docke,
f. pl. docken,
hat mehrere, scheinbar weit von einander abstehende bedeutungen. 11.
puppe, lat. pupa, pupula, franz. poupée, was man jetzt lieber gebraucht, nachbildung eines kindes vom wickelkind und wiegenkind bis zu dem erwachsenen. meist sind es weibliche figuren die man kleinen mädchen zum spielen gibt. doch wurden der dattermann (
s. oben)
und hampelmann, reiter, soldaten, pferde und dergleichen, die man knaben schenkt, auch docken
genannt: in den Prager glossen (Haupts
zeitschrift 3, 476
b)
findet sich tochâ
simulacrum puerorum, dem latein. pupulus entsprechend, und in Schwaben sagt man dockenmann, dockenhansel Schmid 130,
auch dockengaul 131.
ebenso wird bei glieder- oder drahtpuppen kein unterschied zwischen männlichen und weiblichen gemacht, wiewol das französische marionette ein dimin. von Marie ist, also ursprünglich eine weibliche bezeichnet. man macht die docken
aus holz, wachs, aus gewickelten ausgestopften lappen mit zierlicher kleidung, oder aus irgend einem andern geeigneten stoff wie aus zucker, kuchenteich, zumal aus pfefferkuchenteich, pfeffertocke Bernd
Deutsche sprache in Posen 207.
man macht puppen die sich bewegen, die glieder ausstrecken, die augen öffnen, schreien. die sitte geht in uralte zeiten zurück, die Ägyptier hatten puppen (
Revue archéologique 2.
livr. 12),
bei den Indiern werden solche aus elfenbein in einem ihrer ältesten werke erwähnt (Schlegel
Indische bibliothek 1, 139),
die Griechen hatten ἀγάλματα νευρόσπαστα bewegliche gliederpuppen, die römischen mädchen spielten damit und opferten sie, wenn sie erwachsen waren, der Venus. simulacra de pannis werden in dem indiculus superstitionum erwähnt: man könnte darin bilder von kleinen geistern sehen, von elben, alraunen, welche glück brachten, geneigt und hilfreich waren. vielleicht gehört hierher die Hollepöpel,
wovon Eccard (
Francia orient. 1, 436)
bei erklärung des indiculus spricht, ein kindergespenst, das man in Franken kennt und das sich, wie Hollepeter,
auf die frau Holda
zu beziehen scheint; s. Deutsche mythologie 473.
dazu kommt dasz in der Schweiz (Stalder 1, 287)
der alp (
incubus) tocki doggi, toggeli doggeli
heiszt, dann auch der schmetterling, den wir als ein elbisches wesen kennen; vergl. Deutsche mythol. s. 789.
ja die weitere, in der Schweiz geltende bedeutung von einem häszlichen menschen mit zerrissener kleidung läszt sich daraus erklären, dasz der alp auch häszlich gedacht wird und das zerlumpte kleid einer puppe zugehören kann. das ahd. tochâ (Graff 5, 364)
und das mhd. tocke
bis zum 14
ten jahrhundert kommt nur in der bedeutung von puppe vor. in dem 15
ten jahrh. und in der folgezeit schreiben einige dock,
wie Gemma gemmarum, Alberus
Nov. diction. U iij
und Dasypod. 315
b. dock, tock
Vocab. theut. von 1482 fi
a und gg 5
b. dock, docke Stieler 322.
daneben auch docken, tocken
Vocab. von 1445
und von 1470
bei Diefenbach 218,
auch Vocab. incipiens teut. x 4.
bair. dockng
und docke Schmeller 1, 356.
östreich. dockn Castelli 111.
in der Schweiz docke Stalder 1, 286
und die zusammensetzung tockababa (
dockenbarbara) Tobler 141.
Frisch 2, 375
a hat tocke
und docke,
auch Steinbach 1, 279. 2, 819.
jetzt schreibt man nur docke.
niederd. dokke
Brem. wörterb. 1, 222.
schwed. docka.
dän. dukke. des burcgrâven tohterlîn diu sprach 'nu saget mir, frouwe mîn, wes habt ir im (
dem gast) ze gebne wân? sît daz wir niht wan tocken hân, sîn die mîne iht schœner baz, die gebt im âne mînen haz: dâ wirt vil wênec nâch gestriten'
Parzival 372, 15—21. er drucktez kint wol gevar als ein tockn an sîne brust 395, 23. daz kint sprach 'liebez veterlîn, nu heiz mir gewinnen mîn schrîn vollen tocken, swenn ich zuo mîner muomen var von hinnen Wolframs
Titurel 30. Jüng. Tit. 655. kumt mir minn, wie sol ich minne getriuten? muoz ich si behalten bî den tocken? 64.
