wahle,
m. Romane, Italiener, Franzose. der volksthümliche name, den der Germane seinen südlichen und westlichen nachbarn gegeben hat, vgl. die ableitung wälsch. 11)
das wort bezeichnet ursprünglich den Kelten und geht auf den keltischen volksstamm der Volcae
zurück, die ihre sitze ursprünglich in Mitteldeutschland hatten. Müllenhoff
d. altertumskunde 2, 279
f. der name musz sich schon vor der ersten lautverschiebung bei den Germanen festgesetzt haben, zunächst zur bezeichnung der Kelten, dann der romanisierten Kelten und überhaupt der Romanen. bei den Goten läszt sich das wort nicht nachweisen, musz aber bestanden haben, da nur sie es den Slaven übermittelt haben können, die es auf die Romanen an der unteren Donau (Wallachen)
übertrugen; später ist aslav. Vlachŭ,
russ. Volochŭ,
czech. Vlach,
poln. Wloch
Romane, Italiener. in Skandinavien wurden unter den Valir
hauptsächlich die bewohner des nördlichen Frankreichs verstanden, daneben auch die keltischen bewohner Englands Fritzner 3, 846,
während bei den Angelsachsen Wealh,
plur. Wealas
speciell den Britten bezeichnet (
daraus erklärt sich auch die bedeutung '
sklave'),
nur vereinzelt (
in der zusammensetzung Galwalas)
den Gallier oder den Römer Bosworth-Toller 1173.
im deutschen geht Walh, Walah,
plur. Walahâ
ausschlieszlich auf die Romanen oder die bewohner romanischer länder. schon im 6.
jahrh. wurden bei den Franken die Ostgoten in Italien als Walagoti
bezeichnet; walaleodi
hiesz bei ihnen nach der glosse zur lex sal. 41, 3
das wergeld für einen Romanen. im oberen Deutschland haftete der name zunächst an den zurückgebliebenen romanischen volksbestandtheilen und findet sich deshalb vielfach in ortsnamen: im 8.
jahrh. die orte Trûnwalha, Strâzwalaha, Walahowis
bei Salzburg, ferner der Walchensee (925 Walahse)
und der ort Walgau (753 Walhogôi)
in Baiern, der Wallgau
in Vorarlberg, dessen bewohner nach Schmeller 2
2, 905
noch jetzt bei ihren nachbarn Wallen
heiszen, der Walensee
und Walenstadt
in der Schweiz, besonders auch die Kurwahlen (Curowalaha
im 9.
jahrh.)
in Graubünden. auch weiter nördlich kommen ortsnamen wie Wahlen (Walahom
im Elsasz in den trad. Wiz. v. j. 774), Wahlheim
u. s. w. nicht selten vor. daneben werden auch die auswärtigen Romanen Wahlen
genannt: in dem geographischen abschnitt der Wessobrunner hs. aus dem 8.
jahrh. (
Germ. 2, 92)
wird Gallia
durch Walholant
gegeben und in den gesprächen der glossae Casselanae heiszt es: tole sint Walhâ (
Romani), spâhe sint Peigirâ; luzîc ist spâhî in Walhum (
in romana), mêra hapênt tolaheiti denne spâhî. 22)
im mhd. und nhd. hat die form und flexion des wortes veränderungen erfahren. das ursprüngliche ist Walch,
gen. Walhes,
plur. Walhe.
aus Walch
hat sich die form Walich
entwickelt, die besonders im bair. vorkommt: bei Thomasin (
s. u.), Enikel, Suchenwirt 40, 140
und noch im 15.
jahrh. im ital.-deutschen sprachbuch, der Wolich
Bayerns mundarten 2, 411
a, die Walich 435
b,
und in den Nürnberger chroniken, städtechr. 10, 190, 16 (genant pruder Johanes de Kapostreno und was ein Walich);
auch bei Königshofen
städtechr. 9, 675, 19 (Johans von Lyne oder von Lützelnburg ein Walich),
s. auch unten 3,
b bei Diefenbach.
