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sudel

mhd. bis Dial. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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15 in 12 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sudel m.

Bd. 20, Sp. 929
sudel, m., mundartl. auch f., 'morast, sumpf, pfütze, schmutz' und specieller 'jauche'; selbständige bildung mit dentalem formans und suffixaler ableitung auf -l- zur wurzel *seu- 'saft, feuchtes', s. Walde-Pok. 2, 468 f., vgl. gr. ὕθλος, wo jedoch eine gr. auch sonst bezeugte verbindung von dentalem und l-suffix vorliegt; neben der gutturalen wurzelerweiterung in germ. sūgan und der labialen in germ. sūpan sind dentale wurzelerweiterungen anzusetzen; germ. seut- (idg. seud-) hat ags. besūtian 'beschmutzen', vielleicht auch westf. sot 'dreck', suatke 'schmutziger schlamm' (s. Holthausen arch. f. neuere spr. 121, 294); germ. seud- liegt vor in ags. gesyd volutabrum Bosworth-Toller 450a, mhd. sutte, sute Lexer 2, 1329 (vgl. schon sutenn lex salica 41 Holder), obd. sutte, f. (s. u.), mnd. sudde Schiller - Lübben 4, 459, sotte, f. (teil 10, 1, 1819), sottern 3 (ebda 1820), suttlen Staub-Tobler 7, 327, sutterig Fischer schwäb. 5, 1974, s. auch suttern; germ. seuþ- zeigt 1sudel, 2sudeln, 1sudern, suder und älterostmd. suden, vb., s. unter 2sudeln; wenn germ. seud- und seuþ- im grammatischen wechsel stehen, ergibt sich idg. seut- als gemeinsame vorstufe. das f. erscheint (unter einflusz von suhle?) erst in neuerer mundart, vereinzelt mit unechtem endungs -e, vgl.sudle, f., 'wasserpfütze' Martin-Lienhart 2, 328, sonst auch (wie das m.) als sudel, vgl.suttel (sudĕl) 'pfütze, morast, sumpfige stelle' Fischer schwäb. 5, 1973, sudl 'jauche, schmutz' Ruckert unterfrk. 179, sudel 'jauche, schmutziges wasser, verdorbenes getränk, bes. der nicht geklärte kaffee' Müller-Fraureuth 2, 587b, sudel 'harn der pferde und rinder', mistsūdl, 'der im sudelfasz als dünger auf die felder geführt wird' Blumer nordw.-böhm. 89, sutl 'pfütze' Knothe Nordböhm. 523, sûdl 'mistjauche' Göpfert sächs. Erzgeb. 35, sudel 'unsaubere, verschüttete flüssigkeit' Christa Trierer ma. 208, sudel in sudelwasser 'spülwasser' Follmann lothr. 512a, suddel 'sudelwäsche' lux. ma. 433; suddel jeder schlechte rest von kaffee, bier u. s. w. Wegeler Coblenz. 76; als masc. älter bezeugt, vgl. der sudel immundities, paeder, excrementum, sordes Stieler stammb. (1691) 2054, sudel, m., inquinamentum dt.-frz.-lat. (1695) 356, ein sudel locus paludosus Frisch t.-lat. 2, 355c, s. übertragen der sudel quisquiliae, res objectae Steinbach 378; sudel 'jauche' Gerbet Vogtld. 424, sudel 'sumpf' Müller-Weitz Aach. 241, sudel 'jauche', 'unwillkommener regen', 'allerlei abraum' Staub-Tobler 7, 324; vgl.süddel 'schmutz, geifer' Mi mecklenb. 89a, suddel 'sumpf, pfütze, lache' v. Grolman spitzbubenspr. 70a; entsprechend ags. gesyd 'volutabrum' hat als ursprünglichste bedeutung 'morast' sowie das im morast stehende 'schmutzwasser' zu gelten, vgl. die jägersprachliche verwendung 'sudel, ein loch oder lache, worinnen sich das wild weltzt' Frisch a. a. o.; 'sudel ... zeigt eigentlich einen morast oder sumpf an, in welchem die hirsche und die sauen sich des sommers und zur prunftzeit abkühlen' Heppe wohlred. jäger (1779) 359, vgl. Kehrein weidmannsspr. 290; allgemein als 'morast, pfuhl' im 16./17. jh. literarisch bezeugt: dar nemlich die gottlosen werden dort, wie durch eine grosze flut allerlei ungeziffer, schlangen, ottern, heidexen, krötten, uncken, und andere scheuszliche, heszliche würm gleich zusamen geschwemmet in den fewrigen stinckenden pfuel und sudel M. Chr. Irenäus spiegel der hellen (1588) 108b; in dieser grundsuppen sind pfützen oder sudel des teuffels Mathesius Corinther (1591) 1, 3b; darnach hat er sie in einen süddel oder pfützen wider herab geworffen W. Bütner epit. hist. (1596) 32a; dieser zauberer unnd schwartzkünstler Faustus, ist gar ein schendlicher böser wurm, welche bestia und ein cloaca oder sudel vieler teufel und bösen geister gewesen 34b; gott ist gütig, habt euch nichts zu befahren, nur immerfort im suddel hinein J. Samson synopsis (1649) 12; neu von der mundart erborgt im sinne 'schmutz' in deutlicher anlehnung an 2sudeln, besudeln: ists lauter schmutz hier unterm sonnenscheine? ... wo bleibt für all den sudel noch die seife? wo ist im groszen weltall denn das reine? Kl. Groth 4, 221; die übertragung vom trüben sumpfwasser auf die 'jauche' (s. o.) und weiter auf andere trübe flüssigkeiten minderwertiger oder ungenieszbarer art scheint im ganzen jung; von hier aus versteht sich, vielleicht mit anklang an 1sudeln 2: deinen sudel sauf allein! R. Wagner ges. schr. u. dicht. 6, 89; ähnlich als 'mischmasch': ohne jenen sudel von geschrei, verwirrung und unreinlichkeit F. Kürnberger d. Amerikamüde 48; rotwelsch für die farbbrühe sudel 'farbe' v. Grolman spitzbubenspr. 70a, wohl unter anschlusz an 2sudeln 2, vgl. sudelei; neue rückbildung aus 2sudeln oder verkürzung aus sudelzeug, sudelkittel o. ähnl. ist sudel 'anzug für schmutzige arbeit' Staub-Tobler 7, 324: min vater lat mich bi arbeit klawen spitzen und stecken im sudel früe und spat H. Salat verl. sohn 2518 Bächt.; s. auch suder.
5068 Zeichen · 118 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SUDELstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    SUDEL ? stm. der unverstanden helle gudel, allis unvlâtes ein sudel Mart. 111 2 . c. vgl. sudeln narrensch. 48,19 u. anm…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sudel

