tratschen,
vb. ,
klatschen, spritzen, schwatzen; schwerfällig gehen, schallmalendes, affecthaltiges wort mit ähnlichem sinnumfang wie die in den meisten bedeutungen synonymen klatschen, patschen, trantschen.
in der bedeutung 3
mag intensivierungsbedürfnis von treten
her mitgewirkt haben. das wort ist in den maa. auszerordentlich verbreitet. der stammsilbenvocal a,
vor allem md. u. nd., wechselt mit ä,
vor allem obd., öfter in derselben ma., z. b. Schmeller-Fr.
bair. 1, 681; Müller-Fraureuth
obers.-erzgeb. 1, 240
b.
die qualität ist in der regel lang Paul
dtsch. gr. 1, 169;
kürze verzeichnen Wegeler
Coblenz. 77 (trättsche); Gangler
Lux. 454 (trattschen),
rundung des a, ä
zu tro(t)schen, tröätschen
u. ähnl. Liesenberg
Stieger ma. 12; Schröer
ungr. bergl. 239; Berndt
Posen 320; Knothe
Nordböhmen 190; Köppen
Dortmund 60.
daneben stehen andere stammvocale dreuschen, treuschen, treischen, trēschen, trētschen (Kramer
Bistr. 133; Knothe
Nordböhm. 187)
s. unter treuschen,
seltener trieschen, tritschen
u. ähnl. die nicht affricierten formen stehen in allen bedd. ohne scharfe dialektgrenzen neben denen mit inlautendem -tsch-.
im anlaut neben überwiegendem tr-
auch dr-
z. b. Autenrieth
pfälz. 35; Reinwald 21; Müller-Fraureuth 1, 239; Hertel
Thür. 84; Hofmann
niederhess. 240; Schambach
Göttingen 47. —
nicht selten entspricht formvarianten innerhalb derselben mundart bedeutungsdifferencierung, was auf wortmischung deutet. 11) '
spritzen'
von wasser und anderer flüssigkeit, meist mit hervorhebung der akustischen wirkung: und fiel ei dan mit wosser geföllten stroszengroben, dosz klatschte und dos wesser hoch ei de höh träschte J. Lowag
ges. schr. (1902) 5, 200; se haben mit a flinten geschossen. ... eener der that so zappeln wie a sperling, dem man a kopp wegreiszt. ach, ach und a so viel blut kam getreetscht ... Hauptmann
weber (1892) 115;
auch transitiv: tretschen
mit wasser nasz machen Estor
d. Teutschen rechtsgelahrtheit 3, 1421; trētschen '
mit wasser spritzen' Knothe
Nordböhmen 187; '
mit geräusch zur erde fallen von flüssigkeiten' Müller-Fraureuth 1, 239
b; '
schallend aufschlagen' Jecht
Mansfeld. 113
b; Knothe
Nordböhmen 184; trätsch doch nicht so '
giesz nicht so viel wasser aus' Vilmar
Kurhess. 415; träschen
das geräusch des von einer anhöhe herabstürzenden wassers Keller
thür. 45;
vor allem vom regen, stark, heftig, plätschernd regnen: es regnet, dasz es trascht und patscht Spiesz
henneb. id. 257; trätschen Vilmar
Kurhess. 415; Hofmann
niederhess. 241
a; Wegeler
Coblenz. 77;
im wallon. gedrungen draše
in strömen regnen Meyer-Lübke
nr. 2766; drâschen Schambach
Göttingen 47
b; tratschen
rauschend niedergehen Hertel
Thür. 246; trāschen Gerbet
Vogtland 339; träscha Stauf v.
