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wahl

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wahl

Bd. 27, Sp. 507
wahl , f. möglichkeit des aussuchens unter mehreren, auslese, prüfung, bestimmung u. s. w. formales. das wort ist, äuszerlich betrachtet, grundwort zu wählen (s. d.); da aber dies verbum eine alte indogermanische bildung ist, während das f. wahl sich ursprünglich auf das hochdeutsche beschränkt (skr. vára wahl, wunsch, weicht im vocal ab, da das betonte a germ. e erwarten läszt), dürfte dies vielmehr von wählen ausgegangen sein. im got. liegt nur das sicher von dem verb. waljan abgeleitete waleins (in gawaleins 'wahl') vor, das ahd. hat neben dem entsprechenden welî auch wala optio, electio Graff 1, 838 (dreimal in glossen belegt, dann bei Notker), im mhd. ist wale, wal schon viel häufiger als wele. dem nd. fehlt das wort ursprünglich ganz (erst im 16. jahrh. ist es aus dem hd. eingedrungen), ebenso dem fries. und engl., schott. wale ist aus dem nordischen entlehnt. hier findet sich nämlich das wort, aber als n.: anord. val Fritzner 3, 843 (nicht häufig), schwed. val, norw. val Aasen 894, n. valg (die anwendung des wortes in den neueren sprachen steht unter deutschem einflusz). — der vocal des wortes hat eine dehnung erfahren, die zu beginn der nhd. zeit wol allgemein durchgeführt war; die im 16. jahrh. zuweilen vorkommende schreibung wall hat kaum lautliche bedeutung. die dehnung wird meist durch die schreibung wahl angedeutet, die auch bei Luther die gewöhnliche ist (walh steht in der bibel m. 11, 17. 28), daneben kommt auch wal im 16. jahrh. nicht selten vor; waal steht bei Maaler 479a (neben wal 483b), Linck bapsts gepreng A 4a, und noch im 17. jahrh. bei Güntzel 845 und in den österr. weisth. 6, 110, 13. die zweisilbige form wale, wahle ist im älteren nhd. noch zu finden, sie ist besonders der kanzleisprache eigen und begegnet deshalb häufig in den reichstagsacten, auch sonst bei mittel- und norddeutschen schriftstellern (Linck bapsts gepreng A 3a. Kantzow chron. 207 Gäbel. Heinr. Jul. v. Braunschweig 495, noch 1681 in den briefen des hamburg. bürgermeisters J. Schulte an seinen sohn 32), Luther hat sie vereinzelt (m. 9, 11), von wörterbüchern Dasypodius 451b. — die flexion des subst. ist die starke, schwache formen begegnen im sing. ganz selten: die waln belangend (von der bevorstehenden wahl). reichstagsacten jüng. reihe 1, 766 (1519). ein plur. kommt im mhd. nur ganz vereinzelt vor und zwar als wal (s. u. 5, c die stelle aus dem Schwabenspiegel). im nhd. ist ein plur. wahlen bei der bedeutung 'entscheidung, bestimmung' möglich und bei 'bestimmung durch stimmabgabe' ist er neuerdings sehr üblich geworden. bedeutung und gebrauch. da wählen zu wollen gehört, so musz wahl zunächst einen willensact bezeichnen und zwar einen solchen, der unter verschiedenen möglichkeiten, die sich bieten, für eine die entscheidung gibt. es hat dann seine grundbedeutung nach verschiedenen seiten hin erweitert, wobei es z. th. an stelle eines wortes von verwandter bedeutung tritt, des jetzt veralteten kür (s. theil 5, 2782), ahd. kuri, mhd. kür, auch mnd. kure, kore. dies hat sich von einer andren grundbedeutung her zu der von 'wahl' entwickelt, es bedeutet zunächst 'das wahrnehmen, betrachten, prüfen, gutfinden', dann (von bedeutungen, die nicht hierher gehören, abgesehen) 'die auswahl, bestimmung zu etwas', namentlich 'die bestimmung zu einem amt durch die erklärung mehrerer'. wahl hat besonders da seine stelle, wo die möglichkeit sich nach der einen oder andern seite zu entscheiden betont wird, z. b. in redensarten wie die wahl haben, einem die wahl geben (obgleich auch hier in md. nd. mundarten kür gebraucht wird, vgl. die unter diesem worte 5, a, sp. 2789 gegebenen belege), ferner wird wahl aber auch auf das prüfende betrachten und aussuchen bezogen, dies allerdings erst in der nhd. sprache und in weniger fest ausgebildeten gebrauchsweisen. schon im mhd. treffen wal und kür in der bedeutung 'bestimmung zu etwas', namentlich 'bestimmung zu einem amt' zusammen; kür ist hier allmählich hinter wahl zurückgetreten und erst in der neueren sprache ganz verschwunden.die gruppierung der bedeutungen von wahl macht schwierigkeiten. deutlich hebt sich nur die von 'bestimmung zu einem amte durch die erklärung mehrerer' von den übrigen ab. sonst sind meistens mehrere bedeutungsmomente in dem worte vereinigt, zu deren völliger loslösung es nicht kommt: das nebeneinanderstehen mehrerer möglichkeiten, für die man sich entscheiden kann, das aussuchen durch prüfendes abwägen derselben und die entscheidung nach der einen oder andern seite. diese bedeutungsmomente machen sich aber nicht immer in gleicher stärke geltend und eine anordnung kann daher darnach geschehen, welches von ihnen im vordergrund steht. für sich zu behandeln sind einige fälle, wo wahl von der thätigkeit des aussuchens auf das auszusuchende oder ausgesuchte selbst übertragen wird. II. wahl als das aussuchen unter mehreren. I@11) das bedeutungsmoment der freiheit in der entschlieszung, der möglichkeit sich so oder so zu entscheiden, steht im vordergrund (vgl. lat. optio). I@1@aa) die wahl, deutlicher die freie wahl, bildet den gegensatz sowol gegen die notwendigkeit, als gegen den bloszen zufall: ihr (der lerche) buhlerischer lobgesang verehrt und lobet lebenslang die freye liebe, nicht die ehe; die stete wahl, und keinen zwang. Hagedorn 3, 35; dann gott liebt keinen zwang, die welt mit ihren mängeln ist besser als ein reich von willen-losen engeln; gott hält vor ungethan, was man gezwungen thut, der tugend übung selbst wird durch die wahl erst gut. Haller ged. (1753) 145; die menschen, in der regel, verstehen sich aufs flicken und aufs stückeln, und finden sich in ein verhasztes müssen weit besser, als in eine bittre wahl. Schiller 12, 72 (Piccolomini 1, 2); und dieses böhm'sche land, um das wir fechten, das hat kein herz für seinen herrn, den ihm der waffen glück, nicht eigne wahl gegeben. 12, 221 (Wallenst. tod 1, 5); es denkt der mensch die freye that zu thun, umsonst! er ist das spielwerk nur der blinden gewalt, die aus der eignen wahl ihm schnell die furchtbare nothwendigkeit erschafft. 12, 344 (4, 8); und wärst du selbst die niedrigste gebohren, du müsztest dennoch meine liebe seyn, die freiheit hab ich und die wahl verloren. 14, 58 (braut v. Mess. 2, 2); Isabella. lasz hören, was deine wahl gelenkt? don Cesar. wahl meine mutter? ists wahl, wenn des gestirnes macht den menschen ereilt in der verhängniszvollen stunde? nicht eine braut zu suchen gieng ich aus. 14, 69 (2, 5); das ist der liebe heilger götterstrahl, der in die seele schlägt und trift und zündet, wenn sich verwandtes zum verwandten findet, da ist kein widerstand und keine wahl. 14, 71 (ebenda); hat der bettler eine freiheit, eine wahl? er musz dem mächtigen, der ihn bezahlt, um brod und stiefel seine stimm verkaufen. 15, 2, 457 (Demetrius); was geschehen soll, es wird geschehn! in ganz gemeinen dingen hängt viel von wahl und wollen ab; das höchste, was uns begegnet, kommt wer weisz woher. Göthe 9, 334 (nat. tochter 4, 1); hofmeisterin. du lenkest nur was uns begegnen soll, du hast zu wählen! ... Eugenie. und nennst du wahl, wenn unvermeidliches unmöglichem sich gegenüber stellt? 9, 353 (4, 4); wenn es schon ein angenehmer anblick ist, zu sehen, dasz eltern ihren kindern eine ununterbrochene sorgfalt widmen, so hat es noch etwas schöneres, wenn geschwister geschwistern das gleiche leisten. dort glauben wir mehr naturtrieb und bürgerliches herkommen, hier mehr wahl und freies gemüth zu erblicken. 26, 154 (a. meinem leben 12); ausdauern soll man da, wo uns mehr das geschick als die wahl hingestellt. 37, 30 (Winckelmann); nur ein kleiner kreis unsres lebens ist zu unsrer prüfung der freien wahl überlassen. Arnim 3, 107; auch in die gesellschaft wird der einzelne hinein geboren, für die wahl bleibt in der regel nur ein geringer spielraum. Paulsen system der ethik3 1, 416. I@1@bb) dies wahl findet sich namentlich in festen verbindungen mit verben. I@1@b@aα) delectum ago vel habeo, ich hab die wal, wilkör. Alberus dict. gg 4a; hab du die waal, es stande an dir, optio sit tua. Maaler 479a; wenn ich die waal hette, si optio esset. ebenda; ich habe die wahl, mea est optio. Stieler 2467; die waal haben, havere la scielta. Güntzel 845; die wahl haben, avoir le choix. Rädlein 1025; hätte ich die wahl, stünde mir frey zu wählen was ich wolte. Ludwig 2366; er sprach: 'nû hân ich die wale: wil ich dich verliesen oder neren, des enmaht dû dich niht erweren.' kaiserchronik 12348 Schröder; dô sie gesach ir ende und daʒ swert enhende ... dâ mite ers wolde hân geslagen, sie sprach: 'die wal habe du dir: stich durch brust oder kelen mir.' Albr. v. Halberstadt 31, 71 Bartsch; hett ich die wal im römschen rich, so gevelt si mir am besten. Hugo v. Montfort 17, 37 Kummer; welch weib kan habn die wahl, sich billich nimmer drein sol gebn, in dises unselige lebn (die ehe). Rebhun hochz. zu Cana 3, 262 Palm; der sohn sagt, wie er dem vatter in allen dingen gern und billich gehorsamb sein solle und wölle, bätte aber ine gantz freundtlichen, die weil er ie, dasz er sich verheurathen soll, wölle, dasz er ime so viel gnad beweisen und erzeigen thüy, dasz er die wahl habe, also dasz er keine zu haben gezwungen werde, welche seinen augen nicht gefellig, noch ime anmütig seye. reise der söhne Giaffers 69, 8 Fischer. in Hessen sagt jemand, der sich vorsichtig ausdrückt: des (auch das) will ich wahl haben, das will ich unentschieden lassen, das eine kann so richtig sein wie das andere. Vilmar 434 (ebenso in Henneberg Spiesz 273): und dasz sie ihr ein schwein oder kuh (welches er deponens wahl haben wolte) bezaubert hette. Vilmar a. a. o. aus Marburger hexenproceszacten von 1658. elliptisch ist das schweizerische drohende du hesch dwal. Seiler 308. Hunziker 285, du hast deinen freien willen, aber nimm dich in acht. anreihung eines indirecten fragesatzes oder inf. mit zu: nun hab dir die wahl, bei welchen du lieber wonen wöltest. Petrarche trostbücher 161a; da habt die wahl, ob ihr wolt sterben oder lebens hoffnung erwerben. Spangenberg Saul 2175 Martin; junge frauen, wenn sie die wahl hätten, ob ihr vergehen vor einem männlichen oder weiblichen gerichtshofe abgeurtheilt werden solle, würden sicher den ersten zu ihrem richter wählen. Kant 10, 344 (anthrop. § 87); die zeit schafft freud und quale hie nach des todes zil, des hastu, mensch, die wale zuo nemen, was du wil. O. v. Wolkenstein 119, 3, 15; sie haben die wahl, entweder ... sich jede aussicht zu verbaun, oder folgsam zu sein. Immermann epigonen2 1, 93. die wahl in etwas haben: komme sie aber seinem hertzen, welches hierinnen die wahl haben müsse, annehmlich vor. Menantes der europ. höfe liebes- und helden-geschichte 569. auch etwas in seiner wahl haben: er (der wähler) hat es vollkommen in seiner wahl, ob er einen regirungsfreundlichen kandidaten, oder ob er einen gegner der regirung ... wählen will. stenogr. berichte des reichstages 10. 4. 1874, s. 689b. die wahl unter, zwischen etwas haben: wiltbrât bringe ich sunder zal: dar under habe du dir die wal unde nim swie vil du wilt. Albr. v. Halberstadt 32, 304 Bartsch; hæt ich under wîben wal, sô næme ich die guoten zeiner vrouwen. minnesinger 2, 80b Hagen; welh der ist und (holz) vassen wil, der sol dhain wal under dem eisen nicht haben noch nichts dar inne verwerfen, sonder vassen in geleicher weis ungeverlich rings und swars. österr. weisth. 6, 45, 30 (Steiermark 15. jahrh.); meyn rad ist nicht, das man on unterschied allerley bücher zu hauff raffe ... ich wollt die wal drunder haben, das nicht nott sey, aller juristen comment ... und aller müniche sermones zu samlen. Luther 15, 51, 25 Weim. ausg.; da er aber bey allen diesen noch immer die wahl hat unter handeln und nicht handeln. Lossius philos. real-lexikon 2 (1804), 311; man hatte nur die wahl zwischen einer fortsetzung des kampfes ... oder einer vorläufigen abkunft. Ranke neun bücher preuszischer geschichte 2, 336. keine wahl haben: wasz habeu dan mier weiter kenden oder sollen anfangen, dan obgesetzte soldaten nit unsz zue defendieren verhanden? darumben esz gehaiszen: vogel isz oder stürb; mier hatten kain wahl. Bürster schwed. krieg 132 v. Weech; wie dem auch sey, so hatten dieses mal die götter keine andre wahl, als Amors strafgericht so leicht auf sich zu nehmen, als möglich war. Wieland 5, 198 (verkl. Amor 4); da ist es wohlthat, keine wahl zu haben, und eine gunst ist die nothwendigkeit. Schiller 12, 239 (Wallenst. tod 2, 2); was hätten wir sonst noch für eine wahl übrig? 2, 40 (räuber 1, 2). I@1@b@bβ) die wahl geben, dare optionem. Dasypodius 451b; ich gebe dir die wahl, optionem tibi facio, arbitrio tuo committo. Stieler 2467; einem die wahl geben, donner le choix. Rädlein 1025; einem freye wahl geben, liberum arbitrium alicui permittere. Steinbach 2, 917; er (gott) hât von sînen minnen an lîbe unde an sinnen dir vil vrîe wal gegeben, daʒ dû nû selbe dîn leben maht koufen unde kêren ze schanden ode ze êren. Hartm. v. Aue Gregorius 1439 Paul; man gap ir di wal allenthalben über al, næme swen si wolt — der selb ir wirt wesen solt — under den zwên junkherren. Enikel weltchron. anhang 2, 445 Strauch; wenn gott einem die wahl thet geben, so würd er in ein zweivel stellen, was er solt lassen oder wehlen. Lobwasser Johannis enthauptung D 4a; er hat den menschen von anfang geschaffen, und im die wahl gegeben, wiltu, so halt die gebot, und thu was im gefelt, in rechtem vertrawen. der mensch hat fur sich leben und tod, welchs er wil, das wird im gegeben werden. Sirach 15, 14; wöllen euch die wall und das vortail geben, ob ihr lieber mit den Persier oder mit den Pheniziern streiten. H. Boner Herodotus (Augsb. 1535) 78b; die fischer (haben Arion) die waal geben sich selber zuo töden mit der hand, so er wölle begraben seyn, oder zuo stund in das meer zuo springen. Forer fischb. 95a; darauff sendeten die hochmühtigen ritter ... einen diener an ihn, und liessen fragen, wem unter ihnen er die ehre des sieges am liebsten gönnen wolte ..., desz wolten sie ihm die wahl geben. Bucholtz Herkules (1676) 1, 304a; indem legte mein knecht ... uns zween gleiche degen vor die füsse, die ich mit aus Soest genommen hatte, und gab dem jäger von Werle die wahl, einen davon zu nehmen, welchen er wolte. Simpl. 1, 253, 2 Kurz. selten zur wahl geben: im zuo der wal gabe pey im zuo Rome zuo sten oder mit allem, daʒ er im geben het, gen Athene zuo zichen, daʒ zuo im stünde. decameron 640, 30 Keller. etwas in jemandes wahl geben: mit zögerndem entschlusz, mit wankendem gemüth zog ich das schwert; ich that's mit widerstreben, da es in meine wahl noch war gegeben; nothwendigkeit ist da, der zweifel flieht, jetzt fecht' ich für mein haupt und für mein leben. Schiller 12, 292 (Wallenst. tod 3, 10). einem die waal auffthuon oder lassen, facere optionem. Maaler 479a; einem die wahl lassen, potestatem eligendi facere, arbitrium permittere, optionem deferre alicui. Stieler 2467; ich lasse euch keine wahl, I would not permit you a choice. Ludwig 2366; keine wahl unter dem guten und bösen lassen, nullum delectum bonorum et malorum proponere. Hederich 2569; nû rieten si über al, daʒ man ir lieʒe di wal ze nemen swen si wolde. Hartm. v. Aue Gregorius 2232 Paul; eʒ wart alsô verriht, daʒ man daʒ zil alsô stieʒ unde die wal lieʒ datz Eger den burgæren, an swelhem si lieber wæren, des solden si zuo dem mâl haben frîe wal. Ottokar österr. reimchr. 