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wahle

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wahle m.

Bd. 27, Sp. 544
wahle, m. Romane, Italiener, Franzose. der volksthümliche name, den der Germane seinen südlichen und westlichen nachbarn gegeben hat, vgl. die ableitung wälsch. 11) das wort bezeichnet ursprünglich den Kelten und geht auf den keltischen volksstamm der Volcae zurück, die ihre sitze ursprünglich in Mitteldeutschland hatten. Müllenhoff d. altertumskunde 2, 279 f. der name musz sich schon vor der ersten lautverschiebung bei den Germanen festgesetzt haben, zunächst zur bezeichnung der Kelten, dann der romanisierten Kelten und überhaupt der Romanen. bei den Goten läszt sich das wort nicht nachweisen, musz aber bestanden haben, da nur sie es den Slaven übermittelt haben können, die es auf die Romanen an der unteren Donau (Wallachen) übertrugen; später ist aslav. Vlachŭ, russ. Volochŭ, czech. Vlach, poln. Wloch Romane, Italiener. in Skandinavien wurden unter den Valir hauptsächlich die bewohner des nördlichen Frankreichs verstanden, daneben auch die keltischen bewohner Englands Fritzner 3, 846, während bei den Angelsachsen Wealh, plur. Wealas speciell den Britten bezeichnet (daraus erklärt sich auch die bedeutung 'sklave'), nur vereinzelt (in der zusammensetzung Galwalas) den Gallier oder den Römer Bosworth-Toller 1173. im deutschen geht Walh, Walah, plur. Walahâ ausschlieszlich auf die Romanen oder die bewohner romanischer länder. schon im 6. jahrh. wurden bei den Franken die Ostgoten in Italien als Walagoti bezeichnet; walaleodi hiesz bei ihnen nach der glosse zur lex sal. 41, 3 das wergeld für einen Romanen. im oberen Deutschland haftete der name zunächst an den zurückgebliebenen romanischen volksbestandtheilen und findet sich deshalb vielfach in ortsnamen: im 8. jahrh. die orte Trûnwalha, Strâzwalaha, Walahowis bei Salzburg, ferner der Walchensee (925 Walahse) und der ort Walgau (753 Walhogôi) in Baiern, der Wallgau in Vorarlberg, dessen bewohner nach Schmeller 22, 905 noch jetzt bei ihren nachbarn Wallen heiszen, der Walensee und Walenstadt in der Schweiz, besonders auch die Kurwahlen (Curowalaha im 9. jahrh.) in Graubünden. auch weiter nördlich kommen ortsnamen wie Wahlen (Walahom im Elsasz in den trad. Wiz. v. j. 774), Wahlheim u. s. w. nicht selten vor. daneben werden auch die auswärtigen Romanen Wahlen genannt: in dem geographischen abschnitt der Wessobrunner hs. aus dem 8. jahrh. (Germ. 2, 92) wird Gallia durch Walholant gegeben und in den gesprächen der glossae Casselanae heiszt es: tole sint Walhâ (Romani), spâhe sint Peigirâ; luzîc ist spâhî in Walhum (in romana), mêra hapênt tolaheiti denne spâhî. 22) im mhd. und nhd. hat die form und flexion des wortes veränderungen erfahren. das ursprüngliche ist Walch, gen. Walhes, plur. Walhe. aus Walch hat sich die form Walich entwickelt, die besonders im bair. vorkommt: bei Thomasin (s. u.), Enikel, Suchenwirt 40, 140 und noch im 15. jahrh. im ital.-deutschen sprachbuch, der Wolich Bayerns mundarten 2, 411a, die Walich 435b, und in den Nürnberger chroniken, städtechr. 10, 190, 16 (genant pruder Johanes de Kapostreno und was ein Walich); auch bei Königshofen städtechr. 9, 675, 19 (Johans von Lyne oder von Lützelnburg ein Walich), s. auch unten 3, b bei Diefenbach. die form Walch hat sich bis ins 16. jahrh. erhalten, besonders bei Oberdeutschen: dem Walch ist verratenschaft lieb, aber den verräter hat er als ain dieb. Vintler pluemen der tugent 3748 Zingerle; du ellender, lusiger Walch! schweiz. schausp. 2, 299, 4785; daʒ du ... nit diegest wie gynner Walch that, der uff alle frage antwurt: nit verston, nit verston. Murner geuchm. s. 43 Uhl; wol verstan, spricht der Walch. Hans Sachs 22, 22, 28 Keller-Götze (dialogus von einem korherren); wie jener Walch von der Teutschen gentelitz und höfligkeit saget. Mathesius hochzeitpr. 