ABGRUND m. (n. f.) (1)
herkunft. neben anders abgeleitetem got. afgrundiþa
f. nur westgerm.: ahd. abgrunti
n., abgrunt
m., as. anfrk. afgrundi
n., ae. æfgrynde
n., mhd. abgrunde (-ü-)
n., abgrunt (-ü-)
n. (spätmhd. m.),
mnd. afgrunde, afgrunt
n. (f.),
mnl. afgronde
n. (f.), afgront
n. (m.),
frnhd. abgrund
m. (n. f.); dän. u. schwed. afgrund
sind aus dem mnd. entlehnt. als ursprünglich ist der neutrale ja-
stamm ahd. abgrunti
anzusehen während sich sporadisches ahd. abgrunt
m. sekundär an das simplex anlehnt. –
das meist als bildung mit ab- ‘
abwärts-’ erklärte wort (‘
was hinab, von der erde weg reicht’ 1DWB 1,52; ‘
in die tiefe hinabgehender grund’ Weigand/H.
wb. 51,9; ‘
abwärts gehender grund’ Paul/Sch.
wb. 56b; Falck/T.
et. wb. 1,13; ‘stelle, an der der grund abstürzt’ Kluge/
M. et. wb. 183a; Franck/v. W.
et. wb. 211a)
ist WNT 1,997 wohl richtiger auf die privative präfixbedeutung (
separatives ab-)
zurückgeführt (‘
ruimte, die geen grond heeft, bodemlooze diepte’; s. auch Heyne
wb. 1,18 u. vgl. Kluge
urgerm. 3233).
danach enthält der neutr. ja-
stamm ahd. abgrunti
als zusammenbildung (Wilmanns
gramm. 22, § 189,3; Henzen
wortbildung 2§ 87,2)
die elemente ab + grund
in der gleichen bedeutungsverbindung ‘ohne grund, bodenlos’,
die auch in got. afgrundiþa
f. (Luk. 8,31 u. Röm. 10,7 für gr. ἄβυσσος f. unterwelt, biblisch zu älterem ἄβυσσος adj. bodenlos) vorausgesetzt werden muß. –
die privativbedeutung läßt die substantive von einem adj. der bedeutung ‘
bodenlos’ abhängig erscheinen (Uhlenbeck
et. wb. [
1896]
1; Kluge
urgerm. 3233; v. Lessen
tijdschrift 59 [
1940]
53 f.),
das im got. u. ae. fehlt, ahd. wohl in abgrundiu uuazssar
abyssos, Isidor 1,5 H., vorliegt (
ahd. wb. 1,17; nach älterer ansicht subst. gen. plur. [-iu
für -eo] Braune/
M. ahd. gramm. § 198, anm. 7),
aber entbehrlich ist, wenn die wörter als lehnbildungen zu ἄβυσσος / abyssus
f. aufgefaßt werden können. dafür spricht sowohl die älteste überlieferung (
wie got. afgrundiþa
für gr. ἄβυσσος,
ist ae. æfgrynde
in der einzigen stelle [
zu ps. 35,7]
und ahd. abgrunti, abgrunt
in der mehrzahl der belege übersetzungswort für lat. abyssus),
als auch die weitere entwicklung im dt., wo abgrund
bei zunächst biblisch-religiöser tradition auch späterhin schriftsprachlichen charakter behält (
nur vereinzelt volkssprachl.: ⟨1454⟩ we .. affgrunde to tunede [
westf.]
weist. 3,79 G., vgl. die mundartnachweise zu A 2 a;
sonst mdal. unüblich oder an schriftsprachl -kirchl. gebrauch angelehnt).
insbesondere wird das späte und zögernde auftreten der jüngernhd. geläufigen bedeutung ‘
gebirgsschlucht, felsabsturz’ (A 2)
erklärlich, wenn abgrund
zunächst als lehnübersetzung des griech.-lat. bibelwortes für die unterwelt, urflut und meerestiefe anzusehen ist. (2)
genus und form. (a)
neutrum. der in ahd. abgrunti,
as. anfrk. afgrundi
vorliegende neutrale ja-
stamm herrscht, obwohl im frühen ahd. schon sporadisch das mask. auftritt, uneingeschränkt bis zum 13. jh. und ganz überwiegend noch im 14. u. 15. jh.: abgrunde,
mfrk. mnd. afgrunde;
in obd. hss. seit etwa 1300 abgründe,
auch nd.: hs.1464 afgründe
(a. s.) redentiner ostersp. 1949 K. –
vor dem allgemeinen übergang zum mask. genus, der sich um 1500 sehr rasch vollzieht, wird die apokopierte wortform gebräuchlich (
zum typus vgl. Paul/
M. mhd. gramm. 18§ 47,6),
in der sich das neutrum in den geläufigsten kasus dem mask. angleicht (vgl. b).
die folgenden stellen sind zugleich spätbelege des neutrums, das im 16. jh. nicht länger nachzuweisen ist. mit umlaut (
alem.) hs.1380/1400 daz .. abgrúnd Seuse
21,28 B. ebd. 127,20. 290,13. ⟨u1400⟩hs.1441 das .. abgründ (:verkünt)
teufels netz 13177 LV. hs.15.jh. das abgrúnd Stagel
schwestern 56 DTM. –
verbreiteter: hs.u1400 das .. apgrund Johann v. Neumarkt
b. d. liebkosung 164,4. ebd. 126,15. u1466 daz apgrunt
1. dt. bibel 7,331 LV. z.j.1477 (in afgrunde ..) in afgrunt
lüb. chr. 2,398 G. v1478 daz abgrund Sibilla v. Bondorf
Franciscus 135 TSM. 1486 int afgrond Veghe
wyngaerden 222,11 R. 2.h15.jh. das abgrund
dt. volksb. 297,24 LV. 1510 das abgrund Geiler
paradiß 14b. (b)
maskulinum. ahd. abgrunt
m. (ahd. wb. 1,16) ist verbürgt durch: 8./9.jh.
