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Krüppel

ahd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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15 in 13 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Krüppel

Bd. 11, Sp. 751
Krüppel, ein anormaler Mensch, dessen Gebrechen letztlich in Stellungs- und Gestaltsabweichung des Knochengerüstes besteht. Die meisten K. verkamen früher völlig durch Nichtausbildung und Nichtgebrauch ihrer geringen Kräfte, Verbitterung und Versumpfung, bei schlechter Behandlung oder zuweilen Verzärtelung, nicht selten auch dadurch, daß sie aus ihrem Elend eine Erwerbsquelle machten in Jahrmarktsbuden etc. Erst spät begann die systematische Fürsorge für K. Johann Edler v. Kurz in München begründete die zeitlich erste Krüppelfürsorgeanstalt in München 1832, Pastor Knudsen in Kopenhagen die sachlich höchststehende und zugleich die, welche am meisten Propaganda für die Sache gemacht, 1872 in Kopenhagen. In Deutschland bestehen jetzt reichlich 20 Anstalten mit über 1600 Plätzen: München (1832), Stuttgart, Ludwigsburg, Nowawes bei Potsdam (1886), Obersontheim (Württemberg), Reichenberg (Württemberg), Reutlingen, Cracau bei Magdeburg (1899), Kirchrode bei Hannover, Ketschendorf bei Fürstenwalde, Kreuznach, Dresden, Niederlößnitz, Stettin, Angerburg, Stellingen bei Altona, Rothenburg (Schlesien), Alt-Colziglow (Pommern), Bischofswerder (Westpreußen), Rostock, Marklissa, Blankenburg (Thüringen). Außer Deutschland ist die Fürsorge in den skandinavischen Ländern am besten und vielfach vorbildlich entwickelt. Alle deutschen haben sich zu einer zweijährigen Wanderkonferenz seit 1901 verbunden. Eine Krüppelanstalt hat eine dreifache Aufgabe: 1) Heilung oder Besserung der leiblichen Gebrechen durch Orthopädie, Chirurgie, Massage, Turnen, Hygiene, Bandagen, Protesen, Pflege. 2) Leibliche und geistige Erziehung nach den Grundsätzen der Pädagogik und Didaktik in ihrer Anwendung auf die besondern Verhältnisse. Dahin gehört vorbereitender Arbeits- und Handfertigkeitsunterricht schon während der Schuljahre. 3) Arbeitserlernung zum spätern Broterwerb. Solche Arbeiten sind für weibliche Zöglinge: Kleidermachen, Weißnähen, Putzmachen, Stricken etc. und häusliche Verrichtungen; für die männlichen: Schneiderei, Schuhmacherei, Schlosserei, Bandagenarbeit, Tischlerei, Buchbinderei; auch Ausbildung für Bureaus; daneben werden viele kleinere Arbeiten gelernt, als Stuhlflechten, Bürstenmachen etc., möglichst solche Arbeiten, die mehr Geschick als Kraft erfordern. Die Anstalten sind also Erziehungs- und Ausbildungsstätten, nicht Siechenhäuser, in denen die Gebrechlichen zeitlebens verpflegt werden. Nach einer begründeten Schätzung gibt es gegenwärtig in Deutschland unter 57 Mill. Einw. 320,000 K., darunter 67,000 Kinder. Von ihnen erhalten Tausende keinen Unterricht und reisen zum Proletariat heran. Daraus ist ersichtlich, wieviel für diese Unglücklichen getan werden muß. Es gibt nur eine Staatsanstalt (München), die übrigen sind Privat-, resp. meist Vereinsanstalten. Ob ihre Verstaatlichung zu erstreben ist, mag zweifelhaft sein, aber neben der Neugründung einiger ist der Ausbau der meisten notwendig, wozu staatliche Zuschüsse gegeben werden sollten. Damit hat man in Skandinavien die besten Resultate erzielt. Auch sollte man, wie bei den Blinden, Taubstummen, Idioten und Epileptischen, die öffentliche Versorgungs-, resp. Erziehungspflicht gesetzlich festlegen. Die meisten Anstalten werden durch die Kostgelder (ca. 400 Mk. im Jahr) sowie durch Liebesgaben erhalten. Besondere Anstalten für die Ausbildung Erwachsener sollten begründet werden, denn die gemeinsame Ausbildung von Kindern und Erwachsenen in denselben Anstalten unterliegt gewichtigen Bedenken. Auch besondere Siechenabteilungen sollten den Krüppelheimen für Kinder und für Erwachsene angegliedert werden. Vgl. Vulpius, Das Krüppelheim (Heidelb. 1902); Zabel, Mecklenburgs Krüppelfürsorge (Rostock 1903); Krukenburg, Über Anstaltsfürsorge für K. (Langensalza 1903); Kägi, Zur Krüppelpflege (Basel 1903); Rosenfeld, Krüppelschulen (Nürnb. 1904); »Jahrbuch der Krüppelfürsorge« (hrsg. von Schäfer, Hamb., seit 1900).
3913 Zeichen · 41 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    krüp(p)elmhd. st. m.