146, 12 Lösche, s. auch unten die stellen aus Pauli, Aventin und S. Franck. das ch erscheint sogar inlautend bei angetretener endung: gmeinlich ist es der Walchen sag, als ich gehört hab manchen tag: der Tütsch kein acht des endts nit hab, bisz das geschehen ist der schad. Gengenbach 1, 8 Gödeke; andre belege s. 3, a. b. schlieszlich hat aber die form ohne ch die oberhand gewonnen. das h der flectierten formen ist nämlich wie im nd. (Wale), so auch im md. frühzeitig verstummt. Ebernand v. Erfurt bedient sich im plur. der form die Wal: sô sint vil neckisch die Wal (: zal). 2952; sie wâren verre dar gevarn, beide Wendisch unde Wal: dâr was volkes âne zal. 4335. von einflusz war auch der wechsel der flexion; nach dem muster andrer volksnamen wie Franke, Sachse, Winde geht Walch seit dem 13. jahrh. zur schwachen flexion über: dem Franzois noch dem Walhen. jüng. Tit. 5973; als wêning verstân als ein Tiutscher einen Walhen. Grieshaber denkm. 40; welche aber sich hungerten, sam die Walhen pflegent. K. v. Megenberg 112, 13. md. im plur. die Walen Berthold v. Holle Crane 626. Stolle chronik 43. 111. im 16. jahrh. ist die starke flexion (die Vintler, s. o., noch hat) ganz verdrängt; der nom. sing. ist mehrdeutig, da das e abgeworfen sein kann. hier dringt die form Wal (auch Walh, Wahl geschrieben) oder Wale immer mehr vor, auch bei Oberdeutschen. Luther hat meist Wahle, was sich später festsetzt. eine eigenthümliche nebenform ist die Wallen, bei Alemannen kann die schreibung einfach auf die erhaltung der kürze hindeuten, sonst wird wol eine etymologische umbildung angenommen werden müssen: Wallen, das bedeut so viel als auslender oder wandersleut. Albinus meysnische chronica 39. in gedichten öfters im reim: die Türken und die Wallen triben do ritterschaft (bei Regensburg), si musten aber fallen. Liliencron hist. volksl. 3, 328, 7 (1519); s. auch unten 3, a die stelle aus Rollenhagen. 33) im mhd. und noch im 16. jahrh. steht das wort ganz gewöhnlich für den Romanen, allerdings vorwiegend für den Italiener, das aber hauptsächlich nur deshalb, weil die beziehungen zwischen Deutschland und Italien damals engere waren, als die zwischen Deutschland und Frankreich und ein reger handelsverkehr bestand; auch mag in betracht kommen, dasz für den Franzosen sich die der fremden sprache entnommene bezeichnung früher festgesetzt hat als für den Italiener. oft wird in denselben quellen Wahle sowol von Italienern als Franzosen gebraucht (s. unten die belege aus Closener, Meisterlin, Murner, Aventin, Livius bei Rihel). 3@aa) ob ich an der tiusche missespriche, eʒ ensol niht dunken wunderliche, wan ich vil gar ein Walich bin ... ich bin von Frîûle geborn. Thomasin wälscher gast 69; ûf mînen sanc ahtent hie (in Italien) die Walhe nicht: sô wol dir, diutschiu zunge! Neidhart 11, 21; Ludewig Arnolphes sun richsete 6 jor. hie kummet daʒ rich us den Frantzosen und komet an die Walhen zuo Ytalia und an die Tütschen. Closeners Straszburger chronik, städtechr. 8, 34, 20; von des wegen ward er (Friedrich) von den Walhen genant Barbarossa, wann er het einen roten schönen bart. Meisterlins Nürnberger chron., städtechr. 3, 94, 10; ain legat vom babst ... ain Walch, und was ain bischof von Baffia. Mülichs Augsburger chron., städtechr. 22, 121, 17; ain kauffman zuo Ulm ... der bracht Walchen heraus von Rom und lies sie zuo Ulm tuoch machen auff die welsch art. Rems Augsburger chronik, städtechr. 25, 24, 5; ain sturm si do (die landsknechte vor Verona) verloren, den andern lefen si an, thet manchem Walchen zoren, die landsknecht hetten ain freud dran; da sach man kain verzagten knaben, die Walchen lernten springen zu Bern an ainem graben. Liliencron hist. volksl. 