lose,
adj. und adv. in mehrfachem sinne. II.
Formelles. I@11)
das adj. los sp. 1156
ff., welches, wie sp. 1157
betont, seine hauptverbreitung im niederdeutschen und noch im mitteldeutschen sprachgebiete hatte, war im oberdeutschen in beschränkterem gebrauch, indem es im eigentlichen sinne attributiv nur als zweites glied von zusammensetzungen stand, und auch prädicativ nicht häufig vorkam. wol aber hatte es bereits im ahd. eine übertragene bedeutung entwickelt, die auch ags. und altsächs. vorhanden, und die sich im mhd. verbreitet, wie sie ebenso mnl. und mnd. dauert, lôs
in ethischem sinne, der tugend ledig: verumtamen vani fili hominum. aber doch uppige sint menniscon sune. uuellent ir iuh ze in fersehen, danne gesehent ir sie lôse, got ist aber tugedig. Notker
ps. 61 (
bei Hattemer 2, 209
b); und ob ein lôser vâre mîn, dâ wider sol ein guoter man sich selben in den zühten hâ
n. minnes. 1, 107
b Hagen; im mhd. tritt dazu die bedeutung locker auf, die, obwol im ahd. nicht nachgewiesen, gegen die eben erwähnte die ältere, weil sinnlichere ist, und die bis ins nhd. hinein dauert, vgl. los 9
sp. 1161.
zu beiden bedeutungen ist die adverbialform mhd. lôse,
ein ahd. lôso
voraussetzend. I@22)
von Mitteldeutschland her dringt lôs
in prädicativer stellung und im eigentlichen sinne vor, und es liegen die anfänge dieses vordringens wol schon vor dem 15.
jahrh. bestehen nun die alten oberdeutschen bedeutungen daneben fort, so gibt doch die völlig andere stellung, die diesen gegen jene eigen ist, veranlassung zur trennung auch der wortformen. dieselbe setzt bei der oberdeutschen adverbialform lose
im sinne von locker ein, indem sie diese adverbialform auch als attributives und selbst prädicatives adjectiv verwendet, und das wort dergestalt von jenem los
sondert. bereits im 15.
jahrh. läszt sich die geschilderte verwendung nachweisen: lose, als die braden des schweisz,
rarus. voc. inc. theut. n 2
b; lose werden,
rarefieri. ebenda; eben so ist sie bei Luther
vorhanden (
vgl. die beispiele aus Jes. 3, 24.
1 Sam. 1, 16
unten unter II, 1. 5),
doch aber zeigt sich im übrigen eine lange zeit des schwankens, in welcher man zum theil noch los
als adjectivform gefühlt hat, im unterschied von der adverbialform lose;
nur ist die dauer dieser zeit und die frage, wie weit verbreitet die lebendigkeit dieses gefühls gewesen sei, schwer zu entscheiden, weil die flectierten formen des attributiven adjectivs den unterschied verwischen. immerhin führt noch im 17.
jh. Schottel
den letzteren nicht auf: los,
liber, ledig, entfreit 1358, los, loser, ein loser mensch,
homo subtilis, astutus 1359,
und selbst Frisch 1, 622
b folgt ihm darin; während wieder Stieler los
liber 1177
von lose,
malus, perversus, vitiosus 1179
sondert, unter nachfolge der späteren, namentlich Steinbachs, Gottscheds, Adelungs, Campes.
in der modernen sprache ist lose,
locker, leichtfertig, von los
frei, durchaus unterschieden. I@33)
die steigerungsformen des adjectivs wurden ehedem mit umlaut gebildet, wie die vom mhd. lôs: ie lœser und ie lœser, ie bœser und ie bœser, sus stât ie der werlde sin. Freidank 51, 19; die ander mauer ist noch löser und untüchtiger. Luther 1, 291
b; von wegen der lösesten ursachen. 11
a; die allerleichtfertigsten, lösesten buben die man finden solte. 5, 234
a; solchs thun die allerlösesten hummeln, so die erde tregt. 6, 149
a; es gibt lose volk, das gerne säuft, noch löser volk, das so gerne verschleppt, und das allerlöste volk, das die flaschen gar mit einander behält. Chr. Weise
liebesalliancen 210.
solche umgelautete formen sind der neuern sprache ganz fremd. IIII.
Bedeutung. II@11) lose,
locker, unfest, von wenig zusammenhalt, zu dem adj. los 9
zunächst adverbialform: er nam auch samen aus demselbigen lande, und seet jn in dasselb gute land, da viel wassers ist, und satzt es lose hin.
