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Rätsel

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Meyers
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14 in 12 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Rätsel

Bd. 16, Sp. 618
Rätsel (griech. Änigma), die umschreibende Bezeichnung eines nicht genannten Gegenstandes, den der Leser oder Hörer selbst auffinden (»raten«) soll. Die Hauptaufgabe eines guten Rätsels besteht darin, daß die ganze Beschreibung, wenn auch ihre einzelnen Teile mehrdeutig sind, doch treffend den Gegenstand bezeichne; es ist um so vollkommener, je schärfer bei aller absichtlichen Dunkelheit die Bezeichnungen sind, und je mehr dabei dem Nachdenken überlassen wird. Man unterscheidet: Buchstabenrätsel, bei denen einer oder zwei Buchstaben am Anfang des zu erratenden Wortes verändert werden, während der übrige Teil des Wortes unverändert bleibt (Maus, Haus, Schmaus); Logogriphen, bei denen durch Versetzung der Buchstaben andre Wörter gebildet werden (Bernhardus, Bruder Hans); Arithmogriphen oder Zahlenrätsel; Palindrome, bei denen das zu erratende Wort vor- und rückwärts gelesen einen Sinn gibt; Homonymen, bei denen ein und dasselbe Wort in verschiedener Bedeutung genommen werden soll; Scharaden oder Silbenrätsel, bei denen erst die einzelnen Silben und dann das Ganze eines mehrsilbigen Wortes bezeichnet werden; Worträtsel, bei denen gleich das ganze Wort zusammengenommen wird. Nebenzweige des Rätsels sind: das Bilderrätsel oder der Rebus (s. d.), der sogen. Rösselsprung (s. d.), endlich das Schachrätsel. Das R. hat seinen Ursprung im Orient, wo es im Altertum nicht selten als Ausdruck höherer Erkenntnis diente, die sich ja gern in Dunkelheit hüllte. Schon bei den Hebräern spielte es im Volksleben bei ernsten und heitern Anlässen eine bedeutende Rolle. Dem Jotham muß es dazu dienen, das Königtum Abimelechs zu verhöhnen; Simson würzt damit sein Hochzeitsmahl; die Königin von Saba geht mit Salomo an dessen Hof einen Rätselkampf ein. Bei den Griechen schloß sich das R. in den frühesten Zeiten an die Orakelsprüche an und war daher meist in Hexametern abgefaßt. Besonders kam es zur Zeit der »sieben Weisen«, die es zu didaktischen Zwecken verwendeten, in Aufnahme, und Kleobulos soll eine große Anzahl von Rätseln in Versen geschrieben haben. Fast alle bei uns jetzt üblichen Formen des Rätsels finden sich schon im hellenischen Altertum; auch die griechischen Epiker, dramatischen Dichter und Lyriker mischten gern rätselartige Aussprüche in ihre Dichtungen ein. Bekannt ist das von Ödipus gelöste R. der Sphinx (vgl. Ohlert, R. und Gesellschaftsspiele der alten Griechen, Berl. 1886). Die Römer fanden weniger Geschmack an dergleichen Denkübungen. Besonders häufig war dagegen der Gebrauch der R. bei den germanischen Völkern. Schon die Eddalieder sind voll von Rätselfragen, wie man sie zur Prüfung des Wissens und Scharfsinnes sich zu stellen liebte. Aus dem spätern deutschen Altertum sind besonders zwei Gedichte von Rätselform zu erwähnen: das sogen. »Tragemundeslied« und der »Wartburgkrieg«, außerdem zahlreiche im Volksmund und in Volksbüchern erhaltene Überreste von Rätseln. Eine weitere Ausbildung hat das R. im 18. und 19. Jahrh. erhalten, wo man ihm durch die poetische Form größern Reiz zu geben suchte. Durch poetischen Gehalt und Formenschönheit ragen Schillers bekannte R. in der »Turandot« hervor; mehr durch Humor oder durch Witz und Scharfsinn ausgezeichnet sind die R. von Hebel und Schleiermacher, ferner von Mises, Thiersch, Hauff, Schmidlin, Brentano u. a. Die erste deutsche Rätselsammlung wurde 1505 in Straßburg gedruckt (neu hrsg. von Butsch, Straßb. 1875). Eine Sammlung alter Volksrätsel enthält auch Simrocks »Deutsches Rätselbuch« (3. Aufl., Frankf. 1874). Von den zahlreichen neuern Sammlungen empfehlen sich durch Reichhaltigkeit Ohnesorges Rätselalmanach »Sphinx« (Berl. 1833–1835, 6 Bde.), W. R. Hoffmanns »Großer deutscher Rätselschatz« (Stuttg. 1874, 2 Bde.), Völckers »Neuester Rätselschatz« (Hamb. 1891) und O. Sutermeisters »Das große Rätselbuch« (Bern u. Dresd. 1903). Vgl. Friedreich, Geschichte des Rätsels (Dresd. 1860); Hayn, Die deutsche Rätselliteratur (Bibliographie, im »Zentralblatt für Bibliothekswesen«, Bd. 7, Leipz. 1890).
4011 Zeichen · 61 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    rätselm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    rätsel , m. polygonum persicaria, flöhkraut, auch räthschel, rötschel, rötich u. ähnl. Nemnich 4, 1032 .

