zucken,
zücken,
v. ,
westgerm. ableitung von *tiuhan,
ahd. zucchen Graff 5, 621,
mhd. zucken, zücken
mhd. wb. 3, 932
a; Lexer 3, 1165,
mnd. tucken Schiller-Lübben 4, 627
a,
nd. brem.-nsächs. wb. 5, 127;
mnl. tucken Verdam
mnl. handwb. 603
a (
im heutigen nl. scheinbar nicht mehr üblich, es fehlt bei Sicherer-Akveld),
ags. tucian Bosworth - Toller 1018
a,
me. tucken, Stratmann 622
b.
daneben hatte das ahd. eine ô-
bildung gazuchôn
carpere, zocchôn
rapere Graff,
die im mhd. noch im prät. zuckete,
neben dem vorherrschenden zucte
und zuhte,
fortlebt. die formen mit umlaut erscheinen im mhd. selten, und nur auf mitteldeutschem gebiet (Wilmanns
d. gram. 1
2, 264; Behaghel
gesch. der d. spr.3 135),
abgesehen von der mangelhaften bezeichnung in der schrift. im wesentlichen beschränken sich die sicheren belege auf das part. gezücket.
auch im nhd. ist zucken
die herrschende form, die meisten wbb. von Frisius, Maaler, Dasypodius
bis Adelung
haben nur zucken, Frisch ü
nur in entzückung, Steinbach
in entzücken,
während Stieler
als stichwort gibt zucken
et zücken 2635.
in den literarischen belegen erscheinen beide formen in beliebiger verwendung, im 17.
und 18.
jh. aber schwindet zücken
immer mehr aus der literatur. die belege hören in der mitte des 19.
jhs. völlig auf, mit ausnahme der festgehaltenen formel den degen zücken,
s. u. 4
d. der vorgang ist also anders als bei drucken
und drücken,
s. Fischer geogr. d. schwäb. ma. 74
a. 2,
und umgekehrt wie bei bücken
und rücken. zücken
hat in den letzten 2
jhh. den klang eines literaturwortes, wie es auch seine dauer zum groszen theil seiner reimfähigkeit verdankt: zum blutstuhl bin ich schon entrückt. schon zuckt nach jedem nacken die schärfe, die nach meinem zückt Göthe 14, 237 (
Faust 4594)
W.; viele reimbelege bei Brentano,
der sonst zucken
hat 1, 167; 449; 2, 281; 341; 3, 313.
späte belege: und die helle freude zücket durch die schwere, so mich drücket wonniglich in meiner brust Mörike
w. 1, 110; und als ich länger blickte, bis auf den grund hinein, wie blitzes flammen zückte mir's da durch mark und bein Hebbel
w. 7, 144.
auszer dem reim, als '
gehobenes'
wort: das herz arbeitet und glüht und möcht sich luft machen und zückt B. v. Arnim
Günderode 2, 266; meine arme zückten von selbst nach ihm Hölderlin 2, 188
Litzmann; da zückt herab wie ein donnerstreich erzengel Michael sogleich Mörike
w. 1, 197.
besonders häufig sind solche belege für plötzliche lichterscheinungen; vgl. u. II 2 c,
eigentlich und übertragen, so dasz an auffassung als lautbild gedacht werden musz: seht ihr den zeugen des nahen den zückenden strahl? Klopstock
oden 1, 136
M.-P.; am zückenden blitze maler Müller (1811) 2, 226; lasz blitze zücken Tieck 2, 52;
ähnlich Schiller 11, 359
G.; Jung-Stilling 3, 104; Herwegh
ged. e. lebendigen 179; Ulr. Hegener
ges. schr. 161.
ganz vereinzelt ist schon im 18.
jh. die achseln zücken H. Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 86; Sonnenfels
ges. schr. 1, 269; 2, 24; 45,
vgl. u. II.
dagegen erhält das schwert zücken
als einzelne formel abweichender bedeutung seit Gottsched
den vorrang: d. schaubühne 2, 178; 4, 221;
d. sprachkunst (1748) 115;
d. neueste aus der anmuth. gelehrs. 1, 517; Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 28; Schönaich
Heinr. der vogler 43.
das sprichwort frisch gezuckt, ist halb gefochten
sch. w. klugreden (1548) 23
a; S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 64
a heiszt nun frischgezückt ist halb geglückt Schellhorn
sprichw. (1797) 136.
späte belege für zucken: nur aus scharfen, gezuckten schwertern kann ein gehege um sie (
die wölfe) geflochten werden Görres
ges. schr. 2, 427; indem er sich umkehrte und seine waffe gegen den unbekannten zuckte Hebbel
w. 8, 19.
bedeutung. das schwinden des umlauts hängt zusammen mit einer veränderung der bedeutung. als ableitung von ziehen
war zucken
ein kräftiges ziehen, zerren, reiszen, von wo aus sich weitere anwendungen ergaben. der zusammenhang mit ziehen
war der sprache bewuszt: daz mich der werlte süeze zuhte under füeze, als sî vil manegen hât gezogen Hartmann v. Aue
d. arme Heinrich 702.
so noch ende des 17.
jhs.: zuckt ... ist geschwinde an sich ziehen, mit füssen, händen, auch dem gantzen leib Gueintz
d. rechtschreib. (1666) 170.
damals hat sich aber eine veränderung angebahnt, welche seit etwa 1700
herrscht. das wort wird als lautbild für eine heftige, unwillkürliche, unrhythmische bewegung empfunden wie etwa mucken, jucken, rucken,
vgl. auch zuck.
