mitbringen,
verb. apportare, adferre, adducere. Stieler 244. 11)
von dingen, die einer zugleich mit sich selbst herzuführt; dieser in mitbringen
liegende sinn wird durch eine breitere fassung ausgedrückt: seiner ehefrauen .. einen kirchtag .. mit sich nach haus zu bringen. Abele
unordn. 2,
vorr. 8
a;
wiewol die kürzere form die gewöhnliche ist, im 16.
jahrh. bezeugt, doch wol auch früher vorhanden. von dingen als gut, ausbeute, als besitz: jre klein und gros vieh, und alles was sie haben, haben sie mit bracht.
1 Mos. 46, 32; wer dem herrn sein dankopfer thun wil, der sol auch mitbringen was zum dankopfer des herrn gehört.
3 Mos. 7, 29; aus der fremde hat er nichts mitgebracht,
ex peregrinis locis huc nihil apportavit. Stieler 244; der kerl müszte thun, als ob er das geld zur ausstattung mitbrächte. Lessing 1, 477; ich und Bügel haben einen kaufladen geplündert und bringen zeug für unser funfzig mit. Schiller
räuber 2, 3; die ... allemal in taschen und säcken die gegenstände mitbrachten, worüber sie sich unterhalten wollten. J. Paul
uns. loge 1, xvi; er hatte seidne börsen voll zechinen, diamantne schnüre, goldne ketten und juwelenschätze für die reise mitgebracht von Bagdad. Platen 325;
als ausstattung bei einer heirat: 'sie ist zu allen denen künsten und wissenschaften angeführt worden, die ein frauenzimmer zu einer vernünftigen mutter .. machen.' hum, spricht Kleant, aber was bringt sie mit? Rabener
sat. 4, 371;
als nachricht oder neuigkeit: was bringst du neues mit?
quid novi adfers? Steinbach 1, 175;
Wallenst. was sagst du? woher kommt dir diese nachricht?
Terzky. ein landmann bracht es mit von Tischenreut. Schiller
Wallenst. tod 4, 4;
scherzhaft sagt man von einem, der bei schlechtem wetter kommt: du bringst schlechtes wetter mit;
als geschenk, und hier gewöhnlich mit dem dativ der beschenkten person: bösen kindern bringt der heilige Christ nichts mit,
improbis pueris Jesulus nihil elargitur. Stieler 244; Felix war sehr lustig beim abschiede, und als man ihn fragte: was er wolle mitgebracht haben, sagte er: höre! bringe mir einen vater mit (
wie als geschenk von der reise). Göthe 19, 262; und wann ich morgen komm zu hausz, so bring ich dir ein kirchwey mit. J. Ayrer
fastn. sp. 115
a (2911, 12
Keller);
auch ohne solchen dativ: wenn er ein kirchweih von einem jarmarkt mitbrechte. Ayrer
proc. 2, 5; welch ein rohr! o gewisz aus der mondstadt Konstantinopel mitgebracht von dem freunde. Voss
Luise 2, 289. 22) mitbringen,
von geistigen eigenschaften und besitz, zu einer bestimmten gelegenheit: einen offenen sinn, ein erweitertes herz, einen frischen und ungeschwächten geist musz man dazu mitbringen (
zur empfänglichkeit für das wahre schöne). Schiller
hist.-krit. ausg. 10, 506; so wenig kraft sie auch mitbringen, so brauchen sie doch noch viel weniger, um den geist ihres schriftstellers auszuschöpfen.
ebenda; er (
Posa) findet gelegenheit, sein mitgebrachtes ideal an den wirkenden kräften der ganzen gattung zu prüfen. 6, 43. 33) mitbringen,
eine person mit sich herzuführen: einen ungebehtenen gast mitbringen,
umbram secum adducere. Stieler 244;
das part. präs. passiv: beede göttinnen Einträchtigkeit und Glückseeligkeit, sampt derselbigen mitbringenden rittern ... aufnemen und stehts bei sich behalten. Weckherlin 860. 44) mitbringen,
mit sich führen, ergeben, als eigenschaft oder folge, wofür die heutige sprache mit sich bringen
sagt; ohne object, mit wie: Cyrus, .. der das rechte haupt war im persischen keiserthumb, wie sein name mitbringet. Mathes.
Sar. 84
b; gleich wie der buchstäblich grund der schrift mitpringt. Fischart
bienk. 107
a; 'du bist ein einiger gott:' dieses ist, wie ihre glaubensordnung mitbringet, und wodurch sich die Mahometaner von andern unterscheiden.
pers. baumg. 10, 1;
mit allgemeinem es, was, solches: die gewohnheit bringt es mit zu sagen: in dem nahmen gottes.
pers. baumg. 7, 15; es ist niemand, der nicht gerne .. von männiglich geehret werden wolte: maszen solches die natürliche neigung mitbringet. Butschky
Patm. 968; gottes hohe und tife geheimnüsse bringen es mit, das etliche sünden vergeben, andere aber gestraft werden.
kanzl. 701; nicht alles zu schreiben, was einem einfält, sondern was die vernunft mitbringet. 86; es bringt es so mit,
fert ita. Steinbach 1, 175; die jugend bringt es so mit,
ita fert adolescentia. ebenda; dieses bringt die wirthschaft mite. Logau 1, 65, 61; wenn wirs verschieben bis zum fest des herrn, dann bringts die sitte mit, dasz alle sassen dem vogt geschenke bringen auf das schlosz. Schiller
Tell 2, 2;
als ertrag, mit benanntem object: hausväter waren sie, drum trugen sie ihren gesten auf, was die kölle mitbracht (
aus dem kessel) und fürhanden war. Mathesius
hochzeitpr. Y 4
b; glaubstu mir nicht, was groszen nutz der zoll und andere sachen, ein verständige anstellung der wirtshäuser mitbringe? Schuppius 740.