die form Walch
hat sich bis ins 16.
jahrh. erhalten, besonders bei Oberdeutschen: dem Walch ist verratenschaft lieb, aber den verräter hat er als ain dieb. Vintler
pluemen der tugent 3748
Zingerle; du ellender, lusiger Walch!
schweiz. schausp. 2, 299, 4785; daʒ du ... nit diegest wie gynner Walch that, der uff alle frage antwurt: nit verston, nit verston. Murner
geuchm. s. 43
Uhl; wol verstan, spricht der Walch. Hans Sachs 22, 22, 28
Keller-Götze (
dialogus von einem korherren); wie jener Walch von der Teutschen gentelitz und höfligkeit saget. Mathesius
hochzeitpr. 146, 12
Lösche, s. auch unten die stellen aus Pauli, Aventin
und S. Franck.
das ch
erscheint sogar inlautend bei angetretener endung: gmeinlich ist es der Walchen sag, als ich gehört hab manchen tag: der Tütsch kein acht des endts nit hab, bisz das geschehen ist der schad. Gengenbach 1, 8
Gödeke; andre belege s. 3,
a. b. schlieszlich hat aber die form ohne ch
die oberhand gewonnen. das h
der flectierten formen ist nämlich wie im nd. (Wale),
so auch im md. frühzeitig verstummt. Ebernand v. Erfurt
bedient sich im plur. der form die Wal: sô sint vil neckisch die Wal (: zal). 2952; sie wâren verre dar gevarn, beide Wendisch unde Wal: dâr was volkes âne zal. 4335.
von einflusz war auch der wechsel der flexion; nach dem muster andrer volksnamen wie Franke, Sachse, Winde
geht Walch
seit dem 13.
jahrh. zur schwachen flexion über: dem Franzois noch dem Walhen.
jüng. Tit. 5973; als wêning verstân als ein Tiutscher einen Walhen. Grieshaber
denkm. 40; welche aber sich hungerten, sam die Walhen pflegent. K. v. Megenberg 112, 13.
md. im plur. die Walen Berthold v. Holle
Crane 626. Stolle
chronik 43. 111.
im 16.
jahrh. ist die starke flexion (
die Vintler,
s. o., noch hat)
ganz verdrängt; der nom. sing. ist mehrdeutig, da das e
abgeworfen sein kann. hier dringt die form Wal (
auch Walh, Wahl
geschrieben)
oder Wale
immer mehr vor, auch bei Oberdeutschen. Luther
hat meist Wahle,
was sich später festsetzt. eine eigenthümliche nebenform ist die Wallen,
bei Alemannen kann die schreibung einfach auf die erhaltung der kürze hindeuten, sonst wird wol eine etymologische umbildung angenommen werden müssen: Wallen, das bedeut so viel als auslender oder wandersleut. Albinus
meysnische chronica 39.
in gedichten öfters im reim: die Türken und die Wallen triben do ritterschaft (
bei Regensburg), si musten aber fallen. Liliencron
hist. volksl. 3, 328, 7 (1519);
s. auch unten 3,
a die stelle aus Rollenhagen. 33)
im mhd. und noch im 16.
