gülte,
gilte,
f. ,
zahlung; schuld; abgabe; einkommen; wert. form und verbreitung. 11)
aufs deutsche beschränkte -jō -
ableitung zur tiefstufe des verbums gelten,
vgl. Willmanns 2, 249;
neben gülte
ohne umlautbezeichnung gulte,
bes. obd. gulte (: enschulte) Stricker
Daniel 4049
R.; j. Titurel 1766; (1290)
Züricher urkdb. 6, 83;
ebenso md. gulte
weist. 6, 69
neben gulde
und gülde,
s. unten; bis zur mitte des 16.
jh. belegt, s. Knebel
chron. v. Kaisheim 80
lit. ver.; österr. weist. 10, 9, 4.
apokopiert gült
und gult,
vor allem obd.: meiner gulht (1293)
württemb. urkdb. 10, 196; gült (1347)
stadtrecht v. München 88
Auer; der gult (15.
jh.)
tirol. weist. 2, 211, 13;
[] in den modernen obd. maa. vorwiegend gült;
öfter auch auf md. gebiet: umbe gult (1330)
achtbuch von Eger 243
Siegl; rent und gült Luther 24, 8, 17
W.; gult (
um 1600)
bei Knothe
schles. ma. i. Nordböhmen 274.
vereinzelt erweichung des dentals: umbe deheine gülde
Schwabenspiegel 27
W.; von ... gülden und zinsen Aventin 4, 43, 6
L. nd. gulde
seit dem 13.
jh., vgl. Schiller-Lübben 2, 164
f. tins unde gulde
Sachsenspiegel 2, 1, 489
H.; schulde und gulde Schottel
teutsche haubtspr. 784;
ebenso md. im 14.
und 15.
jh.: die gulde (1326)
hess. urkdb. 2, 369;
bes. ostmd.: gulde K. v. Heinrichau 387
Gusinde; urkdb. v. Freiberg i. S. 3, 29 (14.
jh.);
Elisabeth 6806
Rieger. vereinzelt md. u. nd. gülde: gülde
neben gülte (13.
jh.)
Nürnberger polizeiordn. 16
lit. ver.; mit guylde (14.
jh.)
hansische geschichtsqu. 3, 112; gülde
bei Jelinek
mhd. wb. 336. 22)
neben den formen mit -ü-
und -u-
stehen solche mit -i-, gilte, gilt,
bes. schwäbisch: gilte (1282)
urkdb. d. stadt Freiburg i. Br. 1, 95
Schreiber; zwanzig viertel roggen gilts (1402)
bei Fischer
schwäb. 9, 914;
so heute auch mundartlich, s. Fischer 3, 915; gilten (
acc. plur.) L. Aurbacher
volksbüchlein (1835) 132;
auch elsässisch gilt Murner
narrenbeschwör. 95
ndr.; gilte (
dat. sing.) Wickram 1, 195
Bolte; kilt
bei Martin-Lienhart 1, 218
a und schweizerisch seit 1462
bei Staub-Tobler 2, 266
ff.; gildenvogt Ulr. Bräker
s. schr. 1 (1789) 53;
ebenso bair.: a. d. j. 1404, 1608
bei Lori
bergrecht 17
a; 436
b; güeter und gilten (16.
jh.)
österr. weist. 6, 353, 34; gilt
voc. 1618
bei Schmeller-Fr. 1, 909; mit starken gilten Äg. Albertinus
Lucifers kgr. 146
Liliencron; Steub
drei sommer 2, 357;
md.: gilte (15.
jh.)
bei Diefenbach
gloss. 488
b; di gilt J. Ayrer
dramen 5, 3181
Keller; gilte Haltaus 723;
Chomel (1750) 4, 1092;
vgl. auch die composita giltbar, giltbarkeit (
oben sp. 1074) giltbrief, -geber, -nehmer, -pflichtig, giltenregister, giltzeit (
unten sp. 1081
ff.)
bei md. autoren. gilde
neben gulde
bei Nic. v. Jeroschin 9413
Str. und 9149,
neben gülde
bei Stieler 658,
ebenda gildebrief, gildbar.
die dichte der -i-
formen vor allem in entrundungsgebieten (
schwäb. bair. md.)