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Rätsel

    Goethe-Wörterbuch

    Rätsel überwiegend ‘Räthsel’, auch -(t)zel, einmal ‘Rathsel’ 1 (sprachl gefaßte) Denkaufgabe a als (Gesellschafts-)Spiel…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Rätsel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Rätsel (griech. Änigma) , die umschreibende Bezeichnung eines nicht genannten Gegenstandes, den der Leser oder Hörer sel…

  4. modern
    Dialekt
    Rätsel

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Rätsel , Rätserle [Ratsl U. W.; Ratsərlə Ingersh. ] n. 1. Rätsel Ingersh. 2. Erzählung, Sage, Hexengeschichte, Gedichte,…

  5. Spezial
    Rätseln

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Rätsel , n загадка , ж

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit raetsel

40 Bildungen · 37 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von raetsel

raet + -sel

raetsel leitet sich vom Lemma raet ab mit Suffix -sel.

raetsel‑ als Erstglied (30 von 37)

rätselaufgabe

DWB

raetsel·aufgabe

rätselaufgabe , f. aufgabe aus einem zu lösenden rätsel bestehend: rätselaufgaben für kinder, auf dem titel mehrerer bücher.

rätselbild

DWB

raetsel·bild

rätselbild , n. bild das ein oder in einem rätsel ist: räzelbild, figura aenigmatica Stieler 148 ; was uns die ersten silben ( in einer char…

rätselblick

DWB

raetsel·blick

rätselblick , n. rätselhafter blick: deinen räthselblick zergliedern, könnt ichs, doch vergebne mühe! Platen 10 .

rätselbuch

DWBQVZ

raetsel·buch

rätselbuch: Strassburger räthselbuch. die erste zu Strassburg ums jahr 1505 gedruckte deutsche räthselsammlung. neu hg. v. A. F. Butsch. Str…

rätselei

DWB

rätselei , f. das rätseln, auch kleinliche rätselhafte sache: eine bibliothek gelehrter auslegungen und lügen und räthseleien. Herder bei Ca…

rätselfrage

DWB

raetsel·frage

rätselfrage , f. frage, die ein rätsel bildet, vergl. meins retzels frag H. Sachs 3, 1, 51 a ( oben unter rätsel 2, a ); dunkle frage ( nach…

rätselfund

DWB

raetsel·fund

rätselfund , m. das finden, die auflösung eines rätsels: und es ( das eigne herz ) wird den spruch euch künden, bittre mahnung, edlen trost,…

