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lose

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

lose adj. und adv.

Bd. 12, Sp. 1181
lose, adj. und adv. in mehrfachem sinne. II. Formelles. I@11) das adj. los sp. 1156 ff., welches, wie sp. 1157 betont, seine hauptverbreitung im niederdeutschen und noch im mitteldeutschen sprachgebiete hatte, war im oberdeutschen in beschränkterem gebrauch, indem es im eigentlichen sinne attributiv nur als zweites glied von zusammensetzungen stand, und auch prädicativ nicht häufig vorkam. wol aber hatte es bereits im ahd. eine übertragene bedeutung entwickelt, die auch ags. und altsächs. vorhanden, und die sich im mhd. verbreitet, wie sie ebenso mnl. und mnd. dauert, lôs in ethischem sinne, der tugend ledig: verumtamen vani fili hominum. aber doch uppige sint menniscon sune. uuellent ir iuh ze in fersehen, danne gesehent ir sie lôse, got ist aber tugedig. Notker ps. 61 (bei Hattemer 2, 209b); und ob ein lôser vâre mîn, dâ wider sol ein guoter man sich selben in den zühten hân. minnes. 1, 107b Hagen; im mhd. tritt dazu die bedeutung locker auf, die, obwol im ahd. nicht nachgewiesen, gegen die eben erwähnte die ältere, weil sinnlichere ist, und die bis ins nhd. hinein dauert, vgl. los 9 sp. 1161. zu beiden bedeutungen ist die adverbialform mhd. lôse, ein ahd. lôso voraussetzend. I@22) von Mitteldeutschland her dringt lôs in prädicativer stellung und im eigentlichen sinne vor, und es liegen die anfänge dieses vordringens wol schon vor dem 15. jahrh. bestehen nun die alten oberdeutschen bedeutungen daneben fort, so gibt doch die völlig andere stellung, die diesen gegen jene eigen ist, veranlassung zur trennung auch der wortformen. dieselbe setzt bei der oberdeutschen adverbialform lose im sinne von locker ein, indem sie diese adverbialform auch als attributives und selbst prädicatives adjectiv verwendet, und das wort dergestalt von jenem los sondert. bereits im 15. jahrh. läszt sich die geschilderte verwendung nachweisen: lose, als die braden des schweisz, rarus. voc. inc. theut. n 2b; lose werden, rarefieri. ebenda; eben so ist sie bei Luther vorhanden (vgl. die beispiele aus Jes. 3, 24. 1 Sam. 1, 16 unten unter II, 1. 5), doch aber zeigt sich im übrigen eine lange zeit des schwankens, in welcher man zum theil noch los als adjectivform gefühlt hat, im unterschied von der adverbialform lose; nur ist die dauer dieser zeit und die frage, wie weit verbreitet die lebendigkeit dieses gefühls gewesen sei, schwer zu entscheiden, weil die flectierten formen des attributiven adjectivs den unterschied verwischen. immerhin führt noch im 17. jh. Schottel den letzteren nicht auf: los, liber, ledig, entfreit 1358, los, loser, ein loser mensch, homo subtilis, astutus 1359, und selbst Frisch 1, 622b folgt ihm darin; während wieder Stieler los liber 1177 von lose, malus, perversus, vitiosus 1179 sondert, unter nachfolge der späteren, namentlich Steinbachs, Gottscheds, Adelungs, Campes. in der modernen sprache ist lose, locker, leichtfertig, von los frei, durchaus unterschieden. I@33) die steigerungsformen des adjectivs wurden ehedem mit umlaut gebildet, wie die vom mhd. lôs: ie lœser und ie lœser, ie bœser und ie bœser, sus stât ie der werlde sin. Freidank 51, 19; die ander mauer ist noch löser und untüchtiger. Luther 1, 291b; von wegen der lösesten ursachen. 11a; die allerleichtfertigsten, lösesten buben die man finden solte. 5, 234a; solchs thun die allerlösesten hummeln, so die erde tregt. 