonders von dem behaglich-langsamen verzehren von leckerbissen, von schlürfendem, leckendem essen, eigentlich besonders von halbflüssigen, breiigen speisen: honig schlecken, süsze speise, obstsaft schlecken. dann aber auch in freierer anwendung, leckeres essen, naschen; mit weiterer ausbildung der bedeutung, genäschig, leckerhaft sein: schläcken, guote schläckle oder bisszle frässen, catillare, ligurire Maaler 354d; schlecken, avide manducare, delibare, cupedia morari, cupediosum esse, ligurire, catillare Stieler 1830; etwas köstliches mit kleinen bissen essen, suavia capere Frisch 2, 194c, vergl. Schm. 2, 505. Schmid 466. Schöpf 619. Stalder 2, 325. Tobler 388a; ich weisz schon warum sie nichts vorspart, sie schleckt. Klein provinzialwb. 2, 119; aber schlecken ist, da der glust ainen menschen treibt zu aim ding dat jm nit not ist. Keisersberg siben hauptsünd. (1510) Bb 1a; jhe mer von disem verbotnen baum des wissens guts und bösz hat geschleckt. Franck lob d. gerechten göttl. worts 162b; zur straff den zweck mit den schönen zänen ausz dem treck müssen auf niderländisch trecken und schlecken. Fischart Garg. 104a; (die katze) trincket ehe das wasser aus dem becken, auff dasz sie mög den fisch nach vortheil schlecken. groszm. (kloster 8, 376); dasz auch die frösch und schnecken vor groszem schlecken nit thieff genuog in der erden stecken. 28 neudr.; der meszhonig musz geleckt und geschleckt werden, oder er wer nicht gut. bienenk. 173b; erstlich der frauwen gebott sich solches schleckens zu mäszigen. wegkürzer 6b; wann ich die häringsnasen in dem fasz Diogenis hätte mögen schlecken. Schuppius schriften 734; butter schleckten und kaffee tranken. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. (1831) 3, 147; sprichwörtlich: wer honig schleckt, musz viel wermut fressen; Sante Michel rihtet uff sin woge und henket sich der folant dran, doch schaffet er nit, der swarze man; wann sin slecken ist umbsus. Dangkrotzheim namenb. 285; die schleckt (die ehebrecherin), und wüscht den mund gar schon und spricht, ich hab nüt bösz gethon. Brant narrensch. 64, 77; die köchin aber schleckerhafft. fing an von den hünern zu schlecken. H. Sachs 2 (1591), 4, 81c; ein bissen (sollst du) offtmals duncken ein, den du allmal leckst sauber ab, damit dein maul zu schlecken hab. Scheit Grobian. 3318 neudruck; sie lernen liegen schlecken stelen. Wickram irr. reit. bilger 50a; und wolt kurzum nur wildpret schlecken. Fischart 2, 76, 2829 Kurz; das euch das schlecken wird zum schrecken. 2839. in eigenthümlicher wendung: schön frauen und mörschnecken und mangeguerr der wein: heben vom stul im (l. und) schlecken mich ins kalt grab hinein. Fischart bienenk. 213a. composita zu schlecken, in entsprechender bedeutung: abschlecken, ausschlecken, beschlecken, einschlecken Stieler 1830, z'samschlecken Schm. 2, 505, verschlecken, vernaschen Stieler a. a. o. Stalder 2, 325. Schmid 466. Lexer 219. einschlecken, einschlucken, mit aufgabe der vorstellung des leckerhaften: verbeisze dich, schlecke es ein (das leid). Spee güldn. tugendb. 229. 22) schlecken übertragen vom küssen und liebkosen, in derber sprache Stalder 2, 326. den übergang veranschaulichen stellen wie die folgende: was thut er an ihrer tochter lecken? an fremden verbot'nen speisen schlecken. Göthe 13, 61 (vgl.war ein gekos' und ein geschleck'; da ist denn auch das blümchen weg'. 12, 187); dasz die neugeheiratheten .. mit einander ein anblicken und anblinzeln, löffeln und schlecken treiben, als seien sie mutterseelen allein. Immermann Münchh. 1, 185. geschleckt (wie geleckt), sauber gewaschen, wol aufgeputzt Schm. 2, 505. Stalder 2, 325; si chunt g'schleket Hunziker 222; wie ein welscher milchbart geleckt und geschleckt. Zschokke 7, 259. 33) besonderes: beim scheibenschieszen schlecken, probeschüsse machen Schöpf 619 (s. unten schlecker 2, c, schleckschusz). bei Schröer 202a ist aus der Zips für schlecken die bedeutung 'schnell essen' bezeugt. schleck, schleck ist in oberdeutschen mundarten ein ausdruck der verhöhnung, wobei man den linken zeigefinger mit dem rechten reibt. Schmeller 2, 505. Schöpf 619. Lexer 219. Hintner 219; die redensart ist wol wie das bei Lexer 174 angeführte leck! leck! zu verstehen. für schleck, schleck sagt man auch schlekabartl Castelli 244, schleckebarscht' l Hintner a. a. o., schlekerbartl Frommanns zeitschr. 6, 111, 21.
8577 Zeichen · 162 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlêcken

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Schlêcken , verb. reg. act. et neutr. welches im letztern Falle das Hülfswort haben bekommt, eine unmittelbare Onomatopö…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schlecken

    Goethe-Wörterbuch

    schlecken 1 (lustvoll) lecken die lüsterne Zunge sanft abgleitenden Honig schleckt 38,491 Späne 2 naschen, genußvoll ess…

  3. modern
    Dialekt
    schlëcken

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    schlëcke n [lakə fast allg.; lækə Str. Rothb. Ingw. Wh. Büst ] 1. lecken. Rda. d Finger noch eps s. sehnsüchtig nach e…

  4. Sprichwörter
    Schlecken

    Wander (Sprichwörter)

    Schlecken Er schleckt's Maul danach. ( Rottenburg. )2 Hätte es gern.

  5. Spezial
    schlecken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    schle|cken vb.intr. 1 (naschen) slacherné (-nëia) 2 (lecken) leché (leca) 3 (lüstern sein) golosé (-sëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlecken

10 Bildungen · 3 Erstglied · 5 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von schlecken 2 Komponenten

sch+lecken

schlecken setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlecken‑ als Erstglied (3 von 3)

schlecken als Zweitglied (5 von 5)

Honigschlecken

RDWB1

Honigschlecken n es ist kein ~ idiom. - это не сахар

Zuckerschlecken

RDWB1

Zuckerschlecken m das Leben ist kein ~ idiom. - жизнь не сахар идиом. , жизнь прожить - не поле перейти идиом.

Arschlecken

Wander

arsch·lecken

Arschlecken Narsliken is Bullenarbeit. ( Rendsburg. ) [Zusätze und Ergänzungen] 2. Aerschlecken is a Handgriff, an war mich bitt(et), is a M…

Honigschlecken

Wander

honig·schlecken

Honigschlecken 1. Honigschlecken ist kein Eselsfutter (keine Eselsarbeit). Engl. : It is not for asses to lick honey. ( Gaal, 1168. ) 2. Er …

Tellerschlecken

Wander

teller·schlecken

Tellerschlecken Sich mit Tellerschlecken nähren. – Brandt, Nsch., 100. Von Schmeichlern und Leuten, die den Mantel nach dem Winde hängen, un…

Ableitungen von schlecken (2 von 2)

beschlecken

DWB

beschlecken , was belecken: das allerschnödest beschleckent sie. und wen ein hund zuo dem andern kumpt, so schmackt ( riecht ) er im nit for…

verschlecken

DWB

verschlecken , verb. durch naschen verthun. das wort kann nicht weit verfolgt werden, es weist auf einfaches slëcken ( doch auch nur aus spä…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schlecken". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schlecken/dwb?formid=S10887
MLA
Cotta, Marcel. „schlecken". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schlecken/dwb?formid=S10887. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schlecken". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schlecken/dwb?formid=S10887.
BibTeX
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