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Erfahrung

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Meyers
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14 in 13 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Erfahrung

Bd. 6, Sp. 31
Erfahrung (Empirīe) heißt im allgemeinen das auf die unmittelbare sinnliche Anschauung eines Gegenstandes begründete Wissen im Gegensatz zu der durch Denken erworbenen oder durch Belehrung übermittelten Einsicht, sodann auch (im konkreten Sinne) jedes einzelne auf diesem Wege gewonnene Ergebnis (eine E.). Da unser Geist nur durch Vermittelung der Sinne mit der Außenwelt in Verbindung tritt, so beruht alle unsre Kenntnis der Dinge in letzter Linie auf E., und weder das Denken noch die (aus Büchern oder aus mündlicher Mitteilung geschöpfte) Belehrung vermögen diese zu ersetzen. »E. haben« heißt daher soviel wie mit den Eigentümlichkeiten der Dinge (oder Menschen) genau bekannt sein, und »unerfahren« wird derjenige genannt, der die Welt nur durch Überlieferung und nicht aus eigner Anschauung kennt. Anderseits ist aber die E., die für das praktische Leben oder für die Wissenschaft von Bedeutung und Wert sein soll, weder bloß die Summe der alltäglichen Erfahrungen, wie sie jeder ohne Mühe machen kann, noch besteht sie in dem Erlebthaben irgend welcher ungewöhnlichen Fakta (viele Menschen erfahren gar manches, ohne E. zu machen), sondern sie entspringt erst aus der Verknüpfung und richtigen Deutung dessen, was man erfahren hat. Die sinnliche Wahrnehmung gibt uns immer nur Einzelfälle, während dem Zwecke des Wissens nur gedient ist durch Regeln (Gesetze), die in allen Fällen Geltung haben; dazu ist aber eine denkende Bearbeitung der Erfahrungstatsachen erforderlich. Die vom Empirismus (s. d.) aufgestellte Forderung, daß das Erkennen sich auf die »reine« E. stützen müsse, hat daher einen guten Sinn, wenn sie besagen will, daß man ohne vorgefaßte Meinungen an die Betrachtung der Dinge selbst herangehen, ist aber falsch, wenn gemeint ist, daß man die Tatsachen der Wahrnehmung ohne Prüfung hinnehmen soll. Denn sehr oft lassen die letztern eine mehrfache Deutung zu (aus dem »Aufgehen« der Sonne kann auf eine Bewegung der Erde oder der Sonne geschlossen werden), und immer ist es Sache des Denkens, das Wesentliche, Allgemeingültige von den zufälligen und unwesentlichen Besonderheiten des einzelnen Falles zu unterscheiden und zu verhüten, daß voreilig falsche, durch die vorliegenden Tatsachen nicht gerechtfertigte Verallgemeinerungen aufgestellt werden. Dem bloßen Empiriker, der auf Grund einzelner, nicht weiter auf ihren Wert geprüfter und mit andern verknüpfter Erfahrungen urteilt und handelt, begegnet es daher oft genug, daß er durch den Erfolg selbst widerlegt wird oder unter andern als den ihm geläufigen Umständen keinen Rat weiß, weshalb auf allen Gebieten die rationelle (auf E. und Denken) basierte Auffassung oder Behandlung einer Sache höher geschätzt wird als die »Routine« des Empirikers. Alle Realwissenschaften sind zwar insofern Erfahrungswissenschaften, als sie die E. nicht entbehren können, sei diese nun eine äußere (objektive), wie in den Naturwissenschaften, oder eine innere (subjektive), wie in der Psychologie und den mit ihr zusammenhängenden Disziplinen, aber sie gründen sich nicht ausschließlich auf E. Auch begnügt sich die Wissenschaft nicht mit den zufällig gemachten Beobachtungen, sondern sie geht planmäßig vor und sucht Tatsachen, die geeignet sind, die Grundlage eines methodischen Schlußverfahrens zu bilden (vgl. Experiment und Induktion); oder sie beginnt umgekehrt mit hypothetisch aufgestellten allgemeinen Annahmen, um die (durch Deduktion) daraus abgeleiteten Folgerungen an der E. zu prüfen und so eine Bestätigung oder Widerlegung jener Annahmen zu finden. Auf den letztern Fall bezieht sich die Gegenüberstellung von Theorie und E.; die Theorie geht vom allgemeinen aus, die E. vom einzelnen, und das Ideal der (Real-)Wissenschaften ist erreicht, wenn beide vollständig zusammentreffen. Ob es Begriffe und Erkenntnisse gibt, zu deren Zustandekommen die E. überhaupt nicht erforderlich ist, ist eine zwischen Apriorismus (s. a priori) und Empirismus (s. d.) strittige Frage.
3956 Zeichen · 30 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erfahrung

