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wäg

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wäg adj.

Bd. 27, Sp. 337
wäg, wäge, adj. das übergewicht habend, vortheilhaft, gut. ein wort der älteren sprache, das auch im früheren nhd. und jetzt mundartlich in resten lebt, aber in die schriftsprache keine aufnahme gefunden hat. 11) das wort erscheint im mhd. als wæge, ahd. nur in der zusammensetzung unwage, vacua totius ponderis, bei Notker, Graff 1, 665. im altnord. entspricht vǽgr, das gleichgewicht habend Fritzner 3, 978, das wort erweist sich somit als alte germanische bildung; es ist von wage oder direct von der wurzel von wägen abgeleitet. als grundbeaeutung ist 'sich auf der wage neigend' anzusehen, woraus sich abgeleitete bedeutungen entwickelt haben; positiv, comparativ und superlativ schlagen dabei verschiedene wege ein. der positiv bedeutet im mhd.: 1@aa) von personen, sich wohin neigend, einer sache entgegen gehend: Gâwein, mîn ungemach lânt iuch erbarmen durch got, wan ir mich gar sunder spot vil wægen zuo dem tôde seht. H. v. d. Türlin krone 19524. häufiger geht es auf die willensrichtung nach einer seite hin: daʒ er sich an der stunde der einen schar underwunde — darzuo was er wæge — sô daʒ er ir phlæge mit lêre und mit huot. Ottokar österr. reimchr. 15577 Seemüller. mit dativ, als 'freundlich gesinnt, geneigt, günstig': swâ ein vriunt dem andern vriunde bî gestât mit ganzen triuwen gar ân alle missetât, dâ ist des vriundes helfe guot, dem er si willeclîche tuot, daʒ si gehellent under in. den mêret sich daʒ künne. swâ vriunde ein ander wæge sint, daʒ ist ein michel wünne. minnesangs frühling 24, 15; vil kûme beite Sîfritdaʒ man dâ gesanc. er möhte sînen sældenimmer sagen danc, daʒ im diu was sô wæge,die er im herzen truoc: ouch was er der schœnenholt von schulden genuoc. Nibel. 300, 3; des hât iuch lîht bewîst ein man, der an diser frist dem goteshûs niht wæg ist. Ottokar österr. reimchr. 26801 Seemüller. 1@bb) von sachen, mit persönlichem dativ, sich zu einem neigend, einem zugetheilt: diu minne stuont ze wette, sweder nider gelæge, dem wart der tôt wæge. H. v. Aue Erec 9111. häufiger macht sich die bedeutung 'gewichtig' geltend, woraus sich die von 'vortheilhaft, passend, günstig' entwickelt hat: sô wær mir niht sô wæge, sô daʒ ouch ich verphlæge aller êren als dû, sô lebete ich mit gemache nû. 1. büchl. 865; da begunde der tôre ahten, wâ er die naht gelæge. daʒ leger dûhte in wæge vor der kemenâten tür. U. v. Türheim Tristan 2592; (er schlug vor) daz er (der könig) hünder sich von dem waszer alse verre zogete, daz er hin uber zu im mohte kumen, oder aber der hertzoge wolt hünder sich ziehen eine mile von dem waszer ... der entweders wolt der kunig genömen und sprach: 'so ich sihe, daz ichs wege habe (lat. cum videret suum casum), so kan ich mich wol gerihten.' Closener d. städtechr. 8, 59, 29. ob an dieser stelle wirklich das sonst als positiv im späteren mhd. nicht mehr nachzuweisende wort vorliegt, ist zweifelhaft. aus dem nhd. läszt sich der positiv wäg nicht mehr belegen. jetzt kommt nur im schweizerischen unwäg 'böse, schlimm' vor. Stalder 2, 425, auch bei Hebel. 22) der comparativ wäger ist im mhd. und älteren nhd. in ausgedehntem gebrauch, ebenso kennt ihn das mnd. (weger Diefenbach gl. 354b, wegher Kilian 660). eine eigenthümliche nebenform ist weiger: bei Hans Sachs und im Nürnberger voc. von 1482 (2, b, δ), sowie jetzt im steirischen (2, d). da auch ein superlativ weigerste (unten 4) vorkommt, wird vermischung mit einem andren worte angenommen werden müssen: dem in mhd. unweiger 'nicht sehr' enthaltenen weiger in der bedeutung von 'tüchtig, stattlich' (die grundbedeutung zeigt das ahd. weigar temerarius). 2@aa) von personen kommt es vereinzelt als 'sich wohin neigend' vor: hie bi sol der mensche merkin sine werk und sol wizzin, swedirre mer ist, daz sin val da hin weger ist. sint sie gut, so sint sie weger zu gote; sint sie aber bose, so neigent sie sich vil sere hin zum tuvele wert. altd. predigten 1, 352, 16 Schönbach; der siechen ole, da mite man die siechen salben sol, swenne sie hin wager sint, denne her. mit der salbe werdent sie erlediget von ir sunten. Mone anz. f. kunde d. vorzeit 8, 522. dann auch als 'gewichtig, tüchtig': sein trew die ist verposet, verlogen und verloset, vermaint in dem fluoche ... ich want er würde wäger, nu ist er ernträger. Suchenwirt 21, 143. 2@bb) weit häufiger von sachen, wo von der bedeutung 'gewichtig' auszugehen ist. es bezeichnet von zwei möglichen fällen den, der als vortheilhafter, günstiger anzusehen ist oder überhaupt das wertvollere, bessere. beliebt ist die verbindung wäger und besser. 2@b@aα) in attributivem gebrauch: doch wirt mit der wægern schanze manic vil wætlich spil verlorn. Schweizer minnesinger 28, 37 Bartsch; ir sprechet als ein kemphe sol, dem sîn ding als ebene gat, daʒ er in sîner hende hât daʒ beʒʒer und daʒ wæger spil. K. v. Würzburg Partonopier 5433 Bartsch; ich hân daʒ wæger spil ersehen unt daʒ unwæger ouch dâ bî, waʒ mir guot oder schade sî, daʒ hân ich wol ervarn. troj. krieg 8666 Keller; daʒ ir wirdekeit erkant unde uffenbar uf erden den luden mochte werden, von erst doch an der selen heil, wande iʒ ist daʒ weger deil. waʒ anme libe erhebet sich, daʒ ist alhi zurgenclich; waʒ di sele gnaden hat, daʒ ist ein ewiclicher rat. Elisabeth 9676 Rieger. 