satan,
m. teufel. das wort stammt aus dem hebr. ן '
widersacher, verfolger',
einer nominalbildung zu ן '
nachstellen, verfolgen',
woraus griech. σατανᾶς und σατᾶν,
lat. satanas,
und innerhalb des germanischen: goth. gewöhnlich schwach flectierendes satana
und starkes satanas,
ahd. satanas,
mhd. satanâs
mit zahlreichen nebenformen: satinas, satanât, sathanat, satân, sathân Lexer
handwb. 2, 612. Grimm
myth.4 3, 292.
im nhd. lebt die volle form satanas
noch fort; in der bibel besonders in Lucas und offenb. Johannis: ich sahe wol den satanas vom himmel fallen, als einen blitz.
Luc. 10, 18; ich werde geben aus satanas schule, die da sagen, sie sind jüden, und sinds nicht.
offenb. 3, 9.
so noch in der classischen zeit: dann pflag der alte satanas den süszen herrn zu spielen. Hölty 21; mit welchem bittern schmerz find' ich, in dieser stunde, dein hochgeheiligt haupt mit satanas im bunde. Göthe 41, 293.
doch ist die kürzere form satan,
die schon mhd. daneben bestand, jetzt die herrschende; ebenso niederl. engl. dän. schwed. satan.
besonders dem nd. gebiete eignet die entstellte form satrian, sadrian.
brem. wb. 4, 591.
irrg. der liebe 190 (
s. unten): wäder, da keem' unnode (
ungern, kaum) de satrian! Voss 2, 114.
die vollere form bildet im ahd. den plur. satanasâ: sie satanasa dribentin wizi, thiu in ni libent. Otfrid 5, 20, 114.
auch nhd. findet sich vereinzelt satanasse,
so Gries
Bojardo 1, 4, 84 (
s. unten).
die gewöhnliche form satan
bildet satane,
meist mit betonung der zweiten silbe: ein glück, das auch satane lüstet. Withof
acad. ged. 2, 207; willst du in gluth und schwefelmeeren das brüllen der satane hören ... so lies dies schreckliche gedicht (
Klopstocks Messiade). Schubart (1787) 2, 141.
doch betont Klopstock
auch sátane: das rufte vom aufgang bis zu dem niedergange. der satane ganze versammlung williget ein, den Messias zu tödten!
Mess. 2, 736.
selten ist der plur. satans,
so Hölty
Shaftesb. 1, 301.
Bedeutung. 11)
als eigenname: 1@aa)
in der biblischen sprache gleichbedeutend mit teufel (
s. daselbst)
gebraucht, der in der regel im singular erscheint, gewöhnlich mit, zuweilen ohne artikel, ohne unterschied: da die kinder gottes kamen .. kam der Satan auch unter jnen. der herr aber sprach zu dem Satan, wo kompstu her? Satan antwortet dem herrn .. der herr sprach zu Satan.
Hiob 1, 6—8. 1@a@aα)
mit dem artikel: und der Satan stand zu seiner (
des engels des herrn) rechten, das er jm widerstünde.
Sach. 3, 1; und (
ein engel) ergreiff den drachen, die alte schlange, welche ist der teufel und der satan.
offenb. Joh. 20, 2; die nam .. ein sollichen unmud, das sich der tausenlistig find, der Satan, bei ir einflickt, sie dahin pracht, das sie an inne sich ergab.
Zimm. chr. 4, 411, 20
Barack; der Satan mag seine leute kennen, dasz er dich zu seinem mäckler gemacht hat. Schiller
räub. 2, 3
schausp. (
s. 85); schon die politik könnte sie zwingen wort zu halten, wenn sie es auch dem Satan gegeben hätten.
ebenda s. 107; öffnet thüren und fenster, dasz gemächlich der satan hinauszieh! Veit Weber
sagen der vorzeit 3, 329; der satan legt euch goldgewirkte schlingen. Göthe 41, 17; ein wunder ist's, der satan kommt zu ehren. 254.
gewöhnliche beiwörter sind der alte
oder böse satan: aber der allmechtig got hat dem bösen Satan sollichs nit zugeben.
Zimm. chron. 2, 469, 19
Barack; und wie der böse satan oft sein spiel hat mit den frommen, so muszt' Aeneas unverhofft in eine höhle kommen. Blumauer
Äneis 1, 148. 1@a@bβ)
ohne artikel: solt aber nicht gelöset werden am sabbath diese, die doch Abrahams tochter ist, von diesem bande, welche Satanas gebunden hatte.
Luc. 13, 16; darumb haben wir wollen zu euch komen .. zwey mal, und Satanas hat uns verhindert.
