gefährte ,
m. fahrtgenosse, mhd. geverte,
ahd. giferto (
eigentlich gifertio),
auch noch kafarto,
s. Graff 3, 585,
aus fart
f. mit dem zusammenfassenden ge- (
sp. 1610
fg.): gifertun,
eigentlich die eine fart
zusammen machen. mnd. geverde,
nl. nicht entwickelt (
doch vergl. das n. gefährte),
dafür in anderer bildung gevaer,
s. Oudem. 2, 625.
auch ags. in andrer bildung gefêra
m. nhd. früher auch in gestutzter form gefert
u. ähnl., wie das folgende n., gfert Maaler 182
a,
eigen auch im 17.
jh. geferde Henisch 1418, gefehrde Stieler 416, gefährde Opitz (
s. 5);
noch im 18.
jh. auch geferte Frisch 1, 241
a, gefehrte, gefärte (
s. unter 1,
a).
wegen eines f. und n. s. 4. 5. 11)
in der urspr. bed., d. h. im bewuszten anschlusz an fart. 1@aa)
wie ahd. giverto
conviator, comes, noch im 15. 16.
jahrh.: geverte oder wandergeselle,
comitiva. voc. 1482 m 5
a; gefert, wäggesell,
comes. Dasyp. 337
b. 38
b; er ist auch verordnet von
den gemeinen zum geferten unser fart.
2 Cor. 8, 19.
ja noch im 18.
jh.: gefehrte,
reisgesell. Rädlein 331
b; gefärte,
socius itineris, comes. Steinbach 1, 398,
der auch in seinen beispielen noch fast blosz an den reisegefährten dachte: ein beredter gefärte ist so gut als ein wagen,
man kommt mit ihm so rasch vorwärts wie zu wagen, also auch noch das wandern darin vorgestellt; du bist mein gefärte auf allen reisen gewesen; eines andern gefärte gerne seyn wollen,
petere demigrationis societatem, wo an wanderburschen gedacht ist; ich will dir einen gefärten abgeben,
comitem me tibi addam. jenes sprichwort vom wagen ist älter: kurzweiliger gefert ist gleichsam ein rollwagen,
jucundus comes pro vehiculo est. Henisch 1418, 48; ein kurzweiliger gefehrt ist anstatt eines rollwagens. Schmeller 3, 80
aus Albertins
Gusman; ein lustiger gefährte ist ein rollwagen auf der wanderschaft. Göthe 19, 40
Hemp. als citat (
vgl. dort Loeper); ein lustiger gefehrde ist halber weg. Stieler 416.
auch hübsch wortspielend: ein gesprächer gefehrt ist an statt eines gefährs. Aler 862
b.
sprichw.: ein geferte soll freundlich sein. Henisch 1418, 54. 1@bb)
der pl. die geferten
bezeichnet ursprünglich auch die ganze reisegesellschaft, die '
zusammenreisenden'
als ganzes (
vgl.gefährtschaft),
während das heutige sprachgefühl das wort nur als '
mitreisender',
singularisch auffaszt. so noch im 16.
jh.: und da .. sie wider zu hause giengen, bleib das kind Jhesus zu Jerusalem, und seine eltern wustens nicht. sie meineten aber, er were unter den geferten. Luther
Luc. 2, 44 (
griech. ἐν τῇ συνοδία,
goth. in gasinþjam),
d. h. sie hatten sein fehlen unterwegs noch nicht bemerkt, in der meinung, er befände sich doch unter der gesellschaft. ein nachklang davon im 18.
jh. ist: mit vielen geferten reisen,
cum magno comitatu. Frisch 1, 241
a, Steinbach 1, 398. 1@cc)
daher auch von der begleitung eines herren oder helden o. ä. (
vgl. gesinde),
eigentlich zu einer bestimmten fart: swaʒ sneller geverten Sîvrit dô gewan!
Nib. 476, 2,
auch coll. daʒ geverte (
s. das n. gefährte 1).
noch nhd.: die menner aber, die seine (
des Saulus) geferten waren, stunden und waren erstarret.
ap. gesch. 9, 7,
zu der wendung vergl. comitari, gfert sein Maaler 182
a, Schönsleder S 8
a;
in einem Martinsliede vom heil. Martin und seinen gänsen: o lieber pater, vetter, bruder Merten, was hastu vor geferten in stramine nostro? Uhlands
volksl. 571; geferten von dienern und anderen guten freunden,
comitatus. Henisch 1418, 34,
wo doch vielleicht geferte
n. das ursprüngliche ist (
s.gefährte n. 1).
die jünger Christi heiszen mhd. auch die zwelf schiltgeverten,
aus dem kriegsleben übertragen. 1@dd)
der eigentliche sinn ist nun aufgefrischt, eig. aber doppelt gesagt in reisegefährte,
noch jetzt die gebräuchlichste anwendung des wortes, obwol man im plur. lieber die mitreisenden
sagt, da gefährte
zugleich eine innere beziehung voraussetzt (
s. 2).
schon mhd. auch wegegeverte (
auch wegefert,
mit abwerfen des ge-,
s. erlösung s. 239).
