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MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

dot Präp., refl.

Bd. 2, Sp. 437
Wossidia dot (lautl. döt) Adj. tot I. prädikativ 1. mit oder ohne Hilfsverben: he is vörig Johr dot wääst gestorben RoRostock@RibnitzRibn; dee is all lang' dot, steiht bald wedder up SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; wat is dee all lang' dot, dee vör 'n Johr stürw MaMalchin@DargunDarg; Raabe Allg. Volksb. 24; wat is dee all lang' dot, dee vör 'n Johr graben is, säd' Helms, dor läwt he noch Hoef. 79; V.-H.-Kal. 1896, S. 1; wenn se nich dot sünd, kœnen se hüt noch läben häufiger Märchenschluß; dot is he all, nu bruukt he bloss noch graben warden beim Kartenspiel, wenn der Gegner viele Stiche abgeben muß StaStargard@MirowMir; bei derselben Gelegenheit, indem man die Karte des Gegners sticht: rup up 'n Schimmel, wenn he ok dot is, up riden kann 'n dor doch WiWismar@NeuklosterNKlost; ebenso: de Hunn', dee dot sünd, biten nich mihr RoRostock@KlockenhagenKlock; Grossmudder säd', wenn ein dot wir, süll 'n nich weinen, œwer wenn ein geburen würd' LuLudwigslust@Groß LaaschGLaasch; die häufige Redewendung wer dot is, lett sin Kikent, erweitert ... un sin Schiten, d. h. die Toten kehren nicht wieder, lehnt Gespensterfurcht ab; wenn wi dot sünd, schitt uns de Hund up 't Graff d. h. wir geraten bald in Vergessenheit Wa; Ablehnung und Verachtung drückt aus: wenn ick dot bün, kannst mi Winkollschal vör 'n Noors geiten Zs. Vk. 2, 185; scherzhafter Stoßseufzer eines unbegebenen jungen Mädchens: Ick mücht, dat ick dot wir Un leg', wo väl Brot wir, Un wir mit Pannkauken taudeckt Un würd' von 'n jungen Kavalier wedder upweckt ebda; wenn de Wis' dot is, swörmen de Immen œwerall d. h. nach dem Tode des Vaters löst sich die Familie auf; öft. iron. bei einem Fehlschlag: nu is 't anner Kind ok dot HaHagenow@RedefinRed; PaParchim@DobbertinDobb; nu is de anner Ul ok dot, un Grossmudder läwt noch Ro; se hett all einen Mann dot war schon einmal verheiratet WaWaren@ZippelowZipp; hett hei all ein Fru dot? RoRostock@BlankenhagenBlank; Reut. 7, 307; söss Kinner heff ick in 'n Läben, vier heff 'ck all dot RoRostock@AltheideAHeide; dot sœlen se all, seggt de Köster sagt man beim Kartenspiel, wenn man dem Gegner die Trümpfe abzieht HaHagenow@VellahnVell; duller kann nicks sin as dot un denn in de Höll HaHagenow@RedefinRed; PaParchim@DobbertinDobb; RoRostock@KlockenhagenKlock; SchöSchönberg@BössowBöss; dor mücht ick nich dot an Buurd sin auf einem Schiff von geringer Seetüchtigkeit RoRostock@WarnemündeWarn; mehrf. in Vergleichen: dot as ne Ul HaHagenow@RedefinRed; ... as ne Katt ebda; ... as ne Mütz Wa; ... as ne Rott SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; übertr. kraftlos von Urkunden und geldlichen Forderungen: 'unde de (breve) nu na disser tiit alle machtlos unde doet wesen scholen' (GüGüstrow@BützowBütz 1429) Jb. 14, 266; 'hirmede schal alle koste, terynghe unde schade ... dood, leddech unde loos wesen' (1399) UB. 23, 583; erloschen vom Feuer: nu is 't dot SchöSchönberg@GrevesmühlenGrev; Reut. 5, 270; leblos von Gebäuden: wenn de Döschers utdöscht hadden, wir de Schün dot WiWismar@Hohen NiendorfHNiend; beendet: wenn de Aust dot is GüGüstrow@GülzowGülz. 