streim,
streime streimen,
m., f. , '
streifen, strahl'.
ausführliches zu herkunft und form s. unter dem nhd. verbreiteteren, nach bedeutung und abkunft nahe verwandten striem (strieme, striemen,
vgl. auch die ableitungen und komposita). streim
lebt vor allem in der mundart, nur im frühnhd. erscheint es häufiger in der schriftsprache. das grammatische geschlecht läszt sich ebenso wie der nom. sing. nicht immer sicher bestimmen, da vorwiegend pluralformen belegt sind. streim
ist hervorgegangen aus gleichbedeutendem ahd. strîmo,
mhd. strîme
einerseits und mhd. straim, streim
andererseits, die nach der diphthongierung lautlich teils zusammengerückt, teils, wenigstens graphisch, zusammengefallen sind. die nachfolgende aufordnung folgt dieser lautlichen entwicklung, trennt also die auf altes strîm- (1)
und streim (2)
zurückzuführenden formen und zeigt in (3)
den (
oft nur graphischen)
zusammenfall. 11)
ahd. liegt ein sw. m. strîmo
vor in tie strîmen (
nom. plur.), strîmôn (
dat. plur.) Notker 1, 403, 13. 20
Piper;
dazu (
schwerlich zu einem sw. f. strîma)
gehört auch akk. plur. strimun
ahd. gl. 2, 701, 8
St.-S. (11.
jh., fränk., vgl. Franck
afränk. gr. 193;
s. u.b).
im mhd. begegnet als fem. mit schwankender flexion strîme, strîmen (
dat. sing.)
Servatius 536, 541
Haupt (
s. u.a),
im mnd. als mask. strime, stryme (
nom. sing.)
städtechroniken 7, 17; 16, 129 (
s. u. b
und f).
das frühnhd. hat z. t. apokopiertes strym Diefenbach
gl. 255
c (
s. u.); Frisius
dict. (1556) 1113
b s. v. radius; z. t. mit neuer nominativendung strimen Maaler
teutsch spr. (1561) 393
b (
s. u.);
so auch nd. strimen,
m. Korner
bei Schiller-Lübben 4, 437
a. 1@aa)
durch die farbe sich abhebender streifen: ube dû uindest
aber an steine alde an holze strîmen gâende in strâzo uuîs, tîe heizent superficies, uuanda dâr breiti samint tero lengi ist Notker 1, 403, 10
Piper; der Paumgarter hern Fritzen schankt ains morgens weihenprunnen auss ainem kübel ungesmach; sein wang, die joppen und leilach merkt er im von gelben streimen, das solt her Fritze reimen Oswald v. Wolkenstein 63, 95
Schatz. besatzstreifen am gewand: an der obersten strîme (:schîme) lac sardîus der edel stein
Servatius 536
Haupt. eingelegte goldstreifen: enmitten ûz dem schilte sîn gleiz ein lieht karfunkelstein ... von im in eines sternen wîs guldîne strîme giengen, daran von golde hiengen bisande michel unde breit, die wâren ûf den schilt geleit Konrad v. Würzburg
turnier v. Nantes 581
Schröder. —
von der äderung in gesteinen, im holz; der bedeutung nach hierhergehörig, aber vielleicht mit kurzem i: eliotropios ist crûone mit plûotfareuuen strimon Notker 1, 752, 14
Piper; dô daz amt was getân, er zeigte im einen alterstein; daz was ein marmel unde schein von strîmen manicfalten
Servatius 1053
Haupt; nobiles variis maculis columnae mit mancherley fläcken und strymen underscheiden, getüpfflet Frisius
dict. (1556) 253
a;
abies, crispa von wägen der krummen strymen desz geäders, die dem wasser gleych sind
ebda 6
a. —
streifen in der zeichnung von tieren: salpa ein meerfisch ... hat etlich goldfarb strymen mitten durch den leyb hinab, ist nit ein stockfisch
ebda 1175
b;
pectines, sive pectunculi S. Jacobs muschelen, kleine meermuschele mit strimen
ebda 962
a;
virgata ubera ferae Caspiae die tutten oder eüter an einem tigerthier, mit schwartzlächten strymen (
virgis) geteilt, vnd gefläcket oder geblümt
ebda 1348
b; (
der vogel) hat einen schwartzen streymen, darzuo auch einen purpurfarben mit etlichen anderen fädern gesprengt Heusslin
Gesners vogelb. (1557) 11
b; die kreützfüchs ... sind ... den anderen füchsen gantz änlich, aussgenommen dass sy einen schwartzen strymen habend von dem kopf über den rugken här Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 57
a. 1@bb)
lichtstreifen, von himmelserscheinungen: strimun (
stellas ... videbis ... praecipites caelo labi, noctisque per umbram flammarum longos a tergo albescere)
tractus (
Verg. georg. 1, 367; 11.