2@b@bβ) daʒ wæger kiesen, nemen u. dgl.: ich hân eʒ dicke gesehen und ist mir selben geschehen, swâ ein spil geteilet wart ûf brette ald an hashart, swer dâ daʒ wæger kôs, daʒ er dicke verlôs. gute frau 1095; wan des ist deheiner slahte rât, ir müeʒet entweder iemer leben oder iemer sterben. owê, ir reinen gotes kinder! nû nemet hiute daʒ wæger. daʒ mir der almehtige got helfe des, daʒ ir daʒ wæger nemet! wan eʒ ist gar ein ungeteilteʒ daʒ êwige leben unde der êwige tôt. Berthold v. Regensburg 1, 226, 2; ze liebe und ze leide went sî dem fürsten bî gestân. daʒ wirt doch selten nu getân. swâ man mac an daʒ wæger komen, dâ wirt daʒ erger niht genomen, dâ man eht wîse sinne treit. Reinfrit v. Braunschweig 19999; er hab sich aines wägern bedacht. Schmeller2 2, 869 aus einer hs. 2@b@gγ) eʒ wæger hân: si hat iʒ weger allen dac, daʒ si nu da zu himelrich ist den godes kinden glich, danne obe si ummer mere dise irdenschlichen ere an libe hie beseʒe. Elisabeth 10276 Rieger; sy hetten weder essen noch trincken, dann kreüter, die sy in dem wald funden ... nun hetten sy es auch geren weger (besser im Wormser druck) gehabte, an dem end es mocht aber nit gesein. Tristrant 98, 25 Pfaff. mit einem genetiv des maszes: dâ si eʒ (das kampfspiel) vil lange getriben, daʒ witzige und tumbe, die stuonden dar umbe, mit nihte erkiesen kunden weder zuo den stunden eines ougen wæger hæte, ditz beleip lange stæte: wederm geviele der gewin, des was zwîvel under in. H. v. Aue Erec 926; so habent eʒ die tugenthaften liute ûf ertrîche eines dinges wæger danne die heiligen in dem himelrîche: wan die tugenthaften liute mügent wol lôn verdienen ûf ertrîche die wîle sie lebent; daʒ mügent die heiligen niht getuon. Berthold v. Regensburg 1, 97, 27. 2@b@dδ) am längsten hat sich wäger als prädicatsnominativ erhalten. es kommt noch im 16. und am anfang des 17. jahrh. bei Oberdeutschen häufig vor, auch bei Rheinfranken; sonst scheint es im mitteldeutschen damals schon im absterben begriffen zu sein (doch vgl. unten 4 wägerer), Luther gebraucht es nur einige mal in seiner früheren zeit, auch Hans Sachs verwendet es nicht häufig (etwas fester haftet das adv., s. 2, c. d). die wörterbücher weisen meist nur auf das neutrale wäger hin: weiger oder besser, melius. voc. theut. (Nürnberg 1482) nn 4b; wäger, besser, satius. Dasypodius 450d; wäger, besser, potius, melius. Maaler 481a. noch im 17. jahrh. bei dem Schweizer Dentzler (der selbst das masc. weger, potior, anführt): es ist weger, praestat, potius est. 2, 344 und dem Baiern Schönsleder: es ist besser, weger, praestat, melius est. prompt E 7c. auch die litterarischen belege reichen bis in diese zeit: nu dûhte in diu gelegenheit ze einem sprunge ze breit; nu getorste er ouch dar niht gân. iedoch muos er eʒ an daʒ lân, daʒ dâ was wæger under den zwein: er sazte sîne füeʒe enein und trat vil vaste ze stete. G. v. Straszburg Tristan 15187; sol ich von dir gescheiden sîn, sô lîd ich grôʒ nôt, doch ist eʒ wæger dann der tôt. Enikel weltchronik 5938 Strauch; es ist weger zschnell denn zschwach. Daniel (Bern 1545) N 4b; wenn wir den in das netz köndn bringen, das wer ein guter feister reiger, wer uns gar vil nützer und weiger denn gar ein feiste Mertinsgans. Hans Sachs fastnachtsp. 27, 40 Götze; on das ist nichts besser nichts weger. Jephthes E 6a; dorumb jetzt auch jung burger schon hie diser statt hendt fürgenohn, ein solch kurtzweil für euch zu machn, und sich zu üben in den sachn. vermeynend, dasz soll wäger seyn, alsz wenn sie seszen bey dem wein. Berchtoldus redivivus 15 (1630); dén swintribaern ... git man ieslichem zwei brot und ein vleisch, daʒ waeger si (quae plus valeat), denn ein regenspurgaer pfennink. quellen u. erörterungen zur bayer. u. deutschen gesch. 1, 4, 14 (Geisenfeld 13. jahrh.); idoch so ist uns ein bilde vor gelegt da bi wir merkin mugen, welich teil weger und bezzer si. altd. predigten 1, 352, 12 Schönbach; dann dasselbig pulffer gut gnug darzu ist und weger, dann das man desz besten schieszpulffers (das dann viel mehr kostet) darzu nemme. Fronsperger kriegsb. 1, 91a (1573). besonders hat sich die redensart der tod ist (mir) wäger lange erhalten: dem wär vil wäger der tod, dann dasz er käm in solcher not. fastnachtsp. 494, 19; wer, herr, wer, es tet nie so not, dann sunst wär uns weger der tod! N. Manuel vom pabst 262 Bächtold; ach jamer, kummer, angst und not, uns wer weger der bitter todt. Sixt Birck Susanna C 2b; viel schwerer ist, zu dieser frist, so ich jetzt meid dein mündlein rot, weger wer mir der bitter todt. Ambraser liederbuch 166, 44; ach gott, ach gott der grossen noth. viel weger wer der bitter todt! J. R. Fischer tetste weltsucht (1623) 1, 5, Bayerns mundarten 1, 173, 12; das sie ir lebenlang arbeitselig sein müssen, und ihnen der todt vil weger were, dann das leben. Paracelsus drey bücher (1565) A 5; das urteil ward gegeben, Hammen wär wäger tot weder leben. Uhland volksl. 354; mors est servitute potior, der tod ist weger als die knechtschafft. Dentzler 1, 608. in Schaffhausen wird (nach freundl. mittheilung Bachmanns) noch jetzt gesagt: 's ist wäger e schädli als en schade. sonst scheint das prädicative wäger in den mundarten erloschen zu sein. nur cimbrisch heiszt es begor besser Schmeller 172, in der Zips wæger bæger Schröer versuch 142, was indes auch adv. sein könnte. es wird wäger: das der vischer nye enkunde gefachen keinen guoten visch, den er mit gantzen eren frisch hette sinem herren bracht, wann das er alle tag gedacht: es wirt morn weger zwar. Keller erzählungen 351, 27, gehab dich wöll, lieber gemachel! din ding wird villicht weger. volksbücher 191, 6 Bachmann-Singer. mit dativ: urtailt auch und stet der frauen pei! ... urtailt. das der frauen ir sach werde weger. fastnachtsp. 