Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gewin
2 ‘Gewinn’
2.1 ‘Erwerb, Ertrag’
2.2 ‘Broterwerb, Arbeit’
2.3 ‘Vorteil, Nutzen’ (teils semantisch abgeschwächt)
3 phras. zu 1 und 2 (vgl. TPMA 4,470-491)
3.1 häufig verlust gegenübergestellt
3.2 speziell in der Wendung ze gewinne unde/ oder ze verluste (und umgekehrt)
1 ‘Sieg, Erfolg’ wederm geviele der gewin [welchem (der Kontrahenten) der Sieg zufiele] , / des was zwîvel under in Er 928; man jehe dem gewinnes, den man siht gewunnen hân NibA 914,4; ich hete ein spil sô guot, daz ich gewinnes mich versach WernhSpr 65,1; UvZLanz 1155; ein polensch rittir hatte e / [...] / im gelobt an sine hant, / er wolde di stat gewisse / im mit vorrêtnisse / antwortin zu gewinne [Eroberung] NvJer 14919. 25005. – diu sigerîche Minne / diu windet sich ûz wîbes ougen / durch des mannes ougen tougen nâch gewinne: / Minne unt ein minniclîchez wîp sint sinneroubærinne RvZw 270,11 2 ‘Gewinn’ 2.1 ‘Erwerb, Ertrag’ ir gewin und ir bejac / den sanden si [Tristan und Kaedin] ze Karke Tr 18924; dar [in ein reiches Land] wurden sie gesant / nach spise vnde nach gwinne. / des was da vil inne Herb 3901. 17049; dvrch gewin ReinFu K,415; die da werfent nach vnrehtem gewinne / si phrengent [bringen in Bedrängnis] die armen VMos 40,9; der engel gewin waz da groz, / swa blvͦt von den kristen vloz TürlArabel *A 45,30; da wart nvͥt kranc der botten gewin [Lohn] ebd. *A 196,14; er [der Hl. Laurentius] oppherote gote des besten gewinnes [Guts, Besitzes] , den er hete, sin selbes lîb Spec 91,18; WessobrGlB I 145,37; StRMünch 408,17; Wig 5495; Ammenh 17978. – Zinsgewinn: du soldes minen schazt gegeben habn zu gewinne [ nummulariis ] , swanne ich were komen, daz ich min gute hette wider genumen mit wuchere [ usura Mt 25,27] , daz ist mit gewinne PrLpz 14,32. – übertr.: frou Herzeloyd diu künegin, / ir site an lobe vant gewin, / ir kiusche was für prîs erkant Parz 103,4; er minnet sîn wîp und si in, / sie dûhte ein vreuderîch gewin, / daz sie einander solten hân RvEBarl 5988. – auch von etw. Negativem: sô gebt ir jâmers mir gewin Parz 612,25; diu herzogin / an ungemache im gap gewin ebd. 628,10 2.2 ‘Broterwerb, Arbeit’ ich bin ein armman / vnde han anders dehein gewin, / wen daz ich ein ieger bin Herb 18070; von unserme gewinne / sô sint sî worden rîche, / und leben wir jæmerlîche Iw 6404; daz sie ouch unerloubeten gewin unde gescheffede niht urboren StatDtOrd 52,31 2.3 ‘Vorteil, Nutzen’ (teils semantisch abgeschwächt): ouch ist mir mære geseit / daz hie ein âventiure bî / mit starkem gewinne [ruhmreich, verdienstvoll] sî / von einem guoten knehte Er 8385; ist dîn herze steinîn gar / und dornic, ob ich sæje dar / guotes sâmen gewin: / [...] / sô bin ich sô niht ûz gesant, / daz ich in nâch unwerde / werf in unberhafte erde RvEBarl 1633; min kint [Willehalm] nah gewinne dich [Arabel] hat gekvst TürlArabel *A 265,27; durch miner [einer erblindeten Frau] ougen gewin [Heilung] / und durch got vuͦre mich so hin / zuͦ dem [...] seligen Johanne! Vät 3673; Wig 181. – vor allem bei Wolfram: ~ ane etw.: diu rîche wîse heidenin / het an künste den gewin / daz si wol redete franzeis Parz 329,12; daz gît an freuden mir gewin ebd. 369,8; got gebe an helfe mir gewin Wh 122,30; ein gewin / an willekeit der liute ebd. 234,14 u.ö. 3 phras. zu 1 und 2 (vgl. TPMA 4,470-491): ûf minne und ûf gewinne / stânt al der werlde sinne; / noch süezer sint gewinne / dan dehein werltlich minne Freid 55,19 u.ö.; Renner 5087; gewin hât mit gewinne pfliht, / ein kummer ist âne den andern niht ebd. 13403 u.ö.; nu strebt ein ieglîch man sêre / dar nâch wie er gewinne mêre WälGa 6616; Krone 17929 3.1 häufig verlust gegenübergestellt: waz tâ geschehe, wiez dort ergê, / gewin und flust, wie daz gestê, / desn weiz frou Herzeloyde nieht Parz 102,24. 597,7; dâ huop sich vlust und gewin Wig 11015; mit grôzem vlîze er [Gregorius, der zum Kampf vor die Stadt will] in [seinen Gastgeber] des bat / [...] / daz er in lieze wider in, / er bræhte vlust oder gewin Greg 2090; gewin den wolten si bejagen / oder kiesen die verlust KvWPart 20490; ez si gewin, ez si verlust Frl 14:31,10; Tr 367; Himmelr 11,11; TürlArabel *A 250,12 3.2 speziell in der Wendung ze gewinne unde/ oder ze verluste (und umgekehrt): daz die fuͤmfe [Schiedspersonen] nah beider taile fuͤrlegen [Darlegungen der beiden Parteien] ovf ir ait daz reht drvmbe sprechen solten ze fluͤste vnd ze gewinne UrkCorp (WMU) 1270,33; zuͦ gewinne oder zuͦ verluste ebd. 1007,45 u.ö.; swer umb sein geschaeft von der stat arbait oder auf dem gotzweg ist [...], der mag sein chlag ze gewin und ze flust aufgeben vor dem rechten StRMünch 318,5; des sol mîn herze pflihte hân / ze flüste odr ze gewinne Parz 432,1; StRFreiberg 205,24; Herb 6864. 11005
MWB 2 727,9; Bearbeiter: Richter