jh. —
vgl. streimel 1)
ahd. gl. 2, 701, 8
St.-S.; zwischen nün und zechnen noch mittag wart ein komet gesechen am himel, und ich habs selb ... gesechen am himel schiessen mit einem langen strimen alsz ob ein facklen brun, gab ein schin, alsz ob der mon schin (
ca. 1530)
Basler chron. 1, 25, 14; (
ein komet) der strackte ein weyssen streymen gegen mittag Stumpf
Schweizerchron. (1606) 117
a; am karfrytag ist der himel mit vilen wunderbaren roten und fürigen strymen überzogen gewesen Hans Ardüser (
um 1600)
bei Staub-Tobler 11, 2253. —
von der milchstrasze: dar af dat Iring einen weg makede mit dem swerde ... dar af heit de witte strime in dem hemmele, den men des nachtes suet, Iringes swert. den namen gevens se do den cirkel to dude, aver in dem latin heit he lacteus circulus (
Magdeb. hs. ende d. 15.
jhs.)
städtechron. 7, 17, 31;
galaxia der wisz strym an dem hymmel (1414,
md.), der wecze stryme an dem hemel (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 255
c. 1@cc)
lichtstrahl. vgl. bei Diefenbach
radius licht strymen
u. ä. gl. 483
a,
nov. gl. 213
b;
vallatus frontem radiis dem das haupt mit strymen umbgäben ist Frisius
dict. (1556) 586
b: der (
frawen) antlutz ist geverbet hin nach der sunnen streimen (:rymen)
minneburg 1621
Pyritz; wann einer wil etwaz sehen, so müssen von dem selben ding ... strymen gon bis in sein aug Keisersberg
emeis (1516) 56
b; vnd so eyn dunckeler wolcken vmb die sonnen streimen erscheinet, so sie auffgehet, das bedeut rägenwetter
M. Herr
feldbau (1551) 14
b. —
auf den blick des auges übertragen: syhst
du ... wyter hinjn, und streckest die strymen diner gesycht vff sanctum Johannem Keisersberg
postill (1522) 4, 4
a; die streymen ausz den augen Christi sind getrungen in Petri herz
qu. v. 1650
bei Staub-Tobler 11, 2252. 1@dd)
in verschiedenartigen anwendungen für materielle bzw. plastisch sich abhebende streifen. faser, faden: stamina in ligno vel herbis fäden oder ziserle, strymen wie faden am holtz und kreüteren Frisius
dict. (1556) 1239
a; strimen
filum Maaler
teutsch spr. (1561) 393
b;
stamineus ausz dem viel streymen oder fäden gehn wie ausz einer kunckleten Calepinus
XI ling. (1605) 1377
b; streimen am holtz
stamina Dentzler
clavis ling. lat. (1686) 275
a. —
handlinien: incisurae die streimen in henden E. Alberus
nov. dict. (1540) M 1
a. —
kannelüre: holkäl, lang gehölt streymen an eim ding, wie an ettlichen seulen und stüden
canaliculus columnarum, stria, striatura Maaler
teutsch spr. (1561) 230
c;
striae holkäl wie man an langen sewlen machet, streymen Calepinus
XI ling. (1605) 1388
b. —
von mauerpfeilern: frontati lapides schlosszstein, gehauwen stein darmit man die strymen inn mauren macht, so zu beyden seyten durchgond, zu befestung der maur Frisius
dict. (1556) 586
b. —
von den zacken eines sterns, den armen eines seesterns: orites ... ist ein stein den etlich sigstein nennend, hat vil runde sternle, gleych wie wertzle der brüsten, item fünff strymen oder zincken, wie man die sternen maalet Frisius
dict. (1556) 930
a; diser meerstern hat lange lidweiche streymen als meusschwentz, beweglich Forer
Gesners fischb. (1563)
bei Staub-Tobler 11, 2254. —
crispa ('
gewandfalte'
? s. du Cange 2, 621
c,
vgl. aber abies crispa Frisius,
oben unter a) strime (1420
nd.) Diefenbach
gl. 158
b. 1@ee)
im frühnhd. auch '
blutunterlaufener streifen auf der haut'
als züchtigungsspur o. ä.: liuidus blauwe stryme (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 334
b.