abisus (=
abyssos, prov. 8,27) abcrunta
(Rb) ahd. gl. 1,541,43 S./S. auch: ⟨u900⟩hs.u1000 en abcrunt (: -hunt [
hs. -curnt: uhnt])
georgslied 59 S. weitere zweifelsfreie belege erst wieder seit dem 14., dann zahlreich im 16. jh.: hss.14./15.jh. den abgrunt meister Eckhart
1,194,5 Q. (
vgl. ders., 261,24 f. P., dazu Quint
überlieferung [
1932]
708). hs.E14.jh. den abgrunt Heinrich v. Hesler
apocalypse 16247 DTM. u1475 der abgrunt
(la. Jud. 9,8) 1. dt. bibel 7,62 LV (u. ö.). 1508 den abgrund Geiler
pred. E 5b. 1510 der abgrund
ders., spinnerin a 3b (s. o. a). 1525 den abgrund Luther
w. 17,2,244 W. 1534 vnsettiger abgrundt Agricola
sprichw. J 7a. 1560 den abgrund Sachs
9,489 LV. für das ältere mhd. fehlen sichere nachweise. die bei BMZ 1,581b, Lexer
mhd. hdwb. 1,15 als m. angesetzten belege bieten die form abgrunt (-d)
ohne determination des grammat. geschlechts (
meist hss. d. 15. jhs.; die älteste stelle: 13.jh.
abyssus abgrunt
sumerl. 49,1 =
ahd. gl. 3,356,42 S./S. kann frühbeleg für apokope des neutrums sein).
vgl. noch unechtes mask. in der textverbindung: in desen .. gronde .. den afgronde .. dat afgrond
mnd. wb. 1,234. –
in vielen stellen des 15./16. jhs. ist das genus wegen artikellosen gebrauchs der endungslosen form in präpositionalverbindungen (
sehr geläufig in abgrund)
unbestimmbar. (c)
femininum. die seltenen belege stammen aus dem mnl. und nd., wo grund
als fem. verbreitet ist (
1DWB 4,1,6,667).
in einzelnen fällen (Cranc) muß jedoch einfluß der lat. vorlage (abyssus
f.)
angenommen werden: hs.1348 ene grote afgronde (chaos/χάσμα
Marc. 16,26)
mnl. wb. 1,234. hs.1360/90 di abgrunde hat gegeben sin stimme
(dedit abyssus vocem suam, Abac. 3,10) Cranc
350 Z. (sonst daz abgrunde ebd. 279. 334). u1478 der affgrunde
(abyssi) nd. bibelfrühdrucke (Köln u)
gen. 8,2 DTM. 1494 der afgrunde
(abyssi) ebd. (Halberst.) gen. 1,2. hs.15.jh. in der aftgrunde
(la.) meister Eckhart
5,238,5 Q. 1526 ynn der affgrunt Schiller/L.
mnd. wb. 6,6b. 1582 aus tieffer abgrund
(verf. aus Westf., druck Köln) kath. kirchenl. 3,375 K. –
noch mdal.: afgrund
f., meckl. wb. 1,121. Dähnert
wb. pomm. u. rüg. mda. (
1781)
5a. abgrund
m. f. Ziesemer
preuß. wb. 1,30a. abgrund
f. siebenb.-sächs. wb. 1,18a. (d)
nebenformen. vereinzelt aptgrund (
vgl. abt- unter abgott): hs.E14.jh. ein .. appetgrunde Tauler
101,30 DTM. hs.u1400 aptgründe
schürebrand 38,2 S. hs.15.jh. aptgründe
erz. altdt. hss. 27 LV. hs.2.h15.jh. das aptgrunde Rothe
düring. chr. 176 L. hs.A16.jh. aptgrunde
alsfelder passionssp. 421 G. s. auch aftgrunde
unter c
und eptgrunde
im folgenden. —
anlautendes e
in md. quellen kann umlauterscheinung sein: hs.E13.jh. diu epgrunde Heinrich v. Krolewiz
vater unser 569 L. 1343 daz epgrunde
evangelienb. d. Matthias v. Beheim 136 B. hs.M14.jh. daz ebgrunde
hist. d. alden ê 373 LV. hs.1340/1400 diz ebgrunde
Hiob 10840 DTM (u. ö.). hs.2.h15.jh. das eptgrunde
zfdwf. 2,166. A
räumlich, in kosmologischer (1)
und topologischer (2)
auffassung. 1
in seinen ältesten verwendungen beruht abgrund
ganz auf dem biblischen gebrauch von lat. abyssus
und dessen weiterführung im mlat. zu abyssus
in der lat. bibel vgl. insbes.: gen. 1,2 (urflut); gen. 7,11 (fluten der tiefe); ps. 105,9 (fluten des [roten] meeres); ps. 70,20 (
tiefen der erde)
; Luc. 8,31 (unterwelt); apoc. 9,1 (unterwelt); ferner die gegenüberstellungen caelum (– terra – mare) – abyssus:
gen. 49,25; eccli. 1,2; ps. 134,6. nicht biblisch vorgeprägt (vgl. aber Matth. 25,41; Marc. 9,46; apoc. 21,8) sind anwendungen auf die christliche hölle (ignea abyssus),
mlat. wb. 1,70,56 ff. a
tiefe des (welt)meeres; wasserschlund; jünger auch meeresboden (
oft abgrund des meeres): 8./9.jh.
(proverb. 8,27:) gyro uallabat abisus umbiuuurufti kiuestinota abcrunta
(Rb) ahd. gl. 1,541,43 S./S. 10.jh. (
Hieron. in Matth. 13,47 – 50: sagenam .. capiens de salsis ..)
gurgitibus seom. apcruntim
ahd. gl. 2,332,47 S./S. 12.jh.
