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geneigt

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geneigt part.

Bd. 5, Sp. 3363
geneigt, part. pass. zu neigen und sich neigen, auch selbständig entwickelt als adj. und adv., schon mhd. geneiget. das abstracte subst. dazu ist eig. neigung, daneben doch geneigtheit. 11) im eigentlichsten sinne z. b. geneigt zum fallen, sich neigend: pronus, ganz geneigt zu fallen. Melber t 2a, Dief. 465a, schon ahd. kineigit proclivus Graff 4, 1128; es ist nicht weit von uns ein geyschneider (landschneider), welcher seinen alten ofen, so zum herabfallen geneigt, mit stricken zusammen gebunden. Abele künstl. unordn. 2, vorr. 6b. ähnlich bergmännisch: zunächst entscheidet (bei der frage, ob bruchbau thunlich ist) die beschaffenheit des hangenden, ob es geneigt ist, zu bruche zu gehen oder nicht. Veith bergwb. 119, d. h. in richtiger weise zusammenzubrechen, wozu neigung gehört, wol äuszerlich und innerlich zugleich verstanden, als ob lust und wille des hangenden mit in frage käme. 22) vom menschen, erst eigentlich, dann bildlich, besser gesagt äuszerlich und innerlich genommen. 2@aa) eigentlich oder äuszerlich von einem herrn o. ähnl., der bei einer vorgetragenen bitte 'sich neigt' zu dem bittenden, sich ihm zuneigt mit kopf und oberkörper und damit seine günstige stimmung und gesinnung bekundet, während die entgegengesetzte bewegung ihn 'abgeneigt' ankündigt, also eigentlich wie griech. κατανεύειν und ἀνανεύειν, lat. annuere und renuere, die ja mit neigen, goth. hneivan, urverwandt sind; in zuneigung und abneigung wird das eigentlich noch heute deutlich genug fortgeführt, obwol sie nun mehr nach der bedeutung 3 verstanden werden, vgl. mhd. zuoneigen (gotes zû der sêle) myst. 156, 26 und widerneigen reclinare Dief. 487b; für zuneigung oder zugeneigt aber genügt für gewöhnlich das einfache neigung und geneigt, die eben das zuneigen eigentlich bezeichnen. erwähnenswert ist übrigens, dasz ursprünglich auch die haltung des bittenden oder hülfeflehenden ein neigen ist und geneigt genannt wird, wie denn ahd. nîgan für adorare steht, also auch den göttern gegenüber, vgl. kanigan advolutus, supplex Graff 4, 1127, also fuszfällig, dem herrn oder sieger sich zu füszen werfend, gahneigit subjugatus 1128, eigentlich dem sieger vor den füszen liegend. es ist also wie bei hold oder huld und gnade, die eigentlich auch sowol die geneigte haltung des herrn zum knechte oder ähnl. als auch das dienende oder unterwürfige neigen des knechtes vor dem herrn, des besiegten vor dem sieger bezeichnen. 2@bb) daher mit dativ. 2@b@aα) mit dativ der person, einem geneigt (wie ahd. nîgan mit dativ, sich vor oder zu einem neigen), eigentlich von fürsten und herren u. ähnl., günstig, wolwollend, gütig gesinnt u. ähnl., schon mhd.: den gûten cristen was her gûtig unde geneigit, den ungloubigin herte unde gestrenge. Ködiz heil. Ludwig 46, 33 (var. geneigig); einem günstig und geneigt, volens. Maaler 168b. mhd. auch noch sinnlicher mit zuo (vgl. dazu 3, c), von gott als höchstem herrn: nu secht den kunic Sabaot, wie er geneiget ist zû uns in der liebe sînes suns u. s. w. pass. H. 107, 86. das glück, als bewuszte macht gedacht, ist einem geneigt, wie die götter: o, sprach der wolf, du seligs thier, das glück ist ganz geneiget dir. Waldis Es. I, 56, 16; neigungen haben die götter u. s. w. wem er geneigt, dem sendet der vater der menschen und götter seinen adler herab, trägt ihn zu himmlischen höhn. Schiller XI, 270 (das glück). noch jetzt mit dativ, wer z. b. mit bewerbung um ein amt mühe hat, sucht einfluszreiche männer sich geneigt zu machen, forscht danach, wer ihm abgeneigt ist; er ist seinem diener sehr geneigt. Steinbach 2, 117; der gegensatz auch übel geneigt, ungeneigt, abhold, abgünstig Rädlein 354b, z. b. dem österreichischen haus übel geneigt, mal-affectionné das. 2@b@bβ) der dativ dann auch auf die sache übernommen, ein vorhaben in städtischer verwaltung z. b. scheitert etwa, weil der bürgermeister der sache nicht geneigt ist; ein bittender findet den herrn seinen wünschen, seinem gesuche geneigt, während die herren gern kühler sagen ich bin der sache nicht abgeneigt (dagegen auch wol geneigt s. unter 3, a). 