2. mit der Präp. för: he leg' för dot WiWismar@Hohen NiendorfHNiend; hett för dot dal lägen StaStargard@StrelitzStrel; WaWaren@ZippelowZipp; föllen för Dod ... üm Reut. 4, 316; as de Daglöhners ehren Brauder för dod up den Hof bröchten Stillfr. Köst. 1, 62. 3. in loser Verbindung mit Verben: hei hett dot vör de Dör lägen RoRostock@RibnitzRibn; se müssten ehr dot dorlaten Börg; de Schipper is dot œwerbröcht als Leiche mit dem Schiff in die Heimat gebracht AHag; hei is fuurts dot ümfallen Klock. 4. in fester Verbindung mit Verben a. sterben, das mit dot bliben (vgl. dazu bliben 1, 953) umschrieben wird: 'den 9. Julius blef ein man dot bi dem junkfruwenkloster' (1564) Beitr. Rost. 17, 17; wer lawt warden will, möt dot bliben, un wer veracht't warden will, möt frigen Ro; auf die Aussteuer bei Wiederverheiratung spielt an. wenn dei Fru dot blifft, kümmt dei Mann ein Koppküssen höger tau liggen Zs. Vk. 2, 185; dor is all wedder 'n Farken dot bläben hieß es im Scherz beim Läuten der Hofglocke Schö Schönberg@TestorfTest; dee is bi 't Dotbliben to Schaden kamen Ro; dat Dotbliben kann 'n man einmal maken HaHagenow@BelschBelsch; hüt abend ward noch een nahmen kort vör 't Dotbliben stark gezecht Wa; nach der Volksmeinung erfolgt der Tod häufig durch zu reichliche und kostspielige Nahrung, daher antwortete ein alter Kutscher auf die Anrede: na, Peter, läben Se noch? Wat süllen wi Oort Lüd' woll äten, dat wi dot bliben deden Ro Rostock@KörkwitzKörkw; abgeschwächt: ick blef dot ich wurde ohnmächtig StaStargard@RatteyRatt; he will binah dot bliben erregt sich stark WaWaren@Klein LuckowKLuck; dat is keine dotblibende Krankheit nicht tödlich WaWaren@Groß GievitzGGiev; Weiteres s. bäten 2; bliben I 2. dot bei anderen Verben: he is dot gahn LuLudwigslust@WarlowWarl; Ro; dee is dorbi dot kamen GüGüstrow@BützowBütz; SchöSchönberg@KlützKlütz; he is dot verdrunken RoRostock@WarnemündeWarn; dot hungern, s. Brotschapp; hei hett tau 'n Läben tau wenig (nich naug) un tau 'n Dothungern tau väl Schw Pamp; Wovon sall ick denn glatting warden, Ick möt jo rein in 'n Stall dot starben Wo. V. 3, 93 a. b. Umschreibungen für töten: einen dot maken Matth. 16, 21; ahn Äx geiht dat nich af, säd' de Floh, as hei dot maakt warden süll Wo. V. 2, 272; nee, nu slah mi man einer dot! Ausruf der Verwunderung Gü; einen Starrkopf kann 'n dot slahn un wedder lebennig, hei deit 't doch nich GüGüstrow@GülzowGülz; he slög' em am leiwsten mit de Ogen dot hegt einen tödlichen Haß gegen ihn ebda; dor lat ick mi dod up slagen (das ist meine feste Überzeugung) Reut. 6, 64; Geld dot slahn verschwenden RoRostock@KlockenhagenKlock; Reut. 5, 333; dot stäken: lütt Farken dot stäken, morgen wœlt Wüsten stoppen, pike, pike, pike (im Kitzelreim) Wo. V. 3, 336 