läszt gilte, gilt
als secundär entrundetes gülte gult
erscheinen; da aber auch der entrundung abgeneigte gebiete an ihnen teilhaben (
Nürnberg, Schweiz),
bleibt auch j-
bildung von der e-
stufe des verbs zu erwägen; selbst rundung eines ursprünglichen gilte > gülte
und damit gegenseitige vermischung beider bildungen könnte stellenweise eingetreten sein. siehe auch gültig
und giltig
unten sp. 1084
ff. 33)
in der form gult, gült, gilt,
vielleicht unter einflusz von gelt, geld,
im alem. gelegentlich als stark flectiertes m. und n. gebraucht: das gült
Appenzeller landb. (1409)
bei Staub-Tobler 2, 287;
als n. noch in Wallis ebda 2, 285 (
die ansetzung gült
stn. Lexer 1, 1116
ist ein miszverständnis).
m.: ein gült ... der war 90 fl. reinisch (
Augsburg 15.
jh.)
chr. d. dt. städte 5, 75; umb ein zimblichen gult
bei Fischer
schwäb. 3, 914; Tobler
appenz. 332; güld, gült,
m., Rädlein
sprachsch. 1, 415
b;
m. oder n.: zwanzig viertel roggen gilts (1402) Fischer
schwäb. 3, 914; zum gmeinen gult (1633), mit dem fahrenden gült (1741)
bei Staub-Tobler 2, 287. —
die starke flexion des pl. vereinzelt wohl noch bis ins 16.
jh.: die frücht und gülte
N. v. Wyle
translationen 178
lit. ver.; ire anligende gült und güeter (1572
steir.)
österr. weist. 10, 200;
schwache flexion des pl. seit dem 14.
jh.: die gülten, die ich schuldig bin (1313)
bei J. A. Brandis
gesch. d. landeshauptl. v. Tirol 50; die gulten und die gueter (1480)
Zür. stadtb. 3, 229;
im pl. vereinzelt (
attrahiertes?) gülter: alle, die güter und gülter auf dem lande haben (1471)
in forschg. z. verfass.- und verwaltungsgesch. d. Steiermark 7, 30.
übernommen ins mittellat. als gulta
seit dem 13.
jh. du Cange 4, 138
a.
ins östl. mnl. im 14.
jh. als gulde Verwijs-Verdam 2, 2209. 44)
zuerst im mhd. seit anfang des 13.
jh.: Walther v.
d. Vogelweide 100, 26; Gotfrid v. Straszburg 355,
mit dem 17.
jh. allgemein zurücktretend, nur im alem. in einzelbedeutungen mundartlich lebendig geblieben; im schweizerischen von der rechtssprache bei der neuen civilgesetzgebung [] (1912)
wieder aufgenommen, vgl. Fr. E. Meyer
d. schuldrecht d. dtsch. Schweiz (1913) 6;
daneben seit der wende zum 19.
jh. mit archaischem klang in der geschichtsschreibung und historischen dichtung. bedeutung und gebrauch. AA. gülte
entspricht in der bedeutung im allgemeinen dem älteren und verbreiteteren gelt,
s. teil 4, 1, 2, 2889
ff. und bezeichnet wie dieses eine zu leistende zahlung oder abgabe, die sich von seiten des empfängers als eine einnahme darstellt, vgl. A 4.
dieses gegenseitigkeitsverhältnis beruht in der regel auf einer ständischen abhängigkeit oder rechtlichen verbindlichkeit verschiedener art. nur selten allgemeiner auszerhalb einer solchen besonderen beziehung, so als '
kaufpreis, bezahlung'
schlechthin: do si (
die brüder Josephs) kamen wider hein und ir korn entladin begunden, das si in ir secken fundin die gülte ... Rudolf v. Ems
weltchr. 7710
E.; als '
abschlagszahlung': (
für) ein erbe (
einen städtischen besitz) ... sal her (
der käufer) alle jor geben 10 (
preusz. mark) uf ostern, so lange bis her beczalt. die erste gulde czu geben uf ostern 1403
handelsrechn. d. dt. ord. 34
Sattler; als '
gegenleistung',
vgl.gelten 3 a
und c,
bildlich: ouch galt er (
der gegner) im die arbeit mit sô rîcher gulte, daz er in niht enschulte Stricker
Daniel 4059
Rosenh. innerhalb seines eigentlichen anwendungsgebiets, dem rechtlichen vorstellungsbereich, hat das wort fester umrissenen charakter. A@11) '
ersatz': wir ... globen (
geloben) ..., daz wir dez selben silbers im ... schuldic sin ze rechter gulte (1272)
urkdb. v. Basel 2, 52;
vgl. ndl. ghulde ende verset hebben van hueren scade (1348)
hans. urkdb. 3, 66.