6, 149a; es gibt lose volk, das gerne säuft, noch löser volk, das so gerne verschleppt, und das allerlöste volk, das die flaschen gar mit einander behält. Chr. Weise liebesalliancen 210. solche umgelautete formen sind der neuern sprache ganz fremd. IIII. Bedeutung. II@11) lose, locker, unfest, von wenig zusammenhalt, zu dem adj. los 9 zunächst adverbialform: er nam auch samen aus demselbigen lande, und seet jn in dasselb gute land, da viel wassers ist, und satzt es lose hin. Hes. 17, 5; und ob sie eine zeit lang an den zweigen grunen, weil sie gar lose stehen, werden sie vom winde bewegt. weish. Sal. 3, 4; wer ein christ ist, der mus mit seinem glauben nicht so lose stehen. Luther 6, 226b; wie auch die spätere sprache das adv. lose in der bedeutung leicht anrührend, leicht, verwendet: um das lose-geknüpfte band noch fester zu ziehen. Göthe 22, 99; in allitterierender verbindung mit leise: und horch! und horch! den pfortenring ganz lose, leise, klinglingling! Bürger 14a; er schlich, umgürtet mit waffen und wehr, so leise so lose, wie nebel, einher. 61a; dann aber auch als adjectivform (wie das erste der folgenden beispiele ausdrücklich darthut), zunächst in bezug auf alles gebundene und verknüpfte, eigentlich und bildlich: und wird stank fur gut geruch sein, und ein lose band fur ein gürtel. Jes. 3, 24; die sich zusamen koppeln mit losen stricken. 5, 18; und hielten nicht, gleich wie ein loser bogen. ps. 78, 57; der wirth mag die beste seide anderswo vernähet haben, nun ists kein wunder dasz ihm sein loses garn nicht halten will. Chr. Weise kl. leute 36; die lose vereinigung der unter einander sehr verschiedenen völkerschaften. Schlosser weltgesch. 4, 480; fälle, .. wo eine innige, unauflöslich scheinende verbindung zweier durch gelegentliche zugesellung eines dritten aufgehoben, und eins der erst so schön verbundenen ins lose weite hinausgetrieben ward. Göthe 17, 55; freilich sind diese fäden nur dünn und lose, aber sie gehen doch durchs ganze stück und halten zusammen, was sonst auseinander fiele. 19, 161; damit ja alles loser und lockerer stoff werde. 20, 250; ein leichtes, loses tagebuch. 29, 73; Karl, die ungarische pflaum hat ansehn; aber die zwetsch ist honiggelb inwendig und süsz auf der zunge wie honig. lose vom stein und am stengel gerunzelte wählen, ist regel. Voss Luise 3, 1, 54; in allitterierender verbindung mit leise: es wird immer weitere entfernung und endlich, wenns recht gut geht, leise, lose trennung werden. Göthe 29, 110; sie kroch, als kröt, aufs räuberschlosz, mit losem, leisem tritt. Bürger 25a; dann abends eilt zu liebchens thür sein leiser loser schritt. Uhland ged. 206; ohne substantiv: das alles hielt ich fest und mein, nun aber lose, wird es dein. Göthe 41, 216; loses kraut, lockeres pulver: schreie niemand victoria, wenn er'n alten rostigen musquedonner einmahl mit loosem kraut abgebrannt hat! Claudius 3, 97. II@22) bisweilen in den begriff des freien, ungebundenen hinüber greifend, und hier näher an das adj. los sp. 1157 anrührend: in der blonden locken loses schweifen waren junge rosen eingestreut. Schiller die kindsmörderin; nun soll ich gar von haus zu haus die losen blätter alle sammeln. Göthe 1, 11; in moralischem sinne: der losere zustand, in dem eine solche gesellschaft (schauspieler) lebt, macht ihre genossen mehr mit der schönheit der unverhüllten glieder bekannt als irgend ein anderes verhältnis. 23, 23; in den begriff frei, geschäftslos übergehend: man hatte immer etwas zu thun und zu kramen, wo sich nur ein müsziger loser augenblick zeigte. 29, 100. II@33) lose, von dem sinne des unfesten zu dem des haltlosen, unwertigen, untauglichen sich wendend: das volk bawet die wand, so tünchen sie dieselben mit losem kalk. Hes. 13, 10, diese wissen fur allen, das sie sündigen, wenn sie solche lose ding und bilder aus irdischem thon machen. weish. Sal. 15, 33; und hieltens für ein lose heilosze narung mit schweisz und arbeit etwas erobern. Frank weltb. 43b; unser seele ekelt uber dieser losen speise (ἐν τῷ ἄρτω τῷ διακένω τούτω). 4 Mos. 21, 5; und danach: bis den leuten davon ekelt als vor einer losen speise. Wieland in Mercks briefs. 