tapfer,
adj. und adv. das im goth., alts. und ags. nicht nachweisbare wort lautet ahd. taphar taphir tapher,
mhd. und md. tapfer
und dapfer (
alem. auch tapfel : apfel
liedersaal 3, 102, 27),
mnd. nd. engl. dapper,
altn. dapr;
es zeigt ähnliche begriffsübergänge wie lat. fortis
und gravis,
deutsch fest
und hart,
die in der älteren sprache auch zum begriffe unseres '
tapfer'
vorgedrungen sind, während umgekehrt das altn. dapr
die aus gravis (
belastet, beschwert)
hervorgegangene bedeutung '
betrübt, traurig'
angenommen hat. J. Grimm
hat in der gesch. der deutschen spr. 406
nach Frischs (1, 185
b)
vorgang zusammenhang vermutet mit altslav. doblĭ
stark, tüchtig, debelŭ
dick (Miklosich 164
a. 157
b),
slav. dobru
schön, gut, so dasz also eine grundform dhabras
anzunehmen wäre (Schade
2 923
a).
die bis ins 18.
jahrh. noch vorkommende schreibung dapfer
verwirft Stieler 2354
aus dem grunde, weil er das wort aus tahtfertig
entstehen läszt. Bedeutung und gebrauch. II.
adjectiv. I@11)
in ahd. glossen wird taphar
wiedergegeben durch lat. gravis, gravidus (Graff 5, 394),
im vocab. predicatorum durch maturus (Dief. 352
a),
mhd. wird tapfer
besonders von der gedrungenheit und fülle der körpertheile gebraucht (
vgl. 2,
c und fest 4,
c): diu prüstel ... schüllent an den juncfrawen klein sein und tapfer. Megenberg 25, 5; ir füeʒe in rehter mâʒe stuonden ir geschepfet wol, sî wâren tapfer unde hol enmitten ein vil kleine. Konrad
troj. krieg 20014; ir arm hübsch und tapfel (: apfel).
lieders. 3, 102, 127. I@22)
nhd. gewichtig, gewaltig, fest, stark, kräftig, tüchtig, bedeutend, bedeutsam, trefflich, wichtig, ansehnlich, stattlich, würdig, schön u. dergl., wie sich aus dem zusammenhange leicht ergibt; die folgenden belege für diese nun veralteten bedeutungen sind chronologisch geordnet. I@2@aa)
von sachen und abstractionen: nachdem der hochwirdig fürst ... undter andern vil stattlichen und tapfern stattuten und gesetzen ... ain statut der gaistlichen hochzeit halb gesetzt und ausgeen lassen hat.
Nürnb. poliz.-ordn. 84 (15.
jh.); von in wurt selten dapfer wort glych wie von einem kindt gehort. S. Brant 13, 7; den gesworn befelen, dapfere stein zu bestellen .. und kein klein stein. Dief.-Wülcker 872 (
vom j. 1502,
Frankfurt); das er (
der menknecht) aber nit gewachsen sonder schwach und klein und also zu tapfrer arbeit nit zu geprauchen.
landpot in Ober- u. Niederbaiern (1516) 67
a; solichs (burgermaister-)ampt .. das ansehenlichst und dapferst ist.
städtechron. 11, 795, 25; eine tapfere landsteuer, summe, botschaft, ursach
u. s. w. Schm.
2 1, 614 (16.
jahrh.); es ist nichts tapfers (
festes, beständiges) da in allen dingen. Keisersberg
siben sch. ee d 6
a; er hab dann etwas tapfers (
groszes, bedeutsames) auf im gehabt.
schiff der pen. 47
c; die knecht werden mit groszen tapfern kosten erhalten. Dief.-Wülcker 872 (
vom j. 1524); in diser tapfern und wichtigen sachen zu rathen.
ebenda (1523); es was auch tapfers gelt, getrenk
u. s. w. Widmann
Regensburger chron. 88, 15; die horas vleiszig und wol singen
u. s. w. wie in einem tapfern stift. 117, 3; sihe nu, wie einen dapfern schlappen gibt dis gebet disem vergenglichen leben. Luther 1, 75
b; aber ich hielt fest und zeigt an, das in solcher dapfer sach mit aller bedechtigkeit gehandelt ... solt werden. 148
b; so wir Christus gebot halten wolten in den ersten dreien graden, solt der zinskauf nicht so gemein oder not sein, es were denn in groszen merklichen summen und tapfern gütern. 197
a; in dieser tapfersten und wichtigsten sachen. 5, 32
b; mit zeitigem dapfern raht berathschlaget. 109
a; summa, wer etwas groszes thar wagen und leiden, der mus gewislich etwas tapfers wissen und warten, umb welchs willen er solchs thut. 6, 247
a; solche tapfere, klare sprüche der heiligen schrift. 383
a; so bitten wir keiserlich majestat, wollen von dieser groszen, dapfern, hochwichtigen sachen ... gnediglich uns hören. 385
b; nu ist wol zu gedenken, das es dennoch etwas tapfers und hohes getragen hat. 8, 293
a; wiewohl das wichtige, tapfere sachen wären, seel, ehre und gut belangend. Kress
in Melanchthons op. 2, 290; so einer einen kelch, paten oder andere gefäsze und dergleichen tapfere dinge aus den kirchen stiehlt.