jahrh. steht das wort ganz gewöhnlich für den Romanen, allerdings vorwiegend für den Italiener, das aber hauptsächlich nur deshalb, weil die beziehungen zwischen Deutschland und Italien damals engere waren, als die zwischen Deutschland und Frankreich und ein reger handelsverkehr bestand; auch mag in betracht kommen, dasz für den Franzosen sich die der fremden sprache entnommene bezeichnung früher festgesetzt hat als für den Italiener. oft wird in denselben quellen Wahle
sowol von Italienern als Franzosen gebraucht (
s. unten die belege aus Closener, Meisterlin, Murner, Aventin,
Livius bei Rihel). 3@aa) ob ich an der tiusche missespriche, eʒ ensol niht dunken wunderliche, wan ich vil gar ein Walich bin ... ich bin von Frîûle geborn. Thomasin
wälscher gast 69; ûf mînen sanc ahtent hie (
in Italien) die Walhe nicht: sô wol dir, diutschiu zunge! Neidhart 11, 21; Ludewig Arnolphes sun richsete 6 jor. hie kummet daʒ rich us den Frantzosen und komet an die Walhen zuo Ytalia und an die Tütschen. Closeners
Straszburger chronik, städtechr. 8, 34, 20; von des wegen ward er (
Friedrich) von den Walhen genant Barbarossa, wann er het einen roten schönen bart. Meisterlins
Nürnberger chron., städtechr. 3, 94, 10; ain legat vom babst ... ain Walch, und was ain bischof von Baffia. Mülichs
Augsburger chron., städtechr. 22, 121, 17; ain kauffman zuo Ulm ... der bracht Walchen heraus von Rom und lies sie zuo Ulm tuoch machen auff die welsch art. Rems
Augsburger chronik, städtechr. 25, 24, 5; ain sturm si do (
die landsknechte vor Verona) verloren, den andern lefen si an, thet manchem Walchen zoren, die landsknecht hetten ain freud dran; da sach man kain verzagten knaben, die Walchen lernten springen zu Bern an ainem graben. Liliencron
hist. volksl. 3, 185, 9; wann der Wal und der Frantzosz uns (
Deutsche) an weren sicht so blosz und so klein gehorsamkeit. Murner
narrenbeschw. 92, 68; da ist ynn dem capitel beschrieben und angezeigt fast der gang, den da gehabt haben die zwey völcker (
Israel und Edom), wie ytzt möcht sein zwisschen Deudschen und Walen, haben sich wünderlich geschlagen. Luther 24, 477, 20
Weim. ausg.; itzt noch weil die Venediger und Wahlen sich wider den keiser setzen. 3, 324
a Jen. ausg.; ein sun, den nent si (
Elisabeth) nach dem vater Chunrad, die Walhen haissen in Chunradinum. Aventin 5, 378, 6
Lexer; hüet dich vor aim roten Walhen, weiszen Franzosen, schwarzen Teutschen. Seb. Franck
bei Schmeller
2 2, 904; das buch vom antichrist, welchs er (
Luther) wider den Wahlen Catharinum schreibet. Mathesius
historie d. Luthers 70, 25
Lösche; wer hat ein adelicher auffrichtiger gemüth als der Teutsche? wer ist klüger als der Wahl? ehrgeitziger zum sieg und überwindung des feindts als der Frantzosz? Fronsperger
kriegsb. 3, 184
a; die Wahlen in (
den tharant) spineta nennen. Waldis
Esopus 2, 95, 5
Kurz. auch von den bewohnern des alten Italiens, den Römern: iederman floch der haubtstat zue, so wir Regenspurg nennen, bei den Walhen Augusta Tiberii hies. Aventin 5, 12, 32
Lexer; es war aber da eyn grosze menge verlauffner und abtrünniger Walen (
Italici).
Livius bei Rihel 421; keiser Augustus kam dahär und bracht die Walen mit im dar, das römisch volck und den senat.
Virgils Aeneis übers. v. Murner (1559) d 3
b. ein deutscher Wahle '
ein in Italien lebender Deutscher': ein tütscher Walch. Pauli
schimpf u. ernst 232
Österley; ein teutscher Wahl ist ein lebendiger teufel. Luther
tischr. 432
a; denn alls ehemals die teutschen Wallen (
die Langobarden) in Italiam eingefallen.
froschmeuseler 3, 1, 14 (Ss 3
b).
