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luemmel

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

lümmel

Bd. 12, Sp. 1289
lümmel , m. flegelhafter mensch. 11) das wort ist seit dem 16. und 17. jahrh. nachgewiesen, in verschiedener form; als lümpel: so bald der lümpel wider aufgestanden, zündet er ein licht an. Kirchhof wendunm. 296b; als lemmel und limmel, vgl. oben sp. 742; und in der heutigen form lümmel: [] schau! da kommt der faul lümmel rein. J. Ayrer fastn. sp. 105d (2869, 21 Keller); es ist mit rücksicht auf diese verschiedenheit und auf den umstand, dasz oberdeutsche schriftsteller das substantiv zuerst zeigen, zweifelhaft, ob eine bisher behauptete niederdeutsche abstammung und der zusammenhang mit dem adj. lumm schlaff (sp. 1289) richtig sei; eher würde die form lümpel, wenn sie nicht eine blosze umdeutung ist, auf zusammenhang mit lump, lumpen hinweisen; doch vergl. wegen der bedeutung auch nachher no. 3. 22) seit der mitte des 17. jahrh. erscheint lümmel als oft gebrauchtes, in allen wörterbüchern aufgeführtes wort: lümmel, homo sine acumine Schottel 1359; lümmel, homo nauci, nihili, sine acumine, iners, vecors, inverecundus, os durum Stieler 1140; lümmel, bardus, homo agrestis Steinbach 1, 1083; hastu nicht gehöret, was einmal ein magerer aber ein weiser mann einem fetten und ungeschickten lümmel gesaget. pers. rosenth. 1, 4; warumb kamen die lümmel nicht und thäten im solche präsent, da er (Hiob) auf dem misthaufen sasz. Schuppius 176; absonderlich hätten ihr (der braut) die junggesellen, oder die herren brautlümmel bald den kopf mit band und haaren abgerissen, weil sie den kranz mit starkem drate unter den haaren fest verwahret hatte. Chr. Weise erzn. 158 Braune; ich werde mit einem solchen limmel keinen staat machen. comöd. 106; schützet mich nur wider den groben bauerlümmel. causenmacher 155; ich wundere mich .. dasz die professores auf academien die gradus solchen unwürdigen lümmeln austheilen. Paulini philos. luststunden (1709) 1, 525; die schläge, die uns die groben lümmel gaben. Wieland 12, 25; ei du fetter schmeerbauchiger lümmel. Fr. Müller 1, 166; schau, wie sich der faule lümmel heran schleppt als zöge er einen frachtwagen. Arnim schaub. 1, 4; wenn der widerlichste, wüsteste, selbstsüchtigste lümmel mehr glauben, mehr anhang findet, als der aufrichtigste menschenfreund. J. Gotthelf Uli der knecht 215; diesz ist ja ein netter kerl, obgleich er ein grober lümmel ist! G. Keller leute von Seldwyla 2, 154; dasz sie (die mutter), mit aller ihrer müh, aus ihrem lieben sohn Pervonte nichts ziehen, und zu nichts den lümmel brauchen konnte. Wieland 18, 129; der ungeschlachte lümmel. 153; nun ist der lümmel zahm. Göthe 12, 195; geld! rief, mein edelster herr! ein armer. der reiche versetzte: lümmel, was gäb ich darum, wär ich so hungrig wie er! H. v. Kleist werke 5, 36. 33) in einigen festen redensarten des 17. jahrhunderts aber steht lümmel nicht in persönlicher bedeutung, sondern im sinne von buhlerei, bemühung um weibliche zuneigung: der alte krippenbeiszer ist der erste, ... seinen lümmel anzubringen. kunst über alle künste 59, 14; ich will hinein und sehen, was meines herrn signoris jungfer dame für ein kammerkätzchen hat. ist sie der arbeit werth und applicabel, will ich mich bemühen, meinen lümmel anzubringen und mich in ihre gute gunst einzuschreiben. 63, 30; er danzet wohl, doch suchet er wenig gelegenheit, bei frauenzimmer dardurch seinen lümmel anzubringen. er kan einen dichten rausch vertragen, doch säufet er nicht. ped. schulfuchs 70; die fürstin übergab ihn den kammermädgen, da mochte er seinen limmel anbringen, wie er wollte. Chr. Weise niederl. bauer 64; ihr herren gute nacht! wie haben wir den limmel zusammen angebracht? ders., zwiefache poetenzunft, schlusz; ich gedachte, es solte nach meines lümmels sinn gehen, aber es wolte diszmal nicht. ein solcher ehrbarer baum fällt nicht von einem streiche. kunst über alle künste 89, 22; den lümmel verschütten: was kunt Amyntas thun? die sache war verhaust. solt er den limmel gar verschütten und noch einmal um gnade bitten, so lachte nur sein feind vor freuden in die faust. ders., reife ged. 481. schles. den lümmel läuten: so bald sich im schweidnitzischen keller in Breslau ehedem ein gast lümmelhaft benahm, wurde eine glocke geläutet, die lümmelglocke, und der betreffende muste strafe geben. man fragt daher noch bei ungezogener aufführung: soll ich den lümmel läuten? Weinhold 55b; wenn etwan eens uf seinem platze sich unmanierlich ufgeführt und anne sitte haderkatze karei und händel eigerührt, gleich sprach der krätschemknecht und frate: sol ich a lümmel läuten? mein, wie warn se stille! Holtei schles. ged. (1874) 316. [] Diese fügungen, zusammengehalten mit den oben erwähnten formen lemmel und limmel, ermöglichen die annahme, dasz das wort mit einem von Schm. 1, 1471 Fromm. beigebrachten, sonst weiter nicht bezeugten subst. lemmen: aus lemmen und mutwillen. bair. landtagshandlungen von 1429—1513, wofür die lat. fassung gewährt ex levitate et pertinacia, zusammenhängt, welches freilich seinen etymologischen bezügen nach auch nicht aufgeklärt ist, aber doch schwerlich zu den oben unter 1 genannten wörtern in beziehung steht, sowenig als zu dem nachher folgenden neutr. lümmel.
5150 Zeichen · 83 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹lümmeln.

    Mittelniederdeutsches Wb. · +1 Parallelbeleg

    1 lümmel , * lümmerske (Klingged. 15), n. , Eingeweide des geschlachteten Tieres, „ lümmelen intestinum”.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Lümmel

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    † Der Lümmel , des -s, plur. ut nom. sing. nur in den niedrigsten Sprecharten, ein starker aber dabey fauler Mensch im v…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Lümmel

    Goethe-Wörterbuch

    Lümmel flegelhafter Bursche [ Mephisto über den niedergestochenen Valentin: ] Nun ist der L. zahm! GWB 14,188 Faust I 37…

  4. modern
    Dialekt
    Lümmel

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Lümmel [Leml Rädersd. Hattst. Dü. ; Lìml M. Heidolsh. Ndhsn. Bf. ; Læml M. ] m. 1. Lümmel, grosser, starker, ungeschickt…

  5. Sprichwörter
    Lümmel

    Wander (Sprichwörter)

    Lümmel 1. Lümmel vom Lande, kennt er seinen König nicht? ( Pommern. ) Häufig gebraucht von einem Bekannten gegen den and…

  6. Spezial
    Lümmel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Lüm|mel m. (-s,-) (frecher Mensch) porsona desfruntada f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit luemmel

68 Bildungen · 22 Erstglied · 44 Zweitglied · 2 Ableitungen

luemmel‑ als Erstglied (22 von 22)

Lümmelbier

MeckWB

luemmel·bier

Wossidia Lümmelbier n. das Festgelage der Pfingstgilden: cerevisia pentecostalis dat LümmelBeer ( Ma Malchin@Stavenhagen Stav ) Mantz. Ruh. …

lümmelei

DWB

lumme·lei

lümmelei , f. ignavia, desidia, acedia, brutalitas, rusticitas, impudentia. Stieler 1140 : tagtäglich wirds a bissel schlimmer, de lümmelei …

lümmelen

WWB

lumm·elen

lümmelen V. [verstr.] (teilweise + sik ) sich in betont nachlässiger, unmanierlicher Weise irgendwohin setzen, legen, irgendwo stehen. De lü…

Lümmelglöckel

Wander

luemmel·gloeckel

Lümmelglöckel Das Lümmelglöckel läuten. ( Breslau. ) Dies »Glöckel« befand sich im Schweidnitzer Keller zu Breslau und wurde stets geläutet,…

lümmelhaft

DWB

luemmel·haft

lümmelhaft , adj. und adv. impudens, impudenter. Stieler 1140 : ein limmelhaft-misziger mensch, der alles, was er nicht tuht, für unrecht hä…

lümmelig

MeckWB

Wossidia lümmelig lümmel-, flegelhaft: Bri. 2, 47.

lümmeljahr

DWB

luemmel·jahr

lümmeljahr , n. flegeljahr: nur ist der ältere, Serran, ein wenig aus dem zeuge gewachsen, und in die sogenannten lümmeljahre gerathen. A. W…

Lümmeljahre

RhWB

Lümmel-jahre -əltsj:r Allg. Pl. t.: Flegeljahre der Burschen.

Lümmelkarre

RhWB

luemmel·karre

Lümmel-karre -əltskār Dinsl-Sterkr f.: K., vom Schreiner gebraucht, um Bretter zu fahren.