39451 Seemüller; nacht, wir lassen dir die wahl, ob dein blauer himmels-saal, oder diese treue stadt izt mehr helle lichter hat. v. Abschatz glückwünschungen 35; zwischen ihrer ungnade und geringschätzung ist mir die wahl gelassen. Schiller 5, 2, 304 (don Karlos 3, 10); läszt man die wahl mir ... so bliebe meine ehrfurcht ihm (Jupiter), und meine liebe dir, Amphitryon. H. v. Kleist 1, 393 (Amph. 2, 5); das hinfür der verkawffer des hewes oder gromats verpunden sein sol, dem kauffer die wale ze lassen, ob er das hew oder gromadt nach den augen oder nach dem gewicht kauffen wolle. Nürnberger polizeiordnungen 274 Baader; er sol ... synem mitvogt die wal lassen, ob er sicherung nemmen wel oder geben. Murner instituten (Basel 1519) 31b; nimb nun welche du willt! ich will dir die wahl lassen. Lindener Katzipori 91 Lichtenstein; hat der rath ihme die wahle gelassen und auferlegt, das er gehorsam halten oder sich des rathstuls eussern solte. Wustmann quellen zur gesch. Leipzigs 2, 172 (1500); bei gleichgültigen dingen kann man kindern die wahl lassen. Kant 10, 428 (üb. pädag.); man hatte ihr die wahl gelassen, ob sie mich lieber sterben sehen, oder die mätresse des fürsten werden wollte. Schiller 2, 125 (räuber 3, 2); zwischen einem leben voll rastloser todesfurcht und einer gewaltsamen entleibung war mir jetzt eine schreckliche wahl gelassen. 4, 93. dichterisch die wahl bieten: doch, weil ihr bangt, biet ich euch diese wahl: ich bleibe hier, zum dienst euch und zur steuer; wo nicht, fahrt mit, und was ich bin, ist euer. A. W. v. Schlegel 1, 115; o schönes menschenkind, wir bieten dir die wahl; zum mahle will er dich, ich will dich zum gemahl. Rückert werke 12, 253. I@1@b@gγ) etwas zur wahl stellen: die wahl einem andern lassen, die sache zu seiner wahl stellen, remettre la chose au choix d'un autre. Rondeau; solches mit dem augenschein zu beweisen, wöllen wir dein scartecken von stuck zu stuck für uns nemmen, und mennigklichen zu urtheilen zu freyer wahl und willkühr gestellet haben. C. Andreä antwort auff desz Heilbrunners keuschen papst (Ingolst. 1600) 3; indem ihnen Pilatus ... zu freyer wahl gestellt, sie sollen ausz der gefängnusz begehren, entweder Jesum oder Barnabam. Abr. a S. Clara Judas (1687) 1, 254; cicade, die, wo thau von blättern trieft, sich alle tränken sieht zur wahl gestellt. Rückert ges. ged. 4, 215. etwas in jemandes wahl stellen: vergnüge mich, wie, wenn und wo es dir gefällt, mein wohlseyn bleibt in deine freye wahl gestellt. Stoppe Parnasz im Sättler 86. einem eine wahl stellen: nach diesem stellete mir der tyrann freye wahl, ob ich seine gnade ferner bey hofe suchen, oder mich auf mein land-schlosz hieher begeben wolte. Zigler asiatische Banise 295; ich hab einmal die verwünschte wahl gestellt (der förster soll nachgeben oder seine stelle verlieren). O. Ludwig 3, 46 (erbförster 2, 4); dasz demselben die wahl zwischen beiden posten, den gesandtschaften zu Wien und Berlin, frei gestellt würde. Varnhagen denkwürdigk. 1, 367. auch einen vor eine wahl stellen. im älteren nhd. die wahl zu einem setzen, einem etwas auf die wahl setzen: bald gwan der juncker ein erbarmen mit mir bedrübten gfangnen armen. die wahl satzt er zuo mir darneben, was ich im wolt freys willens geben. Wickram werke 4, 245 Bolte (pilger v. 3775); und (der kaiser) sprach: du solt ins fenster gan, wiltu dein vater rechen, hoch in das fenster soltu stan, da (l. das?) setz ich dir kauffman auff die wale. da er (der kaufmann) dir dein vater erfallen hatte, und fall zum fenster heraus auff in, und fall in auch zu tode. Ambraser liederbuch 138, 143. einen zu einer wahl bringen: die generale des kaisers sahen sich unterdessen aus mangel an truppen und an geld zu der miszlichen wahl gebracht, entweder den könig von Schweden oder die deutschen reichsstände auszer augen zu lassen. Schiller 8, 168 (dreiszigjähr. krieg). I@1@b@dδ) etwas ist in meiner wahl, steht in meiner, zu meiner wahl: deheines gevangen gelübede und eit sol stete sin ... so aber er ledic wirt, so mac erʒ leisten oder niht, daʒ ist in siner wal. Schwabenspiegel, landrecht cap. 255 Gengler; nun sey das in eins yedlichen wall, wie vil er den cubum oder würffel erhöhen, strecken oder nider drucken wöl. Dürer menschl. prop. P 1b; solichs ist hinach als auff gerissen, disz alles stee in wall lenger oder kürtzer zu machen, wie du wild. O 4a; es steht ins königs freyer wahl, ob er mir glauben wöll diszmal o er nicht. Spangenberg Saul 1317 Martin; nun stehts in eurer wahl, ein speerchen hier zu brechen, wo nicht, sogleich zu thun, warum wir euch besprechen. Wieland 22, 97 (Oberon 3, 4); wenn es zu meiner wahl stünde, so wolte ich lieber, nach viel und langer gefehrlichen irrfart, schwerlich, und doch endlich gesund heimkommen, dann ohne sondere mühe liderlich des vatterlands theilhafftig werden. Minervius Odyssee (1570) 33a; da bliebe denn nur: andere vermählung. des Inderfürsten tochter steht zur wahl. Grillparzer 6, 263 (Esther 1). vereinzelt etwas steht auf der wahl, wie auf der wage, es kann eintreten oder nicht: ja, ich hoff sollichs auch zu enden, doch steht es als in gottes henden; derhalb der sieg steht auf der wal. Hans Sachs 13, 368, 2 Keller-Götze. etwas liegt zur wahl, in der wahl: als die verzweifelung ihn drang, mit eignen händen sich zu morden. strick oder stahl lag ihm zur wahl. Langbein 2, 73; verwirf ihre lehren, es liegt in deiner freien wahl. Herwegh ged. u. aufsätze 1, 166. I@1@b@eε) die wahl steht an mir, bei mir: do sprach er: sid eʒ also lit, daʒ die wal stat an mir, so gefält mir kain baʒ dan ir und wil iuch ze lieb han. liedersaal 2, 19; diu selben vas sol man überhaupt schatzen an hallern und sol diu auch gelten darnach und si geschatzet sint, und di wale stet an dem kaufman, ob er di vas wider geben wil oder di haller. Nürnberger polizeiordnungen 209 Baader; man sprach zuo ir: juncfrou guot ... nemt den jungen oder den alt. diu wal stêt gar in iurer hant. Enikel weltchronik, anhang 2, 455 Strauch; die wahl steht bey uns, we may chuse. Ludwig 2366; die wahl steht bey dir, welches von beiden du am liebsten haben willst. Steinbach 2, 917; unter diesen sechs stucken soll einer drey machen, welche ihm von den verordneten und geschwornen schawmeistern zu machen aufferlegt werden, dann die wahl nicht bey ihm steht. desz hertzogth. Würtemberg revid. bawordnung (1654) 173; dannenhero solte ich billig nichts höher verlangen, als dasz die wahl, mich glücklich zu machen, allein bei dem könig bestünde. Ant. Ulr. v. Braunschweig Aramena 4, 37. einem steht die wahl: Hamlet ... welcher verrückt wurde ... weil ihm die wahl stand, entweder wahnsinnig zu werden, oder eine rasche that zu begehn. Heine 5, 439 Elster; sänge ein dichter aufs neue eine hölle, und wollte er solche mit Meindeutschen füllen, so ständ' ihm die wahl und die qual, wer der eingeteufeltste von allen. Jahn merke xviii. jemand steht vor der wahl: als im jahre 1866 die deutschen fürsten vor der wahl standen, welchem der beiden groszmächte sie ihr und ihres landes schicksal anvertrauen wollten. Freytag 1, 184 (erinnerungen). I@1@b@zζ) es ist keine wahl, mir bleibt die wahl, bleibt keine wahl: hier bin ich mitten unter feinden, mutter. hab' ich mir gut gerathen oder schlimm? ich weisz es nicht — doch hier ist keine wahl, zum vaterland fühlt jeder sich gezogen. Schiller 6, 134 (Phönic.); wer miede nicht, wenn er's umgehen kann, das äuszerste! doch hier ist keine wahl, ich musz gewalt ausüben oder leiden. 12, 241 (Wallenst. tod 3, 2); er muszte dich entlassen, auf der brust stand ihm das schwert. wo keine wahl ist, ist auch kein beding. Uhland Ludwig d. B. 5, 1; keine wahl ist offen, nichts steht zu hoffen! R. Wagner 7, 277 (meistersinger); zwischen sinnenglück und seelenfrieden bleibt dem menschen nur die bange wahl; auf der stirn des hohen Uraniden leuchtet ihr vermählter strahl. Schiller 11, 54 (ideal u. leben); dasz so, wie nun die sachen dringend stehn, o herr, dir keine wahl mehr bleibt. H. v. Kleist 2, 403 (Hermannsschl. 2, 1); blieb ihm noch ein schusz zur hand und noch zehn minuten zeit für den stich ins 'vaterland' — ach wie scheint die scheibe weit! hell vom tempel blinkt der grusz goldgefüllten silberschal': sie gewinn' ich, weil ich musz, denn es bleibt mir keine wahl! G. Keller 9, 214; in diesem trübseligen verlassenen zustande blieb ihr keine wahl, als sich für ein dienstmädchen zu vermiethen. Musäus volksmährchen 2 (1805), 253; das ich, es fühlt sich frei, wiewohl ihm fehlt die wahl! Platen 88 (ghas. 139). I@1@cc) präpositionelle wendungen. I@1@c@aα) mit wahl mit freiem willensentschlusz, aus freien stücken (anders unten 2, b, β): ist daʒ wir alsô walten, daʒ wir sîn (gottes) gebot behalten, sô gît er uns ze lône die liehten himelkrône. versprech wir daʒ mit frîer wal, sô antwurt er uns in die zal der helleschen kinde. H. v. Aue erstes büchl. 1049; eine handlung, sagt Battenx, ist eine unternehmung, die mit wahl und absicht geschiehet. Lessing 5, 374; das weib soll sich nicht selber angehören, an fremdes schicksal ist sie fest gebunden, die aber ist die beste, die sich fremdes aneignen kann mit wahl, an ihrem herzen es tragt und pflegt mit innigkeit und liebe. Schiller 12, 152 (Piccolomini 3, 8); sie hat nicht diese wahl mit ihrer wahl vollbracht, ohn' ihren willen that's des liebesgottes macht. Rückert werke 12, 254. ohne wahl: sterben musz ich heut' ohne wahl. 12, 102; und werd' ich heut' vermählt, so war's ohn' alle wahl! das war ein müssen, war ein zwang! dir selbst, mein meister, wurde bang. R. Wagner 7, 341 (meistersinger). I@1@c@bβ) aus wahl aus freien stücken: gott wollte, dasz wir ihn aus kenntnisz solten lieben, und nicht aus blinder kraft von ungewählten trieben; er gönnte dem geschöpf den unschätzbaren ruhm aus wahl im hold zu seyn, und nicht aus eigenthum. Haller ged. (1757) 146; und dennoch hab ich nicht zugleich erblassen sollen; ich lebe durch den zwang des glückes, nicht aus wahl: der himmel rechne doch zur that mein treues wollen! der mir, und nicht mein wunsch, zu leben anbefahl. Besser 305, man liesz mich frey: ich sah zum zweyten mahl von nymfen mich bedient, die nun ihr bestes thaten mir mehr gefalligkeit, aus noth wo nicht aus wahl, für ihre dame anzurathen. Wieland 17, 191 (Idris u. Zen. 3, 129, 3); hochbeglückt in deiner liebe schelt' ich nicht gelegenheit, ward sie auch an dir zum diebe wie mich solch ein raub erfreut! und wozu denn auch berauben? gib dich mir aus freier wahl; gar zu gerne möcht' ich glauben — ja, ich bin's die dich bestahl. Göthe 5, 145 (divan); ich bewundre deine tugend; doch bedenke, dein gemahl ist ein wütrich, und du nahmst ihn nicht einmal aus freier wahl. Platen 283 (Oedipus 2); dasz du hier dich hergekehret, ob aus zufall, ob aus wahl, durch dein kommen hoch geehret fühlen wir uns alzumal. Rückert ges. ged. 4, 38; aber gleichwohl handelt hier der biber (der sich die geilen abbeiszt) nicht aus bloszem instinkt, er handelt aus freyer wahl und nach reifer überlegung; denn er weis es, warum er verfolgt wird. Lessing 5, 383; anfänglich aus nothwendigkeit, hernach aus gewohnheit, zuletzt vielleicht aus neigung und wahl. Wieland 6, 268 (gold. sp. 1, 10); sollten wir nicht über die Furka kommen, so bleibt uns immer der weg hierher unverschlossen, und wir werden alsdann das aus noth ergreifen, was wir aus wahl nicht gerne thun. Göthe 16, 275 (briefe a. d. Schweiz 2); dasz ich selbst aus freier wahl mein verräther war. Schiller 4, 87; in seiner kleidung kann man aus wahl und vorsatz, von den beispielen derer, unter welchen man lebt, abgehn. Garve versuche über verschiedene gegenstände 1 (1819), 165; die Hamburger waren ein wirklich freies volk, der obrigkeit aus wahl und mit bewusztsein untergeben, und durch einen kräftigen gesetzeszustand bei der glücklichsten verfassung erhalten. Varnhagen denkwürdigk. 3, 271; einige schwadronen empfingen statt der säbel nur lanzen, welche sie nachher aus wahl beibehielten. 3, 303. I@1@c@gγ) in wahl: dû solt vür dîner sünden val legen ûf dîn eigen ein spitâl und solt dich selber ziehen drîn; ich var mit dir in vrîer wal. Winsbeke 61, 7. bei Weckherlin arm in der wahl, arm bei der möglichkeit zu wählen, trotz des überflusses: da in der kleinoten unzahl sein aug und gemüht sich bewögen, das er nicht waist, arm in der wahl, was zu nemen, was weg zu lögen. 1, 139 (od. 1, 8) Fischer; so grosz ist ewers lobs anzahl, dasz auff einmahl es nicht zu zöhlen; auch arm werd ich bald in der wahl, weil ich nicht weisz, was zu erzehlen. 2, 238 (4, 1). in der wahl an folgenden stellen scheint 'nach belieben' zu bedeuten (so dasz man das eine oder das andere wählen kann): durch dschaffner hie ald ire knächt, sond ir verston sphariseysch gschlächt, ald huichler, glichsner in der wal, der ouch dann ist ein grosze zal. schweiz. schausp. 3, 152, 275; der ander ist glich eim cardinal, das ander fölckli in der wal ist münchen und den pfaffen glich. 3, 266, 3201. I@1@c@dδ) nach wahl. I@1@c@d@11)) nach eigenem wunsche (nähert sich der unter 3 behandelten bedeutung): sich heten zeimal virzich man vireinet uf alsulchen sin, daʒ si zu im wolden hin und von im den touf entfan. den willen lieʒen si volgan nach ires herzen wale. passional 204, 54 Hahn; all frücht, was künfftig wachsen soll, sein kaufft auff etlich jar nach wal. Wackernagel kirchenl. 5, 914, 13; gehorsam han sie verlaszen, trew ist bei ihnen auch klein; die majestat vornichten, faren fort nach eigener wal ein eigen reich aufrichten, der mutwill hat kein zal. Liliencron hist. volksl. 4, 266, 6; aus steinen leicht gefügt, ein haus mit dach und wand steht jedem nach der wahl, wo einen platz er fand. Rückert werke 8, 402 (weish. d. brahm. 8, 16); so lasset nu niemand euch gewissen machen über speise oder über tranck oder über bestimpten feiertagen ... lasset euch niemand das ziel verrücken, der nach eigener walh einher gehet; in demut und geistligkeit der engel, des er nie keins gesehen hat, und ist on sache auffgeblasen in seinem fleischlichen sinn. Col. 2, 18; dieses ungeheure ganze (des kriegsschiffes) führt der menschliche geist stolz und ruhig durch empörte elemente hin und her nach seiner wahl. Seume 25 (mein leben); nachdem sie groszjährig geworden, steht es ihr frei, nach eigner wahl sich zu vermählen oder auch zu einem von uns zu ziehen. Arnim 15, 34; ostfries. nâ dîn êgen wal un willen 'nach deinem ermessen'. ten Doornkaat Koolman 3, 498. I@1@c@d@22)) zur auswahl, so dasz man beliebig wählen kann: das mittagsmahl besteht aus zwei gängen nach wahl; gut schüszeln, häfen, krüg er (der hafner) macht mit grüner farb und art, darnach thut ers in ofen nein und brennt sie also hart. da hat mans nach der wahl viel hundert ohne zahl. Schade handwerkslieder 44; siebenhundert weisze häubchen dort im korb, in gleicher zahl stehn in deiner garderobe steckenpferde nach der wahl. Platen 283 (Oedipus 2). auch 'auf grund einer beliebigen auswahl': habt ihr das wol können wagēn und die mittelste der zahl dreyer schwestern nach der wahl ümm die ehe dürffen fragen? Fleming 386 (oden 3, 16); zwölf vom könige nach freier wahl auf lebenszeit ernannte mitglieder. acten des sächs. landtages 1849/50 3, 479. vgl. 2, b, α. I@1@c@eε) eine eigenthümliche entwicklung hat um die wahl durchgemacht. I@1@c@e@11)) ich gebe nichts um die wahl u. dgl. bedeutet: es ist mir eins wie das andere, ich finde keinen unterschied: solt ich fier keiserthuom durch louffen und hunderttusent wölff erkouffen, so wolt ich nit ein haller geben umb die wal, ob sy mir eben weren, alle grosz und klein, so sy doch all sindt mit ein über einen leisten gschlagen und ire dück verborgen tragen. Murner narrenbeschw. 58, 4; ich habs versuochet alle beidt, so schwör ich das ein hohen eidt, das ich nit ein ruobschnitz geb umb die wal, so lang ich leb. 58, 51; sprich: wir sind erden all zumal, ich gäb kein nestel umb die wal, darumb will ich kein brangens treiben. Scheidt Grobianus 1208; hast du den schlüssel dann zum keller, so gib nit umb die wal ein heller: und setz als bald den besten dar der liederlichen groben schar, den aller schlechsten wein zu lest setz für ehrliche leut und gest. 1955; ich versichere dich ... dasz ich umb die wahl, die sich zwischen deiner und ihrer seeligkeit findet, keine stiege hinunder fallen wolte. Simpl. 