    Althochdeutsches Wörterbuch

    krüp ( p ) el mhd. st. m. , nhd. krüppel; as. krupil ( vgl. Gallée, Vorstud. S. 186, s. u. ), mnd. kropel, mnl. crepel, …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    krüppel

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    krüppel s. krüpel.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Krüppel

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Krüppel , des -s, plur. ut nom. sing. ein gebrechlicher Mensch, dessen Glieder entweder von Natur oder durch einen Z…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Krüppel

    Goethe-Wörterbuch

    Krüppel auch ‘Krüpel’; pl -ls B4,18,14 1 körperlich behinderter, versehrter Mensch; auch neben ‘Bettler’, ‘Tagedieb’, ei…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Krüppel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Krüppel , ein anormaler Mensch, dessen Gebrechen letztlich in Stellungs- und Gestaltsabweichung des Knochengerüstes best…

  6. modern
    Dialekt
    Krüppel

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Krüppel [Krìpl, Krepl allg. ] m. 1. verkrüppelter Mensch; krummer Baum; Rda. anhalte n wie e K. am Wëj Hf. 2. Schimpfwor…

  7. Sprichwörter
    Krüppel

    Wander (Sprichwörter)

    Krüppel 1. Auch die Krüppel und Lahmen müssen mit fort. Lat. : Herniosi in campum (sc. prodeunt). ( Sutor, 611; Philippi…

  8. Spezial
    Krüppel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Krüp|pel m. (-s,-) storpié (-iá) m. , cripl (-i) m. , invalid (-ig) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit krueppel

42 Bildungen · 38 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von krueppel 2 Komponenten

krup+pel

krueppel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

krueppel‑ als Erstglied (30 von 38)

krüppelbau

DWB

krueppel·bau

krüppelbau , m. krüppelhafter bau, bildlich: krüppelbau der politik. Forster 3, 262 . begriff und bild sind älter, Schönsleder g 7 a drückt …

krüppelbusch

DWB

krueppel·busch

krüppelbusch , m. verkrüppelter busch. Campe. es ist das nd. kröpelbusk, niedriges gesträuche Brem. wb. 2, 879, nl. kreupelbosch. vgl. krüpp…

Krüppelducht

Campe

krueppel·ducht

Die Krüppelducht , Mz. die — en , in den Böten oder Schluppen, eine lose Ducht, d. h. Querbank im Hintertheile derselben zuweilen auch jede …

krüppelei

DWB

krueppe·lei

krüppelei , f. subst. verb. zu krüppeln, niederd. kröpelije krüppelwerk, arbeit oder geschäft womit es nicht fort will Brem. wb. 2, 879, krö…

krüp(p)elen

AWB

krupp·elen

krüp ( p ) elen mhd. sw. v. , nhd. krüppeln. — Graff IV,588 s. v. crupel. ge-cruopelt: part. prt. Gl 3,384,56 ( Jd; zu unverschobenem gemini…