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Sudel , des -s, plur. ut nom. sing. ein nur in einigen Gegenden, übliches Wort, eine Sammlung unreinen Wassers, eine…

  3. modern
    Dialekt
    Sudel

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Sudel [Sùtl Wh. ] f. leichtfertig arbeitende Person. Zss. Sudelpeter.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sudel

129 Bildungen · 121 Erstglied · 4 Zweitglied · 4 Ableitungen

sudel‑ als Erstglied (30 von 121)

Sudelpfeife

SHW

Sudel-pfeife Band 5, Spalte 1645-1646

sudelarbeit

DWB

sudel·arbeit

sudelarbeit , f. , zu 2 sudeln 2, ' schmutzige arbeit ': in diesem hof müssen die leibeignen knechte alle sudelarbeit unnd schwere dienst ve…

sudelbäck

DWB

sudel·baeck

sudelbäck , m. , zu 2 sudeln 3, bäcker, der nicht zur zunft gehört; bauer, der im hause bäckt Unger-Khull 599 b . —

Sudelbäcker

MeckWB

sudel·baecker

Sudelbäcker m. schlechter, eig. unsauber arbeitender Bäcker: pistor ineptus een Sudelbecker Mantz. Sel. 4, 136.

Sudelbauk

MeckWB

sudel·bauk

Sudelbauk n. Kladde, bes. Geschäftskladde des Kaufmanns: Sudelbook Mantz. Ruh. 7, 53; 23, 44; Sel. 4, 136.

Sudelbeck

DRW

sudel·beck

Sudelbeck, m. Bäcker ohne Zunftbindung vgl. 1Beck, Sudler (II) ein ersambes handwerk der pöcken zu K. geben ihr jährlichs schuzgelt, daß man…

sudelbehausung

DWB

sudel·behausung

sudelbehausung , f. , zu 1 sudel: hasz schaust du darin ( in dem herzen ), waldweib! hohn! gier! sudelbehausung! Fr. Lienhard Wieland der sc…

sudelbibliothek

DWB

sudel·bibliothek

sudelbibliothek , f. , zu 2 sudeln 3 e, bibliothek, deren inhalt aus sudelschriften besteht: ich begehre indesz nur eine einzige sudelbiblio…

Sudelbier

PfWB

sudel·bier

Sudel-bier n. : 'abgestandenes Bier', -bieʳ [IB-Ensh ( Glass 115)]. Rhein. VIII 979 . —

sudelblatt

DWB

sudel·blatt

sudelblatt , n. , zu 2 sudeln 3 e, schreib- oder druckblatt oberflächlichen, unordentlichen inhalts: denn man hat jez auf dem Parnassus der …

sudelbogen

DWB

sudel·bogen

sudelbogen , m. , makulaturbogen, zu 2 sudeln 3 a, vgl. sudelbogen in der druckerey, a macule Ludwig t.-engl. 1923 . —

sudelbrief

DWB

sudel·brief

sudelbrief , m. , zu 2 sudeln 3 a, ' schlecht geschriebener, unordentlicher brief ': verzeihe diesen sudelbrief, ich hätte garnicht geschrie…

