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docke

mhd. bis sprichw. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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33 in 18 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

docke f.

Bd. 2, Sp. 1208
docke, f. pl. docken, hat mehrere, scheinbar weit von einander abstehende bedeutungen. 11. puppe, lat. pupa, pupula, franz. poupée, was man jetzt lieber gebraucht, nachbildung eines kindes vom wickelkind und wiegenkind bis zu dem erwachsenen. meist sind es weibliche figuren die man kleinen mädchen zum spielen gibt. doch wurden der dattermann (s. oben) und hampelmann, reiter, soldaten, pferde und dergleichen, die man knaben schenkt, auch docken genannt: in den Prager glossen (Haupts zeitschrift 3, 476b) findet sich tochâ simulacrum puerorum, dem latein. pupulus entsprechend, und in Schwaben sagt man dockenmann, dockenhansel Schmid 130, auch dockengaul 131. ebenso wird bei glieder- oder drahtpuppen kein unterschied zwischen männlichen und weiblichen gemacht, wiewol das französische marionette ein dimin. von Marie ist, also ursprünglich eine weibliche bezeichnet. man macht die docken aus holz, wachs, aus gewickelten ausgestopften lappen mit zierlicher kleidung, oder aus irgend einem andern geeigneten stoff wie aus zucker, kuchenteich, zumal aus pfefferkuchenteich, pfeffertocke Bernd Deutsche sprache in Posen 207. man macht puppen die sich bewegen, die glieder ausstrecken, die augen öffnen, schreien. die sitte geht in uralte zeiten zurück, die Ägyptier hatten puppen (Revue archéologique 2. livr. 12), bei den Indiern werden solche aus elfenbein in einem ihrer ältesten werke erwähnt (Schlegel Indische bibliothek 1, 139), die Griechen hatten ἀγάλματα νευρόσπαστα bewegliche gliederpuppen, die römischen mädchen spielten damit und opferten sie, wenn sie erwachsen waren, der Venus. simulacra de pannis werden in dem indiculus superstitionum erwähnt: man könnte darin bilder von kleinen geistern sehen, von elben, alraunen, welche glück brachten, geneigt und hilfreich waren. vielleicht gehört hierher die Hollepöpel, wovon Eccard (Francia orient. 1, 436) bei erklärung des indiculus spricht, ein kindergespenst, das man in Franken kennt und das sich, wie Hollepeter, auf die frau Holda zu beziehen scheint; s. Deutsche mythologie 473. dazu kommt dasz in der Schweiz (Stalder 1, 287) der alp (incubus) tocki doggi, toggeli doggeli heiszt, dann auch der schmetterling, den wir als ein elbisches wesen kennen; vergl. Deutsche mythol. s. 789. ja die weitere, in der Schweiz geltende bedeutung von einem häszlichen menschen mit zerrissener kleidung läszt sich daraus erklären, dasz der alp auch häszlich gedacht wird und das zerlumpte kleid einer puppe zugehören kann. das ahd. tochâ (Graff 5, 364) und das mhd. tocke bis zum 14ten jahrhundert kommt nur in der bedeutung von puppe vor. in dem 15ten jahrh. und in der folgezeit schreiben einige dock, wie Gemma gemmarum, Alberus Nov. diction. U iij und Dasypod. 315b. dock, tock Vocab. theut. von 1482 fia und gg 5b. dock, docke Stieler 322. daneben auch docken, tocken Vocab. von 1445 und von 1470 bei Diefenbach 218, auch Vocab. incipiens teut. x 4. bair. dockng und docke Schmeller 1, 356. östreich. dockn Castelli 111. in der Schweiz docke Stalder 1, 286 und die zusammensetzung tockababa (dockenbarbara) Tobler 141. Frisch 2, 375a hat tocke und docke, auch Steinbach 1, 279. 2, 819. jetzt schreibt man nur docke. niederd. dokke Brem. wörterb. 