genügen ,
satisfacere, goth. ganôhjan,
ahd. ginuogian, ginuogan,
mhd. genüegen,
mnd. genôgen, nôgen,
nl. genoegen.
im 15. 16.
jh. hochd. auch genungen, genüngen,
nach genung
für genug,
s. dort. ganz gleich geltend übrigens anfangs benügen,
mhd. benüegen,
s. unter 1,
b ff. 11)
in die vorgeschichte zurückweisend ist eine auffallende verbindung mit acc. der person, die sich noch nhd. zeigt. 1@aa)
ahd., mhd. (
s. die wbb.)
z. b.: in erdu gab er in then geist,thaʒ man (
die menschen) firnemên thaʒ io meist, thaʒ minna sie ginuagejoh karitas gifuage. Otfr. V, 12, 68,
dasz die liebe ihnen genügen und freude geben (
s. 3,
a)
und sie eng verbinden könne (caritas
die christliche liebe);
mhd. unpersönlich mich genüeget,
mit gen. der sache, mir ist genug, mich befriedigt: jâ wære des, wiʒʒe Krist, dem künege Artûs ze vil ... mich gnüeget rehter mâʒe.
Iwein 4792; wie im iuwer hövescheit dise êre hât gevüeget, der in (
var. im) durch reht genüeget. 2746; lât iuch des genüegen.
Gudr. 595, 2,
vgl. 753, 4.
so schon goth. ganôhjan
mit acc. und auch in dem pass. ganôhiþs visan,
befriedigt sein, auch mnd. noch nôgen
mit acc., und zwar persönlich, s. wb. 3, 195
a, 133.
es ist aber gewiss noch derselbe acc., der schon bei dem ganôhs
zu grunde liegenden ganah
genügt erscheint, und zwar neben dem dat., auch ahd. noch ganah inan,
und der mit der eigentlichen, sinnlichen bedeutung dieses ganah
sich aufhellen wird (
s. u.genug 1,
b und 4,
c, ζ). 1@bb)
auch nhd. noch einzeln, mitten in den sonst herrschenden dat. hinein: gott kans fügen,
das einen mag genü
gen. Henisch 1498,
er stellt es unter 'genügen, vergnügen,
satisfacere, contentum reddere, vulgo contentare' (
vergl. dazu unter 2,
a); ich lasse mich daran genügen, dasz ich ein wenig weisz. Luther
tischr. 1, 9
F. var. (
text mir);
dabei auch noch mit gen. der sache (
vgl. 2,
b): ich, der ich den sieg habe, wil mein glück nicht misbrauchen, mein reich zu weitern, ich wil in meinen grenzen, so von natur und rechtem herkommen mein sind, ein herr sein und deren mich genügen lassen.
buch d. liebe 222
b; du (
welt) lässest dich der bitterkeit des todes .. nicht genügen, sondern betreugst noch darzu die meiste mit deinem schmeicheln
u. s. w. Simpl. 2, 114
Kz. (5, 24); wen nicht genügt, der hat nimmer genug, stehet auch nicht zu settigen. Henisch 1498,
vgl. ihn (
sich) genügen lassen, begnügt sein 1497
neben sich genügen lassen 1499.
ebenso noch im 16.
jahrh. sich benügen lassen, mich benügt
an etwas, auch einen benügen (
s. d. 3),
zufrieden stellen. das transitivum blickt auch nhd. noch aus gottes genüge (
s. d. 3),
d. h. die er gibt. 1@cc)
daher auch passivisch genügt sein,
befriedigt, begnügt, mnl. ghenoeght,
gewiss auch schon mhd. genüeget,
ahd. ginuogit,
zu jenem goth. ganôhiþs
stimmend: genugt,
contentus. voc. 1482 l 4
a; und sind daran nicht gnüget, das sie mit frechen worten on alle scheu ir gift ausgieszen. Luther 1, 56
b; bis gnüget an dem das du hast. Henisch 1500; es sind gar wenig leut genügt an dem das ihnen gott zufügt. 1498.
ebenso wieder benügt sein,
s. unter benügen 3. 1@dd)
dahinter kann übrigens auch das mhd. refl. sich genüegen
stehen (
s. die wbb.),
z. b. daʒ ich strîtes mich genüege Ulr.
