Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
honic stN.
2 bildl. und im Vergleich exemplarisch für Süßes, Angenehmes, Gutes überhaupt,
1 allg.: die jungen [Bienen] vliegent auz ze würken und tragent ein honig und wahs BdN 289,31; daz guot honig ist goltvar ebd. 293,10 u.ö.; sin spise daz warn haüschrecken vnd hönich des waldes [ mel silvestre Mt 3,4] EvAug 4,14; da ze Knogel ein halbe hvbæ giltit ein eimber hoͮnigis UrbBayÄ 249; Spec 34,30; Barth 142,7; BenRez 18. – die harliz [Hornissen] und die websen habent kainen küng [...]. ir hong ist kaim mensch nütz BdN 300,27; mel atritum [l. atticum ] . id est humeln honic SalArz 36,20 (vgl. humbelhonec ). – bei Strafe bzw. Folter (zur Anlockung von Insekten, vgl. DRW 5,1537): als sie [diebische Knechte] sint geslagen, sô sal man sie smîren unde salben mit honege unz an den mittentac. darnâch sal man sie legen in die prisûne StatDtOrd 142,15. – ‘Honigtau’ (auch wildeʒ oder natûrlicheʒ ~ ): ez kümt auch ze stunden in dem sumer, daz hönig vellet von den lüften auf die paum und auf daz gras, und fliegent die peinen dar auf und sament daz BdN 87,22; dar zuo siht man [...] wildez hönich her ab vallen [vom Himmel] ebd. 74,31. 87,34; dû scholt auch wizzen, daz des nâtürleichen hönigs in unserr wonung wênig vellet ebd. 88,5; Philipp 2371. – im Vergleich ‘so groß wie das Verlangen des Bären nach Honig’ s. bër 2.4 2 bildl. und im Vergleich exemplarisch für Süßes, Angenehmes, Gutes überhaupt, häufig bitterer galle gegenübergestellt (vgl. 1galle 4 und ausführlich Friedrich, PhrasWB, S. 225f. mit weiteren Belegen): ich sihe die bittern gallen mitten in dem honige sweben Walth 124,36. 25,18; minne, [...] / dich solde wol verdriezen / din süez honic ze giezen / und mischen zuo der gallen Ottok 18176; swenne ez [das Glück] beginnet vallen, / der honic wirt ze gallen Renner 17284; dú galle ist honig worden in dem guͦme miner sele Mechth 4: 12,71. 5: 35,35; man gît vergift mit honic wol, / swenn uns diu süeze triegen sol WälGa 965; HvFreibTr 6626; AHeinr 152. – sprichw. von schmeichelnder, täuschender Rede: sú [Venus] hat honig in dem munde und gift in dem hertzen Seuse 435,5; si tragent honic in dem munde, / gift und gallen im herzen grunde Renner 14133. 14451. – im Sprichw. ‘bei Honig ist ein Haken’ s. angel stMF. 1.3 – im Zusammenhang einer auf das Göttliche bezogenen heiligen Süße (vgl. süeʒe): din [Mariens] suͤzcheit is dem honich glich MarlbRh 11,8; min [Gottes] geist ist suͤzer denne honig und min erbe úber honig und honigsein Seuse 223,7; got ist ein honing in dem munde Brun 9331; Tauler 26,28. 228,13; PrBerth 2:7,6; (vgl. noch Salzer, Sinnbilder, S. 488ff.). – im biblischen Bild für Überfluss: er bringit iuh wider heim / zuo deme guotin lante daz milichi jouch honiges ist fliezzente Gen 3029; honeges rinnet Geon, / milche rinnet Vison VEzzo 91; vgl. Konr 1,44. – Lit.: LexMA 5,117f.; zur Tradition der bildl. Verwendung vgl. E. Wimmer, Biene und Honig, Wien 1993
MWB 2 1677,50; Bearbeiter: Hansen