1, 222. schwed. docka. n. dukke. des burcgrâven tohterlîn diu sprach 'nu saget mir, frouwe mîn, wes habt ir im (dem gast) ze gebne wân? sît daz wir niht wan tocken hân, sîn die mîne iht schœner baz, die gebt im âne mînen haz: dâ wirt vil wênec nâch gestriten' Parzival 372, 15—21. er drucktez kint wol gevar als ein tockn an sîne brust 395, 23. daz kint sprach 'liebez veterlîn, nu heiz mir gewinnen mîn schrîn vollen tocken, swenn ich zuo mîner muomen var von hinnen Wolframs Titurel 30. Jüng. Tit. 655. kumt mir minn, wie sol ich minne getriuten? muoz ich si behalten bî den tocken? 64. Jüng. Tit. 697. mîner tohter tocke ist unnâch (bei weitem nicht) sô schœne Wolframs Wilhelm 33, 24. Friderûn als ein tocke spranc in ir reidem locke Neidhart 52, 4 Ben. dû (Bêaflôr) wære noch in der jugende, daz man dich mit den tocken billîch noch solde locken Mai 176, 1. dô wart si liehte des enein daz sie im seite mære wie schœne ir locke wære Rudolfs Wilh. v. Orlens 3801. ir zwô niht wâren træge, sie lernten [rîchiu wort ze] sprechen wilde. diu dritte was ze kleine ze solher kunste, den tocken truoc si holden muot mit gunste Jüng. Tit. 468. daz ich dich, herre, wâgete nâch kindes tocken ziere, durch reht mich des betrâgete 1203. alsam diu kinder spilent mit den tocken 1370. des ein kleiniu tocke bedarf, daz wart nit funden keiner genze 3480. ist er alsam (unerschrocken) in strîte, sô fürht er einen man wol sam ein tocken (gar nicht) 5560. die jungen knappen zuo uns locken, die füegenz uns baz dan tôte tocken Renner 12489. und ein alter jud hat getragen ein eingewickelte tocken, und vorn daran ein guldins plech. da täten die juden die tocken auf und wolten sie der kunigin zu küssen haben gegeben, sie wolt aber nicht Westenrieder Beiträge 3, 128 zum jahr 1476. diese sind nicht bischove sondern götzen, tocken, larven und wunder des zorns gottes Luther 2, 19a. das ir (fürsten) euch selbs fuor eitel tocken und puppen haltet 4, 441a. als eine braut zur hochzeit, oder eine tocke zum hohen fest gezieret 5, 209b. und mit den gülden spielen wie die megde mit den tocken 5, 412b. unseren kindischen docken gottesdienst, dasz wir eben mit gott und sein heiligen spilen, wie die kinder mit iren docken und poppen S. Frank Chronik 200. und was ists wunder, dasz die weiber so fein wissen mit ihren ehegetrauten umbzugehn, demnach sie es doch von jugend auf mit docken und puppen spilsweis also gewohnen dasz sie nachgehends in der ehe auch solche poppenspiel mit ihren ehegepareten üben Fischart Garg. 74a. wie Mose im anfang des sechsten capitels meldet, da kram und tock, schaub und rock, braut und breutigam in der sindflut zu grunde sank Mathesius. kinderspiel und kurzweil, docken und dergleichen Junius 233b. das sie nicht müszig auf der dieln umblaufen und der tocken spiln Ringw. l. w. 289. ich musz zu meiner mutter laufen, die wird mir ein schön docken kaufen: mit derselben ich spilen musz Ayrer Opus theatr. trag. 250b. für tocken specerei, für nadeln helfenbein (bringt man aus Indien) P. Fleming Poet. Wälder. dein titel stellt uns vor dasz du, wie du dich schreibst, nur eine dock und thor. Gryph. 2, 474. die aus tragantzeuch gemachte docken Comenius Orbis pictus 2, 416. wächsene bilder, kleine götzle Henisch 721. mit den docken spielen pupis lusitare, sc. illis oblectari, ut solent infantes das. das mensch (mädchen) spielt noch mit docken Stieler 323. gedrechselte docken pupae torno elaboratae Steinbach 1, 279. doch laszt euch auch nicht bei der tocke und schon im flügelkleide frein Günther 439. und nimmt man andern theils ein dreizehnjährig kind, so sieht man dasz ihr oft die tocken lieber sind 468. den kindern hält mans gern zu gute die ohne klügre einsicht sind, wenn ihre hand mit steiferm muthe geputzte docken lieb gewinnt Stoppe. und alles ruft 'er sitzt zu pferd wie eine docke' so steif, fest. Kotzebue Dramat. spiele 8, 133. die buben haben lust zu reiten und zu kriegen, die mädchen zu docken und zu wiegen Simrock Sprichwörter nr. 1369. in Östreich sagt man die ist aufgeputzt wie eine docke Castelli 111; auch in Thüringen. in Schwaben wies döckle ausm laden Schmid 130. niederd. se is so wakker as ene dokke, dat is ene regte dokke vam kinde, dat kind sut uut as ene dokke so artig, so hübsch Brem. wörterb. 