Krüppeler

RhWB

krueppe·ler

Krüppeler -ələr Sg. u. Pl. m.: 1. -øp- verkrüppelter Mensch Sol . — 2. -eb- misswachsener Baum, in der Form missratenes Backwerk, Brot aus T…

krüppelfuhre

DWB

krueppel·fuhre

krüppelfuhre , f. krüppeliges fuhrwerk und fuhre, bildlich: bettel- oder krüpelfuhre. J. Paul Tit. 1, 116 , in der 1. ausgabe aber kröpelfuh…

krüppelgasse

DWB

krueppel·gasse

krüppelgasse , f. coetus hominum effetorum, claudorum etc., wer in der krüppelgasz wohnet, der lernet gern hinken Aler 1247 b . von einer 'k…

krüppelgestalt

DWB

krueppel·gestalt

krüppelgestalt , f. : schreckenerregende krüppelgestalten, bei deren anblicke man sich fragen möchte: ist das ein menschenleib? hannov. mag.…

krüppelhaft

DWB

krueppel·haft

krüppelhaft , krüppelartig, verkrüppelt, nl. kreupelachtig. 1 1) eig.: Scapin, in krüppelhafter gestalt. Göthe 11, 125 ; solch ein bursch, d…

krüppelicht

DWB

krueppe·licht

krüppelicht , krüppelig , mutilus, krüplicht Steinbach 1, 942 , krüplicht an den füszen ders., krüpplig Frisch 1, 552 b ; ein krüpplichter k…

krüppelig

Pfeifer_etym

Krüppel m. ‘Körperbehinderter’, mhd. krüp(p)el stammt über md. kruppel, kropel aus asächs. krupil, mnd. krȫpel, kröppel, krēpel ‘mißgebildet…

krüppelkrumm

DWB

krueppel·krumm

krüppelkrumm , krumm wie bei einem krüppel: die rach', obwol sie geht auf krüppelkrummen füszen, kommt endlich doch herbei. Rachel 7, 506 .

krüppelleib

DWB

krueppel·leib

krüppelleib , m. krüppelhafter leib: er ( der sinn ) sucht nur den poetischen geist und findet ihn auch im poetischen krüppelleib. J. Paul a…

krüppelmatt

DWB

krueppel·matt

krüppelmatt , matt wie ein krüppel, ein erschöpfter: herzlos und krüppelmatt. Tieck ges. nov. 5, 148 .

Krüppelnuss

ElsWB

krueppel·nuss

Krüppelnuss f. Bed. wie Grübelnuss: Die (Frau) is t so bös, s i e bisst e K. uf Dunzenh.

Krüppelsfutte

RhWB

krueppel·s·futte

Krüppels-futte -vot Geilk , Heinsb f.: zu Fastnacht in Öl oder Fett gebackener Krapfen (Muze), in gewundener Form, zu einem Knoten verschlun…

Krüppelspill

Campe

krueppel·spill

Das Krüppelspill , des — es, Mz. die — e , eine Art kleiner Bratspille, welches auf manchen Kauffahrern hinter dem großen Maste stehet. Rödi…

Krüppelstrasse

Wander

krueppel·strasse

Krüppelstrasse Wer ênmâl in de Krüopelstrât wânt, kummt swâr weder rût. ( Süderdithmarschen. ) Wer einmal in der Krüppelstrasse wohnt, kommt…

krueppel als Zweitglied (1 von 1)

ehekrüppel

DWB

ehe·krueppel

ehekrüppel , m. homo conjugio debilis redditus: dasz du wider deinen willen copulirt worden wärest, wie ein arme jungfer an einen alten reic…

Ableitungen von krueppel (3 von 3)

Krüppele

ElsWB

Krüppele [Krepələ Bisch. Z. Ingw. ] n. 1. Krüppel. 2. kleiner Mensch, kleines Geschöpf.

verkrüppelen

ElsWB

verkrüpp e le n [fərkrìplə Horbg. M. Bf. Str. ] 1. zerdrücken, zerknittern, in unordentliche Falten bringen, was glatt sein soll: Papier, Kl…

verkrüppelung

DWB

verkrüppelung , f. körperliche misbildung: der mangel eines musikalischen gehörs, obgleich das blos physische unverletzt ist, da das gehör z…