die belege für die ältere bedeutung erscheinen nach 1700
ganz vereinzelt, meist alterthümelnd. nur in der formel das schwert zücken,
s. u. 4 d,
ist die ältere bedeutung allgemein geblieben. II. zucken
als '
kräftig ziehen, zerren, reiszen'
u. daraus abzuleitende bedeutungen, vielfach in berührung mit reiszen. I@11)
mit deutlicher anschauung des ziehens, zerrens: die zwen engel griffen hinausz und zuckten Lott hinein das hausz H. Sachs 1, 182
K.; also das ie eins (
huhn) das ander hinder zuckt
Eulenspiegel 11
ndr.; und in disem schnellen luoff zukt das stürruoder den einen schifman über us H. Brennwald
Schweizer chron. 2, 159; (
der bär) streckt die ... zungen ... auff den hauffen ... bisz dasz sy voller omeyssen wirdt, als denn zuckt er sy mit den omeyssen in rachen Herold-Forer
Geszners thierb. 15
b.
mit hinzugedachtem obj.: so ihm (
dem bären) der thierlin ein gantzer hauffen drauff (
auf die zunge) kommen, zückt er geschwinde und verschlündet sie Heyden
Plinius 186; was soll ... das von - und - zu - dir - zucken und drucken? Moscherosch
gesichte 2, 92.
refl., selten: denn da diese .. zuschauen solten, zückten sie sich unzeitig herfür Lohenstein
Arminius 1, 419
a.
in festen verknüpfungen: das man bey zeit den muotigen und frechen jungen gesellen ... den stoltz prechen, den zygel zucken ... soll Steph. Vigilius
de rebus memorandis (1541) 58
b; die scheinschöne laster (welche alle man doch für edele, herrliche, grosse dinge achtet, den hut dafür zücket) Moscherosch
ges. 1, 336; hüt dich vor solchem kappen rucken, mit neigen und paretlin zucken. im winter ist der lufft zu kalt Scheit
Grob. v. 1187
ndr. bis heute von netzen und angeln: wenn ich das snüerlin zucke in ainer hütten wolgedeckt O. v. Wolkenstein 48, 21
Schatz; wann er empfindet .., dasz ein fisch sey am angel, soll er zum ersten starck zucken
fischbüchl. 163; jetzt zuckte er die schnur aus dem wasser Ganghofer
gartenlaube 1905, 131
b (
der mann im salz).
daher auch '
fangen': dannoch muss es in unser netze fallen, mit unserem garne muss es gezucket werden
ackermann aus Böhmen 61
Bernt. nd. tucken '
mit der tuckangel
barsche fangen' C. Schumann
volksreime aus Lübeck 39. I@22)
ans '
reiszen'
schlieszt sich das '
wegreiszen': so schleicht der bitter tod herzu, zuckt im den stul; denn musz er fallen H. Sachs 1, 440
K.; das bier war guott, het uns die saw den zapffen nit zuckt S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 192
b; aber die Römer zuckten nachmals aus dem wort Galatia ein sylb S. Münster
cosmographia 91,
dies entwickelte sich nach verschiedenen richtungen. I@2@aa)
wegreiszen ist zugleich an sich reiszen, packen, zu eigenem besitz oder gebrauch, besonders von '
reiszenden thieren',
s. III 2 a
und 1zucker: da springt hertzog Cristoff von seinem pfärd und zuckt ainem lantzknecht ain schweitzer lantzen U. Füetrer
bayer. chron. 263; und der wolf zuckt und zerstreut die schaff
erste d. bibel 1, 378
K.; ich will under die schauff louffen und wil aines von inen zuken und hinweg fliehen Steinhöwel
Äsop 220
lit. ver.; aber ein unglück hat darzu geschlagen, dasz ... ein elementsloser rab ihn hat herabgezuckt und verschluckt Fischart
geschichtklitt. 59.
danach zucke '
fressen' Müller-Weitz
Aachener ma. 267.
es heiszt dann schlechthin rauben: er wút als ob einer berin wúrden gezúckt die welff in dem wald
erste d. bibel 5, 196
K. (Luther: geraubt); was der vatter rupfft und zuckt, das hat syn sun in wyn verschluckt
th. Murner
narrenbeschwör. 64
ndr.; ein theil griff jhe den andern an, in Francken ward ein wilder lermen, rauben und zücken S. Franck
chron. Germ. (1538) 157
b.
übertragen auf politische rechte u. ä.: sîn nevo Alderih zuhta daʒ rîche ze sih Notker 1, 6
P.; der ist der erst, der monarchiam, das ist ein einig fürstenthumb über die welt, hat in sein hant gezuckt
chron. d. st. 3, 35; disz privilegium wirt hie auch dem keyser zuckt S. Franck
chron. Germ. (1538) 125
b.
viele belege durchweg aus oberdeutschen quellen, dort als hauptbedeutung empfunden, wie die stehende glossierung der wbb. durch rapere
und seine composita zeigt Dasypodius 467
b; Diefenbach
nov. gl. 313
a;
voc. pred. (1486) y 4
b; Calepinus
undec. ling. 492
b; Hulsius (1618) 1, 284
a; rauben und zucken
voc. theut. (1482) a a 5
a.