306, 23; doch nembt den toten man und grabt in zu der erden! es mag im nit wäger werden. 429, 17. es dünkt mich wäger: süllent wir denne alsus sterben in dirre gefengnysse, so duhte uns weger, das men einen friden suohte an die Kriechen und in Helenen wider gebe. Königshofens chronik, städtechr. 8, 297, 14. 2@b@eε) am häufigsten erscheint es ist wäger mit anschlieszendem nebensatz, infinitiv oder particip. 2@b@e@11)) am weitesten reicht es zurück, dasz das, was für vortheilhafter, besser erklärt wird, in einem durch dasz eingeleiteten nebensatz ausgedrückt ist: dô der heilige geist rette durch Kayphas munt, daʒ wêger wêre, daʒ ein mensche stürbe, denne alle diu welt verdürbe. Nic. v. Straszburg mystiker 1, 298, 18; ist daz du den pfeyl nicht wol heraus magst gewynnen und steckt so tieff, daz du furchtest des lebens, so ist weger, das du in nicht heraus ziehest. Ortolf v. Bayrland (1477) 40a; nun es aber ja mus erstochen sein, ists viel weger, das menschliche waffen seinen leib zeitlich, denn das teuffelische waffen seine seele sampt dem leibe ewiglich erstochen hetten. Luther 23, 422, 26 Weim. ausg. (tröstung an die christen zu Halle 1527); dann er (Antoninus Verus) thet on ein rath zu Rhom nichts, sprach es were vil weger, das er so vil weisen, dann das sie im allein folgten. S. Franck teutscher nation chron. (1539) 29a; darumb sagt er (Julian) auch offenlich ab seinem vettern Constantio, vermaint, es wär wäger, das er kaiser Constantium übereilt, dan das er übereilt von im würde. Aventin bair. chr. 1, 1057, 33 Lexer; liesz ers (die zerstörung der brücken) nicht geschehen, sonder berichtets, viel weger sein, dasz man ihn ausz Europen triebe. Fronsperger 3, 254a (Frontin übers. v. Tacius 2, 6, 8); aber vyl wäger ist, das ich inn tod yetzundt ergäbe mich, dann das ich vor den ougen gott sünd und wich ab von sym gbott. Sixt Birck Susanna 185 (schweiz. schausp. 2, 26); ist weger, das ichs gelt verzehr, so darff ich nicht vil kopfs zerbrechen. Thurneisser erklärung der archidoxen (Berlin 1575) 22. mit persönlichem dativ: er (der kaiser) muoʒ uns mit gemache lân, sô wir im entrîten; mit wem wil er danne strîten? mir ist vil wæger (wegerer hs.) daʒ ich var, danne daʒ min volc ersterbe gar. herzog Ernst 1663 Hagen; es geit offt ein edelman sein kind in ein offens kloster, da kein geistliche zucht und kein orden in ist, weger wer im und seinem kind, dasz er es gäbe in ein offen fraunhaus. Schmeller2 2, 869 aus einer Münchener hs. des 15. jahrh.; und ist mir (Lucretia) weger, ich sterb von der keuoscheit wegen, dann als ich leb als ein eeprecherin. A. v. Eyb eheb. 14, 35 Herrmann; weger ist es dir, das dir der knecht des gottes barmhertzigkeit für gebütet, und dich hole, und stosz mit dem stab lyblicher kranckheit ..., denn das am jüngsten gericht got dich selber würd ... mit sinem schultheyssenstab syner strengen gerechtigkeit zerstossen. Keisersberg bilg. 75a. 2@b@e@22)) nicht selten ist auch anknüpfung eines bloszen conjunctivsatzes: da worden die boten zu rade ..., es were weger, man keufte den frieden wan den unfrieden. reichtagsacten 2, 200, 18 (vom j. 1389); do wurden die eidgnossen ze rat mit enander, das wäger wer und besser, man leite sich fúr Dieszenhofen. chronik der stadt Zürich 239, 6 Dierauer; es wär weger gewesen, man het den kaiser nie gesehen und wär das gelt im Lech hingerunnen. Mülichs Augsburger chronik, d. städtechr. 22, 13, 19; es fraget ain weiser man ainen, was machest du? er antwurt, nichts, do sprach er: es wAer wAeger, du giengest mssig. Keisersberg pred. 89a; viel weger wers, es wurd ainer (ein ungelehrter) ain schafhirt dann ain seelversorger. Schade satiren 2, 145, 13; darum ists viel weger, man lasz bleiben bei gegenwärtiger ordnung. Melanchthon op. 1, 715 Bretschneider; vil weger were es gewesen, er hät vor und zuo erst zuo seinem gott und der natur in sich selbs einkert. S. Franck de vanitate 108a; wiewol vil weger, man suechet den feind dahaim, verderbet im sein land, dan das man in ins land lasz und er uns also verderbe. Aventin werke 1, 224, 15 Lexer; vil weger wer, du lissest mich wandren. Wickram irr. bilg. xxij; wer viel weger, man het es von ersten underwegen gelassen. Montanus 40, 3 Bolte; dann ie allzeit weger und besser, man wisse in nohtfällen einen guten raht, und begibt sich doch nit, dasz dieses rahts bedörfftig sey, dann dasz noht fürfalle und nichts rahtsames jemand wisse demselbigen vorzukommen. Kirchhof milit. discipl. vorr.; vil weger wAer, es einer stürb, dan alles volck mit tod verdürb. betbüchlein (Basel 1518) 94b; vil weger ists, verlier den lyb, dann d' seel verloren ewig blib. Daniel (Bern 1545) Q 1a; swer weger, du werst nie geboren. schweiz. schausp. 2, 134, 522; aber die gfar ist vil zu gros, das wäger ist, man unterlos. Fischart flöhh. 2138 Hauffen; ist weger, du verlierst mit will, denn du verrechtest noch sovil. Thurneisser archidoxen (Berl. 1575) 59. mit persönlichem dativ: es wer besser und weger eym, er blyb gantz über all do heym. Brant narrensch. 