Wh. 255
a,
mich sättigen könne; noch im 16.
jh. in einem siebenbürgischen bienensegen, einen schwarm in ein gefäsz zu locken, darin er könne sich seins lebens genügen Schuster
siebenb.-sächs. volksl. 288, Müllenh.
u. Sch.
denkm.2 317,
zugleich zu 3,
von behagen und freude, wie wieder sich benügen (
s. unter benügen 2),
noch im 16.
jahrh. 1@ee)
diesz refl. sich genügen
nhd. auch in der bedeutung sich begnügen, z. b. von dem der auf dem lande lebt statt bei hofe: sonder er gnget sich an kleinem (
wenig) und mehrt dasselb und schad doch keinem. Fischart 3, 310
Kz. (
klost. 10, 1038).
und noch im 18.
jahrh.: wer gnügt sich doch wohl mit seinem zustande,
quem fortunae suae non poenitet? Weber 343
b; und du sterblicher wagest es, anschauen zu wollen, was wir nicht anzuschauen vermögen? genüge dich an dem gesichte, das dir die träger des thrones gaben. Herder
z. lit. 9, 73 (
blätter der vorzeit, der thron der herrlichkeit).
auch nl. noch zich genoegen
so. 1@ff)
wir haben ja den acc. noch in jenem sich begnügen,
wo er uns nur wegen des be-
nicht auffällt, das wir als trans. zu fühlen gewohnt sind, aber das ganze begnügen (
s. d.)
ist nur eine dritte, spätere nebenform von genügen
und benügen,
die darin wie vereinigt sind, es heiszt zuerst ebenso einen begnügen,
wie genügen, benügen,
zufrieden stellen, dazu begnügt,
zufrieden, auch ich lasse mich begnügen
neben mir begnügt,
wie genügt, benügt.
und auch bei vergnügen,
pass. vergnügt (
anfangs auch vernügen)
liegt derselbe acc. vor, der ins goth. zurückreicht und von dem gewöhnlichen genug
nicht genügend begreiflich wird, da immer dahinter klingt, als müszte man einst auch gesagt haben ich bin genug,
befriedigt; vergl.: contentus, it. sufficiens genug. Diefenb.
wb. von 1470
sp. 77
und s. unter 2,
a, wo das deutlicher auftritt. 22)
das intransitive genü
gen. 2@aa)
bemerkenswert und bedeutsam zunächst ein genügen
genug haben, also befriedigt sein, nl. ghenoeghen,
contentum esse Kilian 134
a.
ein mlat. contentari
wird in einem voc. des 15.
jh. gegeben mit genügen haben,
in anderen mit genügen, gnügen, genugen, gnungen,
nd. ghenoghen,
auch benügen, vernügen,
s. Dief. 146
b (
vgl. franz. se contenter);
in der gemma freilich wird angegeben contentari
est contentum facere, vernungen,
inde contentatus, vernugt (
Straszb. 1518 F ij
a),
wo aber der zusatz mit inde an der angabe wieder irre macht, da contentatus
ein contentare
voraussetzt (
s. diesz bei Henisch
unter 1,
b),
nicht contentari.
das intr. erscheint aber sicher im 12.
jh. bei Herbort
im troj. krieg, wo es von den durch den feind bedrängten mehrmals heiszt sie kunden nirgen genogen 9866. 16069,
auch benogen 8996,
offenbar eine im kriegsleben geläufige redensart; der herausgeber erklärt s. 290 '
sich schützen, sich ruhe schaffen'
und stützt es durch nd. genogen, benogen, nogen
sich begnügen, beruhigen (
nicht im mnd. wb., aber im Bremer wb. benögen),
hier angewandt auf friedliches behagen; vergl. mnd. genochlik
von einer stätte zum sichern rasten: dit velt is eine genochlike stede, dar wy .. ein wenich rasten mogen.
mnd. wb. 2, 60
b,
wol auch aus dem kriegsleben, eine stelle, wo wir genogen
können. da ist denn die bedeutung befriedigt sein, die doch aber ein genug
befriedigt voraussetzt, wie das transitive genügen
auch. 2@bb) genügen
gleich genug sein (
s. unter genug),
mit dem dativ der person, ursprünglich auch dem gen. der sache, wie eben genug,
und zwar zuerst unpersönlich, wie u. 1,
a mich genüeget
mit genitiv: des genüeget mir wol von dir.
