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Turnīer

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Turnīer

Bd. 19, Sp. 835
Turnīer (Turnei, franz. Tournoi, lat. Torneamentum, Hastiludium), eine im 11. Jahrh. angeblich von dem französischen Ritter Godefroy de Preuilly erfundene Umgestaltung der bei allen kriegerischen Völkern nachweisbaren Waffenspiele. Während der Buhurd (s. d.) bloß die Gelegenheit bot, die Gewandtheit des Reiters zur Geltung zu bringen, in der Tjost (franz. joute, lat. justa, ital. giostra) nur zwei Gegner sich gegenüberstanden, die mit abgestumpften, oft aber auch mit scharfen Waffen miteinander kämpften, ist das T. ursprünglich das Abbild einer großen Reiterschlacht, vertritt gewissermaßen unsre Manöver. Vor Beginn des Turniers wurden die Scharen geteilt, so daß auf jeder Partei gleichviel Kämpfer waren. Schon den Tag vor dem Kampfspiel hatten die Ritter in der Tjost ihre Kräfte gemessen; das ist die Vesperîe oder Vespereide. Das T. begann mit dem Speerkampfe; jeder suchte seinen Gegner durch einen geschickten Stoß gegen das Kinnbein, gegen das Zentrum des Schildes (die vier Nägel) etc. aus dem Sattel zu heben. Zugleich aber manövrierte auch Schar gegen Schar unter Kommando ihrer Befehlshaber. Auch über diese Angriffsarten sind wir ziemlich unterrichtet. Waren die Speere verstochen, so wurde das Gefecht mit den Schwertern fortgesetzt, endlich durch Ringen der Kampf entschieden; der Unterliegende, der sich als Gefangener seinem Gegner ergab, gab damit die Sicherheit, die Fîanze. Das Roß des Besiegten gehörte dem Sieger, der es von seinen Leuten in Sicherheit bringen ließ; ebenso nahm er den Harnisch und die Waffen in Anspruch und verlangte von seinem gefangenen Gegner auch noch ein angemessenes Lösegeld. So ist die Teilnahme an einem T. eine Art Glücksspiel: man konnte alles verlieren, aber auch viel gewinnen, und es gab deshalb damals schon Leute (»Glücksritter«), die aus reiner Gewinnsucht sich an Turnieren gewohnheitsmäßig beteiligten. Aber auch lebensgefährlich war das T.; zahllose Unglücksfälle haben sich bei ihnen ereignet, und deshalb erschien es durchaus gerechtfertigt, daß die Päpste Innozenz II., Eugen III., Alexander III. und Cölestin III. die Teilnahme an den Turnieren, freilich ohne jeden Erfolg, bei Strafe der Exkommunikation verboten. Damen haben wohl hin und wieder bei den Turnieren zugesehen, und in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. mag auch zuweilen ein Preis dem hervorragendsten Ritter zuerkannt worden sein; aber alle diese Verschönerungen, die das T. zu einem höfischen Fest umgestalten, haben eigentlich mit der Hauptsache: den Rittern Gelegenheit zu geben, sich im Reitergefecht praktisch zu üben. nichts zu tun. Vgl. Niedner, Das deutsche T. des 12. und 13. Jahrhunderts (Berl. 1881); Reinh. Becker, Ritterliche Waffenspiele nach Ulrich v. Lichtenstein (Düren 1887); A. Schultz, Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger, Bd. 2, S. 106 ff. (2. Aufl., Leipz. 1889). Die Geldgier der Ritter machte schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. die Turniere zu Schauplätzen der Roheit und der gemeinen Raubsucht. Im 14. Jahrh. wird das T. als ein adliges Vergnügen noch eifrig gepflegt, besonders war Johann von Luxemburg, der König von Böhmen, ein großer Freund dieser Leibesübung. Auch im 15. Jahrh. finden noch viele Turniere statt, aber es sind schon mehr bloße Schaustellungen von persönlicher Geschicklichkeit; den Charakter eines Reitermanövers haben sie verloren. In der Regel handelt es sich nur um einen Zweikampf, der auch bei den schweren Eisenrüstungen kaum mehr gefährlich ist, natürlich nur ganz kurze Zeit andauern konnte. Über die verschiedenen Arten des Turniers, das Stechen und Rennen, im hohen Zeug etc., hat Q. v. Leitner in der Einleitung seiner Ausgabe des »Freidal, des Kaisers Maximilian I. Turniere und Mummereien« (Wien 1880–82) wohl das Beste veröffentlicht. Die Ritter hatten sich im 15. Jahrh. zu Turniergesellschaften vereinigt, welche die neugeadelten Kaufleute von ihren Kampfspielen ausschlossen, über die Art des Turniers, die Ehrenhaftigkeit der Teilnehmer etc. Beschlüsse faßten. Diese Partie des ehedem so hochgeehrten Turnierbuches von dem bayrischen Herold Georg Rüxner (2. Ausg. 1532) ist wohl unbedingt glaubwürdig. Kaiser Maximilian I. war ein eifriger Pfleger der Turnierkunst und hat sich um die Ausbildung derselben viele Verdienste erworben. Nach dem Tode Maximilians werden die Turniere seltener, und der Unglücksfall, der 1559 dem französischen König Heinrich II. das Leben kostete, brachte das eigentliche Waffenspiel immer mehr in Mißkredit. Statt des Turniers kam später in mehr bürgerlichen Kreisen das ungefährliche Karussellreiten (s. Karussell) oder Ringelrennen, die dem Reiter Gelegenheit boten, seine Kunst und Geschicklichkeit ins beste Licht zu setzen. Dabei konnte aller Prunk entfaltet werden, und so entsprach ein solches Fest allen Anforderungen, die man im 17. und 18. Jahrh. an höfische Vergnügungen stellte. Seit dem Tode des Königs August des Starken sind auch diese Leibesübungen in Vergessenheit gekommen, nur bei großen Hoffestlichkeiten werden von Zeit zu Zeit noch Schauspiele veranstaltet, die zwar als »Turniere« bezeichnet werden, mit den mittelalterlichen Turnieren der ältern Zeit aber nichts als den Namen gemein haben. Vgl. Ganz, Die Abzeichen der Ritterorden und Turniergesellschaften (Zürich 1906).
5258 Zeichen · 85 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    turnierstm.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    turnier stm. BMZ turnier. der turnier Chr. 10. 186,3. 355,2. turnîr, durnîr ib. 2. 25,2. 5. türnier Kell. 54,5. tornîr, …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Turnīer