1, 147; mir ekelt vor meinem manuscript so, wie vor einer losen speise. Hippel 14, 31; loses geld, solches das nicht gilt, keinen umlaufswert hat; und danach: nicht werde durch die lose sühnung der selbstgewählten abverdienung das himmelreich gekauft! Voss 5, 162; in bezug auf worte und handlungen: jr rhümet ewer selb erwelet fasten seer hoch, aber es ist ein loses fasten, das ich wol möchte einem zerrissen und geflickten pelz vergleichen. Luther 6, 477a; was gelüstet aber den heiligen geist solch ding zu reden? es ist ein lose historien, menschlich zu reden. 4, 54b; wenn mans eben ansihet, sind es so lose fabeln, als hetten es eitel alte veteln gesagt. 59b; lasse nun dis einfeltige und schlechte historien sein, das keinen schein hat, das die veter in solchen losen werken einher gehen. 185a; das mag mir doch ja auch ein loser fauler grund sein. 321a; ist denn kein rat mehr bei den klugen? ist ihre weisheit so lose? Jer. 49, 7; es ist nichts dran! sein lose mär! es hat mir heint zu nacht getreumt. B. Waldis Esop 4, 32, 36; er will nicht mährchen über mährchen häufen, die reizend unterhalten und zuletzt wie lose worte nur verklingend täuschen. Göthe 9, 112; zum streit bin ich gekommen, zu losem schwatzen nicht. Scheffel Ekkeh. 378 (Waltharilied). II@44) lose, nichtsnutzig, böse, sittenlos, von worten und handlungen; eine bedeutung, die sich der des mhd. lôs anschlieszt: giht des diu herzogîn für prîs, ob mîn bruoder mir mîn amîs sleht durch ir lôsen rât? Parz. 711, 19; si sint mit lôsen worten palt, ir triegen ist vil manicvalt. Lichtenstein 645, 5; sol ein weiser man so aufgeblasen wort reden, und seinen bauch so blehen mit losen reden? Hiob 15, 2; wöllen die lose wort kein ende haben? 16, 3; meide die ungeistliche lose geschwetz, und das gezenk der falsch berümpten kunst. 1 Tim. 6, 20; des ungeistlichen losen geschwetzes entschlahe dich. 2 Tim. 2, 16; der nicht lust hat zu loser lere. ps. 24, 4; ich hasse die da halten auf lose lere. 31, 7; (sie) verfüren mein volk mit jren lügen und losen teidingen. Jer. 23, 32; denn schlechte lose gewonheit zu artikel des glaubens machen, das ist gewisse abgötterei. Luther 6, 324b; gib mir den lohn, oder mein schäferstab und dein ohr sollen ein ding sein. uber solche lose wort unnützer buben klagt Hiob. Schuppius 169; die meisten lehnen sich gegen mich auf, und geben mir lose worte, wann ich, aus befehl des rahts, ihnen den gifttrunk überreiche. Hoffmannswaldau sterb. Socr. 147; und da habe er dem gegentheil die unkosten erstatten, auch oft wegen vergossener losen worte hauptsächlich in die büchse blasen müssen. Chr. Weise erzn. 94 Braune; bei einem herrn wolle mancher nicht ein loses wort einfressen, da er doch alle beförderung von ihm zu gewarten hätte. 96; das jr nit denkt, es sei umb sunst ein gdicht und losz betriegerei. B. Waldis Esop 4, 66, 121; wie man keinen klaget, der nach losen händeln ringt, und nach unglück selber jaget, wenn ihn solches nun umbringt. Soltau volksl. 521 (von 1692); ein mann, der lose künste trieb, comödien und verse schrieb, er war, wie ich mit recht behaupte, ein neuling und ein bösewicht. Gellert 1, 19; und jeder hieng der richter dann ein loses wort für ihren hahnrei an. Lessing 1, 120; auch von den werkzeugen des sprechens: dieses weib hat eine lose zunge; einer rühmte sich, als wär er wegen seines losen mauls allenthalben im beruf. Chr. Weise erzn. 206 Braune; dein loses maul, dein böses gewissen verführen dich zu solchem geschwätz. Göthe 8, 246; muszte sein vater doch auch, den euer vater begünstigt, viel von losen mäulern erdulden, und falschen verklägern. 40, 153. II@55) lose, von dergleichen menschen, ebenso wie im mhd. lôs: die valschen und die lôsen, die die reht verbôsen mit ir listen kunden. Meier Helmbrecht 969; nhd.: und AbiMelech bestellet da mit (mit dem gelde) lose leichtfertige menner, die jm nachfolgeten. richt. 9, 4; und es samleten sich zu jm lose leute. 