Hes. 17, 5; und ob sie eine zeit lang an den zweigen grunen, weil sie gar lose stehen, werden sie vom winde bewegt.
weish. Sal. 3, 4; wer ein christ ist, der mus mit seinem glauben nicht so lose stehen. Luther 6, 226
b;
wie auch die spätere sprache das adv. lose
in der bedeutung leicht anrührend, leicht, verwendet: um das lose-geknüpfte band noch fester zu ziehen. Göthe 22, 99;
in allitterierender verbindung mit leise: und horch! und horch! den pfortenring ganz lose, leise, klinglingling! Bürger 14
a; er schlich, umgürtet mit waffen und wehr, so leise so lose, wie nebel, einher. 61
a;
dann aber auch als adjectivform (
wie das erste der folgenden beispiele ausdrücklich darthut),
zunächst in bezug auf alles gebundene und verknüpfte, eigentlich und bildlich: und wird stank fur gut geruch sein, und ein lose band fur ein gürtel.
Jes. 3, 24; die sich zusamen koppeln mit losen stricken. 5, 18; und hielten nicht, gleich wie ein loser bogen.
ps. 78, 57; der wirth mag die beste seide anderswo vernähet haben, nun ists kein wunder dasz ihm sein loses garn nicht halten will. Chr. Weise
kl. leute 36; die lose vereinigung der unter einander sehr verschiedenen völkerschaften. Schlosser
weltgesch. 4, 480; fälle, .. wo eine innige, unauflöslich scheinende verbindung zweier durch gelegentliche zugesellung eines dritten aufgehoben, und eins der erst so schön verbundenen ins lose weite hinausgetrieben ward. Göthe 17, 55; freilich sind diese fäden nur dünn und lose, aber sie gehen doch durchs ganze stück und halten zusammen, was sonst auseinander fiele. 19, 161; damit ja alles loser und lockerer stoff werde. 20, 250; ein leichtes, loses tagebuch. 29, 73; Karl, die ungarische pflaum hat ansehn; aber die zwetsch ist honiggelb inwendig und süsz auf der zunge wie honig. lose vom stein und am stengel gerunzelte wählen, ist regel. Voss
Luise 3, 1, 54;
in allitterierender verbindung mit leise: es wird immer weitere entfernung und endlich, wenns recht gut geht, leise, lose trennung werden. Göthe 29, 110; sie kroch, als kröt, aufs räuberschlosz, mit losem, leisem tritt. Bürger 25
a; dann abends eilt zu liebchens thür sein leiser loser schritt. Uhland
ged. 206;
ohne substantiv: das alles hielt ich fest und mein, nun aber lose, wird es dein. Göthe 41, 216; loses kraut,
lockeres pulver: schreie niemand victoria, wenn er'n alten rostigen musquedonner einmahl mit loosem kraut abgebrannt hat! Claudius 3, 97. II@22)
bisweilen in den begriff des freien, ungebundenen hinüber greifend, und hier näher an das adj. los
sp. 1157
anrührend: in der blonden locken loses schweifen waren junge rosen eingestreut. Schiller
die kindsmörderin; nun soll ich gar von haus zu haus die losen blätter alle sammeln. Göthe 1, 11;
in moralischem sinne: der losere zustand, in dem eine solche gesellschaft (
schauspieler) lebt, macht ihre genossen mehr mit der schönheit der unverhüllten glieder bekannt als irgend ein anderes verhältnis. 23, 23;
in den begriff frei, geschäftslos übergehend: man hatte immer etwas zu thun und zu kramen, wo sich nur ein müsziger loser augenblick zeigte. 29, 100. II@33) lose,
von dem sinne des unfesten zu dem des haltlosen, unwertigen, untauglichen sich wendend: das volk bawet die wand, so tünchen sie dieselben mit losem kalk.
Hes. 13, 10, diese wissen fur allen, das sie sündigen, wenn sie solche lose ding und bilder aus irdischem thon machen.