2@b@gγ) der gegenstand wird aber auch mit gen. bezeichnet, wenigstens mit des, in bezug darauf: die weil wir (die reichsstände) uns irer keyserlichen maiestat hierinn zu undertheniger gehorsame schuldig erkennen, des auch für uns selbs wol geneigt seind, so haben wir u. s. w. reichsordn. 1539 130b, wol geneigt, wie sonst in fürstenmunde; gnädigen, lieben herren (der rat von Lucern), als dann uf min ansuochen .. um min manrecht (bürgerrecht) ich .. antwurt empfangen han, das ir .. des geneigt und guotwillig wärend. H. Salat 76, heute entspräche dazu, vgl. 3, c. 2@b@dδ) doch auch umgekehrt vom unterthan dem fürsten gegenüber (vgl. a a. e.): die landsleute sind dem neuen könige geneigt, flexi sunt ad novum regem popularium animi. Weber 341b, allerdings eigentlich von günstiger stimmung, wie unter 3, e. 2@cc) an den ursprung erinnert auch noch geneigt zu hören, ein geneigtes ohr oder gehör, um das man bittet, wie es vom herrn heiszt, dasz er sein ohr neigt dem bittenden oder der bitte: das man in (gott) gnädig und geneiget mache zu hören. Luther 1, 70b; du (gott) kennst zwar unser ungemach und hörst uns auch, ach aber, ach, mit ungeneigten ohren. S. Dach 389 Öst.; mit geneigten ohren anhören, pronis auribus accipere. Steinbach 2, 117; man musz mit geneigten ohren und begierigem gemüthe hören. Olearius pers. ros. 2, 32, allerdings von predigt; und lausche, mit geneigten ohren, der freundschaft tröstendem gesang. Gotter 1, 220; diese gesinnung ists, diese absicht, um derentwillen ich mir ein geneigtes gehör erbitten darf (von der versammlung). Göthe 32, 237, zum andenken Wielands. auch geneigte hand gottes, als retter die hand niederreichend gedacht: weil mich mein gott .. erröttet mit genaigter hand. Weckherlin 177 (ps. 54, 8). der schriftsteller spricht im vorwort den geneigten leser an (Simpl. 1, 3), um seine gunst besorgt, Chr. Gryphius selbst mit hochgeneigter leser! im vorwort zur ausg. der gedichte seines vaters 1698, wie schon Grimmelshausen Simpl. 2, 265, 7 Kz. 2@dd) dann ganz innerlich gefaszt geneigter wille, geneigter sinn u. a.: marschalk, sprach der herzog, solchs wil ich mit geneigtem willen allzeit umb euch beschulden. Galmy 219. es heiszt auch willig und geneigt (vgl. geneigtwillig); ich erkenne deinen geneigten willen, agnosco favorem tuum. Steinbach; ich bin, lieben herren und freunde, lange auszen blieben mit meinem trostbrief an euch, wiewol es doch ja nicht an gutem, geneigtem und bereitem willen gefeilet. Luther 6, 11a, sachlich mehr zu 3, d, wie folgendes; predigten musz man mit geneigtem und begierigen herzen anhören. Olearius pers. ros. 3, 23. auch geneigte gunst, gönnerschaft: wann nun das glück gut, dasz du etwann durch der frauen oder der magd geneigte gunst in seine freundschaft kommest .. Schuppius 411. einem höheren empfiehlt man sich zu geneigtem wolwollen, bei verabschiedung zu geneigtem andenken. 2@ee) auch im adv., man bittet z. b. einen höheren, geneigt zuzuhören, etwas höheren orts geneigtest zu befürworten u. ä.; disz hab ich mir anjetzt zu schreiben vorgenommen. ich bitte, wollest mir geneigt zu hülfe kommen .. du geist von gott gesandt, ja selber wahrer gott. Opitz 3, 264 (trostged.); da gewiss höchsten ortes, so wie von ew. hochwohlgeboren gnädig und geneigt aufgenommen wird, wenn ich den zustand, in dem ich mich befinde, rein und treu auszusprechen wage. Göthe 60, 304, brief an v. Beulwitz aus Dornburg juli 1828 (briefw. mit Carl Aug. 2, 316), 'gnädig und geneigt', wie Luther unter c von gott als höchstem herrn, beide eigentlich dasselbe im ursprung; ein unternehmen, bei welchem man auch meiner auf das geneigteste gedacht hatte. 