11, 3; so sprach aber Simei da er fluchte, er aus, er aus du bluthund, du loser man. 2 Sam. 16, 7; und stellet zween loser buben fur jn, die da zeugen, und sprechen, du hast gott und dem könig gesegenet. 1 n. 21, 10; zu schanden müssen sie werden, die losen verechter. ps. 25, 3; ein loser zeuge spottet des rechts, und der gottlosen mund verschlinget das unrecht. spr. Sal. 19, 28; du wollest deine magd nicht achten, wie ein lose weib. 1 Sam. 1, 16; und allerlei falsche zeugen gesucht, wie man noch solcher losen leute findet. Hennenberger preusz. landtafel (1595) 227; hie siehet man, was zu zeiten ein loser mensch für unlust anrichten könne. 230; Judas seye nie kein rechter jüde, sondern ein loser hallunke gewest. Ayrer proc. 2, 10; redlicher leute schelten, gilt für loser leute loben. Logau 1, 67, 70 überschrift; lose leut, welche fraszen, soffen, hurten, bubten, und solche dinge thäten, die gott endlich nicht durch menschliche, sondern mit eigenen händen strafte. Schuppius 141; unterdessen schreit der lose dieb (ein junge, welcher strafe bekommt), als steckte er an einem spiesze. Chr. Weise erzn. 147 Braune; der lose knecht, der er immer war. Kant 6, 387; schon von der schule her war er für einen losen buben bekannt. erwachsene mädchen führten klagen über seine frechheit, und die jungen des städtchens huldigten seinem erfinderischen kopfe. Schiller 706b; man weiszt jhr teüfelswerk und trug, die losen buoben seind nicht werdt, das man die zung mit jhn beschwärdt. Fischart secten- u. kuttenstreit 279; ich sprach: das seind losz kuttenflegel, das sie Franciscum und sein regel hie erst zuo eim zankeisen machen. 315; ihr losen schelmen allgemein treibet so grosze büberei. L. Sandrub kurzweil 182; so kom doch, herr, der losen schmaichler schar, weil es zeit, auszzurotten. Weckherlin 43; gewisz wem eine stadt ist gänzlich anvertrauet, und er den besten raht nicht zu ergreifen schauet, rührt nur die zunge nicht aus bloszer furcht allein, der dünkt mich ietzt und stets ein loser mensch zu sein. Opitz 1, 170; (wohl ihm) der sich getrost auf gott und sich selbst steifen kan, und sehen unverwand den grimmen eifer an, den an der losen welt der böse himmel übet. Fleming 60; lose buben können wol unsern stein der allzeit stille lieget werfen koth und schlammes voll. v. Gersdorf bei Gryphius 1698 2, 499; o Reineke, falscher verräther! loses geschöpf! Göthe 40, 29; der könig sprach das urtheil selber. da schwebte dem losen verbrecher, als sie ihn fingen und banden, sein klägliches ende vor augen. 63; falsch und behende, lose und tückisch kennen wir ihn. 151. II@66) bisweilen auch in einem abgeschwächteren sinne, von menschen, die niedrig stehen, etwa wie schnöde, verächtlich, erbärmlich: die kinder loser und verachter leute, die die geringsten im lande waren. Hiob 30, 8; die münch haben meinen bruder mit falschen worten hindergangen, dasz er den ritterlichen orden verschmähet hat, und ein loser münch worden ist. buch d. liebe 274d; denn er (S. Peter) ein loser fischer war. L. Sandrub kurzweil 69; ich dörft dir wol den kreben schlagen an deinen kopf, du loser pfaff. 74; den die säu vor hörten nicht wann er sie stall-ein getrieben, der hat fürsten jetzt vernicht. denn es gieng ein loser mann ofters einen beszren an. Logau 2, 244; von gegenständen, in der anrede: o, ihr lose, boshafte gestirne! Schiller räuber 5, 2; und auszerhalb derselben: hie disen losen leib (sprach sie) stich durch mit macht, der disen wühterich in dise welt gebracht. Weckherlin 801; betrübt, dasz an der losen leidigen wand, nicht auch ein götterbildnis stand. Göthe 2, 200; in einer allgemeinen fügung, wie böse, übel: Rosella, o du schöne rose, ein wurm ist in dir; das ist lose! Logau 3, 166, 65. auch in der Oberpfalz heiszt los (für lose, wie bös für böse steht) übel, schlimm, schwer. Schm. 1, 1518 Fromm.; ebenso im Hanauschen los, comparativ löser, schlimm, übel. Vilmar 253. II@77) lose, in der bedeutung weiter gemildert, und nicht mehr in streng tadelndem sinne, mehr wie leichtfertig, zu schelmereien geneigt, durchtrieben: als er noch klein war, der vetter, da sei er ein loser schelm gewesen, da hätts geheiszen: der verdirbt nicht, der wird seinen weg schon machen! Schiller parasit 2, 7; der hausfreund hat viel gute freunde am Rhein auf und ab, .. unter andern ein paar lose. Hebel 3, 7; das lose volk hatte einen strohmann angefertigt. Scheffel Ekkeh. 