besonders '
schadenersatz, genugtuung'
in der rechtsformel mit gulde unde (eder) mit rechte
u. ä., entsprechend der mlat. formel iure vel solutione respondere, vom nd. ausgehend: dem kleghere mach he (
der gegen ihn die waffe zog) beteren mit ghülde efte mit rechte (1346)
westf. stadtr. 1, 3, 10; schaden unde smaheit ... vorantworden mit guilde eder mit rechte (14.
jh.)
hans. gesch. qu. 3, 112 (
vgl. ebda 75; 82; 123);
in Gelderschen urkdd. s. Verwijs - Verdam 2, 2208
f.; vereinzelt hd.: dut, der da beklaget ist, nicht gülte oder recht (
wiederholt, im verfolg wechselnd mit gelt oder recht) (
a. d. j. 1327) Lehmann
chron. Spirens. (1698) 293
a. A@22) '
geldschuld',
vgl.geld 3 g,
vorwiegend fürs obd. bezeugt, lebendig bis ins 16.
jh., im schweizerischen noch heute, s. Staub-Tobler 2, 287;
der früheste beleg ist nicht einheitlich überliefert: frô Welt, dû solt dem wirte sagen, daz ich im gar vergolten habe: mîn grœste gülte ist abe geslagen, daz er mich von dem brieve schabe. swer ime iht sol, der mac wol sorgen. ê ich im lange schuldic wære, ich wolt ê zeinem juden borgen Walter v.
d. Vogelweide 100, 26
L., so in C
gegenüber gelt
in A; (
im ablaszjahr Moses' sollte) ... nieman sinir gülte gern an sinin genoz Rudolf von Ems
weltchr. 15423
E.; ez ensol nieman ouf den andern invarn noch leisten (
einlager halten) umb dhein gült, diu hinder zehen pfunden ist (1281)
mon. Germ. hist. leg. sect. IV,
tom. 3, 270; von nöthen miner gulht (
urgente me debitorum meorum onere) han (
ich) verkaft min aigen (1293)
württemb. urkundenbuch 10, 196; man sol nieman lenger halten (
festsetzen in haft) umbe gülde wan ahtage
Schwabenspiegel 230
Wackernagel; der konvent waz komen in grosz gülte Seuse
dt. schr. 15
Bihlmeyer; wan eyn mann on liberben abgat, so soll das farend guot das gült gar zalen
Appenzeller landb. (1409)
bei Staub-Tobler 2, 287;
[] (
wer dem gericht die benutzung eines unrechtmäszigen weinmaszes anzeigt,) der ist von demselben wirt ledig und los aller der gult, die er zu im vertrunkchen hiet (15.
jh.)
tirol. weist. 2, 211, 13; das stift was in groszer gült an christen und juden, es war urliugs wegen in so grosze gült gefallen (16.
