verwandt,
adj. ,
eigentlich part. prät. von verwenden,
aber seit dem 15.
jahrh. (
s. Lexer 3, 301, Haltaus 1909)
als selbständiges wort vom verbum losgelöst und in adjectivischem wie in substantiviertem gebrauch seit dem 16.
jahrh. allgemein verbreitet, s. z. b. Alberus bb 2
a; Frisius 134
b; 216
b; 242
a; Maaler 437
b; Stieler
stammbaum 2431; Steinbach, Adelung, Campe.
mnd. vorwant Schiller-Lübben 5, 496;
ndl. verwant.
in den mundartwbb. oft gebucht: Klein 2, 219;
vorarlberg. Frommann 4, 322;
schwäb. Fischer 2, 1400;
bayr. Schmeller-Fr. 2, 944; Gebhardt
gramm. d. Nürnb. ma. 297;
obersächs. Albrecht 231
a; Müller-Fraureuth 2, 618;
henneberg. Reinwaldt 2, 135; Spiesz 270;
niederhess. Hoffmann 252;
nassauisch Kehrein 1, 432;
westerwäld. Schmidt 313;
lux. ma. 468;
wb. d. Elberfelder ma. 169;
cronenb. Leihener 36;
waldeck. Bauer-Collitz 141;
berlin. Brendicke 189
a;
preusz. Frischbier 2, 443;
ostfries. Doornkaat-Koolman 1, 470.
in älterer zeit bedeutet v.
die verschiedensten arten von beziehungen, die eine verbindung zwischen mehreren gröszen herstellen. in neuerer zeit hat sich die bedeutung im wesentlichen auf eine bestimmte beziehung, die familienzusammengehörigkeit, verengt. von hier aus wird das wort aber wiederum in mannigfacher weise übertragen gebraucht, so dasz verwendungsarten entstehen, die sich dem alten, freieren gebrauch erheblich annähern, man zuweilen sogar zweifeln kann, ob nicht unmittelbare fortsetzung des älteren gebrauchs vorliegt. die grösze, mit der eine andere in beziehung steht, wird in älterer zeit durch den dativ ausgedrückt, daneben tritt seit der 1.
hälfte des 16.
jahrh.s v. mit (
ältester beleg bei Seb. Franck,
s. u. 7),
zunächst vorzugsweise von verwandtschaft durch familienzusammengehörigkeit gebraucht, in neuerer zeit vorherschend, ohne den dativ völlig zu verdrängen. in der besonderen bedeutung '
an etwas betheiligt, in etwas verwickelt'
begegnet auch v. in
und v. bei (
s. u. 5). 11)
befreundet, zugethan: die, so mir vor mit gunst und lieb verwandt Hutten 1, 409
B.; den andern, so üwer gnad in fründschaft oder sunst in christlicher gesellschaft verwandt Zwingli
deutsche schr. 1, 115; von meinen besten und verwantisten freunden Barth
weiberspiegel B 1
b; denselben war ich auch bekandt, in lieb und freundschaft wol verwandt Spreng
Ilias 1, 6
b; wie man dieses orts gegen dem königreich Polen und deroselbten einwohnern jederzeit zu rechtem nachtbarlichen gutten vertrauen affectioniret were ..., also
thätte man sich hinwiederumb zu denselben versehen, sie auch ihres theils diesem lande derogestalt verwand sein ... würden (1618)
acta publica 1, 180
P.; wer ist dem staat verwandt? viel, die das steuer fassen, betrachten in dem staat nichts als vier ämterclassen Haller
ged. 320
H. lesart. 22) v.
durch staatliche, rechtliche, gesellschaftliche, religiöse bindung; durch zugehörigkeit zu einer gemeinschaft: welchermaszen fur langer zeit in und fur der stadt T. alle kirchen und schulen mit der augspurgischen confession verwandten prädicanten und schuldienern versehen gewesen (1618)
acta publica 1, 63
P.; alles was der kAeyserlichen armee verwand war Micrälius
altes Pommerland 5, 360.
