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Miene

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Miene

Bd. 3, Sp. 199
Die Miene, plur. die -n, ein altes Wort, von welchem wir nur noch einige Überreste haben. Es bedeutete, 1. * Die äußere Gestalt, die Figur eines Dinges; eine veraltete Bedeutung, in welcher noch im Schwed. Mynd, Mynt üblich ist. Das hohe Alter dieser Bedeutung erhellet aus dem Hebr. wo תמונה, ein Bild, von dem ungewöhnlichen Worte מון, abstammet. 2. In engerer Bedeutung. 1) Eine angenommene Gestalt, der äußere Schein, im Bretagnischen Man. In dieser Bedeutung gebraucht man es im Deutschen nur noch im Singular allein, ohne Artikel und mit dem Zeitworte machen, Miene machen, sich stellen, ohne doch damit zu entscheiden, ob der Schein wahr sey oder nicht. Der Gläubiger macht Miene, seinen Schuldner zu verklagen, aus seinem Betragen lässet sich meinen oder muthmaßen, daß er ihn verklagen wolle. Der Feind macht Miene, die Festung zu belagern. Wo es aber auch ein Überbleibsel einer noch ältern und allgemeinern Bedeutung der Bewegung seyn kann, so fern es mit mahnen, sich bewegen, überein kommt. Indessen gebraucht man dieses Zeitwort auch für scheinen, vorkommen. Ich weiß nicht wie du mir gemahnst, wie du mir vorkommst. S. Mahnen. 2) * Eine Figur, so fern sie ein Zeichen eines andern Dinges ist, und in weiterer Bedeutung ein jedes Zeichen; wo der Grund der Benennung entweder in dem Scheine, oder auch in der Bewegung, mit welcher ein Zeichen hervor gebracht wird, zu liegen scheinet. In dieser Bedeutung ist es völlig veraltet, aber Ottfried gebraucht.[] noch Meino für ein jedes Zeichen. Unser Münze und Münzen stammen mit dem Lat. Moneta gleichfalls davon ab. 3) Die Gestalt des Gesichtes, im Bretagnischen Min; doch nur noch in engerer Bedeutung, die zufällige Gestalt des Gesichts, so fern sie ein Überbleibsel oft gehabter Empfindungen, oder oft empfundener Leidenschaften ist, und daher einen muthmaßlichen Erkenntnißgrund von der Beschaffenheit des Gemüthes und der Seele gewähret. Es ist in dieser Bedeutung im Singular am üblichsten. Eine gute Miene. Oft ist es die gute Miene, in der sich die Seele abdrückt, wodurch wir zur Freundschaft eingeladen werden, Gell. Ein andrer hat zwar viel Geschicke Doch weil die Miene nichts verspricht, Gell. Ingleichen die veränderliche Gestalt des Gesichtes, welche von den jedesmahligen Empfindungen herrühret. Vergehungen, die zu der heiligen Miene, die er sich gab, so wenig stimmten. Die Demuth entzieht dem Verdienste das Gebietherische der Miene, des Tones und der Sprache, das in Gesellschaft so beschwerlich fällt, Gell. Die Miene mit der sie diese Nachricht aufnehmen wird, soll mir ihre ganze Seele erklären, Sonnenf. Wir wurden mit einer sehr frostigen Miene empfangen. Ein reicher Mann, Der, seiner Miene nach, die eingelaufnen Schulden In schweren Ziffern übersann, Gell. 4) Einzelne willkührliche Gesichtszüge, Geberden des Gesichtes; Diminut. das Mienchen. Allerley wunderliche Mienen machen. Sich seltsame Mienen angewöhnen. Besonders so fern sie von Empfindungen, von dem Zustande des Gemüthes herrühren, und zusammen genommen die vorige Miene ausmachen. Französ. Mine, Ital. Mina, Engl. Mien. Jemanden eine finstre, eine freundliche, eine angenehme Miene machen. Eine liebreiche, eine väterliche Miene. Auf jemandes Mienen Achtung geben. Ich las in seinen Mienen alles, was er dabey dachte. Etwas mit einer verächtlichen Miene ansehen. Ingleichen figürlich. Die Einbildungskraft gibt den Gedanken des Verstandes gleichsam die eigenthümliche Miene, wodurch sie sich leicht von einander unterscheiden lassen, Gell. Anm. Es ist in diesen beyden letzten Bedeutungen nicht, wie man gemeiniglich glaubt, zunächst aus dem Französ. Mine entlehnet, sondern mit demselben Eines Ursprunges, wie aus Ottfrieds Meino erhellet, daher man es auch richtiger Miene, als Mine schreibt, nach der allgemeinen Regel, daß ein gedehntes i im Deutschen in den meisten Fällen ein e zu seinem Begleiter hat. Mine, cuniculus und Bergwerk, schreibt man gemeiniglich um deßwillen ohne e, weil es in den fremden Sprachen, aus welchen es entlehnet ist, kein e hat. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß mahnen, so fern es zunächst bewegen, ziehen, bedeutet, und von mähen, movere, herkommt, der Stamm dieses Wortes besonders in den beyden letzten Bedeutungen ist, weil diese Mienen auch Züge und Gesichtszüge, Franz. Traits, genannt werden, und wirklich aus gezogenen Falten der Haut bestehen. Der Zusammenhang zwischen dieser Bedeutung, und der Bedeutung des Scheines, des Glanzes, und in weiterm Verstande der Figur und Gestalt, wird nur dadurch dunkel, weil hier einige Sprossen in der Leiter zu fehlen scheinen. Indessen gibt es mehrere Wörter, welche ursprünglich die Bewegung, und figürlich Glanz, Licht, Schein, Feuer bezeichnen. S. Mond, welches gleichfalls hierher gehöret. Unser meinen gehöret zu den Mienen des Gesichts nicht weiter, als so fern beyde, obgleich in verschiedenen Rücksichten, von einem gemeinschaftlichen Stamme herkommen.
4911 Zeichen · 61 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Miene