vgl. ebda vibex 617
b,
striga 556
b,
ruga 326
b: (
der kranke) gewinnet auch vil roter strym von den aderen die do neben den flecken här zychen, vnd ist bösz zu heylen Gersdorff
wundarzney (1517) 66
c; (
er) erzeigt hiemit vor allen menschen die strymen und wünderzeichen, die er an seim leib umb Christi willen uffgnommen hett Hedio
chronica (1530) 46 A; vnd er nam sy zu jm ... vnd wuosch jnen die streymen ab
Zürcher bibel (1531) 16 D. 1@ff)
vereinzelte anwendungen. linie, kontur: filum ein strich, strimen, linien; die lidmasz eines angesichts vnd deszselbigen strimen, die hauptstrich Frisius
dict. (1556) 262
b; streymen des angsichts
ders. dictionariolum (1556) 225
b. —
streifen im wasser (
von kielwasserähnlicher wellenbildung): wo er (
der walfisch) dohar fart, so ist es scheinbar, es gibt streymen, als wenn ein schiff dahar fart, dasz man's von fernusz sicht Lavater
d. buoch Job ausgelegt (1582)
bei Staub-Tobler 11, 2254. —
gurges eyn strime des wassers (1472,
niederrhein.), eyn streyme des wassers (1482,
Nürnberg) Diefenbach
gl. 271
b. —
wasserlauf: disen wercklewten befalch man darnach ein pruck vber daz grosz wasser strimen zemachen H. Boner
Herodot (1535) 102
a;
vgl. wasserstriem 1
teil 13,
sp. 2521. —
redensartlich im nd., etwa '
ein (
gefährliches)
stück': Anthonius, Hermen Boten hadden na der katten schoten (
sc. Ludeke Holland verspottet) myt dichten in eynem ryme, dyt wart on eyn veerlik stryme. se mosten darum inligghen in den husen gelick den snygghen (
Braunschweig, ende d. 15. jhs.)
städtechron. 16, 129. 22)
mhd. frühnhd. straim, streim,
der verbreitung im bair.-schwäb. entsprechend meist apokopiert: straim Diefenbach
nov. gl. 188
a s. v. galaxia; voc. incip. teut. (
Speyer um 1485) ee 5
a; straym Diefenbach
gl. 617
b s. v. vibex; voc. theut. (
Nürnberg 1482) bb 5
a; ff 4
b (
s. u.);
vgl. radius liechtstraym, lichtstraim Diefenbach
gl. 483
a;
nov. gl. 312
b.
mit junger endung -en (
oder plur.?) weisz straymen
voc. theut. (
Nürnberg 1482) nn 6
b (
s. u.). 2@aa)
lichtstrahl (
-streifen): wenn si (
die wolken) sich entsliezent in regen, sô durchprechent si der sunnenschein straimen Konrad v. Megenberg
buch d. natur 97, 23; wan man ir kirchen besicht so stond all tafflen voll münch gemalt die ligen in betten, gon grosz guldin streymen durh die fenster vff sy Nazarei
v. alten u. neuen gott 47, 9
ndr.; weil die sonn war im löwen, iren schein thet erheben mit straymen uber-haysz, das mir auszbrach der schwaysz Hans Sachs 3, 311
lit. ver.; da that sich erst die sonn mit jren feurigen straimen herfür Fischart
w. 3, 134
Hauffen. —
lichtstreifen, von der milchstrasze: weiszstraymen am hymel
galaxia voc. theut. (
Nürnberg 1482) nn 6
b;
vgl. Diefenbach
gl. 255
c;
nov. gl. 188
a. 2@bb)
wundmal, züchtigungsspur: vergifft mit eynem stral ein wund gar selten heilt on streymen, masen, fleckenn
mhd. minnereden 70
Thiele; er hatt an seiner menschlichen hawt die geschrifft der chlainen swarczen puochstaben gehabt durch die gaiselsleg, die im an seiner heyligen hawt swarcz fleck, mosen und pluotvarb straym (
litterae) gemacht hetten Hartlieb
dialogus miraculorum 132, 16
Drescher; und disz seindt die rechten gaiselstraich die uns im hui gut straimen machen J. Meichel
kreuzschul (1630) 15. 2@cc)
streifen, bes. farbstreifen: virgula straym des rouchs
voc. theut. (
Nürnberg 1482) bb 5
a s. v. rutlein; desselben jars an sant Jacobs tag da huben die juden die zaichen an zu tragen, die gelben ring, und die jüdin die ploben (
blauen) straim auf den schlairn (
Nürnberg. hs. v. j. 1502)
städtechron. 10, 186, 11; etlich brennend jnen (
den pferden) streymen oder fläcken, mit glyenden ysen (
brandmal als gestüt- oder besitzerzeichen) Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 132
a. (
