geneigt,
part. pass. zu neigen und sich neigen,
auch selbständig entwickelt als adj. und adv., schon mhd. geneiget.
das abstracte subst. dazu ist eig. neigung,
daneben doch geneigtheit. 11)
im eigentlichsten sinne z. b. geneigt zum fallen, sich neigend: pronus, ganz geneigt zu fallen. Melber t 2
a, Dief. 465
a,
schon ahd. kineigit
proclivus Graff 4, 1128; es ist nicht weit von uns ein geyschneider (
landschneider), welcher seinen alten ofen, so zum herabfallen geneigt, mit stricken zusammen gebunden. Abele
künstl. unordn. 2,
vorr. 6
b.
ähnlich bergmännisch: zunächst entscheidet (
bei der frage, ob bruchbau thunlich ist) die beschaffenheit des hangenden, ob es geneigt ist, zu bruche zu gehen oder nicht. Veith
bergwb. 119,
d. h. in richtiger weise zusammenzubrechen, wozu neigung
gehört, wol äuszerlich und innerlich zugleich verstanden, als ob lust und wille des hangenden mit in frage käme. 22)
vom menschen, erst eigentlich, dann bildlich, besser gesagt äuszerlich und innerlich genommen. 2@aa)
eigentlich oder äuszerlich von einem herrn o. ähnl., der bei einer vorgetragenen bitte '
sich neigt'
zu dem bittenden, sich ihm zuneigt mit kopf und oberkörper und damit seine günstige stimmung und gesinnung bekundet, während die entgegengesetzte bewegung ihn '
abgeneigt'
ankündigt, also eigentlich wie griech. κατανεύειν und ἀνανεύειν,
lat. annuere
und renuere,
die ja mit neigen,
goth. hneivan,
urverwandt sind; in zuneigung
und abneigung
wird das eigentlich noch heute deutlich genug fortgeführt, obwol sie nun mehr nach der bedeutung 3
verstanden werden, vgl. mhd. zuoneigen (gotes zû der sêle)
myst. 156, 26
und widerneigen
reclinare Dief. 487
b;
für zuneigung
oder zugeneigt
aber genügt für gewöhnlich das einfache neigung
und geneigt,
die eben das zuneigen eigentlich bezeichnen. erwähnenswert ist übrigens, dasz ursprünglich auch die haltung des bittenden oder hülfeflehenden ein neigen
ist und geneigt
genannt wird, wie denn ahd. nîgan
für adorare steht, also auch den göttern gegenüber, vgl. kanigan
advolutus, supplex Graff 4, 1127,
also fuszfällig, dem herrn oder sieger sich zu füszen werfend, gahneigit
subjugatus 1128,
eigentlich dem sieger vor den füszen liegend. es ist also wie bei hold
oder huld
und gnade,
die eigentlich auch sowol die geneigte haltung des herrn zum knechte oder ähnl. als auch das dienende oder unterwürfige neigen des knechtes vor dem herrn, des besiegten vor dem sieger bezeichnen. 2@bb)
daher mit dativ. 2@b@aα)
mit dativ der person, einem geneigt (
wie ahd. nîgan
mit dativ, sich vor oder zu einem neigen),
eigentlich von fürsten und herren u. ähnl., günstig, wolwollend, gütig gesinnt u. ähnl., schon mhd.: den gûten cristen was her gûtig unde geneigit, den ungloubigin herte unde gestrenge. Ködiz
heil. Ludwig 46, 33 (
var. geneigig); einem günstig und geneigt,
volens. Maaler 168
b.
mhd. auch noch sinnlicher mit zuo (
vgl. dazu 3,
c),
von gott als höchstem herrn: nu secht den kunic Sabaot, wie er geneiget ist zû uns in der liebe sînes suns
u. s. w. pass. H. 107, 86.