Jüng. Tit. 697. mîner tohter tocke ist unnâch (
bei weitem nicht) sô schœne Wolframs
Wilhelm 33, 24. Friderûn als ein tocke spranc in ir reidem locke Neidhart 52, 4
Ben. dû (
Bêaflôr) wære noch in der jugende, daz man dich mit den tocken billîch noch solde locken
Mai 176, 1. dô wart si liehte des enein daz sie im seite mære wie schœne ir locke wære Rudolfs
Wilh. v. Orlens 3801. ir zwô niht wâren træge, sie lernten [rîchiu wort ze] sprechen wilde. diu dritte was ze kleine ze solher kunste, den tocken truoc si holden muot mit gunste
Jüng. Tit. 468. daz ich dich, herre, wâgete nâch kindes tocken ziere, durch reht mich des betrâgete 1203. alsam diu kinder spilent mit den tocken 1370. des ein kleiniu tocke bedarf, daz wart nit funden keiner genze 3480. ist er alsam (
unerschrocken) in strîte, sô fürht er einen man wol sam ein tocken (
gar nicht) 5560. die jungen knappen zuo uns locken, die füegenz uns baz dan tôte tocken
Renner 12489. und ein alter jud hat getragen ein eingewickelte tocken, und vorn daran ein guldins plech. da täten die juden die tocken auf und wolten sie der kunigin zu küssen haben gegeben, sie wolt aber nicht Westenrieder
Beiträge 3, 128
zum jahr 1476. diese sind nicht bischove sondern götzen, tocken, larven und wunder des zorns gottes Luther 2, 19
a. das ir (
fürsten) euch selbs fuor eitel tocken und puppen haltet 4, 441
a. als eine braut zur hochzeit, oder eine tocke zum hohen fest gezieret 5, 209
b. und mit den gülden spielen wie die megde mit den tocken 5, 412
b. unseren kindischen docken gottesdienst, dasz wir eben mit gott und sein heiligen spilen, wie die kinder mit iren docken und poppen S.
Frank Chronik 200. und was ists wunder, dasz die weiber so fein wissen mit ihren ehegetrauten umbzugehn, demnach sie es doch von jugend auf mit docken und puppen spilsweis also gewohnen dasz sie nachgehends in der ehe auch solche poppenspiel mit ihren ehegepareten üben Fischart
Garg. 74
a. wie Mose im anfang des sechsten capitels meldet, da kram und tock, schaub und rock, braut und breutigam in der sindflut zu grunde sank Mathesius. kinderspiel und kurzweil, docken und dergleichen Junius 233
b. das sie nicht müszig auf der dieln umblaufen und der tocken spiln Ringw.
l. w. 289. ich musz zu meiner mutter laufen, die wird mir ein schön docken kaufen: mit derselben ich spilen musz Ayrer
Opus theatr. trag. 250
b. für tocken specerei, für nadeln helfenbein (
bringt man aus Indien) P. Fleming
Poet. Wälder. dein titel stellt uns vor dasz du, wie du dich schreibst, nur eine dock und thor. Gryph. 2, 474. die aus tragantzeuch gemachte docken Comenius
Orbis pictus 2, 416. wächsene bilder, kleine götzle Henisch 721. mit den docken spielen
pupis lusitare, sc. illis oblectari, ut solent infantes das. das mensch (
mädchen) spielt noch mit docken Stieler 323. gedrechselte docken
pupae torno elaboratae Steinbach 1, 279. doch laszt euch auch nicht bei der tocke und schon im flügelkleide frein Günther 439. und nimmt man andern theils ein dreizehnjährig kind, so sieht man dasz ihr oft die tocken lieber sind 468. den kindern hält mans gern zu gute die ohne klügre einsicht sind, wenn ihre hand mit steiferm muthe geputzte docken lieb gewinnt Stoppe. und alles ruft 'er sitzt zu pferd wie eine docke'
so steif, fest. Kotzebue
Dramat. spiele 8, 133. die buben haben lust zu reiten und zu kriegen, die mädchen zu docken und zu wiegen Simrock
Sprichwörter nr. 1369.