abyssus abgrunde (
summ. Heinr. B IV, 7 ‘de maris nomine et aquarum diversitate’ )
ahd. gl. 3,205,62 S./S. 1510 man .. versencket sy in den abgrunt des meres Geiler
paradiß 46c. 1628 das mehr wirft aus abgrundt ein hauffen sandt auf Lubenau
reisen 2,206 S. 1669 wie es .. in abgrund deß meers .. schöne berg und thäler abgebe Grimmelshausen
Simplicissimus 429 Sch. 1714 du in abgrund des meers verborgene fisch-schaar
in: Abraham a
s. Clara
kramerladen (1710)2,174. 1718 so wenig, als man kan des meeres abgrund finden
ged. 1,719 Menantes. 1731 perlenmuscheln, die das umgerührte eingeweyde des abgrundes .. auszuspeyen gezwungen worden Schnabel
Felsenburg 1,440 DLD. 1804 hört, wie der abgrund toßt, der wirbel brüllt,/ so hats noch nie geraßt in diesem schlunde! Schiller
14,370 G. 1861 daß der .. goldfisch, den man aus dem netz läßt, für immer in den abgrund zurück kehrt Hebbel
III 7,121 W. 1910 aus den abgründen des urmeeres .. erreicht das organische leben .. das feste land Schlaf
individuum 227. —
dagegen zu 2: 1626
(er) solte .. von einem felsen herunder in einen tieffen abgrund deß Caspischen Meers gestürtzet werden
theatrum amoris 425. 1661 oerter in dem meer, da kein loth gründen kan, sondern ein vnermeßlicher abgrund gefunden wird
acerra philologica 375. b
reich der unterwelt hölle, orkus (
oft abgrund der hölle): ⟨790/802⟩ sint uueka
(viae) .., dero enti unzi ze abcrunte dera hella pisuuffit
benediktinerregel 212,11 S. hs.E12.jh. ir uir dienit daz afgrunde,/ daz her mich so torecht woldit han
Rother H 1970 F./K. ⟨A13.jh.⟩ der fürste uz helle abgründe Walther
103,12 K. ⟨u1300⟩ daz brinnende abgrunde
väterb. 32472 DTM. ⟨1338⟩ sy muz baden inden unden/ des ebgrundes ewiclich
Hiob 10109 DTM. ⟨v1464⟩ homot heft us düvele senket in afgründe
redentiner osterspiel 1949 K. 1522 des vatter in abgrund der hellen sitzt Pauli
schimpf 324 LV. ⟨1661⟩ wan .. durch den weiten und breiten abgrund ümfrage geschehen Zesen
verschmähete majestät (1662)82. 1711 alle furien aus dem abgrund
ollapatrida 204 WND. 1776/80 manchen greisen, .. schon hinunter ../ in den abgrund des afernus schwankend Schiller
1,19 nat. 1845 auf der alten, den mächten des abgrundes geweihten stätte Fallmerayer
fragmente 1,318. 1912 er hat schiebungen vorgenommen, die ihn dem abgrund der hölle immer näher brachten Essig
überteufel 10. 1951 das uralt-heidnische reckt sich wieder aus dem abgrund empor, in den es die .. christlichen priester hinabgeschleudert hatten Niekisch
bilanz 241. —
zum inbegriff des bösen, dämonischen stilisiert: 1917 hier trifft uns .. ein hauch des abgrundes: die furcht, die quelle alles bösen .. das tierheitserbe Rathenau
v. kommenden dingen 171. 1940 Schiller vertraut den sternen durchaus das düstere, .. verfänglich mißleitende an, die ungeistigkeit .. der kosmischen und menschlichen natur, die ihm, dem stoisch aufgeklärten bruder der christlichen schicksalsdichter, abgrund geworden ist Kommerell
geist 155. c
unterste tiefe des weltbaus; erdtiefe, (plur.) unterirdische gründe (
jünger oft abgrund der erde): ⟨u830⟩ that land inn bisank,/ thiu erđa an afgrundi, al uuard farspildit/ Sodomariki
as. genesis 321. u868 in erdu joh in himile inti in abgrunte ouh hiar nidare Otfrid
5,1,28 E. ⟨1150/80⟩ wurze des waldes/ und grieze des goldes/ und elliu apgründe/ diu sint dir, hêrre, in künde Spervogel
3030,29 MF (vgl. MFU 73). A13.jh. daz wendil mer vellit in vier ende andaz abgrvnde. da daz sint gewege denne stozit zesamine, da wirt ie von deme stoze der wint
lucidarius 367 D. ⟨u1210⟩ daz si mit dem wilden se/ uf als in den himel stigen/ und iesa wider nider sigen/ als in daz abgründe
(ps. 106[107],26) Gottfried
Tristan 2429 R. ⟨1338⟩ hastu gewandert ../ verre indem ebgrunde tyf,/ da menschen vuz ny hin gelyf,/ da nimant ouch gesygelt hat?