1, 222. sprichwörtlich ist die redensart eine docke ist nicht ein kind nicht wirklich ein kind, nur ein schein, eine teuschung. ein biderbe herre gedenken sol, swenne man im sprichet wol, 'ist aber wâr daʒ ener (jener) seit? liugt aver er, sô sî im leit daz in der lôser (der falsche schmeichler) triegen wil mit sô getânem tocken spil (nichtigen vorspiegelungen): wan dar nâch zeiner andern frist, swenner von im komen ist, sô erzeiget er vil wol daz man niht wænen sol daz ein tocke ein kint sî. daz erzeigt er wol dâ bî daz er die tocken birget gar (die verstellung aufgibt) und saget danne für wâr daz ener sî ein bœse wiht Wälscher gast 3601—3615. mit den docken, der docken spielen wird nicht blosz in eigentlichem sinn genommen, es heiszt auch etwas leichtes, geringes thun, wobei kein ernst ist. nu het ouch vil der mâsen diu veste Oransche enphangen mit würfen und mit mangen und von den drîbocken. sine spilten niht der tocken: ez galt ze bêder sît daz lebn Wolframs Wilh. 222, 14—19. so auch ein spiel mit docken was nichtig ist, keinen werth hat. der werlde freude ist ein tocken spil Türleins Wilhelm 16a. swaz ieman under harnasch kan gestrîten, daz ist ein spil mit tocken Jüng. Titurel 1548. wie dirre strît ein spil der tocken wære 4533. mit einem der docken spielen sich gegen jemand verstellen, ihn äffen, listig, mit falschheit behandeln. als der tocken spilt der Walh mit tiutschen fürsten Sigeher MS. 2, 220a. fleischlich gelust kan uns zuo locken und spilt als lange mit uns der tocken Renner 9783. ich glaub sie sind nit wol bei sinnen, wölns die stat (Jericho) mit trometen gwinnen: sie spielen nur mit uns der docken H. Sachs 3. 1, 26b. unzüchtige bedeutung hat das wort in einem lied das dem Neidhart beigelegt wird, doch nicht von ihm herrührt, und sie gar schôn wart scherzen mit mîner tocken. MSHag. 3, 308b. was heiszt es aber in folgender stelle? frouwe, ich habe iuch beide offenlîch und tougen al dâ her gebeten umb iuwer minne, nu slâhent iuwer tocken in diu ougen, sît ir hânt gegen mir sô herte sinne Buwenburg MS. 2, 180b. laszt euern hasz an euern docken aus? 22. junges mädchen, puella, puellula. eine puppe gilt für etwas artiges, hübsches, zierliches, daher konnte docke leicht von einem jungen mädchen gesagt werden, das man loben wollte, und so bezeichnet es in der Schweiz ein solches niedlich aufgeputztes Stalder 1, 286. in der zweiten hälfte des 13ten jahrhunderts, wo diese übertragung zuerst vorkommt, war docke ein sehr rühmlicher ausdruck, jetzt wird er nur 'halb scherzhaft, auch fast geringschätzig gebraucht. dô hiez mich zuo dem grâle ein tocke wunschelbernde. Jüng. Tit. 5169, 1. Hug v. Langenstein redet die hl. Martina an dû himelischiu tocke 24b. Pâraklisen, die bluomen tocken, sach man dâ ûf sitzen Joh. v. Würzb. Wilh. v. Östreich 45a. den (helm) het der sælden tocke in ir schôʒ gesetzet 63b. bildlich in einem lied, das dem Neidhart fälschlich beigelegt wird, o Rînstrôm, swer dich hât erkant, du bist der fröuden tocke MSHag. 3, 308a. traute schöne tocke, du liebst mir mit dem zipfel an dem rocke Wolkensteiner 62, 1. so, du vil liebe docke, wes leistu hie bei dem knechte in deinem roten rocke Fastnachtsp. 