Auch das ge-
erfuhr früh eine auffrischung in mit geferte (
vgl. sp. 1611): gleichwol es den andern seinen mitgeferten nit ist lieb gewesen.
Zimmer. chron. 2, 220; unsere mitgeferten. Schaidenreiszer
Odyss. 161
b. 1@ee)
bemerkenswert einem einen geferten geben,
d. h. mit sich selbst, ihm '
gesellschaft leisten'
auf der fart: doch weil euch gfelt mein gfertschaft wol, so will ich euch ein gferten geben und bei euch wagen leib und leben. Ayrer 1869, 27.
auch im plur., schwerer erkennbar. ich hatte etliche fragen der religion halber, drumb nam ich mir ein reise für gen Wittenberg. ehrliche und gute leut, so noch beim leben, gaben mir geferten. Mathesius
Luther 198
b.
es lebt noch in einem einen helfer
o. ä. abgeben.
s. sp. 1702. 22)
der begriff erweiterte sich aber über fart
hinaus. 2@aa)
er muszte bald auch die gemeinsame aufgabe der geferten
mit einschlieszen, vermutlich gleich von anfang. so schon ahd., wenn die neun musen die geverten
heiszen bei Notker
Boeth.; mhd. z. b. hergeverten,
die geverten
einer hervart,
dann auch strîtgeverte Lexer 2, 1243, schiltgeverte (
s. 1,
c a. e.);
selbst so schon, dasz von einer vart
gar nicht mehr die rede ist, im Sachsensp. I, 12
die geverden
eines gutsbesitzers, miteigenthümer (
var. kumpanîe).
Nhd. z. b.: ir liebsten gesellen, bleibt allda bei einander, bisz so lang ich wider komme, dann ich mit meinem schiff und geferten wil auszfahren. Schaidenreiszer
Odyss. 111
b; allda schuf ich meinen geferten, sie solten des schiffs fleiszig hten. 112
a u. ö., gesellen
nennt er auch sonst die gefährten des Odysseus überhaupt, geferten
die er auf eine bestimmte fahrt mitnimmt, während Voss
für jenes gefährten
nahm (
in spätern ausgaben genossen),
für das zweite wechselnd genossen
und gefährten
Od. 9, 172
ff.; ihn zu trösten, öffnete drauf der pfarrer den mund schon, doch es fiel der gefährte mit seiner gesprächigen art ein .. Göthe 40, 301 (
Herm. u. Dor.)
u. ö., der apotheker, der mit jenem auf die brautschau ausgegangen ist; componirt von meinem treuen wirkens- und strebensgefährten Zelter. 45, 309.
vgl. kriegsgefährte, grabgefährten Schiller
in der kinderm., auf dem wege zum grabe. 2@bb)
in gesteigertem sinne weiter von dem engeren verkehr der geferten
überhaupt. so schon mhd., wenn ein ritter u. a. gerühmt wird als ein helt zuo dem swerte, zuo schimfe ein geverte. Haupt 11, 499, geverte
schlechthin gleich guter gefährte (
vgl.guot geverte
unter 3,
a),
wie sonst guot geselle.
von vertrautem umgang: am gefehrden lernet man einen kennen,
noscitur ex socio qui non cognoscitur ex se. Stieler 416,
sage mir mit wem du umgehst u. s. w.; beim geferten kan man einen kennen, den man sunst nicht därft einen (
l. ein) schalk nennen. Henisch 1418, 50.
so von stetem, auch vertrautestem verkehr, doch unterschieden von freund: die neigung giebt den freund, es giebt der vortheil den gefährten. Schiller
br. von Messina (1803) 23; wenn man dem einen ein gewisses zutrauen nicht versagen konnte, so erregte der andere das vollste vertrauen. wenn man den einen gern zur gesellschaft mochte (
vorübergehend), so wünschte man sich den andern zum gefährten. Göthe 17, 328 (
wahlverw. 2, 10,
nov.).