corp. constit. Brandenb.-Culmbac. 2, 2, 266 (
vgl. Carolina art. 166. 174); so bistu auch geschickt und klug, zu füren einen tapfern krieg. H. Sachs 7, 178, 26; wo er etwas tapferer geburt oder standes were, er würde anderst gewapnet sein.
buch der liebe 18
c; der könig grosz verwundern ... genommen an seiner herrlichen und dapfern grösze.
Galmy 215; sein vatter, der einen sehr tapfern meierhof und viel andere dazu gehörige güter besasz. Kirchhof
wendunm. (1602) 1, 256; er wolle, weil er tapferer stärke wäre, ihnen .. beispringen.
pers. rosenth. 3, 27; die ihres geistes hoch zusammen hat gesellet zu treffen einen bund (
die fruchtbringende gesellschaft), zu würken tapfre frucht. Logau 2, 3, 13; dein tapferer verstand hielt dises für gering. Rompler 97; wasz in schreibung eines tapfern werks wol- oder übelständig sei.
s. 17
der vorrede; der schönsten knaben, mit .. dapfern angesichtern und haaren. Schuppius 772; fehler, welche die menschen von dem rechten weg dieser tapfern tugend (
der menschenliebe) pflegen umbzuwenden. 755. I@2@bb)
von (
ansehnlichen, tüchtigen, ehrenfesten, tugendsamen, rechtschaffenen, würdigen und ernsten)
personen: (
die bischöfe) soltents nit zuom orden lan und zuo selsorgen vor usz nüt, es werent dann ganz dapfer lüt. S. Brant 73, 26; das darnach die gemainen empter under dieselben dapfern gottesfürchtigen männer .. auszgethailt mogen werden.
städtechron. 11, 786, 15 (
vom jahre 1516),
vgl. 787, 12. 15. 801, 29; wo ein ersame, tapfer person ist, wann dieselbe etwan von geschicht kompt, da junge mutwillige leut schimpf oder spiel treibend, zu hand, alsbald sie ir gewar werden, so fleugt jederman hin weg. Keisersberg
seelenp. 160
b; einem tapfern menschen stat nit zu, das er trag ein bübisch, leichtfertig oder stolz hoffertig kleid. 181
b; denn die gantz statt meines volkes weisz, das du ein tapfer fromm weib bist (
mulierem te esse virtutis).
Züricher bibel (1530) 132
b, das du ein tugentsam weib bist.
Ruth 3, 11; nun aber viel tapferer leut achtend, er sei zu der sachen erkauft. Luther
br. 1, 237; ein dapferer gelehrter man. Fischart
bienenk. (1580) 11
a; ein ruhm, der geht durch tapfrer leute mund in alle welt, besteht. Logau 1, 8, 73; ein gutter ehrlicher tapferer mann. Butschky
kanzl. 478; ein tapferer, aufrichtiger theologus. Schuppius 267; es ist zwar nicht ohn, dasz etliche tapfere männer zimlich verstanden, wie im hochteutschen der tichtkunst zu helfen wäre. Rompler
s. 10
der vorrede. I@2@cc)
noch kärnt. tapfer
stark, wacker, gesund, frisch (
besonders von kindern) Lexer 52;
tirolisch ein tapferer (
starker) körper Schm.
2 1, 614,
vgl. 1. I@33)
fest und furchtlos ausdauernd, anhaltend und mit nachdruck streitbar (tapfer ist der, dessen muth in gefahren anhaltend ist. Kant 10, 282),
ein begriff der sich schon im 14.
jh. aus 1
entwickelt hat: sîn mannlich dapfer sterben was den vier waltstetten gut. Halbsuter 29, 6; so werden durch die gantze welt ihre (
der Athenienser) thaten für die tapfersten gehalten. Polychorius
Salust. 13
a; ist denn also ein tapfer held zu einem könig wol erwehlt. Rollenhagen
froschm. II, 3, 6 (Ff 7
b); tapfre männer sollen haben was vom fuchse, was vom löwen. Logau 3, 3, 20; Planus ist ein tapfrer kunde gegen abend in dem schatten, dann daselbst wird seiner grösze um ein groszes eingerathen. 3, 3, 72; kein dapfrer kriegsmann stirbt. Fleming 133; ein dapfrer geist erkiest ihm stets ein höhers aus, mit dem er möge ringen. 110; so lange du im hausz, auf deines vaters erden wirst sitzen, wird aus dir kein tapfrer mann nicht werden.
