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Kapitāl

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Kapitāl

Bd. 10, Sp. 589
Kapitāl, ein aus dem mittelalterlichen Latein stammendes Wort (Capitale = capitalis pars debiti), mit dem man zunächst den Hauptstamm (früher im Deutschen »Hauptgeld«) im Gegensatze zu den Zinsen, dann zinstragende Geldsumme überhaupt verstand. Der volkstümliche Sprachgebrauch hält heute noch vielfach an dieser Bedeutung fest, indem er nur die auf Ertrag angelegten Geldsummen als K. bezeichnet. I. Im Sinne der Volkswirtschaftslehre versteht man aber unter K. im Gegensatze zur Arbeit alle wirtschaftlichen Güter, die als Hilfsmittel der Produktion dienen. In diesem Sinne sind Roh- und Hilfsstoffe, Werkzeuge, Geräte, Maschinen etc. Kapitalien, wenn sie wirklich produktiv verwertet werden. Über die Frage, was K. ist, entscheidet demnach teils die Beschaffenheit des Gegenstandes, teils auch der Wille des Besitzers. In erweiterter Bedeutung nennt man auch Kapitalien alle Güter, die einer produktiven Anwendung fähig sind, und spricht insofern von totem, brach liegendem K., von der Kapitalverzehrung etc. Die meisten Kapitalgegenstände sind unter Mitwirkung menschlicher Arbeit entstanden. Man hat deshalb auch, indem man gleichzeitig die Kapitalgröße durch die auf die Erzeugung verwendete Arbeit bemessen wissen wollte, das K. schlechthin »angesammelte Arbeit« genannt. Doch ist die Gesamtheit der Arbeitsleistungen, aus denen ein Gut hervorgeht, keineswegs immer gleich der Summe, zu der wir letzteres beziffern. Auch können ohne menschliche Hilfe entstandene Naturobjekte als wertvolle Kapitalien Verwendung finden, wie z. B. Holz, landwirtschaftliches Gelände. Ob auch das Geld als K. im volkswirtschaftlichen Sinn anzusehen ist, ist streitig; die einen verneinen es, weil Geld kein eigentliches, unmittelbares Produktionsmittel sei, die andern bejahen es, weil es für Erhaltung des Tauschverkehrs und des ganzen Ganges der gesamten Produktion unentbehrlich sei. Oft spricht man auch in übertragenem Sinne vom Kapitalwerte des Menschen, indem man darunter die Summe seiner Erziehungs- und Bildungskosten begreift. Unter den in der Nationalökonomie üblichen Einteilungen des Kapitals sind die in stehendes und umlaufendes, Anlage- und Betriebskapital, die wichtigsten. 1) Stehendes und umlaufendes K. Unter umlaufendem K. versteht man diejenigen Kapitalgüter, die bei einmaliger Verwendung zur Produktion vollständig aufgebracht werden, indem sie entweder, wie die Rohstoffe, in andre verwertbare Formen umgewandelt (Flachs, Garn, Leinwand, Bekleidungsgegenstände, Lumpen, Papier, Zierat), oder indem sie, wie die Hilfsstoffe, ganz oder teilweise zum Zweck der Produktion aufgezehrt werden (Steinkohlen und Holz), Das stehende K. dagegen läßt sich wiederholt zu einer längern Produktionsreihe verwenden (Maschinen, Geräte). Diese Unterscheidung ist zunächst von Bedeutung für die Kostenrechnung. Das umlaufende K. ist seinem ganzen Betrag nach mit Einschluß der Zinsen, berechnet für die Dauer der Produktion bis zur Feilstellung des Produkts, im Preis des letztern zu ersetzen. Vom stehenden K. sind nur Zinsen und Abnutzung unter die Kosten zu stellen. Infolgedessen kann die privat- oder auch volkswirtschaftliche Umwandlung von umlaufendem K. in stehendes von Wichtigkeit für die Rentabilität werden. Sie bedeutet die Ersetzung vieler kleiner Ausgaben durch eine einmalige größere. Dazu ist das stehende K. oft weit leistungsfähiger und gibt zu vielen Ersparungen Veranlassung. Insofern sind wirtschaftliche Fixierungen, insbes. in Form der Maschinen (s. d.), ein gewaltiger Hebel für den Fortschritt und für die Steigerung unsrer Aufwandsfähigkeit. In einem etwas andern Sinne spricht A. Smith von stehendem und umlaufendem K. Nach diesem gehören zu ersterm die Dinge, die ihrem Besitzer, ohne ihn zu verlassen oder in andre Hände zu geraten, ein Einkommen abwerfen; das umlaufende K. aber wirkt erst dadurch für ihn werbend, daß er es weggibt. Hierher würden alle zum Verkauf bereiten Produkte, so auch Maschinen, gehören. 