488, 11. denn das weib ist eine hübsche tocke anzusehen Luther 4, 269a. so haben sie sich one zweifel herfür gebutzet, das sie auch hingangen sein, wie hernach zu Davidis zeiten die gottlose welt rühmet, wie die ausgebutzten tocken Mathesius Sarepta 9a. wie denn vil patriarchen söne sich der weltpracht und augenlust verfüren lieszen, da sie nach der welt schönen tocken sich umbsahen 10a. es hilft auch die schönen tocken nicht, das sie iren hals ausgestreckt haben wie die hirschen, und mit euglein um sich geworfen 10b. im inren gmach wonts kunigs zarte dok, bekleid mit guldnem rok Melissus Psalme T 7a. und in dem augenblick verschwunden vor mir die auserwelten docken die neun musen. H. Sachs 2. 2, 53b. ein schöne docke pranget mit ihrem rocke, kann einen wol zum trunk locken. ist ein guter wein in einem grünen glas Henisch 721. gott grüsz mir die im grünen rock die schönst und allerfreundlichst dock. Hoffmann Gesellschaftslieder 7. gott schütz mir die im braunen rock, weil sie mir ist die liebste dock 20. auserwehlte docke 42. der edle saft vom rebenstock, die musik und ein schöne dock freuen des menschen leben 126. die töchter saszen und näheten, zu denen sprach Vulpia (die mutter) 'stehet auf, ihr docken, und empfanget mir disen herrn' Ettner Unwürd. doctor 333. ist ihm nicht mehr vergönnt zu küssen eine docke die ihre freche stirn mit thürmen (hohem haarputz) überhäuft, so thuts ihm ja so wohl, wenn er nach einer greift mit schlecht geflochtnem haar und aufgeschürztem rocke. Caniz 113. was man gratien genannt, sind blosz verführungsdocken Günther 312. schone söhne und die docken, die am rocken fein abspinnen und die zeit mit kunst gewinnen Rabner bei Gellert 5, 90. zerbrichst du sie, die schöne docke, so nimm die oberhälfte dir Lessing 1, 211. (es würde) kein horn die neubegier der geschminkten bleichen docken haus für haus ans fenster locken Gökingk 3, 65. s.döckel und in zusammensetzungen engeldocke. gaukeldocke. pfefferd. polsterd. putzd. sommerd. wünscheld. 33. ein meist walzenförmiges stück, ein klotz, zapfen, eine kleine seule, gewöhnlich von holz; vergl. Schmeller 1, 356. in dieser bedeutung kommt das wort zuerst gegen die mitte des 14ten jahrhunderts bei Jeroschin vor ouch wart er andersît gewar daz der blîdin meister steic und ûf in die hôhe kreic zu bezzirne ich weiz nicht waz; und als er ûf die tocken saz, Heinrîch nam sîn gemerke von des armbrostis sterke, und mit einem pfile bant zu der blîdin im di hant s. 233. nähere bestimmungen erhält es in technischen bedeutungen, die Frisch 2, 375a zum theil zusammenstellt. 3@aa. in bergwerken heiszen docken die hölzer welche an beiden seiten der trift d. h. des baumes hangen, der quer durch die spindel geht, welche in der mitte des göpels aufgerichtet ist und zum umtreiben einen schwung gibt; vergl. Frisch 1, 340a. 2, 375a. 384a. 3@bb. in schmelzhütten zwei hölzerne seulen, zwischen welchen der schmel des eblasebalgs auf und nieder kann bewegt werden. 3@cc. bei den drechslern sind docken oder dockenspindeln zwei eiserne seulchen am drehstuhle, zwischen welchen das holz, oder was man sonst drechseln will, eingespannt wird. 3@dd. bei den strumpfwirkern die beiden eisernen stützen, welche auf den beiden balken des strumpfwirkerstuhls hinterwärts eingelassen sind Campe. 3@ee. bei den schreinern die starken stücke holz zu den seiten der gestühle, franz. mandrin, engl. manderil; vergl. hohldocke. dockenstöcke. 3@ff. bei messerschmieden ein dünnes, vierseitiges eisen in dem amboszklotz mit einem loch, die messerklingen einzunehmen, wenn man den absatz daran schlagen will Adelung 1, 1508. 3@gg. schlosser nennen stücke gestähltes eisen von mancherlei gestalt welche sie in den schraubstock spannen, um allerlei zierraten darauf auszutiefen, nicht nur untersätze sondern auch docken Adelung. 3@hh. an leiterwagen das starke kurze holz das unten in der achse oder in einer eigenen rungschale steckt, und woran sich die wagenleiter lehnt, das bockholz, die runge, wagenrunge, in Süddeutschland die leiste, die stammleiste, in Östreich die küpf Adelung. 