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Das Turnīer , des -es, plur. die -e, eine sehr alte Benennung feyerlicher Ritterspiele, besonders so fern sie in krieger…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Turnier

    Goethe-Wörterbuch

    Turnier [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Turnīer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Turnīer ( Turnei , franz. Tournoi , lat. Torneamentum, Hastiludium ), eine im 11. Jahrh. angeblich von dem französischen…

  5. modern
    Dialekt
    Turnier

    Schweizerisches Idiotikon · +2 Parallelbelege

    Turnier Band 13, Spalte 1674 Turnier 13,1674

  6. Sprichwörter
    Turnier

    Wander (Sprichwörter)

    Turnier Die langsamen (späten) Turnire(r) werden gern gut. – Lehmann, II, 71, 4; Simrock, 10568.

  7. Spezial
    Turnier

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Tur|nier n. (-s,-e) torné (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit turnier

67 Bildungen · 60 Erstglied · 3 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von turnier 2 Komponenten

turn+ier

turnier setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

turnier‑ als Erstglied (30 von 60)

turnierære

Lexer

turnier·aere

turnierære , turnierer stm. BMZ turnierer, tornarius (turnîrer, tornierer, dornîrer) Dfg. 588 c , n. gl. 367 c . Bit. (8542). Leys. Krone 76…

turnierausschreiber

DWB

turnier·ausschreiber

turnierausschreiber , m. , vereinzelt lexikalisch gebucht: ἀγωνοθέτης , agonotheta turnierauszschreiber Frischlin nomencl. (1586) 282 a ; tu…

turnierbuch

DWB

turnier·buch

turnierbuch , n. , verzeichnis der turniere und ihrer teilnehmer: so het der thurnier-hof ein end. zu morgens yeder haymwartz lend, namen ir…

turnierdank

DWB

turnier·dank

turnierdank , m. , der im turnier errungene preis: turnir-danck mercè, premio, pregio riportato nella giostra Kramer teutsch-ital. 2 (1702) …

turnieren

DWB

turn·ieren

turnieren , vb. , ' ein turnier oder wettkämpfe bestehen, sich lärmend und tobend aufführen ' ; mhd. turni(e)ren, tornieren, vereinzelt auch…

turnierer

DWB

turnierer , m. , teilnehmer am ritterlichen kampfspiel; mhd. turnirære, turnierer mhd. wb. 3, 153; Lexer 2, 1584 ; H. Suolahti d. frz. einfl…

turniereⁿ

Idiotikon

turniereⁿ Band 13, Spalte 1675 turniereⁿ 13,1675

turnierfähig

DWB

turnier·faehig

turnierfähig , adj. , ad ludos equestres habilis Schottel haubtspr. (1663) 353 ; üblich allein im sinne von ' am turnier teilzunehmen würdig…

turnierfähigkeit

DWB

turnier·faehigkeit

turnierfähigkeit , f. , nominalbildung zu turnierfähig ( s. dort ): sie ( die kampfrichter ) liessen sich die beweise der turnierfähigkeit e…

turnierfeld

DWB

turnier·feld

turnierfeld , n. , turnierbahn, turnierplatz ( vgl. ndl. tornooiveld und engl. tourney-field), nur bildlich nachweisbar: das freulin gab im …

Turniergeleit

Campe

turnier·geleit

Das Turniergeleit , — es, Mz . u. das sichere Geleit, welches einem zu einem Turniere Ziehenden gegeben wurde.

