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Ungestüm

mnd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
16 in 10 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Ungestüm

Bd. 4, Sp. 864
Ungestüm, -er, -ste, adj. et adv. ungewöhnliche Heftigkeit äußernd. Besonders in Ansehung der Bewegung. Das Meer wird plötzlich ungestüm, Hiob 26, 12. Das ungestüme Meer, Ps. 89, 10. Ein ungestümer Wind. Es ist ungestümes Wetter, wenn ein heftiger Wind gehet. Ein ungestümer Mensch, welcher alles mit ungewöhnlicher Heftigkeit verrichtet. Ungestüm um etwas bitten. Ungestüm anklopfen, rufen, schreyen, u. s. f. Gleich einem Strome, den sein Reichthum ungestüm macht, Dusch. Anm. Schon bey dem Willeram ist Ungestuome, ein heftiges Geräusch. Das einfachere gestüm muß längst veraltet seyn, wenigstens hat es sich bisher noch bey keinem Schriftsteller wollen finden lassen. Dieß macht zugleich die Abstammung ungewiß. Wachter hält das Schwed. stimma, lärmen, toben, Stym, ein tobender Haufe, für das Stammwort, welches mit unserm Stimme verwandt ist, in welchem Falle un eine intensive Bedeutung haben, ungestüm aber eigentlich heftig lärmend und schallend bedeuten würde. Frisch hält das veraltete stüm für einen Verwandten von stumm. Gestüm würde ihm zu Folge still, gelinde, sanft, ungestüm aber dessen Gegensatz bedeutet haben. Indessen hat die erste Ableitung mehr Wahrscheinlichkeit vor sich, besonders, wenn man die verwandten Deutschen stämmen, stampfen u. s. f. mit in Betrachtung ziehet, da denn ungestüm nach dem Muster des Latein. Impetus, impetuosus, gebildet seyn, und eigentlich Heftigkeit im Stoßen bedeuten kann. Die Niederdeutschen gebrauchen dafür unstür, welches eine ähnliche doppelte Ableitung leidet, sowohl von stur, groß, heftig, mit dem intensiven un, als auch von steuern, mäßigen, einschränken, da es denn ungemäßigt, unbändig, bedeuten würde. S. auch Ungethüm, welches noch in einigen Gegenden ein Gespenst bedeutet und gleichfalls mit unserm Worte verwandt ist.
1790 Zeichen · 31 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹ungestü̂mn.

    Mittelniederdeutsches Wb. · +1 Parallelbeleg

    1 ungestü̂m , n. ? : 1. Ungestüm, Wildheit, „ daraver sich de jungen Perde entsetten unde mit Ungestume tho dem Volke va…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungestüm

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Ungestüm , -er, -ste, adj. et adv. ungewöhnliche Heftigkeit äußernd. Besonders in Ansehung der Bewegung. Das Meer wird p…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ungestüm

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    ungestüm [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Ungestümn.

    Mecklenburgisches Wb.

    Ungestüm n. Unwetter: dat sus't so dull in de Böm, dat ward noch Ungestüm Wa; Ro NHagD ; Krieg un Ungestüm Klock.

  5. Sprichwörter
    Ungestüm

    Wander (Sprichwörter)

    Ungestüm Ungestüm will durchdringen und sollt' es der Nonne ein Kind bringen. – Eiselein, 611; Simrock, 10860; Klostersp…

  6. Spezial
    ungestüm

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    un|ge|stüm I adj. borius (-sc, -iosa), furius (-sc, -iosa), che vega, resce (resci, rescia) II adv. gah.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungestuem

15 Bildungen · 14 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von ungestuem

un- + gestuem

ungestuem leitet sich vom Lemma gestuem ab mit Präfix un-.

Zerlegung von ungestuem 2 Komponenten

ung+e+stuem

ungestuem setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungestuem‑ als Erstglied (14 von 14)

ungestümen

DWB

ung·e·stuemen

ungestümen , verb. , perstrepere, strepere Schröer voc. 2069 (unstumen insolescere 1321); Diefenbach gl. 555 c ; nl. gl. 289 b ; ungestumen,…

ungestümens

DWB

ungestuem·ens

ungestümens , adv. : auch Th. K. fast ungestimens ( zur bed. das adj. II 3 b) gesprochen, wo in einer meineidig hiesz, wolle im sein leben n…

Ungestümfreudig

Campe

ungestuem·freudig

○ Ungestümfreudig , adj . u. adv . auf eine ungestüme Art freudig, seine Freude äußernd. — die trübe Verlaßne Heitert sich auf, und windet m…

ungestümheit

DWB

ungestuem·heit

ungestümheit , f. , gth. der gestümheit (gestumeheit tranquillitas voc. 1482 s. th. 4, 1, 2, 4265). impetus, impetuositas, impietas ungestie…

un(ge)stü̂michêⁱt

MNWB

un(ge)stü̂michêⁱt ( ungestuimicheit, ungestummigheit ), ° ungestêmichê(i)t ( ungesteimmicheit ) (Duisb. Notger. 48), f. : 1. heftige, kraftv…

ungestü̂mich(t)

MNWB

ungestuem·icht

ungestü̂mich(t) ( ungestuimich ), unstü̂mich, adj. (flekt. -g- ): 1. (Wetter:) schlecht, stürmisch , „ Anstandes dusses jares blef dat weder…

ungestümig

DWB

ungestümig , adj. adv. , gth v. gestümig, im 18. jh. veraltete nebenform des adj. adv. ungestüm; zu formen und bed. s. d. ahd. ungistuomic i…

ungestümigkeit

DWB

ungestuemig·keit

ungestümigkeit , f. , gth. der gestümigkeit. ( ahd. ungistuomida.) mhd. ungestüemecheit, ungestüemekeit; mnl. ongestemmicheit; nl. ongestuim…

ungestümiglich

DWB

ungestuem·iglich

ungestümiglich , adv. zu ungestümig. mhd. ungestüemeclîche ( dafür gestümeclich Mynsinger bei Fischer schwäb. wb. 3, 567 ); unstümiglich Ste…

ungestümin

DWB

ungestümin , ungestümine s. ungestüm , f. —

ungestümmelt

DWB

ungestuem·melt

ungestümmelt , part.-adj. , gth. v. gestümmelt ( s. d. ). mhd. ungestümelt. vgl. unverstümmelt: leib Agricola sprichw. k viii a ; daumen Mus…

ungestümnis

DWB

ungestuem·nis

ungestümnis , n., f. , vereinzelte nebenform zu ungestüm, subst., vgl. ungestümheit , ungestümigkeit : doch ausz neid Neptunus bewegt das me…

Ableitungen von ungestuem (1 von 1)

unungestüm

DWB

unungestüm , adj. , nicht ungestüm ( s. d. II 5). individuelle bildung Rückerts 8, 589 .