jh.) Wig. Hund
metrop. Salisburg. (1582) 2, 206;
in formelhafter verbindung: wann wir und unser stat Auspurg in grosz gült und schulde gevallen warn vor manigen jaren her (1363)
chr. d. dt. städte 4, 158; der muz einen eit in dem rate tun, daz er von keiner gult noch schult wegen nicht entwichen sei, und muz, den er schuldig ist, ir gelt verpürgen, vergewissen und gelten (1400)
stadtgesetze von Eger 16
Khull; schulde und gulde richten
cognoscere de causis civilibus et pecuniariis Schottel
haubtsprache 784. A@33) '
abgabe',
die am stärksten entwickelte bedeutung von gülte
neben dem älteren gelt, geld,
s. teil 4, 1, 2, 2891. A@3@aa)
zunächst eine leistung von untertanen oder unterworfenen an den herrscher, auch als tribut: die stete muosen sich ergeben und lœsen ir guot unde ir leben, reht alse liep als ez in was, unz er (
der sieger) zesamene gelas gülte unde guotes die craft Gotfrid v. Straszburg 355
R.; nû hât mich angest unde leit, kumber, nôt unde arbeit dur grôze gülte ergriffen Rudolf v. Ems
Barlaam 124, 21
Pfeiffer, mit beziehung auf: daz er solde dô zestunt umbe zehentûsent phunt ze rehte vor dem keiser stân 121, 26; da von sie (
die christen) uns (
den heiden) hiut ze zinsen müezen lîp unde leben unt gülte von ir lande ... lân
Lohengrin 5060
Rückert; ich (
der könig) schaff mit üch, das ir mir gült und rent geben (
tributa ut exhibeatis ac vectigalia tribuatis) Steinhöwel
Äsop 64
Oesterley; si mussen auch den Saracenen tribut oder guldt geben Bernhard v. Breidenbach
hlg. reyszen n. Jherusalem (1486) 93
b. A@3@bb)
von der obrigkeit auferlegte steuer, vgl. gelt 3 c,
census, vectigal: die gemeinde amptlüte hat, die zölle und ander gülte nement în Kunrat v. Ammenhusen
schachzabelb. 16723
Vetter; (
die bürger Augsburgs behaupten,) daz die stat also nit beliben mocht aun gült und ungelt si müst verderben (1397)
chr. d. dt. städte 4, 109, 13; gult, die er (
ein auswärtiger) in dem markt gelten (
bezahlen) solt, die soll er van derselben hab gelten (1408)
österr. weist. 10, 266, 18; unser lieben geteuwren ... in unser stat Wertheim jerlichen mit groszen und sweren bethen, steuern, zinszen, gulten ... beswert und überladen seint (1437)
oberrhein. stadtr. I 1, 27; die weltliche oberkeit musz ... schosz, zinsze, gült und renthe auf die unterthonen schlagen J. Agricola
teut. sprichw. (1534) l 1
a; ghulde, de dat rike hevet to Lübeke (1318)
Lüb. chr. 1, 209
Grautoff. A@3@cc)
abgaben der bauern an ihre herrschaft (herrengülte),
auch an geistliche, die in naturalien, vornehmlich getreide (korngülte)
oder in geld (pfenniggülte)
bestanden und meist jährlich zu leisten waren, vgl. gelt
unter geld 3 a
α: he desseme heren gaf den teinden penning der jarliken gulde
Sachsenspiegel 2, 1, 452
Homeyer; deu Weide und Parkstein giltet anderthalbe hundert mutte (
scheffel) und zweie mutte kornes und eine halbe mutte und sehzig mutte habern und drizig swein und zwaintzig pfunt Regenpsurger ze rehter gulte (13.
jh.)
mon. Germ. hist. leg. sect. IV,
tom. 3, 629, 20
ff.; die bauren musten dem marggraven sweren, daz sie im die gült zu ewigen tagen reichen wolten (1449)
chr. d. dt. städte 2, 148; wir sein von Schnigling herein eur mair und pringen euch zu gült oft kes und air
fastnachtsp. 2, 567
Keller; die paurn ... beklagen und begern, das ... alle unzimliche wucher oder gult, sie sein gestift, waruf sie wöllen,
[] ... ein erleichterung ... zu machen
bei Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkriegs aus Rotenburg o. d. T. 134; wann bawren nicht weren und ihr gült, so wer ein bettelsack der edelleut schilt Fischart
groszm. (1607) b 8
a; die leibeigenschaften samt allen zöllen, accisen, zinsen, gülten und ungelten ... aufheben Grimmelshausen
Simplicissimus 211
ndr.; in der verbindung zins
und gülte,
vgl. auch 3 d, 4 b: (
es wird bestimmt,) das ieder seine zins und gülten seiner herrschaft ... zu der rehten zinszeit abrichte und bezale (16.
jh.)