3, 182, 17 Kurz (Springinsf. cap. 7). vgl. fränk.: d fall i dr wohl halber di stiagn nit nō. Frommann 6, 326, 400; ich will der wahl wegen nicht vom balken fallen. Wander 5, 1740. I@1@c@e@22)) von der thätigkeit mehrerer personen gebraucht ist um die wahl um die wette, einer wie der andere: der ain stich umb den andern theten umb die wal her wandern (beim angriff der landsknechte), geleich als man sticht kü in Flandern. Liliencron hist. volksl. 3, 160, 10; ja wie sich die zwen orden dringen, auff das sie was vom bapsthumb bringen: ein roten hut, ein cardinal, wie sie sich trücken umb die wahl und reissen um die narrenkappen, wie jeder wil das best erdappen. Fischart dichtungen 1, 3, 588 Kurz. I@1@c@e@33)) mit comparativen verbunden ist um die wahl 'mit geringem unterschied, nur ein wenig' (so dasz man das eine oder das andre wählen könnte): der löuw hat zweyerley geschlächt, das ein umb dwaal kleiner und kürtzer ... das ander ein wenig lenger, grösser. Forer thierb. 102a; eines lieblichen anblicks und um die wahl kürtzer, aber hingegen auch besser untersetzt (als der andere). Simpl. (1684) 3, 336; der grund derer hinterflügel ist um die wahl etwas dunkler-grau, als die oberflügel. Rösel insecten-belustigung th. 1, 2 cl. der nachtvögel 128. die wendung ist jetzt besonders schwäbisch-alemannisch: er ist um die wahl besser als der andere, ein wenig besser, kaum merklich besser. Schmid 514. Stalder 2, 428. Hunziker 285. auch Rückert kennt um die wahl 'ein wenig': auch ein solcher (spiegel) nicht sei's, der, lebende farben beneidend, dämpft die röthe der wangen zu todtenähnlichem bleigrau. lieber auf feuchtem grund, um die wahl ein wenig zu dunkel, mag er mein bräunliches mädchen noch etwas bräuner mir malen. ges. ged. 3, 224. I@1@dd) von diesem wahl 'möglichkeit des aussuchens' aus haben sich zwei besondere bedeutungen in der älteren sprache entwickelt. I@1@d@aα) wahl als 'bedingung': wer inderdt hie ain junger thor, der meiner töchter aine wolt haben, den wolt ich pald begaben; doch soll di wall auch darpey sein, das er gefall der tochter mein. Sterzinger spiele 18, 79 Zingerle. vielleicht gehört auch hierher: ir habt das pest getan über sie all, der han ist eur on alle wal. fastnachtsp. 584, 24, oder 'so dasz die andern nicht in frage kommen'? I@1@d@bβ) wahl als 'verfügung über etwas'. zunächst von abstracten (wo sich später die bedeutung 'hülle und fülle, menge', s. unten 5, b, entwickelt hat, an die auch bei den folgenden belegen z. th. gedacht werden kann): het ich von heile wunsches wal übr elliu wîp, mich verleite unstæte ab ir dekeine. H. v. Rugge, minnesangs frühl. 106, 31; nim aller mîner helfe wal. W. v. Eschenbach Parz. 522, 9; die liebes wal unt wehsel hân, hô unde nider, swie manʒ zin versuochet, daʒ mich die niht ungeirret lân, des muoʒ ir beste vröude sîn vervluochet. W. v. Metze, minnesinger 1, 310a Hagen; unrehtikeit gewaltes hât sô manige wal, daʒ rehtikeit niht kan ir rehten widerzal gebrûchen, dâ von rehtes vil zebrichet. Rumelant, minnesinger 3, 54a Hagen. vereinzelt auch von personen: ouch was ein ander mere, unde ein beʒʒer sache, daʒ si in ir gemache hette ir herren ganze wal, godes ane kummersal ir herzen also reine in bruchene alters eine. Elisabeth 6929 Rieger. I@1@ee) der unschlüssige kann die freiheit der entscheidung als eine last empfinden, darum heiszt es: der do hat dy wal, der hat auch den qual. sprichwörter aus dem 14. jahrh. nr. 49, sitzungsber. der bair. ak., phil.-phil. cl. 1870, 2, s. 30 Hofmann; wer da hat die wale, der hat auch die quale. Schmeller2 2, 883 aus dem 15. jahrh.; wer die wahl hat, hat auch die qual. Wander 4, 1740; wahl bringt qual. Lehmann 874; wahl hat qual, macht qual. Wander 4, 1740; das fräulein spricht: schön ist er, doch mir gar zu strenge, ich leide mangel bei der menge, in dieser wahl, da find ich qual, ich wollt ich fänd all auf einmal. Arnim 16, 77 (Halla und Jerusalem 2, 3). wahl und qual gern miteinander verbunden: er bemerkte nicht immer, dasz die groszen wandlungen des völkerlebens, die dem rückschauenden geschichtsforscher als unabwendbare nothwendigkeit erscheinen, doch nur durch das wollen der handelnden, durch die wahl und qual des freien entschlusses möglich werden. Treitschke d. gesch.2 2, 63. die wahl thut weh (wo allerdings, wie bei den folgenden verbindungen, mehr die bedeutung 'entschlusz' hervortritt): die wahl thut mir wehe, optio est difficilis. Dentzler 2, 340; die wahl thut gemeiniglich wehe, qui a le choix, est le plus souvent en peine. Rädlein 1025; die wahl that ihm weh, wann man im viel senffschüsselein und capresplettlin zu den vier eckwinden setzet. Garg. 45b (64 neudr.); es wird ihm wohl nur die wahl wehe thun (welches von beiden mädchen er heiraten will). Musäus d. gärtnermädchen 57; dem hausfreund thut die wahl weh, will er sagen in 27 tagen und acht stunden, oder in 29 und einem halben tag. Hebel schatzkästlein 57 Behaghel. die bedeutung kann auch sein: ich fühle mich weder zu dem einen noch zu dem andern hingezogen, mache mir aus beiden nichts; die wahl thut mir wehe, ciccum non interduim, quod velim nescio. Serz 172. die wahl wird schwer, hält schwer, fällt schwer: die gelegenheit soll ihn verführen ... nur die wahl ist's, was ihm schwer wird; drängt die noth, dann kommt ihm seine stärke, seine klarheit. Schiller 12, 130 (Piccolomini 3, 1); es war ein junger hirt, der wollte gern heirathen, und kannte drei schwestern, davon war eine so schön wie die andere, dasz ihm die wahl schwer wurde, und er sich nicht entschlieszen konnte einer davon den vorzug zu geben. Grimm märchen (1843) 2, 326; in drei verschiedenen exemplaren, unter denen mir ärmsten die wahl schwer werden soll. Heyse nov. 1, 25 (anf. u. ende); Karion. so dächt' ich besser hier, als drauszen? Dorias. meynet er? die wahl, am galgen und bei uns, hält auch wohl schwer! C. F. Weisze lustsp. 1, 390; viele buhlten um das herz der reichen erbin, aber unter so vielen freywerbern hielt die wahl schwer, denn einer übertraf den andern immer an adel und wohlgestalt. Musäus volksmährchen 1 (1804), 18. freiere wendungen: alles was man daran (an der philosophie) aussetzen möchte, ist, dasz einem unter so viel feinen theorien die wahl sauer wird. Wieland 19, 126 (Abderiten 1, 11); wenn gleiche glutt aus wang' und auge blitzet, zu einer zeit das hertz erhitzet, so schmertzet uns die schwere wahl. v. Abschatz anemons u. Adonisblumen 312; in ihm (Cato) verneute sich der alte helden-muth, der alles für sein land, nichts für sich selber thut; ihn daurte nie die wahl, wann recht und glücke kriegten. Haller ged. (1757) 89. I@22) das bedeutungsmoment des prüfenden aussuchens, des abwägens des einen gegen das andre steht im vordergrund (vgl. lat. delectus). in diesem sinn ist wahl im mhd. noch kaum gebraucht worden; auch in der folgenden stelle handelt es sich zunächst um die möglichkeit, den einen oder andern zu wählen: Feirefîz unt Parzivâl mit prüeven heten süeʒe wal jene frouwen unde dise. W. v. Eschenbach Parz. 778, 6. aus dem nhd. gehören eine reihe von wendungen hierher, bei denen die auffassung des wortes noch schwankungen zeigt. es kann theils das moment der auslese, theils das des prüfenden abwägens mehr in den vordergrund treten. in vielen fällen ist es bei ansätzen geblieben, die in der neueren sprache keine breitere entfaltung gefunden haben. I@2@aa) 'die auswahl, unterscheidung auf grund einer prüfung' bezeichnet wahl in wahl haben, halten: etwas wal in seiner fantasey haben, judicio suo delectum habere aliquem. Maaler 483b; weisz keinen unterscheid, hat keiner dinge wahl; den kuckuk preiset er für eine nachtigal. Rachel sat. ged. (1742) 97; eine wahl zwischen einem bürger und fremden halten, habere delectum civis et peregrini. Hederich 2569; derhalben söllend die schulherren (dann wir inen die waal heimsetzen) sich ernstlich und fliszig umbsehen, wo si solche (schüler) überkummen mögen und under etlichen d' waal halten. Katharinenbuch (1587) Heinemann; wir seyn zwar allzumahl nicht schuldig, wie die alten, gewisser tage wahl im freihen jetzt zu halten. Tscherning vortrab des sommers deutscher gedichte (1655) 50. wahl nehmen, suchen, machen, anstellen. quartus miles (ad Jesum): so wil ich dir den fünften (schlag) geben, so schlach ich dir nach dem leben; schlacht nur all an tzal, lat in selber nemmen die wal. Sterzinger passion 1867 Wackernell; etwar ausz die waal nemmen, deligere. Maaler 479a; dorum wem dies ding (die schrift) fürkummt, der nehm die wahl doraus und such bessrung dorin, wie er will. Dürer nachlasz 312, 24; wer under wolffen suocht die wal und zwyflet, wölcher im gevall. Murner narrenbeschw. 58; darzuo überschütt ain sollich geschlecklich fürwitzig mensch den magen, suocht zuo vil wal und kunst inn der speysz, darumb ihn gott plagt. Franck trunkenheit F 2b; dann die polypragmosyne ... ist vermessen. derowegen sollt du allein der sachen, würckungen und personen, welcher arbeit du brauchest, grössere wahl machen, auch alles geschickter ... disponiren. Schupp schr. 755 (ausg. v. 1719); wie wolte ein minister unter seinen clienten eine rechte wahl zu machen ... wissen? Ch. Thomasius kleine teutsche schriften2 469; keine wahl machen, nulla selectione uti. Steinbach 2, 917; ein landes-fürst und oberherr kann aus der ganzen menge seiner unterthanen eine freye wahl (der diener) anstellen. F. C. v. Moser der herr u. d. diener 151; man möge es (die decoration) nun einem einzelnen künstler übertragen, oder aus den vorschlägen mehrerer nach eigenem geschmacke für die verschiedenen zimmer eine wahl anstellen. Göthe 43, 110 (reise i. d. Schweiz). auch eine wahl treffen (nach Gottsched beobachtungen 420 für wählen 'in etwas wichtigeren fällen') kann hierher gehören: man wird also bey dem natürlichen nicht blosz mit dem leichten zufrieden seyn müssen, sondern immer noch nöthig haben, eine wahl in denen gedanken zu treffen, welche sich hierher am besten schicken. Gellert 4, 25. meist tritt bei eine wahl thun, treffen (unten 3, a) mehr die bedeutung 'entscheidung' hervor. I@2@bb) in präpositionellen wendungen zeigt sich dieselbe bedeutung. I@2@b@aα) nach wahl 'zur auswahl', 'auf grund einer auswahl', s. oben 1, c, δ, 2)). stärker tritt das moment der auslese hervor in nach wahl, nach der wahl 'in ausgesuchter weise, von vortrefflicher art' im älteren nhd.: Pagoa, geh! lasz mir nach wal zu-richten ein köstlich nachtmal mein hauptleuten! Hans Sachs 6, 73, 21 Keller; ich stig nit gern uff hochgefild. ich baist vil lieber in dem tal mit klainen vogeln nauch der wal. Herm. v. Sachsenheim mörin 4686; dartzuo findt man ain grosse zal der geschickhten perckhleüt nach der wal. Rösch v. Geroldshausen Tiroler landreim 333 Fischnaler; ihr heuser ... haben schön fenster überahl neben einander nach der wahl. Chr. Falk lobspruch der stadt Elbing v. 643 Toeppen. I@2@b@bβ) ohne wahl 'ohne unterschied, wie es gerade vorkommt': die (briefe), welche ich hier ohne wahl, so wie sie mir in die hände gerathen, mitgetheilt. Lessing 1, 272; ich will also ohne alle wahl, so wie das buch auffällt, einige fabeln ... hier mittheilen. 9, 13; ohne plan und wahl durcheinander lesen ist eine strauszenüberfüllung. Jahn volksthum 201; auf einmal zog er die papiere aus der tasche; das nächste, was ihm in die hände kam, wollte er ohne wahl zuerst öffnen. Mörike maler Nolten3 2, 46; ein gott der hilfft ohne wahl hie und da und überall. Fleming 447 aus der wolke quillt der segen, strömt der regen, aus der wolke, ohne wahl, zuckt der strahl! Schiller 11, 311 (glocke); ohne wahl vertheilt die gaben, ohne billigkeit das glück, denn Patroklus liegt begraben, und Thersites kommt zurück! 11, 393 (siegesfest); du bist für mich der engel, der die schritte lenkt von den himmeln zu der erde thal, der auf den palast und des dörfners hütte sich niederlässet ohne wahl. Freiligrath 4, 284. das moment des prüfenden abwägens und auswählens kann auch stärker hervortreten: die Briten nehmen's im gedicht oft ohne wahl aus der natur; bald wird's gemäld' und bald gemal' ... die Griechen sehen jede leise spur der unerschöpflichen natur und nehmen selten ohne wahl; mit immer richtigem verhalt zur sache, machen sie dort zeichnung mir, erheben hier vollendete gestalt. Klopstock 3, 55 Hamel (epigr.); rechtes, ohne masz und wahl, zeugt verderbenschwangre qual. Grillparzer 1, 105; das schlosz selbst war neu ... das hausgerät in den gemütlichen zimmern ohne besondere wahl gemischt und sämtlich wie aus einer unlängst vergangenen zeit. Eichendorff 2, 75 Dietze; die weiber, buben und troszknechte standen zusammen unter der aufsicht des hurenweibels, eines alten für den felddienst untüchtigen kriegsmannes, der sich ohne sonderliche wahl durchzuhelfen suchte. Freytag 20, 52 (bilder 3, 1). gleichbedeutend in blinder wahl: wo ist des gottes finger, der uns zeigte, in welchem busen, einer wie der andre, sich lauernd das verrätherherz verbirgt? ... jedoch so lang' des schwertes schneide hier in blinder wahl nur um sich wüthen könnte, bleibt es gewisz noch besser in der scheide. H. v. Kleist 1, 413 (Amph. 3, 5). I@2@b@gγ) mit wahl 'mit unterscheidung', meist im hinblick auf richtiges abschätzen und erwägen des guten und nützlichen und die empfindung für das schöne (s. unten 4, c): des stolzen Britten (Hobbes) lehrer waren Homer, Virgil, Thucydides, Euclid. die las er stets mit wahl und unterschied. Hagedorn 2, 154; doch langt sie bald das tisch- und tellertuch, mit wahl, hervor, setzt in das zimmer meyen. 2, 176; die seele will, mit wahl, gespeiset, und immer unterhalten und angebauet seyn, so wohl als der körper. 5 (1800), 79; wo also auch alle ersten zufälle für anstalten einer mütterlichen vorsehung gelten können, einen zarten doppelkeim des ganzen geschlechtes mit alle der wahl und vorsicht zu entwickeln, die wir immer dem schöpfer einer so edeln gattung und seinem blicke auf jahrtausende und ewigkeit hinaus zutrauen müssen. Herder 5, 477 Suphan (auch eine philos.); wenn aus Gesners isagoge, aus Sulzers kleinem abrisz der wissenschaften ... mit wahl und verstand ein buch gemacht würde. 9, 427; ... sammlete ... Meleager von Tyrus einen kranz von blumen ... seiner sprache. dasz er ihn mit wahl gesammlet habe, zeigen ... die namen der dichter. 15, 206 (zerstr. blätter 1); mein tisch war zu rechter zeit gedeckt, und mit zween guten gerichten, welche sie selbst mit wahl und reinlichkeit simpel aber gut zubereitet hatte, besetzt. Möser patr. phant. 1, 121; Algarotti, in dessen nachlasz abhandlungen über physik und alterthümer ... abwechseln, und der sich zugleich mit wahl und sorgfalt, fast epigrammatisch, ausdrückt. Ranke neun bücher preuszischer geschichte 2, 69; auch diesem gold ist mit geschmack und wahl der blumen schmelz metallisch aufgebrämt. Göthe 9, 297 (nat. tochter 2, 5); so will ich überlegen ..., ob und wie eine solche, mit sorgfältiger wahl anzustellende sammlung Enderleinischer gedichte ... zum druck und verlage ... anzubieten stehe. Hagedorn 5 (1800), 75; stets mit sorgsamer wahl betrachte die lage der wohnung. lasz dich warnen, ein haus zu beziehn am sumpfenden moorteich. Neubeck die gesundbrunnen (1798) 65; die auswahl einer blumenflur mit weiser wahl in einen strausz gebunden, so trat die erste kunst aus der natur. Schiller 6, 269 (künstler); und diese truppen allzumal geworben sind mit gröszrer wahl; die sitte nahm man nicht genau, war nur der bursche keck und schlau. A. v. Droste-Hülshoff werke 2, 355. I@2@cc) wahl tritt uns aus mehreren der obigen belege als die fähigkeit entgegen unter den dingen zu unterscheiden, sinn für das angemessene und schöne, also sich mit dem ausdruck geschmack berührend, vgl. besonders die stelle bei Göthe und weiter bei Hagedorn: sind nicht der wahren freude gränzen geschmack und wahl und artigkeit? 