weish. Sal. 15, 33; und hieltens für ein lose heilosze narung mit schweisz und arbeit etwas erobern. Frank
weltb. 43
b; unser seele ekelt uber dieser losen speise (
ἐν τῷ ἄρτω τῷ διακένω τούτω). 4
Mos. 21, 5;
und danach: bis den leuten davon ekelt als vor einer losen speise. Wieland
in Mercks briefs. 1, 147; mir ekelt vor meinem manuscript so, wie vor einer losen speise. Hippel 14, 31; loses geld,
solches das nicht gilt, keinen umlaufswert hat; und danach: nicht werde durch die lose sühnung der selbstgewählten abverdienung das himmelreich gekauft! Voss 5, 162;
in bezug auf worte und handlungen: jr rhümet ewer selb erwelet fasten seer hoch, aber es ist ein loses fasten, das ich wol möchte einem zerrissen und geflickten pelz vergleichen. Luther 6, 477
a; was gelüstet aber den heiligen geist solch ding zu reden? es ist ein lose historien, menschlich zu reden. 4, 54
b; wenn mans eben ansihet, sind es so lose fabeln, als hetten es eitel alte veteln gesagt. 59
b; lasse nun dis einfeltige und schlechte historien sein, das keinen schein hat, das die veter in solchen losen werken einher gehen. 185
a; das mag mir doch ja auch ein loser fauler grund sein. 321
a; ist denn kein rat mehr bei den klugen? ist ihre weisheit so lose?
Jer. 49, 7; es ist nichts dran! sein lose mär! es hat mir heint zu nacht getreumt. B. Waldis
Esop 4, 32, 36; er will nicht mährchen über mährchen häufen, die reizend unterhalten und zuletzt wie lose worte nur verklingend täuschen. Göthe 9, 112; zum streit bin ich gekommen, zu losem schwatzen nicht. Scheffel
Ekkeh. 378 (
Waltharilied). II@44) lose,
nichtsnutzig, böse, sittenlos, von worten und handlungen; eine bedeutung, die sich der des mhd. lôs
anschlieszt: giht des diu herzogîn für prîs, ob mîn bruoder mir mîn amîs sleht durch ir lôsen rât?
Parz. 711, 19; si sint mit lôsen worten palt, ir triegen ist vil manicvalt. Lichtenstein 645, 5; sol ein weiser man so aufgeblasen wort reden, und seinen bauch so blehen mit losen reden?
Hiob 15, 2; wöllen die lose wort kein ende haben? 16, 3; meide die ungeistliche lose geschwetz, und das gezenk der falsch berümpten kunst.
1 Tim. 6, 20; des ungeistlichen losen geschwetzes entschlahe dich. 2
Tim. 2, 16; der nicht lust hat zu loser lere.
ps. 24, 4; ich hasse die da halten auf lose lere. 31, 7; (
sie) verfüren mein volk mit jren lügen und losen teidingen.
Jer. 23, 32; denn schlechte lose gewonheit zu artikel des glaubens machen, das ist gewisse abgötterei. Luther 6, 324
b; gib mir den lohn, oder mein schäferstab und dein ohr sollen ein ding sein. uber solche lose wort unnützer buben klagt Hiob. Schuppius 169; die meisten lehnen sich gegen mich auf, und geben mir lose worte, wann ich, aus befehl des rahts, ihnen den gifttrunk überreiche. Hoffmannswaldau
sterb. Socr. 147; und da habe er dem gegentheil die unkosten erstatten, auch oft wegen vergossener losen worte hauptsächlich in die büchse blasen müssen. Chr. Weise
erzn. 94
Braune; bei einem herrn wolle mancher nicht ein loses wort einfressen, da er doch alle beförderung von ihm zu gewarten hätte. 96; das jr nit denkt, es sei umb sunst ein gdicht und losz betriegerei. B. Waldis
Esop 4, 66, 121; wie man keinen klaget, der nach losen händeln ringt, und nach unglück selber jaget, wenn ihn solches nun umbringt. Soltau
volksl. 521 (
von 1692); ein mann, der lose künste trieb, comödien und verse schrieb, er war, wie ich mit recht behaupte, ein neuling und ein bösewicht. Gellert 1, 19; und jeder hieng der richter dann ein loses wort für ihren hahnrei
an. Lessing 1, 120;
auch von den werkzeugen des sprechens: dieses weib hat eine lose zunge; einer rühmte sich, als wär er wegen seines losen mauls allenthalben im beruf. Chr. Weise
erzn. 206
Braune; dein loses maul, dein böses gewissen verführen dich zu solchem geschwätz. Göthe 8, 246; muszte sein vater doch auch, den euer vater begünstigt, viel von losen mäulern erdulden, und falschen verklägern. 40, 153. II@55) lose,
von dergleichen menschen, ebenso wie im mhd. lôs: die valschen und die lôsen, die die reht verbôsen mit ir listen kunden.