tirol. weist. 1, 108, 3; darumb so geben die guter noch so viel an zinsen und gulten, als sie von alters haben getan
weist. 6, 13
Grimm; diser baur muost zinsz und gült geben einem edelmann Val. Schumann
nachtbüchlein 196
Bolte; als ich durch das gebirg nach den zinsen und gülten ging Immermann 3, 74
Hempel. neben alten dienst-, speciell lehnsverhältnissen beruhen die abgaben später auch auf pachtverträgen, dann gleichbedeutend mit grundzins, pacht: wie aim (
bauern) ein gut geliehen werd umb ein zimblichen gult (1525)
bei Fischer
schwäb. 3, 914; pension, zins, gült, reichnus von einem glihenen acker oder sonst von einem guot Roth
dict. m 4
a; in lehengütern ... ist der lehnsherr schuldig, an der järlichen gült etwas nachzulassen, wenn das jahr unfruchtbar Lorichius
v. weltl. ständen (1594) 2, 131; doch hoffe ich, er werde uns die heurige pacht erlassen ... allein er will mir nur die halbe gülte nachlassen Pfeffel
pros. vers. 6, 63;
als '
pacht'
im els. heute noch lebendig s. Martin-Lienhart 1, 218
a. A@3@dd)
erstattungen aus liegenschaften als gegenleistung für eine durch den sog. gültekauf
getätigte capitalsanlehnung, die an dem grundstück und nicht an der person des schuldners haftete, vgl. Blumer
rechtsgesch. 1, 452
ff.; in dieser anwendung kommt gülte
dem heutigen begriff von zins
nahe: rechte gult soll auf grunden gemacht werden, die sind bleibend und nit erstörlich (1565)
österr. weist. 1, 217; grundzins, daz gult heist
ebda; vgl. auch wa einer gelihen hat uf heuser, acker, wisen, hölzer und doch gultweis die hauptsumma (
das angeliehene capital) empfangen hat, verhofft ein gemein, das gut sein ledig und frei aller verpfendung
bei Baumann
qu. z. gesch. d. bauernkr. aus Rotenbg. o. d. T. 138;
versäumte erstattung der gülte
konnte pfändung nach sich ziehen: were ouch, dat se on dusser gulde nicht engeven ..., so mach (
der geldgeber) dat sulve lant to sik nemen vor gulde unde vor gelt unde wat der gulde worde entseten, unde mach sin gelt daranne soken (1355)
bei Schiller-Lübben 2, 165
a; last ers (
sc. des gottshausz underthan) aber anstehen 14 tag, ist er verfallen halbe gült, wie er von sein guet schuldig zu geben ist (1630)
österr. weist. 9, 3, 112, 29.
allgemeiner auch ohne diese bindung an ein grundstück '
zins für ein darlehen': anno 1345 verschreibt ime marggraf Ludwig um dreihundert dreisszig gulden anlehen zehen marckh Perner gült und sein haus ..., bis er die 330 fl. wider bezalt J. A. v. Brandis
landeshauptl. v. Tirol 61;
bes. in der wendung gülte kaufen,
vgl. ein gelt kaufen
teil 4, 1, 2, 2893
nr. 3 a
γ und gültkauf
unten sp. 1082: (
es wird bestimmt,) dat men na desem daghe neine gulde mere kopen sal dan einen penninch vor viftein
ebda; mit hundert gülden haubtgelds (
capital) fünf gülden jährlicher gülten erkauft ... wird Schottel 528; in
oder auf gülte(n) legen: hundert pund penninge, de se in ghulde hebben ghelecht (1366)
bei Schiller-Lübben 2, 165
a; der sein gold auf gülten legt, von güldgebers gnaden lebt Lehman
floril. polit. 2, 928;
oft auch hier zins und gülte: der viel zinsz und gülten an sich bringt, der dient einem papirenen und pergamentenen kalb Dannhawer
catechismusmilch 1, 173; gott und dem acker ist gut auf wucher leihen, sie geben reiche zinsz und gülten Lehman
floril. pol. 2, 928; das gebürende ... interesse und gült davon (
d. i. von einem capital) (1630) Meichelberk
histor. Frisingensis (1729) 2, 2, 379.