Turniergenoß

Campe

turnier·genoss

Der Turniergenoß , — ssen, Mz. — ssen , eigentlich einer, der mit Andern an einem Turniere Theil nimmt. Ehemahls gebrauchte man es aber nach…

turniergenosse

DWB

turnier·genosse

turniergenosse , m. , ' teilnehmer am turnier (A)' bzw. ' angehöriger einer turniergesellschaft ( s. dort sowie s. v. turniersgenosse)': sol…

turniergesellschaft

DWB

turnier·gesellschaft

turniergesellschaft , f. , ritterlicher verband von turnierfähigen: er ... gedenkt ... der turnire in den ... vier landen, obgleich diese nu…

turniergesetz

DWB

turnier·gesetz

turniergesetz , n. , satzung des ritterlichen kampfspiels, vgl. turnierordnung : nach dem ... der keyserliche herold einen brieff, darin die…

turniergezeug

DWB

turnier·gezeug

turniergezeug , n. , ' rüstung ' ( vgl. mndl. torniergetouwe Verwijs-Verdam 8, 591 ): darzu soll sein thurniergezeg den ehrnholden vnd sein…

Turnierheld

Campe

turnier·held

Der Turnierheld , — en, Mz. — en , ein Held im Turnieren. »Wille zuckte die Stahlwaffen, und rasselte trotz einem Turnierhelden .« Benzel=St…

turnierhelm

DWB

turnier·helm

turnierhelm , m. , im turnier getragener helm, s. auch unter turniershelm und vgl. schwed. tornerhjälm, engl. tourney-helm sowie stechhelm t…

turnierhengst

DWB

turnier·hengst

turnierhengst , m. , wie turnierpferd, -rosz und stechhengst, s. teil 10, 2, 1, sp. 1278 u. vgl. dän. turnerhest: man sagt, dasz etwan uf ei…

turnierhof

DWB

turnier·hof

turnierhof , m. , metaphorisch für turnier, s. auch unter turniershof und vgl. rennhof teil 8, sp. 813 sowie stechhof teil 10, 2, 1, sp. 127…

turnierisch

DWB

turnier·isch

turnierisch , adj. , vereinzelt als gelegenheitsbildung bezeugt; ' am turnier teilnehmend ': dieser turnierische Jesuiter Guarinonius grewel…

Turnierkönig

Campe

turnier·koenig

Der Turnierkönig , — es, Mz. — e , der König, Richter, Vorgesetzte bei einem Turniere. Oberlin.

turnierkolben

DWB

turnier·kolben

turnierkolben , m. , stumpfe im turnier verwendete hiebwaffe: gesum ein turnir kolb (15. jh., obd. ) bei Diefenbach nov. gl. 192 a ; der thu…

turnierkragen

DWB

turnier·kragen

turnierkragen , m. , heraldischer terminus, s. auch unter turnierhelm u. vgl. ndl. tornooikraag: nachfragen was die bilder eigendlich bedeut…

turnierlanze

DWB

turnier·lanze

turnierlanze , f. , wie stechlanze, s. teil 10, 2, 1, sp. 1280 u. vgl. dän. turnerlanse, schwed. tornerlans: turnir-lantze lancia à giostrar…

turnierlich

DWB

turnier·lich

turnierlich , adj. , vereinzelt lexikalisch bezeugt: tornabilis turnierlich, var. turneyerlich (1482, Nürnberg ) bei Diefenbach gl. 588 b .

Turniermäßig

Campe

turnier·maessig

Turniermäßig , adj . u. adv . 1) Dem Turniere gemäß, auch, einem Turnier ähnlich, nach Art eines Turnieres. 2) S. Turnierfähig .

turniermäszig

DWB

turniermäszig , adj. , capace ò leggitimato di comparire, e d'entrar' in torneo ( Kramer teutsch-ital. 2 [1702] 1163 c ): so hat man doch da…

turnierordnung

DWB

turnier·ordnung

turnierordnung , f. , wie turniergesetz, s. auch unter turniersordnung: turnirordnung ordini, leggi, ordinanze per la giostra Kramer teutsch…

turnier als Zweitglied (3 von 3)

minneturnier

KöblerMhd

minne·turnier

minneturnier , st. M. nhd. Minneturnier Q.: MinnerI (um 1340) E.: s. minne (1), turnier W.: nhd. DW- L.: MHDBDB (minneturnier)

Ableitungen von turnier (4 von 4)

geturniere

BMZ

geturniere swm. turniere. frd. 309,23.

geturnieren

Lexer

ge-turnieren swv. BMZ Lieht. Berth. 176,28.

turniere

BMZ

turniere swv. turniere. franz. tournoyer ursprünglich mit dem rosse wenden, wie auch turnieren Trist. 2107 gebraucht wird: daʒ ors ze beiden…

verturnieren

DWB

verturnieren , v. : rem decoquere Stieler 2366 ; verderben, zerreiszen Fischer 2, 1393 . vertusch, m., wort der gaunersprache, wie vertusche…