Meier Helmbrecht 969;
nhd.: und AbiMelech bestellet da mit (
mit dem gelde) lose leichtfertige menner, die jm nachfolgeten.
richt. 9, 4; und es samleten sich zu jm lose leute. 11, 3; so sprach aber Simei da er fluchte, er aus, er aus du bluthund, du loser man. 2
Sam. 16, 7; und stellet zween loser buben fur jn, die da zeugen, und sprechen, du hast gott und dem könig gesegenet. 1
kön. 21, 10; zu schanden müssen sie werden, die losen verechter.
ps. 25, 3; ein loser zeuge spottet des rechts, und der gottlosen mund verschlinget das unrecht.
spr. Sal. 19, 28; du wollest deine magd nicht achten, wie ein lose weib.
1 Sam. 1, 16; und allerlei falsche zeugen gesucht, wie man noch solcher losen leute findet. Hennenberger
preusz. landtafel (1595) 227; hie siehet man, was zu zeiten ein loser mensch für unlust anrichten könne. 230; Judas seye nie kein rechter jüde, sondern ein loser hallunke gewest. Ayrer
proc. 2, 10; redlicher leute schelten, gilt für loser leute loben. Logau 1, 67, 70
überschrift; lose leut, welche fraszen, soffen, hurten, bubten, und solche dinge thäten, die gott endlich nicht durch menschliche, sondern mit eigenen händen strafte. Schuppius 141; unterdessen schreit der lose dieb (
ein junge, welcher strafe bekommt), als steckte er an einem spiesze. Chr. Weise
erzn. 147
Braune; der lose knecht, der er immer war. Kant 6, 387; schon von der schule her war er für einen losen buben bekannt. erwachsene mädchen führten klagen über seine frechheit, und die jungen des städtchens huldigten seinem erfinderischen kopfe. Schiller 706
b; man weiszt jhr teüfelswerk und trug, die losen buoben seind nicht werdt, das man die zung mit jhn beschwärdt. Fischart
secten- u. kuttenstreit 279; ich sprach: das seind losz kuttenflegel, das sie Franciscum und sein regel hie erst zuo eim zankeisen machen. 315; ihr losen schelmen allgemein treibet so grosze büberei. L. Sandrub
kurzweil 182; so kom doch, herr, der losen schmaichler schar, weil es zeit, auszzurotten. Weckherlin 43; gewisz wem eine stadt ist gänzlich anvertrauet, und er den besten raht nicht zu ergreifen schauet, rührt nur die zunge nicht aus bloszer furcht allein, der dünkt mich ietzt und stets ein loser mensch zu sein. Opitz 1, 170; (
wohl ihm) der sich getrost auf gott und sich selbst steifen kan, und sehen unverwand den grimmen eifer an, den an der losen welt der böse himmel übet. Fleming 60; lose buben können wol unsern stein der allzeit stille lieget werfen koth und schlammes voll. v. Gersdorf
bei Gryphius 1698 2, 499; o Reineke, falscher verräther! loses geschöpf! Göthe 40, 29; der könig sprach das urtheil selber. da schwebte dem losen verbrecher, als sie ihn fingen und banden, sein klägliches ende vor augen. 63; falsch und behende, lose und tückisch kennen wir ihn. 151. II@66)
bisweilen auch in einem abgeschwächteren sinne, von menschen, die niedrig stehen, etwa wie schnöde, verächtlich, erbärmlich: die kinder loser und verachter leute, die die geringsten im lande waren.
Hiob 30, 8; die münch haben meinen bruder mit falschen worten hindergangen, dasz er den ritterlichen orden verschmähet hat, und ein loser münch worden ist.
buch d. liebe 274
d; denn er (
S. Peter) ein loser fischer war. L. Sandrub
kurzweil 69; ich dörft dir wol den kreben schlagen an deinen kopf, du loser pfaff. 74; den die säu vor hörten nicht wann er sie stall-ein getrieben, der hat fürsten jetzt vernicht. denn es gieng ein loser mann ofters einen beszren
an. Logau 2, 244;
von gegenständen, in der anrede: o, ihr lose, boshafte gestirne! Schiller
räuber 5, 2;
und auszerhalb derselben: hie disen losen leib (sprach sie) stich durch mit macht, der disen wühterich in dise welt gebracht. Weckherlin 801; betrübt, dasz an der losen leidigen wand, nicht auch ein götterbildnis stand. Göthe 2, 200;
in einer allgemeinen fügung, wie böse, übel: Rosella, o du schöne rose, ein wurm ist in dir; das ist lose! Logau 3, 166, 65.