[] man hat drei arten von gülteverhältnissen zu unterscheiden, die älteste: ewige zinszgülten, so benamset weilen der ansprecher (
der gläubiger) zu keinen zeiten den schuldner zum ablösen des hauptguots halten und treiben mag (18.
jh.)
bei Staub-Tobler 1, 610; welcher hinfür sin gelt nit an ein gesatzte und, wie man spricht, ewige gült anlegen ... wil (1582)
ebda 7, 1629;
vgl. ewig gelt
unter geld 3 a
γ;
auch eingelegte
oder gattergült (
vgl. gatterzins
teil 4, 1, 1511), eiserne gülten,
s. Westenrieder
gloss. germ.-lat. 183; 221;
sie waren bis zu beginn des 15.
jh. auch von seiten des schuldners unablöslich; seitdem aber gibt es die ablosige gult
vel zinsz
redemptorius contractus (
ende des 15.
jh.)
bei Diefenbach 488
c; ablösige gülten oder renten
reditus redimibiles Schottel
haubtsprache 347: der, so daz gelt lichet und die gult kouft, umb daz houptguot oder den widerkouf nit manen mag, wie wol doch der koufer (
so in d. hs.) den widerkouf und die losung tuon mag (1419)
Zürcher stadtb. 2, 118; kein järlich gält, gilt umb uszgelihen gelt sol fürhin den klöstern geben werden, aber ein vogt und gericht sol ordnen zimliche zil, uf welch die schuldner daz houptguot abzalen oder ein stat das houptguot den klöstern darzelen und die gült zu inen nemen Eberlin v. Günzburg
ausgew. schr. 1, 135
ndr.; (
der handwerker) beschwernusz ..., gult abzulösen 1 ort (=
viertelgulden) mit 5 fl.
bei Baumann
qu. z. gesch. d. bauernkr. aus Rotenbg. o. d. T. 2, 122;
vgl. ebda 119.
seit dem 16.
jh. waren die gülten
auch vom gläubiger aus aufkündbar, gleichzeitig dehnt sich der begriff gülte
mit auf das die gülte
begründende capital aus und kommt so dem modernen begriff '
hypothek'
nahe: wer gelt umb zins uslychen wurd und im selbs vorbehalt, das houptguet inzezüchen, es sie über kurz oder lang, soll söllichs ein gült heiszen (1566)
bei Staub-Tobler 2, 286; so hab ich mein hab und guot fast in zinsz und gilte, die ich dann, so ich will, in kurzer zeit zuo barem gelt machen (
kann) Wickram
werke 1, 195
lit. ver.; so in der Schweiz heute noch lebendig vgl. vordrist, hindrist, gueti, schlechti gülte '
hypotheken' Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 286; das gut war sehr grosz, sein ertrag bedeutend, und doch würde ohne gülten der bauer nicht haben bestehen können J. Gotthelf
ges. schr. 1, 120.
im schweiz. gülte
auch die über sie lautende urkunde, der gültbrief (
s. d.): gülti
instrumentum, in quo debitor creditori certam summam spondet Schmidt-Tobler
id. Bernense 34
b; die verschreibung eines zinses heiszen wir gülten, die verschreibung einer hauptsumme aber schuldbrief (1763)
bei Staub-Tobler 2, 286; die gült ... ist von Martini 1539 datiert, ein gutes altes wertstück G. Keller
ges. w. 2, 102; in einer kleinen anzahl gülten, die in seines vaters truhe lagen E. Zahn
helden d. alltags (1907) 113. A@44) '
einkommen'.
diese bedeutung entwickelt sich auf grund des gegenseitigkeitsverhältnisses der gülte
dadurch, dasz der leistende nicht genannt wird und statt dessen der empfänger in den vordergrund der vorstellung tritt, vgl. auch gelt 3 a
β. A@4@aa)
noch innerhalb der gegenseitigkeitsvorstellung in denselben anwendungsbereichen wie 3;
entsprechend 3 a: es was ein grafschaft reich ... es hette da wol tausent marck gütter gulte alle jar Heinrich v. Neustadt
Apollonius 20389
Singer; es hatt der chönig zu Persia mer gült von der stat Thabres dann der mächtigst chönig ... der christenhaitt Schiltberger
reisetageb. 58
lit. ver.; König David hatte ... zween söhne und drei töchter, denen liesse er grosze gültes (
l. gülten) oder einkommen
M. Joach. Heller
Franc. Alvares ber. v. Ethiopien (1566) 226;
entsprechend 3 c: (
er) het ... von einem dorf ein chleine gült, davon er sein dienär ... ausrichtet (15.
jh.) A. v. Regensburg
sämtl. w. 601
Leidinger; die gülten sind alle einkommen, so die herrschaft von ihrem vermögen einsammlet, darunter sonderlich die dienste der untertanen gehören Hohberg
adel. land- u. feldl. 1, 53
a; ich pfalzgraf Götz von Tübingen verkaufe burg und stadt mit leuten, gülten, feld und wald L. Uhland
gedichte (1898) 1, 278.
