FROMMEN vb. ahd. frummen,
mhd. vrumen, vromen.
vgl. auch as. frummian,
mnd. vrōmen;
mnl. nnl. vromen;
afrs. fromia;
ae. framian, fremian.
abl. von frommen m. 1
förderlich sein, helfen, nützen. hauptgebrauch, frnhd. schwächer bezeugt; jünger gehoben und gegenwartssprachlich veraltend: 8.jh.
auxiliet frume
ahd. gl. 1,147,35 S./S. hs.A11.jh. daz si denno den tarent, den si frúme scolten
ahd. sprachdenkm. 169 S. ⟨n1172⟩ an dir, ewige vater, stet der gewalt./ .. du fromis vnde irres,/ du richtes vnde zewirres
litanei S 261 K. ⟨u1250⟩ darzuo muoz dir mîn helfe fromen/ und ouch mîn trôst ze staten komen Lamprecht v. Regensburg
tochter 1151 W. hs.14.jh. wirb ein ding daz dir vrume/ vnd mide daz dir zv schaden chume
Cato a facetus 46 Z. hs.2.h15.jh. er schatt im nit an der sel, sunder er frumt im vnd verdient damit
franziskan. schrifttum 1,201 R. ⟨1529⟩ ein boß wort, ein schenden, lestern, fluchen, schadet yederman, vnd frommet niemand Agricola
sprichw. (1534)L6b. ⟨1572⟩ offt eim bekoͤmpt, das jenem schadt,/ offt einem frombt, das jener klagt Büttner
Claus (1573)174. 1643 und möchte auch vieleicht diese erfindung mehr schaden als frommen Harsdörffer
gesprechsp. (1641)3,232. 1663 verständige leuthe .. verstehen wohl, daß es sehr ein nützlich ding ist, und trefflich frommet und fördert Praetorius
saturnalia 336. ⟨v1707⟩ συμφέρει heist eigentlich: es ist euch nützlich und profitabel, es bringet euch vielerley nutzen, es frommet euch sehr Magnus
Sorau (1710)362. 1786 es frommet auch nicht, jedem dinge viel nachzugrübeln, darum laß ichs bleiben Musäus
volksmärchen 191,242 Z. 1840 zeit geb ich dir diese nacht/ mit dir selbst zu rat zu sitzen,/ was dir frommen mag und nützen Grillparzer
I 5,84 S. ⟨1892⟩ diese gemeinsamkeit frommt nicht, schadet uns nur Fontane
ges. w. (Berl.o.j.) I 8,49. 1928 jeder werde dann .. von selbst das tun, was ihm am besten frommt. der nutzen aller einzelnen werde dann auch der nutzen der gesamtheit sein Kaulla
liberalismus 8. 1998 wenigstens das wird Schröder gefallen. dagegen frommt es der CDU nicht
frankf. allg. ztg. 97/18,1. 2
etwas vollbringen, ausüben, tun; jmdm. etwas zufügen. mhd. auslaufend: 8./9.jh.
facitus urbanus toenti frumenti
ahd. gl. 1,142,8 S./S. 863/71 joh allaz thin girati frumit sar zi stati Otfrid
III 24,19 E. ⟨v1022⟩ zuei ding sint fone dîen alliu uuerh kefrumet uuerdent Notker
1,3,251 ATB. ⟨u1147⟩ Rômære frumeten manige wunden
kaiserchr. 5217 MGH. ⟨M13.jh.⟩ nieman trûret wan ich eine,/ sît mir diu vil süeze reine/ frümt sô manic herzeleit
liederdichter 519 K. ⟨A14.jh.⟩ die sunde frumte alleine ich Lutwin
2879 LV. hs.15.jh. den bœsen frumt er in den tôt
meisterlieder kolmarer hs. 197,17 LV. 3
jmdn. etwas tun lassen. nachmhd. auslaufend. a
etwas veranlassen, erwirken, in der verbindung gefrümbt recht
besonders bestelltes gericht. häufig rechtlich und obd.: ⟨v1022⟩ er in umbe sîa frumeta irslagen Notker
3,1,326 ATB. 1275 roͮfet ein burger den andirn, oder sleht jn oder .. vaht jn, oder vrûmet jn geuangen, der het der herrin hulde verlorn
corp. altdt. originalurk. 1,250 W. 1340 fruͤmpt aver ieman einen ze vahen gen dem richter fuͤr einen schedleichen man, der sol dem richter verpuͤrgen zehen pfunt pfenning
denkm. münch. stadtrecht 333 D. ⟨1477⟩ daß der, so daß recht frumbt, dem richter, auch den geswornen, nach berckwerchs=rechten darumb thue
samml. baier. bergrecht 108b L. 1526 wo aber die partheyen, frembd redner, in den gefrümbten, oder gesatzten statt, vn̄ landtgerichten brauchen, soll jnen von ainem gemainen hanndel, ainen tag, zway phund perner .. vnd die zerung veruolgen
tirol. landesordn. a6b. ⟨1556⟩ wer einen aid frumbet zu schweren, der muß drei schilling und vier haller geben
württ. ländl. rechtsqu. 2,764. b
stiften; lesen lassen, von messen: ⟨u1160⟩ ein munstir vil here,/ der cristinheite ein betehus./ daz frumete der kivninc Flauius
trierer Aegidius 803 B. ⟨1264⟩ der rîche sî, der sol almuosen geben unde messe frumen
(bearbeitung) Berthold v. Regensburg
1,190 P./S. 1349 dovon man ihr alle jar an ihrem jartag fruͤmen schol sechtzich messen
qu. Wien (1895) II 5,92a. 1459 und sollent meister und gesellen dieselbe messe fromen und opfern, die uff der hütte stont
in: Heideloff
bauhütte (1844)39. 1524 so wollen die alten weiber nit mer mess frümmen und bestellen
sat. u. pasquille 23,156 Sch. c
machen lassen, in auftrag geben; bestellen. vereinzelt: ⟨1.h13.jh.⟩ ein buoch lît ze Arle/ daz der künec Karle/ hie vor vrumte geschriben
gute frau 3 S. u1365 swer an si
(zinngießer) fruͤmt werch von lautterm zin oder swer im selber lautters zin darzů geit, dem suͤllen si daz gantz giezzen
denkm. münch. stadtrecht 460 D. ⟨15.jh.⟩ ob das wär das di ladner pratt frumbtn von den pekchen, das sew es klain hiessen pachen von merers gewin wegen, das wandl 6 β ₰
öst. weist. 8,244. 1526 es soll kainer macht haben, ob es gleich von nöten were, einigerlay bey sloßern, rimern, satlern .. noch andern handtwerchsleuten zu frümen oder zu machen
hofordn. 2,182 K. 1592 ein ieder gewerbs oder handwerksmann, so waarn oder gefrümbte arbeit, was das ist, hinauß in die frembde verkauft oder verschickt, soll selbige bei seinem eidt selbsten verzollen
obrhein. stadtrechte II 1,173.Katzmann