für die ältere zeit Graff
u. die mhd. wbb., viele belege aus elsäss. literatur Ch. Schmidt 444
a,
bayr. Schmeller 2
2, 1083
f., s. auch cimbr. wb. 245,
und vgl. reiszen
th. 8, 758
ff. vereinzelt '
sich aneignen'
in gutem sinne: wie stumpf ich bin, wie wenig ich han zu sinnereichen meistern weisheit gezücket
ackermann aus Böhmen 26
Bernt. I@2@bb)
personen zucken,
gewaltsam wegführen, entführen frühnhd. allgemein wie mhd.: do Jhesus derkannt, das sy waren kúnfftige, das sy in zuckten und machten ine zuo eim kúnig
erste d. bibel 1, 357
K.; Medea liesz sich Jason zucken Murner
geuchmatt v. 2639
Uhl. das geht über in '
vergewaltigen': er hett sy lieb, und zuckt sy: und schlieff mit ir
erste d. bibel 3, 157
K.; denn sie, ich und andere fromme frawen in dieser statt, haben angehaben niderwadt zu tragen, uns vor den buben, so die frawen zucken und entehren, zu behuoten
buch d. liebe (1587) 295
c. I@2@cc)
in kirchlicher sprache ist z. '
aus dem leben, in den himmel entführen': do zukte der minneklich got disen edeln maister von hinnan Seuse
d. schr. 6
Bihlm.; aber der tod, der gar nicht trinckt, zucket den trincker hin Fischart
geschichtklitt. 10
ndr.; sollest .. aus dem grab und staub ... gen himel gezuckt werden Luther 34, 2, 479
W.; er wart gezuckt in dise weys uncz zu dem dritten himel
erste d. bibel 2, 136
Kurrelm. so kommt es nahe an entzücken,
s. th. 3, 668,
und verzücken: indem ich dieff entnücket, wurt in ein schlaff gezücket H. Sachs 22, 254
G. (
ähnlich 439; 6, 21).
neuerdings vereinzelt bei dichtern: mich zucket wonne himmelwärts maler Müller 1, 209. I@2@dd)
auch der kirchlichen sprache besonders eigenthümlich ist die bedeutung '
geistig heranziehen', '
anlocken', '
verlocken': do begundens im lucken und in an sich zucken (
die dirnen den kaufmann) Laszberg
liedersaal 1, 549, 88; das gemüt (
des menschen) wirt getzuckt in manichen weg Albrecht v. Eyb
spiegel der sitten (1511) d iv
b; damit sy in gots erkantnis werden gezuckt S. Franck
chron. zeitbuch (1531)
vorr. a 4
a; o gib dich mir, und zukke mich mein Jesu gantz in dich! Angelus Silesius
heil. seelenlust 125
ndr.; tocken
allicere Schueren
teuthonista 9
a Verdam; Frischbier (
Ostpreuszen) 2, 403; zöken, härfür löcken oder reitzen Maaler 523
a. I@2@ee)
in der oberdeutschen rechtsprache, in der Schweiz bis in die gegenwart, heiszt es von der obrigkeit, '
geld und gut einbehalten, beschlagnahmen': nachdem got, als das ewig unbeweglich guoet, nyemant wider seinn willen, gezuckht werden mag Berthold v. Chiemsee 327; ir wollet euch .. erinnern, ... dasz der thurm Rore. .. ein lehen der stadt Bern sei, welches sie, kraft .. lehensherrlicher macht, euch zucken könnte Zschokke
ausgew. schr. 25, 312; als der beamte nicht auf seinen posten zurückgekehrt war, wurde ihm ... die besoldung gezuckt
neue Zürcher zeit. 1853,
nr. 93; auch zugt ein apt und sine closter uf den vorg. guden und hofestede die bestheupt vor allen anderen herren
weisth. 6, 10,
vgl. J. Grimm
d. rechtsaltert.4 1, 514
f. allgemeiner mhd. sich etwas an zucken
anmaszen, beanspruchen, vgl. zucht I 4: dirre schildit den almechtigen got, wane er sich daz an zuockit daz got alleine mach getuon
altd. pred. 1, 137
Schönbach. I@2@ff)
hierher gehört zucken
als ausdruck der fechtkunst: die ... handtarbeit ... ist die gröste kunst, ... in anbinden desz schwerts, winden, ... zucken Sutorius
fechtbuch (1612) 3. I@33)
das wegziehen ist zugleich ein zurückziehen, bes. aus einer gefährlichen lage Kramer 2, 1481
c,
vgl. II 3: zucken, zuruckziehen
retrahere Dentzler 2, 365
b; mit disen worten zuckt er sein faust ausz der hand Antionoi Schaidenreiszer
Odyssee 8
a; dann hett er nit so gschwind gezuckt den fusz, das rad hett in zerdruckt
Teuerdank 52
Gödeke. dies geht über in zurückhalten, hemmen, hindern: Peristerius, der mit der richtigen bekentnis ... etwas gezückt hinder dem berge Christophorus Irenäus
seltsame wundergeburten (1584) q q 3
b. I@44)
wie in '
wegreiszen', '
entreiszen'
der beginn des vorgangs hervortritt, so nimmt zucken
geradezu die bedeutung '
ergreifen', '
packen'
an, von der aus sich weiteres entwickelt. I@4@aa) zucken
für '
ergreifen': lag das hütlin nit verr von ir, do lüff er bald und zucket es
Fortunatus 132
ndr.; wer .. das hembd zuckt, und sich darnach buckt, ist halb auffgestanden S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 8
b;
sch. weise klugr. (1548) 6
a; diese nymphe, die mich im wasser zucket, her in den abgrund rucket in Neptuni pallatz H. Sachs 3, 318
K.; I@4@bb)
jemand gewaltsam und schmerzhaft anpacken: darumb, das die pferd ainander mit den czenen zuckent Mynsinger
v. falken, pferden u. hunden 62
lit. ver.; (
es ist unzulässig, dasz der falkonier die vögel) übel anfahre, zucke oder schlage v. Hohberg
georg. cur. aucta (1715) 3, 2, 351