durch bündnis: welcher kundtschaft auch hat genossen zum gleit die gsellschaft unverdrossen, dieweil sie der statt und dem land mit eidverbündnusz war verwant Fischart
glückhaft schiff 15
ndr.; dan obwol der könig wieder den keyser und das römische reich weder einigem hülfe geleistet, noch mit bündnusz sich verwandt gemachet v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 13.
am häufigsten von staatsrechtlicher zugehörigkeit und unterthänigkeit: das er mit seinen schlössern und stätten ... dem stift Maynz ... v. und zugethan wäre Götz von Berlichingen 72
B.; vil adels ist noch zu diser zeit in dem Turgöuw, habend ire schloszer, gericht und güeter lustig und sind darbei gemeinklich der eidgnoschaft policei v. und der hohen oberkeit undertuon Joach. v. Watt 1, 2; das dorf W., dem abt in der Ow verwandt Stumpf
Schweizerchronik 407
a; als haben sie dem herkommen nach die erbhuldigung einnehmen wollen, die gesammten stände sich desto besser v. zu machen Ch. Weise
polit. redner (1677) 976.
sehr oft mit pflicht v.: kain ir burger, burgerin, hintersesz, untertan oder inen mit pflichten v.
Nürnberger polizeiordn. 57
B.; irer pflicht, domit sie ainem erbern rat v. gewesen sein (
Augsburg 1528)
chron. d. d. städte 23, 203; beamte oder andere officirer, so dem landesherrn mit pflicht v.
Noel Chomel 5, 133.
ähnlich mit pflicht, eid und gelübde (
Augsburg 1478,
chron. d. d. städte 22, 440), mit eiden (Sleidanus
reden 1
B.), mit lehenschaft (
Augsburg 1528,
chron. d. d. städte 23, 181), mit unterthänigkeit (Schweinichen
denkwürd. 202
Ö.) verwandt;
in neuerer zeit mit pflicht v.
zuweilen in freierem sinne, ohne dasz von rechtlicher bindung die rede ist: die pflicht, mit welcher er sich und seinem nächsten v. ist Liscow
satir. u. ernsth. schr. 139;
archaisierend: die pflicht ..., mit der er gott v. sei Ranke
s. w. 16, 331. 33)
von der zugehörigkeit zu beruf und arbeitsgebiet: der du der feder bist verwand, vermeid ja des schmarutzers schand Ringwaldt
lauter warheit 102;
noch bei Göthe: im grunde bin ich von jugend her der rechtsgelahrtheit näher v. als der farbenlehre IV 21, 85
W. 44)
zuweilen v.
schuldig; mundartlich Klein 2, 219; Kehrein 1, 432;
vorarlberg. Frommann 4, 322;
westerw. Schmidt 313;
henneberg. Reinwald 2, 135; Spiesz 270;
obersächs. Müller-Fraureuth 2, 618; Albrecht 231
a; und ist auch in solchem fall kein unterthan seiner Oeberkeit ein harbreit schldig odder verwand Luther 30, 2, 197
W.; er ist mir zehn thaler verwandt Rüdiger
zuwachs der sprachkunde 2, 126,
daneben auch er ist mir mit 100 thaler verwandt Schwan
nouv. dict. 2, 941
b. 55)
an etwas betheiligt: wer den anzaiget, dem wollt man geben tausend gulden, und so er gleich wer derselben (
sach) v., so wolt man ihm sein leben sichern (
Augsburg 1533)
chron. d. d. städte 29, 54;
auch v. in diser sach H. Sachs 16, 41
G.; bey dieser sachen Ayrer
histor. processus juris (1600) 442. 66) v.