Lümmellires

RhWB

Lümmel-lires lø·m.əlīərəs  Eusk-Lechenich m.: verächtl. Strolch.

lümmelmus

DWB

luemmel·mus

lümmelmus , n. mus vom geschlinge, von lunge und leber ( vgl. oben das neutr. lümmel): jenes edelmanns koch, welcher einem lümmelmusze den g…

lümmeln1

MeckWB

Wossidia lümmeln 1 1. wie einen Lümmel behandeln, beim Prügeln zwingen: denn' kann ick gaut lümmeln (1890) Wa Waren@Jabel Jab . 2. wie ein L…

lümmeln2

MeckWB

Wossidia lümmeln 2 brummen (vom Bullen) Mi 52 a ; Un de oll Bull, de lümmelt mang Reut. 7, 66; Seem. Bew. 18; Wo. V. 2, 1064 a.

Lümmelum

RhWB

Lümmel-um lø·m.əlø·m.  Eusk-Lechenich Sg. t. m.: verächtl. gewöhnliche Wurst.

lümmelzig

RhWB

luemmel·zig

lümmelzig -e- Trier , Wittl , Bitb Adj.: lümmelhaft; dazu die Lemmelzigket.

luemmel als Zweitglied (30 von 44)

Bauernlümmel

RDWB1

Bauernlümmel m auch Prolet m, Bauer m дремучий перен. , презр. , невежа неодобр. , мужлан презр. , лапотный мужик идиом. , презр. , деревенщ…

Aslümmel

WWB

As-lümmel „Kosename für Jungen, die gern über die Schnur hauen“ ( Kr. Münster Mün Kr. Münster@Westbevern Wb ).

Bauernlümmel

PfWB

bauern·luemmel

Bauern-lümmel m. : Schimpfwort für ungehobelten Menschen, -limm(e)l, -lemm(e)l [allg.]. ElsWB Els. I 588 , —

brautlümmel

DWB

braut·luemmel

brautlümmel , m. verächtlich für brautführer: den andern tag ward die braut mit ihrem neuen schlafgesellen unerhört aufgezogen, da kamen die…

brotlümmel

DWB

brot·luemmel

brotlümmel , m. homo desidem agens vitam, der sein brot iszt, ohne etwas zu verrichten: was soll ich nun mit dir weiters anfangen, du brotlü…

Buerlümmel

MeckWB

buer·luemmel

Wossidia Buerlümmel m. der Bauernbursche im Munde der Seeleute Ro Rostock@Warnemünde Warn ; Buerlümmels Pellkartoffeln Gü Güstrow@Gülzow Gül…

erzlümmel

DWB

erz·luemmel

erzlümmel , m. homo agrestis: als kantor seinen erstgebornen, einen groszen erzlümmel, der zur noth die bauernbärte schor, sich zum adjunct …

götterlümmel

DWB

goetter·luemmel

-lümmel Eb. Fr. Hübner verwandl. (1791) 1, 2 ; vgl. die häufung solcher bildungen bei Dehmel ges. w. (1906) 2, 93 : götterhure, -pack, -pins…

hauslümmel

DWB

haus·luemmel

hauslümmel , m. ( terme de mépris ) casanier. Rondeau 287 . Chr. Weise comöd. 105 .

herbstlümmel

DWB

herbst·luemmel

herbstlümmel , m. hagestolz ( vergl. DWB herbstknecht ). als schimpfwort: ungeschliffener knäffel, plumper herbstlimmel. Abr. a S. Clara.

holzlümmel

DWB

holz·luemmel

holzlümmel , m. grober lümmel, der gleichsam nur im walde lebt: ich werd ja kain so grober holzlimmel sein. Schwabe tintenf. A 4 a .

Kes'lümmel

MeckWB

kes·luemmel

Wossidia Kes'lümmel m. Materialwarenhändler (1885) Ro Rostock@Kühlungsborn Kühl .

Landlümmel

MeckWB

land·luemmel

Wossidia Landlümmel m. Schelte auf die Jungen vom Lande Wa Waren@Penzlin Penzl .

Mailümmel

RhWB

mai·luemmel

Mai-lümmel -ø- Siegld-Dreisb Kromb m.: ein Junge, der am ersten M.sonntag in grüne Büsche von Birken (Ginster) eingebunden wird, so vollstän…

Öllümmel

RhWB

oel·luemmel

Öl-lümmel ·ə.lĭχs-, ·ə.ləs lø·m.əl Aach , Eusk-Zülp m.: in Öl gebackene Krabbe, zu Fastnacht.

Pfingstenlümmel

PfWB

pfingsten·luemmel

Pfingsten-lümmel m. : 1. a. 'ein in Stroh gehüllter größerer Bube oder junger Bursche, der wie ein wildes Tier an einem Strick im Ort umherg…

pfingstlümmel

DWB

pfingstlümmel , m. 1 1) schwäb. der zweitstärkste bursche beim pfingstritt. Birlinger volksth. 2, 122 , auch pfingstreck genannt. Frommann 6…

Ableitungen von luemmel (2 von 2)

belümmelen

WWB

be-lümmelen V. betrügen ( Kr. Tecklenburg Tek Me).

urlümmel

DWB

urlümmel (ur- C 4 a) Fr. Th. Vischer auch einer 1, 75 ,