das glück,
als bewuszte macht gedacht, ist einem geneigt,
wie die götter: o, sprach der wolf, du seligs thier, das glück ist ganz geneiget dir. Waldis
Es. I, 56, 16; neigungen haben die götter
u. s. w. wem er geneigt, dem sendet der vater der menschen und götter seinen adler herab, trägt ihn zu himmlischen höhn. Schiller XI, 270 (
das glück).
noch jetzt mit dativ, wer z. b. mit bewerbung um ein amt mühe hat, sucht einfluszreiche männer sich geneigt zu machen,
forscht danach, wer ihm abgeneigt ist; er ist seinem diener sehr geneigt. Steinbach 2, 117;
der gegensatz auch übel geneigt, ungeneigt,
abhold, abgünstig Rädlein 354
b,
z. b. dem österreichischen haus übel geneigt,
mal-affectionné das. 2@b@bβ)
der dativ dann auch auf die sache übernommen, ein vorhaben in städtischer verwaltung z. b. scheitert etwa, weil der bürgermeister der sache nicht geneigt ist;
ein bittender findet den herrn seinen wünschen, seinem gesuche geneigt,
während die herren gern kühler sagen ich bin der sache nicht abgeneigt (
dagegen auch wol geneigt
s. unter 3,
a). 2@b@gγ)
der gegenstand wird aber auch mit gen. bezeichnet, wenigstens mit des,
in bezug darauf: die weil wir (
die reichsstände) uns irer keyserlichen maiestat hierinn zu undertheniger gehorsame schuldig erkennen,
des auch für uns selbs wol geneigt seind, so haben wir
u. s. w. reichsordn. 1539 130
b, wol geneigt,
wie sonst in fürstenmunde; gnädigen, lieben herren (
der rat von Lucern), als dann uf min ansuochen .. um min manrecht (
bürgerrecht) ich .. antwurt empfangen han, das ir .. des geneigt und guotwillig wärend. H. Salat 76,
heute entspräche dazu,
vgl. 3,
c. 2@b@dδ)
doch auch umgekehrt vom unterthan dem fürsten gegenüber (
vgl. a a. e.): die landsleute sind dem neuen könige geneigt,
flexi sunt ad novum regem popularium animi. Weber 341
b,
allerdings eigentlich von günstiger stimmung, wie unter 3,
e. 2@cc)
an den ursprung erinnert auch noch geneigt zu hören,
ein geneigtes ohr
oder gehör,
um das man bittet, wie es vom herrn heiszt, dasz er sein ohr neigt
dem bittenden oder der bitte: das man in (
gott) gnädig und geneiget mache zu hören. Luther 1, 70
b; du (
gott) kennst zwar unser ungemach und hörst uns auch, ach aber, ach, mit ungeneigten ohren. S.
Dach 389
Öst.; mit geneigten ohren anhören,
pronis auribus accipere. Steinbach 2, 117; man musz mit geneigten ohren und begierigem gemüthe hören. Olearius
pers. ros. 2, 32,
allerdings von predigt; und lausche, mit geneigten ohren, der freundschaft tröstendem gesang. Gotter 1, 220; diese gesinnung ists, diese absicht, um derentwillen ich mir ein geneigtes gehör erbitten darf (
von der versammlung). Göthe 32, 237,
zum andenken Wielands. auch geneigte hand
gottes, als retter die hand niederreichend gedacht: weil mich mein gott .. erröttet mit genaigter hand. Weckherlin 177 (
ps. 54, 8).
der schriftsteller spricht im vorwort den geneigten leser
an (
Simpl. 1, 3),
um seine gunst besorgt, Chr. Gryphius
selbst mit hochgeneigter leser!
im vorwort zur ausg. der gedichte seines vaters 1698,
wie schon Grimmelshausen
Simpl. 2, 265, 7
Kz. 2@dd)
dann ganz innerlich gefaszt geneigter wille, geneigter sinn
u. a.: marschalk, sprach der herzog, solchs wil ich mit geneigtem willen allzeit umb euch beschulden.