a; he hett de Bäckeri dot stäken die Bäckerei als sein Handwerk aufgegeben RoRostock@BastorfBast; andere Verbindungen: se hebben ehr aderslagen un dot bläuden laten öft. in Hexensagen; döde piken im Kitzelreim Wo. V. 3, 338; das weichliche Kind tröstet man: sonn bäten Rägen föllt keinen dot Wa; dee (die Stute) hett dat Fahlen dot sög't hatte zu fette Milch WaWaren@JabelJab; een Schap wir dot wascht bei der Schafwäsche umgekommen Wa. c. übertr. Wendungen, z. B. vom Unermüdlichen: dei is nich dot tau krigen RoRostock@KlockenhagenKlock; Reut. 2, 360; auch von heftigem Wind: de Oost kreg' de Westensee dot RoRostock@Nienhagen bei DoberanNHagD; wenn he will, arbeit't he noch 'n jungen Kierl dot un dal Fromm. 2, 223; de Ollsch, de wirtschaf't noch drei Jung' dod Reut. 3, 90; der Querkopf kann 'n Pierd dot argern Wa; der Schwätzer räd't 'n Düwel dot Ro; kann einen dot un wedder lebennig räden GüGüstrow@GülzowGülz; he sing't allens dot un dal übertönt mit seiner lauten Stimme die übrigen Sänger StaStargard@StrelitzStrel; Bri. 2, 106; wi kœnen den Storm nich dot sägeln sind ihm ausgeliefert, können ihm nicht durch schnelle Fahrt entkommen. d. refl.: sabbel di dot abweisend zum Nörgler GüGüstrow@SchwaanSchwaan; iron. zum allzu gründlichen Mischer beim Kartenspiel: dor hett sick körtens mal einer dot mischt Pa Parchim@GoldbergGoldb; in Crivitz sall sick körtens mal ein dot stäken hebben ebenso SchwSchwerin@Groß RogahnGRog; de hett sick dot blött ist bankerott HaHagenow@RedefinRed; auch vom abflauenden Wind WaWaren@JabelJab; ebenso: nu hett he sick dot snaben Wa; bi denn' ät ick mi nich dot bleibe nicht bis zu meinem Lebensende in seinem Dienst Wa; he hett sick dot lacht vom Kartenspieler, der keine Trümpfe mehr hat RoRostock@KühlungsbornKühl; vom sich legenden Sturm Ribn; dat oll Anker hett sick all wedder dot lacht hieß es, wenn das kleine Branntweinfaß leer war SchwSchwerin@PinnowPinn; dor mücht ick mi dot üm weinen im Tiermärchen SchöSchönberg@WölschendorfWölsch; dee löppt sick dot von einem blinden Weg RoRostock@KühlungsbornKühl; oft von schwerer, zuweilen fruchtloser Arbeit: manchmal kann 'n sick dot bottern GüGüstrow@RensowRens; dor kann 'ck mi dot mit maken HaHagenow@KuhstorfKuhst; häufig durch dal verstärkt: sick dot un dal drägen, lopen, marachen, trecken u. ähnl., s. dal. II. selten attributiv: 'etlyke dode licham' Slagg. 130; 'an Doden unde levendigen Creaturen' Gry. Paw. 4b; 'de doden Müse byten nicht' Gry. Lb. 2, 71b; urtica iners, mortua 'dode Nettel' Chytr. 491; dod' Water ein toter d. h. nicht fließender Flußarm RoRostock@WarnemündeWarn; in der Mda. meist dodig. FN.: up 'n doden Kierl ein Reisighaufen bei MaMalchin@GalenbeckGal, der dort an einer Mordstelle aufgeschichtet ist; de dode Mann; 'totes Moor, tote See'. III. substantiv. de Dod' der Tote 1. sprachliche Belege: 'n Doden Luk. 7, 12; 'n Doden un ne Brut, dei möten tau 'n Hus' herut RoRostock@MarlowMarl; Nds. 8, 78a; de Doden rieden schnell Babst 1, 174; mit Doden is nich gaut spassen