auf irrtümlicher vermischung beruht streyff
od. straym
striparium voc. theut. [
Nürnberg 1482] ff 4
b;
s. o. 2streif). 33)
nhd. streime
voc. inc. teut. (
Speyer um 1485) ee 6
a; Schöpper
synonyma 51
b Schulte-K.; bei Stieler
stammb. (1691) 2212
als fem. gebucht. streim,
m. Dasypodius (1536) 281
c s. v. vibex; Er. Alberus
dict. (1540) Ee 1
a; Hulsius-Ravellus
teutsch-frz.-it. (1616) 312
b. streymen,
m. Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 279
a. 3@aa)
strahl, auch lichtstreifen: ein yetlichs liecht reycht durch gerad linien so weyt sein streym lauffen Dürer
vnderweysung der messung (1538) O 6
b; so du den harn also in ein geschickt geschir gethon hast, soltu jn nit beschawen an eim ort, da streimen odder glentz der sunnen gegen dir gangen Dryander
arzenei gemeiner inhalt (1542) 46
b; geht die sonn schwartz farb auff, zeygts regen. erscheint vmb jre streim, wann sie auffgeht, ein tunckele wolck, bedeuts regenwetter Sebiz
feldbau (1580) 9; die sonne ... mit jhren streimen Thurneysser
magna alchymia (1583) 100; das die sonne jhr krafft auff den menschen gibt, vnd gibet jhren streimen von jhrem circkel herab Paracelsus
opera (1616) 2, 390 A; dann solche gäng gebendt wenig ertz, dieweil ausz jhnen die streimen der sonnen die metallische materi herausz ziehendt Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 58.
bildlich: wir weichen ausz diser insel, dann wir von den streymen euwer tugent vertryben werden Hedio
chronica (1530) 204
b. — '
radius'
im mathematischen sinne: die streimen vom circkel so wider in sein puncten gehen Paracelsus
opera (1616) 1, 215 B. —
lichtstreifen (
von einem kometenschweif): darbei thet sich erzeigen ein schöner sterne klar, der leucht mit vielen streimen gleich wanns ein ruhte war (1621)
lieder d. dreiszigj. krieges 137
Weller. 3@bb)
durch die farbe sich abhebender streifen: (
Theagenes) ritt mit blossem haupt in purpurfarb mit güldenen streimen durchzognen kurtzen mantel, von schönem bildwerck gewirckt
buch d. liebe (1587) 191
d; die beckelhauben all rodt waren, mit guldin streymen vngefahren Frischlin
Hohenzollerische hochzeit 100
Birl.; und wann der herbst izt stuffenweis herankömmt, schmückt sich die reife frucht mit schön gefärbten streimen
Collins oriental. eclogen (1770) 60.
in der chemie vom streifenförmigen niederschlag der destillationsdämpfe: darnach so nimm das verlutiert glass, setz in ein sand capellen, gib jhm am ersten lind fewr, machs allgemach, biss die spiritus vnd streimen kommen in den recipienten Paracelsus
opera (1616) 2, 553; striae, streimen
werden von den chimicis genennet die striche, so die auffsteigende geister in der destillation an den seiten des helms machen Blancard
mediz. wb. (1710) 520. 3@cc)
züchtigungsspur: reitzende wort, unnütz geplader, wer die nit meidet, findet hader, und nach den werden von im funden unbillich schleg, streimen und wunden Kirchhof
wendunmuth 1, 411
lit. ver. denn gleich wie ein leibeigner knecht wird offt gesteupt, vil streich entpfecht, derselbig nit on streimen ist, also kan auch zu keiner frist ein mensch nicht rein on sünde sein, wer schwert bey gottes namen rein Hans Sachs 19, 95
lit. ver. in sprichwörtlichen redensarten: man sihet an den streimen wol, dasz jhr für dem meister gewesen seyt A. Gartner
dicteria proverb. (1598) 112
b; man kans an den streimen sehen, für welchem meister einer gewesen sey Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Uu 7
b; die geissel macht streimen
ebda Q 4
a. 3@dd)
plastisch sich abhebender streifen. von den langen kristallen des salpeters: der salpeter welcher fein rein, weisz grüblich, lang zapffen oder streimen nach dem leutern vnd schmeltzen bekompt, der wirdt auch für den besten gehalten Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 155
a.