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Maulwurf

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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11 in 11 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Maulwurf

Bd. 13, Sp. 460
Maulwurf (Mull, Talpa L.), Säugetiergattung der Insektenfresser aus der Familie der Maulwürfe (Talpidae), gedrungen gebaute Tiere mit walzenförmigem Körper ohne abgesetzten Hals, kleinem Kopf ohne sichtbare Ohren, mit rüsselartiger Schnauze, verkürzten Beinen, verhältnismäßig sehr großen, breiten Grabfüßen an den Vorderbeinen und kurzhaarigem, seidenartigem Pelz; sie leben unterirdisch und graben vortrefflich; man findet sie in Wiesen, Feldern, Gärten und Wäldern, wo sie sich meist nur in ihren Gängen schnell und sicher fortbewegen; im Notfall schwimmen sie vortrefflich. Geruch und Gehör sind gut ausgebildet, um so schlechter das Gesicht; die Augen sind sehr klein und können durch besondere Muskeln hervorgetrieben oder so stark zurückgezogen werden, daß sie im Pelz völlig verschwinden. Die Maulwürfe zeigen sich unverträglich, bissig und höchst mordlustig. Sie nähren sich von Kerbtieren, Würmern, Asseln, Krustentieren, fressen aber auch kleine Säugetiere, Vögel, Frösche und Schnecken und sind sehr gefräßig. Der gemeine M. (Mullwurf, d. h. Staubwerfer, Talpa europaea L., s. Tafel »Insektenfresser II«, Fig. 2) ist 15 cm lang, mit 2,5 cm langem Schwanz, 5 cm hoch, schwarz, an den nackten Pfoten, Fußsohlen, der Rüsselspitze und dem Schwanzende fleischfarben. Die Augen sind schwarz und etwa von der Größe eines Mohnkörnchens. Der M. findet sich in ganz Mitteleuropa, in Asien bis zum Amur und südlich bis zum Kaukasus, fehlt in Irland, Nordschottland, Mittel- und Süditalien und Griechenland. Er gräbt gewöhnlich an einer von außen schwer zugänglichen Stelle, unter Baumwurzeln, einer Mauer etc., 50–60 cm unter der Erdoberfläche eine Wohnung (s. Abbildung), die mit Laub, Moos etc. gepolstert wird und durch ein eigentümliches System von zwei kreisförmigen konzentrisch und mehreren radial verlaufenden Röhren mit der oft 30–50 m langen Laufröhre, deren Wände von auffallender Festigkeit sind, in Verbindung steht. Er läuft auf der Oberfläche, besonders aber in seinen unterirdischen Gängen mit großer Behendigkeit und gräbt mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Täglich dreimal geht er in sein weit entferntes Jagdgebiet, um hier wühlend Insekten und deren Larven, besonders Engerlinge, Drahtwürmer, Erdraupen, Maulwurfsgrillen, Schnecken, auch Regenwürmer etc., zu erbeuten. In den Sommermonaten kommt er nachts, selten bei Tag auf die Erdoberfläche, wo er auf Schnecken, Frösche, Blindschleichen, Mäuse und kleine Vögel Jagd macht. Im Verhältnis zu seiner Größe ist er ein furchtbares Raubtier, er verzehrt täglich das 1 1/2fache seines Lebendgewichtes; dabei ist er wild, blutdürstig, grausam. Er lebt einsiedlerisch, und wenn er auf einen andern M. stößt, so kämpfen beide, bis der eine unterliegt, der dann vom Sieger gefressen wird. Der M. hält keinen Winterschlaf, senkt aber im Winter seine Gänge bis in frostfreie Tiefen, wo Insekten und Würmer Schutz suchen; er erbeutet dann von den froststarren Tieren mehr, als er fressen kann, und legt von diesen Vorräte an, wobei er sie so verstümmelt, daß sie nicht mehr graben können. Das Weibchen wirft nach vierwöchiger Tragzeit 3–5 Junge, die rasch heranwachsen und von der Mutter sehr sorgfältig behandelt werden. Als Kerbtiervertilger sehr nützlich, wird der M. in Gärten durch Unterwühlen und Auswerfen der Erde lästig. Auf Feldern und Wiesen sollte man den M. nicht verfolgen, von kleinen Parzellen, Saatbeeten, Zierrasen kann er ferngehalten werden, wenn man diese mit schmalen Gräben umgibt, die mit Scherben gefüllt werden. Vertrieben wird er durch Begießen des Bodens mit einer Mischung von 1 Teil Petroleum und 1000 Teilen Wasser. In Dämmen und Deichen, die zum Schutz gegen Hochwasser errichtet sind, kann er nicht geduldet werden. Außer vom Menschen wird er besonders vom Iltis, Wiesel, Fuchs, von Raubvögeln, Raben und vom Storch, auch vom Igel und von der Kreuzotter verfolgt. Aus den Fellen fertigen die Russen kleine Säckchen, mit denen sie bis nach China Handel treiben. Bei uns werden die Fellchen, besonders schwarzgraue amerikanische (Millionen von Exemplaren) zu Muffen, Kragen, Besätzen verarbeitet; sehr schöne Imitationen werden aus Bisam und Nutria hergestellt. Früher wurden viele Teile des Maulwurfs abergläubisch als Heilmittel benutzt. Vgl. Kober, M. und Nagetiere, deren Nutzen oder Schaden (Stuttg. 1877).
4311 Zeichen · 43 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Maulwurf