in den frühnhd. glossaren steht Wahle
meist für Italiener (
doch s. auch unten b): Diefenbach
gl. 310
c,
nov. gl. 223
Italicus, Wale, Wayle, Wail, Walch; Walch,
Italus. voc. inc. theut. C 2
a; Walhe oder welschman, als ausz dem lande do Rom inne ligt,
Italus, Italicus. voc. theut. (
Nürnberg 1482) mm 8
a; Walh, Italianer,
Italus. Dasypodius 451
c;
Italus, ein Wahl, ein Welscher. Frischlin
nomencl. (1594) 33; ein Italiener, Wahl oder Welscher. Zehner
nomencl. (1622) 105. 3@bb) Urbanus ein Walch (
natione Gallicus) was bobst 3 jor 9 monot und 3 tag. Closener,
städtechr. 8, 26, 9; der (
Gracianus) streit bi der stat zu Stroszeburg wider syn fyende und erschlug me danne 30 tusent Walhe (
Gallicorum). 8, 30, 28; do quomen dy rethe beyder hern gebrudere wedder von Ache, dy do hatten geteydingt umme Lutczelnborg, und brochten mit on drissig Franczosen oder Walen. Stolle
chronik 43; da die Swiczere vilen uff ore knye, das warn die Walen (
Burgunder) ane sehe. 111; (
Tiberius) füert sie (
die Schwaben) an das gestat des Reins, dasz sie werten den französischen Walchen, genant Galli. Meisterlins
Nürnberger chron., städtechr. 3, 40, 19; ich bin tout voster, spricht der Wal; der Tütsch kan das ouch über al. Murner
narrenbeschw. 88, 3; das ü lautet mit zuosamen gezognern und engern lebtzen, dann das schlecht lateinisch u ... und diser laut ist der Walhen sprach gemain. Ickelsamer
gramm. 127
Müller; kaiser Karl wär ein halber Walch und Franzos. Aventin 5, 129, 30
Lexer; man sagt, wie ein grosze männig der Wahlen (
Gallorum) zu rosz und fusz dem Perseus zukäme.
Livius bei Rihel 811.
in den glossaren: Diefenbach
gl. 256
c Gallicus, Wale, Waell, Wallich, Walch; Walhe ausz dem lande zu Avion,
Gallicus. voc. theut. (
Nürnberg 1482) mm 8
a; Wale, eyn walsch mynsch,
Gallicus. teuthonista 303.
besonders haben die Niederländer ihre französischen landsgenossen, die Wallonen, Luiker Walen
oder schlechtweg Walen
genannt, ein ausdruck, der noch jetzt haftet: die Walen, die an Franckreich gräntzende Niederländer. Ludwig 2373; da kamen die Lütticher Wahlen heraus, wollten ihn (
Mannsfeld) auch vexieren. Opel
u. Cohn
30jähr. krieg 155, 13. 3@cc) Wahle
als Spanier ist begreiflicherweise selten: der eine ist von Hispanje ein Walch.
Tristan als mönch 2250
Paul. 44)
im ganzen wird Wahle
in der älteren sprache ohne üblen nebensinn gebraucht, obgleich sich hie und da doch eine leichte ironie einstellt, z. b. in der bekannten stelle bei Walther v.
d. Vogelweide: ahî wie kristenlîche nû der bâbest lachet, swenne er sînen Walhen seit 'ich hânz alsô gemachet!' 34, 5.
spott regt sich zuweilen über das unverständliche reden der Romanen oder ihr dem deutschen entgegengesetztes naturell: als ein Winde, Walch er kallet, swenn er von tiefer künste schallet. H. v. Trimberg
renner 8694; sô sint vil neckisch die Wal: vil dicke uns daʒ noch wirret, daʒ er gistet unde kirret, daʒ der wagen an im hât. Ebernand v. Erfurt 2952.
verschärft wird der nationale gegensatz im 16.