durch wirkung auf etwas oder beeinflussung durch etwas: diweil der straus mir (
dem podagra) nicht wenig v. ist, mit dem das sein schmalz und aier meine verehrer zu linderung und versünung meines vexirens uberstreichen Fischart 3, 102
H.; dasz hohen eichen sey der schnelle blitz verwand Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 96; am allgemeinsten und unmittelbarsten bleibt Böhmen dem auslande durch seine heilquellen verwandt Göthe 42, 1, 24
W. vom menschlichen körper: derhalben spricht Hippocrates, das die milch und die unreynigkeit des weibsbluomen vast nach v. seyen Ryff
anatomi B 4
b; so seynd die hende dem haupt mit nerven und adern nahend verwand Wirsung
artzneybuch 146
d; das (
sperma) seine zarte wärme von den gestirnen bey sich hat, mit welchen es auch v. ist Prätorius
anthropodemus 1, 221; der kopf ist nicht dem herzen mehr verwandt, die hand dem munde dienstgefällger nicht als Dänmarks thron es deinem vater ist
Shakespeare 3, 151 (
Hamlet 1, 2:
native). 77) v.
durch familienzusammengehörigkeit: cognatus Frisius;
cognatus, cognatione propinquus Er. Alberus;
cognatus, affinis, cognatione conjunctus Dentzler;
oft auch von angeheirateter verwandtschaft: die burggraffen, die nun fürsten und durch die obgemelten magschaft (
vermählung mit der tochter) Carolo verwant waren (
Nürnberg 1488)
chron. d. d. städte 3, 163; mit blutsfreund- oder schwägerschaft verwandt Dannhauer
catechismusmilch 2, 268; wohl euch, dasz ihr mit dem verräter nicht näher v. (
sein schwager) worden Göthe 8, 84
W. (
Götz 3).
auch auf zugehörigkeit zu einem volk erweitert: wie wird der städte wohl gebauet, wo jede dem sich anvertrauet, der selber sie als mutter ehrt; der nicht das volk, als fremde, plaget; nein! der, wenn ja der bürger klaget, verwandte freunde klagen hört J. E. Schlegel 4, 132.
gewöhnlich im engern sinne der blutsverwandtschaft: verwandtes blut Gryphius
trauersp. 202
P.; Gottsched
deutsche schaubühne 4, 48; Schiller 14, 32
G. (
braut v. Messina 1, 5); A. v. Droste-Hülshoff 2, 106; Rich. Wagner
ges. schr. 1, 42; warum, warum verlassen deiner eltern lieb, verwandten stammes weiten kreis? Göthe 3, 211
W. einem v.: ich bin warlich dem blut verwand, es ist mein kind Luther 28, 22
W.; er muosz der breut ja sein verwant Scheit
Grobianus 3392
ndr.; den mann, der ihr als bruder oder ohm, als vetter oder sonst als sipp verwandt Lessing 3, 140
M. (
Nathan 4, 7). v. mit: er war in der vierden sipp, grad oder linien mit Mathilde v. Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 125; einer ... familie, welche ... mit einem superintendenten v. war Göthe 21, 83
W., alle jugendlichen individuen, welche mit den Bärs bekannt oder v. waren S.
Brunner erzähl. u. schr. 1, 239;
entsprechend einander (Fischart
binenkorb [1588] 242
a; Lohenstein
Arminius 1, 1140
a)
und miteinander (Lessing 2, 58
M.) verwandt. mit sippschaft (Berthold v. Chiemsee 384; Wigand Gerstenberg 164), blutsfreundschaft (Äg. Tschudi
chron. helv. 1, 33; O. Dähnhardt
griech. dramen 1, 141
lit. v.), schwägerschaft ( v. Hohberg
georgica curiosa 1, 17), in sippschaft (Seb. Münster
cosmographey 421) v.;
vereinzelt mit dem genitiv: so naher schwägerschaft v. Schupp
schr. (1663) 228; am (P. Fleming
deutsche ged. 1, 50
L.), im (Chr. Warnecke
poet. versuch 130), durch das blut (
F. M. Klinger
werke 8, 65), in der vierden sipp, grad oder linien (Seb. Franck
s. o.), in dem ersten grat (Murner
an d. adel teutscher nation 14
ndr.), in gerader linie (
bgb. § 1589), nahe (Bucholtz
Herculiscus 54; Göthe 23, 30
W.; Schiller 4, 272
G.), etwas (
mediz. maulaffe 209;
F. H. Jacobi 1, 157), fern (Müllner
dram. w. 2, 49), weitläuftig (Steinbach 2, 931), vom vater der (Kästner
verm. schr. 2, 201) verwandt; sie sind ja durch Puttkammers mit unserem lieben herrgott (
Bismarck) verwandt Fontane I 5, 169.