3@ii. seulchen, stollen, figuren an einem geländer, geländerdocken, zumal bei treppen, franz. balustres. s. dockengeländer. 3@kk. zapfen, schlegel in den fischteichen, obturamentum piscinae, epistomium canalis quo aquae effluunt Frisch. die docken ziehen fauces emissarii aperire, obturamentum emissarii excutere Henisch 721. 3@ll. brustwarze, zitze, papilla. dock puppa oder buff oder duttenspitz Voc. theut. 1482 fia. pupa ein dock, bup Dasypod. 199b. dock, buff, docken, poppe, duttenspitz rusticano Henisch 721. der pl. buben ist schon oben (2, 461) durch mammae erklärt. in der Schweiz ist puff buff ein durch kunst erhöhter weiblicher busen Stalder 1, 239. 3@mm. das hämmerchen von holz in saiteninstrumenten, das bei dem anschlag der tasten aufspringt, die saite anrührt und bewirkt dasz sie ertönt, der tangent; vergl. dockenstempel. 3@nn. in der Schweiz ist docka auch ein pfropfreis Tobler 141. 3@oo. s. drehdocke. 44. ein bündel, etwas zusammengewickeltes, gedrehtes, geflochtenes, geschnürtes. daher ein spinnrocken, strang von gesponnenem flachs, wolle, seide, franz. écheveau; s. döckchen. nach Calepinus manipulus lanae vel lini aut canabis qui ex colo pendet et fuso trahitur 1046. fries. dok ein bündelchen Outzen Fries. glossar 45. isländ. docka spira linea ein kleiner strang garn Biörn 146. schwed. docka mensura serici filamenti Ihre 331, n. dukke. bei den jägern zusammengewickelte schnüre, das zusammengewickelte hängeseil. daher abdocken seile abwickeln; vergl. aufdocken. in den tabacksfabriken ein bündel trockner tabacksblätter, ein halbes pfund schwer. in der Schweiz werg, so viel man mit beiden händen umfassen kann Tobler 141. in Niedersachsen ein strohbündel das zwischen die fugen von dachziegeln oder schindeln gesteckt wird, damit der regen nicht durchdringe Brem. wörterb. 1, 222. Schütze 1, 228. in Baiern ein haufe von über einander gelegten feldfrüchten. acht bis zehn garben übereinander machen eine docken, hundert docken einen schober. man sagt das getreide in docken stellen Schmeller 1, 356. s.dock m. und docken verb. 55. die zeitlose, colchicum autumnale Schmeller 1, 356. die zarte lillafarbige blüte kommt im herbst voraus ohne alle blätter und wird auch nackte jungfer genannt. docke wird also hier so viel als zierliches mädchen bedeuten. vergl. dockenkraut. wasserdöckelein. 66. da docke am frühsten mit dem begriff von imaguncula erscheint, so ist man geneigt diesen für den ursprünglichen zu halten, auch hat sich eine angemessene erklärung ergeben. gleichwol ist auch die bedeutung von klötzchen zu berücksichtigen, da sie ausgebreiteter, und in so manche andere, damit sichtbar verwandte, nähere bestimmung enthaltende übergegangen ist. der begriff von puppe läszt sich leicht daraus ableiten wie der von bündel aus puppe. die ältesten puppen mochten aus roh geschnitzten stückchen holz bestehen, wie die kinder noch jetzt am liebsten damit spielen: oder man umwickelte das holz mit lappen und bildete damit die kleine figur. erst im 13ten. jahrh. bei Wolfram ist von der schönheit der puppen die rede, und dann erst konnte docke ein schmeichelnder ausdruck für ein junges mädchen sein. eine genügende ableitung des worts läszt sich nicht angeben. möglich dasz das mittellat. docarium trabs lignum bei Ducange damit zusammenhängt, wenn aber dieses und mithin docke von dem griechischen δοκός abstammen soll, so streitet die mangelnde lautverschiebung dagegen, weshalb auch das von Schmid angeführte δαγύς wachspuppe, der zauberer, nicht zulässig ist.
18420 Zeichen · 313 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    dockeswf.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +1 Parallelbeleg