Das geht schon über in lebensgefährte,
gefährte auf dem lebenswege, wie man auch gatten lebensgefährten
nennt, gefährten fürs leben,
schon mhd. die lieben êgeverten Haupt 7, 127,
auch kurz geverte,
von der Eva: Adam und sîn geverte.
genes. 20, 9
D., und im 16.
jahrh.: da bracht er (
gott) alle thier, sie und er, zum Adam, aber séine sie odder geferten fand er nicht. Luther
über das 1.
b. Mos. J 3
b (
Dietz 2, 35
b),
s. dazu unter 4.
vgl. auch leidensgefährte, glücksgefährte. 2@cc)
am kräftigsten ist der begriff entwickelt in der bairischen redensart kainen geferten haben,
nicht seines gleichen Schm. 1, 567,
wie mhd. genôʒ,
vergl. widergate
sp. 1497.
mhd. aber kampfgeverten
auch von den beiden gegnern in einem kampfe Haupt 6, 181,
s. dazu sp. 1611 (3,
c) gestrîte
u. ä. gleich gegner. 33)
übertragen auf dinge, die damit vermenschlicht werden. 3@aa)
mhd. z. b. der helm als geverte,
treuer strîtgeverte
des helden: der helm, von arte ein adamas .. ame strîte ein guot geverte.
Parz. 53, 6.
nhd.: der pfenning ist der best gefert in allen landen. Henisch 1418, 52,
der nützlichste reisegefährte, der willkommenste camerad; willkommen, o silberner mond, schöner, stiller gefährt der nacht! du entfliehst? eile nicht, bleib, gedankenfreund! Klopstock
od. 1798 1, 223 (
die frühen gräber). 3@bb)
auch von gedankendingen, z. b. vom geiste der schönen künste, als unserm lebensgefährten: nein, ihr geist wird uns als ein treuer gefährte in alle richtungen des lebens .. folgen. Gellert (1839) 5, 64; nachrew ist worden mein gefert.
Ambr. lb. nr. 29; gäher rath (
übereilung) hat rew zum geferten. Henisch 1331; des glücks gefert ist neid. 1418; der leichtfertigkeit gefährden seind narrheit und gefährligkeit. Lehman
flor. 1, 487; der eigennutz war sonst vor längst vergeszner zeit ein friedlicher gefährt von der geselligkeit. J. E. Schlegel 4, 29; und aus den winkeln schleichen ihre (
der furien) gefährten, der zweifel und die reue, leis herbei. Göthe 9, 48; in der jugend ist ihm ein froher gefährte der leichtsinn. 40, 238. 3@cc)
in der musik heiszt im fugensatze die wiederholung des themas in einer zweiten stimme, sonst die antwort,
auch der gefährte ( Campe).
im bergbau nebengänge: gefährten,
weniger mächtige gänge, die einen hauptgang auf beiden seiten begleiten, s. Veith 226 (
vgl. den 'gang'
als gehend gedacht); gefehrten bei einem gange sind fast denen klüften gleich, kommen zu dem gange und setzen wieder davon
u. s. w. Rössler 3.
im 16.
jh. aber gefert
pl.: streichende genge, welche zwar allein nichts sonders thun, es fallen denn geschick oder gefert darzu. Mathesius
Sar. 99
a,
was denn vielmehr zu das geferte
gehört, s. gefährte n. 5,
d. 44)
fraglich ist ein fem., nach dem schon Graff 5, 585
bei dem ahd. gevertun
von den musen (2,
a)
fragte, ob das von einem fem. giferta
sei; fürs 16.
jahrh. bringt Luthers seine sie oder geferten
von Eva (
s. 2,
b)
die frage wieder, denn das f. seine
beweist nach dem damaligen sprachgebrauch kein f. für geferten.
aber das masc. auch von frauen ist schon mhd. bezeugt: lieber geverte
als anrede an eine frau Hagens
Germ. 9, 126 (Lexer 1, 960),
und im 16.
jahrh. wird Ovids officiosa comes
deutsch gegeben mit holdsäliger gfert Maaler 182
a; er hat sein weib gehabt für einen gefehrten in der flucht. Aler 862
b.
das ist denn wie bei geselle, buhle, gatte (
spalte 1496).
s. übrigens gefährtin. 55)
fraglich auch ein n.: das meer ist ein stetswehrendes gefährde des mondens, wächst mit ihm auf und wird auch mit ihm alt. Opitz 2, 288
Fellg. (
schäf. v. d. n. Herc.).
der dichter selbst schrieb wol freilich das masc. (Tittmanns
Opitz Leipz. 1869
s. 196),
aber das n. kann doch mehr als druckf. sein, da eben im 17.
jahrh. auch gatte,
wie gemahl,
als n. gebraucht war (
sp. 1496);
s. auch das nl. gevaerde
n., begleitung unter dem n. gefährte 1,
das ebenfalls gemeint sein könnte.