Galmy 219.
es heiszt auch willig und geneigt (
vgl. geneigtwillig); ich erkenne deinen geneigten willen,
agnosco favorem tuum. Steinbach; ich bin, lieben herren und freunde, lange auszen blieben mit meinem trostbrief an euch, wiewol es doch ja nicht an gutem, geneigtem und bereitem willen gefeilet. Luther 6, 11
a,
sachlich mehr zu 3,
d, wie folgendes; predigten musz man mit geneigtem und begierigen herzen anhören. Olearius
pers. ros. 3, 23.
auch geneigte gunst,
gönnerschaft: wann nun das glück gut, dasz du etwann durch der frauen oder der magd geneigte gunst in seine freundschaft kommest .. Schuppius 411.
einem höheren empfiehlt man sich zu geneigtem wolwollen,
bei verabschiedung zu geneigtem andenken. 2@ee)
auch im adv., man bittet z. b. einen höheren, geneigt zuzuhören,
etwas höheren orts geneigtest zu befürworten
u. ä.; disz hab ich mir anjetzt zu schreiben vorgenommen. ich bitte, wollest mir geneigt zu hülfe kommen .. du geist von gott gesandt, ja selber wahrer gott. Opitz 3, 264 (
trostged.); da gewiss höchsten ortes, so wie von ew. hochwohlgeboren gnädig und geneigt aufgenommen wird, wenn ich den zustand, in dem ich mich befinde, rein und treu auszusprechen wage. Göthe 60, 304,
brief an v. Beulwitz aus Dornburg juli 1828 (
briefw. mit Carl Aug. 2, 316), 'gnädig und geneigt',
wie Luther
unter c von gott als höchstem herrn, beide eigentlich dasselbe im ursprung; ein unternehmen, bei welchem man auch meiner auf das geneigteste gedacht hatte. 46, 238.
auch hoch gesteigert hochgeneigtest,
im curialstil: darüber denn meine unterthänige bitte dahin reichet: ewre geruhen .. hochgeneigtest bericht über die lage der alimentationssache einziehen
u. s. w. Göthe
als rechtsanwalt bei Kriegk
kulturb. 464. 468
u. ö. (
vergl. hochrichterliche verfügung
das.);
schon im 16.
jh.: (
die reichsstände) so solh christlich .. werk zu furdern hoch geneigt.
Frankf. reichsc. 2, 981;
vergl. hochgeneigt,
eigentlich ein wunderlicher widerspruch. 2@ff)
übertragen z. b. geneigte winde,
günstige: ist aber ja kein halten mehr, so seegle mit geneigten winden! Günther 281. 33)
mit anderer färbung von der richtung auf ein ziel, welche wunsch und wille, denken und empfinden, sinn und gemüt nehmen oder haben; das mischt sich aber im einzelnen theils mit dem vorigen theils mit dem folgenden, oft nicht unterscheidbar. wahrscheinlich war dabei ein besonderer ausgangspunkt im leben mitwirkend, das zielen, zu dem z. b. der speer mhd. geneiget
wird, aus der sonst aufrechten haltung auf das ziel gesenkt und gerichtet, s. deutlicher unter g, auch das bildliche treflich neigen
unter d. aber auch die wage, deren zunge oder wagschale sich so oder so neigt, mag dabei mitgewirkt haben (
s. neigen II, 5. III, 1. IV, 4),
besonders wo ein schwanken sich zur entscheidung neigt. 3@aa)
mischung mit dem vorigen erscheint, wenn es von fürsten, herren, behörden u. ähnl. gesagt wird, geneigt
mit inf.: wiewol ein erber rate diser stat ... mer genaigt ist und sein sol, erberkeit und gute sitten zu meren ...