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Erfahrung , plur. die -en, von der letzten Bedeutung des Zeitwortes erfahren. 1. Der Zustand, da man erfähret oder s…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Erfahrung

    Goethe-Wörterbuch

    Erfahrung 1270 Belege. In der Leipziger Frühzeit Rezeption des aufklärerischen Erfahrungsbegriffs (s dazu unter 5 a α de…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Erfahrung

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Erfahrung , s. Empirie .

  4. modern
    Dialekt
    Erfahrung

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Er-fahrung: nach dem Nhd. RA.: E. brengt de Lihr (Lehre) May-Trimbs .

  5. Sprichwörter
    Erfahrung

    Wander (Sprichwörter)

    Erfahrung 1. Aus der Erfahrung ist gut schwatzen. 2. Die erfahrung gibts. – Henisch, 922. 3. Die erfahrung ist der Stab,…

  6. Spezial
    Erfahrungf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Erfahrung , f опыт , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erfahrung

84 Bildungen · 79 Erstglied · 3 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von erfahrung 3 Analysen

er- + fahrung

erfahrung leitet sich vom Lemma fahrung ab mit Präfix er-.

Alternativen: erfahren+-ung er-+fahr+-ung

erfahrung‑ als Erstglied (30 von 79)

Erfahrungsammeln

GWB

erfahrung·sammeln

Erfahrungsammeln kritisch für die empirist Erkenntnissuche was uns der Verfasser versprach, ausgegossene Ahnungen, innige Empfindungen .. st…

Erfahrungsart

GWB

erfahrung·sart

Erfahrungsart Form der Erkenntnis Es gibt zweierlei E-en, die Erfahrung des Abwesenden und die des Gegenwärtigen. Die Erfahrung des Abwesend…

Erfahrungsarzt

Campe

erfahrung·s·arzt

◎ Der Erfahrungsarzt , des — es, Mz. die — ärzte, ein Arzt, der seine Kenntnisse mehr aus Erfahrung hat (empirischer Arzt).

Erfahrungsbegriff

Campe

erfahrung·s·begriff

○ Der Erfahrungsbegriff , des — es, Mz. die — e, ein Begriff, den man durch Erfahrung erlangt hat. » Erfahrungsbegriffe haben ihren Boden in…

Erfahrungsbeleg

GWB

erfahrung·s·beleg

Erfahrungsbeleg mBez auf d’Altons natwiss Abbildungen als Veranschaulichung des Typushaften am konkr Beispiel das Dargestellte fließt .. aus…

erfahrungsbereich

DWB2

erfahrung·s·bereich

erfahrungsbereich m. : 1911 Kornfeld machtverhältnisse 5. 1977 andere erfahrungsbereiche heißen ‘umgang mit sachen – beobachtend, messend, e…

erfahrungsbericht

DWB2

erfahrung·s·bericht

erfahrungsbericht m. : 1953 Zahn freunde 43. 1979 anhand von erfahrungsberichten von arbeitslosen .. fragt die ‘Dienstagredaktion’ .. nach l…

Erfahrungsbeweis

Campe

erfahrung·s·beweis

○ Der Erfahrungsbeweis , des — es, Mz. die — e, ein Beweis, den man aus der Erfahrung hernimmt. Erfahrungsbeweise für das Übersinnliche sind…

Erfahrungsboden

GWB

erfahrung·s·boden

Erfahrungsboden iS natwiss Praxis, Empirie daß .. die Mathematik .. auf dem E. sogleich .. periclitirt und .. zum Irrthum verleiten .. kann …

Erfahrungselement

GWB

erfahrung·s·element

Erfahrungselement für das in der Realität gegebene ästhet Material [ gegen eine eklektizist Kunstauffassung ] ob nicht für die Operation des…