a; ein ziemlicher wust gallichter und andrer verderbten feuchigkeit ..., die durch ihre vitriolische schärfe und schädliche säure die nerven nagten, biszen und zuckten Chr. Fr. Paullini
zeit-kürzende erbaul. lust 1 (1695), 724. I@4@cc)
es bezeichnet zugleich die mit dem ergriffenen ding ausgeführte bewegung: dann wer den bengel (
an der druckerpresse) zuckt, acht nicht ob ihn ein floh truckt Fischart
flöhhaz 71
ndr.; und zuckt das ruder Vischer
auch einer 1, 220; thäten so starck die rhuoder zucken Fischart
glückhaftes schiff 13
ndr. so solt du vor die kannen zucken, darausz mit allen krefften schlucken Scheit
Grob. v. 1499
ndr. häufig von dingen, die zum wurf, stosz oder hieb geschwungen werden, bes. von waffen: Richart ... zucket die ander kugel und fasset einen solchen starcken wurff Wickram 2, 158
Bolte; zücke den spies, und schütze mich wider meine verfolger
ps. 35, 3. die faust zucken
u. ä.: der betler zuckt die fust und schluog in in sein angesicht Pauli
schimpf u. ernst 250
Österley; die händ über einen zucken
intentare manum Aler (1727) 2, 2258
b; (
Gargantua) zucket den kopff und stiesz in ans brett Fischart
geschichtklitt. 198
ndr. I@4@dd)
dieselbe bedeutung hat zucken
von alters bei blanken waffen, s. d. mhd. belege in den wbb., bes. wo die richtung des stoszes oder hiebes deutlich ist: mit dem zucket er sein schwerdt und traff den hertzogen auff sein helm Aymon (1535) b 2
a; das schwerd, so die Jüden zucken wider Christum, gehet durch sie selbs Luther 28, 354
W. gelegentlich auch in neuerer zeit: die studenten zogen dolche aus ihren röcken, zückten sie und riefen Immermann 6, 121
Hempel; die Ungarn freuten sich ihres (
Maria Theresias) anblickes, ..., wie sie auf dem Königsberg das schwert des heiligen Stephan nach den vier weltgegenden hin zückte Ranke 28, 481.
als einheitlicher ausdruck bedeutet es '
zur waffe, zu waffengewalt greifen': ich habe nie keyn schwerd gezuckt, noch rache begerd Luther 18, 313
W.; ob er gleich niemahls einen degen vor das vaterland gezucket v. Fleming
vollk. teutsche soldat 85; wenn auch die verschiedenen bünde das schwerdt nicht selbst gegen einander zückten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 4, 12.
der nachdruck liegt dann auf dem anfangen: die anfänger eines krieges wären nicht eben die, welche zum ersten den degen zuckten Lohenstein
Arminius 1, 22
a,
und steht im gegensatz zur dadurch bewirkten körperverletzung: wer ain messer ald ain swert frävellich zukket âne schaden, der git dem amman 5 sol.
oberschwäb. stadtrechte 1, 26.
das entscheidende für solchen friedensbruch ist, dasz die waffe aus der scheide gezogen wird, und so mögen solche anlässe dazu geführt haben, die bedeutung hierauf einzuschränken, wobei zugleich die formel das schwert aus der scheide zucken
verkürzt erscheint. im mhd. ist es noch nicht sicher belegt, der sachliche ausdruck dafür war daz swert ûzziehen,
wie im nhd. den degen ziehen,
aber es wird schon früh in wbb. bezeugt: zücken
evaginare Diefenbach 211
c;
nudare gladios Frisius 883
b;
strictus chalybs .. ein blosz oder gezuckt schwärdt 216
a; das schwert zucken
stringere gladium M. J. Bellin
hd. rechtschreibung (1657) 139; Kramer 2, 1482
a.
deutliche belege: yhr messer stickt fest; aber müssen sie es zucken, so kumpts nicht on blut widder yn die scheiden Luther 19, 646
W.; die hand am griff des degens, halb gezuckt Herder 23, 424
S. mit gezücktem schwerte, degen
u. ä. ist meist hieb- oder stoszbereit, allgemeiner kampfbereit: nach ir sach er ein ritter reyten auff einem gantz kolschwartzen pferd grimmigklich mit gezucktem schwerdt, der ir zu nemen gert den leib H. Sachs 2, 246
K.; dasz Österreich und Preuszen vor nur wenig monaten mit gezücktem schwert gegen einander gestanden Dahlmann
gesch. d. fr. revol. 416,
oder bezieht sich nur auf die entblöszte waffe: Folko ... trat mit gezücktem schwerte, das im fakkelschein wie eine flamme loderte, in die mitte des kreises Fouqué
zauberring 1, 24.
es kann aber zucken
auch einfach '
packen, fassen'
heiszen, wie oben 4 a: mancher zückt offt das schwerdt, und zeuchts doch nicht von leder Lehmann
floril. 1, 153. von leder zucken
ist im 16.
jh. und länger das übliche für das ziehen der waffe Frisius 433
a; 459
b; 474
a; Luther 32, 331
W.; später vom leder
noch Brentano 5, 451,
heute nur mit ziehen
s. th. 6, 490
f., auch 8, 1359
bei rücken. I@4@ee)
die waffe fehlt als obj.: bey der arkelley und in der schantz niemands uber den andern zucken, oder auffruhr machen sol Reutter v. Speir
kriegsordnung 139; der erstlich zuckt, hat allzeit unrecht Lehmann
floril. 3, 46; zück' auf mich, die euch verachtet maler Müller 2, 263. I@4@ff)
die beliebte formel wird nach- und umgebildet, immer im sinne eines beginnenden energischen vorgangs: man zückt den pfeil Jung-Stilling 2, 326, eine pistole J. A. v. Mandelslo 69