    docke swf. s. tocke.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    dockeN., F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +5 Parallelbelege

    docke , N., F. nhd. Dock, Schiffsdock Vw.: s. döpe- Hw.: vgl. mnl. docke E.: Herkunft unklar, vielleicht von lat. ductio…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Docke

    Adelung (1793–1801) · +14 Parallelbelege

    2. Die Docke , plur. die -n, in den Seestädten, ein besonderer Ort in den Häfen oder an dem Ufer des Meeres, wo neue Sch…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Docke

    Goethe-Wörterbuch

    Docke Pack, Bündel ein Paar D-n vom schönsten Hanf B12,325,1 Christiane 13.10.97 → Putz- Josef Mattausch J. M.

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Docke

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Docke , ein im landwirthschaftlichen Betriebe häufig gebrauchter Ausdruck, z.B. für einen Pack Strähne von Flachs von ve…

  6. modern
    Dialekt
    Docke

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Docke Band 3, Spalte 3,1810–1813

  7. Sprichwörter
    Docke

    Wander (Sprichwörter)

    Docke 1. Ein schön docke mit jhrem rocke kan einen wol zum trunck locken. – Henisch, 721. 2. Eine schöne docke ist ein g…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit docke

125 Bildungen · 81 Erstglied · 44 Zweitglied · 0 Ableitungen

docke‑ als Erstglied (30 von 81)

Dockele

ElsWB

dock·ele

Dockele , Dockle , Dockel [Tùkəlì Banzenh. ; Tokələ Obhergh. Su. Geberschw. ; Tòkələ Dü. ; Tòklə Co. Horbg. ; Tòkəl(ə) K. Z. ] n. 1. dicke, …

dockeleinsflachs

DWB

dockeleinsflachs , m. feiner flachs Schmeller 1, 365 ; s. döckchenzwirn.