Nürnb. pol. 117 (
eingang der ordnung der frauenhäuser); und wiewol wir der billichait nach wol genaigt weren, gegen denselben knechten ... ernstliche strafe ... furzunemen ...
schreiben kaiser Maximilians I., Frankf. reichsc. 2, 897; und weren deshalb sunderlich genaigt gewesen und noch, in aigner person zu euch (
den ständen in Mainz) zu komen. 954
ebenso; und wer keys. maj. wol geneigt, ir ... diser zeit ... zu verschonen. 966. 3@bb)
aber auch von anderm, ohne solche hohe stellung, z. b.: were auch gar willig und geneigt gewest .. selbst personlich euch zu ersuchen. Luther
br. an die zu Frankfurt 1533 E ij
b; so viel an mir ist, bin ich geneiget auch euch zu Rom das evangelium zu predigen.
Röm. 1, 15; nun ist im ein yeder frummer wirt geneigt, wann ein gast etwas in sein haus bringt, das er im das mit allem fleisz und gern verwaret. Wickram
rollw. 141, 2
Kz. (
bereitwillig, gern erbötig),
wo allerdings wünsche von der andern seite im spiel sind. aber auch ohne das, z. b. ich bin geneigt zu glauben
u. s. w., wir sind geneigt anzunehmen,
auch zu der annahme,
jetzt beliebt in gewähltem oder zeitungsstil, übrigens auch man neigt (sich) zu der annahme
u. ähnl. schon im 16.
jh.: denen zeglauben ist mein herz geneigt,
hos ut sequar inclinat animus. Maaler 168
b.
für den inf. auch ein abhängiger satz: di reine was doch allen dac geneiget ummer mêre, wie si nâch godes êre den siechen guot begatte (
verschaffte).
heil. Elis. 8143,
mit ihrem sinn darauf gerichtet, emsig bedacht. 3@cc)
das ziel der richtung wird mit zu bezeichnet, wie schon in den infinitivwendungen vorhin ich bin geneigt zu glauben,
gleich neige mich zu dem glauben,
schon mhd. (
vergl. u. 2,
b vom gütigen herrn, gott, zû uns geneiget): ir gebet si vaste las, dâ zû si wol geneiget was.
heil. Elis. 8514; alle menschen sind mer zu bosheit dann zu gut geneiget.
ackerm. aus Böhmen 51, 16; und wiewol sy (
die Ungarn) zuo einem widerstand wol genaigt sein und (
ihn) tun möchten ..
Frankf. reichscorr. 2, 150,
vom j. 1461,
zu eignem widerstand gegen die heeresmacht des Türken; wa du dich entpfindest allermeist geneigt zuo bösem .. da luog das du allermeist sorg habest (
sorglich darauf achtest). Keisersberg
irrig schaf C 2
a; bist du geneigt zuo hochfart, üppig er, ruom, lob, ergyt.
das.; mit inf.: vast (
sehr) geneigt guots zethuon,
propensus ad bene merendum. Maaler 168
c; wie soltest du denn nicht, o meine zuversicht (
gott), geneigt sein mich zu schützen. S. Dach 371
Öst. es heiszt zum frieden, zur versöhnung geneigt. 3@dd)
natürlich auch das gemüt (
der mut),
der wille,
das herz
u. ähnl.: als wir dan ye und allweg ir keys. maj. gemuet mehr zu gutigkeit dan scherpf (
schärfe) geneigt zu sein vermerkt.
Frankf. reichsc. 2, 948; ein ding mit geneigtem und guotwilligem gemt handlen,
propenso animo. Maaler 168
c; mit geneigtem willen,
von herzen. das., vgl. Luther
und Olearius
unter 2,
d; je mehr des himmels güte an jemand sich eräugt, je mehr ist sein gemüthe zu frommer lust geneigt. S. Dach 470
Öst.; das leicht bewegliche gemüth des volks ist nur allzu sehr geneigt, einen fehler weniger für eine tugend mehr anzuschreiben. Schiller VII, 328, 12
var. es hiesz auch mein wille neigt mich
zu etwas: alles das, darzuo dich dein will .. on vorbetrachtung (
vorbedacht) neigt. Keisersberg
irrig schaf C 4
a,
auch got neiget daʒ herze,
gibt ihm eine richtung, mhd.: got hatte sîn herze treflich zû der liebe der kongistochtir geneigit. Ködiz
heil. Ludwig 25, 27,
man bemerke treflich,
eigentlich zum ziel treffend. 3@ee)
mit dem dativ u. 2,
b: er ist denen Franzosen geneigt,
il tient le parti des Fr. Rädlein 543
b,
von politischer gunst und stimmung. auch von liebe, wie noch neigung (
vgl. mhd. Ködiz
unter d): er ist dem frauenzimmer sehr geneigt,
extrêmement affectionné au beau sexe, sie ist ihm geneigt
das.; auch geneigtes lieben: liebe mich, liebste, mein lieben soll wieder gegen dich schönste stäts bleiben geneigt.