91, 13; du voller zapf, es ist mir weger, man sag, ich sey ein buler stoltz, dann so ich wer ein trunckenpoltz. H. Sachs fastnachtsp. 5, 321 Götze; dann mir ist weger, ich sterb in kurzen zeiten, dann das ich lang gepeinigt werd. Aimon bog. v; wann mir ist weger, ir habent unrecht zu uns, dann wir zuo euch. ebenda; es würdt dir weger sein, du habest mir dise schmach nit vor dem haus thon. Bolz Terenz 123b; es were ihm weger und besser, du liessest ihn gar still ligen. Fel. Würtz practica der wundartzn. (Basel 1612) 219; es ist mir wäger, ich gange hin, dann geschlagen werden, abeo potius. Maaler 481a. mit voranstellung des conjunctivsatzes in wunschform: also wolt er auch edl sein und zoch ausz der stat gen Bocksperg, das was seins weibs; wer er hie beliben, es wer im villeicht wäger gewesen. Zinks Augsburger chronik, d. städtechr. 5, 250, 24. 2@b@e@33)) anknüpfung eines infinitivs: vil wäger ist nüt understan, dann mit schad, schand, gespöt ablan. Brant narrensch. 15, 29; vil wäger ist gantz fynden nüt, dann fundt den man nit wider gitt. 20, 31; es ist vil weger mich allain, dann all verderben in gemain. Sixt Birck Beel 1539, es ist weger, ein schmürzler sein in seinem husz, dan brüten fremde eier usz. Keisersberg narrenschiff (1520) 77a; es ist wäger mannen oder wyben lon, den brünstig syn. Zwingli 1, 41; es ist wäger zuo im gon, melius est eum adire. Maaler 481a; dann hochzeit haben ist weger, dann todten begraben. Fischart Garg. (1590) 90 (72 neudr.); es ist vill wägger eim tusend guldin schuldig sin, den zächnen oder zwentzgen. Th. Platter 93 Boos. 2@b@e@44)) anknüpfung eines infinitivs mit zu: usser disen zwain bösen dingen ist bösser und weger daz ain ab zestellen. N. v. Wyle translat. 46, 9 (nr. 1) Keller; stell ihm für die augen, dasz viel besser und weger für die freyheit zusterben, denn lange zeit in gefengnusz, jammern und dienstbarkeit zubleiben. Amadis 375 Keller; ist weger hinder der schlachtordnung viel nachraths zu behalten, denn dasz man die knecht weit von einander zertrenne. Fronsperger kriegsb. 3, 287a. mit persönlichem dativ: wAere im wAeger ain münch ze syn, wann daz er syne teeg mit ainem wyb, die im ungelych an sinnen wAere, verschlyssen sOelte. Steinhöwel Bocc. 166, 13 Drescher; wolt ich dise so merckliche schmach in mich entpfahen, Gnato, z sterben ist mir weger (mori me satiust). Terentius deutsch (1499) 72a; mir ist weger in eren zusterben, dann mit laster und schanden zu leben. Aimon bog. l. 2@b@e@55)) anknüpfung eines particips: die umbe ir boszheit, missetat und unrecht iren lip verlorn hand und nützer, besser und weger sind von der welt getan, denne da by gelassen. stadtrecht von Baden 88, 4 Welti (v. j. 1424); dan vil weger ist den feinden nach dem tod als gelt gelassen, dan von freunden im leben den bettel suchen. Steinhöwel Esop (1569) 22; als uns das weger ducht getan denn vermitten Tschudi chronik 1, 565 nach Frisch 2, 429; schwätzen me schad dann frommen bringt, darumb vil wäger ist geschwygen, dann schwätzen, reden oder schryen. Brant narrensch. 19, 85; wir sind die aller arbeitseligisten lüt. weger wers, frisch erschlagen, weder allso ein grosses joch tragen. vorspiel zu Etter Heini 261. 2@cc) aus den verbindungen von es ist wäger mit einem conjunctivsatz entwickelt sich dann, indem wäger in den conjunctivsatz übertritt, dies als adv. 'besser, lieber, eher': weger, ehr dann, più tosto, più presto. Hulsius 274; wæger wæren iu alliu wîp ze Frankenrîch gelâʒen .. ê dan ir uns ze schande bræchtent unde in arbeit. gesammtabenteuer 1, 341, 160 Hagen; stinckt noch sehr übel und ist wüst, dasz du es weger nur stehen liest. Frischlin Susanna 315; es klagen sich die träger und ziehn die schnaupen ein: vil ringer und vil weger trug jeder im feldläger ein schantzkorb voller stein (als die leiche des feiszten). Balde lob der magern, Agathyrsus 88, 3. dies adv. erscheint dann auch in indicativischen sätzen: solt man nu ein ewig ding tödten oder verstrichen, auff das ein vergenglich ding bliebe und frey würde, das were allzu unbillich. es sol viel weger umbgekeret sein, das ein vergenglich ding ehe untergehe, dann ein ewiges verderbe. Luther 5, 257a (von ehesachen 1530). wäger 'lieber' wird noch jetzt im alemannischen gebraucht: i will wäger schwige, lieber schweige ich. Seiler 308 (aus Basel); er liesz es wäger bleiben. Schmid 513 (aus dem Schwarzwald). 2@dd) dies wäger konnte dann vielfach, indem der ursprünglich ausgeführte oder vorschwebende vergleich ganz zurücktritt, als blosze bekräftigung der aussage genommen werden und erhält so die bedeutung 'fürwahr, wahrlich, gewiszlich'. so kommt es im 16. und 17. jahrh. litterarisch vor: wäger, profecto, nae, certe. Schönsleder prompt. Kk 3b; hạst yn (den menschen) gesetzt zuom herren uont stat-halter, ụber's geschöpf deiner hend ai verwalter: weger, duo hạst on einrd' uont beding den fụssen sein uontertạn alle ding. Melissus ps. 32 neudr. (8, 7), weger, mán uons erwụrget téglich ụm deinet willen jmerkleglich. ps. 171 neudr. (44, 23); ja du sagest vom (wein) holen wol, sag auch vor wer es zahlen soll, ich zahl es weger nicht allein. Spangenberg mammons sold 689 Martin. noch Grimmelshausen hat es als mundartliche form: einsid. wo hinausz wilst du aber jetzt? Simpl. ich weisz weger nit! ich will bey dir hier bleiben. Simpl. 