bei Olearius verm. reisebeschr., die feder (
zum schreiben) Dahlmann
an Gervinus 2, 150, den zauberstab Bürger 320
a Bohtz (
ähnlich 179
a), die sense Brentano 2, 591; mit der gezuckten zunge (
ein drache) Klopstock
oden 2, 152
M.-P.; mit gezückten tatzen (
bärin) Heinr. v. Kleist 2, 441
E. Schmidt; hüte dich! schrie er und zuckte mit dem schweren schlüssel gegen seines sohnes haupt Storm 6, 18.
so werden auch streiche, hiebe, die hand zum wurfe gezuckt. I@4@gg)
daraus scheint sich die bedeutung des einfachen '
sich anschickens'
zu entwickeln: sie ... fieng von freyen stücken an und zucket und verliebet ihr so oft gedachtes klagelied (
in ein freudenlied) ganz und gar umb zu kehren Fleming
d. ged. 2, 559
Lappenberg. ähnlich ist wohl aufzufassen: ein tiefes seufzerlein zucken Kramer 2, 1482
a. I@55)
nur mhd. zucken
für '
sich losreiszen', '
enteilen': diu sêle hin zucchet
pf. Konrad
Roland 108, 14; Gardevîaz zucte und spranc durch gâhen nâch huntwildes verte Wolfram
Titurel 156, 4; es schwiment wildi tiere hoimlich im Jordan ... die zuckend unders wasser geschwind
bei Schmid
schwäb. wb. 552 (
bel. des 15.
jhs.). I@66)
wie ziehen, nachziehen
ist zucken
gelegentlich eine schwäche des gehens, etwas weniger als hinken: sein vater Philippus ... ward lahm von der wunden (
im schenkel), und schämet sich vor dem zucken oder hincken W. Bütner
epitome historiarum (1596) 363
b; und wenn die frawen zucken, so hincken die dienerin gar
Cervantes unzeitiger fürwitz (1617) d 8
b; war ein ... schneyder ..., der ... zucket mit dem einen fuosz, als gienge er den dreyschlag oder zelter Lindener
katzipori 174
lit. ver. IIII.
bisher bezeichnete zucken
überall eine auf ein ziel gerichtete bewegung, der eine wirkung von subj. zu obj. wenigstens zu grunde liegt; heute ist es eine bewegung von einer besonderen art, wobei das bewegte seinen ort nicht ändert. sie ist nicht nur heftig, sondern unwillkürlich und, wenn wiederholt, unrhythmisch. wir empfinden das wort als lautbild wie mucken, jucken, rucken,
zu denen es sich, gepaart oder reimend, gern gesellt, während der zusammenhang mit ziehen
verloren gegangen ist. diese umdeutung, fast eine neuschöpfung, vollzog sich im 17.
jh., ein früher beleg ist: so in die wunden ein zucken kompt Paracelsus
chir. (1618) 12
b.
freilich giebt noch Kramer
die ältere auffassung 2, 1481
c,
und erst Adelung
die neue voran und nachher die, '
in welcher gestalt es ehedem üblich war' 5, 1743.
der wandel zeigt sich deutlich in ausdrücken, die sich auf den leib und seine glieder beziehen, bei schmerzhaften einwirkungen. zunächst sind sie noch obj., vgl. die bel. bei I 1
und 3,
dies wird aber in stufenweiser syntaktischer verschiebung entfernt: hett gleich wol der püttner die handt zu zweien malen, ee im die abgehauen, gezugkht
Th. v. Absberg 29
lit. ver.; ich sahe gantz eigenlich, dasz er noch ein bein zückte (
ein tödlich verwundeter) Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte 145; ob sich die frauw zur zeit der noth (
geburt) zücken würde Ruoff
hebammenb. (1580) 53; wenn sich ein rosz im leibe verrückt hat, so stehet es und zücket immer mit dem leibe, denn es sticht im also zum hertzen Walther
pferde- und viehzucht (1658) 100; die fraw von Rotzenhaussen ... hatt abscheülich gezuckt (
beim aderlasz) Elisabeth Charlotte 5, 111
Holland. ähnlich ist zucken
von der bedeutung I 4 b
aus zur bezeichnung des schmerzes geworden, wie in dem beleg aus Paracelsus
hier oben: dieses thut ... zucken und reissen, und dieses heisset mala conscientia Abr. a St. Clara
etwas für alle 2, 23.
es bezeichnet, bes. nd. tucken,
den klopfenden schmerz, z. b. in einem finger brem.-ns. wb. 5, 127, Bauer-Collitz 106
b; Frischbier 2, 414,
was wahrscheinlich weiter verbreitet ist. von der unwillkürlichen bewegung bei körperlichem schmerze ist alles weitere ausgegangen. als besondere bewegungsart wird es jetzt in erster linie auch da empfunden, wo der zusammenhang mit ziehen
zu grunde liegt: der wind blies den kroatenmantel im freien weit auf, je mehr er zuckte und reckte, je verwickelter wurde die confusion von schlitzen, falten ... und quasten Eichendorf 3, 390; Ilse wuszte einen knopf seines rockes zu fassen und zog leise daran; aber er gerieth über dieses zucken in aufregung G. Freytag
verlor. hschr. 1, 222; er zuckt' am schwert, starrt zornbleich nieder und stiesz es rasselnd in die scheide wieder Eichendorf 3, 565.
auch die formel die achsel(n) zucken,
seltener mit der a. z.,
noch seltener die schulter z.
für die ausdrucksgeberde des bedauerns, des unvermögens, zweifels, der ablehnung oder miszbilligung ist im 17.