3, 96. über wahl in der kunst s. unten 4, c. anders an folgender stelle, wo es auf die auf bewuszter unterscheidung beruhende ordnung des kulturlebens geht, im gegensalz zur natürlichen freiheit: stände seh ich gebildet, der pappeln stolze geschlechter ziehn in geordnetem pomp vornehm und prachtig daher, regel wird alles, und alles wird wahl, und alles bedeutung, dieses dienergefolg meldet den herrscher mir an. Schiller 11, 85 (spazierg.). I@2@dd) auch wahl mit einem gen. obj. kann als 'auswahl unter etwas' zu nehmen sein (eine scheidung von den unten 3, f behandelten fällen ist nicht immer möglich): eine wahl der worte anstellen, lectionem verborum adhibere. Steinbach 2, 917; wie mir mein angst und leid es haben vorgesagt, so hab' ich nach geschrieben, ohn aller worte wahl, die billich seyn sonst sol. Fleming 121; gewöhnt das ohr, der wörter wahl zu lernen, im ausdruck sich vom pöbel zu entfernen. Hagedorn 1, 81; wer kennt der worte wahl? wo zeigt der ausdruck fleisz, und klugen eigensinn, der zu verwerfen weis? J. E. Schlegel 4, 88; die eigne zierlichkeit der italienischen sprache begünstigte die wahl und die edle stellung dieser worte, welche noch überdiesz von lebhaften geberden begleitet wurden. Göthe 28, 145 (ital. reise 2); das mädchen hörte ihm anmutig und aufmerksam zu und ihr anblick übte einen erheblichen einflusz auf die wahl seiner worte. G. Keller 7, 400; den ausschlag seiner handlungen einem blinden schicksaal, mit hintansetzung der reifesten eigenen überlegungen und einer geprüften wahl der besten maas-regeln, überlassen zu wollen. F. C. v. Moser der herr u. d. diener 242; an composition, haltung, perspektive, licht und schatten, stellung, leben, schönheit der formen und umrisse, wahl der gegenstände und dgl. ist nicht zu gedenken. G. Forster briefe 66 Leitzmann; einfach, aber mit der glüklichsten wahl der farben, gekleidet. Hermes Sophiens reise 6, 153. vgl. auch unten 4, c am ende. I@2@ee) sonst hat wahl als 'auswahl' keinen besonderen umfang gewonnen und erscheint nur vereinzelt an stelle des compositums: hält mit dem gast er frühes mahl, schön durch die wahl, doch leicht und knapp. Klamer Schmidt poet. briefe 31; die obern zimmer sind einer büchersammlung gewidmet, welche merkwürdiger durch ihre wahl, als durch ihre menge ist. Sturz 1, 43; unter dem zahllosen heer deutscher truppen ... ist die Mannheimer bühne eine derwenigen, die durch wahl entstanden, und durch ein gewisses kunstsystem dauern. Schiller 3, 531; sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero edirten deutschen und lateinischen gedichten, auf das neue übersehen, wie auch in einer bessern wahl und ordnung an das licht gestellet. Günther ged. (titel); inwendig enthielt das gemach ein bett und anderes geräte in so genügender wahl, dasz man nicht nur nächte, sondern auch tage darin wohnen konnte. G. Keller 3, 153 (gr. Heinrich). kaufmännisch spricht man von gegenständen erster, zweiter wahl, d. h. qualität, da der, der zuerst zu wählen hat, sich das beste aussucht. I@2@ff) aus der bedeutung 'prüfendes aussuchen' konnte sich auch die von 'schwanken im entschlusz, zweifel, überlegung' entwickeln. so in der wahl stehen, öfter bei Grimmelshausen: da ich nun so in der wahl stund und noch zweiffelte, was ich thun wolte. Simpl. 1, 357, 11 Kurz; worüber sich alle entsetzten und in der wahl stunden, ob sie mehr essen wolten oder nicht. 3, 289, 18 (vogelnest 1, 1); mit diesen zweyen studenten reiste ich fort ... und vermerckte bald aus ihrem discurs, dasz der eine ein theologus war oder doch wenigstens einer zu werden gedachte; der ander aber stund noch in der wahl, ob er einen juristen oder medicum abgeben wolte. 3, 336, 21 (1, 8); dasz er in der wahl stunde, ob dieser erzehlung zu glauben wäre oder nicht. 3, 413, 7 (1, 18). auch in die wahl geraten: unter diesem gespräch kamen wir, wo sich ein fuszpfad bey einem wald von dem fahrweg abscheidete, weszwegen meine zween studiosi in die wahl geriethen, welchen sie unter diesen beyden gehen wolten. 3, 341, 16 (1, 8). sonst gehört nur vereinzeltes hierher: gleich einem Herkules stand er in schwerer wahl. Zachariä 1, 221, wo doch mehr an die gewöhnliche bedeutung von wahl zu denken ist. etwas in der wahl haben 'im plan haben': zerbrich ihre falsche herzen, thu all anschläge verkürzen, die sie habn in der wahl! Opel u. Cohn 30 jähr. krieg 86, 8. wahl halten: heute hab' ich mit der mutter wahl gehalten, was ich ihnen für einen titel geben darf. Bettine briefe 1, 128. auch in lange wahl tritt das moment des schwankens im entschlusz hervor: nach langer wahl kompt spot und qual. Petri 2, 487 nach Wander 4, 1740; und er prüft die messer von Londner stahl, und spricht nach langer, bedächtiger wahl ... Gaudy 1, 89; dann will ich diese neunstimmige flöte dir schenken; ich selbst habe die rohre mit langer wahl am ufer geschnitten. Gessner schriften (1770) 3, 22; drei züge noch, das ist die heil'ge zahl! drei sprüche noch und sonder lange wahl! C. F. Meyer Huttens letzte tage 70. ähnlich: und überlegte (wie einer dame geziemte, die nicht zum erstenmahl in dieser lage sich fand) mit skrupelhafter wahl die sichersten mittel, das herz des schwärmers nicht zu verfehlen. Wieland 4, 64 (Amadis 3, 28). ohne beiwort ist diese bedeutung selten: der plaz, zu welchem ich sie fürte, schien ihr nicht der bequemste; sie wählte einen andern, wo sie aufs vorteilhafteste ins gesicht fiel; und ihre wahl war merklich, weil sie nach langsamen umhersehn ... sich hinsezte. Hermes Sophiens reise 4, 64. I@33) das bedeutungsmoment der entscheidung für etwas steht im vordergrund. die hier gehörigen verwendungen sind theils von der ersten, theils von der zweiten bedeutung ausgegangen, indem das gewicht auf die vollendung der thätigkeit des wählens fällt. I@3@aa) eine wahl thun 'sich entscheiden' (vgl. oben 2, a eine wahl machen u. dgl. 'aussuchen'): da stehen die guten leute und wissen nicht, wo sie sich hinwenden sollen, bisz sie endlich doch eine wahl thun müssen, die mehrentheils so ausschlägt, dasz ... sie sehen, dasz sie, mit ehre zu melden, betrogen seyn. Chr. Thomasius kleine teutsche schrifften2 196; das hertz musz erst die wahl einer person thun, ehe man sich selbiger ergiebet. Menantes der europ. höfe liebes- u. heldengesch. 412. seit dem 18. jahrh. (noch nicht bei Stieler und Ludwig) eine wahl treffen: ich muste selbst gestehen, dasz meine gemahlin an diesem knaben ... keine üble wahl (eines bedienten) getroffen hatte. Felsenburg 1, 405 neudr.; vater Rhein ... ... suchte sich ein ehgemahl. die schönste nymphe traf die wahl. Lichtwer fabeln 2, 16; du hast die wahl des edelsten getroffen! Schiller 6, 224 (Iphig. in Aulis 5, 5). zwischen, unter etwas: zum ersten male heut' verweisest du mich an mich selbst und zwingst mich, eine wahl zu treffen zwischen dir und meinem herzen. 12, 239 (Wallenst. tod 2, 2); das studium der werke der kunst ... lehrt eine gute wahl unter den verschiedenen gestalten der natur treffen. Bürger ästhetik 1, 121 Reinhard. ungewöhnlich mit dem plur.: wird es ihm auch ... leichter die wahlen, welche zum entschlusse nöthig sind, zu treffen. Garve versuche über verschied. gegenstände 1 (1819), 419; mir gefallen die söhne nicht, die bessre wahlen treffen, als ihre väter. Schiller 5, 2, 196 (don Karlos 2, 2). freiere wendungen: meine alte fragte mich ..., welche ich unter diesen dreyen vor die schönste hielte? ich antwortete, dasz ich keine wahl darunter sehen könte. Simpl. 1, 374, 2 Kurz; schenkst, o du alberne thörin, schwankenden erlen die wahl vor des eichbaums knotigem kerbholz? Voss idyll. 8, 37. die wahl trifft etwas, die wahl fällt auf etwas: hm! warum traf denn ihre wahl gerade den namen des herrn von Dahl? Langbein 2, 264; wenn dieses päckchen ihm gefiele, vielleicht gar bät' er mehr sich aus! ... ach, fiel' auf diesz doch seine wahl! Freiligrath 2, 120. I@3@bb) jemandes wahl, seine entscheidung, entschlieszung: recht zu handeln, grad zu wandeln, sey des edlen mannes wahl. Göthe 11, 211 (zauberflöte). auch die wahl gottes, des schicksals: ungleiche zahl, der götter wahl. v. Abschatz verm. gedichte 169; der sterne schlusz und wahl heist mich auff diesen tag den Pindus lassen stehen, und in mein vaterland und sein gebürge gehen. Mühlpforth glückwünschungs-gedichte (1686) 31; war es ein grosses glück, dasz dir des himmels wahl solch eine königin zur gattin geben wollen. Besser 244; dir nahm des höchsten weise wahl dein allererstes eh-gemahl. 260; und hätte dazumahl den könig nicht gehemmt des schicksals höhre wahl, so hätt' er nicht versäumt die flott' (des Columbus) in brand zu setzen, und alles volck am strand zu opfern seinen götzen. Bodmer krit. ged. 37 neudr. I@3@cc) wahl mit dem possessivpronomen: Johanna. schuldlos trieb ich meine lämmer auf des stillen berges höh. doch du (Maria) rissest mich in's leben, in den stolzen fürstensaal, mich der schuld dahin zu geben, ach! es war nicht meine wahl! Schiller 13, 286 (jungfr. v. Orl. 4, 1); nur die würdigste von allen soll beglücken deine wahl, und ich will die hohe segnen, segnen viele tausend mal. Chamisso ged.8 10; o falscher lohn der erde! wer strebt, dasz der ihm werde, wie trügt ihn seine wahl. A. W. v. Schlegel 1, 260; ward nie ihr blick umnachtet, nie schwankend ihre wahl. F. v. Schlegel2 10, 141. seine wahl auf etwas wenden, richten: zum vorzug, und zum schmuck des weiten zepter-landes, hat Friedrich seine wahl auf sie allein gewandt: sie ist die würdigste gemahlin seines standes. Besser 70; er mochte dieses heben, jenes fassen, zu keinem neigte noch sich seine wahl, es wollte keines, keines für ihn passen. Chamisso ged.8 418; er erklärt ohnehin nicht leicht zum voraus, was er in den almanach aufnehmen will, und bestimmt erst seine wahl unmittelbar, wenn er an die redaction geht. Göthe briefe 1, 140 Weim. ausg. in dichterischer sprache ist auch ein plur. von wahl mit dem pron. poss. zulässig: so bitt' ich sie, dasz sie zu meinen wahlen gehorsam sich um mich versammeln alle, auf dasz ich nehmen könn' aus ihrem schwalle, was nöthig ist, ein himmelsbild zu malen. Rückert ges. ged. 2, 55 (1836); schlafe du! nicht deine wahlen haben, sondern dein geschick, zu des lebens lust und qualen aufgeschlossen deinen blick. 3, 147 (1837); diesz eine war das ziel von seinen wahlen, diesz eine, das die alte zeit erkannte, diesz eine, wollt' er neu lebendig mahlen. F. v. Schlegel2 9, 275. meiner u. s. w. wahl zur bezeichnung des auserwählten: es treibt mich fort in angst und qual, fort von der wohnstatt meiner freuden, fort von dem weibe meiner wahl. Grillparzer 1, 45; sie liebten mich fast mehr, als ihre eigenen kinder; natürlich, ich war ja das kind ihrer wahl. Immermann Münchh.2 2, 81; er wollte in ihnen (der pflegetochter) ... nicht blosz die tochter seiner wahl, er wollte in ihnen auch das kind seines bluts umarmen. epigonen2 1, 110; der wunsch der klugen mutter wurde erfüllt ..., er heiratete das mädchen ihrer wahl. Freytag 19, 254 (bilder 2, 2, 8); seitdem hatte er (Niebuhr), im innersten erschüttert, die stürme einer ungeheueren zeit über den staat seiner wahl dahinbrausen sehen; er fühlte, wie ihm durch solche ergebnisse das verständnisz wuchs für die geschichte Roms. Treitschke d. gesch.2 2, 65; weil auf blut'gem plane heut ihr stern erblich, lieszest du die fahne deiner wahl im stich? Geibel 4, 200 (heroldsrufe). I@3@dd) wahl in verbindung mit adjectiven. eine gute, eine schlechte wahl: ach der elenden wahl, wann man den laidigen teufel höher als gott hält! Simpl. 4, 188, 10 Kurz (vogelnest 2, 26); frauenspersonen, die er ... gar ungemein liebete, und deszfals eine gute wahl zu treffen wuste. Struve reichs-historie (1720) 959; aus eigensinn zum baume werden, wann treue sehnsucht uns erschleicht, das sey die schlimmste wahl auf erden, der keine sonst an thorheit gleicht. Hagedorn 2, 76; wie? ist's nicht eine rühmlichere wahl, zu huldigen dem königlichen herrn, als eurer eig'nen knechte pair zu seyn, und zu gericht zu sitzen mit dem bauer? Schiller 14, 310 (Tell 2, 1); kecker sinn hat manche bahn gebrochen, viele wege führen wohl zum thal; doch der übermuth ward oft gerochen, schwer bereut die zu verweg'ne wahl. Körner 1, 269; die lezte wahl steht auch dem schwächsten offen. ein sprung von dieser brücke macht mich frei. Schiller 14, 287 (Tell 1, 2). nd. wilde wahl (s. wildewahl) 'verirrung, irre': dann ging es ... ins freie, und wie man's auch sonst nennt 'in die wilde wahl' (von einem stürmischen spaziergang). Bog. Goltz ein jugendleben 1, 127. I@3@ee) die wahl gelingt, mislingt, glückt, misglückt: mensch, dies ist des himmels schlusz, dem, was sterblich folgen musz, dasz du sonder mitgefahrten nicht dein leben sollst vollbringen, viere wird man dir vorstellen: möchte dir die wahl gelingen. Arnim 16, 76 (Halle und Jerusalem 2, 3); noch immer scheint der vorsatz wohl erwogen, dasz wir. in diesz gelegene thal, das ganze heer zurückgezogen; ich hoffe fest uns glückt die wahl. Göthe Faust 2. theil 10348. I@3@ff) wahl in verbindungen mit einem gen. obj. wahl des guten, des schlechten: ein mann wie du bleibt da nicht stehen, wo der zufall der geburt ihn hingeworfen; oder wenn er bleibt, bleibt er aus einsicht, gründen. wahl des bessern. Lessing 2, 274 (Nathan 3, 5). wahl eines ortes, einer zeit. wahl des berufs: dasz auch in der wahl des studiums oder berufs nicht unser wille, sondern fremde einflüsse ... das entscheidende wort sprechen. J. C. Fischer über die freiheit des menschl. willens 55. wahl eines stoffes, gegenstandes: die lieblichkeit aber bestehet in der wahl solcher bilder, die nichts unanständiges, häszliches und fürchterliches haben. Winckelmann 2, 485 (versuch einer allegorie); ich glaube die wahl des gegenstandes hat viel dazu beigetragen, dasz ich nicht ganz damit (mit dem drama) verunglückt bin. Lessing 4, 4; wie oft sieht man künstler bei der wahl ihrer gegenstände, ... so wie den mahler bei der wahl der farben in verlegenheit. Göthe 38, 21. 22 (einleitung in die Propyläen); es ist offenbar, dasz bei der fruchtbarkeit der bildhauer sie nicht immer glücklich in der wahl ihrer gegenstände sind. 44, 32 (über Christus u. die apostel); woher kommt es, dasz alle diese entschiedenen talente an diesem wichtigsten punkte scheitern ...? entweder glaube ich, es ist die verkünstelte und gesuchte wahl des stoffes, welche sie auf das eis führt ... G. Keller bei Bächtold Kellers leben 2, 112. wahl der worte (vgl. oben 2, d): der erlasz ... schlieszt sich vollständig an den erlasz des herrn minister des innern an. ein unterschied ist nur in der wahl der worte vorhanden. stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 4. 7. 