153; wohl dir! dein kleiner busen kennt den flitterprunk der welt und Amorn nicht, den losen gott, der schlaue netze stellt. Hölty 122 Halm; hat, Aurora, dich auch Amor, der lose verführt? Göthe 1, 278; ein loser vogel kann auf einen eigentlichen vogel gehen: Amorn, den losesten aller vögel, zierten ein paar regenbogenfarbene schwingen. er .. ist unstreitig ein vogel! 14, 107; und seht die schönen vögel, sie stehen zum verkauf. zuerst beseht den groszen, den lustigen, den losen! 1, 43; ich meint, es hab durchstrichen ein loser vogel den hag. Uhland ged. 227; meist ist die bezeichnung auf menschen gewendet: o hätte ich das geld versoffen (anstatt es mit gesellen zu verspielen) ... so musz ich mit dürrem halse davon gehen, und habe nicht so viel darvon, dasz die losen vögel mir gedankt hätten. Chr. Weise erzn. 34 Braune; ich war immer ein loser vogel; der fakir, mein hofmeister, ... hatte seine liebe noth mit mir. Wieland 6, 212; bisweilen thut auch ein loser vogel dem visitator einen schabernack an. Hebel 3, 9; den losesten vogel scheucht er heute, der ihm gärtchen und nichte bestiehlt. Göthe 1, 284; ein loser streich, ein loser gedanke; wie oft hat ein nicht übel gemeinter loser einfall feindschaften erweckt und nachtheile befördert. Herder zerstr. bl. 2, 166; spiele nur immer deine losen tänze, flüchtiges dunstkind (irrwisch). Stolberg 1, 1; umkränzt von rosen, wunderlich umgaukelt vom losen zauberspiel der amoretten. Göthe 9, 131; ein loses leben: wie viele ihrer dichter haben nicht in der jugend ein loses und rauschendes leben geführt. 26, 215; ja, das war schon ein ander ding! alles da lustiger, loser ging, soff und spiel und mädels die menge! Schiller Wallenst. lager, 6. auftr. II@88) lose endlich auf junge mädchen bezogen, wo nur noch das anmuthig-schelmische hervorgehoben wird, wie im mhd. lôs: dô man si lopte alsô reine unde wîse, senfte unde lôs; dar umbe ich si noch prîse. minnes. frühl. 122, 26; nhd.: du loses kind, du hast mir mein herz genommen! Chr. Weise kl. leute 219; keinen seitensprung, lose! (Lady zu Luise). Schiller kab. u. liebe 4, 7; allein je reizender die losen mädchen sind, um desto weniger kann man ihr herz erwerben. Gellert 1, 80; euch, lose mädchen, hör ich sagen: du bist ja alt, Anakreon. Lessing 1, 69; du trauest den losen, sie lachen und stoszen ganz freundlich den dolch in das herz uns hinein! Stolberg 1, 123 (die mädchen); und an diesem zauberfädchen, das sich nicht zerreiszen läszt, hält das liebe lose mädchen mich so wider willen fest. Göthe 1, 78; ebenso auf ihre reize, ihr treiben: (den jüngling) dem ihr loses auge lacht. Zachariä poet. schriften 2, 291; du sollst mir fein mit küssen die losen lügen büszen. Lessing 1, 52; als Chloens lose hand den blumenkranz um seine stirne wand. Wieland 9, 102; dort warfst du mir mit loser hand die beeren in den mund. Stolberg 1, 75; das eitle flittermädchen vergasz bei dir des fächerspiels, des losen winks, und aller ihrer mädchenkunst. Voss 3, 39; vgl. mhd.: ach herre got, wie rehte lôs, sach ich von ir ein lachen. minnes. 2, 21b Hagen; auch mit mild tadelndem anklang: o du loses leidigliebes mädchen, sag mir an, womit hab ichs verschuldet ... Göthe 2, 102.
19148 Zeichen · 284 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    loseSb.