arm. Heinr. 936
in B (mich
A),
zur bed. s. u. 3; got unser herre in sande spîse, der in gnûgete.
pass. K. 303, 23,
nach Zarnckes
vorschlag mhd. wb. 2
1, 360
b,
die hs. bietet er
für der,
wonach vom schreiber genûgete
in der bedeutung gab genug gemeint scheint (spîse
als object zugleich zu beiden zeitwörtern).
statt des gen. auch an schon mhd., wie bei genug: von kemmelîn har plach her lesen, zu cleide im dran genûgete.
pass. H. 348, 83. 2@cc)
noch nhd. mir genügt (
so ohne es): spricht zu im Philippus, herr, zeige uns den vater, so genüget uns.
Joh. 14, 8; mir genüget, wie es gott füget. Stieler 678.
anfangs gewiss auch noch mit gen. der sache, wie bei mich genüget
unter 1,
b, sonst dafür an,
später auch mit: das ihm (
Jacob) nicht genügt an zweien (
weibern). Luther
über das 1.
b. Mose Ss 3
a (Dietz 2, 79
a); die sitte dieser welt, einfältigfromm, begehrt des auszenscheines nicht, ihr gnügt am innern werth. Gotter 2, 439; ihm gnügt schon so mit wenigem genug, mit meinem herzen. Lessing 2, 237 (
Nathan 2, 2); diesz blümchen jugend, wär es ein veilchen und er träte darauf und es dürfte bescheiden unter ihm sterben! damit genügte mir, vater! Schiller
cab. u. liebe 1, 3; dir genüge, wenn die föhren .. deine sanften lieder hören. Platen 1, 31.
doch auch es genügt mir daran nicht, es musz uns genügen die sache angeregt zu sehen
u. ähnl. 2@dd)
dazu sich genügen lassen (
s. schon unter 1,
a. b): si soldin en lâʒin gnûgin an erin zinsin und gefellin. J. Rothe
ritterspiegel 1181; wer sich mit seiner erbeit neret und leszt im genügen, der hat ein fein rügig leben.
Sir. 40, 18; ich habe gelernet mir genügen lassen.
Phil. 4, 11; sich an recht und billigkeit genügen lassen. Ayrer
proc. 1, 4; lasz dir genügen heut, morgen kompt auch tag und raht. Henisch 1500; der hat genug, der sich genügen laszt. 1499; dreiszig jahr und drüber noch hat gewehrt das deutsche kriegen. wehrt der friede dreiszig jahr, läszt ihm ider wol genü
gen. Logau 2, 5, 6; der ist kein mann, der, wo das gröszre zu gewinnen ist, am kleinern sich genügen läszt. Schiller VI, 142
var. doch auch mit es (
s. c am ende),
z. b. von den göttern auf besuch bei Philemon und Baucis: und lieszen sichs an seiner (
des paares) herzlichkeit, statt prächtiger bewirthung, gnü
gen. Gotter 1, 275. 2@ee)
mit benanntem subject, auch schon in mhd. zeit: wir geloubin, zû der tegelîchen lîbnar gnûge zwei gesotene mû
s. Haupt 16, 254,
md. übers. der Benedictinerregel; ein gewegin brôt gnûge an dem tage. 255; swelich (
fremder) munich .. zû dem clôstre kumit .. ob ime gnûgit diu gewonheit des clôstris .. der werde inphangin. 268; die lidere (
glieder), die diu natûre zu sprechene hât gezimret, si engenûgent niet die inreste sûʒicheit (
dieses höchsten mystischen schauens) gare ûʒ ze dragene.
Germ. 6, 155.
nun allgemein z. b. diese mittel genügen für unser vorhaben, dein wort genügt mir, das genügt noch nicht
u. a.; dir gnüget nicht erhabenheit noch grösze, du willst auch artig sein (
als dichter)? Kretschmann 2, 255. 2@ff)
mit persönlichem subject, z. b. einem befehle, einer aufforderung genügen,
wie genüge leisten, genug thun; er genügt dem amte
oder für das amt nicht,
vgl. das ältere genug sein
so unter genug.