2) Die Einteilung in Anlage- und Betriebskapital deckt sich in der Hauptsache mit den Begriffen des stehenden und umlaufenden Kapitals. Man stellt sich dabei mehr auf den Standpunkt praktischer Wirtschaftsführung. Unter dem Anlagekapital versteht man die Gesamtheit derjenigen Güter, die zur Herstellung einer gewerblichen Anlage (im weitesten Sinn) erforderlich oder in einer solchen dauernd enthalten sind, also Grund und Boden, Gebäude, Dampfkessel, Maschinen etc. Den Gegensatz zu demselben bildet das Betriebskapital, unter dem man im Geschäftsleben (vom privatwirtschaftlichen Standpunkt aus) zumeist die Summe Geldes, bez. geldwerter Forderungen betrachtet, die für dauernde Unterhaltung des Geschäfts durchschnittlich verfügbar sein muß. In übertragener Bedeutung spricht man endlich auch von einem immateriellen K., im Gegensatze zum materiellen, wobei man unter letzterm die sachlichen Produktions- und Erwerbsmittel, unter ersterm Kenntnisse, Fähigkeiten, Rechte und Verhältnisse, z. B. festen Kundenkreis, Besitz einer renommierten Firma, versteht, die wirtschaftlich produktiven Wert haben. – Die wirtschaftliche Bedeutung des produktiven Kapitals beruht in der Sicherung der Produktionsmöglichkeit, indem das K. die zur Produktion nötigen Roh- und Hilfsstoffe und Werkzeuge enthält oder zu gewinnen ermöglicht, sodann in der Steigerung des Produktionserfolges, indem die verschiedenen Kapitalgüter die Produktion ergiebiger machen, die Produkte vermehren, verfeinern und verbilligen, endlich in der Wahrung des Produktionserfolges, wie er durch Schutzvorrichtungen zur Aufbewahrung und Konservierung der Produkte bewirkt wird. II. Scharf zu unterscheiden von der oben erwähnten, in der Volkswirtschaftslehre üblichen Auffassung des Begriffes K. ist die des Kapitals im historischrechtlichen oder privatwirtschaftlichen Sinn als Kapitalbesitz oder Erwerbskapital (Erwerbsvermögen), das als Stamm ökonomischer Machtmittel seinem Inhaber (dem Kapitalisten), auch wenn dieser sich nicht unmittelbar an der Güterproduktion beteiligt, Anteile an dem Gesamteinkommen in Form von Zinsen und Renten (Kapitalgewinn, s. d.) sichert und zwar auf Grund der sogen. kapitalistischen Produktionsweise, d. h. derjenigen, bei der Unternehmer, Grundbesitzer und Geldverleiher den Lohnarbeitern gegenüberstehen (s. Kapitalismus). Vgl. Hermann, Staatswirtschaftliche Untersuchungen (2. Aufl., Münch. 1870); Umpfenbach, Das K. in seiner Kulturbedeutung (Würzb. 1879); Rodbertus, Das K. Vierter sozialer Brief an v. Kirchmann (Berl. 1884); K. Marx, Das K. (Hamb. 1867 bis 1894, 3 Bde., Näheres s. Marx); v. Böhm-Bawerk: K. und Kapitalzins (Innsbr. 1884–89, 2 Bde.; 2. Aufl. 1900–02), dessen Artikel »K.« im »Handwörterbuch der Staatswissenschaften«, Bd. 5 (2. Aufl., Jena 1900) und Einige strittige Fragen der Kapitalstheorie (Wien 1900); Wittelshofer, Untersuchungen über das K. (Tübing. 1890); Jurnitschek, Über die wirkliche Entstehung der Kapitalien (Berl. 1897), und Literatur bei Artikel »Kapitalismus«.
6958 Zeichen · 94 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    kapital