    Köbler Ae. Wörterbuch

    lose , Sb. nhd. Gesträuch? ÜG.: lat. fructetum Gl Q.: Gl E.: Etymologie unbekannt L.: Bosworth/Toller 646b

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    lôseswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    lôse swv. 1. thue freundlich, freue mich. kallende unde kôsende, smeichende unde lôsende Trist. 19248. si sâʒen unde kôs…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    loseSb.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    lose , Sb. nhd. Gesang? E.: Herkunft ungeklärt? L.: Lü 210b (lose)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Lose

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Lose , -r, -ste, adj. et adv. welches die Bedeutungen der Wörter los, leicht und liederlich in sich zu vereinigen schein…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    lose

    Goethe-Wörterbuch

    lose vereinzelt ‘loose’, einmal ‘loße’ 29,225,6 DuW Schema Plp ; vereinzelt apokopiert ‘los’; auch komp, superl u subst;…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Lose

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Lose , oberdeutscher Ausdruck für Mutterschwein; übertragen: ein unzüchtiges Weib.

  7. modern
    Dialekt
    Losef.

    Mecklenburgisches Wb. · +8 Parallelbelege

    Lose f. a. Spr. Losung, Schlachtruf: 'dar he denn balde gefrodet, wat de klocke geslagen und ere lose gewesen ys' Gry. S…

  8. Sprichwörter
    Lose

    Wander (Sprichwörter)

    Lose Je loser, je boser. – Eiselein, 434.

  9. Spezial
    lose

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    lo|se adj. 1 (locker) löcher (löcri, löcra), lascé do 2 (ungebunden, z.B. Blätter) nia lié 3 desćiolé (-lá, -lada ). ▬ l…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit lose

94 Bildungen · 60 Erstglied · 30 Zweitglied · 4 Ableitungen

lose‑ als Erstglied (30 von 60)

Loseblattbuch

FiloSlov

Loseblattbuch , n книга , ж с нескреплёнными листами

losebrêf

LW

lose-brêf, Lösebrief, Urkunde über eine lose.