die mundartwbb. verzeichnen vielfach scherzhafte ausdrücke für sehr entfernte verwandtschaft, z. b.: von sieben suppen ein schnittlein Fischer
schwäb. wb. 2, 1401, ein tünklein
Baden; obersächs. Müller-Fraureuth 2, 589 (
mit belegen aus andern mundarten); von siem acker e klosz 1, 11;
berlin. so nahe wie n scheffel erbsen Brendicke 189
a;
preusz. auf dreitausend meilen, aus der hundertsten tasche, die neunte kachel vom ofen Frischbier 2, 443; durch achtzehn kellerlöcher
Hessen, ein paar mal um die ecke
Westpreuszen. 88)
in weiterem sinne von allem, was auf gemeinsamen ursprung zurückgeht oder zurückzugehen scheint. vom verhältnis des menschen zu andern bereichen der schöpfung: geselle dich immer zur erde, mein staub, bist ja mit ihm verwandt Ch.
F. Schubart
s. ged. 3, 36; wir fühlen uns so mit allem organischen v. A. v. Humboldt
kosmos 1, 9.
von der verwandtschaft des menschen mit gott: Christo sein wir umb ein grad hOeher v. dann allen creaturen, auch uns selbs Seb. Franck
sprüchwörter (1541) 2, 4
a; sag an, o groszer gott, wie bin ich dir verwandt, dasz du mich mutter, braut, gemahl und kind genandt? Angelus Silesius
cherub. wandersmann 27
ndr.; nun sahn wir erst den himmel offen als unser altes vaterland, wir konnten glauben nun und hoffen und fühlten uns mit gott verwandt Novalis 1, 63
M. vom gemeinsamen ursprung von völkern und sprachen: so närrisch ist der patriotische Deutsche, dasz er versichert, ... alle nationen stammen von ihm ab oder seien wenigstens ihm von der seite verwandt Göthe IV 28, 68
W.; aus des nordens dunkeln hallen reichen helden uns die hand; unser sind sie doch vor allen, sind mit unserm blut verwandt Schenkendorf
gedichte 79; das geschlecht der Franken ist dem der Römer nah v., ihrer beider vorfahren stammten aus der alten Troja ab brüder Grimm
deutsche sagen (1891) 2, 46; von indogermanischen, am nächsten den iranischen verwandten völkerschaften Mommsen
röm. gesch. 2, 269; verwandte sprachen
d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 652; war also auch die pelasgische sprache mit der deutschen v. A. W. Schlegel
in Athenäum 1, 11.
von etymologischer verwandtschaft: cantzler mit dem c, weil es dem lateinischen
cancellarius verwandt Harsdörfer
secretarius 1, 479; in, verwandt mit
lat. in,
gr. ἔν,
ἐνί, lit. ĩ, lett. ë Kluge
etymol. wb.9 215.
von varianten einer dichtung, einer erzählung: eine verwandte fabel Jac. Grimm
Reinhart fuchs cclxxii; verwandte ... fassungen Scherer
litteraturgesch. 167.
von zugehörigkeit zu einer familie, gattung, art im naturwissenschaftlichen sinne: disz kraut ist ... der melissen mehr dann dem balsam verwandt Bock
kreutterbuch 6; nach den schuppen zu urtheilen sollte sie (
die frucht) mit dem tannenzapfen v. sein Göthe 24, 4
W.; mit ihnen (
den wachholderdrosseln) verwandte vögel Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 1, 303; wie wolf und fuchs naturgeschichtlich v. sind Laistner
nebelsagen 21.
auch von anorganischem: bornstein ... und was ime als bergwachs ... und felsenöl v. ist Mathesius
Sarepta (1571) 56
a; von marmor, quarz und verwandten gesteinen Liebig
chem. briefe 221. 99)
in den oben angeführten fällen ist die annahme, dasz mehrere dinge v.