46, 238. auch hoch gesteigert hochgeneigtest, im curialstil: darüber denn meine unterthänige bitte dahin reichet: ewre  geruhen .. hochgeneigtest bericht über die lage der alimentationssache einziehen u. s. w. Göthe als rechtsanwalt bei Kriegk kulturb. 464. 468 u. ö. (vergl. hochrichterliche verfügung das.); schon im 16. jh.: (die reichsstände) so solh christlich .. werk zu furdern hoch geneigt. Frankf. reichsc. 2, 981; vergl. hochgeneigt, eigentlich ein wunderlicher widerspruch. 2@ff) übertragen z. b. geneigte winde, günstige: ist aber ja kein halten mehr, so seegle mit geneigten winden! Günther 281. 33) mit anderer färbung von der richtung auf ein ziel, welche wunsch und wille, denken und empfinden, sinn und gemüt nehmen oder haben; das mischt sich aber im einzelnen theils mit dem vorigen theils mit dem folgenden, oft nicht unterscheidbar. wahrscheinlich war dabei ein besonderer ausgangspunkt im leben mitwirkend, das zielen, zu dem z. b. der speer mhd. geneiget wird, aus der sonst aufrechten haltung auf das ziel gesenkt und gerichtet, s. deutlicher unter g, auch das bildliche treflich neigen unter d. aber auch die wage, deren zunge oder wagschale sich so oder so neigt, mag dabei mitgewirkt haben (s. neigen II, 5. III, 1. IV, 4), besonders wo ein schwanken sich zur entscheidung neigt. 3@aa) mischung mit dem vorigen erscheint, wenn es von fürsten, herren, behörden u. ähnl. gesagt wird, geneigt mit inf.: wiewol ein erber rate diser stat ... mer genaigt ist und sein sol, erberkeit und gute sitten zu meren ... Nürnb. pol. 117 (eingang der ordnung der frauenhäuser); und wiewol wir der billichait nach wol genaigt weren, gegen denselben knechten ... ernstliche strafe ... furzunemen ... schreiben kaiser Maximilians I., Frankf. reichsc. 2, 897; und weren deshalb sunderlich genaigt gewesen und noch, in aigner person zu euch (den ständen in Mainz) zu komen. 954 ebenso; und wer keys. maj. wol geneigt, ir ... diser zeit ... zu verschonen. 966. 3@bb) aber auch von anderm, ohne solche hohe stellung, z. b.: were auch gar willig und geneigt gewest .. selbst personlich euch zu ersuchen. Luther br. an die zu Frankfurt 1533 E ijb; so viel an mir ist, bin ich geneiget auch euch zu Rom das evangelium zu predigen. m. 1, 15; nun ist im ein yeder frummer wirt geneigt, wann ein gast etwas in sein haus bringt, das er im das mit allem fleisz und gern verwaret. Wickram rollw. 141, 2 Kz. (bereitwillig, gern erbötig), wo allerdings wünsche von der andern seite im spiel sind. aber auch ohne das, z. b. ich bin geneigt zu glauben u. s. w., wir sind geneigt anzunehmen, auch zu der annahme, jetzt beliebt in gewähltem oder zeitungsstil, übrigens auch man neigt (sich) zu der annahme u. ähnl. schon im 16. jh.: denen zeglauben ist mein herz geneigt, hos ut sequar inclinat animus. Maaler 168b. für den inf. auch ein abhängiger satz: di reine was doch allen dac geneiget ummer mêre, wie si nâch godes êre den siechen guot begatte (verschaffte). heil. Elis. 8143, mit ihrem sinn darauf gerichtet, emsig bedacht. 3@cc) das ziel der richtung wird mit zu bezeichnet, wie schon in den infinitivwendungen vorhin ich bin geneigt zu glauben, gleich neige mich zu dem glauben, schon mhd. (vergl. u. 2, b vom gütigen herrn, gott, zû uns geneiget): ir gebet si vaste las, dâ zû si wol geneiget was. heil. Elis. 8514; alle menschen sind mer zu bosheit dann zu gut geneiget. ackerm. aus Böhmen 51, 16; und wiewol sy (die Ungarn) zuo einem widerstand wol genaigt sein und (ihn) tun möchten .. Frankf. reichscorr. 