Hiob 14239 DTM (Hiob 38,16). ⟨1349/50⟩ daz der track gern won in den tiefen abgrünten der erd Konrad v. Megenberg
b. d. natur 269 P. 1479 nemant en mach .. so verne vleen, he en moet jo sterven .. al behodde he syk in dat affgrunde van der erden offte in de grunt van der see
Sidrach 101 LV. 1578
(er) saß auff sein pferd/ und sprengt in den abgrund der erd
(erdbebenspalte) Sachs
16,296 LV. 1665 ohn daß der weisse oder gelbe kot
(silber u. gold) .. aus dem abgrunde jhrer erden gegraben wird Bucholtz
Herkuliskus 16a. ⟨1713⟩ daß noch die ganze welt in ihren angeln geht,/ .. die sterne und ihr haus nicht in den abgrund schießen Günther
5,16 LV. 1751 der sitz der hölle .. gehet nicht tieffer in den abgrund der erde, als diese berge .. in die höhe steigen Altmann
versuch 39. 1819 bald flackerten die grubenlichter von dem .. luftzuge, der die abgründe durchströmte E. T. A. Hoffmann
6,183 G. 1823 was suchen .. pflanzen in der tiefe? was hat .. die luzerne, daß sich ihre wurzeln in dem abgrunde verlieren? Schwerz
ackerbau 1,51. 1824 soll sich der abgrund einen schlot durchs Riesengebirge durchbohren um den .. basalt dort oben hinzuschaffen? Goethe
IV 39,288 W. 1829
ebd. IV 46,349. 1867 wir hätten eher gewollt, daß der boden .. mit uns in den abgrund stürze, als daß wir den feinden einen grashalm gelassen hätten Stifter
11,21 S. 2
steil abfallende, tiefe geländesenkung (gebirgsschlucht, felsabsturz); jünger als 1 a – c
und wohl nicht vor dem 18. jh. zur heutigen verbreitung gelangt: ⟨1225/30⟩ dô er .. vor dem einhürnen lief,/ in ein abgründe tief/ viel er über eine want Rudolf v. Ems
Barlaam 116,34 P. ⟨u1250⟩ diu erde dede sic up
(erdbeben), .. unde wart ein eislic afgrunde
sächs. weltchr. 83 MGH. ⟨1454⟩ we .. wantsteyne vme erede edder vßbreche, vnd affgrunde to tunede
(sachbezug unklar) (westf.) weist. 3,79 G. n1474 in deme felsse ist eyn loch vnde abgrunde, do das wasser yn loyfft, wan es reynt Hans v. Waltheym
40 W. ⟨v1683⟩ daß viel nur einmahl fehltretende menschen .. von den abgründen verschlungen wurden Lohenstein
Arminius (1689)1,826a. 1731 zwischen welchen beyden
(felsen) ein .. tieffer abgrund war Schnabel
Felsenburg 1,120 DLD. 1776
(wo) verschiedene abgründe und wildnisse angelegt werden sollten
F. Nicolai
Nothanker (1773)3,92. 1804 da kam der landvogt gegen mich daher,/ er ganz allein .. und neben uns der abgrund Schiller
14,341 G. 1831 eine schlucht mit schroffen wänden ist ein schlund, eine mit fast senkrechten, ein abgrund Schacht
geogr. 8. 1873 die tiefe des abgrundes zur einen seite .. und die höhe der felsen zur anderen Raabe
10,310 H. ⟨1901⟩ mit einer .. brücke über einem kleinen abgrund, zerklüfteten abhängen Th. Mann
ges. w. (1955)1,358. 1930 er saß .. beim wein .., als der tisch mit den freunden in einem sich plötzlich öffnenden abgrund verschwand
(erdbeben) G. Hauptmann
leidenschaft 1,227. 1955 Romeo, der Julia .. für tot hält, rast mit seinem wagen in den abgrund
frankf. allg. ztg. 54, beibl. 5. a
freier jede tiefe, in die man stürzen kann; jähe (selbst unbedeutende) vertiefung: ⟨u1670⟩ ‘Joseph, liebster bruder!’ ihme antwortet aber nur der .. wiederhall mit eben den worten, die er in dessen abgrund geschrien hatte
(wolfsgrube) Grimmelshausen
Simplicissimus 2,734 LV. 1796 er wankte .., so daß .. Fanny glaubte, er träte in einen abgrund, und ihn mit dem .. arme faßte Heinse
6,156 Sch. ⟨1862⟩ man hat schon manche tür in Venedig zuvorkommend geöffnet, weil der schritt über die schwelle in einen abgrund führte Heyse
[1924] I 3,248. 1873 wie vorhin über die kleinen abgründe
(gerinne im boden der halligen), flog sie auf mich zu Storm
3,189 K. ⟨1895⟩
(er) eilte ans fenster, als wollte er hinausspringen, aber im dunkeln konnte er nicht sehen, wie tief der abgrund war Rosegger
ges. w. 22(1922)353. —
mdal.: afgrund
f. tiefer gelegene stelle im acker, meckl. wb. 1,121. abgrund
m. f. tiefe stellen in flußläufen Ziesemer
preuß. wb. 1,30a. b
bildlich: ⟨1349/50⟩ von des himels abgrunt: man siht auch oft des nahtes, als ob ain gruntlôs tiefen gê in den himel. daz ist dar umb, daz vinsterr .. rauch sich gesament hât Konrad v. Megenberg
b. d. natur 78 P. ⟨1863⟩ immer neue
(sterne) .. drangen .. aus dem blauen abgrund über ihr Storm
2,278 K. ⟨1901⟩ und nachts wölbt sich über ihm der .. dunkelblaue abgrund Hofmannsthal
prosa 1,323 S. auch: 1753 izt schoß ich
(vom saturn) behend in den glaenzenden abgrund
(weltraum) zurycke
(br. v. verstorb. 1,251) Wieland
I 2,7 ak. 1784 die erde als ein staubkorn .., das in jenem großen abgrunde schwimmt Herder
13,14 S. — 1575 hett sie beinah der .. stram des weins in abgrund seins magens geschwemmet Fischart
geschichtklitterung 378 HND. 1801 in diesem falle mit den versen in den letzten abgrund ihres pults! Klopstock
br. 426 L. ⟨1874⟩ während
(er) .. seine .. uhr aus dem abgrund seiner tasche zog Storm
4,92 K. — 1829 sie .. suchten wechselseitig in den beschatteten augen erwiderung ... aus ihren abgründen schien ein licht hervorzublicken und anzudeuten, was der mund weislich verschwieg Goethe
I 24,332 W. ⟨1930⟩ der kleine dunkle kreis, der kleine drohende abgrund in ihrem lichten auge Hesse
ges. schr. (1957)5,66. ⟨1941⟩ nahm der abgrund dieser augen denn überhaupt kein ende? Hausmann
überfall (1952)137. ⟨1950⟩ die augen, in deren abgrund so viel trauer nistete Oelfken
traum (1955)213. B
sinnbildlich wie unter A 1 a – c
oft mit subst. bezugsbegriff, angeschlossen durch den genitiv (abgrund der barmherzigkeit, der vergangenheit, des verderbens),
jünger und auf bestimmte verwendungen (2
u. 6)
beschränkt auch durch von (ein abgrund von herrlichkeit, abgründe von zweifeln). –
welche der räumlichen vorstellungen den einzelnen belegen zugrunde liegt, ist oft nicht zu erkennen. deutlich zu A 2
gehört der jüngere gebrauch unter 6,
auch 4 b.