[] für geistliche pfründen: ein capelle ... besorghet (=
dotiert) mit ghude unde ghulde (1407) Schiller-Lübben 2, 165
a;
sacerdotium des priesters gülti, die pfruond Dasypodius (1536) 206
c; dem abt wird bestätiget, was an gütern, gülten oder jahrzeitstiftungen ihm sonst zusteht J. v. Müller
sämtl. w. 22, 78. —
gerade in dieser anwendung häufig in der verbindung mit rente,
vgl. auch teil 8, 816: ich verkope ... twe hustegheden (
-zehnten) mit aller rechtigkeit, tobehörige, rente, ghulde (1400)
bei Mushard
monum. nobil. ant. fam. 205; (
Ulyssis ist) in järlichen gülten, renten und einnemen reicher gewesen dann ander zwanzig Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 59
a; daz sie (
die Frankfurter) in (
könig) sin gulde und rente folgen lassin (1406)
Frankf. reichscorrespond. 1, 130
Janssen; die genannten geistlichen ... solten ... ire güldt und renthen besitzen Sleidanus
reden 64
lit. ver.; renten und gülten, die ihm sein mann und erblehen ... jährlich ertragen Moscherosch
gesichte (1650) 2, 370;
seltener gülte und gelt,
vgl. auch unter b: den geitigen ligt ir herz auf acker und matten, auf güldt und gelt Keisersberg
irrig schaf (
Straszburg o. j.) h 2
a. A@4@bb)
allgemeiner, '
einkommen'
ohne andeutung eines wechselseitigen verhältnisses: sîn (
d. i. des milten küneges) hant vil manigem sîne gülte mêret bruder Wernher
in v. d. Hagen minnes. 2, 233
b;
ähnlich Konrad v. Würzburg
lieder u. spr. 18, 4
Schröder; do liz der edle vurste clar sich durch got irbarmin den kummir der vil armin (
frau) und schuf ir gulde also vil, daz si an iris lebin zil davon di libnar mochte han Nic. v. Jeroschin 9413
Strehlke; min hus, min koste und min pfant stent alliu jar in gelückes hant, wenne ich gewisser gülte niht han H. v. Trimberg
renner 18927
Ehrism.; ez schol ein ieclich burger verlosungen (=
versteuern) ... alle gulte
Nürnb. polizeiordn. 16
lit. ver.; gulde
reditus Konrad v. Heinrichau 387
Gusinde; welcher hauszvater von gülten zu leben hat Lehman
floril. polit. 1, 404; die ... unkosten sein mit jedes gülten zu aestimiren und also zu moderiren, dasz innerhalb der einkommener seien Schupp
schr. (1663) 739.
geläufige verbindungen: die täschenwitz nicht lenger gilt, on als lang man hat gelt und gült Fischart
flöhhaz 506
Hauffen; es hat dise stat reich burger, die zum guoten teil leben von zinsz und gült Seb. Münster
cosm. (1550) 140. A@4@cc)
leibrente, die man sich für lebenszeit erkauft: Bartolomes ... hat geschickt (=
verfügt), das man an sol legen dreihundert gulden und die gült dovon sol sein bruder ... nissen sein lebtag. ... das gelt haben die purger auf dem rothaus und geben alle jor davon zu zinsz 15 guld. (2.
hälfte 14.
jh.)
chr. d. dt. städte 1, 66, 25; ein burger ... hett ein gült kauft von dem bistum, der was 90 fl. reinisch, die solt man im geben von dem zoll (1.
hälfte 15.
jh.)