Losefund

GWB

lose·fund

Losefund sprechender Figurenname; auch ‘Herr L.’ 50,113 ReinF VIII 294 [ Zit s v Greifzu, Bd4,457,73 —75 ] 50,76 ReinF VI 107 Robert Charlie…

losegeknüpft

GWB

lose-geknüpft in modernen Ausgaben Getrenntschr im Bild [ Bootsfahrt Hilaries mit Flavio ] ein Stranden, ein Umschlagen des Kahns, Lebensgef…

loseggen

WWB

los·eggen

los-eggen V. auseinander eggen, mit der Egge lockern ( WmWb ).

lose II

RhWB

lose II im Unterschied von lose I geht l. II, auch in der Bed. deutlich geschieden, auf lôse zurück, u. lautet demnach lō:s, –ū:-, –o·u.-, –…

loseilen

GWB

lose·ilen

loseilen ‘auf jdn od etw l.’: rasch auf jdn/etw zulaufen, -gehen, -marschieren; meist in Vbdg mit emotionaler Erschütterung, mit gewaltsamer…

loseisen

Pfeifer_etym

lose·isen

Eis n. ‘gefrorenes Wasser’, ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. īs, mnl. nl. ijs, afries. īs, aengl. īs, engl. ice, anord. īss, schwed. is. Für…

Lōsejr

WWB

lose·jar

Lōse-jar n. [verstr.] Jahr der Musterung, der Einberufung (WmWb ). In der Loosejaorn is he all west (WmWb ).

Lōsejunge

WWB

lose·junge

Lōse-junge m. junger Mann, der bei der militärischen Ziehung das Los ziehen musste ( Wal Ro).

Losekugel

Campe

lose·kugel

○ Die Losekugel , Mz. — n , Kugeln, deren man sich bedient, etwas durch das Los zu bestimmen (Balottir kugel).

Losemen

RhWB

lose·men

Losemen lǫsəmən Gummb-Stdt Sg. t. m.: Laufbrunnen (gedeutet als ‘loser Mund’).

Losemếnt

Adelung

lose·ment

† Das Losemếnt , des -es, plur. die -er, ein nur in den niedrigen Sprecharten übliches und aus dem Franz. Logement verderbtes Wort, eine Woh…

Losementkraug

MeckWB

Losementkraug m. Gastwirtschaft: 'in den LosamentkrOegen' Gry. Lb. 1, Dd 4 a .

losen I

SHW

losen I Band 4, Spalte 387-388

losen II

SHW

losen II Band 4, Spalte 389-390

Losenborn

SHW

Losen-born Band 4, Spalte 389-390

Losenstall

SHW

Losen-stall Band 4, Spalte 389-390

losenære

Lexer

losen·aere

losenære , losener stm. s. v. a. losære von einem vb. losenen ( vgl. lusemen, lusenen) Freid. 118,25 var. Basl. rechtsqu. 1,130. Gr.w. 3,523…

Losenborn

PfWB

losen·born

Losen-born m. : FlN, amtl. Losenborn [ NW-Gimmdg ]; a. 1534: bey dem lohsenborn [StArch. Stadtgrenzbegehung (NW-Deidh)]. Südhess. IV 389 . —

lose als Zweitglied (30 von 30)

allôse

MNWB

+ allôse , allosa, alausa eine Art Maifisch, clupea alosa, (auch roppe, bressem glossiert).

bîlôse

MNWB

bîlôse (s. lôse), f. , Losung. (Hd. losunge).

