schlecken,
verb. lecken, naschen. ein schwaches verbum slicken (
das mundartlich, besonders nd. erhalten ist. brem. wb. 4, 829. Schütze 4, 121. ten Doornkaat Koolman 3, 199
a), verslicken
ist früher als schlecken
bezeugt, das auch durch seine bedeutung '
schlingen, verschlingen, verschlucken'
unserem schlecken
sich an die seite stellt. mhd. wb. 2, 2, 397
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 974. Graff 6, 786,
nd. slicken Schiller - Lübben 4, 238
b.
dieses schlicken
verhält sich zu schlecken
wie alts. likkôn,
ags. liccian
zu lecken,
vgl. oben unter schleck.
nhd. schlucken, der schluck (
s. diese)
gehören nicht unmittelbar in diesen zusammenhang. während im älteren nhd. schlecken
viel gebraucht wird, tritt es in neuerer sprache allmählich wieder zurück; schon Steinbach 2, 441
bezeichnet es als landschaftlich, Adelung
als nur im '
gemeinen leben'
üblich, Campe
als ein '
niedriges, aber deswegen noch nicht verwerfliches wort'.
die mundarten, besonders die oberdeutschen, haben schlecken
mit den dazugehörigen bildungen lebendig erhalten, und die ausgebildete neuere schriftsprache bedient sich dieses sprachgutes zu derb-charakteristischem ausdrucke. 11)
lecken, leckend schlürfen und essen: lambere, schlecken Dief. 316
b,
ligurire 329
b:
lingo is ere, lecken,
lambo is ere, schlecken, auflecken Aventinus
werke 1, 428, 37; an denen (
den jungen) schleckt die beerin so lang und viel bis sie es mehlich formiert und zu einer rechten gestalt bringet. J. Heyden von Dhaun
Plinius (1584) 159; (
die bären) saugen an jren fördern datzen und halten jr leben mit solchem schlecken auf. 160; (
die katzen) schleckten jm den trüssel, so bliesz er jnen ins loch. Fischart
Garg. 201
neudruck; dasz man scheinbarlich sahe, zwey kleine schwartze hündlin auff ihrem (
der frau) bette umbgehen, die jhr jren mund und jre lefftzen an jrem hinziehen schlecketen.
buch d. liebe 289
a; ein hund, der gehauen wirt, mag er sich selbs schlecken, so heilt die wunden. Paracelsus
opus chir. (1565) 52; doch kamen die hund zuo den stunden, schleckten des armen gschwer und wunden. Wickram
irr. reit. bilger 87
b.
leckend schlürfen: katzen schlecken milch. Frommanns
zeitschr. 4, 117, 2. Seiler 254
a; der hund schleckt seinen napf aus; bringt die hunde her, dasz sie es (
das blut) schlecken. Grabbe 1, 38.
so auch von der lecksucht der rinder Hunziker 222: alta chüe schleckid au gern salz. Tobler 388
a;
vom pferde: gibs jhm under dem fuotter zu essen, oder sonst zu schlecken. Seuter
roszarzn. 50.
vom menschen, leckend schlürfen, genieszen, mit der zunge schlürfen wie saufende hunde Albrecht 202
a: wan es (
das gebratene) rott ist, so schlecket es (
das kind) daran und iszt etwas davon. Keisersberg
narrensch. 99
b; an beiden zipfeln (
der wurst) zu schlecken. Keller
Seldw. 1, 268; gesellen die im hafen schlecken. Fischart
Garg. 17
neudr.; aus dem pot schlecken,
catillare Frisch 2, 194
c.
es ist unfein, nach dem essen sich die lippen abzulecken: höfliche leute schlecken oder belecken die lefzen nicht mit ausgestreckter zunge. Comenius
sprachenth., übers. von Docemius (1648) § 559.
die finger nach etwas schlecken,
begehrlich, lüstern sein nach etwas (
eigentlich eine geberde des in gedanken, im voraus genieszenden): von dem gedencken kummen sie zuom lust, und schlecken die finger, und wesseret inen das maul darnach. Keisersberg
narrenschiff 99
b; also dasz sie die finger darnach schlecken. Fischart
bienenk. 104
a.
in gleichem sinne: das ir die feust darnach wurdt lecken und die pfann nach der podenschar (
dem satz in der pfanne) schlecken.
fastn. sp. 212, 35. teller schlecken
so viel als schmarotzen: teller schlecken,
parasitare Steinbach 2, 441; der liebkoszt, der runt jnn die oren, das er uff kum jn kurtzen joren und sich mit deller schlecken ner. Brant
narrensch. 100, 11 (
vgl. 100, 3,
wo dem einfachen schlecken
diese bedeutung untergelegt werden musz); die warheit schwygen, deller schlecken. Murner
narrenbeschw. 3, 77; mitschlecken,
parasitari Stieler 1830; nach eim ding schläcken, etwas begären, und begirlich darnach stellen,
ligurire rem aliquam Maaler 354
d; er schleckts maul darnach. Wander
sprichwörterlex. 4, 231.
besonders von dem behaglich-langsamen verzehren von leckerbissen, von schlürfendem, leckendem essen, eigentlich besonders von halbflüssigen, breiigen speisen: honig schlecken, süsze speise, obstsaft schlecken.