3, 185, 9; wann der Wal und der Frantzosz uns (Deutsche) an weren sicht so blosz und so klein gehorsamkeit. Murner narrenbeschw. 92, 68; da ist ynn dem capitel beschrieben und angezeigt fast der gang, den da gehabt haben die zwey völcker (Israel und Edom), wie ytzt möcht sein zwisschen Deudschen und Walen, haben sich wünderlich geschlagen. Luther 24, 477, 20 Weim. ausg.; itzt noch weil die Venediger und Wahlen sich wider den keiser setzen. 3, 324a Jen. ausg.; ein sun, den nent si (Elisabeth) nach dem vater Chunrad, die Walhen haissen in Chunradinum. Aventin 5, 378, 6 Lexer; hüet dich vor aim roten Walhen, weiszen Franzosen, schwarzen Teutschen. Seb. Franck bei Schmeller2 2, 904; das buch vom antichrist, welchs er (Luther) wider den Wahlen Catharinum schreibet. Mathesius historie d. Luthers 70, 25 Lösche; wer hat ein adelicher auffrichtiger gemüth als der Teutsche? wer ist klüger als der Wahl? ehrgeitziger zum sieg und überwindung des feindts als der Frantzosz? Fronsperger kriegsb. 3, 184a; die Wahlen in (den tharant) spineta nennen. Waldis Esopus 2, 95, 5 Kurz. auch von den bewohnern des alten Italiens, den Römern: iederman floch der haubtstat zue, so wir Regenspurg nennen, bei den Walhen Augusta Tiberii hies. Aventin 5, 12, 32 Lexer; es war aber da eyn grosze menge verlauffner und abtrünniger Walen (Italici). Livius bei Rihel 421; keiser Augustus kam dahär und bracht die Walen mit im dar, das römisch volck und den senat. Virgils Aeneis übers. v. Murner (1559) d 3b. ein deutscher Wahle 'ein in Italien lebender Deutscher': ein tütscher Walch. Pauli schimpf u. ernst 232 Österley; ein teutscher Wahl ist ein lebendiger teufel. Luther tischr. 432a; denn alls ehemals die teutschen Wallen (die Langobarden) in Italiam eingefallen. froschmeuseler 3, 1, 14 (Ss 3b). in den frühnhd. glossaren steht Wahle meist für Italiener (doch s. auch unten b): Diefenbach gl. 310c, nov. gl. 223 Italicus, Wale, Wayle, Wail, Walch; Walch, Italus. voc. inc. theut. C 2a; Walhe oder welschman, als ausz dem lande do Rom inne ligt, Italus, Italicus. voc. theut. (Nürnberg 1482) mm 8a; Walh, Italianer, Italus. Dasypodius 451c; Italus, ein Wahl, ein Welscher. Frischlin nomencl. (1594) 33; ein Italiener, Wahl oder Welscher. Zehner nomencl. (1622) 105. 3@bb) Urbanus ein Walch (natione Gallicus) was bobst 3 jor 9 monot und 3 tag. Closener, städtechr. 8, 26, 9; der (Gracianus) streit bi der stat zu Stroszeburg wider syn fyende und erschlug me danne 30 tusent Walhe (Gallicorum). 8, 30, 28; do quomen dy rethe beyder hern gebrudere wedder von Ache, dy do hatten geteydingt umme Lutczelnborg, und brochten mit on drissig Franczosen oder Walen. Stolle chronik 43; da die Swiczere vilen uff ore knye, das warn die Walen (Burgunder) ane sehe. 111; (Tiberius) füert sie (die Schwaben) an das gestat des Reins, dasz sie werten den französischen Walchen, genant Galli. Meisterlins Nürnberger chron., städtechr. 3, 40, 19; ich bin tout voster, spricht der Wal; der Tütsch kan das ouch über al. Murner narrenbeschw. 88, 3; das ü lautet mit zuosamen gezognern und engern lebtzen, dann das schlecht lateinisch u ... und diser laut ist der Walhen sprach gemain. Ickelsamer gramm. 127 Müller; kaiser Karl wär ein halber Walch und Franzos. Aventin 5, 129, 30 Lexer; man sagt, wie ein grosze männig der Wahlen (Gallorum) zu rosz und fusz dem Perseus zukäme. Livius bei Rihel 811. in den glossaren: Diefenbach gl. 256c Gallicus, Wale, Waell, Wallich, Walch; Walhe ausz dem lande zu Avion, Gallicus. voc. theut. (Nürnberg 1482) mm 8a; Wale, eyn walsch mynsch, Gallicus. teuthonista 303. besonders haben die Niederländer ihre französischen landsgenossen, die Wallonen, Luiker Walen oder schlechtweg Walen genannt, ein ausdruck, der noch jetzt haftet: die Walen, die an Franckreich gräntzende Niederländer. Ludwig 2373; da kamen die Lütticher Wahlen heraus, wollten ihn (Mannsfeld) auch vexieren. Opel u. Cohn 30jähr. krieg 155, 13. 