seien, vielfach aus ähnlicher beschaffenheit erschlossen, und es ist oft unsicher, ob die dem gebrauch von v.
zugrundeliegende vorstellung nur die beobachtete ähnlichkeit oder auch die daraus gefolgerte verwandtschaft umfaszt. zweifelhaft sind fälle, in denen angegeben wird, auf welchem bereich ähnlichkeit beobachtet ist: viel andere, inen an sprach und sitten verwandte völker H. Rätel
Curäi chronica 13.
oft tritt die vorstellung '
ähnlich'
beherschend in den vordergrund: v.
nach beschaffenheit, wesen, eigenart. 9@aa)
nicht oft von concreten gegenständen: dann je der arsz ist viel verwandt der nasen, wie solchs ist bekandt, dans hirns purgierhausz ist die nasz, das gsäsz bekompt dem magen basz, die nasz hat rotz, der arsz hat dreck, und ist doch keines nie kein schleck Fischart 2, 253
H.; es (
der pflug) ist gemacht, um zu verletzen, am nächsten ists dem schwert verwandt Schiller 13, 393
G. (
Turandot). 9@bb)
vom menschen: so darf auch ein jeder, ob er schon bei seinem eid zu behaupten vermeint, dasz er weder dem Momo, noch Zoilo v., disz tractätlein tadeln, beurtheilen, verachten Grimmelshausen 4, 503
K.; dasz die freipartheien im dreiszigjährigen kriege ... ziemlich nahe mit straszenräubern v. waren A. G. Kästner
verm. schr. 2, 129; gaukler und dichter sind gar nahe verwandt, suchen und finden sich gern Göthe 1, 319
W.; im geist mit den alten v. 46, 79
W.; mir so nah durch seine denkart v.
F. M. Klinger
w. 3, 124; er war reiterführer ... wie sein vater, aber nur in rang und äuszerer stellung ihm verwandt Fontane
ges. romane 7, 89.
in ähnlichem sinne von seele (Klopstock
oden 1, 90
M.-P.), gemüt (Göthe 5, 290
W.), geist (Hölderlin 2, 68
L.); denn das naturell der frauen ist so nah mit kunst verwandt Göthe 15, 1, 23 (
Faust 5107)
W.; eine aufeinanderfolge verwandter und gleichartiger naturen Ranke
s. w. 25, 75. 9@cc)
von menschlichen eigenschaften, zuständen, empfindungen, thätigkeiten, gedanken: ubermuht und ehrgeitz (
sind) ... alle der unsinnigkeit verwandt Kirchhof
militaris disciplina 4; schlemmerey und ohnsauberkeit, dann dise beede gemainiglich v. seind Abr. a
s. Clara
Judas 1, 4; der wollust höchster grad ist mit dem schmerz verwandt v. Cronegk
schr. 2, 111; (
das unruhige gewissen) ist ganz nahe mit der sorge verwandt Göthe 24, 123
W.; den übergang einer vereinzelten tugendhaften gewohnheit durch ihr extrem in das verwandte laster J. G. Forster
s. schr. 3, 328; die wirksamkeit beider (
des geschichtsschreibers und des dichters) ist unläugbar eine verwandte W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 37
ak. ausg.; verwandte ansichten Dahlmann
französ. revolution 25; verwandte nationale regungen Ranke
sämtl. w. 1, 4, absichten 4, 90; Mommsen
röm. gesch. 2, 253. 9@dd)
von sonstigen geistigen und abstracten begriffen: mit dem gemAel und im verwandten könsten Fischart
bibl. historien 279
K.; die beyden künste, des mahlers und des poeten, sind einander sehr nahe verwandt Breitinger
crit. dichtkunst 1, 13; bildende kunst und die ihr verwandten handwerke Göthe 25, 8
W.; verwandte wissenschaften K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. 1, lxii; eine abhandlung verwandten inhalts Lessing 18, 331
M.; diese verwandten begriffe Herder 22, 36
S.; Fr. A. Lange
gesch. d. materialismus 119; Ranke
s. w. 1, 320; in einem verwandten falle Göthe 41, 1, 185
W.; eine geschichtliche ansicht verwandter zustände 46, 10