1862, s. 456; weil sie besser schreiben wollen, als sie reden, und aus einem mangel der übung ungewisz in der wahl des ausdrucks sind. Gellert 4, 24; eine unglücklichere wahl von beispielen zur rechtfertigung seines verfahrens hätte er nicht treffen können. Kant 10, 519. wahl der mittel: sie (die erfahrung) wird bald die wahl der mittel, bald ihre anwendung billigen, verbessern, oder auch verwerfen. Gellert 5, 155; der deutsche revolutionär verfährt in der wahl seiner mittel ganz ebenso unbefangen wie der russische nihilist. Treitschke deutsche kämpfe, n. f. 164. wahl der waffen beim kampfe. wahl beim genusz: die wahl und die mäszigung des vergnügens bleibt allezeit das werk der vorsichtigkeit und weisheit. Gellert 5, 239; je leckrer unser gaumen wird, desto eckler werden wir in der wahl unsrer speisen. Garve versuche über verschied. gegenstände 1 (1819), 132. wahl von personen: wie sie in der wahl ihrer freunde die falschen von den wahrhaften unterscheiden. Besser 113; zu dem übel der schlechten wahl meiner jugendlehrer kam noch das übel, ihre menge. Bahrdt gesch. seines lebens 1, 38; mit der wahl des mundkochs sorgfältiger zu werke zu gehen, als mit der wahl eines ministers. Musäus volksmährchen 1 (1804), 227. I@3@gg) namentlich wird wahl gern von der gattenwahl gebraucht und steht in diesem sinn auch ohne weiteren zusatz: doch suchet deine wahl ein hertze voller treu, so bin ich schon gewisz, du wirst Silvandern nennen. v. Abschatz anemons und Adonisblumen 277; sein (deines mannes) geist hat auf der welt von nun an nichts zu fordern, als nur den trost vor dich, dich, die er so geliebt, und der er ietzt das recht der freyheit wieder giebt, in einer andern wahl das leiden zu verschmertzen. Günther 764; der wittwenstand ist ein betrübter orden! Elmire sahs und schritt zur zweiten wahl. Gellert 1, 180; hoch ehrt mich dieser edeln ritter wahl, doch nicht verliesz ich meine schäfertrift, um weltlich eitle hoheit zu erjagen, noch mir den brautkranz in das haar zu flechten, legt' ich die ehrne waffenrüstung an. Schiller 13, 266 (jungfr. v. Orl. 3, 4); er ist Ares, sie Cythere; beide knüpft die schönste wahl. A. W. v. Schlegel 1, 213; der vater des grafen hatte die liebe und die wahl seines sohnes gebilliget. Gellert 4, 260; es ist ein richtiger erfahrungssatz, dasz eine junge rasche wittbe, welche mit dem gefühl der zärtlichkeit bereits bekannt ist, bei der zweiten wahl stets brünstiger und feuriger liebt als bei der ersten. Musäus volksmährchen 3 (1805), 315. I@44) besonders zu besprechen ist die anwendung, die wahl auf bestimmten gebieten und in der technischen sprache gefunden hat. I@4@aa) die psychologie gebraucht das wort von den inneren willensvorgängen, die bei dem kampf widerstreitender motive zur entscheidung für den einen fall führen; der ausdruck wird von einigen auch auf die unbewuszt geschehende willenshandlung ausgedehnt (vgl. wahlfreiheit, wahlhandlung, wahlvermögen): die leidenschafft des verstandes ist die sinnliche empfindung; sein thun heiszt die innerliche nachdenckung und raisonnirung. die leidenschafft des willens heiszt neigung, die thätigkeit wahl und wilkühr, oder der willkührliche trieb. Thomasius einleitung zur sittenlehre (1709) 79; was heiszt indesz wahl, was bedeutet überhaupt wahlfreiheit? zuvörderst setzt sie das deutliche bewusztsein der verschiedenen fälle der wahl voraus, sodann aber auch mit diesem bewusztsein das gefühl der neigung für den einen, der abneigung für den andern fall. das bewusztsein ist es also nicht, was da entscheidet, sondern was nur kunde nimmt von der aus der tiefe des wollenden subjects hervorgehenden entscheidung. Fichte system der ethik 2, 1, 86; daher auch bleibt, bei einer vorliegenden schweren wahl, unser eigener entschlusz, gleich einem fremden, uns selber so lange ein geheimnisz, bis jene entschieden ist. endlich macht das stärkere motiv seine gewalt über den willen geltend und die wahl fällt oft anders aus, als wir anfangs vermutheten. Schopenhauer2 3, 428 Grisebach; die willkür ist ja keine von dem willen verschiedene seelische kraft, sondern sie ist eine bethätigung des willens, welche regelmäszig dann eintritt, wenn verschiedene gefühlsmotive in annähernd gleicher stärke um die herrschaft kämpfen, so dasz das deutliche bewusztsein der bevorzugung eines bestimmten motives vor andern gleichzeitig vorhandenen entstehen kann. den hier sich entwickelnden vorgang nennen wir wahl, die entspringende handlung eine willkürliche, im gegensatze zu der eindeutig bestimmten willenshandlung, welche in der regel als triebhandlung bezeichnet wird. Wundt philosoph. studien 1, 352. I@4@bb) Kant gebraucht wahl im ästhetischen sinn von dem wohlgefallen, das sich auf einen gegenstand in unterscheidung von andern richtet: leuten von gesundem appetit schmeckt alles, was nur eszbar ist: mithin beweiset ein solches wohlgefallen keine wahl nach geschmack. 7, 52 (kritik der urtheilskraft); ich berühre nur flüchtig die künste und wissenschaften, deren wahl den geschmack der nationen bestätigen kann, welchen wir ihnen beigemessen haben. 7, 425; aber die allgemeingültigkeit dieser lust für jedermann, durch welche die wahl mit geschmack (des schönen) sich von der wahl durch blose sinnenempfindung (des blos subjectiv gefallenden) d. i. des angenehmen, unterscheidet, führt den begriff eines gesetzes bei sich. 10, 263 (anthrop. § 63); der geschmack besteht also darin, dasz anderer sinn mit jemandes wahl übereinstimmt. philosoph. anthrop. 281 Starke; es macht selbst ein groszes talent bei dem menschen aus, wenn er viel geschmack hat. dies kann man von den Franzosen sagen. ihre wahl ist besser als jene anderer nationen. der geschmack wird etwas wichtiges in einem zeitalter der geselligkeit. mancher sagt, ich habe einen eigenen geschmack; allein ein solcher hat gar keinen; denn der, dessen wahl keinen beifall bei andern findet, hat keinen geschmack. 282. I@4@cc) in der kunstlehre wird von einer richtung, die im 18. jahrh. in Deutschland namentlich durch Hagedorn und Raphael Mengs vertreten ist, wahl gefordert, d. h. auswahl des schönsten und vollkommensten bei der nachahmung der natur, wodurch das ideal erreicht wird: der geschmack ist dasjenige, was die auswahl des mahlers bestimmt, und durch die wahl, welche er trift, erkennet man seinen geschmack und nennt ihn entweder gut oder schlecht. Mengs hinterl. werke 2, 35; allein der geschmack, welcher sich in der vollkommenheit selbst finden kann, bestehet in der wahl des besten und nützlichsten in der natur. 2, 41; ich will also unter ideal die wahl verstanden wissen, nämlich die kunst in der natur eine gute auswahl zu treffen, und nicht neue dinge zu erfinden. 2, 46; da aber die nachahmung ohne wahl nichts schönes hervorbringen kann. 2, 65; inzwischen kann man über nichts urtheilen, wovon man kein ideal hat; und dies entwirft der verstand mit der wahl aus vielem. Heinse 1, 10 (Ardinghello 1); dazu steigert er (der mensch) sich, indem er sich mit allen vollkommenheiten und tugenden durchdringt, wahl, ordnung, harmonie und bedeutung aufruft, und sich endlich bis zur production des kunstwerkes erhebt. Göthe 37, 27 (Winckelmann); indem Bossi ein gänzlich verdorbenes übermahltes original nicht zum grund seiner arbeit legen konnte, sah er sich genöthigt, die vorhandenen copien desselben genau zu studiren ..., da er denn zuletzt durch urtheil, wahl und gefühl geleitet, seine arbeit vollendete. 39, 90 (abendmahl von Leonard da Vinci). wahl wird auch im einzelnen beim entwurf eines kunstwerks verlangt und bezieht sich, z. b. bei einem gemälde, auf den gegenstand, die stellungen und farben u. s. w.: die wahl des künstlers bestimmt den stil des werks. dieses gilt von der wahl der farben, des helldunkeln, der draperie und aller übrigen theile der mahlerey. wenn man das schönste und gröszte wählet, so liefert man auch werke vom besten geschmack. Mengs hinterl. werke 2, 37; man sagt eine schöne wahl des lichts, wenn der maler auf die gegenstände ... das licht also fallen läszt, dasz es eine gute wirkung thut. Jacobsson 4, 573; die bessere konzisere zeichnung wird dann von selbst auch eine feinere wahl der farbigen betonung mit sich bringen, da der erhöhte wert der form sofort eine vorsichtigere färbung und beleuchtung gebiert. G. Keller bei Bächtold Kellers leben 3, 403. I@4@dd) aus der biblischen sprache stammt der theologische begriff der wahl als der gnadenwahl, der erwählung zur seligkeit durch die göttliche gnade; die wahl steht zuweilen auch für die erwählten selbst: ehe die kinder (Esau und Jakob) geboren waren und weder guts noch böses gethan hatten, auff das der fursatz gottes bestünde, nach der wale (κατ' ἐκλογήν), ward zu ir gesagt, nicht aus verdienst der werck, sondern aus gnade des beruffers, also, der grössest sol dienstbar werden dem kleinen. m. 9, 11; aber was sagt im (Elias) das göttliche antwort? ich hab mir lassen überbleiben sieben tausent man, die nicht haben ire knie gebeuget fur dem Baal. also gehets auch itzt zu dieser zeit, mit diesen überbliebenen, nach der walh der gnaden. ists aber aus gnaden, so ists nicht aus verdienst der werck. 11, 5; das Israel suchet, das erlanget er nicht, die walh aber erlanget es, die andern sind verstockt. 11, 7; nach dem evangelio halte ich sie fur feinde, umb ewren willen, aber nach der walh habe ich sie lieb, umb der veter willen. 11, 28; weyl ich bin ie auch in der wal getaufft und in der christen zal, auff dich, mein gott, verlasz ich mich. Hans Sachs 14, 150, 26 Keller-Götze; er (gott) acht auch keins verdienstes nicht, als nach seim freyen willn geschicht ... wenn er dich wirdig acht einmahl seiner lieb: so kansts ausz der wahl nicht mehr fallen, wann du gleich bist voller sünde, schand, trug und list. Spangenberg Saul 2402 Martin; endlich hat auch gar mancher mann von der prædestination, wie von der ewigen wahle, unrecht bericht und losz gedicht anghöret manchesmale. Wackernagel kirchenl. 5, 175, 10; unsere versehung und wahl zu erforschen, dürffen wir nicht in den geheimen raht gottes steigen. Pareus summar. erklärung der wahren catholischen lehr (Heidelberg 1593) 46; gott hat uns erwehlet, ehe der welt grund geleget war, dabey den die volziehung solcher ewigen wahl in der zeit alsobald auszführlich erkleret wird, das wir an Christo haben die erlösung durch sein blut. Buscherus gründlicher gegen-bericht 54; die fatalistische lehre, nach der mit gottes allschöpferischer voraussicht nothwendig eine wahl verbunden gedacht wird, kraft der er die menschen nach seiner gnade oder willkühr zu ewigem heil in sein himmlisches reich berufe oder davon ausschliesze. Gervinus einleit. in die gesch. des 19. jahrh. 63. I@4@ee) in der juristischen sprache. I@4@e@aα) bei rechtlichen forderungen und verpflichtungen kann ein theil die möglichkeit einer wahl haben (vgl.wahlrecht, wahlschuld): das ... dem verhaisser die wall zsteet, ob er den menschen, oder aber die zehen gulden lieber wOel bezalen. welher nun allain das gelt, oder allain den menschen haben wolt, der nymbt ye dem gegentail die wall. justinianischer instituten warhaffte dolmetschung durch Ortholph Fuchsperger (Augsb. 1536) buch 4, tit. 6, 48; das er dem gegentail die wall hynnimpt, welher in krafft der verhayssung ein freie wal hat, ein andern tail zuobezalen, dann welher ist erfordert. ebenda; daferne nun supplicant ... in zukunft die zinsz-schweine ... alljährlich dem amte in natura zu liefern, oder wenn selbige nicht tüchtig befunden werden möchten, dem amte die freye wahl, ob es die geld-bezahlung, an zwantzig thalern, davor anzunehmen gemeynet, oder nicht, zu überlassen sich gerichtlich erklären ... wird. Klingner sammlungen zum dorf- und bauren-rechte 4, 647 (Merseburg 1731); wahl oder wahl-recht (variatio, variandi jus) heist auch das recht von zwey oder mehrern stücken ... zu wählen ... also stehet z. b. im chur-fürstenthum Sachsen, wenn ein wechsel-brief nicht bezahlet wird, dem gläubiger frey von dem acceptanten abzulassen, und den letzten indoszirer in anspruch zu nehmen. Zedler univ. lex. 52, 720; werden mehrere leistungen in der weise geschuldet, dasz nur die eine oder andere zu bewirken ist, so steht das wahlrecht im zweifel dem schuldner zu. die wahl erfolgt durch erklärung gegenüber dem anderen theile. bürg. gesetzbuch § 263; dasz hier wie dort der schuldner nach seiner wahl mit der einen oder der anderen leistung am schuldverhältnisse genüge thun kann. Litten die wahlschuld 93; stehen mehr als zwei leistungen zur wahl, so tritt die umwandlung in ein einfaches schuldverhältnis erst ein, wenn alle leistungen bis auf eine unmöglich geworden sind. 123. I@4@e@bβ) im erbrecht. I@4@e@b@11)) im rechtlichen verstande ist die wahl, die wahl aus zweyen oder mehr dingen eines heraus zu nehmen, wird auch wechsel und kür (optio, option) genennet. also hat bey erbtheilungen ... der älteste bruderdie schicht, d. i. er setzt die erbtheile aus einander, der jüngste aber die wahl, aus denen gemachten schichten eine für sich zu nehmen, die ihm anstehet. Jablonski 1320; der älteste musz theilen, der jüngste hat die wahl. Graf u. Dietherr 215; hat darum hertzog Bugslaff ... ire land in zwey teile gesetzt ... und lies seins bruders kindern ... die wall. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 220 Gäbel. I@4@e@b@22)) die vermachnis einer wahl (oder kühre) das ist, da der geschefftmacher aus seinen leibeigenen knechten oder anderen güteren dem beschiedenem etwas zu erwehlen befohlen, hatte vorzeiten die bedingungen in sich, und darumb, wo der, dem etwas beschieden war, nit bey seinem leben selbsten die wahl und kuhr thet, so fiel das vermachnis nit auff den erben. der rechten desz keysers Justiniani vier anweisungs-bücher (Cöthen 1632) b. 2, tit. 20, 23; das vermächtnusz der wahl. der teutsche Justinianus (Augsb. 1716) 617. vgl. wahlvermächtnis. I@4@e@gγ) von der adoption (vgl. wahlkindschaft): diser titel helt in sich, wie rechtlich khanschafft ist verbotten zwischen geschwistrigten, so ... mit der waal eroberet. justinianischer instituten warhaffte dolmetschung durch Ortholph Fuchsperger (Augsburg 1536) buch 1, tit. 10 summa; kindeswahl, adoptio Stieler 2468. I@4@ff) in der zuckersiederei heiszt wählen, auswählen, die wahl machen 'die verschiedenen arten von rohem zucker ... aus den fässern in den bottig werfen, um jede art besonders zu sieden und zu raffiniren'. Jacobsson 4, 573. I@4@gg) beim kartenspiel ist wahl das aufwerfen des trumpfs, das tournieren, vgl. wählen 3, f. bildlich: man hat dir (herzog Ulrich) iez ain wal aufgeben (hat dich ver anlaszt ein spiel zu beginnen), der bösen karten sovil, nun luog bei leib und auch bei leben und halt kain böses spil! Uhland volksl. 482. I@55) wahl kann dann auch auf das übertragen werden, was der wahl unterliegt; in dieser weise ist es selbst auf concreta bezogen worden. I@5@aa) es kann das beste, auserlesenste sein, das man nur wählen kann, der ausbund. Schmeller2 2, 883: nu dunkst du mich wol die wal under allen narren die ich ye gesach; ich main, er sey ein wal under allen narren. Schmeller a. a. o. aus einer Münchner hs. noch jetzt schweizerisch Stalder 2, 428, z. b. von einem besonders braven kinde, er ist die wahl, auch von waren, das ist die wahl, das beste, schönste stück aus allen. so auch Wander 4, 1740 (Nürtingen). in Appenzell ist dies wahl zu einem prädicatsadjectiv geworden und bildet einen superlativ: das ist d' wahlest, von allem weitaus das beste. Tobler 438. I@5@bb) es ist ferner 'so viel dasz man darunter wählen kann, hülle und fülle, menge'. diese bedeutung ist im mhd. reich ausgebildet und erhält sich bis ins frühere nhd. zunächst wal mit dem genetiv abstracter substantiva, wo direct an die bedeutung 'verfügung' (oben 3, d, β) anzuknüpfen ist: swaʒ einem manne mac gegeben ze der werlte ein wünneclîcheʒ leben, des hât er gar des wunsches wal. Hartm. v. Aue Gregorius 2261 Paul; daʒ spere krachen was dâ grôʒ ... der tjost man dâ gar wale vant. Ulr. v. Lichtenstein frauend. 492, 7; mîn tohter, an der ie lac aller mîner vröuden wal. Mai u. Beaflor 47, 9; nun kommt mit uns rein zu dem mal, zu haben aller freuden wahl! Ayrer 1408 Keller. dann auch mit dem genetiv von concreten: chorn wart uber maʒe,same wart obeʒe; fihis ni wesse niemen zale,oles unte wines heten si wale (wart diu wal Millstädter hs.). genesis, fundgruben 2, 61, 37; biut deme keisere zu minnen beidiu lewen unde beren, al daʒ er ir welle nemen, vorloufte ane zal, der guoten marhe die wal. Konrad Rolandslied 14, 32; vrîlîchen stêt entsprungen vîol, liljen, rosen, bluomen alle wal. minnesinger 1, 346a Hagen; was sollen uns seyden, weyn, würtze und der frembden auslendischen ware, so wyr doch selbs weyn, korn, wolle, flachs, holtz und steyn ynn deutschen landen nicht alleyn die fülle haben zur narung, sondern auch die kür und wal zu ehren und schmuck? Luther 15, 36, 15 Weim. ausg.; dar nach ward er (Priamus) zuo Kölen erkant, da vand er die wal von schönen frawen. vom ursprung der stadt Augsburg bei Keller fastnachtssp. 