chr. d. dt. städte 2, 75, 3;
corporei ein leibgeding, ein gült, die man eim sein leblang gibt Roth
dict. e 2
a. A@4@dd)
uneigentlich: tätigkeit, fähigkeit, woraus man gewinn hat: (
wenn sich die grobiane raufen) das ist der scherer gült und renten Scheit
Grobianus 2314
ndr.; sprichwörtlich: ein handwerk, ein täglich gült
sprichw. schöne weise klugr. (1548) 6
a; min wiszheit macht mir zinsz und gült
schweiz. schausp. d. 16. jh. 2, 143
Bächthold. A@55)
landgut, secundär als bezeichnung eines ursprünglich wohl gültepflichtigen
besitzes im steiermärk.-kärntn.: die gülten werden hier im herzogtum Steyr diejenigen landgüter genennet, so allein dem landsfürsten und anstatt seiner der löblichen landschaft dienstbar seynd ... aber
[] sonsten frei und keiner andern particularherrschaft dienstbar I. Beckmann
id. jur. (1688) 185; die gröszten (dominien) ... heiszen herrschaften, minder grosze güter ... noch kleinere heiszen gülten und ämter I. K. Kindermann
repertor. d. steierm. gesch. (1798) 84;
in älterer zeit vielleicht in dieser speciellen bedeutung schon in der verbindung gült und güeter: all, die gult und gueter auf dem landt hietten, solten geben halben teil aller irer gult (
um 1500) J. Unrest
chron. Austr. 569
in S.
F. Hahn
collectio monument. vet. (1724); der pfarr und kirchen ire anligende gült und güeter
österr. weist. 10, 200, 10;
ebda 199, 17; 6, 353, 34. BB.
wert, geltung; bis ins 18.
jh. hinein, zunächst: B@11)
der reale wert von gegenständen: ... manig türe goltvaz, daz man gein hohir gülte maz Rudolf v. Ems
weltchr. 29926
Ehrism.; (
die hl. Elisabeth erhielt) ein hertes unde ein smehes cleit an gestelle (
aussehen) dunkelvar unde an gulde snode gar
Elisabeth 6806
Rieger; guld und güte der sachen Harsdörffer
gesprächsp. 3, 344;
vom geld: twintich mark gheldes lodighes silveres rechter gulde (1330)
bei Schiller-Lübben 2, 165
a; von der monze und iren gulten
mon. Boica n. f. 2, 1, 14. B@22)
seit dem 17.
jh. allgemeiner: die abwürdigung der gülte ihrer schriften E. Francisci
lust. schaub. (1698) 2
vorrede; meinungen ... von schlechter gülte
ind.-chines. lustg. (1668) 1, 73; eine solche gülte hat der friede in sich, dasz auch die feinde dessen ... nicht entpehren können Lohenstein
Arminius 1, 409
b;
juristisch mehr als '
geltung',
wohl unter dem einflusz von gültig B 2,
vgl. gültigkeit: es sollen ... alle andern brief und schriften kein gült noch kraft haben (1721)
bei Staub-Tobler 2, 287.
im spiel: basta ... bedeutet ..., dasz es in trefle und seiner gülte nach der dritte von oben Sperander
ala modespr. 67
b. CC.
die compositionsbildung von gülte, gilte
bevorzugt die form gult-, gült-, gilt-,
gegenüber gulte-, gulten-, gilte-, gilten-;
nur vereinzelt gildebriefe Stieler 658;
bis auf gültgebig, -haftig, -pflichtig, -weise
substantivcomposition, in der bedeutung A 3
zur bezeichnung des abgabepflichtigen besitzes (gültacker, -gut, -hof),
der zinspflichtigen bzw. -heischenden personen (-bauer, -herr),
des erstattbaren gutes (-frucht, -geld, -korn),
der rechtlichen einrichtungen (-brief, -kauf).
seit dem 14.
jh. bezeugt; eine vereinzelte bildung des 13.
jh. gehört zu A 1 (gultehaft).
bemerkenswerte bildungen: gültacker: (
es hat) keiser Augustus ein coloniam mit gultäckern reichlich versehen Werlichius
augsburg. chron. (1595) 23;
in flurnamen, s. R. Vollmann (1924) 48,
els. heute noch '
verpachteter acker' Martin-Lienhart 1, 218
b;