2, 150, vom j. 1461, zu eignem widerstand gegen die heeresmacht des Türken; wa du dich entpfindest allermeist geneigt zuo bösem .. da luog das du allermeist sorg habest (sorglich darauf achtest). Keisersberg irrig schaf C 2a; bist du geneigt zuo hochfart, üppig er, ruom, lob, ergyt. das.; mit inf.: vast (sehr) geneigt guots zethuon, propensus ad bene merendum. Maaler 168c; wie soltest du denn nicht, o meine zuversicht (gott), geneigt sein mich zu schützen. S. Dach 371 Öst. es heiszt zum frieden, zur versöhnung geneigt. 3@dd) natürlich auch das gemüt (der mut), der wille, das herz u. ähnl.: als wir dan ye und allweg ir keys. maj. gemuet mehr zu gutigkeit dan scherpf (schärfe) geneigt zu sein vermerkt. Frankf. reichsc. 2, 948; ein ding mit geneigtem und guotwilligem gemt handlen, propenso animo. Maaler 168c; mit geneigtem willen, von herzen. das., vgl. Luther und Olearius unter 2, d; je mehr des himmels güte an jemand sich eräugt, je mehr ist sein gemüthe zu frommer lust geneigt. S. Dach 470 Öst.; das leicht bewegliche gemüth des volks ist nur allzu sehr geneigt, einen fehler weniger für eine tugend mehr anzuschreiben. Schiller VII, 328, 12 var. es hiesz auch mein wille neigt mich zu etwas: alles das, darzuo dich dein will .. on vorbetrachtung (vorbedacht) neigt. Keisersberg irrig schaf C 4a, auch got neiget daʒ herze, gibt ihm eine richtung, mhd.: got hatte sîn herze treflich zû der liebe der kongistochtir geneigit. Ködiz heil. Ludwig 25, 27, man bemerke treflich, eigentlich zum ziel treffend. 3@ee) mit dem dativ u. 2, b: er ist denen Franzosen geneigt, il tient le parti des Fr. Rädlein 543b, von politischer gunst und stimmung. auch von liebe, wie noch neigung (vgl. mhd. Ködiz unter d): er ist dem frauenzimmer sehr geneigt, extrêmement affectionné au beau sexe, sie ist ihm geneigt das.; auch geneigtes lieben: liebe mich, liebste, mein lieben soll wieder gegen dich schönste stäts bleiben geneigt. kunst über alle künste 94, 7. auch mit dativ der sache (s. 2, b, β): fühl ich mein herz noch jenem wahn geneigt? Göthe 12, 5 (Faust, zueignung); mystischen hirngespinnsten geneigt. Gersdorfs repert. 1840 s. 89; er zeigte sich einer verständigung geneigt oder nicht abgeneigt. noch kürzer weisheitgeneigt Fischart ehz. 408 Sch. 3@ff) früher auch mit gegen zur bezeichnung der richtung: ist dein gemüt in trewen gegen mir geneiget, so gewer mich meiner letzten bitt. b. d. liebe 257c; guoter und geneigter will gegen einem, benevolentia. Maaler 168c; gegen einem geneigt sein guots zebewysen. das.; diese (dichter) meinet sonderlich Aristoteles, Eth. ad Nic. lib. 9 c. 7, da er sagt, das sie ihre getichte über die masze lieb haben und so herzlich gegen ihnen geneiget sein, wie die eltern gegen den kindern. Opitz poet. 13 Br. (c. 3). noch im 18. jh. geneigt sein gegen jemand, être affectionné à quelcun, favoriser Rädlein 354b. 3@gg) aber auch mit auf, schon mhd.: wand an deme richtêre was geneiget drûf der mût, er hête heimelichen gût umme daʒ urteil genumen. pass. K. 15, 3; dein frölichs herz und frische jugent ist geneigt auf alle tugent. klopfan 6, weim. jahrb. 2, 97; auf bös ding geneigt, böser art. Maaler 168b; aufs bulen und saufen war er am meisten geneigt, ich aber von natur aufs balgen und schlagen. Simpl. 1, 428, 20 Kz.; also ganz ist unsere kunst, art und natur auf fremde ding geneigt, die wir nicht wissen oder verstehen. Zinkgref 2, 47, weitere belege auch unter 4. es ist das auf, wie bei gerichtet, das ziel (das eigentlich erhöht gedacht ist) bezeichnend, und das stammt vom zielenden schieszen, eben hier recht deutlich; das mhd. sper neigen war in der kampfsprache so vielgebraucht, dasz man das subst. auch sparen konnte (s. Lexer 2, 49): ûʒ sîner schar kam gerant (gesprengt) Stuotfuhs ûʒ Püllelant. ûf den geneigte Râmunc. Biterolf 8731 u. ö.; dazu gewiss geneiget ûf vom zielenden geschosz, dann auch muot geneiget ûf, wie oben, eigentlich zielend gerichtet, herze treflich geneiget zû unter d. 3@hh) auch im comparativ: bittestu (gott) recht, ehe du deinen mund aufthuost, so bist erhört von dem der geneigter ist zugeben, dann du zunemen. S. Frank spr. 2, 173b; unser will ist gegen im vil geneigter, propensior. Maaler 168c; zum friden vil geneigter, inclinatior ad pacem animus. das.; geneigter sein wir iemerdar zum bösen denn zum guoten zwar. Kirchhof wendunm. 