MaMalchin@GielowGiel; de Dod' steiht up 'n Prahl (zur feierlichen Schaustellung aufgebahrt) Zs. Vk. 2, 187; von schlechtem Schnaps sagt man: dor sünd den Doden dei Bein mit wascht RoRostock@BentwischBentw; SchöSchönberg@BössowBöss; von sehr langsamer Fahrt heißt es: dat geiht, as wenn he 'n Doden führt WaWaren@Groß FlotowGFlot; du schriegst so lud, dat dei Doden noch dorvon upwaken Wagtsm. Mart. 88; du lettst woll Doden upstahn heißt es beim Skat, wenn bei einem Spieler die Farbe nicht abreißt RoRostock@RibnitzRibn; Erregung oder Verwunderung drückt aus: hei hett sick, as wenn hei Doden upstahn laten will RoRostock@KlockenhagenKlock; hei will ümmer Doden upstahn laten SchwSchwerin@PampowPamp; GüGüstrow@SchwaanSchwaan; Freim. Abendbl. 1824, S. 816; Reut. 6, 476; Stillfr. Köst. 2, 23; Bri. 2, 261; Wo. V. 2, 1853; bi den Larm kunnen jo Doden upwaken Reut. 2, 234; von sehr festem Schlaf: för denn' kœnen Doden upstahn, dee waakt mich up StaStargard@FeldbergFeldb; übertr. Kothaufe in der Warnung: perr man keinen Doden up 'n Kopp Schö Schönberg@KlützKlütz; im Halslöserätsel: Henging un wedderkamm, Lebendigen ut 'n Doden namm (einen Bienenstock aus einem Pferdeschädel) Wo. V. 1, 967, 1 ff.; auch im Dim: Läwing ut den Doding nahm 967, 15. 2. Sage und Volksglaube: von Toten, die keine Ruhe im Grabe finden, berichten zahlreiche Sagen und Märchen; häufig haben die Toten diese Ruhelosigkeit durch eine im Leben nicht gesühnte Schuld selbst bewirkt, namentlich Meineidige, Mörder und Leute, die den Grenzstein verrückt haben (Scheidengänger), trifft dies Schicksal; Selbstmörder müssen wiedergehen Bartsch 2, 99; auch ein im Leben unerfüllt gebliebener Wunsch oder ein Geheimnis, das der Tote mit ins Grab nimmt, zwingen ihn zur Wiederkehr 100; oft erfolgt diese schon in der ersten Nacht nach dem Begräbnis ebda; weit verbreitet ist die Sage von der toten Mutter, die ihre Kinder jeden Sonnabend aufsucht, um ihnen die nötige Körperpflege angedeihen zu lassen 1, 228; von tanzenden Toten berichtet Bartsch 1, 222. Der uralte Glaube an ein körperliches Weiterleben des Toten äußert sich in zahlreichen Bräuchen, die bis in die jüngste Zeit verfolgt werden können. Man stattet ihn für sein Fortleben aus, indem man ihm Brot auf die Brust legt, s. Brot (1, 1162); auch Grabbeigaben von Geld sind gebräuchlich: man legt ein Geldstück auf den geöffneten Mund des Toten Wa; SchwSchwerin@CrivitzCriv; in der Gegend von WaWaren@RöbelRöb schloß man die Augen des Toten mit einem Papphahn oder einer anderen größeren Kupfermünze. Die Eigentumsrechte des Toten werden gewahrt, indem man ihm einen Gegenstand, der ihm im Leben besonders lieb war, mit in das Grab gibt; die Dinge, mit denen er in Berührung kam, dürfen nicht anderweitig benutzt werden: das ausgekämmte Haar des Toten, der Kamm, mit dem man ihn kämmte, die Seife und das Tuch, mit dem er gewaschen wurde, legt man in den Sarg, die Waschschüssel wird zerbrochen und das Wasser so fortgegossen, daß niemand darüber gehen kann Bartsch 2, 91. Um