selten begegnet ausdrücklicher anschluß an bed. A 1 a,
vgl. außer den unten eingeordneten stellen (2
Seuse, 3 a
Sibilla v. Bondorf, 3 c
Fischart; s. auch A 1 b
benediktinerregel u. Hiob)
die folgenden: 1669
(sie) ersäufften sich .. in abgrund deß wollust Grimmelshausen
continuatio 31 Sch. ⟨v1678⟩ manche, wann sie auf das weite meer der staats-geschäfte gebracht, .. werden .. in den abgrund gerissen Butschky
rosen-thal (1679)57. 1763 muß man sich auf den bodenlosen abgrund der metaphysik wagen. ein finsterer ocean ohne ufer Kant
2,66 ak. 1862 des scheußlichen nebenbei, das ein todesfall mit sich zu führen pflegt .. aus diesem finsteren abgrund bringt keiner der unfreiwilligen taucher etwas herauf, als, wenn es gut geht, sich selbst Hebbel
III 7,219 W. 1
als metapher der unergründlichkeit, der tiefe in metaphysischer geistiger und psychologischer hinsicht: ⟨v1022⟩
(ps. 35,7: iudicia tua abyssus multa) dîne urteilda michel abcrunde, daz chit âne grund, uuanda sîe nemag nîoman ergrunden Notker
3,1,206 S./S. ⟨E13./A14.jh.⟩ ô grunde- lôse tief apgrunt, in dîner tiefe bistû hôch, in dîner hôcheit nider! wie mac daz sîn alsô? daz ist uns verborgen in dîner tiefe apgrunt meister Eckhart
516 P. ⟨M14.jh.⟩ gotformige menschen ... die hoͤhi und die tieffi die sich entekt in disen menschen, das enkan enkain vernunft .. begriffen ..; es gat uber alle sinne in ein abgrúnde Tauler
174 DTM. 1486 des menschen herte is een deep putte, een unbevyndelike dunckerheit unde een wonderlick afgrond Veghe
wyngaerden 99 R. (vgl. eccli. 23, 28. 42,18). ⟨1563⟩ seiner weißheit tieffen abgrund/ ward nie keins menschen hertzen kund Sachs
15,257 LV. 1612 besser ists, daß man die scientias messiglich tractire, dann daß man jhre profunditates vnd tiefe abgründt vil zu sehr inquirire Albertinus
tummel-platz 520. 1619 doch mag ewr dolles phantasieren/ der natur abgrund nit berüren Andreae
kurtzweil 99. 1657 der abgrund meines geists rufft jmmer mit geschrey/ den abgrund gottes an: sag welcher tieffer sey? Silesius
wandersmann 20 HND. 1679 wer will den abgrund eines weibes erschöpffen, nach dem liebe und betrug bey ihnen aus einen brunnen qvellen Riemer
maul-affe 330. ⟨1716⟩ er lernt die schwere kunst, sich selber zu erkennen,/ durchforscht den abgrund der natur Günther
5,95 LV. 1776 liebe, du bist ein abgrund, man mag begreifen oder empfinden Leisewitz
in: stürmer u. dränger 1,344 DNL. 1781 die unbedingte nothwendigkeit, die wir, als den lezten träger aller dinge, so unentbehrlich bedürfen, ist der wahre abgrund vor die menschliche vernunft Kant
reine vernunft 582. 1785 was in dem geheimnißvollen abgrund (
erstdruck: abyssus) unsrer sich selbst so wenig bekannten seele vorgeht Wieland
I 14,161 ak. 1819 in das choralwesen möchte ich mich an deiner hand freilich gern versenken, in diesen abgrund, worin man sich allein nicht zu helfen weiß Goethe
IV 31,46 W. ⟨1873⟩ wieviel wir überhaupt zu wissen fähig sind, und wo die ewig dunklen abgründe liegen Heyse
[1924] I 1,227. ⟨1873⟩ ahnungslos schwebten die jungen stimmen über dem abgrund dieser lieder Storm
3,198 K. ⟨1884/5⟩ namentlich mit Chopin ging er in den tiefsten abgrund
(klavierspiel) ebd. 6,315. 1889 in welche abgründe des unausdenkbaren hat seitdem die astronomie und physik geführt Paulsen
system 337. 1925 und sah .. an der büste des Brutus, bis in welche abgründe er hineintaucht, um eines menschen wille in sein gesicht zu bannen Kapp
br. 203 H. 1951 das forschende auge wird an einen bodenlosen abgrund verwiesen Niekisch
bilanz 174. —
personifiziert: ⟨1742⟩ ein mensch, der sich vielleicht zum schein/ als einen abgrund stellt, nur um ergründt zu seyn J. E. Schlegel
4,102 Sch. 1779 wenn die verwirrtheit ihr herz wirklich aufgedeckt, gott, was ist denn ein weib für ein abgrund! Leisewitz
tgb. 1,47 M./L. 1909 er ist ein abgrund ... niemand könnte wissen, was geschieht, wenn er es ahnte C. Hauptmann
pansp. 83. 2
quantitativ, als ausdruck der unerschöpflichen fülle, des höchsten ausmaßes (oft von negativen erscheinungen, vgl. 4): ⟨1070/80⟩ in dero hello da ist .. daz richiste trisehus alles unwunnes, der hizze abgrunde
himmel u. hölle 57 S. ⟨A/M14.jh.⟩ du hast daz abgrund diner grundlosen minne .. us gegossen Seuse
290 B. ⟨v1510⟩ o du abgrund der barmhertzigkait, du brunn der miltigkait vnd gnad Geiler
schiff (1514) 55b. 1578 jener beider
(Paris und Helena) heurhat .. hat den Griechen .. ein vnend oder abgrund, vnd .. ein summa summarum alles vbels .. gebracht Fischart
3,143 DNL. 1652 es ist .. ein abgrund der boßheit, daß man sich zu dem ende vergleichet .., damit man den feind sicher machet Harsdörffer
Heraclitus 209. 1714 Augustinus war .. ein tieffer abgrund der weisheit
in: Abraham a
s. Clara
kramer-laden (1710)2,213. 1720 Paris ist ein abgrundt aller laster Elisabeth Ch. v. Orleans
br. 5,95 LV. 1724 daß in einer jeden creatur .. ein .. abgrund göttlicher erkänntniß verborgen lieget Ch. Wolff
gott, anm. 593. 1781 daß sie
(astronom. forschungen) nur den abgrund der unwissenheit aufgedeckt haben, den die menschliche vernunft .. sich niemals so groß hätte vorstellen können Kant
reine vernunft 575. ⟨v1797⟩ postuliert das subjekt nicht das absolute ich, so muß es hier sich in einem abgrund von irrtum verlieren Novalis
3,406 W. 1818 abgüsse der phigalischen basreliefs ..