1, 33, 10 Kurz. Hans Sachs und Ayrer gebrauchen es im reim in abgeblaszter bedeutung, fast pleonastisch: die hauptleut sind heint truncken weger sampt den obersten und kriegszräthen. 6, 74, 31 Keller; in mein augen so dunckt mich wäger, der hauff sey klein, doch ungehewer. 10, 140, 18; nun bin ich in der feinde leger; dort steht ein zelt, an dem steht weger ein weiser löw in rotem schild. 13, 21, 1 Keller-Götze; den balwirer nennt (er) ein leuszjeger, den bader aber schmecht er weger und ihn einen arszkrawer nannt. fabeln 2, 273, 44 Götze; secht, wie das volck laufft ausz dem läger! darumb ist uns von nöten weger, dasz wir sie schlagen ausz dem land. Ayrer 1477, 2 Keller; wolt ir uns geben ein nachtleger? ehrlich wöll wir euch zahln weger und auch darzu gar fromm gest sein. 2960, 7. dies verstärkende wäger (auch weiter gebildet wägerlich, s. d.) lebt jetzt namentlich noch im alemannisch-schwäbischen. Stalder 2, 428. Tobler 438. Hunziker 285. Seiler 308. Frommann 5, 395, 15 (Bregenz). Schmid 513. Birlinger 424. Straszburger studien 2, 278 (Münsterthal). Ch. Schmidt 114. es dient der betheuerung, wobei sich weitere bedeutungsschattierungen ergeben, z. b. basler. er hett wäger 'gewisz' der brief nitt übercho! das han-i iez wäger 'leider' fergässe! namentlich steht es bekräftigend in verbindung mit ja und nein: 'du bist aber auch gar zu grob' sagte Tonele zu Bärbele. 'jo weger' betheuerte Brigittle. Auerbach dorfgesch. 1, 111 (1846); het's dr nit gfalle? fragte Hansli. nein, wäger nicht, sagte Jakobli. Gotthelf 8, 255 volksausg.; hesch gmeint, de seigsch elleinig do? nei weger nei, mer meihe scho! Hebel der morgen-stern 8. niederschwäb. jao wäger in der frage, 'warum'? Birlinger 424. auch in verbindungen mit interjectionen: eine warme thräne tropfte aus ihren augen. 'o weger, Mariele, jez isch letz (schlimm), der vatter schreit, wer de Paile (Paul) häb, der soll au's güetle han'. Ilse Frapan enge welt (1890) 83; en polverfasz zum ma' nemme? und ame schöne tag fliegt er in d' luft nei' und sein haus und hof und weib und kind mit! ui, weger! 208. im altbairischen ist dies wäger jetzt erloschen (Schmeller2 2, 870), doch hat das tirolische wger Schöpf 794. im steirischen findet sich weiger: wie du das nur anstellst ... dasz du selber nichts hörst von deinem singen. sonst wär' es weiger nicht möglich, dasz du so gesund und wohlgenährt könntest ausschauen. Rosegger sonnenschein 190. Frisch 2, 429 scheint weger 'in affirmandi significatione' noch aus seiner oberpfälzischen mundart zu kennen. auch fränkische mundarten haben das wort noch (Schmeller a. a. o.), in der Pfalz waier und wecher Autenrieth 149. 150, im Odenwald (mit angetretenem n) weihern. in den meisten md. mundarten ist es erloschen. 33) der superlativ der, das wägste hat sich namentlich in bestimmten formelhaften verbindungen lange erhalten. er kommt litterarisch obd. und md. bis ins 17. jahrh. vor; auch mnd. wegeste Schiller-Lübben 5, 652 (häufiger wegerste, s. 4). in den wörterbüchern wird er nur bei Maaler angeführt. 3@aa) von personen ist der wägste der vortrefflichste, tüchtigste, gern in verbindung mit beste: dô gerten sie geleites:dô hieʒ man in die wægesten nâhen. Kudrun 600, 4; swaʒ man dâ der besten unde der wægesten vant, die sach man kumen nû mit grôʒem schalle. Lohengrin 1709; swaʒ noch der andern was, darûʒ grâf Yban las die wægisten und die besten. Ottokar österr. reimchr. 25788 Seemüller wer dise herren weren, di wegesten hi under, der wil ich uch bisunder ein deil mit namen nennen. Elisabeth 6095 Rieger; comthur zu Danzig ... hat die wegesten erbar lewte des gebiets nach Wartsch berufen. acten der ständetage Preuszens 2, 423 (v. j. 1442); einmal lud er zur collation die wegesten Preussen, in ein gebiete, zu Lentzenburgk auff die feste. Waissel chronik (1599) 78b. namentlich im rechtsstil ist der wegste lange üblich geblieben: einen andern kiesen uf iren eit an deʒ stat der da abgegangen ist ... der der stette zuo Straʒburg aller nützest, aller wegest und aller beste sie. schwörbrief von 1334, städtechr. 9, 932, 20; welre under in zwein der wegeste si, dem sol man das banwarttuom lihen; gefüget es sich och also, das dekeiner dar umbe bittet, die huober sönt kiesen, der in unt dem hove denne der wegeste si zem banwart uffen iren eit. weisth. 4, 92 (Elsasz 14. jahrh.). in der Schweiz bis auf die neuzeit üblich Stalder 2, 427. Hunziker 285. ämter den wägsten und besten übertragen, sagt noch der Züricher verfassungsrath am 10. märz 1831, nach Schmeller2 2, 869; euch huldigen die fürsten, der eiche das gesträuch, dem edelsten der edeln, dem wägsten, besten — euch! Reithard geschichten u. sagen a. der Schweiz 92. 3@bb) von dingen, das wägste, das vortheilhafteste, wan mir ein unsenfteʒ spil in einer sô kurzen frist ze gâhes vor geteilet ist. nû kan ichʒ wægest niht ersehen .. wan swederʒ ich mir kiese, daʒ ich doch verliese. H. v. Aue Erec 3156; er sprach: 'herre, gedenket dar an daʒ iu nû daʒ wægest sî.' W. v. Gravenberg 208, 25 Pfeiffer; wer mac mir râten hie zû, daʒ ich daʒ wêgeste tû? Albr. v. Halberstadt 10, 263 Bartsch; doch hân ich gehœrt sagen jæmerlîch bî minen tagen, daʒ man von zwein bœsen daʒ wægest sol erlœsen. mir ist beʒʒer des kindes tôt, wan daʒ ich angst unde nôt an sêl, an lîp muoste hân. Enikel weltchronik 3950 Strauch; dar umb sag an, vil guoter man, was daʒ wäygist sey getan. Wittenweiler ring 19d, 18; ettlich sind och truw gesellen, die mag ich zuo disen nit zellen, wan sie sind slecht und recht und ir herren getrüw knecht, und hand daʒ best und daʒ wægst getan. teufels netz 11650 Barack; als uns diu ûzern ougen wîsent unde zeigent daʒ wægeste an lîplîchen dingen, daʒ uns diu innern ougen der verstantnüsse alsô lêren unde vürsehen, waʒ daʒ beste sî an geistlîchen sachen. D. v. Augsburg mystiker 1, 330, 7; do gert ich egenanter Geppolt einer sprach, und gesprach mich mit ... meinen guten freunden, daʒ mir di riethen, in disen sachen waʒ mir daʒ pester (l. pest) und waegst waere. monumenta boica 24, 101 (Ensdorf 1355); from, erber burger diser statt in dem ratt und auserhalb, diener und ander, die das treuest und wägest geredt haben. Augsburger urkunde, städtechr. 