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Maulwurf , des -es, plur. die -würfe, ein fünfzehiges vierfüßiges Thier in der Größe einer Ratze, welches über der E…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Maulwurf

    Goethe-Wörterbuch

    Maulwurf pl auch ‘-wurfe’ 1 zool; unter der Erde lebendes kleines Säugetier; wiederholt in anatomischer bzw morphologisc…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Maulwurf

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Maulwurf (Talpa) , zu den Raubthieren gehörende Säugethiergattung, mit beweglicher, rüsselförmiger Schnauze u. sehr kurz…

  4. modern
    Dialekt
    Maulwurfm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Maul-wurf m. : wie schd., Maulwuʳf [Zweibr KL-Gerhbn PS-Rodalb FR-Maxd Frankth NW-Esth Forst Lambr Niedkch BZ-Hergw Kaps…

  5. Sprichwörter
    Maulwurf

    Wander (Sprichwörter)

    Maulwurf 1. Der Maulwurf hat kleine Augen, aber er sieht zu seiner Arbeit. Die Russen: Gott hat des Maulwurfs Auge so ei…

  6. Spezial
    Maulwurf

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Maul|wurf (Talpa europaea) m. (-[e]s, ...würfe) 1 ‹zool› talpina (-nes) f. 2 ‹fig› spia (-ies) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit maulwurf

50 Bildungen · 50 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von maulwurf 2 Komponenten

maul+wurf

maulwurf setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

maulwurf‑ als Erstglied (30 von 50)

Maulwurfblind

Campe

maulwurf·blind

○ Maulwurfblind , adj . u. adv . blind, d. h. kurzsichtig wie ein Maulwurf. Davon der Maulwurfblinde , ein kurzsichtiger Mensch. — — Mitleid…

maulwurferbse

DWB

maulwurf·erbse

maulwurferbse , f. eine art der gemeinen erbsen, deren fast viereckige samen mäuse und maulwürfe aus den gärten vertreiben sollen. Nemnich 4…

Maulwurfmäuse

Meyers

Maulwurfmäuse ( Spalacidae ), Familie der Nagetiere (s. d.).

maulwurfsahndung

DWB

maulwurf·s·ahndung

maulwurfsahndung , f. blinde ahnung: das ist das erstemal in meinem leben, dasz ich hoffe. das andre waren maulwurfsahndungen. Göthe 42, 213…

maulwurfsarbeit

DWB

maulwurf·s·arbeit

maulwurfsarbeit , f. arbeit wie sie ein maulwurf unter der erde verrichtet, heimliche arbeit eines wühlenden menschen: er begann die maulwur…

maulwurfsart

DWB

maulwurf·sart

maulwurfsart , f. : ich will die gelehrtenrepublik eben nicht bereden, dasz dieser mausschlächter so viele unterirdische maulwürfe aus der w…

maulwurfsaugen

DWB

maulwurf·saugen

maulwurfsaugen , plur. augen des maulwurfs oder wie eines maulwurfs, klein und von engem blick: den maulwurfsaugen der menschen zu hoch steh…

maulwurfsblick

DWB

maulwurf·s·blick

maulwurfsblick , m. : wir werfen maulwurfsblicke zwergicht in die wissenschaft, des allernächsten fremdlinge, wie des entferntesten. Platen …

maulwurfsblind

DWB

maulwurf·s·blind

maulwurfsblind , adj. : hast du ein augenfell, und tappest maulwurfsblind. J. C. Göring liebesmeyenblühmlein (1654) 166 .

maulwurfsfänger

DWB

maulwurf·s·faenger

maulwurfsfänger , m. : maulwerffenger. Fischart groszm. 49 ( preneurs de taupes bei Rabelais ); es giebt aber gewisse maulwurfsfänger, welch…

maulwurfsfang

DWB

maulwurf·s·fang

maulwurfsfang , m. das fangen des maulwurfs: Jugelius hat einen ganzen tractat von dem maulwurfsfang geschrieben. öcon. lex. 1550; auch das …

maulwurfsfell

DWB

maulwurf·s·fell

maulwurfsfell , n. : maulwurfsfelle stillen das zahnweh, wenn man sie auf den backen leget. öcon. lex. 1558.

maulwurfsgang

DWB

maulwurf·s·gang

maulwurfsgang , m. : allerlei maulwurfsgänge einer vergeblich, aber mit guter zuversicht auf schätze grabenden vernunft. Kant 2, 293 .

maulwurfsgefühl

DWB

maulwurf·s·gefuehl

maulwurfsgefühl , n. : so ein zartes maulwurfsgefühl und so ein neblichter blick! Wieland in Mercks briefs. 1, 96 .