dann aber auch in freierer anwendung, leckeres essen, naschen; mit weiterer ausbildung der bedeutung, genäschig, leckerhaft sein: schläcken, guote schläckle oder bisszle frässen,
catillare, ligurire Maaler 354
d; schlecken,
avide manducare, delibare, cupedia morari, cupediosum esse, ligurire, catillare Stieler 1830; etwas köstliches mit kleinen bissen essen,
suavia capere Frisch 2, 194
c,
vergl. Schm. 2, 505. Schmid 466. Schöpf 619. Stalder 2, 325. Tobler 388
a; ich weisz schon warum sie nichts vorspart, sie schleckt. Klein
provinzialwb. 2, 119; aber schlecken ist, da der glust ainen menschen treibt zu aim ding dat jm nit not ist. Keisersberg
siben hauptsünd. (1510) Bb 1
a; jhe mer von disem verbotnen baum des wissens guts und bösz hat geschleckt. Franck
lob d. gerechten göttl. worts 162
b; zur straff den zweck mit den schönen zänen ausz dem treck müssen auf niderländisch trecken und schlecken. Fischart
Garg. 104
a; (
die katze) trincket ehe das wasser aus dem becken, auff dasz sie mög den fisch nach vortheil schlecken.
groszm. (
kloster 8, 376); dasz auch die frösch und schnecken vor groszem schlecken nit thieff genuog in der erden stecken. 28
neudr.; der meszhonig musz geleckt und geschleckt werden, oder er wer nicht gut.
bienenk. 173
b; erstlich der frauwen gebott sich solches schleckens zu mäszigen.
wegkürzer 6
b; wann ich die häringsnasen in dem fasz Diogenis hätte mögen schlecken. Schuppius
schriften 734; butter schleckten und kaffee tranken. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. (1831) 3, 147;
sprichwörtlich: wer honig schleckt, musz viel wermut fressen; Sante Michel rihtet uff sin woge und henket sich der folant dran, doch schaffet er nit, der swarze man; wann sin slecken ist umbsus. Dangkrotzheim
namenb. 285; die schleckt (
die ehebrecherin), und wüscht den mund gar schon und spricht, ich hab nüt bösz gethon. Brant
narrensch. 64, 77; die köchin aber schleckerhafft. fing an von den hünern zu schlecken. H. Sachs 2 (1591), 4, 81
c; ein bissen (
sollst du) offtmals duncken ein, den du allmal leckst sauber ab, damit dein maul zu schlecken hab. Scheit
Grobian. 3318
neudruck; sie lernen liegen schlecken stelen. Wickram
irr. reit. bilger 50
a; und wolt kurzum nur wildpret schlecken. Fischart 2, 76, 2829
Kurz; das euch das schlecken wird zum schrecken. 2839.
in eigenthümlicher wendung: schön frauen und mörschnecken und mangeguerr der wein: heben vom stul im (
l. und) schlecken mich ins kalt grab hinein. Fischart
bienenk. 213
a.
composita zu schlecken,
in entsprechender bedeutung: abschlecken, ausschlecken, beschlecken, einschlecken Stieler 1830, z'samschlecken Schm. 2, 505, verschlecken,
vernaschen Stieler
a. a. o. Stalder 2, 325. Schmid 466. Lexer 219. einschlecken,
einschlucken, mit aufgabe der vorstellung des leckerhaften: verbeisze dich, schlecke es ein (
das leid). Spee
güldn. tugendb. 229. 22) schlecken
übertragen vom küssen und liebkosen, in derber sprache Stalder 2, 326.
den übergang veranschaulichen stellen wie die folgende: was thut er an ihrer tochter lecken? an fremden verbot'nen speisen schlecken. Göthe 13, 61 (
vgl.war ein gekos' und ein geschleck'; da ist denn auch das blümchen weg'. 12, 187); dasz die neugeheiratheten .. mit einander ein anblicken und anblinzeln, löffeln und schlecken treiben, als seien sie mutterseelen allein. Immermann
Münchh. 1, 185. geschleckt (
wie geleckt),
sauber gewaschen, wol aufgeputzt Schm. 2, 505. Stalder 2, 325; si chunt g'schleket Hunziker 222; wie ein welscher milchbart geleckt und geschleckt. Zschokke 7, 259. 33)
besonderes: beim scheibenschieszen schlecken,
probeschüsse machen Schöpf 619 (
s. unten schlecker 2,
c, schleckschusz).
bei Schröer 202
a ist aus der Zips für schlecken
die bedeutung '
schnell essen'
bezeugt. schleck, schleck
ist in oberdeutschen mundarten ein ausdruck der verhöhnung, wobei man den linken zeigefinger mit dem rechten reibt. Schmeller 2, 505. Schöpf 619. Lexer 219. Hintner 219;
die redensart ist wol wie das bei Lexer 174
angeführte leck! leck!
zu verstehen. für schleck, schleck
sagt man auch schlekabartl Castelli 244, schleckebarscht' l Hintner
a. a. o., schlekerbartl Frommanns
zeitschr. 6, 111, 21.