stöbern,
verb. zu oben stöber,
m.: 11)
im eigentlichen sinne von den das wild aufsuchenden hunden gebraucht: sie (
die isländischen wasserhunde) stöbern
aus dem rohr, gleich einem jagdhunde die füchse, ottern und wilden katzen mit besonderem fleisz, dasz man ihnen desto besser im schieszen beykommen kann Fleming
teutscher jäger 182
b; einen hasen aus seinem lager stöbern
vgl. Engel 3, 108; die hunde stöbern das wild aus dem dickicht Campe; und immer lauter erhob sich der jagdruf, die koppel stöberte durch den wald Benzel-Sternau
ebenda; dort links ab, gegen den see zu stöbern die hunde Alexis
Roland von Berlin 2, 159.
so schon in der schilderung der verkehrten welt: da bullen die bauren, und lieffen die hund mit spreiszen heraus, grinnen die hanen und kräiten die sew, und plerten die hüner und stöberten die schaaff
Finkenritter B 2 b. —
besonders beliebt in zusammensetzungen, welche das jägerische bild noch deutlicher machen, wie aufstöbern (
s. th. 1
sp. 751): so diese hunde alles aufstöbern sollen Fleming
teutscher jäger 182
b;
seltener ausstöbern: stöber sind hitzige hunde, stöbern alle graben, ecken und winkel aus Heppe
lehrprinz 14 (
s. th. 1
sp. 988),
und entsprechend fortstöbern (
s. th. 4, 1, 1
sp. 35): aufsuchen und fortstöbern Fleming
teutscher jäger 182
a. 22)
in erweiterter bedeutung von jedem '
aufsuchen, aufscheuchen, auftreiben',
zunächst (
und noch der ursprünglichen sphäre nahe)
von den jägern, welche mit den stöbern (
s. oben)
jagen: ich bin schon zu lange auszer jagdübung, ob mich's gleich gelüstet, wieder ein mahl eins mit zu stöbern maler Müller 3, 366; ich ritt pferde zu tod, tauchte unter schiffszügen weg, schwamm durch die reiszendsten stromschnellen, stöberte tagelang in bergen und wäldern Kürnberger
novellen 1, 66;
vgl. sogar des unzufriednen stöbernde jagd wird endlich widerlich Grillparzer 3, 107.
doch liegt den folgenden gebrauchsweisen vielmehr der vergleich zu grunde (
wie ein stöber
eines aufsuchen und scheuchen). 2@aa)
als nächstes reiht sich hier an aus einem gewandstück die flöhe stöbern
u. s. w.: indem Jupiter so drohete, zog er in gegenwart meiner und der gantzen partey die hosen herunter ohn einzige scham, und stöberte die flöhe darausz, welche ihn, wie man an seiner sprencklichten haut wohl sahe, schröcklich tribulirt hatten
Simpl. 217
neudr.; aber wie schön wird es lassen, wenn dir zum trinckgelde für deine kuplerey ein paar birckene kehrbürsten die flöhe von dem rücken stöbern werden Günther 1002. 2@bb)
feinde auseinandersprengen und aus dem lande jagen: aber schleunig wurden sie (
die ins land eingefallenen feinde) gestöbert und irer in die zwei hundert erschlagen und muszten ungeschaffener sachen fünf bote verlaufen und hinter sich den feinden lassen Waiszel
chronik 182
a; er nam
auch Apuliam und Calabriam ein und stöberte die Saracenen aus Siciliam Nigrinus
papist. inquisition 461; hat er endlich die Bractianer ... übermannet und von einander in städten gestöbert
Simplic. 4, 867
Keller; in neuerer zeit von der razzia der obrigkeit auf strolche u. dergl.: urlauber? es war ja ein deserteur; ... als der gendarm im dorfe nach ihm stöberte, war er davon Rosegger 14, 225; bin ... aufgesessen, um ein biszl zu stöbern. s' ist wieder nit sauber im gau Pocci
komödienbüchlein 2, 112. (
bildlich:) dein blaues auge soll doch wol eine verbuhlte Italienerin aus seinem herzen stöbern Klinger
theater 1, 243.