22, 439, 25 (1478); es ist am wegsten (optumest). Terenz deutsch (1499) 167a; den wölchen haufen die vordern glider gedrennt und weichens gezwungen, gewondlich gedenken die hindern den (l. des) wegsten und treten irs pfats. Wilwolt v. Schaumburg 92 Keller; das wägst und best werck, potissimum opus. es ist das wägst, es ist guot und nutzlich, expedit. Maaler 481b; ihr mügt die sachen auffs beste und wegeste machen. Spangenberg Ajax 1906 Dähnhardt. das beste und wägste thun findet sich namentlich als rechtliche formel: ir sprächend by úwer trúw an eines geschwornen eid statt úwer best und wegst zethuond und úwer ampt als úch wol ze vertrúwen ist nach notturft und úwerm vermögen zuo versorgen. urkundenbuch der st. Aarau 330, 3 Boos; in des hofes sachen getruwelichen zuo roten und daʒ beste und wegeste zuo tuonde. Straszburger zunftordnungen 74 Brucker; soll derselb meier schweren einem probst und sinem gottshus ... das nüzest, best und wägest ze tunde, ihren und des dinghofes nuzen ze fürdern und schaden ze wenden. weisth. 1, 658 (Oberelsasz 1457). ein spätes zeugnis für wägst, das doch wol hierher gehört, bietet der viel aus der volkssprache schöpfende Schlesier Scherffer: im herbst man auch die wägsten teiche fischet, vor saamen man nun grosse fisch' erwischet. geistl. u. weltl. ged. (1652) 495. 3@cc) Schmeller2 2, 870 führt aus dem pinzgauischen das adv. wegst 'beinahe' an. 44) im 15. 16. jahrh. kommt neben wäger auch (mit nochmaliger anfügung des comparativsuffixes) wägerer vor; die weiterbildung erklärt sich daraus, dasz der positiv wäg verschollen war und dasz bei wäger die comparativfunction nicht immer deutlich hervortrat. wägerer erscheint zunächst obd. (vielfach neben wäger): drumb viel beszer und wegerer ist, den feind zu laszen nicht auf den mist. Liliencron hist. volkslieder 4, 389, 88; es ist auch wegerer, sprach er wyter, das einer zwey oder dry joch hat der ochsen weder vil rosz und rüterschafft. Cyrillus spec. sap. (Basel 1520) 54; ist besser und uns wägerer, sie gên mit der schrift und feder dan mit dem harnisch und wer umb. Aventin bair. chr. 1, 956, 30 Lexer; machet etwan ambtleut, die wägerer wer er machets nit, setzet etlich ab, die er billich behielt. 1, 991, 30; derwegen besser und wegerer ist, das solche tyranney verhalten werde. Fronsperger kriegsb. 1, 147b (1578); so ist es vil wägerer und besser. M. Sebiz feldbau (1580) 491; so ist doch wegerer und rathsamer. Tabernaemontanus kräuterb. (1588) 120; und were es sach, dasz ein waldwachs durch die feygwartzen gefault oder beschädigt worden, so ists wägerer, man schnitt ihn hinweg. Seuter roszarznei (Augsburg 1599) 235. auch Mitteldeutsche verwenden wägerer, Luther, Mathesius, bei dem wäger nicht vorkommt: weil ihr nun wisset, dasz es recht sey, das sacrament ganz und nicht halb zu empfahen, so möget ihrs mit gutem gewissen nicht halb empfahen; ist wegerer, ihr entbehret sein ganz und gar. Luther briefe 4, 396; und findt sich endlich, dasz manchem vil wegerer gewesen, er were hie an bettelstab gediegen, denn dasz er sein sach mit bösen hendlen und geschwinden practiken hette hinausz gefürt. Mathesius Sarepta (1587) 23a; sollen wir uns gottes wort lassen wegerer und lieber sein, denn die gantze welt. 134a. selbst Stieler kennt noch wägerer als comp. 'pro wichtiger, ponderosior, gravior, metaphorice autem praestantior, commodior, utilior', es ist wägerer, tolerabilius est. 2527. die form kommt auch jetzt noch vereinzelt vor: das ist der wägerer 'bessere, stärkere' sagt man in Wallis. zu diesem wägerer wird dann auch ein superlativ der wägerste gebildet. wegerste (auch weigerste) kommt im mnd. seit dem 15. jahrh. vor Schiller - Lübben 5, 652; optimus, wegerste vel beste Diefenbach gl. 398b (aus einem nd. glossar). ferner obd. und md.: weigerster, bezzerster, optimus. voc. theut. (Nürnberg 1482) nn 4b; so wolten sie ... ir ratspotschaft auch dahin senden und das wegerst und peste helfen ratschlagen und handeln. der rat zu Augsburg an den zu Frankfurt a. 30. juli 1511 (Frankf. arch.). auch Luther kennt die form: dasz das mandat, zu Worms ausgangen, nicht ist durch gemeine reichsstände bewilliget, sondern auch von den höhesten und wegersten dawider bedinget, dasz kein zweifel ist, es sey der pfaffen rotten, und nicht des kaisers oder reichs mandat zu halten. briefe 3, 320. im tirolischen findet sich wagerst als adv. am besten, nützlichsten. Schöpf 794.
32137 Zeichen · 556 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    wägadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    wäg , wäge , adj. das übergewicht habend, vortheilhaft, gut. ein wort der älteren sprache, das auch im früheren nhd. und…