(man) hat mir eins .. zugeschickt, .. es ist ein abgrund von herrlichkeit Goethe
IV 29,105 W. ⟨1833⟩ ich habe diesen abgrund von leid und not nicht geahndet, und ich ermesse täglich neue räume desselben, ohne ihn auszumessen
in: Kerner
brw. 2,48 K. ⟨u1842⟩ welch ein fleck erde
(Rom)! man vergeht vor der macht seines inhalts. .. ohne anstrengung .. geht dir ein abgrund bedeutungsvoller bilder auf Hehn
reisebilder (1906)112. 1855 das mädchen, gleichsam ein abgrund von unbefangenheit, scherzte, lachte Stifter
3,237 S. 1885 Alcuin, du abgrund des wissens .. was ist Rätien? welche pässe führen dahin? C.
F. Meyer
12,172 Z./Z. 1887 dieser mensch ist ein abgrund von lüge, in welchem der blick sich verliert
ebd. 13,258. ⟨1930⟩ daß man .. über einen abgrund von reden nicht hinauskommen werde Musil
mann 200 F. 1934 ein solcher ausbund und abgrund von verlogenheit Fallada
blechnapf 352. 3
in engeren auffassungen, dem vorigen vielfach nahestehend. a abgrund gottes
und abgrund der seele
in der mystik (vgl. auch 1),
insbes. als ort der mystischen vereinigung: ⟨E13./A14.jh.⟩ sô versinket si
(seele) iemer mê in daz apgründe der gotheit, alsô daz si niemer grunt envindet meister Eckhart
501 P. ⟨A/M14.jh.⟩ dis tanzen .. ez waz neiswi ein himelscher uswal und ein widerinwal in daz wild abgrúnd der goͤtlichen togenheit Seuse
21 B. ⟨M14.jh.⟩ das got .. múge .. ingon .. in den innerlichesten grunt .., von dem sancte Augustinus sprichet das die sele habe in ir ein verborgen appetgrunde, daz enhabe mit .. diser welte nút zuͦ tuͦnde Tauler
101 DTM. hs.14.jh. ist ein verborgen abgrunt in der sele, das ruͤffet ane vnderlas .. deme goͤtlichen abgrunde
(ps. 41,8) in: Mechthild
283 M. v1478 do wart die .. sele
(des sterbenden heiligen) von dem libe gescheiden vnd wart besoͤifet in daz abgrund der gottlichen clorheit Sibilla v. Bondorf
Franciscus 135 TSM. ⟨v1660⟩ die seele, das theil .., das ein abgrund ist der allerhöchsten einigkeit Czepko
geistl. schr. 52 M. wann du dich wilt in gott und seinen abgrund sencken
ebd. 252. b
tiefster grund (des herzens, der seele) ⟨A/M14.jh.⟩
(er) gruͦzte sie
(marienbild) von dem tiefen abgrúnde sines herzen Seuse
26 B. 1523 gottis wort .. richtet .. den menschen nicht nach dem eusserlichen wandel .., sonder nach dem abgrund seynis gewissens
(nachschr.) Luther
w. 12,543 W. 1618 daß sie
(mönche) .. rechte heuchler in abgrundt jhres hertzens seyn Sandrub
kurzweil 58 HND. 1653 der wille ist der abgrund unsrer gedanken Harsdörffer
trichter (1647)3,489. 1758 daher ist im abgrund unsers herzens eine stimme Hamann
1,78 N. 1767/8 genies, die ihr alles aus dem abgrund eurer seele holt Herder
2,179 S. 1823 als klänge das erlösende wort auf dem bewegten abgrunde des gemüths wieder Steffens
theol. VIII. c abgrund
als alles verschlingendes: 1534 die augen sind des hertzen vnsettiger abgrundt Agricola
sprichw. J 7a. 1578 ein .. praͤchtig weib
(ist) ein rechter abgrund, strudel vnd .. wirbel, so .. grose güter .. verschlucket Fischart
3,250 DNL. ⟨1758⟩ Holland .. ist das magazin aller europäischen und indianischen waaren und der abgrund, welcher die schätze aller übrigen völker verschlingt Wieland
I 4,469 ak. 1795
ebd. I 7,417. ⟨1859⟩ der wille .. als individuum ..; keine .. befriedigung könnte hinreichen .. den bodenlosen abgrund seines herzens auszufüllen Schopenhauer
3,657 H. d abgrund der vergessenheit, der vergangenheit, der zeit: 1679 weil .. die zeit, welche sie
(berühmte menschen) gesehen hat, samt ihnen, in den abgrund der vergänglichkeit gestürzet ist
in: Butschky
rosen-thal 844. 1724 wie gerne verbannete
(man) nicht .. alle merckmahle seiner tyranney in den abgrund der vergessenheit Fabricius
oratorie 281. 1767/8 nationen, nach der ersten .. form des menschlichen geistes gebildet ...