kunst über alle künste 94, 7.
auch mit dativ der sache (
s. 2,
b, β): fühl ich mein herz noch jenem wahn geneigt? Göthe 12, 5 (
Faust, zueignung); mystischen hirngespinnsten geneigt. Gersdorfs
repert. 1840
s. 89; er zeigte sich einer verständigung geneigt
oder nicht abgeneigt.
noch kürzer weisheitgeneigt Fischart
ehz. 408
Sch. 3@ff)
früher auch mit gegen
zur bezeichnung der richtung: ist dein gemüt in trewen gegen mir geneiget, so gewer mich meiner letzten bitt.
b. d. liebe 257
c; guoter und geneigter will gegen einem,
benevolentia. Maaler 168
c; gegen einem geneigt sein guots zebewysen.
das.; diese (
dichter) meinet sonderlich Aristoteles, Eth. ad Nic. lib. 9 c. 7, da er sagt, das sie ihre getichte über die masze lieb haben und so herzlich gegen ihnen geneiget sein, wie die eltern gegen den kindern. Opitz
poet. 13
Br. (
c. 3).
noch im 18.
jh. geneigt sein gegen jemand,
être affectionné à quelcun, favoriser Rädlein 354
b. 3@gg)
aber auch mit auf, schon mhd.: wand an deme richtêre was geneiget drûf der mût, er hête heimelichen gût umme daʒ urteil genumen.
pass. K. 15, 3; dein frölichs herz und frische jugent ist geneigt auf alle tugent.
klopfan 6,
weim. jahrb. 2, 97; auf bös ding geneigt,
böser art. Maaler 168
b; aufs bulen und saufen war er am meisten geneigt, ich aber von natur aufs balgen und schlagen.
Simpl. 1, 428, 20
Kz.; also ganz ist unsere kunst, art und natur auf fremde ding geneigt, die wir nicht wissen oder verstehen. Zinkgref 2, 47,
weitere belege auch unter 4.
es ist das auf,
wie bei gerichtet,
das ziel (
das eigentlich erhöht gedacht ist)
bezeichnend, und das stammt vom zielenden schieszen, eben hier recht deutlich; das mhd. sper neigen
war in der kampfsprache so vielgebraucht, dasz man das subst. auch sparen konnte (
s. Lexer 2, 49): ûʒ sîner schar kam gerant (
gesprengt) Stuotfuhs ûʒ Püllelant. ûf den geneigte Râmunc.
Biterolf 8731
u. ö.; dazu gewiss geneiget ûf
vom zielenden geschosz, dann auch muot geneiget ûf,
wie oben, eigentlich zielend gerichtet, herze treflich geneiget zû
unter d. 3@hh)
auch im comparativ: bittestu (
gott) recht, ehe du deinen mund aufthuost, so bist erhört von dem der geneigter ist zugeben, dann du zunemen. S.