3@cc) Wahle als Spanier ist begreiflicherweise selten: der eine ist von Hispanje ein Walch. Tristan als mönch 2250 Paul. 44) im ganzen wird Wahle in der älteren sprache ohne üblen nebensinn gebraucht, obgleich sich hie und da doch eine leichte ironie einstellt, z. b. in der bekannten stelle bei Walther v. d. Vogelweide: ahî wie kristenlîche nû der bâbest lachet, swenne er sînen Walhen seit 'ich hânz alsô gemachet!' 34, 5. spott regt sich zuweilen über das unverständliche reden der Romanen oder ihr dem deutschen entgegengesetztes naturell: als ein Winde, Walch er kallet, swenn er von tiefer künste schallet. H. v. Trimberg renner 8694; sô sint vil neckisch die Wal: vil dicke uns daʒ noch wirret, daʒ er gistet unde kirret, daʒ der wagen an im hât. Ebernand v. Erfurt 2952. verschärft wird der nationale gegensatz im 16. jahrh., theils durch die kämpfe der reformatoren gegen die römische kirche, theils auch durch die politischen kämpfe Karls V. gegen Italiener und Franzosen, die man, gestützt auf die damals erschlossene kenntnis des deutschen alterthums, mit den uralten bestrebungen der Romanen in verbindung brachte, Deutschland unter ihr joch zu beugen. Wahle erscheint jetzt häufig mit schlechtem nebensinn, auf die treulosigkeit, tücke, den hochmut der Romanen wird angespielt: die alten Römer und Walhen sein alwegen abgesagt todfeind der Teutschen gewesen. Aventin 5, 127, 30 Lexer; der keyser ... gieng täglich (in Rom) inn ein bethausz an ein abgesondert heymlich ort, zu beten, desz nam ein untrewer Walch (sonst Römer) war, und ... wolt im nacher ... ein stück steyns auff den kopff lassen fallen. Seb. Franck teutscher nation chronic 110b; keyser Rudolf wiszt ausz den historien seiner vorfarn wol, dasz nichts bestendigs und trewes in Italia bei den Walchen were. 203a. besonders bei Luther: wir Deudschen hören nicht auff, dem bapst und seinen Wahlen zu glauben. 5, 75b; auch bitte ich ... mit trewen vermanen anzuhalten, das seine C. F. G. (churf. gnaden) den verzweivelten Wahlen nicht trauwe noch gleube, denn ir wisset zum teil, was sie für leute sind, wie sie uns Deudschen bisher gemeinet und noch meinen. 5, 116b; wolan, wir wissens fast wol, das die Wahlen uns Deudschen nicht für menschen, sondern für eitel hülsen oder schemen halten. 5, 227a; wir Deudschen haben noch ein füncklin ... von derselben alten tugent, nemlich das wir uns dennoch ein wenig schemen, und nicht gern lugener heissen, nicht dazu lachen, wie die Wahlen, und Griechen, oder ein schertz draus treiben. 6, 164a; gleich wie die Walen, sich selbs auch düncken lassen, sie sind allein menschen, alle welt eitel unmenschen, enten, oder meuse gegen sie. 8, 50b; bapst Clemens war ... gar tückisch, weil er ein Wahl und Florentiner war, derselben einer thut so viel als drey Wahlen. tischr. 237b; die keyser hatten ausz erfahrung befunden, dasz sich Italien von inen nicht wolte regieren lassen, denn die Wahlen können kein haupt leyden. 239a; als nu der vicarius zu ihm komen ist, hat er (Cajetan) sich freundlich erboten. aber wir gläuben den Walen nicht weiter, denn wir sehen. briefe 1, 160; ach gott, du schöpfer aller welt, lasz uns nit von der warheit tringen und umb die edle freiheit bringen, behüt uns vor der Wahlen joch! Liliencron hist. volksl. 4, 303, 103; so rath ich, dasz ir trawet nicht der falschen Wahlen trug und list. 304, 139. 55) Wahle tritt allmählich hinter das substantivierte adj. Wälscher zurück. im 16. jahrh. überwiegt noch das alte subst., doch kommt Wälscher daneben vor. so heiszt es z. b. in dem oben erwähnten lied auf die belagerung von Verona von 1516, wo sonst Wahle gebraucht ist, doch auch: und schlugen hinter sich zurück etlich tausent Wälsch zu tod. Liliencron hist. volksl. 