jh. geprägt: Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte 520; Ziegler
asiat. Banise 468; Kramer 2, 1481
c; der arzt wird gerufen, befühlt ihr den puls, und zuckt die achseln und sagt: hier hat meine kunst nichts zu schaffen Heinse 3, 503
Schüddekopf; Fr. Humbrecht (rümpfft die nase und zuckt die achseln) H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 93; man hat allenfalls darüber den kopf geschüttelt und die achseln gezuckt de Lagarde
d. schr. 221; seine art zu gehen, die achseln zu zucken, die arme einzustecken, den hut zu setzen ... ist daher eine erquickung anzusehen Lichtenberg
verm. schr. 3, 260.
dagegen stimmt ein früherer beleg mit den eingangs gegebenen älteren belegen: die mess ist schwach ... sehend zuo, wie zuckt sie mit den achslen
N. Manuel 225
Bächtold. II@11) zucken
als wirkung äuszeren oder inneren reizes. II@1@aa)
der leib zuckt
infolge äuszeren oder inneren schmerzes: wie nun der fuchs den ersten stich bekam, zuckte er, dasz er das eine bein aufhob Grimm
kinder- und hausm. 2, 106; da zuckte der böse Lindolt mit dem rechten fusz, als wär' er in einen dorn getreten Scheffel
ges. w. 1, 146; die raupen zucken mehr oder weniger stark, wenn sie berührt werden Göthe II 6, 419
W.; jetzt in der kammer zagt die braut, und zuckt vor herzenswehen Bürger 52
b Bohtz. von ermüdung: ach, ich war so müd, so müd, hände und füsze zuckten mir Brentano 5, 165.
als träger der erregung zucken
die nerven. die bewegung ist krampfhaft: in eben diesem bade zog unsern bruder Francesco ein zuckender krampf unters wasser bis zur tiefe Gerstenberg
d. nat. lit. 48, 231 (
Ugolino II); von bösem krampfe zuckend Göthe 11, 27
W. II@1@bb)
so wird es von den letzten krampfhaften bewegungen des sterbenden gebraucht: der letzte schusz ... traff ihn noch, dasz er zucket H. W. Kirchhof
militaris disciplina (1602) 227; wie die hasen beim treibjagen zuckten die kerls über einander Göthe 8, 141
W.; (
der tiger) zerreiszt seine beute, friszt so lange sie zuckt Ritter
erdk. 6, 698; sechs schritte von ihnen lag (
oberst) Dedel todt, ohne nur noch eine ader zu zuken Chr. Fr. D. Schubart
bei Strausz 9, 267.
auch vom einschlafen: unter diesen gebetchen kehrte ich mich nach einer seite, zuckte noch einige male und schlief ein Brentano 5, 166.
übertragen: wenn das vaterland in todeskrämpfen zuckt Fr. L. Jahn 2, 260. II@1@cc)
aber der puls, das blut, die muskeln zucken
als zeichen des lebens: meine pulse beben, und meine muskeln zucken Bäuerle
kom. theater 4, 3, 22; die männer glühten, die arme der jünglinge zuckten unwillkürlich Tieck 8, 34; gottlob! ich lebe! in meinen adern kocht das rote leben, unter meinen füszen zuckt die erde Heine 3, 137
Elster. II@1@dd)
der reiz, der schmerz, das gefühl zuckt
durch den menschen: und da schlägt allzeit ein starker funke heraus, der ihnen durch den ganzen leib zuckt Wilhelm Grimm
an Jacob 132; ein schmerz zuckt vom ersten finger der rechten hand nach seinem herzen zu O. Ludwig 2, 138; schauder, mitleid, sehnsucht zuckt durch das herz, die seele; uhrahnfrau liebte schmuck und gold, das zuckt wohl durch die glieder Göthe 3, 368
W. vor allem in der unpersönlichen form: es rieselte und zuckte dem Erasmus durch alle nerven E. Th. A. Hoffmann 1, 277
Grisebach; durch hunderttausend zuckt es schnell Schneckenburger
die wacht am Rhein. so auch gedanken: einen augenblick zuckte es ihm durch das haupt: wie? wenn es zuneigung wäre Stifter 3, 366,
oder, wenn sich die erregung in that umsetzen will, zuckt
die handlung durch die glieder: ein hieb, ein stosz zuckt gegen einen; ihre hand zuckte unwillkürlich nach der seinen Storm 1, 296; der Grabenhäger fühlte ein zucken nach den ohren hin, die ihm so wohlbekannt vorkamen Polenz
Grabenhäger 1, 201.
ferner ein werkzeug, eine waffe: die schere Philinens zuckte schon Göthe 25, 268
W.; das messer zuckte schon, den lebensvollen busen zu durchbohren 10, 81
W. besonders von der musik: der fusz des wilden zuckt so gut, wenn er einen deutschen schleifer hört, als der schenkel des biederen Schwaben Schubart
ästhetik d. tonkunst 238; deine lieder, die ich lange nicht gesungen hatte, zuckten auf meinen lippen B. v. Arnim
Göthes briefw. m. e. k. 2, 303. zucken
im daumen meldet die nähe böser geister, vgl. th. 2, 847
ff.: dabei lieszen sie (
die junker) land und volk erhenken, ohne dasz ihnen der daumen zuckte G. Freytag 2, 45; ich fühl's, es zuckt am daumen mir; was verruchtes ist nah uns hier Herder 23, 373. II@1@ee) zucken
ist die unwillkürliche bewegung des schrecks oder der furcht: als er es nun so weich empfandt, da zuckt er gleich und ward ihm bang Fischart
Eulenspiegel 444
Hauffen; was scheustu dann den tod, durch den du iederzeit hernachmahls für artzney und kranckheit bist befreyt? was zuckestu doch viel? Opitz
opera (1690) 3, 318; was duckt und zuckt ihr? ist das höllenbrauch? Göthe 15, 321
W. (
Faust 11710); unter dem messer des priesters zuckt die taube Klinger
w. 2, 112;
darum ist nicht zucken
furchtlosigkeit und schmerzüberwindung, in den älteren anwendungen wohl mehr '
nicht zurückweichen',
s. u. 3: und hielt domit sein handt in eyn fewr ..., bisz die handt gar verbrant, das er nit zuckt Carbach
Livius 27
a; wenn dennoch ihr auge nicht zuckte und ihre feste hand nicht zitterte Meinecke
leben d. generalfeldm. Boyen 1, 162; he tukkede nich eenmahl Richey 317; zischend flog ein scharfes erz ihm dicht am ohre hin, die wang' erglühte, doch er zuckte nicht G. Freytag
ges. w. 3, 139.