d. March
nordmähr. ma. 92; traschen
Bayerns maa. 2, 267. 22) '
schwätzen', '
leichtsinnig, unbedacht reden',
auch '
verwirrt, zusammenhanglos sprechen'
; wohl über das ganze deutsche sprachgebiet verbreitet: du weiszt, ich kann das vorm teufel nicht leiden, wenn man immer hin und her träscht. heraus mit der sprache! G. Reinbeck
s. dram. w. 1, 85; was doch die bürgerkanaille für einfältiges zeug trätscht! J. G. Müller
kom. romane 2 (1786) 257; über, von etwas tratschen: der überhaupt schon von jeher den verteufelten fehler an sich gehabt hat, über alles daher zu trätschen Schöpfel
Thomas Imgarten (1777) 98; willst du mir hier von einem andern trätschen, und dritten etwa, dumme namen nennen ... H. v. Kleist 1, 383
E. Schmidt. im sinne von '
murren', '
zanken': komm ich aus dem krätschem, frau, dann lasz dein trätschen; aber bin betrunken ich, frau, dann unterstütze mich! I. v. Düringsfeld
böhm. rosen (1851) 149,
vgl.tratschen kriegen '
scheltworte bekommen' Kleemann
nordthür. 23; Hertel
Thür. 246.
indifferenter '
schwätzen'
im sinne von '
sich unterhalten'.
absolut: und do wörd a stündla und manchmal a mehr wie zwa getratscht J. Lowag
ges. schr. 8, 120; so tratschten sie; auch männer können es, wenn sie langweile haben Rosegger
schr. (1895) I 1, 61; es ist immer gut, wenn wir die mädel nach hause schaffen ... mir ists heut gar nicht ums trätschen maler Müller
w. (1811) 2, 115; ein märchen, wodurch ihn einst seine mutter in den schlaf trätschte
V. Weber
sagen, s. wb. d. dtsch. sprache (
Prag 1821) 232
a;
vom geräuschvollen schwatzen von kindern: wie die kinder um weyhnachten auf den heilgen Christ sich freuen und deswegen zum voraus lachen, träschen, jauchzen, schreyen Stoppe
t. ged. 1 (1728) 79; ihr kinder tråscht nich su Berndt
schles. ma. in Posen 320.
vereinzelt auch von vogelstimmen: ein halbes dutzend häher. das schwatzt, das klatscht ... quarrt, schnarrt, ratscht und tratscht, miaut und flötet Löns
aus forst und flur6 (1916) 248.
meist haftet dem wort der beisinn des moralisch minderwertigen an, indiscret ausplaudern, so auch häufig in den maa: Follmann
lothr. 100; Autenrieth
pfälz. id. 35; Schmidt
westerw. id. 264; Kramer
Bistr. 134: das alles wird beobachtet, belauret, erzählt ... herum geträtscht von solchen leuten Lavater
physiogn. fragm. 1, 166; und das (
was ich dir anvertraute) hast du so bei dir behalten, dasz die zeitungen davon trätschen J. G. Müller
kom. romane 1 (1784) 136;
auch transitiv: der Bremer wirds ihm ja nicht gleich trätschen! Val. Trandt
winkelbürger (1917) 244.
böswillige nachrede hin- und hertragen: der hund von einem alten bedienten, der sonst bei Guilberts war und der mir nun trätscht, weisz es schon seit gestern, dasz man ihn erwartet Göthe I 11, 79
W.; die ... ihre winterstrümpfe strickten und dabei nicht schlecht tratschten Rosegger
sünderglöckel (1904) 37;
gern mit parallelen synonymis: wer von andern waschen, andere tadeln, affterreden ... will, der nehme vor allen sich ... bey der nasen, ... da wird er zu waschen, zu drätschen, zu tadlen und zu verleumbden mehr denn gnug finden C. Dieterich
ecclesiastes 2 (1642) 681,
s. Fischer schwäb. 6, 1766; man tuschelte und tratschte viel in Neanders gemeinde über diese dinge
F. Sommer
die Schwenckfelder (1911) 77; da sasz ein haufen alter weiber bei einander und klätschte, trätschte und lästerte J.
F. Schink
theater zu Abdera (1787) 1, 27; auf tritschen und tratschen verlegst du dich seit einiger zeit Nestroy
ges. w. 1, 118; das zischeln und munkeln und tratschen Rosegger
Jakob d. letzte (1888) 202.