Rätselgeschichte

GWB

raetsel·geschichte

Rätselgeschichte [ evtl mBez auf das ‘Märchen’ 1) ] Die Rätzel-Geschichte ist nun schon mehrere Jahre vorbey und klingt immer noch nach B12,…

rätselhaft

DWB

raetsel·haft

rätselhaft , adj. und adv. die art eines rätsels habend: räthselhaft, aenigmaticus Steinbach 2, 222 ; rätzelhafte rede, sermo aenigmaticus S…

rätselhaftigkeit

DWB

raetsel·haftigkeit

rätselhaftigkeit , f. : vorstellungen ... die ... durch einen anstrich von sinnreichem unsinn und räthselhaftigkeit zum nachdenken reitzen. …

rätselknoten

DWB

raetsel·knoten

rätselknoten , m. geknüpftes rätsel ( vergl. unter rätsel 2, a ): wenn er die räthselknoten glücklich löst, die ihm aufgegeben sind, oder di…

rätselkram

DWB

raetsel·kram

rätselkram , m. verächtlich von dunkeln andeutungen: mit solchem räthselkram verschone mich! und kurz und gut, was solls? erkläre dich. Göth…

rätselliebend

GWB

rätselliebend je einmal räzel- u räthsel-; einmal subst a gerne Denkaufgaben stellend; mBez auf Turandot 16,242,22 Maskenz 1818 Progr Festz …

rätselmagazin

DWB

raetsel·magazin

rätselmagazin , n. von einem der viel rätsel weisz: ihr seid ein ganz räthselmagazin. Fr. Müller 1, 286 .

Rätselrede

GWB

raetsel·rede

Rätselrede Räthsel- mBez auf Bauernregeln; in iron Zshg 34 1 ,35,19 Rochusf Syn Rätsel Rätselwort Juliane Brandsch J.B.

rätselschlinge

DWB

raetsel·schlinge

rätselschlinge , f. : wie soll ich nun des wunderbaren knotens räthselschlinge, die euch umstrickt, zu lösen übernehmen? Göthe 9, 363 .

rätselschwanger

DWB

raetsel·schwanger

rätselschwanger , adj. : der zusammenhang, ja die einheit der menschlichen mit der thierischen und ganzen übrigen natur, mithin des mikrokos…

Rätselseite

GWB

raetsel·seite

Rätselseite Räthsel- für die Gesamtheit der nicht erklärten (Natur-)Phänomene (iUz dem Bereich erforschter Erscheinungen) B36,272,9 Sternber…

rätselspiel

DWB

raetsel·spiel

rätselspiel , n. aufgeben von rätseln als spiel: doch ihr malt im räthselspiele ziemlich, was ich selber fühle. Müllner schuld (1821) 101 ; …

rätselspruch

DWB

raetsel·spruch

rätselspruch , m. dunkler spruch: und wo ich ( die anmut ) mich mit hohem geist vermähle, da ist des lebens räthselspruch erfüllt. Körner we…

rätselsüsz

DWB

rätselsüsz , adj. geheimnisvoll süsz: er ( der frühlingsgrusz ) gleicht dem räthselsüszen schimmer, der um des mädchens züge schwebt. Geibel…

Rätseltempel

GWB

raetsel·tempel

Rätseltempel Räthsel- für den auf (zunächst) unerklärliche Weise von Bohrmuscheln angefressenen Jupiter-Serapis-Tempel in Pozzuoli B36,310,1…

Ableitungen von raetsel (3 von 3)

Enträtselung

GWB

Enträtselung -th- a Deutung, Interpretation, Kommentierung (von Texten) [ üb Schriften des böhm Historikers JDobrowsky ] die E. einer bisher…

rætsele

BMZ

rætsele stn. mathesis. so gl. Bern. 223. a, vgl. fundgr. 1,387. a. ist das schluss- e organisch, so würde dadurch Graff's annahme einer ahd.…

urrätsel

DWB

-rätsel (ur- C 4 c, b); ein unheimliches ur- und mutterräthsel Kürnberger herzenssachen 112 ,