Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Abgrund m.
Abgrund m.
Abgrund m. ‘unermeßliche Tiefe, steil abfallende Gebirgsschlucht’, übertragen ‘unergründliche Tiefe, Untergang, Verderben, unüberbrückbare Kluft’, ahd. abgrunti n. (8. Jh.), abgrunt m. (um 800), mhd. abgrunde, abgründe, abgrunt n. (spätmhd. m.), asächs. afgrundi n., mnd. afgründ(e) n., afgrunt f., mnl. afgrond m., afgronde f., nl. afgrond m., aengl. æfgrynde n. Neben dem ursprünglichen neutralen ja-Stamm tritt das Maskulinum im Ahd. nur vereinzelt auf und setzt sich erst im 16. Jh. (in Anlehnung an Grund, s. d.) durch. Ihrer Bildungsweise nach würden die westgerm. Substantive ebenso wie gleichbed. got. afgrundiþa ein Adjektiv voraussetzen, wie es in ahd. abgrunti ‘abgründig, unermeßlich tief’ (um 800), eigentlich ‘wo der Grund weg ist, keinen Grund habend, bodenlos’, vorliegt. Möglicherweise aber war für die germ. Präfixbildungen entscheidend das Vorbild von griech. ábyssos (ἄβυσσος), kirchenlat. abyssus ‘große, unermeßliche Tiefe’, auch ‘Hölle’, als dessen Übersetzung die frühen (got. ahd. aengl.) Belege erscheinen. – abgründig Adj. ‘tiefgründig, rätselhaft, unermeßlich’, mhd. abgründec, mnd. afgründich; vgl. ahd. abgrunti (s. oben).