Erfahrungsfähigkeit

GWB

erfahrung·s·faehigkeit

Erfahrungsfähigkeit natwiss Beobachtungsgabe Tycho. Trauriges Beyspiel daß man bey .. ungemessner Erfahrungs-Fähigkeit doch eine Neigung zum…

erfahrungsfall

DWB

erfahrung·s·fall

erfahrungsfall , m. rechte, welche auf besondere erfahrungsfälle bezogen werden. Kants rechtslehre 1798 s. iv.

erfahrungsfrei

DWB2

erfahrung·s·frei

erfahrungsfrei adj. : 1781 irrungen .., die bisher die vernunft im erfahrungsfreien gebrauche mit sich selbst entzweiet hatten Kant 4,9 ak. …

Erfahrungsfülle

GWB

erfahrung·s·fuelle

Erfahrungsfülle für Lebens- u Naturerfahrung iGz idealist Spekulation [ Meph: ] Seit manchen Monden, einigen Sonnen | E. habt ihr wohl gewon…

Erfahrungsgang

GWB

erfahrung·s·gang

Erfahrungsgang auf der Beobachtung konkr Einzelphänomene basierende natwiss Verfahrensweise in diesen [ Newtons ‘Optical lectures’ ] ist ein…

Erfahrungsganze

GWB

erfahrung·s·ganze

Erfahrungsganze das Schema [ zu den ‘Propyläen’ ] sowohl über das theoretische als über das E. 1) B13,85,24 Schiller 3.3.98 1) vgl Schiller …

erfahrungsgebiet

DWB2

erfahrung·s·gebiet

erfahrungsgebiet n. : 1855 das träumen ist ein erfahrungsgebiet, welchem .. eine .. intellectuelle, ethische und geistliche bedeutung zukomm…

Erfahrungsgebrauch

GWB

erfahrung·s·gebrauch

* Erfahrungsgebrauch mBez auf die Ermöglichung sinnl Anschauung durch die Verstandesbegriffe (Kategorien) [ Inhaltsverz der ‘Kritik der rein…

erfahrungsgegenstand

DWB2

erfahrung·s·gegenstand

erfahrungsgegenstand m. : 1822 Fries naturphilos. 13. 1978 es werden einzelnen erfahrungsgegenständen phonologische elemente zugesprochen, d…

erfahrungsgemäß

GWB

erfahrung·s·gemaess

erfahrungsgemäß a empir Kenntnis u sinnl Anschauung entsprechend [ üb Vulkanismus ] daß .. ein thätiges Feuer immer einen Herd voraussetze. …

ERFAHRUNGSGEMÄSZ

DWB2

ERFAHRUNGSGEMÄSZ adj. zuss. von erfahrung f. mit gemäß präp., adj. oder abl. von erfahrung f. auf erfahrung basierend, erfahrungen zufolge. …

erfahrungsgesetz

DWB2

erfahrung·s·gesetz

erfahrungsgesetz n. : 1797 Schelling ideen 122. 1930 die erfahrungsgesetze der stofflichen vererbung Darré neuadel 134.

Erfahrungsgewißheit

GWB

erfahrung·s·gewissheit

* Erfahrungsgewißheit Bindestrichschr als eingeschränkte Evidenz iUz prinzipiellen od ‘eigentlichen Gewißheit’ [ für: certitude d’expérience…

erfahrungsgrund

DWB2

erfahrung·s·grund

erfahrungsgrund m. auf erfahrung beruhender grund. meist im plur.: 1696 Leibniz dt. schr. 1,390 G. 1957 aus erfahrungsgründen hätte die welt…

erfahrung als Zweitglied (3 von 3)

Grenzerfahrung

RDWB1

Grenzerfahrung f (kein Bezug zu "граница") предел чьих-л. сил; грань; испытание; проверка на прочность идиом. , разг. ; проверка на вшивость…

Rechtsverfahrung

DRW

rechts·verfahrung

Rechtsverfahrung, f. Gerichtsverfahren sein amt vermag, daß er [landhauptmann] bey allen rechts-verfahrungen præsidire 1689 Valvasor,Krain I…

Ableitungen von erfahrung (2 von 2)

unerfahrung

DWB

unerfahrung , f. , mangel an erfahrung, bekanntschaft. ruditas Maaler 460 b : so ich von wegen meiner unerfarung jemants .. sein geburende t…

urerfahrung

DWB

urerfahrung , f. ( vgl. grunderfahrung): vergessen dieser urerfahrungen Nietzsche 4, 253 ; die triebhafte u. geht in ein urwissen über Speng…