1360. auch an diesen stellen mag wahl z. th. noch als 'auswahl' empfunden worden sein, wie jedenfalls an der folgenden: er hat der fürsten ein solche zal, under in also ein guote wal, das er sin rych verwaltet wol. Daniel (Bern 1545) Q 3b; und es reihen sich dann selbst aus der neueren sprache wendungen an, in denen wahl sich der bedeutung 'menge' nähert: zwar fände man im fürstensaal an korporalen reiche wahl. Gaudy 1, 124. I@5@cc) im plur. kann es auch auf dinge gehen, unter denen man zu wählen hat. so in der rechtssprache: man sol in (den angeschuldigten) dri wal für teilen: die waʒʒer urteile, oder daʒ heiʒe isen ze tragene, oder in einen wallenden keʒʒel ze grifen unz an den ellenbogen. gerichet er mit der einem, so ist er ledic. Schwabenspiegel landr. cap. 39, § 5 Gengler; man sal ym (dem münzfälscher) dry wal teylen: das heysse ysen adir eynen wallenden kessil ... adir dy wassir orteyl. kulmisches recht 5, 19 Leman. von grundstücken, deren bewirtschaftung abwechselt: 1454 haben wir dy gemainen wisen zu haufen geteilet in vier wal; der selben wal sind alle jar zwue unser und die andern zwue unsers bawern daselbst. Schmeller 2, 883 aus einer hs. darnach die erste, zweite, dritte, vierte wal. I@5@dd) in der neueren dichtersprache findet sich wahl als das, was man sich erwählt: wenn du mich kennst, so weiszt du, das getümmel der groszen welt ist niemals meine wahl. Wieland 18, 193 (Pervonte 3); der tod, der inn're treu mit ew'gem lorber ziert, ist ihres herzens wahl: sie konnten ihn vermeiden. 23, 286 (Oberon 12, 58, 8); auch ein raub wars, wie wir alle wissen, der des alten fürsten ehliches gemahl in ein frevelnd ehebett gerissen, denn sie war des vaters wahl. Schiller 14, 51 (braut v. Mess. 1, 7); und ach, wie schön ist all' dein wesen! du bist mein herz, des herzens wahl. Platen 21 (lied. u. rom.); noch heiszt es heute; wenn dies heute gestern heiszt, wie anders liegt die welt bereits vor deinem blick! und jahr und jahr vergeht gemach mit eile so. ihr inhalt ist zur hälfte kaum des menschen wahl, die andre ruht in ewiger mächte liebesrat. Möricke ged.8 272. I@5@ee) vereinzelt begegnen noch andre hier anzuschlieszende bedeutungen in der älteren sprache. I@5@e@aα) erwählte art: ir (Mariens) triuwe diu ist âne zal; ir minne füllet berc unt tal in maneger wal durch elliu künicrîche. lobgesang 68, 13. I@5@e@bβ) schicksal, das man sich selbst erwählt hat, selbstgewollte lage: die engel und der leute zal, die dâ sint in der selben wal. H. v. Neustadt von gotes zuokunft 8321; ob er seine ritter und mithelffer für die aller besten achtet, so reuwet ihme doch, dasz er sich inn diese wahl begeben (zu kämpfen) und hette gern solche widerrufft. Amadis 387 Keller. I@5@e@gγ) erwählte zeit: begir, die in meinem hertzen leydt, hat begert vil lange tzeyt, wie ich das jüngste ostermal mit euch näm zu diser wal, ee das ich hertikliche not erlydt und auch den pitteren tot. Sterzinger passion 347 Wackernell. IIII. wahl als die bestimmung zu einem amte durch die geordnete willenserklärung mehrerer. diese bedeutung reicht zwar in die mhd. zeit zurück, hat sich aber naturgemäsz erst seit entwicklung des parlamentarischen lebens reicher entfaltet. die meisten wendungen, die hierher gehören, sind erst im laufe der letzten 100 jahre hervorgetreten. gewisse grundlagen waren indes doch von früher her gegeben und zwar ist es vor allem die deutsche kaiserwahl, die die entwicklung des wortes in dieser bedeutung gefördert hat. daneben haben die städtischen und ständischen wahlen zur bildung eines festen formelschatzes, der sich auf die wahl bezieht, beigetragen. — wahl von der bestimmung zu einem amt hat lang den ausdruck kür (kur) neben sich, s. theil 5, 2790. besonders ist das bei der kaiserwahl der fall, wo bei feierlichen acten, z. b. der proclamation die verbindung kür und wahl bis auf die letzten zeiten des reichs üblich war: in dem namen der drivaltikeit sî beruofet und geseit al der werlde hinnen für, daʒ mit rehter wal und kür der leihen und der bischolf von Habspurc grâve Ruodolf ze rômischen kunic ist erkorn! Ottokar österr. reimchr. 12574 Seemüller; vort want wir z andern ziten ... eyn gesetze ... gemachet han, daʒ die wale und kr ... zuo Frankeford ff dem Mene geschien sulle: so han wir doch ..., umb des willen daʒ die kr und wale frij sin mge, daʒ egenant gesetze ... abegetaen. reichstagsacten 1, 19 (1374); haben wir ... uns darnach in die cammern, da man die chur und wahle römischen königs zu halten pflegt, gefuegt. Lünig teutsches reichs-archiv, pars gener., contin. 1, 331a (1519); ehedessen ware, an statt des jezigen wortes: wahl, das wort: chur üblich ... heutiges tages aber kommt das wort: chur nur noch bey gewissen alt-herkommlichen gelegenheiten vor, z. b. wann chur-Maynz den neuen kayser ... proclamirt; da ... die worte: wahl und chur noch jetzo mit einander verbunden werden. J. J. Moser von demm. kayser (1767) 29. auch in beziehung auf andre wahlen: die glieder des senates halten kur und wahl. Hippel 11, 181. II@11) wahl als reines verbalsubstantiv 'die handlung des wählens', daneben auch öfter mit hinblick auf das ergebnis der wahl (vgl. namentlich unten c und f). II@1@aa) die wahl thun, vollbringen, vollführen, vollziehen, vornehmen, anstellen, verrichten u. dgl.: obe ein ufslag dogenlich und mogelich were oder besser were eine wale zu tn. reichstagsacten 7, 43 (1410); in 30 tagen müssen wir die walhe thun. jüng. reihe 1, 798 (1519); unter des hat Rudolff ursach genhomen des, das Ludwig im ban war, und haben ein ander wale gethan auff Karolum. Kantzow chronik v. Pommern (letzte bearb.) 207 Gäbel; nachdem dann uns ... die wahl zu thun gebühret. Lünig teutsches reichs-archiv, p. gener., contin. 1, forts. 2, 121b (1636); der selbe commendûr sal einen anderen brûder welen ûffe sîne sêle unde die zwêne sulen eischen den dritten ..., biʒ daʒ ir drîzehene werdent ..., dî sulen die wale vollenbringen. statuten des deutschen ordens 93, 7 (gewohnheiten 4) Perlbach; wilcher kurfurste also nit qwem ..., daʒ dan die andern nach ordenunge der gesecze daruber die wale endelich vollenfuren sollent. reichstagsacten 7, 41 (1410); wo sie auch inn dreien tagen die waal nit volziehen. W. Linck bapsts gepreng (1539) A 4a; ein volk verliere seine freyheit, in dem augenblicke, da es die wahl seiner repräsentanten vollziehe. Rehberg untersuch. üb. d. franz. revolution (1793) 1, 167; als die wal königs Wenceslaus zu einem römischen könig zugieng, kamen ... die churfursten zu Rense zusammen die wal aldar vorzunemmen. reichstagsacten 1, 80 (1376); am verschienen sontag ist die wahl einesz pastoris ... vorgenommen. briefe des hamburg. bürgerm. J. Schulte an seinen sohn 192 (1684); die wahl, so die vier rheinische churfürsten hierauf zu Franckfurt anstellten, war zwistig. Schmausz begriff der reichs-historie2 340; die herrn churfürsten und gesandten aber bleiben ohngefehr eine halbe stunde allein bey einander und verrichten die wahl. citat bei Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 278; nacher der statt, darinn die wahl zu halten. gülden bulla (Magdeb. 1619) 7. die wahl üben, ausüben: so sey auch ... unerweiszlich, dasz die churfürsten die wahl aus übertragung derer fürsten übten. Glafey reichs-geschichte (1722) 726; die geistlichen wagten es damals noch nicht, diese wahl allein auszuüben. Arnim 19, 306; wo in des münsters kühlem schatten, im weiten ring auf frühlingsmatten, der eidgenosz übt wahl und recht, da schirmt den bund ein neu geschlecht. Keller bei Bächtold Kellers leben 3, 632. eine wahl treffen: übrigens sei das volk selbst daran schuld, so lange es nicht volksthümlichere wahlen treffe, komme es nicht besser. Gotthelf 9, 185 (wahlängste); wer nicht selbstständig sei, der sei nicht frei, wer aber nicht frei sei, könne auch keine freie wahl treffen und unfreie wahlen wolle man doch möglichst vermeiden. acten des sächs. landtages 1848, 3, 483. die wahl beginnen, beschlieszen, aussetzen: ehe die wahl geschlossen und kunt gemachet worden, hat ein churfürst noch allemal zeit, sich mit seiner stimme bey derselben einzufinden. Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 387; die wahl des abgeordneten ... ist erst bei der dritten engeren wahl beendet worden. stenogr. berichte des preuszischen abgeordnetenh. 10. 8. 1849, s. 16; wenn sich im termin zur wahl der abgeordneten ergiebt, dasz gewisse wahlmänner nicht gültig gewählt sind, so wird die wahl nicht ausgesetzt und eine neuwahl von den urwählern vorgenommen, sondern eben die ungültig gewählten scheiden nur aus. 9. 8. 1849, s. 10. II@1@bb) die wahl ausschreiben, anordnen, leiten: anfang februar dieses jahres wurden die wahlen zum deutschen reichstage ausgeschrieben. stenogr. berichte des reichstages 25. 4. 1871, s. 383; da ... keiner die absolute majorität erhalten hatte, muszte eine engere wahl angeordnet werden. 10. 2. 1888, s. 819; da der landrath des kreises selbst als wahl-kommissar die wahl geleitet ... hatte. stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 22. 8. 1849, s. 68. die wahl hindern, hintertreiben, beeinflussen, beherrschen: noch der andere krfrsten wale und kr, die unsern egenanten son gekoren und gewelt hetten, hinderen. reichstagsacten 1, 12 (1374); weil Böhmen sich empöret und bey gesamter kuhrherrn schaar die wahl zu hintertreiben sich eiferig bemühete. Weller deutscher adler (1666) 653; bezirke, woselbst angeblich der klerus in der kirche die wahl beeinfluszt haben soll. stenogr. berichte des reichstages 22. 4. 1871, s. 317; eine regierung, welche mit dem allgemeinen wahlrecht den gedanken verbindet, die wahlen überall beherrschen zu wollen. 19. 3. 1869, s. 176. eine wahl machen: es ist offenkundig, dasz die ultramontanen wahlen durch den pfarrer und den kaplan gemacht werden. Jolly der reichstag und die partheien 80; 'das ist alles recht', sagte Heire, 'wenn es nur auf mich allein ankäme und wenn ein einzelner mann die wahlen machte'. G. Keller nachgel. schr. 283; die aussicht, in den liberalen mittelpunkten des politischen lebens altliberale wahlen zu erzielen. Parisius Deutschlands polit. parteien 1, 49. II@1@cc) die wahl annehmen, ablehnen (vgl. auch unten f): dasz wir ... solch vereinigung, chur und wahle, und versehung desz gemelten unsers lieben sohns, bewilligt und angenommen haben. Lünig teutsches reichs-archiv, pars gener., contin. 2, 283a (kaiser Friedrich III. 1486); ist der erwählte persönlich gegenwärtig, erkläret sich derselbige, dasz er die auf ihne gefallene wahl annehme. J. J. Moser von demm. kayser (1767) 281; wenn ein erwählter abgeordneter die wahl ausgeschlagen. stenogr. berichte der constit. nationalversammlung 6, 4018a; da es in eines jeden willen gestellt sei, die wahl zum abgeordneten anzunehmen oder abzulehnen. acten des sächs. landtages 1849/50 3, 495. die wahl bestätigen, prüfen, anerkennen, für giltig erklären, anfechten, beanstanden, vernichten, kassieren: dasz ein bapst eines röm. kaisers wahl zu bestättigen oder doch gut zuheissen, oder zuverwerffen macht haben soll. G. L. Seld bedencken an kaiser Ferdinanden (Frankf. 1612) 34; es sind bis jetzt 153 wahlen von der hohen kammer geprüft worden. stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 9. 8. 1849, s. 14; ich frage die hohe kammer: ob sie die gültigkeit dieser wahl anerkennt? ... die wahl ist anerkannt. ebenda; ich wurde darauf hier in Berlin gewählt, meine wahl wurde von verschiedenen seiten angefochten, dann schlieszlich aber für gültig erklärt. stenogr. berichte des reichstages 19. 3. 1869, s. 166; die cardinAel sollen in der waal mitt fleisz halten der heyligen vätter gesatz ... auff das die waal nit möge angefochten werden. Wenc. Linck bapsts gepreng (1539) L 2a; ein neu-erwählter geistlicher chur-fürst kan gleichbalden einen kayser wählen helffen ...; wann anderst seine wahl ruhig abgegangen ist, und von niemand angefochten wird. J. J. Moser von demm. kayser (1767) 44; dies ist gegen die bestimmung des wahl-reglements, die abtheilung hat indessen keinen grund darin gefunden, die wahl anzufechten. stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 21. 5. 1862, s. 15; welche wahlen für definitiv anerkannt anzunehmen, und welche noch zu beanstanden seien. stenogr. berichte der constit. nationalversammlung 1, 182; ich möchte darauf antragen, dasz die wahl als beanstandet betrachtet und erst untersucht würde, ob diese wahlmänner, welche nicht als zu recht gewählt ... betrachtet werden müssen, bei der wahl ... von einflusz gewesen seien. stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 9. 8. 1849, s. 8; die wahl aufheben sive ümstoszen, suffragationem tollere. Stieler 2467; ich wünschte dasz, wenn auch in meinem wahlkreis derartige gesetzesverletzungen stattgefunden, auch meine wahl vernichtet werde. stenogr. berichte des reichstages 18. 4. 1871, s. 267; dasz durch die stimme eines solchen abgeordneten, dessen wahl nachher kassirt wird, der ausschlag gegeben wird. 29. 1. 1896, s. 617; nach ausschlieszung derjenigen wahlmänner, deren wahl für ungültig erkannt ist. verordnung über die wahl z. preusz. abgeordnetenh. (1849) § 27. II@1@dd) die wahl auf jemand wenden, richten: er bat die gesamente rote, daʒ si mit vlêhelîchen siten den gûten got solden biten zu helfe an dirre selben kur, daʒ er ir wale und ir spur wante ûf einen gûten man. passional 9, 70 Köpke; das e. l. ire wale uf das haus Osterreich und Borgondi nit gedenken zu wenden. reichstagsacten, jüng. reihe 1, 284 (1519); damit ein künfftiger kayser sich begreiffen möge, dasz er zu keinem andern reich und keiner andern oder mehrern gewalt in demselben einen beruff bekomme, als auf welche die churfürsten ihre wahl, nach der in capitulatione vorgebildeten weise, gerichtet hätten. Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 251; darum schien sich eine zeit lang Orleans zu den Girondisten hinzuneigen, weil er die wahl auf sich zu lenken suchte. J. G. Eichhorn die französ. revolution (1797) 2, 9. früher auch die wahl an jemand setzen, legen: si vorhten, er tæt in herzenleit. dâ von sazten si die wal an in alle über al ... dô wart der keiser Fridrîch erwelt schôn sicherlîch. Enikel weltchronik 27989 Strauch; wer es das unsers oheimen benanter frunt nicht romisch kunig wurde oder die wale und kore, die wir am beder sijt an yn gelegit hetten, abegingen oder nicht wurden volzogen. reichstagsacten 1, 49 (1371). II@1@ee) die wahl ergeht, geht vor sich u. s. w.: jedes zweite jahr tritt ein drittheil derselben (richter) aus, und für jede einzelne stelle ergeht eine neue wahl. bundesverfassung der schweiz. eidgenossenschaft (1856) 258 (Zug); die wahlen erfolgen nach absoluter stimmenmehrheit. verordnung über die wahl z. preusz. abgeordnetenh. (1849) § 30; die wahlen finden am montag statt. die wahl steht ein, ist unentschieden, ungiltig, nichtig u. s. w.: wan dan die (wahl-)kuglen gelegt seind, so sollen beyde herren schultheissen ... schauwen, auf wene das mehr gefallen ... solte aber die wahl einstehen, so hat ein regierender herr schultheisz den gwalt, gleich bey dem pult ... zue entscheiden. stadtrecht von Baden 370, 4 Welti (1701); dasz ... solche ... vornehmende wahl null und ungültig seye. diarium der wahl Karls VI. (Frankf. 1712) 48; so wäre die wahl von selbsten nichtig und müste selbige von neuem angestellet werden. Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 295. die wahl steht bei jemand, ruht bei jemand: dasz ... die wahl der römischen bischöffe oder päbste bey der geistlichkeit und dem volke zu Rom gestanden habe. Häberlin römisches conclave (1769) 84; ja (dasz), wenn auch nur einer (der cardinäle) lebendig bliebe, die wahl bey solchem beruhen würde. Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 231. die wahl fällt auf jemand, ruht auf jemand, geht auf jemand: dasz wir nach der auf uns ausgefallenen röm. königl. wahl, nun auch die käyserl. crönung ... vorgehen zu lassen ... gnädigst beschlossen haben. Lünig teutsches reichs-archiv, pars gener., contin. 