pers. rosenth. 3, 27; ein tapfrer mut (
vgl.tapfermut) kan siegen. Rist
Parnasz 459; der tapfre siegt, der tapfre! der trinkt seines feindes wein. Gleim 4, 93; dasz er tapfer ist, räumt man ihm ein; aber so, wie es der wolf oder der bär ist, blind zu, ohne plan und vorsicht. Lessing 7, 258; dem tapfern bleibt die braut! Wieland
Klelia u. Sinib. 3, 427; tapferer sinn Göthe 32, 67; ein tapfres herz Schulze
Cäcilia 17, 33; diese männer sind tapfer und gut. Schiller 3, 36 (
Fiesko 1, 11); nur in entwürfen bist du tapfer, feig in thaten. 12, 228 (
Wallensteins tod 1, 7);
übertragen auf arm, faust, brust und waffe: tapfere faust J. Paul
Hesp. 3, 56, brust Voss
Ovids metam. 49, 52; und als ich jetzt um seine starken glieder den tapfern arm, es zu erwürgen, schlang. Schulze
Cäcilia 7, 57; (
es wird) ausgeziert ihr tapfres schwert mit goldnem wehrgehenk. 7, 29; der hat sein tapfres schwerdt gar oft für mich gebraucht. J. Kurz
prinzessin Pumphia v. 592;
auf zunge und wort: die kraft, der helden trefflichkeiten mit tapfern worten auszubreiten. Hagedorn 3, 23; o eile! eile her! damit ich durch meine tapfre zunge diese zweifel und furchtgespenster aus dem felde schlage. Schiller 13, 27 (
Macbeth 1, 9). IIII.
das adverb entspricht den bedeutungen des adjectivs 2
und 3,
dient aber oft nur zur verstärkung des begriffs (
tüchtig, sehr): das (
herz) si tapfer kartend ietz gegen der ritterschaft. Halbsuter 21, 6; die helden wunderbalde ... .. schlugend tapfer drin. 41, 5; nimms dapfer an, ergib dich dryn!
fastn. sp. 879, 5; du solt auch mit hin laufn oder ich wurd dich gar tapfer raufn. Raber
Sterzinger spiele 4, 315; erst wag ich dapfer meinen leib. H. Sachs 23, 20, 12; du solt es dapfer mit uns wagen.
trag. Joh. D 6; sag dapfer her und scheuhe nit. Murner
schelmenz. 5
a; so wolt ich mich dapfer mit dem dägen werren. Th. Platter 78
B.; solt ich nit eh dar kommen, so ich dapfer (
hurtig, schnell) fahr? Pauli 107
b; (
die hausfrau) ist rüstig und geschäftig, .. greift die sach selbst tapfer
an. Kirchhof
wendunm. (1602) 5, 96; derhalben sol man sich befleiszigen, das man sich im reden tapfer, ernstlich, gewaltiglich ... erzeige. Mathesius
Syr. 1, 142; denn sein thun stund ihm tapfer
an. Rollenhagen
froschm. II, 3, 1 (Ee 1
a); wann sie sehen, dasz man fleucht, so hengen sie dapfer nach.
buch der liebe 218
a; das ist jägerrecht; die füchs nur dapfer gestreift! Fischart
Garg. 99
b; truck tapfer nur, ich trag dich gern.
ehz. 58; sie trinken dapfer herumb. Ayrer 1846, 26; sich tapfer herumbbeiszen.
Lokmans fabeln 36; viele junge studenten lassens tapfer (
hoch) hergehen, borgen frei wacker in das gelack. Schuppius 530; einen tapfer ablauffen lassen. Hahn
hist. 3, 240; saufst du dich dapfer voll, so schwindt dir dein verstand. Rompler 213; es lebe wer sich tapfer hält! Göthe 12, 176 (
Faust 3370
Weim.); wie konnt' ich sonst so tapfer schmählen, wenn thät ein armes mägdlein fehlen! 188 (3577); ich hielt mich tapfer an die arbeit. 23, 103; die gemeinen Irländer .. schelten den verstorbenen tapfer aus. J. Paul
teuf. pap. 2, 232; hernach musz ich tapfer machen, dasz ich wieder heim' komm. Auerbach
ges. schriften 1, 452;
schlesisch topper schein,
sehr schön Weinhold 97
a;
nd. he kan dapper gan,
er kann gut zu fusze gehn; sik dapper weren,
sich tapfer wehren, aber auch gut und hurtig in der arbeit sein. brem. wb. 1, 184.