Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
eigenschaft stF.
1.1 über Sachen
1.1.1 allg. ‘Eigentum, Besitz’ (oft bezogen auf die Besitzlosigkeit von Mönchen)
1.1.2 ‘Eigentumsrecht’ (Verfügungsrecht über Eigentum im Ggs. zu Lehen)
1.1.3 übertr. (mit Übergang zu 2)
1.2 über Personen
1.2.1 ‘Leibeigenschaft’
1.2.2 (freiwillige Leibeigenschaft) ‘Ergebenheit, Dienstbarkeit’
1.2.3 ‘Eigensinn, Ichbezogenheit’ (im Ggs. zu Gottergebenheit)
2 ‘Eigenart’
2.1 ‘Beschaffenheit, Wesen(smerkmal)’
2.2 von ‘aus sich selbst heraus’
2.3 ‘eigentliche, ursprüngliche Bedeutung’
1 ‘Verfügungsgewalt, Besitz’ wir suln alliu dinc haben, als ob sie uns gelihen sîn und niht gegeben, âne alle eigenschaft, ez sî lîp oder sêle, sinne, krefte, ûzerlich guot oder êre, vriunde, mâge, hûs, hof, alliu dinc Eckh 5: 296,5 1.1 über Sachen 1.1.1 allg. ‘Eigentum, Besitz’ (oft bezogen auf die Besitzlosigkeit von Mönchen): inchein mvnch inhein eiginschaft sol han BrEng 33; an disen drîn dingen: kûscheit, gehôrsame, zu lebene âne eigenschaft, liget dirre regelen craft StatDtOrd 29,31 u.ö.; also geschiht dir, geistlicher mensch: stirbest dv in eigenscheft, dir wirt genomen alliv div vrævde vnd aller der lon, den dv verdient hetest in dem himelrich PrBerthKl 4,86; SpitEich 2,10 1.1.2 ‘Eigentumsrecht’ (Verfügungsrecht über Eigentum im Ggs. zu Lehen): so geben wir in ægenschaft an der muͤl, die vor lehen von vns ist gewesen UrkCorp (WMU) 2849A,4; vnd sol der maister des spitals mit der aigenschafft tvn, swaz er wænt dem spital nvtze vnd gvͦt sêi ebd. 3415,43; eîgenschaft des [...] guotes ebd. 727,35; von dem daz lehen des ersten chomen ist unde des diu eigenschaft ist, mit dem mag er ez wol zeim erbelehen machen StRAugsb 155,35 1.1.3 übertr. (mit Übergang zu 2): min zunge / bi in [den beiden Liebenden] niur ain hertze zelt; / wan iegliches hat erwelt / daz ander zuͦ einer aigenschaft WhvÖst 2387. – wir haben ein eigenschaft an gote, dâ mite wir würken mügen als mit unser eigener sêle Eckh 3:200,7 1.2 über Personen 1.2.1 ‘Leibeigenschaft’ nâch rehter wârheit sô hevet sich eigenschaft von getwange, unde von vancnüsse, unde von unrehtem gewalte SpdtL 222,24. 222,6; ez ist gar wider gotes gebote, / der sîner kinde vrîheit / der eigenschefte vür leit, / daz er si ze schalken gebe Tr 6108; do wart dén heidin angeleit / der zoum zinslichir êigenschaft RvEWchr 28183; NvJer 8679. – übertr.: Krist, durch den vrîtak, [Karfreitag] , den du vri uns hast gegeben, / [...] von todes eigenschaft wir sint gevrîet Rumelant 3,54b; in dez tievels lant / und siner eigenschefte bant RvEWchr 11025; KvWTroj 8285; mit Übergang zu 1.2.2: sus hât er sînen muot / und sînen sin dem guot gegeben: / er muoz in eigenschefte leben WälGa 2812 1.2.2 (freiwillige Leibeigenschaft) ‘Ergebenheit, Dienstbarkeit’ wer dem helde gesiget an, / der füret di frauwen mit im dan, / er gewynne dan sein holde / mit silber und mit golde / oder sust mit aigenschafft HvNstAp 6103. – im Minnedienst: du süeze wîp, do dich mîn ouge alrêst gesach, / dô gap ich mich dir alse eigenlîche, / daz ich dir die eigenschaft nie sît zerbrach SM:UvS 22: 3,3; ich [...] bin vereygent eygentlich / und kan niht eygener werden. / kein eygenschaft uff erden / kan sich gein der gemodeln Minneb 1718 1.2.3 ‘Eigensinn, Ichbezogenheit’ (im Ggs. zu Gottergebenheit): in einem gelazsenen [gottergebenen] menschen [...], in dem sich nút zitliches gebirt nach eigenschaft, dem werdent sinú oͮgen uf getan, daz er [...] ist eins mit im Seuse 340,27; nu koment die vernúnftigen [...], und besitzent do ir natúrlich liecht mit eigenschaft, recht als es got si, und es enist nút denne ir blosse nature Tauler 167,8. 369,30 2 ‘Eigenart’ 2.1 ‘Beschaffenheit, Wesen(smerkmal)’ daz ist gotes eigenschaft und sîn natûre, daz er unglîch sî und niemanne glîch sî Eckh 2:89,6; gotes eigenschaft ist wesen ebd. 1:131,4. 5: 22,18; von der aigenschaft und von der wesunge unnd von krefften ettlicher kreüter [...] wellenn wir sagenn HvHürnh 59,1; Tauler 252,20; Tr 17039 2.2 von ~ ‘aus sich selbst heraus’ sie sündære / [...] jâhen durch des tiuvels spot, / daz alliu dinc von eigenschaft / trüegen lebelîche kraft, / als rehter schephære / nie wurde und niht wære RvEBarl 2103 2.3 ‘eigentliche, ursprüngliche Bedeutung’ mensche in der eigenschaft sînes namen in dem latîne meinet in einer wîse den, der sich alzemâle under got neiget und vüeget Eckh 5: 115,20
MWB 1 1522,58; Bearbeiter: Runow