nicht selten mit objectsatz: sie (
anr.) haben getratscht, ich wäre zu jung und zu schön für eine wirtschafterin Holtei
erz. schr. 17, 156;
passivisch in unpersönlicher wendung es wird getratscht: und nun fügte sie noch dazu, was weiter würde geträtscht werden, was eine art von menschen darüber triumphiren würde Göthe 19, 105
W.; du weiszt nicht alles und geschwätzig wie eine elster läufst du ins serail ..., ... was ist nicht alles dort geträtscht, geplaudert worden! nur heraus! Schiller 13, 424
G. 33)
hart, schwerfällig mit lautem geräusch auftreten und gehen: tratschen, tratscheln
strepitum ciere pedibus, ambulando crepare Stieler
stammbaum 2339; Kramer 2 (1702) 1115
a; tratschen, trappen Schrader
dtsch.-frz. 2, 1375
b;
häufig in den maa.: Sartorius
Würzb. 126; Schön
Saarbr. 211
a;
treten mit groszen, breiten füszen Damköhler
Nordharz. 196
a; Kleemann
nordthür. 23;
plump einhergehen Knothe
Nordböhmen 189;
auftreten Schröer
ungr. bergl. 239;
stampfen Stalder
schweiz. id. 1, 298; so spricht der grafschafter, wenn jemand ungeschickt geht 'a trottscht' Adam Lange
erinn. a. d. leb. e. dorfschullehrers (1900) 11.
speciell auch beim tanz; imprimis autem saltando Stieler
a. a. o.; schon
mnd.: traetsen vnd dansen is grote sonde. vp hilghe daghe were beter vele heryen (
pflügen) vnd sayen dan gaen ten spele, daermen dansen off traetsen leet
speghel d. sonden bei Schiller-Lübben 6, 283
b. —
der bedeutung 1
nahe, schallmalend vom gehen durch schmutz oder schnee; tratschen
durch dick und dünn traben Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2003: sie laden mich ein, durch dick und dünn mit ihnen zu gehen, das ist eine charmante excursion, und ich hab eine so närrische ansicht davon, dasz ich mich immer im geist ... hinter ihnen tretschen sah im koth Bettine
bei fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 187.
laut in etwas weiches, schmutziges treten: dradsch doch nich in ale pfydschen! Hertel
Thür. 246; Müller-Fraureuth
obers.-erzgeb. 1, 241
a; Rovenhagen
Aach. 147; Follmann
lothr. 100; Schmeller-Fr.
bair. 1, 681; Lexer
kärnt. 67; Schöpf
tirol. 88; Kramer
Bistr. 133,
vgl. volltratschen '
durch plumpes betreten schmutzig machen' Andreä
volksspr. ... Erfurts 378, tratschern
im wasser hin und her treten Jungandreas
schles. 61.
auch mit dem tastsinn empfunden: (
ein anderer) zeiget etwan einen stich oder schusz ... an den füszen, welche er in einem sturm bekommen, habe aber denselbigen nicht gefühlet, bisz im der eine schuch voller bluts worden und es darinn geträtscht habe. da habe er gedacht, ey wo kompt mir das wasser in den schuh?
grillenvertreiber (1605) 3, a 2
b,
vgl.tratschen einen ton von sich geben, als wenn man wasser in den schuhen hat Schmidt
westerw. id. 263.
weniger intensiv als '
schlendern', '
langsam, träge gehn' Stalder
schweiz. id. 1, 298: als der meister ruhig zu morgen gegessen hatte, trätschte er so wie von ungefähr gegen Reslis hofstatt, wo dieser äpfel auflas Gotthelf
Uli der knecht (1841) 62.
vom treten auf der stelle in specieller bedeutung von den unruhigen bewegungen der kuh vorm kalben: die kuh träscht sich Anton
Oberlausitz. 5, 7; Stalder
schweiz. id. 1, 299; ich weisz nicht, was es mit dem Kleb (
einer kuh) geben kann, er fängt an einzufallen und hat vorhin so träschet, ein kalb ist manchmal ungesinnet da J. Gotthelf
Uli der knecht (1841) 13. —
abgewandelte bedeutungen: '
schwer arbeiten' Gerbet
Vogtland 339; '
in groszer aufregung sich abarbeiten, mit geräusch etwas tun' Jecht
Mansfeld 113
b; '
sich abmühen' Hertel
Thür. 84; jemandem tratschen '
die niedere arbeit verrichten' Schön
Saarbr. 211
a; '
seine zeit verlieren'
lux. ma. 441
a;
langsam gehen Rovenhagen
Aach. 147; '
zögern, trödeln' Gangler
Lux. umgangsspr. 454.