auch in der Oberpfalz heiszt los (
für lose,
wie bös
für böse
steht)
übel, schlimm, schwer. Schm. 1, 1518
Fromm.; ebenso im Hanauschen los,
comparativ löser,
schlimm, übel. Vilmar 253. II@77) lose,
in der bedeutung weiter gemildert, und nicht mehr in streng tadelndem sinne, mehr wie leichtfertig, zu schelmereien geneigt, durchtrieben: als er noch klein war, der vetter, da sei er ein loser schelm gewesen, da hätts geheiszen: der verdirbt nicht, der wird seinen weg schon machen! Schiller
parasit 2, 7; der hausfreund hat viel gute freunde am Rhein auf und ab, .. unter andern ein paar lose. Hebel 3, 7; das lose volk hatte einen strohmann angefertigt. Scheffel
Ekkeh. 153; wohl dir! dein kleiner busen kennt den flitterprunk der welt und Amorn nicht, den losen gott, der schlaue netze stellt. Hölty 122
Halm; hat, Aurora, dich auch Amor, der lose verführt? Göthe 1, 278;
ein loser vogel
kann auf einen eigentlichen vogel gehen: Amorn, den losesten aller vögel, zierten ein paar regenbogenfarbene schwingen. er .. ist unstreitig ein vogel! 14, 107; und seht die schönen vögel, sie stehen zum verkauf. zuerst beseht den groszen, den lustigen, den losen! 1, 43; ich meint, es hab durchstrichen ein loser vogel den hag. Uhland
ged. 227;
meist ist die bezeichnung auf menschen gewendet: o hätte ich das geld versoffen (
anstatt es mit gesellen zu verspielen) ... so musz ich mit dürrem halse davon gehen, und habe nicht so viel darvon, dasz die losen vögel mir gedankt hätten. Chr. Weise
erzn. 34
Braune; ich war immer ein loser vogel; der fakir, mein hofmeister, ... hatte seine liebe noth mit mir. Wieland 6, 212; bisweilen thut auch ein loser vogel dem visitator einen schabernack
an. Hebel 3, 9; den losesten vogel scheucht er heute, der ihm gärtchen und nichte bestiehlt. Göthe 1, 284; ein loser streich, ein loser gedanke; wie oft hat ein nicht übel gemeinter loser einfall feindschaften erweckt und nachtheile befördert. Herder
zerstr. bl. 2, 166; spiele nur immer deine losen tänze, flüchtiges dunstkind (
irrwisch). Stolberg 1, 1; umkränzt von rosen, wunderlich umgaukelt vom losen zauberspiel der amoretten. Göthe 9, 131; ein loses leben: wie viele ihrer dichter haben nicht in der jugend ein loses und rauschendes leben geführt. 26, 215; ja, das war schon ein ander ding! alles da lustiger, loser ging, soff und spiel und mädels die menge! Schiller
Wallenst. lager, 6.
auftr. II@88) lose
endlich auf junge mädchen bezogen, wo nur noch das anmuthig-schelmische hervorgehoben wird, wie im mhd. lôs: dô man si lopte alsô reine unde wîse, senfte unde lôs; dar umbe ich si noch prîse.
minnes. frühl. 122, 26;
nhd.: du loses kind, du hast mir mein herz genommen! Chr. Weise
kl. leute 219; keinen seitensprung, lose! (
Lady zu Luise). Schiller
kab. u. liebe 4, 7; allein je reizender die losen mädchen sind, um desto weniger kann man ihr herz erwerben. Gellert 1, 80; euch, lose mädchen, hör ich sagen: du bist ja alt, Anakreon. Lessing 1, 69; du trauest den losen, sie lachen und stoszen ganz freundlich den dolch in das herz uns hinein! Stolberg 1, 123 (
die mädchen); und an diesem zauberfädchen, das sich nicht zerreiszen läszt, hält das liebe lose mädchen mich so wider willen fest. Göthe 1, 78;
ebenso auf ihre reize, ihr treiben: (
den jüngling) dem ihr loses auge lacht. Zachariä
poet. schriften 2, 291; du sollst mir fein mit küssen die losen lügen büszen. Lessing 1, 52; als Chloens lose hand den blumenkranz um seine stirne wand. Wieland 9, 102; dort warfst du mir mit loser hand die beeren in den mund. Stolberg 1, 75; das eitle flittermädchen vergasz bei dir des fächerspiels, des losen winks, und aller ihrer mädchenkunst. Voss 3, 39;
vgl. mhd.: ach herre got, wie rehte lôs, sach ich von ir ein lachen.
minnes. 2, 21
b Hagen; auch mit mild tadelndem anklang: o du loses leidigliebes mädchen, sag mir an, womit hab ichs verschuldet ... Göthe 2, 102.