²blādelôs(e)

MNWB

blade·lose

2 blādelôs(e) „crassula minor, stênpēper ” ; auch durch Verwechslung „semperviva” (Sempervivum tectorum Hauswurz, Donnerkraut) , Sedum acre,…

herbstzeitlose

DWB

herbst·zeitlose

herbstzeitlose , f. colchicum autumnale. Nemnich 2, 1101 : verblüht schon war die rose, die nachtigall geflohn; die ernste herbstzeitlose st…

hōvetlose

KöblerMnd

hōvetlose , F. Vw.: s. hȫvetlȫse

kirchlose

DWB

kirch·lose

kirchlose , f. eine gewisse abgabe die eine kirche jedes vierte jahr an den bischof zu zahlen hatte, s. Haltaus 1088 , vgl. mhd. lœse wb. 1,…

meisterlose

DWB

meister·lose

meisterlose , f. meisterlose art: meisterlose, maszleidige, delicatissimum fastidium. Maaler 287 d ; meisterlose, verwente art, delicium, de…

mügelose

KöblerMhd

mügelose , st. F. Vw.: s. mügelōse

pirnerlôse

MNWB

° pirnerlôse , pl. : eine Münzsorte, „solidos qui vocantur pirnerlose ” (Arch. Gesch. Ndrh. 6, 127).

rantglôse

MNWB

rant·glose

*° rantglôse , f. : auf die freie Fläche außerhalb des Schriftspiegels gesetzte Anmerkung, Marginalie (Oldecop 127).

Rechtlose

DRW

recht·lose

Rechtlose, m. Person, welche rechtlos (I) ist wel rehtloser ein messer treit, dem sol man die stat ein jar verbieten um 1340 Alemannia 34 (1…

rôkelôsen, lôse

MNWB

rokelosen·lose

rôkelôsen, -lôse , adv. : 1. gewissenlos , frevelhaft, „ Rokelos wilde van ghemote dissolutus animo” (Voc. Strals. ed. Damme), „scelestus” (…

Sendlose

DRW

send·lose

Sendlose, f. wie Sendgeld bdv.: 1Kirchlose assignamus [zwei Pröpste] septem marcarum et dimidie denariorum Hervorde usualium proventus de de…

tentlose

KöblerMnd

tent·lose

tentlose , F. Vw.: s. teindelȫse* L.: Lü 402b (tentlose)

tîdelôse

MNWB

tide·lose

tîdelôse , tîte- , f. ( Pl. -n ): 1. Herbstzeitlose, colchicum autumnale L., „hermodactilus” (SL 4, 540: Voc. Engelh.), „Hermodactylus, Wisc…

treulose

DWB

treu·lose

treulose , f. , perfidia, untreue, vertrauensbruch, wortbruch. im 16. jh. oft bezeugt: perfidia trewlasz (1421) Diefenbach nov. 287 b ; und …

tuberkulose

DWB

tuberkulose , f. , name der durch tuberkelbazillen hervorgerufenen krankheiten, insbesondere der lungenschwindsucht (lungentuberkulose); kün…

warlôse

BMZ

war·lose

warlôse stf. wahrlosigkeit, unachtsamkeit. daʒ der brant âne sîne warlôse zu komen sî Kulm. r. 5,3.

zeitlose

DWB

zeit·lose

-lose , f. , 1) eine frühlingsblume, a) crocus ( c. luteus; s. K. E. H. Krause nd. jb. 15, 48 ), gelbe narcisse ( narcissus pseudonarcissus:…

ūtlose

KöblerMnd

ūtlose , F. Vw.: s. ūtlȫse*

Ableitungen von lose (4 von 4)

Gelose

Campe

Gelose , des — s , o. Mz. s. Ge — 2. 2).

Unlose

Campe

Unlose , adj . u. adv . nicht lose.

urlôse

Lexer

ur-lôse stf. BMZ erlösung. unser urlôse ist getân Diem. 329,21 ;

verlôse

BMZ

verlôse swv. sein trew die ist verpôset, verlôgen und verlôset erheuchelt Suchenw. 21,138.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „lose". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/lose/dwb?formid=L06834
MLA
Cotta, Marcel. „lose". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/lose/dwb?formid=L06834. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „lose". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/lose/dwb?formid=L06834.
BibTeX
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  urldate      = {2026-05-10},
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