3, 185, 12. beide ausdrücke verbunden oder mit einander wechselnd: wie die Walen oder Welschen sagen, male quæsit male perdit. Schade satiren 2, 267, 29; da hat ain welscher pfaff das sacrament in die pfarkirchen getragen ... und ist ain grosser hauff Wallen hinnach gefolget, da hat der pfaff das sacrament uff den selaltar gestelt, da send die Welschen all darnider knieet. S. Fischer ulmische chronik 153 Veesenmeyer. während Frischlin und Zehner (s. oben 3, a) noch Italus durch Wahl neben Welscher geben, tritt sonst in den wörterbüchern des 17. jahrh. Wahle nicht mehr auf. Hulsius gibt im ital.-d. wb. 217a Italiano durch Italiener, Welscher, Krämer 983b durch Italiäner, Welscher, Dentzler 1, 365a Italus durch Italiäner, Welsch. doch kommt in der litteratur des 17. jahrh. das wort noch vor: als die Teutschen und Francken der Wahlen oder Gallier ... ihre kurtze röcklin oder manteeglin zu tragen anfiengen. Zincgref apophth. 14; weil ich aber so gar nichts antworten wolte, schöpffte sie den verdacht also bald auff mich, das ich ein Wahl oder Wählscher sein müste. Philander 2, 34; poma paradisi, oder wie die Wahlen reden, poma del Adamo. Schupp schr. 98; was Beza, was Marótt in reimen vor gethan, dem haben nachgefolgt mit ruhm' in ihren zungen der Spanier und der Wahl. Scherffer geistl. u. weltl. ged. 265. noch im 18. jahrh. bei Lessing: er sey ein Deutscher, oder ein Wahle, oder was er will, gewesen. 8, 318. dasz das wort auch in der volkssprache damals noch nicht ganz verschollen war, bezeugt Adelung, der es anführt als 'ein nur noch in einigen gegenden übliches wort, einen jeden ausländer und besonders einen Italiäner zu bezeichnen'. wieder aufgenommen hat es Jahn: er glaubt das grüne vom himmel, das blaue von der erde, was die eingelogensten der Wälschen, Walen, Wenden und Irren ihm weisz machen. merke xiv; Mazarin, ein ... lug- und trug-meister, ein wälscher Wahl. 234. 66) im volksmund bezeichnete das wort namentlich gewisse klassen von Italienern, die viel in Deutschland gesehen wurden. 6@aa) Wahle als goldfinder, erzsucher: schickten obgenantem künig Synpol etlich künstlich Walhen heraus, die sich auf dem golt verstuenden und dasselbig schaiden kunten, kauften und verfüerten, nachdem die Teutschen mit solchen noch nit umb wisten zue gên. Aventin 4, 481, 11 Lexer; der Walhen sunst vil im lannd umbfaren, thuen all perg und teler durchstreichen, ob sy was kostlichs möchten erschleichen. Rösch v. Geroldshausen Tiroler landreim 916 Fischnaler; die alten Wahlen, so vormahls im gebirge ertzgänge gesuchet. Lehmann Ober - Erzgebirge (1699) 625; so werden diejenigen Italiäner, oder auch fremde überhaupt, welche in gebirgigen gegenden erzhaltigc steine und sand aufsuchen sollen, noch von dem groszen haufen Wahlen genannt. Adelung; im Fichtelgebirg denkt man sich unter dem namen Walhen vorzugsweise venetianische bergleute, wie sie ehmals in den gebirgen herumzogen, um edle metalle zu suchen. Schmeller2 2, 905. hierher gehört es wol auch, wenn Fischart neben andren berufen aufführt: wahlen, schadgründer (in der ausgabe von 1572 schatzgründer 15 neudr.), unglückfinder, hawer. groszm. 621 Scheible. 6@bb) Wahle als krämer, hausierer: dasz man wol ouch in deren kromer und kouflüten hüser schiken möcht, die den Walhen imber und safran ain guldins türer um klain gelt, dan um grosz gelt gabend und also vil guots mit dem klainen gelt gewönnind. J. v. Watt hist. schriften 3, 245, 41 Götzinger; dasz in den dörfern, so nicht eigen wochenmärkt von alters gehabt, den Wahlen oder frembden auszländischen krämern ... wullin tuch ... feil zu haben ... verbotten. desz hertzogthumbs Würtemberg gemeine lands-ordnungen (1650) 131. vgl. Walisch 'italienischer krämer'. Schmeller2 2, 905.
18976 Zeichen · 365 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wahle

