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ungestüm

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungestüm f., n., m.

Bd. 24, Sp. 881
ungestüm, f., n., m. , gth. des schwach entwickelten und der neueren schriftsprache verloren gegangenen gestüme, f. ahd. ungistuomi neben ungistuomida, f. (petulantia, strepitus); mhd. ungestüeme, f., n.; nl. ongestuim germanismus wb. 10, 1665 (Bilderdijk). u~gstèəme, f. Schmeller 2, 758. zu den formerscheinungen s. das adj., zur bed. das adj. I. vgl. ungestümheit, -stümigkeit, -stümnis, ungestürm, ungethüm, getümmel. II. das ursprüngliche f. hält sich bis ins 18. jh., wird dann aber, selten geworden, von Adelung als landschaftlich verworfen. Kramer-Moerbeek setzen noch das f. an, ohne ein anderes geschlecht zu erwähnen. Drechsler Scherffer 60; noch Lohenstein (Arm. 1, 472, 481) und Ziegler (ban. 636, 42) gebrauchen f. und n. neben einander. heute veraltet. ungestümp Stainhöwel ber. fr. 128; Fortunatus 28 ndr.; Zür. bib. (1531) 2 Mos. 14 E; ungestymmi Hedio chr. g. P iiia; die ungestymin Ter. (1499) 123b; von ungestüminen desz möhrs Rauwolff 25; bey der ungestümene desz meers Abr. a. St. Clara Judas 1, 63; darin auch grosze ungestüminen und sandwinde Rauwolff bei Ritter erdk. 11, 708. plur. war nicht selten, kann aber vom neutr. gebildet sein: welche ungestüme etwan im menschen auffstont Keisersberg siben schaiden 4; die vier fleischlich ungestmb B. v. Chiemsee 314; solche grausame winde und ungestümme Cario hall- u. thonkunst (1684) 157. (in der n. schriftspr. ist ungestüm n., m., ohne plur.) dem adj. II 1 entsprechend: es ist gemacht worden eine grosze bewegung oder ungestüme in dem mör Keisersberg post. 1, 28b; wie hat die ungstüm uns verschlagen und an die öden insel tragen! Sachs 8, 146, 8 K.; ain leychte ungestüm Reymann wetterb. 4; übertragen er ist die recht gruntfeste, von welchem dich kein ungewitter, kein ungestümme reiszen kan Huberinus v. zorn 117b; Opitz poemata 43 ndr.; Weckherlin 2, 115 F.; durch ungestimme des wüthenden kriegs Rompler 3a. wie u. adj. II 2: durch der thyer ungestüme gegen uns Eberlin v. Günzburg 2, 5 ndr. von persönlichen bethätigungen (adj. II 3/4): die ungestümy Neronis gegen den Römern Stainhöwel ber. fr. 281, 26; mit den kamen sie ... mit groszer ungestümb Wilw. v. Schaumburg 149; (sich gebrauchen) unleydlicher ungestüme im angriff Stumpf chr. 60a; als dann truckte ich mit erschröcklicher ungestümme losz Grimmelshausen 4, 555, 31 K. gern von affecten (adj. II 5): Keisersberg u. B. v. Chiemsee oben: die ungestümme meines vorwitzes Lindenborn Diog. 1, 372; heftigkeit, kunst üb. alle k. 29, 6; sie ... hielten ungestümme für kraft Dya Na Sore 2, 282; mit freudiger ungestüme Sonnenfels 2, 1. schwächer und veraltet: ungestümi oder unschicklichait ineptia Neidhart Ter. eun. 134 F. IIII. das n. schon mhd. Lexer 2, 1872. Steinbach 2, 757. 'in einigen gegenden das u.' Adelung. 'der oder das u.' Heynatz antibarb. 2, 522. 'das oder der'. Braun (1793) 271a. 'n. jetzt wohl am üblichsten' Weigand-Hirt, Duden. in den häufigsten neueren verbindungen, wie mit, ohne, vor (Göthe 27, 350 W.) u. s. w. u., ist nicht erkennbar, ob m. oder n. vorliegt; bis zum 18. jh. werden wir regelmäszig n. anzusetzen haben, das m. ist erst bei Spanutius 1720 (importunität der u. 285) ausdrücklich bezeugt und wird im verlaufe des 18. jhs. gebräuchlicher. alterthümelnd mit mm: dann nicht umgeht die gute krümme—aber krumm gehts dem ungestümme Rückert 11, 552. zur bedeutung; die seel sey ainer feürin kraft, die ir ungestm (auftrieb, vgl. das adj. I 1, 2) und ewigkait nit von unserm feüer ... hab A. v. Eyb sp. d. sitten m ivb; die zeitvorstellung verbindet sich mit der intensitätsvorstellung (vgl. das adj. I 2, 3): es giebt unter den sünden einige, die mit u., plötzlich und schnell uns überrumpeln Bode Mont. 5, 65; ohne u., durch allmähliche