in Östreich sagt man die ist aufgeputzt wie eine docke Castelli 111;
auch in Thüringen. in Schwaben wies döckle ausm laden Schmid 130.
niederd. se is so wakker as ene dokke, dat is ene regte dokke vam kinde, dat kind sut uut as ene dokke
so artig, so hübsch Brem. wörterb. 1, 222.
sprichwörtlich ist die redensart eine docke ist nicht ein kind
nicht wirklich ein kind, nur ein schein, eine teuschung. ein biderbe herre gedenken sol, swenne man im sprichet wol, 'ist aber wâr daʒ ener (
jener) seit? liugt aver er, sô sî im leit daz in der lôser (
der falsche schmeichler) triegen wil mit sô getânem tocken spil (
nichtigen vorspiegelungen): wan dar nâch zeiner andern frist, swenner von im komen ist, sô erzeiget er vil wol daz man niht wænen sol daz ein tocke ein kint sî. daz erzeigt er wol dâ bî daz er die tocken birget gar (
die verstellung aufgibt) und saget danne für wâr daz ener sî ein bœse wiht
Wälscher gast 3601—3615. mit den docken, der docken spielen
wird nicht blosz in eigentlichem sinn genommen, es heiszt auch etwas leichtes, geringes thun, wobei kein ernst ist. nu het ouch vil der mâsen diu veste Oransche enphangen mit würfen und mit mangen und von den drîbocken. sine spilten niht der tocken: ez galt ze bêder sît daz lebn Wolframs
Wilh. 222, 14—19.
so auch ein spiel mit docken
was nichtig ist, keinen werth hat. der werlde freude ist ein tocken spil Türleins
Wilhelm 16
a. swaz ieman under harnasch kan gestrîten, daz ist ein spil mit tocken
Jüng. Titurel 1548. wie dirre strît ein spil der tocken wære 4533. mit einem der docken spielen
sich gegen jemand verstellen, ihn äffen, listig, mit falschheit behandeln. als der tocken spilt der Walh mit tiutschen fürsten Sigeher
MS. 2, 220
a. fleischlich gelust kan uns zuo locken und spilt als lange mit uns der tocken
Renner 9783. ich glaub sie sind nit wol bei sinnen, wölns die stat (
Jericho) mit trometen gwinnen: sie spielen nur mit uns der docken H. Sachs 3. 1, 26
b.
unzüchtige bedeutung hat das wort in einem lied das dem Neidhart
beigelegt wird, doch nicht von ihm herrührt, und sie gar schôn wart scherzen mit mîner tocken.
MSHag. 3, 308
b.
was heiszt es aber in folgender stelle? frouwe, ich habe iuch beide offenlîch und tougen al dâ her gebeten umb iuwer minne, nu slâhent iuwer tocken in diu ougen, sît ir hânt gegen mir sô herte sinne Buwenburg
MS. 2, 180
b.
laszt euern hasz an euern docken aus? 22.
junges mädchen, puella, puellula. eine puppe gilt für etwas artiges, hübsches, zierliches, daher konnte docke
leicht von einem jungen mädchen gesagt werden, das man loben wollte, und so bezeichnet es in der Schweiz ein solches niedlich aufgeputztes Stalder 1, 286.
in der zweiten hälfte des 13
ten jahrhunderts, wo diese übertragung zuerst vorkommt, war docke
ein sehr rühmlicher ausdruck, jetzt wird er nur '
halb scherzhaft, auch fast geringschätzig gebraucht. dô hiez mich zuo dem grâle ein tocke wunschelbernde.
Jüng. Tit. 5169, 1. Hug v. Langenstein
redet die hl. Martina an dû himelischiu tocke 24
b. Pâraklisen, die bluomen tocken, sach man dâ ûf sitzen Joh. v. Würzb.
Wilh. v. Östreich 45
a. den (
helm) het der sælden tocke in ir schôʒ gesetzet 63
b.