Sudelbrühe

PfWB

sudel·bruehe

Sudel-brühe f. : 1. 'Getränk von schlechter, dünner Qualität, Gesöff (Wein, Bier, Kaffee)', -brieh [PS-H'stellhf BZ-Billh Andre 114]; Syn. s…

Sudelbrunneⁿ

Idiotikon

Sudelbrunneⁿ Band 5, Spalte 669 Sudelbrunneⁿ 5,669

Sudelbrënteⁿ

Idiotikon

Sudelbrënteⁿ Band 5, Spalte 759 Sudelbrënteⁿ 5,759

sudelbube

DWB

sudel·bube

sudelbube , m. , in der älteren sprache knecht, der niedrige arbeit verrichtet, besonders der für die küche arbeitende troszbube im söldnerh…

sudelbuch

DWB

sudel·buch

sudelbuch , n. , buch, in welches man die erste nachlässige fassung eines später sorgfältig abzuschreibenden textes schreibt, kladde, besond…

sudelbude

DWB

sudel·bude

sudelbude , f. , zu 1 sudeln 1, kochbude, garküche: ( er ) siedelte sich mit speculation auf die vestungsarbeiter als garkoch in einer sudel…

Sudelbueb

Idiotikon

Sudelbueb Band 4, Spalte 940 Sudelbueb 4,940

Sudelbënneⁿ

Idiotikon

Sudelbënneⁿ Band 4, Spalte 1291 Sudelbënneⁿ 4,1291

sudeldeutsch

DWB

sudel·deutsch

sudeldeutsch , n. , zu 2 sudeln 3, schlechtes deutsch: um von dem schamlosen sudeldeutsch zu schweigen, mit dem Eduard Devrient das andenken…

sudeldienst

DWB

sudel·dienst

sudeldienst , m. , zu 2 sudeln 2: sudeldiensts vermietung sordidae operae locatio Orsaeus nomencl. (1623) 78 . —

sudelding

DWB

sudel·ding

sudelding , n. , schmutziges, wertloses zeug ( s. 1 sudel): man geuszt ihnen in einen groszen zuber allerhand sudelding von bonenhülsen und …

Sudeldreck

PfWB

sudel·dreck

Sudel-dreck m. : 'aufgeweichter Straßenkot', -dreck [ Sommer Ich frää mich 89]; Syn. s. Baberatsch . Nit emol ins Wärtshaus gehe / Mag mer b…

sudelei

DWB

sude·lei

sudelei , f. , ' schmutzerei, gesudeltes '; ' sudelhafte, unsaubere arbeit ' im allgemeinen; seit dem 16. jh. belegbar, vgl. sudlerei . 1 1)…

sudelen

Lexer

sude·len

sudelen swv. beschmutzen, defedare Dfg. 169 c ; etw. hin s., hinschmieren, schlecht arbeiten Narr. 48,19. — mit be-;

Sudelerei

PfWB

sudel·e·rei

Sudelerei f. : ' Sudelei ', Sudelerei [ IB-Blieskst ].

sudeler, südler

DWB

sudler , sudeler, südler , m. , aus 1 sudeln 1 gebildet, ein ' garkoch, feldkoch, fourier ', vgl. sudrich, dann pejorativ entsprechend 1 sud…

sudel als Zweitglied (4 von 4)

Chuchisudel

Idiotikon

Chuchisudel Band 7, Spalte 325 Chuchisudel -ü- 7,325

G(e)sudel

Idiotikon

G(e)sudel Band 7, Spalte 325 G(e)sudel -ü- 7,325

kochsudel

MWB

koch·sudel

kochsudel stM. ‘Küchenjunge, junger Koch’ (vgl. SchweizId 7,325), hier in einer Wendung unklarer Bedeutung (s.a. Friedrich, PhrasWB, S. 248)…

mistsudel

DWB

mist·sudel

mistsudel , m. mistpfütze: wenn man die saamen erbsen eine nacht in mistsudel weichet, so ziehen sie aus derselben ( nämlich einweichung ) e…

Ableitungen von sudel (4 von 4)

besudelen

Lexer

be-sudelen swv. defœdare Dief. n. gl. 128 b ; vgl. Dwb. 1690.

Besudelung

GWB

Besudelung [ Phorkyas, im Hinblick auf die geplante Enthauptung Helenas: ] abzuwaschen gibt’s | Des schwarzen Blutes greuelvolle B. Faust II…

gesudel

DWB

gesudel , neutr. , verbalsubstantiv zu sudlen, südlen, vgl. Maaler D δ 3 b: gesüdel und gebrüdel. Tabernaemontanus kräuterbuch (1588) 340 . …

versudelen

ElsWB

versud e le n 1. verunreinigen allg. Er het sini Deck e l am Buech ganz v e rsud e lt Dü. Wër het dann dene Tisch so mit Dinte versud e lt? …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „sudel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/sudel/dwb?formid=S55923
MLA
Cotta, Marcel. „sudel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/sudel/dwb?formid=S55923. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „sudel". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/sudel/dwb?formid=S55923.
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