formelhaft ohne zu zucken, nicht mit der wimper zucken,
vgl.f
und III 1,
ferner zucke nicht Kramer 2, 1482
a: zuck nicht, mein schatz! O. v. Wolkenstein 49, 17
Schatz; es schadt dir nit, es beist dich nit (
das küssen) ...... halt fest, nit zück! G. Forster
frische teutsche liedlein 99
ndr.; zuck nicht mein hertz, es ist vergebens Abr. a St. Clara
etwas für alle 2, 102
b.
ähnlich numme nit gezuckt! Martin-Lienhart 2, 900; nöt zuckt und nöt gmuckt Stelzhamer
ausgew. dicht. 1, 24
Rosegger. II@1@ff)
alles dies findet seinen ausdruck im bewegten antlitz: mit ... durch gicht oft zuckenden zügen E.
M. Arndt 1, 188; die spitze ihrer krummen nase zuckte auf und ab Storm 3, 313; sie war kreidebleich vor zorn, ihre lippen zuckten bösartig G. Hauptmann
bahnwärter Thiel 21; sein gesicht zuckte krampfhaft vor schmerz Droste-Hülshoff 2, 286; nur zuckte es ihm seltsam um die augen G. Keller 4, 23; ein spöttisches lächeln zuckte um seinen mund Eichendorf 3, 246; ein blitz der begeisterung zuckte aus den augen des jungen mädchens Kürnberger
novellen 2, 7.
und so zeigt sich die innere unbewegtheit, wenn keine miene, kein auge,
wenn man mit keiner (nicht mit der) wimper zuckt,
vgl. e. II@22) zucken
bezeichnet die zuckende bewegung als solche. II@2@aa)
vom lebenden wesen: (
er) besitzt die gabe mit dem bloszen nicken des kopfes, und zucken des ellbogens das gröszte orchester in ordnung zu halten Schubart
ästhetik d. tonkunst 137; sie zuckte leise in den schultern Storm 4, 156; doch ein finger ruckt, und plötzlich bin ich in die höh' gezuckt (
beim erwachen) Droste-Hülshoff 2, 114; der fisch zuckt an der angel; von Galvani's zuckendem frosch Herder 22, 331; eine ... fledermaus, wenn sie musik hört: ... zuckt mit den vordergliedern Brehm
thierleben 1, 18
Pechuel-Lösche. gern vom fluge der schwalben: Fischart
praktik (1607) 127; Jean Paul 15
bis 18, 167
Hempel; Eichendorf 1, 286. zuckende bewegung
vom hahnentritt der pferde v. Alten
handb. f. heer u. flotte 4, 557. II@2@bb)
von gegenständen: da zuckt das schiff und sinkt zu grund Mörike 1, 154; an der .. angel begann eben die federpose zu zucken Storm 2, 176; der weiser (
an der uhr) zuckt Holtei
erz. schr. 4, 190; so oft meine wünschelruthe über dem golde einer deutschen biederseele zukte Chr. Fr. D. Schubart
leben und gesinnungen 2, 20,
ähnlich Klopstock
oden 1, 221
M.-P. II@2@cc)
seine lautmalende art zeigt zucken
besonders als wort für lebhafte, unruhige lichterscheinungen. bogenlampen zucken,
wenn sie unterbrochenes, flackerndes licht geben Blaschke
wb. der elektrotechnik 1, 144.
überall in anschaulicher darstellung: nur einzelne .. flämmchen zuckten noch aus der halbverloschenen brandstätte Eichendorf 3, 368; die sterne flimmerten und zuckten
F. v. Saar
w. 7, 52; es dampft! es zucken rothe strahlen mir um das haupt Göthe 14, 31
W. (
Faust 471); des mondes sichel wankt, und durch die nacht zuckt ungewisse helle Schiller 12, 373
G. es ist besonders das wort für den blitz: aus der wolke, ohne wahl zuckt der strahl 11, 311
G.; im zickzack zuckt ein blitz Detl. v. Liliencron 2, 154
Dehmel; nun liegt und zuckt am fahlen himmelsrand in sich zusammgesunken das gewitter v. Hoffmannsthal
ged. u. kl. dramen 6.
s. auch die belege mit zücken
o. sp. 273
u. fest verbinden sich der zuckende blitz
oder strahl.