bildlich in einem lied, das dem Neidhart
fälschlich beigelegt wird, o Rînstrôm, swer dich hât erkant, du bist der fröuden tocke
MSHag. 3, 308
a. traute schöne tocke, du liebst mir mit dem zipfel an dem rocke Wolkensteiner 62, 1. so, du vil liebe docke, wes leistu hie bei dem knechte in deinem roten rocke
Fastnachtsp. 488, 11. denn das weib ist eine hübsche tocke anzusehen Luther 4, 269
a. so haben sie sich one zweifel herfür gebutzet, das sie auch hingangen sein, wie hernach zu Davidis zeiten die gottlose welt rühmet, wie die ausgebutzten tocken Mathesius
Sarepta 9
a. wie denn vil patriarchen söne sich der weltpracht und augenlust verfüren lieszen, da sie nach der welt schönen tocken sich umbsahen 10
a. es hilft auch die schönen tocken nicht, das sie iren hals ausgestreckt haben wie die hirschen, und mit euglein um sich geworfen 10
b. im inren gmach wonts kunigs zarte dok, bekleid mit guldnem rok Melissus
Psalme T 7
a. und in dem augenblick verschwunden vor mir die auserwelten docken
die neun musen. H. Sachs 2. 2, 53
b. ein schöne docke pranget mit ihrem rocke, kann einen wol zum trunk locken. ist ein guter wein in einem grünen glas Henisch 721. gott grüsz mir die im grünen rock die schönst und allerfreundlichst dock. Hoffmann
Gesellschaftslieder 7. gott schütz mir die im braunen rock, weil sie mir ist die liebste dock 20. auserwehlte docke 42. der edle saft vom rebenstock, die musik und ein schöne dock freuen des menschen leben 126. die töchter saszen und näheten, zu denen sprach Vulpia (
die mutter) 'stehet auf, ihr docken, und empfanget mir disen herrn' Ettner
Unwürd. doctor 333. ist ihm nicht mehr vergönnt zu küssen eine docke die ihre freche stirn mit thürmen (
hohem haarputz) überhäuft, so thuts ihm ja so wohl, wenn er nach einer greift mit schlecht geflochtnem haar und aufgeschürztem rocke. Caniz 113. was man gratien genannt, sind blosz verführungsdocken Günther 312. schone söhne und die docken, die am rocken fein abspinnen und die zeit mit kunst gewinnen Rabner
bei Gellert 5, 90. zerbrichst du sie, die schöne docke, so nimm die oberhälfte dir Lessing 1, 211. (
es würde) kein horn die neubegier der geschminkten bleichen docken haus für haus ans fenster locken Gökingk 3, 65.
s.döckel und in zusammensetzungen engeldocke. gaukeldocke. pfefferd. polsterd. putzd. sommerd. wünscheld. 33.
ein meist walzenförmiges stück, ein klotz, zapfen, eine kleine seule, gewöhnlich von holz; vergl. Schmeller 1, 356.
in dieser bedeutung kommt das wort zuerst gegen die mitte des 14
ten jahrhunderts bei Jeroschin
vor ouch wart er andersît gewar daz der blîdin meister steic und ûf in die hôhe kreic zu bezzirne ich weiz nicht waz; und als er ûf die tocken saz, Heinrîch nam sîn gemerke von des armbrostis sterke, und mit einem pfile bant zu der blîdin im di hant
s. 233.
nähere bestimmungen erhält es in technischen bedeutungen, die Frisch 2, 375
a zum theil zusammenstellt. 3@aa.
in bergwerken heiszen docken
die hölzer welche an beiden seiten der trift d. h. des baumes hangen, der quer durch die spindel geht, welche in der mitte des göpels aufgerichtet ist und zum umtreiben einen schwung gibt; vergl. Frisch 1, 340
a. 2, 375
a. 384
a. 3@bb.
in schmelzhütten zwei hölzerne seulen, zwischen welchen der schmel des eblasebalgs auf und nieder kann bewegt werden. 3@cc.
bei den drechslern sind docken
oder dockenspindeln
zwei eiserne seulchen am drehstuhle, zwischen welchen das holz, oder was man sonst drechseln will, eingespannt wird. 3@dd.
bei den strumpfwirkern die beiden eisernen stützen, welche auf den beiden balken des strumpfwirkerstuhls hinterwärts eingelassen sind Campe. 3@ee.
bei den schreinern die starken stücke holz zu den seiten der gestühle, franz. mandrin, engl. manderil; vergl. hohldocke. dockenstöcke. 3@ff.
bei messerschmieden ein dünnes, vierseitiges eisen in dem amboszklotz mit einem loch, die messerklingen einzunehmen, wenn man den absatz daran schlagen will Adelung 1, 1508. 3@gg.
schlosser nennen stücke gestähltes eisen von mancherlei gestalt welche sie in den schraubstock spannen, um allerlei zierraten darauf auszutiefen, nicht nur untersätze
sondern auch docken Adelung. 3@hh.