die Ruhe des Toten, der, solange er über der Erde steht, noch an allem, was im Hause geschieht, Anteil hat, nicht zu stören, sind mancherlei Vorschriften zu beobachten; allen diesen Ge- und Verboten liegt die Furcht vor dem wiederkehrenden Toten zugrunde. Lautes Klagen am Sterbebett wird vermieden, weil es den Toten ins Leben zurückrufe: wenn 'n 'n Doden upschriegt, möt he noch vieruntwintig Stunnen jappen; alle nicht unbedingt notwendigen Arbeiten werden, zum Teil mit jüngerer rationalistischer Erklärung, unterlassen; so darf in dieser Zeit kein Brot gebacken werden, weil der Leib des Toten sonst anschwelle; man darf den Fußboden nicht feucht aufwischen, auch keine Wäsche waschen, sonst liege der Tote naß; bereits gewaschene Wäsche darf nicht im Freien aufgehängt werden, da der Tote sonst ein Familienglied nachhole; die Frauen dürfen in dieser Zeit nicht spinnen, sonst müsse der Tote ums Haus laufen LuLudwigslust@LaupinLaup; die Hausgenossen dürfen keine Erdarbeiten verrichten, sonst sterbe die Familie aus GüGüstrow@ZepelinZep; Feuer und Licht dürfen nicht erlöschen Jb. 20, 174; der Sarg muß so aufgestellt werden, daß die Füße des Toten zur Tür hinauszeigen, sonst komme er wieder; die Rückkehr des Toten kann nur auf dem gleichen Wege erfolgen, auf dem er zu Grabe gebracht worden ist; deshalb wirft man dem Sarg, sobald er über die Schwelle getragen ist, Wasser, Feuer oder Leinsamen nach, da der Tote diese Dinge nicht überschreiten könne Bartsch 2, 96; um die Rückkehr des Toten zu verhindern, wurden früher in einigen Dörfern in Ha@ die beweglichen Schwellen an den Haustoren in die Höhe geschoben, so daß die Leiche unter der Schwelle hindurch aus dem Hause getragen werden konnte 100; sobald der Sarg das Haus verlassen hat, werden alle Türen und Fenster geschlossen SchöSchönberg@CampowCamp; auch im Grabe darf die Ruhe des Toten nicht gestört werden, vieles Reden von einem kürzlich Verstorbenen ist nicht ratsam: so oft man von 'n Doden spreckt, so oft kihrt he sick in de Kul üm Wa. Die den Lebenden feindliche Gesinnung des Toten äußert sich vor allem in seinem Bestreben, Mitglieder seiner Familie, seines Hauses oder seiner Gemeinde nach sich zu ziehen, ein Bestreben, das namentlich dem 'Nachzehrer' zugeschrieben wird. Eine Leiche, der man Mund oder Augen nach dem Tode nicht schließen kann, ist als solcher zu erkennen; man schützt sich gegen ihn, indem man seine Augen oder seinen Mund mit einer Geldmünze bedeckt, ein Brauch, der auch anders gedeutet werden kann, s. ob.; auch darf der Tote nichts von seiner Kleidung in den Mund bekommen, da er sonst seine ganze Familie nach sich ziehe Bartsch 2, 92; man hält deshalb die Kleider von dem Munde des Toten fern, indem man ihm ein Gesangbuch unter das Kinn legt; oder man steckt dem Toten einen Bogen Papier unter das Kinn, legt ihm auch wohl ein Rasenstück auf die Brust Bartsch 2, 92. Der Tote wird jedoch nicht nur gefürchtet und gemieden, der Mensch versucht vielmehr oft, die der Leiche innewohnende Macht