1, 537 Öst. 44) eine andere, dritte oder vierte quelle des bildlichen geneigt ist wissenschaftlich, d. h. eigenschaften oder eigenheiten des menschen oder anderer wesen erklärt aus ihrer natur, angeborner art, complexion, temperament u. ä., die ihm eine gewisse richtung geben; das wird mit aus dem römischen alterthum übernommen sein. 4@aa) daher eines natur ist geneigt in einer bestimmten richtung: und schlegt (diesz hervorheben des gesetzes) on das zu unser natur, welche von sich selbs dazu geneigt ist und durch die gewonheit eingewurzelt und gesterket. Luther 6, 42b; es ist nicht ein new ding, dasz frauwen nichts verschweigen mögen (können), so doch ir natur darauf geneigt ist. buch der liebe 314b, vergl. Zinkgref unter 3, g, auch von natur geneigt aufs balgen u. ä. das. aus Grimmelshausen. daher auch genaturt und geneigt: sollen bergherrn und bergstedt feinen köpfen, die hiezu naturt und geneigt und lust und lieb zu der mathematiken und künsten haben, behülflich und förderlich sein. Mathesius Sar. 143b; yedermann ist genateürt und geneigt gält zuo gehalten, natura omnes homines restrinxit ad pecunie custodiam. Maaler 168a, dem lat. nach mehr zwang als 'neigung'. entsprechend ist gelehrt inclinirt (wie gebildete noch gern von incliniren sprechen): zu vollziehung eines jeden art und natur, zu der er inclinirt oder geeigenschaftet ist. Thurneisser alch., vorr. 4. auch von den gestirnen hiesz es, dasz sie den menschen neigen zu etwas, 'geneigt' machen: gleichwie der unterscheid in den geburtssternen die menschliche gemütter unterschidlich, eines zur kühnheit, das ander zur forchtsamkeit neige. Butschky Pathmos 668; vergl. Luther unter genaturt 1. 4@bb) so ist denn vielfach auch geneigt selbst gemeint, z. b.: qualitas .. art, eygentschaft dardurch einer geneigt ist, vel ad bonum vel ad malum. Melber t 5a, mit entschiedenster beziehung auf das sittliche; daʒ der mensch vil genaigt ist zuo unkäusch. Megenberg 183, 4; geneigt, geartet, zu laster oder zu tugend, pronus, studiosus. Maaler 168b; wenn (denn) eins ist mee zuo einem laster geneigt und würt mee (davon) angefochten, weder zuom andern. Keisersberg irrig schaf C 2a, s. denselben unter 3, c, wo auch sonst manches zugleich hierher gehörte, wol auch schon das wol geneiget zum gebet von der heil. Elisabeth; du (Canitz) bist von den belebten seelen, die zur empfindlichkeit geneigt .. sich mehr als grobe sinnen qvälen. Besser 291, d. h. von natur feinfühlig; geneigt zum trinken, sujet au vin. Rädlein 354b. noch jetzt sagt man z. b. er ist (von natur) zum jähzorn geneigt. 4@cc) auch rein körperlich, ärztlich, von krankheit, gewiss aus ärztlichem munde unter die leute gekommen, wie so vieles; schon mhd.: eʒ ist den nütz, die genaigt sint zuo der elephantischen auʒsetzichait. Megenberg buch d. natur 138, 12, lat. dispositi; einer krankheit underwürfig und darzuo geneigt, opportunus morbo. Maaler 168b; etlich sind mer auf ein krankheit geneiget dann die anderen, procliviores alii ad alios morbos. daselbst. auch das noch jetzt, z. b. ich bin zu erkältungen geneigt, seine constitution ist zu schlagflüssen geneigt (auch incliniert zu schlagflüssen), wo wunsch und wille gar nicht in frage kommen, sodasz die gründliche verschiedenheit vom vorigen in färbung und entstehung noch jetzt deutlich genug ist.
19057 Zeichen · 409 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geneigt