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Wahle , des -n, plur. die -n, ein nur noch in einigen Gegenden übliches Wort, einen jeden Ausländer und besonders ei…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Wahle

    Goethe-Wörterbuch

    Wahle [bisher nicht publizierter Wortartikel]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wahle

29 Bildungen · 29 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

wahle‑ als Erstglied (29 von 29)

wahleiche

DWB

wahl·eiche

wahleiche , f. 1 1) die steineiche. Nemnich 5, 620 . der name bedeutet ' wälsche eiche ' ( vgl. walnusz ), da der baum nur im südlichen Euro…

wahleid

DWB

wahl·eid

wahleid , m. eid, den die wählenden vor einer wahl abzulegen haben. Zedler univ. lex. 52, 817 . bei der kaiserwahl: nachhero aber spricht di…

wahleigen

DWB

wahle·igen

wahleigen , adj. freiwillig einem herrn unterworfen: wahleigen, freyeigen, dedititius, wahleigenes volk, gens dedititia. Stieler 25 .

wahleigensinn

DWB

wahleigen·sinn

wahleigensinn , m. starres beharren bei einer getroffenen wahl: das mädchen aber wollte Casparn oder keinen. dergleichen wahleigensinn, soll…

wahleinflusz

DWB

wahl·einflusz

wahleinflusz , m. einflusz auf die wahl: das unterhaus ist in der that die elite der gentry unter wahleinflusz der mittelstände. Gneist engl…

wahleinrichtung

DWB

wahle·inrichtung

wahleinrichtung , f. : in allen ( diesen staaten ) hatten die den freunden der revolution so wohlgefälligen wahleinrichtungen statt gefunden…

wahleinsprache

DWB

wahle·insprache

wahleinsprache , f. einwendung gegen die giltigkeit der wahl: eine prüfung und anerkennung der wahlakte aller mitglieder ( des rates ) ... s…

wahleinwirkung

DWB

wahl·einwirkung

wahleinwirkung , f. : denn ich bin auch der meinung und ansicht der nothwendigkeit der freien wahlen, und ich verwahre meine politischen fre…