    Althochdeutsches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    kapital s. kapitul.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    kapitâl

    Mittelniederdeutsches Wb.

    +* kapitâl Kapital, Vermögen (Hartich Sierk 182).

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    kapital

    Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer) · +1 Parallelbeleg

    Kapital n. ‘Vermögen, (zinstragende) Geldsumme’, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus ital. capitale ‘Wert, Grundsumme, Vermöge…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kapital

    Goethe-Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    1 Kapital neutr; überwiegend C-; NomPl meist -talien, vereinzelt -tale; rd 220 exzerpierte Belege mit Gebrauchsschwerpun…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kapitāl

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Kapitāl , ein aus dem mittelalterlichen Latein stammendes Wort ( Capitale = capitalis pars debiti ), mit dem man zunächs…

  6. modern
    Dialekt
    Kapital

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Kapital [Khàpitâl Str. ] n. grosse Summe. ‘Dis isch doch ken Kapital’ Rathgeber 32.

  7. Sprichwörter
    Kapital

    Wander (Sprichwörter)

    Kapital 1. Eigenes Kapital zinst. 2. Ein Kapital in der Kiste trägt keine Zinsen. 3. Es sind Kapital und Zinsen verloren…

  8. Spezial
    Kapital

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Ka|pi|tal n. (-s,-e) 1 ‹econ› capital (-ai) m. 2 ‹fig› (großer Wert) capital (-ai) m. ▬ die Zinsen zum Kapital schlagen …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kapital

96 Bildungen · 88 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von kapital 2 Komponenten

kap+ital

kapital setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

kapital‑ als Erstglied (30 von 88)

Kapitalanteil

DERW

kapital·anteil

Kapitalanteil, M., ›auf einen bestimmten Geldbetrag lautender Anteil eines Gesell- schafters an einer offenen Handelsgesell- schaft oder ein…

Kapitalbildung

LDWB2

kapital·bildung

Ka|pi|tal|bil|dung f. (-,-en) formaziun de capital f. ▬ freie Kapitalbildung formaziun de capitai privac f.

Kapitalbuchstaben

Meyers

kapital·buchstaben

Kapitalbuchstaben , die großen, oft verzierten Buchstaben am Anfang von Kapiteln. S. auch Initialen und Paläographie (mit Tafel I, Fig. 1).

kapitalen

RhWB

kapit·alen

kapitalen kaptā:lə MGladb schw.: ein Buch k., die Kante zwischen Schnitt u. Rücken anbringen; send die Böker kaptalt?

Kapitalertragsteuer

DERW

kapitalertrag·steuer

Kapitalertragsteuer, F., ›die Einkünfte aus Kapitalvermögen (Aktien bzw. be- stimmte verzinsliche Wertpapiere) erfassen- de Einkommensteuer …

Kapitalfehler

GWB

kapital·fehler

Kapitalfehler C- a Hauptfehler od -mangel; mit Bezug auf die (konzeptionelle) Kraftlosigkeit einer kunsthistorischen Darstellung Eben im Fio…

Kapitalgesellschaft

DERW

kapital·gesellschaft

Kapitalgesellschaft, F., ›Gesellschaft bei der die reine Kapitalbeteiligung im Vor- dergrund steht und es nicht wesentlich auf die Persönlic…

Kapitalgewinn

Meyers

kapital·gewinn

Kapitalgewinn , im allgemeinen der Gewinn, der aus einem Kapital (s. d.) durch Verleihung in Form von Zinsen (s. d.) oder bei eigner Verwend…

kapitalisieren

Pfeifer_etym

Kapital n. ‘Vermögen, (zinstragende) Geldsumme’, entlehnt (Anfang 16. Jh.) aus ital. capitale ‘Wert, Grundsumme, Vermögen in Geld, Reichtum’…

Kapitalisierung

Meyers

Kapitalisierung , die Umrechnung von zeitlich begrenzten oder ewigen Renten in eine auf einmal fällige Summe. Bei ewigen Renten geschieht si…

kapital als Zweitglied (7 von 7)

Frësskapital

Idiotikon

Frësskapital Band 3, Spalte 399 Frësskapital 3,399

Pfandkapital

DRW

pfand·kapital

Pfandkapital, n. zu Kapital (I) durch Pfand (I) gesichertes Darlehen wegen losgekundigten pandcapital und tinse 1666 LübOStB. 398 es seye ..…

Schatzungskapital

DRW

schatzung·s·kapital

Schatzungskapital, n. auch Schätzung- I Abgaben-, Steuersumme diese gemeind, welche jetztmals auf 1850 fl. schatzungscapital angelegt ist, i…

steuerkapital

DWB

steuer·kapital

steuerkapital , n. , der der steuerberechnung jeweils zu grunde gelegte wert: eine in 31 stufen von 0,8 bis 4 % des nach dem einkommensteuer…

Ableitungen von kapital (1 von 1)

Kapitāle

Meyers

Kapitāle (franz. Capitale , »Hauptlinie«), Hauptstadt eines Landes. In der Befestigungskunst die gerade Linie, die den ausspringenden Winkel…

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Cotta, M. (2026). „kapital". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kapital/meyers
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Cotta, Marcel. „kapital". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kapital/meyers. Abgerufen 10. May 2026.
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Cotta, Marcel. „kapital". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kapital/meyers.
BibTeX
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