jahrh., theils durch die kämpfe der reformatoren gegen die römische kirche, theils auch durch die politischen kämpfe Karls V. gegen Italiener und Franzosen, die man, gestützt auf die damals erschlossene kenntnis des deutschen alterthums, mit den uralten bestrebungen der Romanen in verbindung brachte, Deutschland unter ihr joch zu beugen. Wahle
erscheint jetzt häufig mit schlechtem nebensinn, auf die treulosigkeit, tücke, den hochmut der Romanen wird angespielt: die alten Römer und Walhen sein alwegen abgesagt todfeind der Teutschen gewesen. Aventin 5, 127, 30
Lexer; der keyser ... gieng täglich (
in Rom) inn ein bethausz an ein abgesondert heymlich ort, zu beten, desz nam ein untrewer Walch (
sonst Römer) war, und ... wolt im nacher ... ein stück steyns auff den kopff lassen fallen. Seb. Franck
teutscher nation chronic 110
b; keyser Rudolf wiszt ausz den historien seiner vorfarn wol, dasz nichts bestendigs und trewes in Italia bei den Walchen were. 203
a.
besonders bei Luther: wir Deudschen hören nicht auff, dem bapst und seinen Wahlen zu glauben. 5, 75
b; auch bitte ich ... mit trewen vermanen anzuhalten, das seine C.
F. G. (
churf. gnaden) den verzweivelten Wahlen nicht trauwe noch gleube, denn ir wisset zum teil, was sie für leute sind, wie sie uns Deudschen bisher gemeinet und noch meinen. 5, 116
b; wolan, wir wissens fast wol, das die Wahlen uns Deudschen nicht für menschen, sondern für eitel hülsen oder schemen halten. 5, 227
a; wir Deudschen haben noch ein füncklin ... von derselben alten tugent, nemlich das wir uns dennoch ein wenig schemen, und nicht gern lugener heissen, nicht dazu lachen, wie die Wahlen, und Griechen, oder ein schertz draus treiben. 6, 164
a; gleich wie die Walen, sich selbs auch düncken lassen, sie sind allein menschen, alle welt eitel unmenschen, enten, oder meuse gegen sie. 8, 50
b; bapst Clemens war ... gar tückisch, weil er ein Wahl und Florentiner war, derselben einer thut so viel als drey Wahlen.
tischr. 237
b; die keyser hatten ausz erfahrung befunden, dasz sich Italien von inen nicht wolte regieren lassen, denn die Wahlen können kein haupt leyden. 239
a; als nu der vicarius zu ihm komen ist, hat er (
Cajetan) sich freundlich erboten. aber wir gläuben den Walen nicht weiter, denn wir sehen.
briefe 1, 160; ach gott, du schöpfer aller welt, lasz uns nit von der warheit tringen und umb die edle freiheit bringen, behüt uns vor der Wahlen joch! Liliencron
hist. volksl. 4, 303, 103; so rath ich, dasz ir trawet nicht der falschen Wahlen trug und list. 304, 139. 55) Wahle
tritt allmählich hinter das substantivierte adj. Wälscher
zurück. im 16.
jahrh. überwiegt noch das alte subst., doch kommt Wälscher
daneben vor. so heiszt es z. b. in dem oben erwähnten lied auf die belagerung von Verona von 1516,
wo sonst Wahle
gebraucht ist, doch auch: und schlugen hinter sich zurück etlich tausent Wälsch zu tod. Liliencron
hist. volksl. 3, 185, 12.
beide ausdrücke verbunden oder mit einander wechselnd: wie die Walen oder Welschen sagen, male quæsit male perdit. Schade
satiren 2, 267, 29; da hat ain welscher pfaff das sacrament in die pfarkirchen getragen ... und ist ain grosser hauff Wallen hinnach gefolget, da hat der pfaff das sacrament uff den selaltar gestelt, da send die Welschen all darnider knieet. S.