Wahle, Jul

DWBQVZ

wahle·jul

--- das Weimarer hoftheater unter Goethes leitung. Weimar 1892. (= schriften d. Goethegesellschaft 6). ---

wahleltern

DWB

wahl·eltern

wahleltern , plur. ein ehepar, das fremde kinder an kindesstatt annimmt, adoptiert ( vgl. wahlkind): adoptatores Stieler 36 . Zedler univ. l…

Wahlenberg

Meyers

wahlen·berg

Wahlenberg , Georg , Naturforscher, geb. 1. Okt. 1780 auf dem Eisenwerk Skarphyttan in Wermland, gest. 22. März 1851 in Upsala, studierte Me…

wahlenbuch

DWB

wahlen·buch

wahlenbuch , n. aufzeichnungen von Italienern, namentlich von Venetianern, über die vorkommnisse von gold- und silbererzen in den deutschen …

wahlenfahrt

DWB

wahlen·fahrt

wahlenfahrt , f. fahrt nach Italien: kurzlîch mit rât daʒ vunden wart, daʒ er ( der kaiser ) ein teil lenger schübe die Walhenvart unt besæh…

wahlenkel

DWB

wahl·enkel

wahlenkel , m. enkel durch wahl, nicht durch geburt, vgl. wahlkind : denn das verdienst hatte einen reichen und vornehmen wahl- und adoptivg…

wahlenland

DWB

wahlen·land

wahlenland , wahlland , n. wälschland, Italien, Frankreich. auch im älteren nd. Waalland brem. wb. 5, 173. a a) sô hât man den von Kölne zuo…

wahlenthaltung

DWB

wahl·enthaltung

wahlenthaltung , f. das nichtausüben des wahlrechts: dasz die wähler sich von der wahl ferne hielten und sich sagten: was nützt jetzt ... di…

wahlentscheidung

DWB

wahl·entscheidung

wahlentscheidung , f. 1 1) die durch eine wahl getroffene entscheidung. philosophisch: obgleich nun thier und mensch mit gleicher nothwendig…

wahlerbe

DWB

wahl·erbe

wahlerbe , m. 1 1) dasselbe wie kürerbe ( s. theil 5, 2804), der das recht hat, entweder das väterliche gut oder den theil des geldes, auf d…

wahlerbittung

DWB

wahl·erbittung

wahlerbittung , f. annahme an kindesstatt, arrogatio: durch keyserliche macht kan einer zu kinder wehlen die jenigen ... die ihres eygenes g…

wahlerfolg

DWB

wahl·erfolg

wahlerfolg , m. der erfolg, den eine partei durch das gewähltwerden ihrer candidaten erringt: dasz der wahlerfolg das werk der behörden war.…

wahlergebnis

DWB

wahl·ergebnis

wahlergebnis , n. : als Böhneler am morgen des wahltages erwachte, überschlug er noch einmal alle möglichkeiten, rechnete, um welche zeit er…

wahlerklärung

DWB

wahl·erklaerung

wahlerklärung , f. erklärung über die getroffene wahl. juristisch: wenn die wahlberechtigte partei aus mehreren personen bestehe, so ergebe …

wahlerlasz

DWB

wahl·erlasz

wahlerlasz , m. auf die vorzunehmenden wahlen bezügliche amtliche bekanntmachung: männer wie graf Schwerin wurden von strebsamen jugendliche…

wahleröffnung

DWB

wahl·eroeffnung

wahleröffnung , f. : das wahlprotokoll ... war verloren und wurde nicht zur rechten zeit zu dem termine der wahleröffnung mitgetheilt. steno…

Wahlershausen

Meyers

Wahlershausen , früher selbständiger Ort, 1906 in Kassel eingemeindet.

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „wahle". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wahle/dwb?formid=W02066
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Cotta, Marcel. „wahle". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wahle/dwb?formid=W02066. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wahle". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wahle/dwb?formid=W02066.
BibTeX
@misc{lautwandel_wahle_2026,
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