seinen Zwecken dienstbar zu machen: Tote können, wenn sie um Mitternacht unter gewissen Vorkehrungen befragt werden, den Lebenden Rede und Antwort stehen Bartsch 2, 329; gestohlenes Eigentum kann man mit Hilfe des Toten wiederbekommen 330. Durch Berührung einer Leiche kann man die dem Toten zugeschriebene Kraft auf sich übertragen: wer das Fürchten verlernen (also Mut gewinnen) will, möt 'n Doden an de Näs' faten Bartsch 2, 93; oder er muß, ohne daß andere es wissen, nach Dunkelwerden zu einer Leiche gehen, deren Gesicht streicheln, seine Hand in die der Leiche legen und dann deren Füße mit beiden Händen eine Minute lang halten 341; beim Schadenzauber nimmt man drei Hände voll Erde von dem Grabe eines jungen Menschen 'in aller Deuvel Namen' und spricht dazu: 'du eddel Dode, du storvest node, lene my van dyneme doke, ick wil alle gudt to quade maken' und streut dann die Erde vor das Haus desjenigen, der zu Schaden kommen soll (Ro 1532) Nd. Kbl. 12, 36. Im Heilzauber spielt die Berührung eines Toten eine bedeutende Rolle, s. Dodenhand. Auch Dinge, mit denen der Tote in Berührung gekommen ist, besitzen heilende Kräfte: mit einem Faden, der vorher um den Finger eines Toten gewickelt war, bewindet man eine Warze und beseitigt sie auf diese Weise LuLudwigslust@LaupinLaup; ein Muttermal verblaßt, wenn man eine Semmel verzehrt, die man vorher neben einen Toten gelegt hatte HaHagenow@WittenburgWitt; Zahnschmerzen vergehen, wenn man die Tabakspfeife an einem Licht, das bei einem Toten brannte, anzündet Bartsch 2, 204; Übel und Krankheiten kann man dem Toten auch mit in das Grab geben, indem man den Kranken mit einem Lappen bestreicht und diesen in den Sarg eines Verstorbenen legt; so wie dieser Lappen vermodert, so nimmt auch die Krankheit allmählich ab Bartsch 2, 101; krampfartige Magenbeschwerden verschwinden, wenn man einen Toten, ohne daß es jemand bemerkt, im Sarg aufrichtet und dreimal stillschweigend hinter ihn spuckt 113; Warzen vergehen, wenn man sie beim Anblick eines Toten dreimal bekreuzt mit den Worten: nimm mit, nimm mit, nimm mit min Wratt int Graff 118. Der jüngere Glaube an eine Seele, die sich beim Tode von dem Körper trennt, äußert sich in folgendem Brauch: in manchen Gegenden war es üblich, dem Sterbenden einen Eimer mit Wasser neben das Bett zu stellen, damit die Seele sich nach der Trennung vom Körper waschen und gereinigt vor Gott treten könne Bartsch 2, 89; man nimmt an, daß die Seele des Toten die Angehörigen häufig umschwebe; wenn ein Nachtfalter das Licht umflattert, heißt es: dat sünd den Doden sin Gedanken RoRostock@DierhagenDierh. Weiteres s. Dod und Zss., Graff, Gräffnis, Folg', Lik, starben. — Zss.: mors-, mossen-, mucksmusing-, mul-, mus'dreckel-, musing-, padden-, schin-, seedot; Slahdot. — Mnd. dôt. — Br. Wb. 1, 218; Dä. 83a; Kü. 1, 343; Me. 1, 755; Schu. 76.
16502 Zeichen · 169 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    dotAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    dot , Adj. Vw.: s. dōt (2)