W.; diese und verwandte punkte III 4, 14
W.; aus ... verwandten vorfällen Niebuhr
röm. gesch. 2, 39; aus verwandten anfängen und entwickelungen Ranke
s. w. 1, 55; auf verwandte weise 4, 79. 9@ee)
von sprachlauten und tönen: das w, b, p sind verwante buchstaben Harsdörfer
frauenzimmergesprächspiele 3, 315; wenn gantz ungleiche, doch nahe verwandte buchstaben miteinander gereimet werden A. Buchner
anleitung z. deutschen poeterei 158; da
η ehemals durch
ε geschrieben worden, so müsse die aussprache von beiden v. ... gewesen ... sein J. H. Vosz
antisymbolik 2, 172; wie aber dise modi einander verwant, dasz oft ein autenticus mit seinem plagiali vermischt werde, allsz in dem sequents victimae paschali laudes C. Spangenberg
musica 91
lit. v.; in einem nach der gleichschwebenden temperatur gestimmten clavier sind gar alle töne in absicht auf die versetzungen gleich v. und völlig einerley Sulzer
theorie d. schönen künste 4, 673; doch klingt ein griff verwandter töne, den gott in unsre harfen thut, von je und jetzt in gleicher schöne Brentano
ges. schr. 2, 494. 1010)
am häufigsten ist substantivierter gebrauch, sehr oft in verbindung mit sinnverwandten wörtern (
s. u.b
α; d). 10@aa)
die vertheilung starker und schwacher formen zeigt in der neueren sprache keine abweichungen von der üblichen adjectivflexion. auch dasz in älterer zeit nach dem possessivum mehrfach starker plural begegnet (meine verwante und freünd Boltz
Terenz 36
a; dein mitgenossen und verwandte H. Sachs 1, 428
K., aber seine verwandten
2. könige 10, 11; ir verwanten A. v. Eyb
spiegel d. sitten N 4
b),
entspricht gewöhnlichem brauch (
s. Behaghel
syntax 1, 192
f.);
anderseits kennt das ältere nhd. wie bei anderen stehenden substantivierungen (
s. Behaghel 1, 215)
schwachen plural auch unabhängig von syntaktischer gruppenbildung: so nach verwandten oder erber guot fründ kOemmen Eberlin v. Günzburg 1, 30
ndr.; schatz, es seind verwanten, sind meine brüder und bekanten Stieler
geharnschte Venus 36
ndr. 10@bb)
zu 1, 2
und 3,
freund, anhänger, vertrauter, unterthan, verbündeter, glied einer gemeinschaft: 10@b@aα)
auf personen bezogen: also schlug Jehu alle ubrigen vom hause Ahab zu Jesreel, alle seine groszen, seine verwandten (
hebräisch bekannte, vertraute) und seine priester
2. könige 10, 11; da fiel diser Otho, ein gesel, verwandter und mitbuoler Neronis das keiserthumb an Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 23; die zal und namen der Helvetier und irer verwandten Stumpf
Schweizerchronik 13
a; bundsgesellen und verwandte 162
b; bey iren verwandten und gönnern 220
b; dasz der Satan seine zugethanen und verwandten mit solcher nahrung ätze und speise Prätorius
anthropodemus 1, 22; Cecilia mit ihren verwandten sind treffliche musikanten Mittler
volkslieder 805. 10@b@bβ)
auf sächliches. nachgestellte ergänzung steht im genitiv: ein arbaiter oder verwanter des hals (
s. th. 4, 2, 229) und salzsieden (1523)
österr. weisthümer 10, 6; der regirende burgermeister Claus Storm mit anderen vil bürgern und verwanten des raths (
Magdeburg 1524)
chron. d. d. städte 27, 203; des ... cardinals G. und anderer lieben verwanten und untersassen der h. apostolischen, catholischen ... kirchen Fischart
binenkorb (1588) A 3
b; von einem trefflich gelehrten, ... auch liebhaber des mysterii und ein groszer verwanter desselben Jac. Böhme
schr. 6, 51.