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Komposita & Ableitungen mit waeg

84 Bildungen · 71 Erstglied · 1 Zweitglied · 12 Ableitungen

waeg‑ als Erstglied (30 von 71)

wägbar

DWB

wag·bar

wägbar , adj. was zu wägen ist. Campe : die stöchiometrische lehre von den chemischen äquivalenten, der zufolge sich die wägbaren stoffe nac…

Wäg'blatt

MeckWB

wag·blatt

Wäg'blatt n. Großer Wegerich, plantago major: plantago 'Wegeblad' Paulli 436; Wägeblad Niem. Idiot. 27; Wäg'blatt (1965) Sta Stras ; meist P…

wägbohne

DWB

wag·bohne

wägbohne , f. eine pflanze, adenanthera pavonina, korallenbaum, deren samen in China die goldschmiede und juweliere zum abwägen des silbers …

Wäg'breid'

MeckWB

wag·breid

Wäg'breid' f., -breit m. dass. : 'wegebrede' Rost. Arzn. 5 a ; plantago 'Wegebred' Paulli 436; Saft aus zerstoßenem 'Wegebreit' soll bei Erm…

Wäg'breidensapp

MeckWB

Wäg'breidensapp m. a. Spr. Wegerichsaft: 'wedder de wedage der oren nym wegebreden sap' Rost. Arzn. 12 b .

wägchen

DWB

wag·chen

wägchen , n. , diminutiv zu wagen, wenig üblich, da wägelchen, wäglein vorgezogen wird, z. b. in Preuszen: sie haben nur ein halbwägchen. Hi…

Wäg'duurn

MeckWB

Wäg'duurn m. Echter Kreuzdorn, rhamnus catharticus: Weg'durn Wred. Flora 1, 407. Marz. 3, 1312. Syn.: Hunn'bom, Krüzduurn.

wägebrücke

DWB

waege·bruecke

wägebrücke , f. : auf der verbindung mehrerer hebel beruht auch die construction der straszen- oder mauthwaagen, die auch wägebrücken genann…

wägegeld

DWB

waege·geld

wägegeld , n. , dasselbe wie wagegeld: von solichem wegen des hewes und gromads sol zu weggelt gegeben werden, wie hernach volgt. Nürnberger…

wägeknecht

DWB

waege·knecht

wägeknecht , m. , dasselbe wie wageknecht: wäger, wägeknecht, weeger. Kramer (1719) 258 .