Fischer ulmische chronik 153
Veesenmeyer. während Frischlin
und Zehner (
s. oben 3,
a)
noch Italus
durch Wahl
neben Welscher
geben, tritt sonst in den wörterbüchern des 17.
jahrh. Wahle
nicht mehr auf. Hulsius
gibt im ital.-d. wb. 217
a Italiano
durch Italiener, Welscher, Krämer 983
b durch Italiäner, Welscher, Dentzler 1, 365
a Italus
durch Italiäner, Welsch.
doch kommt in der litteratur des 17.
jahrh. das wort noch vor: als die Teutschen und Francken der Wahlen oder Gallier ... ihre kurtze röcklin oder manteeglin zu tragen anfiengen. Zincgref
apophth. 14; weil ich aber so gar nichts antworten wolte, schöpffte sie den verdacht also bald auff mich, das ich ein Wahl oder Wählscher sein müste. Philander 2, 34; poma paradisi, oder wie die Wahlen reden, poma del Adamo. Schupp
schr. 98; was Beza, was Marótt in reimen vor gethan, dem haben nachgefolgt mit ruhm' in ihren zungen der Spanier und der Wahl. Scherffer
geistl. u. weltl. ged. 265.
noch im 18.
jahrh. bei Lessing: er sey ein Deutscher, oder ein Wahle, oder was er will, gewesen. 8, 318.
dasz das wort auch in der volkssprache damals noch nicht ganz verschollen war, bezeugt Adelung,
der es anführt als '
ein nur noch in einigen gegenden übliches wort, einen jeden ausländer und besonders einen Italiäner zu bezeichnen'.
wieder aufgenommen hat es Jahn: er glaubt das grüne vom himmel, das blaue von der erde, was die eingelogensten der Wälschen, Walen, Wenden und Irren ihm weisz machen.
merke xiv; Mazarin, ein ... lug- und trug-meister, ein wälscher Wahl. 234. 66)
im volksmund bezeichnete das wort namentlich gewisse klassen von Italienern, die viel in Deutschland gesehen wurden. 6@aa) Wahle
als goldfinder, erzsucher: schickten obgenantem künig Synpol etlich künstlich Walhen heraus, die sich auf dem golt verstuenden und dasselbig schaiden kunten, kauften und verfüerten, nachdem die Teutschen mit solchen noch nit umb wisten zue gê
n. Aventin 4, 481, 11
Lexer; der Walhen sunst vil im lannd umbfaren, thuen all perg und teler durchstreichen, ob sy was kostlichs möchten erschleichen. Rösch v. Geroldshausen
Tiroler landreim 916
Fischnaler; die alten Wahlen, so vormahls im gebirge ertzgänge gesuchet. Lehmann
Ober - Erzgebirge (1699) 625; so werden diejenigen Italiäner, oder auch fremde überhaupt, welche in gebirgigen gegenden erzhaltigc steine und sand aufsuchen sollen, noch von dem groszen haufen Wahlen genannt. Adelung; im Fichtelgebirg denkt man sich unter dem namen Walhen vorzugsweise venetianische bergleute, wie sie ehmals in den gebirgen herumzogen, um edle metalle zu suchen. Schmeller
2 2, 905.
hierher gehört es wol auch, wenn Fischart
neben andren berufen aufführt: wahlen, schadgründer (
in der ausgabe von 1572 schatzgründer 15
neudr.), unglückfinder, hawer.
groszm. 621
Scheible. 6@bb) Wahle
als krämer, hausierer: dasz man wol ouch in deren kromer und kouflüten hüser schiken möcht, die den Walhen imber und safran ain guldins türer um klain gelt, dan um grosz gelt gabend und also vil guots mit dem klainen gelt gewönnind. J. v. Watt
hist. schriften 3, 245, 41
Götzinger; dasz in den dörfern, so nicht eigen wochenmärkt von alters gehabt, den Wahlen oder frembden auszländischen krämern ... wullin tuch ... feil zu haben ... verbotten.
desz hertzogthumbs Würtemberg gemeine lands-ordnungen (1650) 131.
vgl. Walisch '
italienischer krämer'. Schmeller
2 2, 905.