übertragen wird es auf das erscheinen und schwinden der dinge: da ich zum letzten mal mich umwandt' und die erlöschende gestalt noch einen augenblick vor meinem auge zückte und dann in die nacht verschied Hölderlin 2, 152
Litzmann; die kleinen thürmchen, giebelvorsprünge .. zuckten durch dicke herbstnebel Holtei
erz. schr. 24, 47.
das zucken des lichts gibt mannigfachen ausdruck für das spiel der mienen, s. 1 f
am ende. aufzucken
wie aufflammen: der alte gegensatz beider lager zuckte wieder auf Häusser
d. gesch. 4
2, 284. II@33) zucken
heiszt von alters zurücktreten, zurückweichen, vgl. I 3,
zunächst räumlich: wir drängten und schossen und hieben, dasz sie die mäuler verzerrten, und ihre linien zuckten Göthe 8, 177
W.; 'sie brauchen nicht zu weit vorzutreten!' sagte der bürgermeister, und der magister zuckte sogleich um einige fusz breit wieder rückwärts Storm 4, 107;
dann '
von einem vorsatz aus bedenklichkeit oder sonstiger schwäche abweichen',
was sich mit 1 f
berührt: 'sie haben die schraube (
der honorarforderung) sehr scharf angezogen', sagte ich ihm (
Göthe); 'Göschen wird zucken'
Göthejahrb. 2, 397 (
Bertuch an Göschen); viel versprechen grosse strich zücken aber hinder sich, uberfiel dich hungers-noth, sie versagen dir das brod
abgewechselte liebes-flammen (
Hamburg 1672) g viii 9
b.
ebenso in heutiger umgangssprache (
militärisch?) zurückzucken '
von einem vorhaben ablassen'.
nahe daran liegt '
zögern': dieser zückete etwas mit seiner antwort, endlich sagte er Bucholtz
Herkuliskus 445.
vielfach in maa.: hess. Pfister
nachtr. zu Vilmar 346,
luxemb. zöcken Gangler 493,
Göttingen-Grubenhagen tucken, tücken Schambach 236
a,
weiter ist dann mit dem geld zucken '
sparen' Martin-Lienhart 2, 900,
vergl. bei 1zucker 1. II@44)
eigenthümlich ist die bedeutung '
in eine art schlagen': die zuo end Italie wonen, zücken in die kriechisch art mit speisz und red S. Franck
weltbuch 75
a; (
der rattenfänger von Hameln) zuckt auf's bänkelsängerische Göthe 40, 340
W. das stammt vielleicht aus der vogelstellerei: diser (
Joannes de Wessalia) zucket in die böhemisch ketzerey gemachsam, bisz er gantz und gar darein fiel S. Franck
chron. zeytbuch (1531) 412
b. II@55)
im bergbau zuckt
das gestein beim draufschlagen. wenn man mit dem fäustel an die gesteinswand klopft, dann hört man am dumpfen ton, dasz das gestein klüftig ist und fühlt an dem fäustel, dasz es locker sitzt v. Schönberg
berg-inform. (1693) 2, 111; Veith 594.
ähnliches vom holz: das holtz verbleibt unwerthes holtz, wofern es zuckt und bricht im schneiden Abr. a St. Clara
etwas für alle 2, 220
b. IIIIII.
allgemein und altüblich sind die nominalen formen. III@11)
der inf. in wendungen wie ohne zucken, ohne alles z., ein z. spielte um seine lippen
u. ä. und auch als reines subst.: hat sie der allgewaltige gott sanft und stille, ohn einiges 'zucken, von dieser welt ... abgefordert H. v. Schweinichen 522
Österley; (
Wilhelm) fühlte .. an ihr eine art zucken, das ganz sachte anfing und sich durch alle glieder verbreitete Göthe 21, 228
W.; das thier (
vernageltes pferd) ... zog den andern (
fusz) mit schmerzvollem zucken in die höhe Ebner - Eschenbach 2
2, 85. ein zucken
war bei den meistersingern eine falsche pause beim singen Wagenseil
civ. Norimb. (1697) 529. III@22)
das part. präs. als adj. III@2@aa)
in der älteren sprache '
reiszend',
oft mit rapax
glossiert, z. b. Maaler 524
a,
vgl. bei reiszen
th. 8, 758; 760; 762. III@2@a@aα)
räuberisch, besonders von thieren, vgl. oben 2 a: zuckend
rapax Maaler 524
a; nemiger zuckender
voc. theut. (1482) 14
b.
bis Luther
stehend für die lupi rapaces
Matth. 7, 15: abir innewendic sint si zuockinde wolfe
evangelienb. d. Math. Beheim 19; zuckend wolf
in den meisten drucken der ersten bibel, s. die lesarten bei Kurrelmeyer.
so auch in freierem gebrauch: du einfältiger ley bisz gewarnt vor den bättelmünchen, dann offt kummen sy in schaffkleider und sind heimlich zuckent wölff Eberl. v. Günzburg 1, 63
ndr.; do ... dorfft (
der papst Stephan II.) nymmer umblauffen wie eyn zuckender lew Judas Nazarei
v. alten und n. gott 21
ndr. als adv.: zuckend wie der wolff das lamm frasz S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 83
a;
sch. w. klugreden (1548) 37
a. III@2@a@bβ)
vom reiszenden wasser: zuckender
rapidus etiam defluvius impetuose currens voc. theut. (1482) 14
b; dann der keyser .., schwemmet er in ein unbekant, zuckend, bald-fliessend wasser mit seinem gaul S. Franck
chron. zeytbuch (1531) 184
b. III@2@bb)
in neuerer zeit ist zuckend
etwas krampfhaft unruhiges Stieler 2636: die zuckende lebhaftigkeit schien sich in ihrem betragen täglich zu vermehren Göthe 22, 102
W.; er (
distelfink) hat einen ... fast zuckenden flug (
vgl. o. II 2 a) Naumann
naturg. der vögel 5, 135; ein zuckender schmerz Mörike 1, 86; zuckende nerven Pfeffel
pros. vers. 2, 91; eine zuckend hast Rosegger
wildlinge 10; zuckende schwäche Lavater
physiognom. fragm. 2, 13; eine zuckende seligkeit Stifter 1, 206.
selten als präd.: aber warum so wild, ernst und zuckend Klinger 4, 84.