änderungen Ranke 7, 17; han kain ugstiem Stelzhamer 2, 164, 16; Weckherlin 1, 248, 22; bauts! schlug ich ihm mit ungestüm das fenster vor der nase zu theater der Deutschen 12, 354. vom schall (vgl. d. adj. I 3 und strepitus Graff 6, 681): als nun disz ungestmm (musik und kanonendonner) sein endt gehabt Fronsperger kr. 3, 294a; denn der unsterbliche, hoch erhöht von seiner begeistrung, strömet' und sang in der harfe geflügelten ungestüm Klopstock Mess. 12, 659; seelenvolle harmonieen wimmeln, ein wollüstig ungestüm, aus den saiten Schiller 1, 216; mit donners u. 11, 15; der saiten u. Hölderlin 1, 82, 45 L. von stärke, gewalt, heftigkeit, wilder kraft schlechthin: Pietsch 13; der entzückungen u. Klopstock Mess. 13, 121. mein ungestüm (ungestümes verlangen) zu schreiben ist ungeheuer Scheffel 3, 217. das u.: wie das adj. II 1 schiffen durch das ungestuom Keisersberg schiff d. pen. 1a; da erhub sich ein gros u. im meer Matth. 8, 24; ein rauhes ungestüm und ein erfrornes wetter bedeckt mit eisz und schnee die bunten blumen-blätter Henrici 1, 103; u. schneegestöber oder überhaupt strenges und schlechtes wetter Hupel 245; schriftspr. veraltet, doch das u. (vgl. das adj. I 1) des sees hält oft noch sehr lange nach dem sturme an Ritter erdk. 3, 91. bildlich: wie ein u. wirstu komen Luther 30, 2, 228 W.; dein hasz, neid richt ungesthum an 32, 15, 14 W. (vgl. das adj. II 5); Bürger Il. 1, 809; Luther .., der zugleich alle lieblichkeit, zier, ungestüm und bewegenden donner in die teutsche sprache gepflantzet Schottel 49; wer Christo folgt, der musz mit ihm das creutz und alles ungestüm auff seinen wegen leiden Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 321; für's ungestüm des kriegs Bürger Il. 1, 399. dem adj. II 2 entsprechend: das nahende u. des durchgehenden pferdes O. Ludwig 2, 409. dem adj. II 3/4 entsprechend: der fremden ungestüm Jes. 25, 5; der herr ... sties die reder von iren wagen, stürtzet sie mit ungestüm 2 Mos. 14, 25; am tisch schnaude und sewisch schmatz, mit ungestüm nach dem brodt platz Sachs 17, 416, 17 G.; er verlangt seine waffen mit ungestimm (m?) zurück Lessing 6, 199; dessen unheilbringendes u. Fr. Jacobs personalien 68. wie das adj. II 5 (von dem vorhergehenden natürlich oft nicht zu trennen): dann hebt sich das tobende ungestym in deiner seele S. Geszner schr. (1762) 20; das schöne kunstcapital ... war ... durch das leidenschaftliche u. der menge zerstreut Göthe 44, 2, 306, 23 W.; Treitschke aufs. 1, 490; diesz edle u. Schiller 13, 120; Heine 2, 50; das u. (enthusiasmum) der schöpfungen Chr. G. Heyne bei Justi Winckelmann 1, 207. das m.; 'im hd. ist das männl. geschlecht am gangbarsten' Adelung: wie das adj. II 1 er liesz den ungestüm der lauten stürme schweigen Pietsch 73; Stolberg 6, 134; Forster 2, 392; Novalis 4, 209 (ungestüme bewegung des landenden schiffes). wie II 2 des adlers edler u. Kretschmann 2, 125. wie II 3/4 bis endlich, weil du ihn nicht wilst mit worten speisen, du seinen ungestüm mit ungestüm vertreibst Besser 1, 75; zur bezeichnung der person: zum orkus! du u.! Klinger theater 2, 267; vetter Ungestüm Stolberg 3, 270; sie ist ein rechter u. Fr. L. Schröder 4, 99 (Wilmanns gr. 3, 733); Bäuerle 1, 5; Eichendorff 2, 179; Börne 1, 59; Gutzkow 5, 524; Bauernfeld 3, 8. u. will durchdringen Eiselein 611. wie das adj. II 5 von affecten: ich kenne seine wuth und wilden ungestümm Gottsched schaubühne 6, 55; doch bedurft' es so viel grimm, den ungestüm nicht, ihr herz zu bewegen Klopstock Mess. 7, 747; Wieland I 3, 57; Ag. 1, 261; Klinger 1, 289; H. v. Kleist 1, 187; Ranke 39, 174; ihr jugendlicher u. Holtei erz. schr. 36, 216; Laube 2, 83; den allzugroszen u. der Libyer Mommsen r. g. 1, 647. zusammensetzungen: frühlingsungestüm, gedankenu., heldenu. Sanders 2, 1255a; erg. 538b. —
7607 Zeichen · 238 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹ungestü̂mn.

    Mittelniederdeutsches Wb. · +1 Parallelbeleg

    1 ungestü̂m , n. ? : 1. Ungestüm, Wildheit, „ daraver sich de jungen Perde entsetten unde mit Ungestume tho dem Volke va…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungestüm

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Ungestüm , -er, -ste, adj. et adv. ungewöhnliche Heftigkeit äußernd. Besonders in Ansehung der Bewegung. Das Meer wird p…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungestüm

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    ungestüm [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Ungestümn.

    Mecklenburgisches Wb.

    Ungestüm n. Unwetter: dat sus't so dull in de Böm, dat ward noch Ungestüm Wa; Ro NHagD ; Krieg un Ungestüm Klock.

  5. Sprichwörter
    Ungestüm

    Wander (Sprichwörter)

    Ungestüm Ungestüm will durchdringen und sollt' es der Nonne ein Kind bringen. – Eiselein, 611; Simrock, 10860; Klostersp…

  6. Spezial
    ungestüm

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    un|ge|stüm I adj. borius (-sc, -iosa), furius (-sc, -iosa), che vega, resce (resci, rescia) II adv. gah.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungestuem

15 Bildungen · 14 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungestuem

un- + gestuem

ungestuem leitet sich vom Lemma gestuem ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungestuem 2 Komponenten

ung+e+stuem

ungestuem setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungestuem‑ als Erstglied (14 von 14)

ungestümen

DWB

ung·e·stuemen

ungestümen , verb. , perstrepere, strepere Schröer voc. 2069 (unstumen insolescere 1321); Diefenbach gl. 555 c ; nl. gl. 289 b ; ungestumen,…

ungestümens

DWB

ungestuem·ens

ungestümens , adv. : auch Th. K. fast ungestimens ( zur bed. das adj. II 3 b) gesprochen, wo in einer meineidig hiesz, wolle im sein leben n…

Ungestümfreudig

Campe

ungestuem·freudig

○ Ungestümfreudig , adj . u. adv . auf eine ungestüme Art freudig, seine Freude äußernd. — die trübe Verlaßne Heitert sich auf, und windet m…

ungestümheit

DWB

ungestuem·heit

ungestümheit , f. , gth. der gestümheit (gestumeheit tranquillitas voc. 1482 s. th. 4, 1, 2, 4265). impetus, impetuositas, impietas ungestie…

un(ge)stü̂michêⁱt

MNWB

un(ge)stü̂michêⁱt ( ungestuimicheit, ungestummigheit ), ° ungestêmichê(i)t ( ungesteimmicheit ) (Duisb. Notger. 48), f. : 1. heftige, kraftv…

ungestü̂mich(t)

MNWB

ungestuem·icht

ungestü̂mich(t) ( ungestuimich ), unstü̂mich, adj. (flekt. -g- ): 1. (Wetter:) schlecht, stürmisch , „ Anstandes dusses jares blef dat weder…

ungestümig

DWB

ungestümig , adj. adv. , gth v. gestümig, im 18. jh. veraltete nebenform des adj. adv. ungestüm; zu formen und bed. s. d. ahd. ungistuomic i…

ungestümigkeit

DWB

ungestuemig·keit

ungestümigkeit , f. , gth. der gestümigkeit. ( ahd. ungistuomida.) mhd. ungestüemecheit, ungestüemekeit; mnl. ongestemmicheit; nl. ongestuim…

ungestümiglich

DWB

ungestuem·iglich

ungestümiglich , adv. zu ungestümig. mhd. ungestüemeclîche ( dafür gestümeclich Mynsinger bei Fischer schwäb. wb. 3, 567 ); unstümiglich Ste…

ungestümin

DWB

ungestümin , ungestümine s. ungestüm , f. —

ungestümmelt

DWB

ungestuem·melt

ungestümmelt , part.-adj. , gth. v. gestümmelt ( s. d. ). mhd. ungestümelt. vgl. unverstümmelt: leib Agricola sprichw. k viii a ; daumen Mus…

ungestümnis

DWB

ungestuem·nis

ungestümnis , n., f. , vereinzelte nebenform zu ungestüm, subst., vgl. ungestümheit , ungestümigkeit : doch ausz neid Neptunus bewegt das me…

Ableitungen von ungestuem (1 von 1)

unungestüm

DWB

unungestüm , adj. , nicht ungestüm ( s. d. II 5). individuelle bildung Rückerts 8, 589 .