auch für gewachsen sein an kraft u. ähnl., wie jenes genug sein
auch: dasz Shakspeare .. am ende doch unerforschlich bleibe, denn wir sämmtlich, wie wir auch sind, können weder seinem buchstaben noch seinem geiste genü
gen. Göthe 45, 63. 2@gg) sich (selbst) genügen,
anders als das sich genügen
mit sich
als acc. unter 1,
e, es ist wie sich selbst genug sein (
s. unter genug): gefaltet kann die knospe sich genügen, so lange sie des winters frost umgibt. Göthe 9, 298 (
nat. t. 2, 5); die köstlichen bilder bedeutender männer des sechzehnten jahrhunderts .. sich selbst gelassen und genügend und durch ihr dasein wirkend, nicht durch irgend ein wollen oder vornehmen. 21, 117 (
wanderj. 1, 7); streng und stolz, sich selbst genügend, kennt des mannes kalte brust .. nicht der liebe götterlust. Schiller
würde der frauen; wann wird wieder eine zeit kommen, wo wir (
neueren) uns um die eigene achse drehen und uns in eigener gegenwart genügen? Keller
gr. Heinrich 3, 236. 2@hh)
viel gebraucht ist das part. genügend, wie schon vorhin sich selbst genügend,
z. b.: bewundernswürdig ist es, wie sich der verfasser (
Carlyle) eine genügende einsicht in den charakter und das hohe verdienst dieses mannes (
Schillers) verschafft
u. s. w. Göthe 46, 237; genügende mittel herbeischaffen, das ist genügend für den zweck, vollkommen genügend
u. s. w. auch als adv., das ist genügend erörtert
u. ä., auch in genügendster weise.
s. auch ungenügend. 33)
der begriff steigt aber auch höher, über das gewöhnliche genug
hinaus, das doch auch, und zwar von haus aus, in solch erhöhter bedeutung galt, von fülle bis zum überflusz, s. genug 3. 3@aa)
mhd. von freude ganz deutlich in den worten des armen Heinrich, nachdem ihm das mädchen ihren entschlusz eröffnet hat, für seine heilung den tod zu erleiden: du hâst mich des wol innen brâht, möhtestu, du hulfest mir. des gnüeget mich wol von dir.
arm. Heinrich 936;
nur freude, ja hohe freude (
man bemerke das wol)
paszt in den zusammenhang der in tiefer bewegung, unter thränen gesprochenen worte, auch nicht bloszes gefallen (
s. c).
ein zweifel ist auch nicht weiter nötig, wenn man genüge 4,
c von lust und freude vergleicht, noch jetzt ist nl. geneugte
eben join, plaisir; s. auch unter 1,
a Otfrieds ginuagan
von freude und befriedigung. 3@bb)
von befriedigung, in dem erhöhten sinne, in dem man das wort jetzt gern braucht, voller, ganzer befriedigung, die in freude und lust übergeht. so in dem bienensegen unter 1,
d sich seins lebens genügen,
und noch in Fausts bekenntnis am schlusse (2.
theil, 5.
act, mitternacht): ich bin nur durch die welt gerannt, ein jed gelüst ergriff ich bei den haaren. was nicht genügte, liesz ich fahren, was mir entwischte, liesz ich ziehn. Göthe 41, 315;
wie das der gewöhnlichen bedeutung zugleich die hand reicht, zeigen des Mephistopheles worte von Faust nachher: ihn sättigt keine lust, ihm gnügt kein glück. 321.
zu vergleichen ist genüge 4,
b, bei Opitz genüge und ruhe,
auch genüge, freud und lust,
bei neueren genüge, seelengenüge
von vollster befriedigung, bei Bürger
das. 3 aller himmelsseligkeit genüge,
s. auch das n. genügen 3. 3@cc)
bemerkenswert auch für gefallen (
geht doch franz. plaisir
auf placere
zurück): genügen,
placere, cordi esse. Henisch 1498;
wendungen, wie das. mir genügt, wie es gott fügt,
lassen sich auch so verstehen. ganz deutlich mnd., s. wb. 2, 61
b,
z. b. biblisch: di en genoget nicht,
non tibi placet (
vulg.).
Hiob 35, 2; wat genogede di, to uns to komende,
placuit tibi (
zugleich von lust und freude).
Judith 11, 3; sinen broderen genogede an siner rede.
1 Mos. 37, 27,
acquieverunt. auch mnl. ghenoeghen
gefallen.