1 Thess. 2, 18; denn wer ist diser, so nicht weysz, dasz Satan heyszt ein widersächer, ein widergeyst und eyn durchächter (
verfolger). Fischart 2, 255, 529
Kurz; will Satan mich verschlingen. P. Gerhardt 61, 46; gib freudigkeit und stärke, zu stehen in dem streit, den Satans reich und werke uns täglich anerbeut. 114, 115; Satan schaute mit ihm (
dem hohenpriester). Klopstock 4, 31 (
Mess. 6, 433); ich glaube nun die klägliche geschichte vom schwarzen mönch, der nächtlich wachen musz; den hexentanz und Marthens nachtgesichte, selbst Satans pferdefusz. Uz 1, 199; lasz uns beugen das knie, mein Vosz, dasz nie unser gesang Satan frohlocken hiesz. Hölty 98
Halm; sinn und verstand verlier' ich schier, seh' ich den junker Satan wieder hier! Göthe 12, 127;
xenien. als insecten sind wir da, mit kleinen scharfen scheren, Satan, unsern herrn papa, nach würden zu verehren. 227; durch des blutes wilde flammen bin ich stets in satans macht. Müllner
wahn 9. 1@bb)
während in diesen fällen Satan
als beiname des teufels entweder als der einzige seiner art oder als fürst der andern teufel auftritt, ist in andern fällen, besonders im mittelalterlichen drama, Satanas
oder Satan
nur der name eines teufels unter vielen, während die rolle des königs Lucifer
übernommen hat. vergl. Sathanas Mone
schausp. des mittelalters 1, 197, 28. 2, 46
ff. 73
ff. (
spiel de resurrectione).
Theophilus s. 22—32
Hoffmann. fastn. sp. 438. 442 (Sathanas
und Sathan). 499, 31. 900
ff. in Lessings
Faust dagegen erscheint Satan
als könig der teufel s. 2, 496—9. 22) satan
im wechsel mit teufel
in sprichwörtlichen und volksthümlichen redensarten. 2@aa) der satan hat seine hand im spiel
u. ähnl., etwas geht nicht mit rechten dingen zu: so musz der satan sein spiel haben und es dem alten gauner zugesteckt haben. C.
F. Weisze
lustsp. 1, 212; der fromme mönch war völlig der meinung, der satanas sei hier im spiel und wolle dem himmel die gewonnene seele entreiszen. Musäus 1, 32
Hempel. 2@bb) schier dich zum satan
wie sonst zum teufel
und euphemistisch zum henker (
vgl. theil 4, 2,
sp. 991
ff.),
als derbe verwünschung: schier dich zum satan infame kupplerin. Schiller
kab. u. liebe 1, 1; scher' dich zum satan, wo du hingehörst! Kleist 3, 105
Hempel. 2@cc) der satan mag etwas thun
oder wissen,
zum ausdruck, dasz man selbst oder ein mensch überhaupt es nicht kann: (
eine compagnie hofleute) die, die wahrheit zu sagen, der satan schildern mag, und nicht ich. J. Paul
uns. loge 2, 119. 33)
da sich die rabbinische und mittelalterliche theologie die bösen geister in der mehrheit zu denken pflegt, so erscheint satan
ebenso wie teufel
auch als gattungsname derselben. so schon in der bibel: so denn ein satan den andern austreibt, so mus er mit jm selbs uneins sein.
Matth. 12, 26; wie kan ein satan den andern austreiben.
Marc. 3, 23.
in diesem sinne wird dann auch ein plur. gebildet (
vgl. oben): satane stehen auf den köpfen. Göthe 41, 328.
vgl. die paralyp. zu dieser scene 15, 2, 243
Weim. ausgabe: die (
rosen) verwelken auf den hauch der satane .. satane fliehen
u. s. w. 44)
übertragen als bezeichnung eines boshaften, teuflischen menschen, sowie um hasz und abscheu auszudrücken; in letzterm sinne häufig als erster theil einer zusammensetzung. so bereits in der bibel, doch hier, der ursprünglichen bedeutung des worts im hebr. entsprechend, mehr im sinne '
verführer, böser ratgeber': David aber sprach, was hab ich mit euch zu schaffen jr kinder ZeruJa, das jr mir heute wolt zum satan werden? solte heute jemand sterben in Israel?
2 Sam. 19, 22; und Petrus .. sprach, herr, schone dein selbs, das (
getötet zu werden) widerfare dir nur nicht. aber er wand sich umb, und sprach zu Petro, heb dich Satan von mir, du bist mir ergerlich, denn du meinest nicht was göttlich, sondern was menschlich ist.
Matth. 16, 22. 23 (
vgl. Marc. 8, 33).
später in dem angegebenen stärkeren sinne: 4@aa)
in der erzählung: allein er hatte kaum eine stunde geseszen, als der alte sadrian schon wieder kam.
irrg. der liebe 190; er sah es und es gieng dem satan ans herz, dasz sein zorn noch mehr entbrannte. Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. (1831) 1, 20;
mit bezug auf die schwarze farbe des teufels: mit ebendem rechte, mit dem wir den neger für einen verfluchten sohn des Chams und für ein ebenbild des unholds halten, kann er seine grausamen räuber für Albinos und weisze satane erklären, die nur aus schwachheit der natur so entartet sind, wie, dem nordpole nahe, mehrere thiere in weisz ausarten. Herder
z. phil. u. gesch. 5, 27; der mensch ist einer von den satanassen! denn ob er schaden leidet oder thut, er kann von händeln nun einmal nicht lassen. Gries
Bojardo 1, 4, 84; der satan warf sie (
die augen) mir voll sand. Kleist 3, 145
Hempel. als zorniger ausruf: der satan! ruft den büttel! he! Hanfriede! 3, 132. 4@bb)
in der anrede, als scheltwort: präsident .. von mir nicht, richter der welt, fodre diese seelen von diesem! ..
Wurm (
auffahrend). von mir?
präsident. verfluchter von dir! von dir satan! Schiller
kab. u. liebe 5, 8.