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Geneigt , -er, -este, adj. et adv. welches eigentlich das Mittelwort des Zeitwortes neigen ist, aber doch in einigen fig…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    geneigt

    Goethe-Wörterbuch

    geneigt über 3/4 der rund 1300 Belege in Br (im variationsreichen Höflichkeitsstil); häufig superl, bes in 2; vereinzelt…

  3. Sprichwörter
    Geneigt

    Wander (Sprichwörter)

    Geneigt Wozu einer geneigt ist, da ist er leichthin zu überreden. – Henisch, 1492, 54; Petri, II, 818.

  4. Spezial
    geneigt

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ge|neigt adj. 1 (schief) stort (-rc, -a), incliné (-ná, -nada), che ponn 2 (günstig gesinnt) desponü (-s, -da). ▬ geneig…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geneigt

8 Bildungen · 4 Erstglied · 3 Zweitglied · 1 Ableitungen

geneigt‑ als Erstglied (4 von 4)

geneigtfreundlich

GWB

geneigt·freundlich

geneigt-freundlich daß Ew. Hochwohlgeboren g. freundliche Erinnerung an heitere harmlose Tage mich zu ernst-schmerzlichen Betrachtungen vera…

geneigtheit

DWB

geneigt·heit

geneigtheit , f. abstr. subst. zu geneigt, seit dem 18. jh. neben neigung, das doch noch vorherrscht, aber durch jenes ersetzt wird, wo gene…

geneigtwillig

DWB

geneigt·willig

geneigtwillig , mit geneigtem willen, geneigt und willig, wie es sonst heiszt: hoffe, mein vorhaben werde dir ( leser ) nicht misfallen, son…

geneigt als Zweitglied (3 von 3)

abgeneigt

DWB

abgeneigt , alienus, stärker als ungeneigt, das die blosze abwesenheit der neigung ausdrückt: ich bin ihm abgeneigt, ich bin abgeneigt das z…

hochgeneigt

DWB

hoch·geneigt

hochgeneigt , part. : meinem insonders hochgeehrten und hochgeneigten herrn, vettern und paten. Schuppius 824 ; die hochgeneigten anwesenden…

ungeneigt

DWB

ungeneigt , part.-adj. adv. , i. a. gth. von geneigt ( s. d. th. 4, 1, 2, 3363 und th. 7, 575; zs. f. d. wortf. 3, 227. neigung II 3). mhd. …

Ableitungen von geneigt (1 von 1)

ungeneigt

DWB

ungeneigt , part.-adj. adv. , i. a. gth. von geneigt ( s. d. th. 4, 1, 2, 3363 und th. 7, 575; zs. f. d. wortf. 3, 227. neigung II 3). mhd. …

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Cotta, M. (2026). „geneigt". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/geneigt/dwb?formid=G07903
MLA
Cotta, Marcel. „geneigt". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/geneigt/dwb?formid=G07903. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „geneigt". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/geneigt/dwb?formid=G07903.
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