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Miene , plur. die -n, ein altes Wort, von welchem wir nur noch einige Überreste haben. Es bedeutete, 1. * Die äußere…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Miene

    Goethe-Wörterbuch

    Miene auch ‘Mine’ 1 Gesichtsausdruck a Mimik; als Ausdruck einer Gemütsregung, Empfindung, Stimmung; öfter neben ‘Gebärd…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Miene

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Miene , die Gesichtszüge des Menschen insofern sie eine Gemüthsbewegung anzeigen.

  4. modern
    Dialekt
    Mienef.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Miene f. : wie schd., Mien (mīn) [mancherorts]; Zs.: Leichenbittermiene . Der hot ken gut M. dezu gemacht [ NW-Elmst ]. …

  5. Sprichwörter
    Miene

    Wander (Sprichwörter)

    Miene 1. An den Mienen erkennt man den Schalk. Den Wirth, sagen die Russen. ( Altmann VI, 452. ) 2. Man muss gute Miene …

  6. Spezial
    Miene

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Mie|ne f. (-,-n) müsa (müses) f. , ciaradöra (-res) f. , cira (cires) f. ▬ Miene bedeuten ciugné (ciügna).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit miene

12 Bildungen · 10 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

miene‑ als Erstglied (10 von 10)

mieneln

DWB

mieneln , verb. die mienen spielen lassen, franz. minauder: ( die jungen leute ) so mieneln und liebäugeln zu sehn. Lenz 1, 114 .

Mienendeuter

Campe

mienen·deuter

○ Der Mienendeuter , — s, Mz . gl.; die — inn, Mz. — en , eine Person, welche die Mienen deutet, von ihnen auf den Zustand und die Eigenscha…

mieneneule

DWB

mienen·eule

mieneneule , f. strix cunicularia, eulenart mit einem höhlennest im erdreich; auch miniereule.

mienenkenner

DWB

mienen·kenner

mienenkenner , m. , da er jedoch am schlusz seiner rede zu bemerken glaubte, dasz Lenardo, wie zerstreut und abwesend, das vorgetragene nich…

Mienenkunde

Campe

mienen·kunde

◎ Die Mienenkunde , o. Mz . die Kunde oder Kenntniß von den Mienen auf den Zustand und die Eigenschaften des Gemüthes und Geistes zu schließ…

Mienenleser

Campe

mienen·leser

○ Der Mienenleser , — s, Mz . gl.; die — inn, Mz. — en, s. Mienendeuter .

mienenspiel

DWB

mienen·spiel

mienenspiel , n. : und reizte nicht auch euch, im abendschimmer der schönheit, reich an witz und schlauem minenspiel, die huldinn Mecour? Go…

mienensprache

DWB

mienen·sprache

mienensprache , f. : wenn Philipps ehrerbietge zärtlichkeit und seiner liebe stumme mienensprache weit inniger, als seines stolzen sohns ver…

miene als Zweitglied (2 von 2)

amtsmiene

DWB

amts·miene

amtsmiene , f. vultus solemnis: das war wol der mühe werth zu fragen ... oder wenn man doch fragen wollte, so mit amtsmiene zu antworten, so…

Leichenbittermiene

Pfeifer_etym

leichenbitter·miene

Leiche f. ‘toter menschlicher oder tierischer Körper, Leichnam’, südd. auch ‘Leichenbegängnis’. Ahd. līh ‘Körper, Leib, Leichnam’ (8. Jh.), …

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APA
Cotta, M. (2026). „miene". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/miene/adelung
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Cotta, Marcel. „miene". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/miene/adelung. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „miene". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/miene/adelung.
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