(sie) sind in den abgrund der zeiten versunken Herder
2,113 S. ⟨1796⟩ daß sie
(seele) bebt am geöffneten/ abgrund des langen gestern, welches/ welten verschlang Stolberg
ged. (1821)2,154. 1827 hier will mein blick in einen abgrund der vergangenheit sich verlieren Goethe
IV 42,61 W. 1903 was wir gegenwart nennen, versinkt immerfort in den abgrund der zeit Eucken
ges. aufs. (1903)46. ⟨1918⟩ dingen, die im abgrund der jahrmillionen versunken lagen G. Hauptmann
ausgew. prosa 4,135 M. —
anders: 1767 da er
(dithyrambus) den vater des weins .. mit brausendem munde sang ..: so paßt er am meisten auf den abgrund der zeiten, da man .. die kraft einer göttlichen gegenwart fühlte Herder
1,311 S. ⟨1896⟩ die länder der mitlebenden rollen sich als große hintergründe auf .., und unter den füßen liegen die vergangenheiten, in durchsichtigen abgründen gelagert wie gefangene Hofmannsthal
prosa 1,260 S. 1932 kannst du begreifen, was für ein abgrund ein leben von siebzig jahren ist? G. Hauptmann
vor sonnenuntergang 145. e abgrund des nichts: 1754 die elemente, welche
(vom schöpfer) aus dem abgrunde des nichtseyns (ex abysso nihileitatis) heraufgeholet wurden Derling
nachahmungen 209. 1781 daß .. das ganze all im abgrunde des nichts versinken müßte, nähme man nicht etwas an, das außerhalb diesem .. zufälligen .. dasselbe hielte Kant
reine vernunft 590. 1811 die ewige einheit wohnet in dem geschöpflosen abgrund aller dinge, in dem ungründlichen nichts Brentano
3,279 P. f abgrund des lebens: 1847 der dichter muß uns .. den unendlichen abgrund des lebens eröffnen, aus dem sie
(charaktere des dramas) hervorsteigen Hebbel
II 3,214 W. ⟨1870⟩ ich .. vertiefte mich eine weile in den abgrund dieses geheimnisvollen erdendaseins Heyse
[1924] II 4,247. ⟨1949⟩ der herd mit den alten töpfen, das brett, auf dem die blauränderige tasse stand ... mit was für uralten seltsamen dingen der abgrund des lebens ausgefüllt war! Seghers
d. toten (1950)601. g
als sinnbild eines übermächtigen gefühls: ⟨1838/9⟩ Emerentia flüsterte, in einen abgrund von glück verloren, nichts als .. Immermann
1,58 B. ⟨1862⟩ die liebe des weibes versinkt in dem abgrund der mutterliebe Spielhagen
s. rom. (1895)5,114. 1919
(er) sank in einen abgrund der liebe für seinen sohn Frank
mensch 4. —
auch: 1854 unbewußt des brennenden abgrundes, an dem ich ruhte Keller
17,66 F. ⟨1873⟩ in welche gluten fühlte sie sich hineingerissen! – nein, noch nicht hinein in diesen lodernden abgrund, aber die flammen .. waren nahe genug Heyse
[1924] I 1,270. 1907 empfang uns endlich ganz,/ abgrund der nacht, in deinen liebesflammen R. Huch
n. ged. 26. 4
pejorativ (vgl. 2 u. 5). a
durch die symbolik des ‘
unten’ als inbegriff alles negativen bestimmt; oft im sinne des äußersten tiefstandes, des tiefen abgesunken- oder niedergeworfenseins: hs.1425/8 czeuch vns us dem apgrunde allir sunden
in: Johann v. Neumarkt
4,196 K. 1486 eer selven bughede se
(Maria) neder int afgrond der allerdepesten oetmoedicheit Veghe
wyngaerden 222,11 R. 1519
(gott läßt) ettlich ßo tieff yn abgrund .. fallen, das sie .. ruͤmen .. welcher yn yhrer bruderschafft sey, muͤg nit vordampt werden Luther
w. 2,756 W. 1582 ich ruͦff zuͦ dir mein herr vnd got/ aus tieffer abgrund meiner not
kath. kirchenlieder 3,375 K. 1616 von den zinnen der ehren in den abgrund der schandt vnd vnehr
(geworfen werden) Albertinus
Lucifer 43 DNL. 1652 durch was mittel kan sie solchen unkosten herschiessen? sie hat sie aus dem abgrund ihrer laster gegraben Harsdörffer
Heraclitus 621. ⟨1668⟩ daß du deinen ehren-standt in den abgrund der knechtischen verachtung erniedrigen willst Weise
überflüssige gedanken 189 HND. 1753 wie die .. wehmuth oder die .. pein der liebe .. die edelsten herzen in die abgründe der kleinmuth herunterstossen Naumann
zärtlichkeit 45. 1839 einer weisheit, deren erbarmen bis zu dem abgrund des vergänglichen staubes herabdrang Schubert
morgenland (1838)3,571. ⟨1845⟩ sie
(muse der geschichte) kennt den abgrund wie die höhn Freiligrath
2,180 Z. 1915 aus meinem abgrund zu dir aufgedreht,/ aus dieser tiefe höre mein gebet! Werfel
einander 227. 1924 ein blast vom abgrund des gemeinen Spitteler
dulder 34. — jmd. ist ein abgrund
eine verkörperung übler eigenschaften: ⟨v1380⟩ nu was bin ich aber? ein vinster abgrund, .. ein vas, das bequem ist czu den schanden Johann v. Neumarkt
1,20 K. 1524 niemant weiß sich gnug koͤstlich zustellen, der pauer vber den edelmann, der edelman vber den grafen ..; zu solchem abgrundt haben vnns gmacht .. kauffleuth vnnd kramer Eberlin
3,160 HND. ⟨1713⟩ sie
(weiber) wären, hartes wort! des satans creatur,/ ein abgrund, wo die brut der allergrösten sünden,/ nicht aber heiligkeit .. zu finden Günther
5,10 LV. — es ist ein abgrund
bodenlos: 1873 „das ist ein abgrund, ein neuer abgrund!“ murmelte sie. „die bodenlosigkeit fängt allmählich an mir zu imponieren“ Raabe
10,360 H. 1877 E. hat sich blamiert mit seinem bilde .., ein mensch, der meine bilder mit keinem blicke würdigte ... es ist ein abgrund Feuerbach
br. an seine mutter 2,398 K./U.-B. b
von den düsteren bereichen der seele und der menschlichen verhältnisse; in spezifischem pluralgebrauch (vgl. abgründe profunditates unter 1): 1796 da die verfeinerung .. zugleich die bürgerlichen abgründe und die idealischen höhen vergrössert Jean Paul