näher wieder zu 1
rückt (
wohl zunächst im jargon vornehmer kreise): unsern bedienten wiar i' stöbern
fortjagen, entlassen Hupel
Wiener dialekt 158
a,
vgl. auch Albrecht
Leipz. mundart 216
b. 2@cc)
einen aus dem bette stöbern, ihn zwingen aufzustehen und unter der decke hervorzukriechen ( Campe);
vgl. Bernd
Posen 295; den will ich bald aus dem bette stöbern
ihn herauswerfen Adelung;
daneben auch einen aus den federn stöbern. 2@dd)
besonders nach büchern stöbern, unter alten beständen und in heimlichen ecken nach büchern, documenten oder sonst erinnerungen der vergangenheit suchen. die sphäre macht deutlich: die johannisbeerhecken lachen uns aus, dasz wir bei ihrem duft in solchem alten moder stöbern Gutzkow
ritter vom geiste 1, 76; bei meiner vorliebe, in altem gerümpel zu stöbern Seidel
vorstadtgeschichten 120; nur zum vorwande stöberte er in einer ecke, als habe er dort etwas zu suchen Polenz
Büttnerbauer 1, 112;
insbesondere: er (
Kovachich) reist ... und stöbert in allen archiven nach diplomen und handschriften Jacob Grimm
an Wilhelm 365; der oheim hatte eine ziemlich starke bibliothek, in der ich nach gefallen stöbern und lesen durfte, was ich wollte E. Th. A. Hoffmann 10, 90,
vgl. auch: Jamud hatte sich die ersten vier jahre hindurch wenig um die bibliothek gekümmert, oder es war ihm nicht eingefallen, darinnen herum zu stöbern Jung-Stilling 6, 124;
solche jagd wird im einzelnen geschildert: er ... stöberte zwischen den bestaubten bänden Storm 2, 190 (
vgl. aus Schleiermachers leben 2, 173);
daneben noch deutlicher und auch gebräuchlicher: beim stöbern unter alten büchern Strausz 7, 300; so kann sie kommen und unter den büchern stöbern, wie sie es wohl mag, wenn der herr nicht zu hause ist
M. Beer
werke 777; unterdesz sasz die schulkranke Laura in ihrem stübchen und stöberte unter den alten liederdrucken Freytag 7, 111;
auch nach münzen stöbern Dahlmann in dem
briefwechsel mit Jac. und Wilh. Grimm 1, 462;
vgl. sie lungern ganze tage auf dem markt und auf der burg herum, stöbern alte sachen aus dem schutt Mörike 3, 99;
zuletzt auch er stöberte in seinen taschen Vischer
auch einer 1, 77; er faszt das brod und kann's nicht theilen und stöbert, sucht mit wirrem eilen in allen taschen Droste-Hülshoff 2, 41. 33)
in einer begrifflichen vermischung mit dem folgenden intrans. stöbern,
doch noch völlig angeschlossen an unser jägerisches bild: der wind stöbert die schneeflocken
wie wenn es federwild wäre, vgl. recht wie der weih do fleuhet her, die jungen hüner stöbret seer Murner
Aeneis 322
b; denn die erschreckliche menge der feuerflammen ... schienen wegen des starcken windes, welcher dieselbe umbtriebe, und von dem sie biszweilen zusammen geblasen, bald wieder von einander gestöbert wurden Ziegler
asiatische Banise (1689) 650; schon hoben. sich die schweren nebel von den äckern, zerrissen vom stöbernden ost Viebig
das schlafende heer 1, 89;
als zauberische handlung: das hexenwetter, das sie zusammengestöbert hatte, stöbert sie, wie luftblasen hier und dorthin Herder 23, 366;
substant: das röckchen vorm stöbern des blasenden windes über der brust zusammenhalten Viebig
das schlafende heer 1, 233. 44)
bildlich: stöbernder argwohn, verdacht,
welcher der wahrheit auf die spur zu kommen sucht: es war vergebens, dasz die hausfrau, um den stöbernden verdacht des gatten von der familie Hahn abzulenken, viele andere vermuthungen aufstellte Freytag
verl. handschr. 1, 270.