Dockel(e)muser

ElsWB

dockel·e·muser

Dockel(e)muser [Tùklmýsər Henfli. Heidolsh. ; Tùkəlimýsər Schlierb.; Tykələmýsər Lutterb. ; Tòkələmûsər Urbis Hüss. ; Tòkələmýsər Osenb. bis…

dockelmacher

DWB

dockel·macher

dockelmacher , m. s. dockenmacher . drechslerkrämer, dockelmacher, spiegelmacher Fischart Groszmutter 89 .

dockenbänke

DWB

dockenbänke , f. pl. engl. dockbanks. gänge und absätze die in der hafendocke rund herum in einigen reihen stufenweise über einander herlauf…

Dockenbank

Campe

docken·bank

Die Dockenbank , Mz. die — bänke, die in den Docken zum Schiffsbau angebrachten breiten Absätze und Gänge, die rund um die Docke in einigen …

dockenbild

DWB

docken·bild

dockenbild , n. pupula Stieler 147 . dockenbilder gegossene bilder, sigillaria Henisch 721 .

dockenblätter

DWB

docken·blaetter

dockenblätter , n. pl. rumex acutus ( Nemnich ), die gemeine oder spitzige grindwurz. bei Henisch pestilenzkraut 721 . die breiten dockenblä…

dockenflutthür

DWB

dockenflutthür , f. die thüre zu dem dock, engl. dockgate Beil 146 .

docke als Zweitglied (30 von 44)

drehdocke

DWB

dreh·docke

drehdocke , f. womit der bohrer in der bohrmühle in bewegung gesetzt wird, franz. manche à tarière, engl. puppet Beil 151 . der bohrer wird …

geländerdocke

DWB

gelaender·docke

geländerdocke , f. in der baukunst, docke, wie sie das geländer stützen oder bilden. Adelung. vgl. dockengeländer vorhin.

gliederdocke

DWB

glied·er·docke

-docke hölzerne puppe mit beweglichen gliedern (zum studium der maler) Voigt hwb. f. d. geschäftsführ. (1807) 1, 346 ; gliederdokn, beweglic…

Griesdocke

Adelung

gries·docke

Die Griesdocke , plur. die -n, Docken oder kleine Säulen zwischen den Griessäulen auf den Fachbäumen an den Mühlen und Wasserwehren, zwische…

hofdocke

DWB

hof·docke

hofdocke , f. in bezug auf aufgeputzte, vornehm scheinende jungfrauen: die beide hoffdocken. Laz. de Tormes. 83. vergl. docke 2, th. 2, 1210…

hohldocke

DWB

hohl·docke

hohldocke , f. docke oder spindel bei drechslern ( vgl. th. 2 sp. 1211), um feine zu drechselnde arbeiten einzuspannen.

judendocke

DWB

juden·docke

judendocke , physalis alkekengi, solanum halicacabum, vulgare, weil die früchte dieses gewächses einem kopf mit rotem schleier gleichen ( Fr…

kramdocke

DWB

kram·docke

kramdocke , f. wie krampuppe, ergibt sich z. b. aus dem entlehnten dän. kramdukke, ' Nürnberger puppe '.

Ladocke

BWB

Ladocke Band 3, Spalte 3,1814

nageldocke

DWB

nagel·docke

nageldocke , f. ein starkes nageleisen, worin der kopf eines groszen nagels geschmiedet wird. Jacobsson 3, 123 b .

putzdocke

DWB

putz·docke

putzdocke , f. , s. butzdocke : putzdocke, ein frauenzimmer, so sich stets putzt. Steinbach 1, 279 , putztocke Holtei Lammf. 2 5, 121.