1, forts. 2, 547a (1771); die wahl ist auf euch gefallen, the election fell upon you. Ludwig 2366; unsere, auf deine auszerordentliche person gefallene, wahl. Liscow 364; es war ein berufener fester wirt und schütze, ein angesehener und zuverlässiger mann von etwa vierzig jahren, auf welchen die wahl zum Tell unwillkürlich und einstimmig gefallen war. G. Keller 1, 368 (gr. Heinrich); die wahl des reichs fiel nicht auf Ottokar? Grillparzer 4, 70 (könig Ottokar 2); als nuon die fürsten sahen, daʒ ir wal nit fort gehen wolt, haben sie ir wahl auff Carolo lassen ruohen, der kompt ghen Franckfurt, und wirt als keyser von in allen grszt. S. Franck teutscher nation chronic 216a; diese wahl aber mag ... nichtig sein ..., ob die wahl auf eine unbekannte person gienge, als: ich wehle den ersten, der da kommen wird. Gärtner glosse zum Sachsenspiegel 3, 59; wie dasz sie ... auch solche wahl ordentlich vorgenommen und einhelliglich auf ihro majestät Josephum ... ausgeschlagen wäre. citat bei Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 281; die wahl hat ihn getroffen, hic electus est. Steinbach 2, 917. II@1@ff) der wahl eins werden: ob sie der wale eins romischen konigs nit alle einmutiglich eins wurden ..., so solten doch majora vota gelten. reichstagsacten, jüng. reihe 1, 850 (1519); 1350 wurden die chuorfürsten der wahl aber nit eins. S. Franck teutscher nation chronic 216a. sich der wahl annehmen, verzeihen, begeben: wann derselbe unser herre der romische kunig solicher kre und wale und des romschen richs sich selbs angenommen ... hat. reichstagsacten 7, 135 (1411); gleichwol hat sich etwa bapst Joannes der XXII. understanden, kaiser Ludwigen den vierdten dahin zu dringen, dasz er sich seiner erlangten wahl verzeihen, und als dann gegenwärtig seyn soll, wem er der bapst das kaiserthumb vergunnen würde. G. S. Seld bedencken an kaiser Ferdinanden (Frankf. 1612) 30; hat hertzog Albrecht, damit er nit darfür angesehen würde, als hätte er sich ins reich getrungen, berürter wahl sich gäntzlich begeben. Weller deutscher adler (1666) 394. sich der wahl enthalten: worauf die wähler von Birkbach, die liberal wählen wollten, sich der wahl enthielten. stenogr. berichte des reichstages 17. 4. 1871, s. 229. II@1@gg) zur wahl greifen, rem suffragiis permittere, inire suffragia. Stieler 2467; weil ... e. chf. g. alle zu der wale eins nüwen romischen konigs greifen müsten. reichstagsacten, jüng. reihe 1, 660 (1519); das nach absterben des papsts die cardinAel ... sollen ... als bald zuor waal greiffen. Wenc. Linck bapsts gepreng (1539) A 4a. zur wahl treten, schreiten (eigentlich von der itio in partes bei der abstimmung): wen die churfürsten ... solh ayd geschworen haben, so sollen sy zu der wal treten. die gulden bulla (ca. 1508) 3b; zur wahl eines kaysers schreiten, faire (procéder à) l'élection d'un empereur. Rondeau; demnach man nunmehr ... entschlossen ist, zu der hochwichtigen wahl eines römischen königs zu schreiten. Lünig teutsches reichsarchiv, p. gener., contin. 2, 594a (1653); das wir montags vor Bartholomaei zur neuen rathswahl schreiten. Wustmann quellen zur gesch. Leipzigs 2, 210 (1634); sofort am schlusse der heutigen sitzung zur wahl derselben (deputation) zu verschreiten. acten des sächs. landtages 1848, 3, 384. früher auch an die wahl sitzen u. dgl.: swenne dise vorgenanten drîzehene an die wale gesitzent. statuten des deutschen ordens 94, 23 (gewohnh. 5) Perlbach. II@1@hh) in die wahl thun, bringen, geben, stellen, schlagen (wahl nähert sich hier der bedeutung 'wahlvorschlag, wahlliste'): in album referre, in die wahl thun, zu einem ehrenamt zulassen. Dentzler 1, 31; ein richter, den ein herschaft ausz den personen, die der raht und gmain nach alter löblicher gewonhait in die waal stellen, erküest. österr. weisth. 6, 110, 13 (Steiermark v. j. 1603); ein jeder von disen (wahlmännern) solle eine tüchtige zu der verledigten stell anständige person in die wahl geben und zwar auf einem zedul, welcher dem herren schultheisz solle vorgelegt werden, damit er sehen könne, ob nicht der einte oder andere wider die ordnung in die wahl geschlagen worden. stadtrecht von Brugg 273, 11 u. 14 Merz (v. j. 1728); von den zum amte des anwalts und bezüglich des stellvertreters vorgeschlagenen, werden jedesmal diejenigen drei, welche die meisten stimmen haben, in die endliche wahl gebracht. gesetz den sächs. staatsgerichtshof betr. (3. 2. 1838) § 13. auf die wahl bringen, setzen, zur wahl setzen, stellen: einen auf die wahl setzen, in die wahl bringen, mettre quelqu'un au rang des sujets éligibles, le proposer. Rondeau; wenn man denen churfürsten freylassen müssen, auch andere personen unter dem fürsten-stamm auf die wahl zubringen. Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 315; hat sich ... eine absolute mehrheit nicht ergeben, so sind diejenigen drei mitglieder, welche die meisten stimmen erhalten haben, auf eine engere wahl zu bringen. württemb. verfassungsurkunde § 164; die Spanier zögerten nicht länger, den mann auf die wahl (zum pabste) zu bringen, von dem sie sich die thätigste mitwirkung ... versprechen konnten. Ranke 38, 150; dasz nur Bender und Hund zur engeren wahl gestellt (wurden). stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 21. 5. 1862, s. 16; ein wahlmann ..., der in der zweiten abtheilung auf die engere wahl gesetzt wurde. 26. 5. 1862, s. 47. jemand auf der wahl haben: wenn nun gleich die person, die man auf der kayser-wahl hätte, gerecht und redlich wäre. Ludewig erläuter. d. güldenen bulle 1, 318. in die wahl kommen, auf die wahl kommen, zur wahl kommen: es sucht das weite land der muthigen Sarmaten, ein neues oberhaupt berühmt von edlen thaten ... viel andre kamen zwar auch damals in die wahl; du aber überwiegst allein die ganze zahl. König gedichte (1745) 11; dieser durfte gar nicht zur engeren wahl kommen, und ist mithin mit unrecht gewählt. stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 10. 8. 1849, s. 18; in beiden protesten ist nun behauptet, dasz statt drei kandidaten ..., die auf die engere wahl gebracht werden muszten, nur zwei kandidaten, welche die meisten stimmen erhalten ..., auf die engere wahl gekommen (sind). 21. 5. 1862, s. 16. zur wahl stehen: wo mitglieder der bisherigen abgeordnetenhausmehrheit zur wahl standen, verlangte man von ihnen im voraus die zusicherung, dasz sie dem ministerium jede anleihe zur kriegsführung bewilligen würden. Parisius Deutschlands politische parteien 1, 76. in der wahl sein, auf der wahl sein: albo in hoc non eras, du warest nicht im fürschlag, in der wahl. Dentzler 1, 30; am 5ten octobris ... ist hr. Jacobus Genck zum prediger ... erwehlet worden ... esz hat diese promotion mihr etwasz mühe gekostet indem ein prediger ausz Stade ... mit auff der wahl war. briefe des hamburg. bürgerm. J. Schulte an seinen sohn 200 (1684). in der wahl bleiben: solten aber beym ballotieren für die wahl zwey oder drey keine oder gleich viel stimmen haben, so sollen in letzterm fahl zwey gelbe balloten und eine weisze, in ersterem dann eine gelbe und eine weisze ballotten in einen sak getan werden, der dann, so die weisze ergreift, ausgeschloszen seyn und der andere in der wahl verbleiben. stadtrecht von Brugg 280, 3 Merz (v. j. 1763); jede wahlstimme, welche (bei der zweiten abstimmung) auf einen andern, als die in der wahl gebliebenen kandidaten fällt, ist ungültig. reglement z. preusz. wahlverordnung 31. 5. 1849, § 21. aus der wahl fallen: wenn auch die zweite abstimmung keine absolute mehrheit ergiebt, so fällt in jeder der folgenden abstimmungen derjenige, welcher die wenigsten stimmen hatte, aus der wahl. ebenda; soll bei jeder weiteren abstimmung derjenige kandidat aus der wahl ausfallen, welcher die wenigsten stimmen erhalten hat. stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenh. 9. 8. 1849, s. 12. II@1@ii) durch die wahl fallen: die politische stellung des gewählten sowie des durch die wahl durchgefallenen kandidaten. stenogr. berichte des reichstages 10. 4. 1874, s. 689. aus der wahl hervorgehen: ich bin auch aus einer rheinischen wahl hervorgegangen. 25. 5. 1871, s. 938. auf die wahl einwirken u. s. w. II@1@kk) freiere präpositionelle bestimmungen: ausz gemeiner waal zuo eeren kommen, honorem capere populi suffragio. Maaler 479a; von der freyen waal zuo einem oberen oder radtsherren erwelt werden, renuntiare extra sortem. ebenda; etwas durch die wahl erlangen, suffragus aliquid assequi et recuperare. Stieler 2467; er ist durch wahl zum regiment kommen, imperium ei suffragio mandatum est. ebenda. II@1@ll) wahl mit subjectivem genetiv: die wahl der kurfürsten, der gemeinde, des volkes; alle fürsten lebent nû mit êren, wan der hœhste ist geswachet: daʒ hât der pfaffen wal gemachet. daʒ sî dir, süeʒer got, gekleit. Walther 25, 22. wahl mit objectivem genetiv: dis ist die erste wale gewesen eines römeschen küniges oder keysers. Königshofen, städtechr. 8, 418, 2; die wahl eines ratsherrn, eines pfarrers, eines abgeordneten. mit beziehung auf den gewählten die wahl zum könig u. s. w.: Mirabeau ... erschlich durch affectirte popularität die wahl zum bürgerlichen abgeordneten. J. G. Eichhorn die französ. revolution (1797) 1, 63. wahl in die kammer, zu einer körperschaft. II@1@mm) wahl in verbindung mit adjectiven: freie wahl, libera suffragia. Stieler 2467; das kunig Karell in der freien wall zu romischen kunig erbelt wurd. reichstagsacten, jüng. reihe 1, 617 (1519); wo aber geschehe ..., das euer churfurstlich gnade durch gewaltsame des konigs von Frankreich in iren freien walen verhindert. 1, 774 (1519); er warff sich aber mehr selbs auff ..., dann von freyer wahl erwelet. Seb. Franck teutscher nation chronic 204b; die gwaltsame aber einen abt ... ze wellen ist anfangs der einigen fürsten gwesen ... nachmals habend sich die mönch um eigne freie wal bemuoeget. J. v. Watt deutsche histor. schriften 1, 64, 21 Götzinger; rechtmäszige wahl Stieler a. a. o.; unserm jetzigen herrn keiser ist Hungern und Behem durch alte vertrege und auffrechte wahlen ... heimgefallen. Mathesius Sar. (1578) 88b; erkaufte wahl, erschlichene wahl. Stieler a. a. o.; giltige, ungiltige wahl. gemeine, einmütige, einhellige wahl: anno 1410 kam Sigismundus ... mit gemeyner wal der churfürsten an das reich. Seb. Franck teutscher nation chronic 243b; ainickeit under den churfürsten auffzuohalten und ainmuotige wal einzuofüren. die gulden bulla (ca. 1508) 1a; solche unsere einmüthige chur und wahl thun fuer kayserl. majestät wir hiermit verkünden und eröffnen. Lünig teutsches reichs-archiv, p. gener., contin. 1, forts. 2, 4a (1612); in welche einhellige wahl dann ihre königl. majestät auch gewilliget. 122a (1636). uneinige, zwiespältige wahl: anno 1126 ... seien zu Mentz vier von den churfürsten keyser genent und erwelt worden in uneyniger wal. Seb. Franck teutscher nation chronic 171a; 1745 enstunde zwar keine zwispaltige, das ist, eine gedoppelte, wahl: wohl aber trenneten die chur-brandenburg- und chur-pfälzische gesandten sich von denen übrigen chur-fürstlichen. J. J. Moser von demm. kayser (1767) 280. mündliche wahl, vocalia, schriftliche wahl, tabellaria. Stieler 2467. heimliche wahl, occulta suffragia. ebenda; jetzt geheime wahl. directe und indirecte oder mittelbare und unmittelbare wahl: wenn man sich auch für unmittelbare wahlen hinsichtlich der städtischen bezirke entscheiden kann. acten des sächs. landtages 1848, 2. kammer, beil. 41; der reichstag geht aus allgemeinen und direkten wahlen mit geheimer abstimmung hervor. verfassung des deutschen reichs, art. 20. weitere und engere wahl: ergibt sich bei der ersten abstimmung keine absolute stimmenmehrheit, so findet die engere wahl statt. verordn. üb. d. wahl der preusz. abg. vom 30. mai 1849, § 23. andre arten der wahl werden durch zusammensetzung bezeichnet: stichwahl, nachwahl, ersatzwahl, neuwahl u. s. w. II@22) wahl als 'wahlvorschlag, wahlliste', s. oben 1, h. II@33) wahl als 'wahlrecht, wahlstimme' in der älteren sprache. II@3@aa) die wahl haben 'das wahlrecht haben': dâ wârn die herren die die wal heten, die giengen âne schal, dâ des rîches wal an lac, und wârn geseʒʒen mangen tac ... daʒ ir dheiner niht enmoht einen keiser welen der in toht. Enikel weltchronik 27935 Strauch; daʒ nymme dan syben kurfursten, die da wal und stymme an dem riche haben, sin sollen. monumenta Wittelsbacensia 2, 372 Wittmann (1340). es kann indes auch bedeuten 'gegenstand der wahl sein, wahlstimmen haben': Fridrich von Sachsen het die wal von den churfürsten überal, der wegert sich der hohen ehr. Liliencron hist. volksl. 4, 311, 75; welicher ausz innen (den zum richter zu erwählenden) die mehrern wahlen hat, derselb würdet dem ambtsverwalter zur bestättigung fürgestöllt. österreich. weisth. 6, 6, 15 (Steiermark v. j. 1594); der die maist wahl hat zu einem richter. 6, 284, 9 (Steiermark 18. jahrh.). seine wahl verlieren 'sein wahlrecht einbüszen': dâ sâʒen zesamen die kardinâl und die fürsten, an den die wal stuonden ze Rôm sicherlîch; die sâʒen in dem palast rîch und gelobten daʒ gemein, daʒ under in dhein wær der dheines eʒʒens pflæg, der dannen gieng oder læg, er heit sîn wal verlorn. Enikel weltchronik 24891 Strauch; werde irer einer ... nicht erscheinen ..., derselb hat zue dem mal sein stimm und wal verlorn. reichstagsacten, jüng. reihe 1, 167 (1519). II@3@bb) seine wahl (wahl und stimme) geben 'abstimmen': hie ist ein grâfe Theocras, der ein herre dort was in dem guldînen tal, nu gebet im euwer wal. H. v. Neustadt Apollonius 14831; ein churfurst ich vernumme von Meinz der hochgelert der fraget umb behende den bischof von Trier gar schon ... umb die erst wale fron. der thet sein wal da geben ... fürbasz fragt er, merkt eben, ein bischof lobesan von Cöln gab auch sein wale. Liliencron hist. volksl. 3, 232, 8 (1519); Fridrich von Sachsen het die wal von den churfürsten überal, der wegert sich der hohen ehr ... sein wal und stimm er dir (Karl) da gab, dasz du mit hoher ehr und bracht wurdest zu eim keiser gemacht. 4, 311, 80 (1546); solh mein stymb und wal wil ich geben, on alles geding, belonen, gab, verhaissung. die gulden bulla (ca. 1508) 3b; fanget die burgerschaft gleich an die stimmen zu göben, welche der secretari nöbst 2 fierern der gmain einnimet. wan alle ihre wahlen gegöben haben ... österreich. weisth. 6, 140, 8 (Steiermark 16. jahrh.); die gaben auch ir wal einr dem, der ander disem. Seb. Franck teutscher nation chronic 216b; herrn Careln ... in dem wir einmutiglich bewilligt und unser vota, wale und chur gegeben und dirigirt haben. reichstagsacten, jüng. reihe 1, 851 (1519); wir ... nennen, erwählen und verkündigen den durchleuchtigsten fürsten, herrn Franzen, ... in den wir eigen und einmüthiglich bewilliget, und unsere vota, wahl und chur, gegeben und dirigiret haben, zum römischen könig ... zu erheben. J. J. Moser von demm. kayser (1767) 273; wer es ihnen nicht gelegen, sollen sie ursach darumb anzeigen ... oder sonst ihr wahl mit eigner hand und eynsigel schicken. Münster cosmographey (1588) 737. II@3@cc) wal, stimm, suffragium. Schönsleder prompt. Kk 4; des ersten ist geredet umb die wal und kre der mark ze Brandenburch, einen rOemischen knik und keyser ze welen. monumenta Wittelsbacensia 2, 446 Wittmann (1356); so sullen und wollen wir ... mid unser beder stymme und wale, die wir am beden siten haben an der kOere eynes yslichen zukomenden romischin kniges, gen fremden und frunden ... by eynander syn. reichstagsacten 1, 49 (1371); mit einhelliger wahl und stimme. Wustmann quellen zur gesch. Leipzigs 2, 195 (1603).
110980 Zeichen · 2065 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wahlst. N., st. F.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    wahl , st. N., st. F. Vw.: s. wal (5)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Wahl