  2. modern
    Dialekt
    dotadj.

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    dot [dót fast allg.; dóət Bo. ; dout D. Si. ] adj. tot: d. ich d. da ist nichts mehr zu ändern. Spruch: Wann m'r backe, …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit dot

278 Bildungen · 271 Erstglied · 6 Zweitglied · 1 Ableitungen

dot‑ als Erstglied (30 von 271)

Dotel

SHW

Dot-el Band 1, Spalte 1601-1602

Dotǟrs

WWB

Dot-ǟrs im Ortsspott: Iäwerswinkelske Dottmäsen Einwohner von Everswinkel ( Wdf Sb = BÜLD 115,27).

DOTAL

DWB2

DOTAL-. lehnwort aus lat. dotalis adj. ‘zur mitgift gehörend ’ . nur als bestimmungswort in zuss. ‘ rechtsvereinbarungen besonders über ehel…

Dotālen

Meyers

dot·alen

Dotālen (lat.), bei den Römern Sklaven oder Sklavinnen, die ein Vater seiner Tochter bei deren Verheiratung mit der Mitgift ( dos ) übergab,…

Dotālgrundstücke

Meyers

Dotālgrundstücke ( Fundus dotalis ) hießen im frühern Rechte die bei Gütertrennung von der Frau in die Ehe gebrachten Grundstücke, bez. Stüc…

Dotalgut

Herder

Dotalgut , vom latein. dos , Güter, welche zur Aussteuer, Ausstattung einer Person, Stiftung oder Anstalt gegeben werden, daher auch Brautsc…

Dotalicium

Meyers

Dotalicium (lat.), s. Wittum .

dotalicius

MLW

dotalicius (-tius) , -a, -um . script. dotha-: l. 61 . 1 adi. i. q. ad dotem pertinens — zur Ausstattung gehörig, Ausstattungs- : a spectat …

dotalis

MLW

dot·alis

dotalis , -e . I adi.: A ad dotem pertinens — zur Ausstattung gehörig, Ausstattungs- : 1 spectat ad dotem sponsae, uxoris: a in univ.: Leg. …

dotaliter

MLW

adv. * dotaliter . iure, modo dotali — nach dem die Ausstattung betreffenden Recht, als Ausstattungsgut : 1 spectat ad dotem uxoris: Chart. …

Dotalitium

Herder

Dotalitium , lat., Morgengabe, Leibgedinge, Witthum.

dotalium

MLW

* dotalium , -i n. dos — Heiratsgut : Conc. Saxon. I 5,24 quod si parentes puelle dare noluerint, est -um dotalium rapte una libra auri. all…

Dotalklage

Meyers

Dotalklage , der gemeinrechtliche klagbare Anspruch der Tochter gegen ihren Vater oder väterlichen Großvater auf Gewährung einer Ausstattung…

Dotalrecht

Meyers

Dotalrecht , s. Ehegüterrecht .

dotarius

MLW

dot·arius

* dotarius , -a, -um . script. : to-: l. 39 . doda-: l. 48. 50 . al. 1 adi. i. q. ad dotem pertinens — die Ausstattung betreffend, Ausstattu…

dotatio

MLW

* dotatio , -onis f. donatio — Bestellung der Ausstattung, Begabung, ‘Dotation’ : 1 spectat ad dotem sponsae, uxoris: Hincm. epist. 136 p. 9…

Dotation

DERW

Dotation, F., ›Zuwendung, Ausstattung‹, 15. Jh. (1440 Ulm) Lw. mlat. dotatio, F., ›Zuwendung‹, zum PPP. dotatus von lat. dotare, V., ›aussta…

DOTATIONS

DWB2

DOTATIONS-. zuss. mit dotation 1. 1 rechtliche bestimmungen, vorgänge, umstände im zusammenhang mit einer dotation:

dotâz

Lexer

dotâz stf. dotatio Glar. 62.

dot als Zweitglied (6 von 6)

Anekdot

MeckWBN

Wossidia Anekdot f. Sage: dat sünd sonn' Anekdoten Wo. Sag. 2, XIII.

munddot

MeckWBN

mund·dot

Wossidia munddot mundtot, zum Schweigen gebracht Müll. Reut. 88 b .

Ableitungen von dot (1 von 1)

dote

DWB

dote tote tot, töte töt, m. und f. die person die jemand aus der taufe hebt, gevatter, gevatterin, dann auch der täufling, susceptor, suscep…