Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Posse
Posse
Possen m., meist Plur., ‘derber Streich, Unfug, Schabernack’, mhd. possen (Plur.). Auszugehen ist von (allerdings später bezeugtem) frühnhd. posse, bosse ‘Zierat, Beiwerk’ (an Kunstdenkmälern, Gesimsen), besonders ‘groteske Figuren’ (an Brunnen). Dies ist entlehnt aus afrz. boce, frz. bosse ‘Buckel, Höcker, Beule, Relief, erhabene Arbeit, Gipsabguß’. Zugrunde liegt vielleicht anfrk. *bottia ‘Auswuchs, Sproß, Beule’, das Substantivbildung zu einem dem ahd. bōʒen ‘stoßen, schlagen’ (s. Amboß) entsprechenden anfrk. Verb (mit der Bedeutungsvariante ‘ausschlagen, sprießen’?) wäre; vgl. ²128. Schon früh erfolgt die Übertragung von ‘komische Figur, Scherzfigur’ auf ‘Scherz, lustiger Streich’, wozu die Zusammensetzung Possenspiel n. ‘derbkomisches Bühnenspiel’ (16. Jh.), verkürzt Posse f. (18. Jh.). Possenreißer m. ‘Spaßmacher’ (16. Jh.), Zusammenbildung aus Possen reißen ‘Scherz und Spott treiben’ (16. Jh.). possierlich Adj. ‘klein und lustig, drollig’ (16. Jh.); vgl. bossieren, possieren ‘lustig sein, scherzen, Possen treiben’, eigentlich ‘als Zeichnung entwerfen, Figürliches in weicher Masse formen, bilden’ (16. Jh.), afrz. mfrz. bocer (s. putzig).