Wägekunst

Campe

waege·kunst

Die Wägekunst , o. Mz . die Kunst zu wägen, das Gewicht der Körper zu erforschen, vermittelst der Wagen. S. Wägelehre .

Wägel

GWB

wa·gel

Wägel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

wägelchen

DWB

wagel·chen

wägelchen , n. , diminutivbildung zu wagen, mitteldeutschen ursprungs, eigentlich mit doppeltem diminutivsuffix. sie wird zuerst von Rädlein…

Wägelduurn

MeckWB

Wägelduurn m. Hundsrose, rosa canina: as Veilchen ünner 'n Wegeldurn Schneeb. Heil. 54. Wohl irrtümlich statt Wäpelduurn.

wägelei

DWB

waege·lei

wägelei , f. unentschlossenheit. schwäb. Schmidt 513 . zu wägeln.

wägelein

DWB

waege·lein

wägelein , wäglein , n. , diminutivbildung 1 1) zu wage: kleine wag, wäglein, bilancetta. Krämer 1203 ; wägelein, eine kleine wage. Ludwig 2…

wägelen

ElsWB

waege·len

wägele n [wakələ Hi. ] unpers. bangen, Furcht haben in Erwartung schlimmer Dinge. s wägelet m i r, bis d e r Vater heim is t , d ass ih m d …

wägeler

DWB

waege·ler

wägeler , wägler , m. 1 1) s. v. w. wäger: falsch wägler, zünglinschlager, müntzfälscher. Fischart groszm. 602 Scheible. 2 2) ein unentschlo…

wägeln

DWB

wag·eln

wägeln , verb. , nebenform zu wageln 1. in älterer md. sprache wegeln ' schwanken ', wo auch an ableitung von wegen ( vgl. wiegeln) gedacht …

Wägelnband

PfWB

waegeln·band

Wägeln-band n. : = Wagel(n)bändel, nur noch im KR: Wingle, wingle, Weeleband, wem es das Pfand in meiner Hand? [ KU-Kaulb ].

wägelscheibe

DWB

wagel·scheibe

wägelscheibe , f. in der Schweiz ein stab, an dem unten ein breites querstäbchen befestigt ist, um damit die käsemasse im kessel umzurühren,…

wägemaschine

DWB

waege·maschine

wägemaschine , f. eine maschine, die selbstthätig wägungen anstellt. Karmarsch-Heeren 3 10, 209.

wägemeister

DWB

waege·meister

wägemeister , m. , dasselbe wie wagemeister: und wo den schawern saffran fürkome. der gefelscht were ... daʒ sol ein wegmeister einem rat zu…

wägen

DWB

wa·gen

wägen , verb. bewegen, s. wegen .

wägepfennig

DWB

waege·pfennig

wägepfennig , m. wägegeld: man sal auch nergin anderst wegen, wen in unser stat woge ... auch mogen sie nemen weypfenninge von wayn unde von…

wäger

DWB

wa·ger

wäger , adj. und adv. besser, comparativ zu wäg ( s. d. ). hier noch ein beispiel für den prädicativen gebrauch als masc.: hat einr dem andr…

waeg als Zweitglied (1 von 1)

tauwäg'

MeckWBN

Wossidia tauwäg' s. Weg I B 3.

Ableitungen von waeg (12 von 12)

bewägen

DWB

bewägen , trutina examinare: die weisen bewägen ihre wort mit der goldwage. Sir. 21, 27 . richtiger bewegen.

bewäglich

MeckWB

bewäglich beweglich, von Gütern: 'to alle deme ghude, ... dat zy buweghelik unde umbuweghelik' ( Lu Grab 1393) UB. 22, 259; triftig: 'bewech…

Bewägung

MeckWB

Bewägung f. Bewegung: Bewägung is dor an der Stelle bewegt sich etwas, es spukt da Schw Plate ; übertr.: 'uthe rypeme rade bewagen unde gude…

erwägen

DWB

erwägen , expendere, perpendere, für erwegen = erwëgen, wie wir auch wägen, abwägen, aufwägen, doch nicht bewägen ( mhd. bewëgen) und verwäg…

erwägung

DWB

erwägung , f. consideratio: man ist geneigt diese einschränkung zu vermuthen, noch ehe man sie durch beispiele erhärtet sieht, blosz aus erw…

gewäge

DWB

gewäge , adj. und adv. das wort wird an ein althochdeutsches adjectiv wagi angeknüpft, das sich aus einem belege in Notkers Boethius erschli…

gewägen

DWB

gewägen , adj. das participiale adjectiv gewegen ( s. d. ), das später durch die jüngere form gewogen ( s. d. ) verdrängt wurde, erscheint i…

unwäg

DWB

unwäg , -wäge , adj. , gs. zu wäg, wäge 1. ahd. unwâge; mhd. unwæge. vereinzelt in nhd. schriftspr. vorkommend, in südd. mundarten noch lebe…

unwæge

Lexer

un-wæge adv. auf unvorteilhafte, unangemessene weise, comp. Msh. 1,293 a . sup. ib. 2,295 a ;

verwägen

DWB

verwägen , v. , falsch wiegen: in librando falli, minus accurate ponderare Stieler 2524 ; durch falsches wiegen verderben: valsch sind jetzu…

verwägung

DWB

verwägung , f. , das abwiegen Schönberg berginformation 1, 55 . —

wäge

DWB

wäge , f. bewegung, bewegendes, s. wege .