vorgestellte ergänzung zuweilen im dativ: er ... halt sie wie andere dem reich verwandte Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 112.
häufiger gleichfalls im genitiv: darnach hat sich H. Th. von A. ... unterstanden, romischer kayserlicher mayestat diener und des schwebischen bunds verwandten ... gefangen
Thomas v. Absberg 2
lit. v.; alle des reichs verwanten Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 161;
daher sind wohl auch wortformen, die genitiv oder dativ sein können, eher als genitiv aufzufassen: wolauf, ihr musicanten, zu diesem neuen jahr: alle dieser kunst verwanten singt mit der engel schar J. Lindemann
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 1, 32; unterzeichneter, als, dem geiste nach, der singakademie wohl verwandter Göthe IV 39, 156
W. steht der vorgesetzte genitiv ohne artikel, so unterscheidet nur die schreibung zwischen zusammensetzungen wie academie- (Göthe 35, 230
W.), bergwerks- (Veith
bergwb. 93), bundes- (
s. th. 2,
sp. 520), landes- (
s. th. 6,
sp. 113), professions- (denen rechtschaffenen herren profeszionsverwandten v. Heppe
wohlredender jäger, widm.), rats- (
s. th. 8,
sp. 203), reichs- (
s. th. 8,
sp. 613), religions- (
s. th. 8,
sp. 803), schul- (
s. th. 9,
sp. 1990), unionsverwandt (Schiller 8, 59
G.)
und syntaktischen wortgruppen: gegen einem heimischen und landsz verwanten Hutten 1, 411
B.; obern oder ampts verwanten Scheit
Grobianus 5
ndr.; die bunds verwandten Schütz
hist. rer. pruss. 5, A 4
c; unsern bundes verwandten Ch. Weise
comödienprobe 5; die augspurgische confessions verwandten Osiander
bedencken (1583) 47; bey andern religions verwandten v. Fleming
teutsche soldat 10.
aufgegeben ist die genitivform in bergverwandt Veith
bergwb. 93; schutzverwandt
th. 9,
sp. 2139. 10@cc)
zu 7: gesippte, verwandte Calepinus
XI ling. 938
a; der selb was nun mein verwanter (
is mihi cognatus fuit) Boltz
Terenz 27
a; da die ehe kinderlos geblieben war, fielen nach ungarischem recht ihre güter an ihre verwandten zurück
jahrb. d. Grillparzerges. 8, 82; keine nahen verwandten Langbein
s. schr. 31, 90; sein nächster, ältester verwandter O. Ludwig
ges. schr. 5, 181; zu entfernten verwandten E.
M. Arndt 1, 11
R.-M.; dasz B. v. L. ein entfernter verwandter meines mannes ist Spielhagen
s. w. 1, 4;
ascendenten, verwandte in aufsteigender linie Kinderling
reinigkeit d. deutsch. sprache 232; eine ehe darf nicht geschlossen werden zwischen verwandten in gerader linie
bgb. § 1310.
sonst bezeichnet v.
ohne nähere bestimmung meist nicht eltern und geschwister, steht oft geradezu in gegensatz dazu: all die, weil sy in leben waren, ihr brüder gehaszt, ir verwanten veruntreüt A. v. Eyb
spiegel d. sitten N 4
b;
pietas, die lieb, trew und ehr gegen ältern, verwandten, freunden underthanen Er. Alberus (1540) 8
a; der vater, sohn oder nächste verwandte (
des verstorbenen) Herder 5, 197
S.; das kind hatte ... nach Wilhelms eltern, geschwistern und verwandten gefragt Göthe 22, 4
W.; da giebt es kaum eine familie, die nicht einen sohn, einen bruder, einen verwandten in der armee hätte Moltke
ges. schr. u. denkw. 7, 61. —
auswahl von compositis: verwandtenehe hwb. d. staatswiss.2 3, 803; 4, 1192; —