    Adelung (1793–1801) · +11 Parallelbelege

    1. * Die Wahl , plur. die -en, ein längst veraltetes Wort, welches einen Abgrund bedeutete, und wovon Wachter v. Wal nac…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wahl

    Goethe-Wörterbuch

    Wahl [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Wahl

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Wahl , Christian Abraham, gelehrter prot. Theolog, geb. 1773 zu Dresden, gest. 1855, nachdem er seit 1835 Kirchen-, Schu…

  5. modern
    Dialekt
    Wahl

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    Wa h l [Wâl fast allg.; Wôl K. ; Wêl u. Wôl Z. ] f. 1. Wahl, Auswahl, Auswählen. Du hes t d W. du hast den freien Willen…

  6. Sprichwörter
    Wahl

    Wander (Sprichwörter)

    Wahl 1. Der do hat dy wal, der hat auch den qual. – Hofmann, 30, 49. »Es war nicht meine Wahl«, sagt Talbot in Schiller'…

  7. Spezial
    Wahl, des Schriftsystemsf

    Dt.-Russ. phil. Termini · +3 Parallelbelege

    Wahl , f des Schriftsystems выбор , м письменности

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wahl

505 Bildungen · 475 Erstglied · 26 Zweitglied · 4 Ableitungen

wahl‑ als Erstglied (30 von 475)

Wahlbier

SHW

Wahl-bier Band 6, Spalte 203-204

Wahlgang

SHW

Wahl-gang Band 6, Spalte 203-204

Wahlgesetz

SHW

Wahl-gesetz Band 6, Spalte 203-204

Wahlkreis

SHW

Wahl-kreis Band 6, Spalte 203-204

Wahllokal

SHW

Wahl-lokal Band 6, Spalte 203-204

Wahlplakat

SHW

Wahl-plakat Band 6, Spalte 203-204

Wahlrede

SHW

Wahl-rede Band 6, Spalte 203-204

Wahltag

SHW

Wahl-tag Band 6, Spalte 203-204

Wahlzettel

SHW

Wahl-zettel Band 6, Spalte 203-204

wahlabstimmung

DWB

wahl·abstimmung

wahlabstimmung , f. abstimmung, aus der eine wahl hervorgeht: das bisherige reichstagswahlverfahren zu verbessern und dadurch die geheimhalt…

wahlabtheilung

DWB

wahl·abtheilung

wahlabtheilung , f. bei klassenwahlen eine der ( meist drei ) klassen der urwähler: bestimmungen über die bei der bildung der wahlabtheilung…

Wahlältern

Campe

wahl·aeltern

Die Wahlältern , Ez. u. ein Mann und eine Frau, welche ein frem= des Kind wählen und an Kindes Statt aufnehmen und nun die Ältern desselben …

wahlagent

DWB

wahl·agent

wahlagent , m. wer bei der wahl zu gunsten einer bestimmten partei thätig ist: die landräthe ... fungieren als berufsmäszige wähler und wahl…

wahlagitation

DWB

wahl·agitation

wahlagitation , f. thätigkeit bei der wahl zu gunsten einer bestimmten partei: weil ... die mit jeder neuwahl nothwendig verbundenen wahlagi…

wahlagitator

DWB

wahl·agitator

wahlagitator , m. , dasselbe wie wahlagent mit dem nebensinn der aufreizung: dasz die steiger ... bei gelegenheit der wahlen ... im N'schen …

wahlahnherr

DWB

wahl·ahnherr

wahlahnherr , m. groszvater durch adoption: wenn ainer seinem sone, er sey natürlich oder ein walson, ain eenlen ( enkel ) welet; so erbt de…

wahlakt

DWB

wahl·akt

wahlakt , m. , dasselbe wie wahlhandlung. 1 1) psychologisch: was nun aber jenen wahlact des reinen ich betrifft, welcher die ganze richtung…

wahlakte

DWB

wahl·akte

wahlakte , f. urkunde, amtlicher bericht über eine wahl: wahl-instrument, wahl-document oder wahl-acte. Zedler univ. lex. 52, 818 . meist im…

wahlamt

DWB

wahl·amt

wahlamt , n. durch wahl zu erlangendes oder erlangtes amt: munus ad quod aliquis electus est. Nieremberger ; charge élective. Rondeau ; dasz…

wahlanfechtung

DWB

wahl·anfechtung

wahlanfechtung , f. der antrag, eine wahl für ungiltig zu erklären: wahlanfechtungen und von seiten eines reichstagsmitgliedes erhobene eins…

wahlangelegenheit

DWB

wahl·angelegenheit

wahlangelegenheit , f. , meist im plur., die wahl betreffende dinge: die wahlberechtigten haben das recht, zum betrieb der den reichstag bet…

wahlangst

DWB

wahl·angst

wahlangst , f. , meist im plur., besorgnis wegen des ausfalls der wahl: wenn wir den geneigten leser mit einer ... schilderung der wahlnöthe…

wahlannahme

DWB

wahl·annahme

wahlannahme , f. : ob und wann der in diesem bezirk gewählte abgeordnete ... in betreff der wahlannahme befragt worden ist. stenogr. bericht…

wahlanordnung

DWB

wahl·anordnung

wahlanordnung , f. amtlicher erlasz, eine wahl vorzunehmen: sie ( die neuwahl ) findet genau zehn tage nach veröffentlichung der oberamtlich…

wahlanstand

DWB

wahl·anstand

wahlanstand , m. beanstandung einer wahl: wenn auch die mehrheit des reichstages ... souverän ist in der beurtheilung von wahlanständen. ste…

wahl als Zweitglied (26 von 26)

Damenwahl

RDWB1

Damenwahl f белый танец (а не "дамский выбор") идиом.

Aberwahl

DRW

aber·wahl

Aberwahl Reurecht wan ungnosse gottshusgüether ... kauffendt ... und der kauff ... fry mit hand und mund ohne einicherley geding und vorbeha…

Adelswahl

DRW

adel·s·wahl

Adelswahl Landtagswahl 1806 Gutzeit,Livl. I 27 Faksimile

Altermannwahl

DRW

altermann·wahl

Altermannwahl Wahl der Alterleute in der Gilde 1613 Stieda-Mettig 337 (nr. 38, 7) Faksimile Gutzeit,Livl. I 30 Faksimile Gutzeit,Livl. Nacht…

auswahl

DWB

aus·wahl

auswahl , m. delectus: die auswahl haben, treffen; eine prächtige auswahl von blumen; seinen fahnen folgte noch eine grosze anzahl freiwilli…

gnadenwahl

DWB

gnaden·wahl

gnadenwahl , f. , zunächst in dem besonderen sinne der prädestination ( electio ), der vorherbestimmung des menschen zur seligkeit oder verd…

Pastoratwahl

DRW

pastorat·wahl

Pastoratwahl, f. Wahl eines protestantischen Pastors durch die Kirchengemeinde als uns die saͤmtliche eingesessene unsers kirchspiels M. ...…

Predigerwahl

DRW

prediger·wahl

Predigerwahl, f. die Wahl eines Predigers (II) durch die dazu berufenen Gremien oder Personen vgl. Priesterwahl das eurer meinung nach aller…

priesterwahl

DWB

priester·wahl

priesterwahl , f. erwählung eines priesters: wie schön man aber uberal heut bei euch halt die priesterwal, das gibt heut die erfahrung wol, …

Rathswahl

Adelung

rath·s·wahl

Die Rathswahl , plur. die -en, die feyerliche Wahl der neuen Mitglieder eines Raths-Collegii, und besonders des Stadtrathes.

ratswahl

DWB

rat·s·wahl

ratswahl , f. electio senatorum. Frisch 2, 89 c .

Richterwahl

DRW

richter·wahl

Richterwahl, f. Wahl eines Richters (II) richterwal zu T. 1582 VeröfflSteierm. 25 S. 71 haben die von stätten und märkten ... beklagt, dass …

Ritterwahl

DRW

ritter·wahl

Ritterwahl, f. Bestimmen und Ernennen der Mitglieder eines Ritterordens (I) in der vierten ... versammlung [des Ritterordens zum Goldenen Vl…

Schulmeisterswahl

DRW

schulmeister·s·wahl

Schulmeisterswahl, f. Abstimmung über die Berufung eines Schulmeisters (I) daß sie ... bey der bevorstehenden schulmeisters wahl ... aus den…

Schöffenwahl

DRW

schöffe·n·wahl

Schöffenwahl, f. wie Schöffenkür (I) das die furstliche oberkeit ... alsdann, so der scheffenstuel einer ledig ... wurde, denselben H.S. unv…

Selbstwahl

DRW

selbst·wahl

Selbstwahl, Selbwahl, f. I eigene Entscheidung, freies Ermessen bdv.: Selbsühne abir die bruodra die sun ratin mit allir undirteinigi dir di…

Sodmeisterwahl

DRW

sodmeister·wahl

Sodmeisterwahl, f. Wahl des Sodmeisters (II) wegen der sodmeisterwahl dahin verordnet, daß nur der abt zu St. Michel in Luͤneburg dabei zuge…

Stimmenwahl

DRW

stimmen·wahl

Stimmenwahl, f. auch Stimm- I Wahlstimme etlich fürsten gaben ir stimwal dem ... hertzogen von Sachsen, vnd das warendt die minderen stimmen…

Utwahl

MeckWBN

Wossidia Utwahl f. Auswahl Müll. Reut. 151 a .

wolf(s)wahl

DWB

wolfs·wahl

-wahl , f. , bildlich für wahl zwischen gleich groszen übeln: Murner narrenbeschwörung 324 Spanier. —

Ältestenwahl

DRW

Ältestenwahl Wahl eines Ältesten 1770 Gutzeit,Livl. Nachtr. I 30

Ableitungen von wahl (4 von 4)

Mißwahl

Campe

Die Mißwahl , Mz. — en , eine schlechte, üble, wie auch nachtheilige Wahl.

urwahl

DWB

urwahl , f. , wahl ( s. d. II 1 m) mit ur- C 4 c. erst seit einführung des parlamentarischen systems entstanden und von der mitte des 19. jh…

verwahlen

PfWB

 ver-wahlen schw. : ' auswählen ', verwahle [ Don-Schowe Torscha ]. Die Spielpartner für zwei gegeneinander antretende Parteien werden durc…

wahle

DWB

wahle , m. Romane, Italiener, Franzose. der volksthümliche name, den der Germane seinen südlichen und westlichen nachbarn gegeben hat, vgl. …

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Cotta, M. (2026). „wahl". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wahl/dwb?formid=W01960
MLA
Cotta, Marcel. „wahl". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wahl/dwb?formid=W01960. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wahl". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wahl/dwb?formid=W01960.
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