III 2,277 ak. 1834 abgründe liegen im gemüte,/ die tiefer als die hölle sind Platen
1,53 R. ⟨1838/9⟩ doch den schleier über diese abgründe
(von Münchhausens magischer entstehung) Immermann
1,105 B. 1845 das neue licht von Frankreich her werde auch einen strahl in unsere vaterländischen abgründe werfen Dahlmann
frz. rev. 423. ⟨1873⟩ wie oft ein einziges wort einen blick in die heimlichsten abgründe versteckter seelen tun läßt Heyse
[1924] I 1,168. 1903 trotz allem bist du ein kind, das in die kalten abgründe des lebens nicht zu schauen vermag, ohne daß sich ihre nebel als reif um deine seele legen
F. Huch
geschwister 21. ⟨1911⟩ ich brauche den sumpf, .. vergessen! .. ich finde es in den menschlichen abgründen G. Hauptmann
ausgew. dr. 3,240 M. 1924 Goya .. kernsaft von Spanien. ein ausbund seiner wonnen und abgründe. sein lockendster und sein drohendster glanz Kerr
Spanien 100. ⟨1927⟩ daß auch die tiere keine einheitliche seele haben, .. daß auch der wolf abgründe in sich hat Hesse
steppenwolf (1952), tractat 29. 1950 ein ‘blick in abgründe’ gewiß; aber nicht ‘in abgründe letzter sittlicher verworfenheit ..’, sondern .. einfach ein blick in die abgründe unserer zeit Mostar
im namen d. gesetzes 35. —
seltener im singular: 1790 es liegt um uns herum/ gar mancher abgrund, den das schicksal grub;/ doch hier in unserm herzen ist der tiefste Goethe
I 10,229 W. ⟨1824⟩ wie das gemüt im eignen abgrund endet Grillparzer
51,230 S. 1895 niedere triebe stiegen aus einem dunklen .. abgrunde ursprünglicher verwilderung auf Polenz
Büttnerbauer 353. 1920 daß wir alles .. in uns selbst tragen ..: widervernunft und selbstaufgabe, .. unrechtwollende hysterie, jeden abgrund des geistes H. Mann
macht 134. 1937
(ein anderer) wäre über den abgrund im eigenen herzen erschrocken Fallada
wolf 685. 5
als metapher des verderbens und der bedrohung (
seit dem 18. jh. oft rand des abgrunds): 1569 hat er sich in seiner grösten feindt händen .. vnd seinen königlichen .. standt in abgrundt abgefallen .. gesehen
Amadis 351 LV. 1653 biß ich euch .. in den abgrund deß verderbens gestürtzet Rist
d. friedejauchtzende Teutschland 11. ⟨v1683⟩ dich aus dem abgrunde des verderbens zu reissen Lohenstein
Arminius (1689)1,461a. 1753 die freude des sünders .. ist die freude eines trunkenen, der am rande eines abgrundes tanzet Wieland
I 2,195 ak. 1784 wo der jüngling das mädgen nicht in den abgrund kosete Knüppeln
charakteristik v. Berl. 1,4. ⟨v1831⟩ wenn
(ein volk) .. sich an den rand des abgrundes geschleudert sieht Clausewitz
vom kriege (71912)498. 1832 an wie viel abgründen die treue hand uns vorübergeführt
in: Schleiermacher
leben in br. (1860)2,454. 1845 der abgrund der finanzen that sich drohender auf Dahlmann
frz. rev. 6. 1851 ihn
(sohn eines räubers) dem abgrund, um den er schon als kind herum spielte, entziehen Hebbel
I 2,134 W. 1892 aber sie
(anrede) stehen gerne, wo ihnen schwindelt, und lieben stolz den abgrund den wenige sehen können Hofmannsthal
brw. 14 B. 1928 die gunst des publikums .. wandte sich wieder Barbara la Marr zu: ein letzter gruß, ehe sie im abgrund verschwand Bronnen
film 275. 1955 daß irgendeine regierung .. ihr land an den rand des abgrunds führen werde
frankf. allg. ztg. 290,3. ⟨v1956⟩ diese versuche wandeln dicht am abgrund der lächerlichkeit Brecht
schr. z. theater 3,204 H. 6
trennung und unvereinbarkeit symbolisierend (
vereinzelt schon: hs.1348 so es ene grote afgronde ghevest tusscen u ende ons [
chaos / χάσμα
Luk. 16,26]
mnl. wb. 1,234) 1687 die verdammten (zwischen denen und den außerwehlten ein grosser abgrund)
(zu Luk. 16,26) Francisci
trauer-saal 2,672. 1800 immer noch keine nachrichten von dir ..; ist denn ein abgrund zwischen uns eingesunken ..? Kleist
5,132 Sch. 1836 abgründe trennen stunde von stunde Hebbel
III 1,57 W. 1877 zwischen dieser erkenntniß und ihrer bethätigung .. öffneten sich abgründe von bedenken Schweichel
erz. (1964)90. ⟨1893⟩ das nervöse bedürfnis, abgründe ringsum sich zu schaffen Hofmannsthal
prosa 1,93 S. 1921 abgründe zwischen gegensätzen warfen wir zu und zwischen verwachsenem rissen wir sie auf Musil
schwärmer 17. 1928 zwischen diesen beiden zahlen
(der spesen und der kasse) klaffte ein abgrund Bronnen
film 10. 1935 der abgrund um die menschliche existenz, den Kierkegaard aufwarf Bense
aufstand 23. 1965 welche abgründe zwischen seinem und ihrem denken lagen Kraft
menschen 407. —
in umschreibungen der überbrückung des trennenden: ⟨v1836⟩ o wahn, der über leides abgrund brücken baut Raimund
446 C. ⟨1838/9⟩ in romanen .. spannt sich die schönheit über alle klüfte und abgründe der unwahrscheinlichkeit hinweg Immermann
1,149 B. 1855 so unversöhnlich ist ein verhältniß von sclaven und herren, daß selbst die alles-versöhnende bildung den abgrund nicht schließt Kürnberger
d. amerika-müde 206. ⟨1873⟩ da sie sich mit einem plötzlichen sprung der phantasie über allerhand abgründe von zweifeln hinweghelfen Heyse
[1924] I 1,383. 1919 ein solcher abend bindet, über den abgrund des geschehens hinweg, die jahre an die jahre Hofmannsthal
brw. 289 N./Sch. 1935 die position der erlittenen einsamkeit, diese unfähigkeit, einmal über alle inneren abgründe und berge zu springen Bense
aufstand 10.Mantey