Frank spr. 2, 173
b; unser will ist gegen im vil geneigter,
propensior. Maaler 168
c; zum friden vil geneigter,
inclinatior ad pacem animus. das.; geneigter sein wir iemerdar zum bösen denn zum guoten zwar. Kirchhof
wendunm. 1, 537
Öst. 44)
eine andere, dritte oder vierte quelle des bildlichen geneigt
ist wissenschaftlich, d. h. eigenschaften oder eigenheiten des menschen oder anderer wesen erklärt aus ihrer natur, angeborner art, complexion, temperament u. ä., die ihm eine gewisse richtung geben; das wird mit aus dem römischen alterthum übernommen sein. 4@aa)
daher eines natur ist geneigt
in einer bestimmten richtung: und schlegt (
diesz hervorheben des gesetzes) on das zu unser natur, welche von sich selbs dazu geneigt ist und durch die gewonheit eingewurzelt und gesterket. Luther 6, 42
b; es ist nicht ein new ding, dasz frauwen nichts verschweigen mögen (
können), so doch ir natur darauf geneigt ist.
buch der liebe 314
b,
vergl. Zinkgref
unter 3,
g, auch von natur geneigt aufs balgen
u. ä. das. aus Grimmelshausen.
daher auch genaturt und geneigt: sollen bergherrn und bergstedt feinen köpfen, die hiezu naturt und geneigt und lust und lieb zu der mathematiken und künsten haben, behülflich und förderlich sein. Mathesius
Sar. 143
b; yedermann ist genateürt und geneigt gält zuo gehalten,
natura omnes homines restrinxit ad pecunie custodiam. Maaler 168
a,
dem lat. nach mehr zwang als '
neigung'.
entsprechend ist gelehrt inclinirt (
wie gebildete noch gern von incliniren
sprechen): zu vollziehung eines jeden art und natur, zu der er inclinirt oder geeigenschaftet ist. Thurneisser
alch., vorr. 4.
auch von den gestirnen hiesz es, dasz sie den menschen neigen zu
etwas, '
geneigt'
machen: gleichwie der unterscheid in den geburtssternen die menschliche gemütter unterschidlich, eines zur kühnheit, das ander zur forchtsamkeit neige. Butschky
Pathmos 668;
vergl. Luther
unter genaturt 1. 4@bb)
so ist denn vielfach auch geneigt
selbst gemeint, z. b.: qualitas .. art, eygentschaft dardurch einer geneigt ist, vel ad bonum vel ad malum. Melber t 5
a,
mit entschiedenster beziehung auf das sittliche; daʒ der mensch vil genaigt ist zuo unkäusch. Megenberg 183, 4; geneigt,
geartet, zu laster oder zu tugend, pronus, studiosus. Maaler 168
b; wenn (
denn) eins ist mee zuo einem laster geneigt und würt mee (
davon) angefochten, weder zuom andern. Keisersberg
irrig schaf C 2
a,
s. denselben unter 3,
c, wo auch sonst manches zugleich hierher gehörte, wol auch schon das wol geneiget
zum gebet von der heil. Elisabeth; du (
Canitz) bist von den belebten seelen, die zur empfindlichkeit geneigt .. sich mehr als grobe sinnen qvälen. Besser 291,
d. h. von natur feinfühlig; geneigt zum trinken,
sujet au vin. Rädlein 354
b.
noch jetzt sagt man z. b. er ist (von natur) zum jähzorn geneigt. 4@cc)
auch rein körperlich, ärztlich, von krankheit, gewiss aus ärztlichem munde unter die leute gekommen, wie so vieles; schon mhd.: eʒ ist den nütz, die genaigt sint zuo der elephantischen auʒsetzichait. Megenberg
buch d. natur 138, 12,
lat. dispositi; einer krankheit underwürfig und darzuo geneigt,
opportunus morbo. Maaler 168
b; etlich sind mer auf ein krankheit geneiget dann die anderen,
procliviores alii ad alios morbos. daselbst. auch das noch jetzt, z. b. ich bin zu erkältungen geneigt, seine constitution ist zu schlagflüssen geneigt (
auch incliniert zu schlagflüssen),
wo wunsch und wille gar nicht in frage kommen, sodasz die gründliche verschiedenheit vom vorigen in färbung und entstehung noch jetzt deutlich genug ist.