an leiterwagen das starke kurze holz das unten in der achse oder in einer eigenen rungschale steckt, und woran sich die wagenleiter lehnt, das bockholz, die runge, wagenrunge,
in Süddeutschland die leiste, die stammleiste,
in Östreich die küpf Adelung. 3@ii.
seulchen, stollen, figuren an einem geländer, geländerdocken,
zumal bei treppen, franz. balustres. s. dockengeländer. 3@kk.
zapfen, schlegel in den fischteichen, obturamentum piscinae, epistomium canalis quo aquae effluunt Frisch. die docken ziehen
fauces emissarii aperire, obturamentum emissarii excutere Henisch 721. 3@ll.
brustwarze, zitze, papilla. dock puppa oder buff oder duttenspitz
Voc. theut. 1482 fi
a. pupa ein dock, bup Dasypod. 199
b. dock, buff, docken, poppe, duttenspitz rusticano Henisch 721.
der pl. buben
ist schon oben (2, 461)
durch mammae erklärt. in der Schweiz ist puff buff
ein durch kunst erhöhter weiblicher busen Stalder 1, 239. 3@mm.
das hämmerchen von holz in saiteninstrumenten, das bei dem anschlag der tasten aufspringt, die saite anrührt und bewirkt dasz sie ertönt, der tangent; vergl. dockenstempel. 3@nn.
in der Schweiz ist docka
auch ein pfropfreis Tobler 141. 3@oo.
s. drehdocke. 44.
ein bündel, etwas zusammengewickeltes, gedrehtes, geflochtenes, geschnürtes. daher ein spinnrocken, strang von gesponnenem flachs, wolle, seide, franz. écheveau; s. döckchen.
nach Calepinus manipulus lanae vel lini aut canabis qui ex colo pendet et fuso trahitur 1046.
fries. dok
ein bündelchen Outzen
Fries. glossar 45.
isländ. docka
spira linea ein kleiner strang garn Biörn 146.
schwed. docka
mensura serici filamenti Ihre 331,
dän. dukke.
bei den jägern zusammengewickelte schnüre, das zusammengewickelte hängeseil. daher abdocken
seile abwickeln; vergl. aufdocken.
in den tabacksfabriken ein bündel trockner tabacksblätter, ein halbes pfund schwer. in der Schweiz werg, so viel man mit beiden händen umfassen kann Tobler 141.
in Niedersachsen ein strohbündel das zwischen die fugen von dachziegeln oder schindeln gesteckt wird, damit der regen nicht durchdringe Brem. wörterb. 1, 222. Schütze 1, 228.
in Baiern ein haufe von über einander gelegten feldfrüchten. acht bis zehn garben übereinander machen eine docken,
hundert docken
einen schober. man sagt das getreide in docken stellen Schmeller 1, 356.
s.dock m. und docken
verb. 55.
die zeitlose, colchicum autumnale Schmeller 1, 356.
die zarte lillafarbige blüte kommt im herbst voraus ohne alle blätter und wird auch nackte jungfer genannt. docke
wird also hier so viel als zierliches mädchen bedeuten. vergl. dockenkraut. wasserdöckelein. 66.
da docke
am frühsten mit dem begriff von imaguncula erscheint, so ist man geneigt diesen für den ursprünglichen zu halten, auch hat sich eine angemessene erklärung ergeben. gleichwol ist auch die bedeutung von klötzchen zu berücksichtigen, da sie ausgebreiteter, und in so manche andere, damit sichtbar verwandte, nähere bestimmung enthaltende übergegangen ist. der begriff von puppe läszt sich leicht daraus ableiten wie der von bündel aus puppe. die ältesten puppen mochten aus roh geschnitzten stückchen holz bestehen, wie die kinder noch jetzt am liebsten damit spielen: oder man umwickelte das holz mit lappen und bildete damit die kleine figur. erst im 13
ten. jahrh. bei Wolfram
ist von der schönheit der puppen die rede, und dann erst konnte docke
ein schmeichelnder ausdruck für ein junges mädchen sein. eine genügende ableitung des worts läszt sich nicht angeben. möglich dasz das mittellat. docarium
trabs lignum bei Ducange
damit zusammenhängt, wenn aber dieses und mithin docke
von dem griechischen δοκός abstammen soll, so streitet die mangelnde lautverschiebung dagegen, weshalb auch das von Schmid
angeführte δαγύς wachspuppe, der zauberer, nicht zulässig ist.